Man muss Dinge so tief sehen, dass sie einfach werden

Was siehst Du gerade, wenn Du einen Moment inne hältst, jetzt, bevor Du Deinen Blog liest? Nimm Dir diesen Moment. Sieh hin.

Wohin wandert Dein Blick jetzt? Was sucht und findet Dein Auge?

Entdeckst Du etwas Ungewöhnliches, etwas das Du nicht da vermutet hast, etwas das Dich sogar überrascht obwohl Du doch vielleicht jetzt in Deinem vertrauen Umfeld bist?

Oder sitzt Du in einem Cafe, in der Hotelhalle, der Tram? Siehst Menschen?

Mach Deinen Blick weich.

Was ist der weiche Blick? Du richtest deinen Blick auf etwas, du fixierst es aber nicht, sondern es ist als ob du hindurch schaust. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor einigen Jahren mal in Mode waren. Du kannst das gleich mal ausprobieren mit einer Hand: Strecke den Arm vor dir aus und hebe die Hand in Augenhöhe. Anstatt die Hand genau anzuschauen, schaue durch die Hand hindurch. Vermutlich siehst du dann die Hand verschwommen, vielleicht sogar doppelt.

Falls du eine Topfpflanze in der Nähe hast, probiere das mit der Topfpflanze. Du kannst das auch probieren z.B. mit einem Menschen, insbesondere wenn er dir den Rücken zudreht. Wenn du so durch den Menschen hindurch schaust, versuche ihn auch von deinem Herzen her zu spüren. Eventuell siehst du dabei auch eine Farbe um den Menschen herum, insbesondere wenn dahinter ein heller Hintergrund ist. Eventuell hörst du auch einen inneren Klang im Ohr.

Oder siehst Du lieber mit Adleraugen ganz genau und scharf?

Worauf focussierst Du Dich dann?

Wenn Du fotografierst, macht Dein Seh-Sinn noch mehr: Er komponiert. Er stellt Schönheit her, er sucht sogar den goldenen Schnitt.

Aber was ist das denn nun wieder?

Der Goldene Schnitt ist eine seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Grössen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmass und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt in der Natur und sogar im menschlichen Körper häufig vor, lässt sich aber auch in Kunst, Architektur und Typografie wiederfinden.

Sehen hat so viele verschiedene Geschichten zu erzählen. Spannend, wenn man bedenkt dass zwei das gleiche sehen können und doch etwas anderes erkennen. So funktioniert optische Täuschung, so funktionieren Suchbilder, so funktionieren sogar psychoanalytische Tricks. Wenn wir etwas nur betrachten, so müssen wir uns Zeit dafür nehmen. Wir dürfen dem Gehirn nicht die Erlaubnis geben sofort zu benennen: Aha ein Baum. Eine Tasse. Eine Brille. Ein Stein.

Kinder sehen noch genau. Ungekünstelt, uninterpretiert, unbeschwert. Das verlieren wir im Laufe des Lebens. Wir machen sogar Entscheidungen, was wir sehen wollen und was nicht. Oder was wir wie sehen wollen. Es ist kein blosses Sehen mehr, sehr oft ist es: Bewerten, beurteilen, vergleichen, verstehen.

Vor einigen Jahren machte ich ein Experiment mit einigen Coachees im Zürcher Hauptbahnhof. Ich klebte Begegnungsflächen am Boden ab. Zwei Stühle. Die Aktion hiess: „Auf einen Augenblick“. Passanten wurden eingeladen, meinen Coachees für zwei Minuten schweigend in die Augen zu schauen.

Was meinst Du, ist da passiert?

ALLE. Ich sage: ALLE Passanten haben die Coachees umarmt oder die Hand gedrückt. Alle bekamen Tränen in die Augen. Alle waren – BERÜHRT.

Wie lange ist es her, dass Du Dich mit dem Sehen wirklich beschäftigt hast? Hebe Deinen Blick vom Display. So oft Du kannst. Siehe. Betrachte. Nimm wahr. Sieh wirklich wirklich hin.

Du wirst berührt werden von dem, was Du betrachtest.
Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Beschäftige Dich diese Woche einmal mit dem wirklichen HIN-SEHEN. WAHRNEHMEN. Das Auge hat viel zu bieten.

Die Welt ist bunt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ohrenschmaus

STOP. Lies diesen Blog noch nicht. Mach die Augen erst rasch zu. Eine oder zwei Minuten. Lausche.

Was hörst Du gerade JETZT um Dich herum?

Welche Geräusche findest Du köstlich? Was bereitet Dir Vergnügen zu hören?

Wie passend, dass ich diese Woche über das Ohr schreiben möchte. In meiner Blog Reihe über die Sinne kommt das Ohr weit weniger euphorisch weg als der Duft, der Geschmack, das Auge. Aber wie sehr bereichert uns das Hören den Alltag! Wie stark ist es auch an unseren Emotionen beteiligt!

Unser Ohr zählt schliesslich zu den wichtigsten Sinnesorganen des menschlichen Körpers. Mit ihm nehmen wir nicht nur Töne und Geräusche war, sondern es steuert auch unseren Gleichgewichtssinn und ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sowie die räumliche Orientierung zuständig.

Richtig hören lässt uns am Leben teilhaben und ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Neben Sprache und Musik nehmen wir durch unser Gehör auch Gefahren und Emotionen wahr.

In der vergangenen Woche hatte ich einmal mehr das Vergnügen, den Harfenklängen meines liebsten Freundes Georg zu lauschen. Wieder einmal hat er es geschafft, im Rosengarten mit seinen Tönen zu zaubern, die Menschen mit der Musik zu umarmen, die Tiere zu berühren, die in und um den Garten waren, man hatte fast sogar das Gefühl, die Bäume neigen sich ein bisschen nach vorne um genauer hin zu hören.

Auf Jersey liegt mein Schlafzimmerfenster genau zur Brandung in der Bouley Bay und ich kann dem Atlantik zuhören, wenn ich einschlafe oder nachts erwache. Das Schönste aber ist der frühe Morgen, wenn ich mit meinen Coachees auf die Klippen gehe zum Sonnenaufgang. Unmittelbar vor dem Sonnenaufgang „singen“ und „kreischen“ die Vögel die Sonne herbei. Fast schon lärmig hört man sie aus allen Büschen und Bäumen das neue Licht herbeisehnen. Wenn dann der erste Sonnenstrahl am Horizont auftaucht, herrscht von einem Moment auf den anderen andächtige Ruhe. Dann erheben sich die Flügel und sie segeln in den Tag. Plötzlich Stille und die Natur hat Platz für die Töne von Meer und Wind. Überall raschelt es, der Tag nimmt sich den Raum, die Menschenohren baden in Köstlichkeiten.

Was hörst Du ganz besonders gern?

Was erreicht Dein Herz durch Deine Ohren?

Wie wichtig ist das Hinhören, das Zuhören, das auf Dein Herz hören für Dich?

Wie genau nimmst Du durch die Ohren die Welt auf?

Wann verlässt Du Dich auf Deine Ohren?

Welche Hörerinnerung aus Deinen Sommerferien hast Du ganz schnell wieder?

Das Mövengeschrei? Kinderlachen? Almkühe mit Glocken? Wasserfall? Bach und fliessendes Wasser? Den Mistralwind? Grillenzirpen?

Widme Dich doch diese Woche einmal dem bewussten Hören. Dann wirst Du sehen, es gibt nicht nur Augenschmaus, Gaumenschmaus sondern auch Ohrenschmaus.

Geniesse!

 

Willkommen in der Adlerperspektive

Und hier noch der link zur göttlichen Musik: http://www.harpmosphere.com

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Immer der Nase nach

Hast Du den Sommer schon gerochen?

Nach was duftet er bei Dir? Wo hast Du Dich aufgehalten?

Die Tage war ich gleich mehrfach mit den Sinnen und der Sinnlichkeit beschäftigt. So sagte mein Sohn zu mir: Das Coolste am Motorradfahren ist, dass man alles so gut riecht, das man sozusagen der Nase lang fahren kann.

Und am Tag danach übernachtete ich in einem fremden Zimmer. Mitten in der Nacht öffnete ich die Balkontür zum Garten. Und da war er: Der würzige Duft nach feuchter Erde, nach Gras und Blumen, nach Frische und dem See, der in naher Ferne lag. Der Duft war so intensiv, weil es die Stunde war, in dem die Feuchtigkeit der Nacht gerade eben so beginnt wieder zu atmen. Ich atmete mit und dieser Duftteppich war so üppig, das ich ihn nicht für das Weiterschlafen eintauschen wollte.

Ein paar Tage später erzählte mir eine Freundin, dass sie in Thailand war und dass sie diesen Duft blind erkennen würde. Die feuchtwarme Tropenluft mit dem Geschmack von Orchideen, Kokosnuss und Gewürzen.

Jedes Land hat seinen eigenen Duft, jeder Ort riecht anders und jeder Mensch, jedes Ding scheint da auch noch Informationen zu liefern, die für uns wesentlich sind. Du kennst bestimmt auch Menschen, die an allem schnüffeln. Zum Beispiel an einem brandneuen Buch, an frischer Bettwäsche, an Kräutern, am Essen, an Textilien und auch an Orten, bevor sie sie betreten.

Frisches Brot, das gerade aus dem Ofen kommt?

Frisch geschnittenes Gras?

Wäsche auf der Leine?

Babykopf?

Kaffee, der eben gemahlen wurde?

Zimtschnecken im Ofen?

Erinnere Dich. Was hat Dir diesen Sommer ganz besonders in der Nase geschmeichelt?

Der Geruchssinn ist der Unmittelbarste der menschlichen Sinne. Während visuelle, akustische oder haptische Signale erst in der Grosshirnrinde des Gehirns verarbeitet werden müssen, wirken Düfte im Gehirn direkt auf das limbische System, wo Emotionen verarbeitet und Triebe gelenkt werden.

Wenn man zum ersten Mal einen Raum betritt oder einen unbekannten Menschen trifft, ist es in der Regel der Geruchssinn, der einem den ersten Eindruck verschafft.

Zudem ist die menschliche Erinnerung eng mit Düften und Gerüchen verknüpft. Ein Geruch kann einen urplötzlich in eine lange zurückliegende und längst vergessene Situation zurückversetzen, in der man ihn zum ersten Mal wahrnahm.

Dieser „Proust-Effekt“ ist nach dem französischen Autor Marcel Proust benannt. In seinem Hauptwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beschreibt er einen Mann, der ein Stück Gebäck in seinen Tee tunkt, worauf er eine Fülle an Erinnerungen an seine Kindheit hat, die tief in seinem Unterbewusstsein verschüttet waren.

Jedes Lebewesen und viele Gegenstände und Materialien sondern Duft in Form von Molekülen ab. Beim Einatmen gelangen die Moleküle zur Riechschleimhaut am oberen Ende der Nasenhöhle.

In diesem fünf Quadratzentimeter grossen Organ befinden sich zwischen zehn und 30 Millionen Nervenzellen, die sich alle vier bis sechs Wochen erneuern und Rezeptoren für zirka 400 verschiedene Duftstoffe besitzen.

Die Nervenzellen münden in den Riechkolben, den Übergang zum Gehirn. Von dort werden die Informationen an verschiedene Bereiche des Hirns weitergeleitet, kombiniert und verarbeitet. Gerüche sind in der Regel sehr komplex und setzen sich oft aus mehreren hundert Elementen zusammen.

Beim Riechen kommen zwei Nerven ins Spiel. Der Olfaktorius steuert das eigentliche Riechen, während der schmerzempfindliche Trigeminus auf beissende Gerüche wie Chlor, Salmiak, Rauch oder auch Zwiebel reagiert. Der Geruchssinn ist eng mit dem Geschmackssinn verknüpft, und erst diese Verknüpfung liefert ein differenziertes Geschmackserlebnis.

Ein gesunder Mensch kann mehr als 10.000 verschiedene Duftnoten unterscheiden. Wer sich gezielt Düften aussetzt und versucht, diese zu kategorisieren, steigert seine Wahrnehmung und kann die Geruchsinformationen besser verarbeiten und benennen.

 

Nun, woran erinnerst Du Dich diesen Sommer?

Die Sonnenmilch?

Den Geruch von Chlor, nachdem Du lange im Schwimmbad warst?

Das gegrillte Fleisch beim Barbecue?

Das Meer – das Salz, die Algen, die Fische, die Frische?

Mach doch in den nächsten Tagen mal einen Nasenspaziergang und lass Dich inspirieren wo es Dir am besten „schmeckt“. Und dann: Geniesse.

Wie schön, dass wir unsere Sinne haben. Die nächsten Blogs widme ich unseren Sinnen, lass Dich mitziehen und geniesse Deine Sinnlichkeit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Vom Opfern zum Widmen

Die Tage hatte ich wieder einmal mit Menschen zu tun, die sich gerne und ausgiebig anderen verschenken. Edel!

Ich erinnere mich daran, wie ich schon diesen Poesiealbum-Spruch gehasst habe: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Der liebe Herr Goethe appellierte gerne an das „Göttliche“ im Menschen, an seine humanistische Moral und seinen Edelmut. Vielleicht waren die Menschen zu Zeiten von Goethe (1749-1832) noch mehr dazu bereit, sich jemandem oder einer Sache ganz und gar zu verschreiben, zu opfern.

Opferbereitschaft ist tatsächlich eine herausragende Eigenschaft des Menschen, er ist bereit, etwas zu opfern. Es gab einen Psychotherapeuten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Viktor Frankl, der hat gesagt: „Der Mensch ist bereit, alles zu tun, wenn er weiss, wofür.“

Wir haben zumeist alle eine grosse Opferbereitschaft und das kann natürlich auch in Schwierigkeiten führen, in Überarbeitung, in religiösen oder idealistischen Fanatismus, in eine ausgeprägte Opferhaltung, in der wir uns selbst und die eigenen Bedürfnisse vergessen.

Wie viele Menschen opfern sich auf für ihren Partner, die Kinder, die Eltern, die Arbeit. Denke ich zurück an all die Ausgebrannten, die ich die letzten Jahre therapieren durfte, dann erkenne ich, wie wenig noch von dem eigenen Wünschen und Hoffen, Empfinden und dem inneren Feuer übrig geblieben ist, wenn sich ein Mensch aufgeopfert hat.

Wie viele Arbeitnehmer habe ich aufrütteln müssen, wenn sie mir unter Tränen erzählten, dass sie ihren Job nicht mehr so machen können wie sie das gerne und lange getan haben. Wie oft musste ich ihnen dann sagen: Es liegt nicht alles auf Deinen Schultern! Du hast auch noch ein Leben!

Für was hast Du schon Opfer gebracht?

Für was bist Du bereit Dich aufzuopfern?

Für was bringst Du aktuell Opfer?

Tust Du das frei-willig oder erwartet man es von Dir? Oder erwartest Du es von Dir?

Bist Du gerne, leichten Herzens, tanzend, fröhlich und glücklich dabei das Opfer für etwas oder jemanden zu bringen?

Oder – uiiiii – bist Du schon in der Opferhaltung?

In der Opferhaltung fühlen wir uns machtlos gegenüber äusseren Einflüssen. Während wir diese Haltung einnehmen, unterdrücken wir meistens unsere Wut und unsere Schuldgefühle, was dazu führt, dass wir anderen die Rolle des Täters zuschieben und die Schuld bei ihnen suchen. In der Opferhaltung zeigen wir uns nach aussen meist freundlich, doch innerlich sind wir hart mit uns selbst und auch mit anderen. Es ist keine sehr aufrichtige Haltung und wir verbrauchen dabei sehr viel Energie, die wir uns und anderen Menschen rauben.

Oft genügt es, sich darüber klar zu werden, dass wir die volle Macht über unser eigenes Dasein haben, nur wir und kein anderer. Haben wir einem anderen Menschen oder einer Situation Macht über uns gegeben, dann können wir uns fragen:

Welchen Nutzen habe ich davon?

Die Antwort kann uns dann Aufschluss über unsere tiefer liegende Motivation geben.

Wenn wir uns dazu entschlossen haben, aus der Opferhaltung auszusteigen, dann kehren wir zu mehr Ehrlichkeit und zu unserer Selbstbestimmtheit zurück. Wir hören auf, andere dazu zu benutzen, uns selbst zu begrenzen und zu bestrafen. Dann halten wir wieder Ausschau nach dem, was uns ausmacht, was wir zu geben haben und wir bringen uns wieder in eine Haltung der Selbstachtung und Selbstverantwortung. Wir entdecken wieder all die Möglichkeiten, die wir haben, anstatt auf das zu schauen, was nicht so läuft, wie wir es gern hätten.

Also, frage Dich nochmals:

Opfere ich mich für etwas auf?

Wenn ja, warum?

Lass Dir Zeit, dieser Frage nach zu gehen (vielleicht bis zum nächsten Blog)

Ich gehe gerne mit dem englischen Wort „dedication“ – dem „widmen“.

Also ich widme mein Leben diesem oder jenem. Wie schön, dieses Wort: widmen. Das beinhaltet ein Geschenk.

Ein Opfer ist niemals ein Geschenk, eher ein Verlust von etwas, etwas das man gibt um damit etwas zu erreichen, aufzuzeigen. Oder etwas, das man selbst wird, wenn man zu viel von sich gibt oder geben musste.

Widme Dich dem Leben mit ganzem Herzen.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Wahre Freunde…

Die vergangenen Tage hatte ich sehr lieben Besuch und konnte einmal mehr den Wert einer echten Freundschaft schätzen. In einem Gespräch mit meiner Freundin zeigte sich, wie genau wir uns kennen und spüren und was echte Solidarität macht. Vor allem: Man verzeiht sich auch einmal Fehler, man kann auch einmal den Faden verlieren, man kann auch mal komplett in Missverständnis baden – aber es zerstört das schöne Band nicht, das besteht.

Es ist das Einverständnis, das eine echte Freundschaft hält. Dieses: Ich bin total einverstanden mit Dir als Mensch, als Freund oder Freundin. Ich liebe Dich auch dann, wenn Du mal schräg bist. Ich feire das Leben mit Dir. Ich weine mit Dir wenn es nicht weiter zu gehen scheint. Und ich reiche Dir die Hand, wenn Du taumelst. Aber auch: Es ändert sich nichts an unserer Freundschaft, wenn Du mir vielleicht auch unbewusst oder sogar mit Vorsatz mal weh tust.

Vor Jahren hatte ich eine Situation: Ich musste einem Freund die ungeschönte Wahrheit über mein Einschätzen der Situation sagen. Es war auf Messers Schneide, ob er es aushält. Denn ich hielt nichts zurück. Machte mich aufgrund meiner Ehrlichkeit verwundbar. Wie einfach wäre es gewesen wenn er einfach nur davon gerannt wäre und gesagt hätte: „Das kann ich nicht ertragen“.

Ich wusste, dass ich mit diesem radikalen Schritt vielleicht unsere Freundschaft gefährde. Aber ich konnte diese Zurück-haltung meiner Gedanken und Gefühle noch weniger aushalten. Er bat um Zeit, um das Ganze zu verdauen. Viele Monate später kam er zurück. Und sagte, er schätze die Situation völlig anders ein aber er könne es aushalten dass wir in diesem Punkt nicht einig sind. Aber in allen anderen waren und sind wir einander nah und es gäbe keinen Grund für ihn, auf unsere Freundschaft zu verzichten.

Freundschaften, die echt sind, halten sich auch aus.

Da gibt es keinen Raum, einander in Frage zu stellen oder eben die Verbindung abzubrechen, wenn sie auf echter Nähe beruht. In meinem Coaching stelle ich irgendwann einmal die Frage: Was beendet eine Freundschaft für immer für Dich?           Als ich diese Frage einer jungen Frau stellte, die einfach wunderbar ist, sagte sie: „Nichts. Denn wahre Freundschaft kann man nicht beenden“.

Es ist schwer, seine Freundschaften auf diesem Niveau zu halten. Bisweilen sogar richtig handfeste Arbeit. Und es braucht viel guten Willen, die beste Intention zu halten.

Für die meisten Frauen ist die beste Freundin ein extrem wichtiger Lebensbestandteil. Sie ist Balsam für die Seele, teilt Freud und Leid, schenkt das Gefühl von Geborgenheit, gibt Feedback.

Freundschaften tun gut: Ihre echte soziale Unterstützung federt Stress ab, sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen und stärkt sogar die Abwehrkräfte von Körper und Seele. Somit tragen gute Freunde zu unserer mentalen und emotionalen Stärke bei.

Ich lade Dich ein, diese Woche einmal über Deine Freundschaften nachzudenken:

Welchen Wert teilst Du mit Deinen Freunden? Wie findest Du sie, suchst Du sie aus? Auf welchen Fundamenten stehen Deine Freundschaften?

Wer ist immer an Deiner Seite, in guten und in schlechten Zeiten?

Wer stützt Dich, wenn Du taumelst und feiert mit Dir, wenn es wieder bergauf geht? Gibst Du das in gleichem Masse zurück?

Gibst Du Deinen Freunden die Wertschätzung, die sie verdienen?

Wo fühlst Du Dich geborgen?

Und Du darfst Dich auch einmal umschauen: Sind Deine Freunde auch dann für Dich da, wenn Du mal schräg bist? Bleiben sie?

Und Du, bleibst Du, wenn sie einmal schräg sind?

Wenn Du diese Fragen gut und aus vollem Herzen beantworten kannst, dann freue Dich über diese wertvollen und wunderbaren Menschen in Deinem Leben. Schenk ihnen ein Lächeln und nutze diese Woche für ein paar Zeilen der Wertschätzung.

Adler fliegen gerne allein. Aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man, wie sie manchmal anderen Adlern auch einmal zuzwinkern: Gut zu wissen, dass Du auch noch da bist.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

(diesen Post widme ich Heidrun)

 

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Was jetzt? Was dann?

Die Tage habe ich mit einer Dame gesprochen, die sich für ein Coaching interessierte, sie war knapp 60, man sah ihr das gelebte Leben schon an – aber auch – eine tiefe Traurigkeit. Als ein älterer Herr mit einem Rollator an uns vorbei ging, füllten sich ihre Augen mit Tränen und sie hauchte: Davor habe ich Angst.

Es war die Perspektivenlosigkeit, die sie in das Gespräch zu mir führte und sie sagte dann auch, sie wolle mit mir besprechen was denn dann wäre, wenn sie aus ihrer Kanzlei aussteigt, wenn das dritte Leben beginnt. Sie war 10 Jahre schon geschieden, nicht in einer erfüllenden Partnerschaft, die Kinder aus dem Haus, keine grossen Pläne geschmiedet. Die Karriere, der Erfolg wäre dann auch abgehakt. Die Eigentumswohnung bezahlt, der Notgroschen vergoldet. Es wäre ja alles da, sagte sie, ausser einer Idee was sie dann tut.

Ich hörte ihr zu und reflektierte einige weitere Gespräche, die ich in den letzten Monaten mit Freunden und Coachees, Bekanntschaften und meiner Nachbarin geführt hatte. Viele sagten dann „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ und ich war immer verwundert über diesen Satz.

Wieso braucht man zum Altwerden Mut?

Weil man die Jugendlichkeit, die Frische einbüsst?

Muss denn Altwerden immer gleichgesetzt werden mit Leiden, Schmerzen, Rente, Kaffeekränzchen und Niedlichsein, mit Oma und Opa, mit silbrigem Haar und Bridge, mit Pflegeheim und Rollator einhergehen?

Kann es nicht einfach so sein, dass wir das Leben, das wir geführt haben, einfach weiterleben? Vielleicht sogar jetzt ein bisschen WILDER weil es eben nicht mehr darauf ankommt, sich anzupassen und dem Diktat der Arbeitgeber, der Gesellschaft, den Konventionen zu gehorchen?

Warum nicht alt und cool sein? Alt und weise? Alt und egozentrisch?

In der letzten Woche traf ich dann eine Lady, die mit langem Silberhaar und wallenden Gewändern, mit endlosen Hippieketten um den Hals und bunten Schuhen in ihrem Camper durch Europa fährt. Auf meine Frage wie lange sie schon so unterwegs sei, sagte sie: Das weiss ich nicht mehr junge Frau. Und wie lange sie so weiter reisen kann? Bis ich tot bin, sagte sie. Brav sei sie lang genug gewesen, habe Mann und Kinder gehegt und gepflegt, das Familienheim, den Garten, die Haustiere und die Berufstätigkeit. Nun wäre es an der Zeit alles zu machen, was sie schon mal machen wollte. Sie wisperte, sie sei an diesem Strand gewesen in der Bretagne, wo man einfach so Leute für Sex trifft und sie habe den jungen Mann sehr genossen. Sie schmunzelte und die Lachfalten zierten ihr altes, wunderbares Gesicht und die blassblauen Augen glänzten.

Was wirst Du tun, wenn Du alt oder älter wirst?

Was ist Dein Wunsch?

Was kannst Du JETZT bereits in die Wege leiten, was Du dann brauchen wirst?

Es geht nicht um Gold und Rente, um einen Platz im Pflegeheim und den Hausarzt um die Ecke, es geht um Deine innere Haltung. Was wirst Du sein, wenn Du alt bist? Glücklich?

Der Dame im Cafe Odeon, in dem ich potentielle Kunden treffe, konnte ich nicht helfen. Ihre Lippen waren zusammengezogen und verkniffen, die Augen bereits im Schlafmodus. Jede Freude war aus ihr gewichen, erstarrt in Regeln und Normen, in Ordnung und Enge. Sie war nicht mehr bereit aus der geliebten Komfortzone zu springen.

Was wirst Du sein, wenn Du alt bist?

Bewahrst Du Dir Deine Lebensfreude, Deine Endorphine, Dein Lachen, Dein starkes schlagendes, trommelndes Herz?

Ich ging nach dem Gespräch im Cafe in ein Kiosk und sah eine Zeitschrift. Darauf stand: Ich bin hier. Und ich bin genauso seltsam wie Du. (Frida Kahlo)

Halleluja!

Mach Dein Leben nachhaltig. Richte Dich ein auf Lebensfreude, Freiheit und Individualität. Mach Dein Ding. JETZT und SPÄTER!

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Stimmt ja auch!

Es gibt so Tage, da ist man verstimmt. Wie ein altes Klavier, das lange niemand mehr bespielt hat. Man fängt schon früh damit an, vielleicht hängt noch etwas nach, oder die Gedanken halten sich fest an einem Gespräch, das unerfreulich war oder einer Gegebenheit, die irgendwie etwas in einem anklingen liess, was schräge Töne machte. Heute war so ein Tag.

Verstimmungen kommen von kleinen emotionalen Kicks. Meistens geht es um nichts. Früher sagte man dazu: Beleidigt. Oder auch: empört. So eine Verstimmung, die ganz plötzlich auftaucht kann auch schnell wieder verschwinden. Man muss nur den Dreck rauslassen, einmal durchspülen (zum Beispiel mit einem Glas Prosecco) und dann wieder den Kopf nach oben und die Nase in den Wind…

Es gibt aber auch Verstimmungen, die länger dauern.

Die Ursache einer „depressiven“ Verstimmung liegt in einem biologischen Ungleichgewicht in den Nervenzellen des Gehirns. Bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter), die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen notwendig sind, sind bei depressiven Verstimmungen in zu geringer Menge vorhanden. Das ist die neurologische Herangehensweise.

Heute hatte ich eine kurze Verstimmung von gefühlten 24 Stunden. Gegen Mittag reichte es mir dann auch. Ich dachte: So, genug jetzt!

Ich machte einfach einen Spaziergang und ging auf Wundersuche. Das geht ganz einfach und Du kannst es überall tun, wo Du gerade bist. Mach die Augen auf, die Nase, die Ohren und schau, was Dir begegnet.

Mir begegnete zuerst eine Lady, die an ihrem Grundstück entlang ging und ein paar Unkrauthalme heraus zupfte. Ich liebe ihr Haus, es ist wunderschön und hat ein freundliches Gesicht. Ganz spontan habe ich ihr das gesagt und sie strahlte dankbar und erzählte mir die Geschichte der 250jährigen Villa. Sie lud mich zum Tee ein, den ich ein anderes mal mit ihr trinken werde. Denn ich brauchte ja noch ein paar mehr Wunder. Ich schlenderte weiter und sah Blumen in Hülle und Fülle, malerisch verwachsene kleine Häuser, süsse Hunde und einige Lächeln von Menschen.

Schliesslich landete ich bei ihm, dem Glücksbringer. Auf der Tafel daneben war eingraviert: „Die Schale als Symbol des Weiblichen auf dem Bauch eines Mannes, der sie mit Wonne trägt. Kitzeln sie ihn einmal mit den Fingern ihrer beiden Hände an den Zehen. Schauen sie ihm dabei ins Gesicht und schon spüren sie den Schabernack und das Glück in ihnen aufsteigen, ihre Mundwinkel beginnen zu schmunzeln und sie sehen das Leben anders. Eben das soll er, der kleine Glücksbringer“

 

Natürlich habe ich den vergnügten Kerl gekitzelt. Und es ging mir wirklich schnell besser. Manchmal braucht es eben ein bisschen Zauber.

Seneca hat einmal gesagt: „An unseren Gedanken leiden wir mehr als an den Tatsachen“.

Die meisten Menschen leiden täglich. Sei es durch tatsächlichen Schmerz, eine unangenehme Situation oder durch das Beklagen von etwas. Dieses Verhalten ist für uns schon fast selbstverständlich (denn seien wir ehrlich: wer beklagt sich nicht?) und wurde uns durch die Erziehung und Gesellschaft vorgelebt und damit leider anerzogen. Wir konzentrieren uns auf das, was nicht gut ist und tragen viel zu oft genau das in die Welt heraus oder halten es uns selbst die ganze Zeit vor Augen.

Wir müssen aber erkennen, dass Glück eine Entscheidung ist. Du musst nicht weiter verstimmt sein! Bring einen neuen Klang in die Welt. Hol Dir Deine kleinen Glücksmomente ab. Mach Deine Sinne auf. Versuche es sofort:

Schau JETZT:

Was gefällt Dir gerade visuell?

Was duftet gerade köstlich?

Was fühlt sich gut an?

Was schmeichelt Deinen Ohren?

Steig aus und beginne einfach von vorne. Wenn Deine Verstimmung nur eine kleine Abzweigung in deiner Stimmungslage ist, dann hast Du die Wahl wieder zum Happyness-Mainstream zurück zu kommen.

Du hast immer die Wahl.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Das Glück der Perfekten, das pure Gold

Willst Du auch unbedingt alles perfekt machen?

Der Perfektionismus ist zu einer „Krankheit“ geworden. In den letzten Jahren habe ich sehr sehr oft genau dieses Problem in meinem Coaching besprechen müssen. Und auch diese Tage hatte ich mit Menschen zu tun, die die Dinge gerne unter Kontrolle haben.

Wie konnte das nur passieren?

Menschen, die gerne perfekt sind, vor allem im beruflichen Kontext, sind vertrauenswürdig, sie überzeugen durch Disziplin, erfüllen die höchsten Ansprüche, man kann ihnen alles anvertrauen und auf das beste Ergebnis setzen. Ich habe solche Menschen auch sehr gerne, wenn ich einmal etwas von jemand anderem brauche. Ich schätze das, Menschen die möglichst wenig Fehler machen. Vor allem wohl Ärzte, aber auch mein Automechaniker, Handwerker, IT Spezialisten. Schön, wenn man weiss: Der/sie kann das perfekt. Man kann sich ausruhen und entspannen, weil man weiss, dass alles gut gehen wird.

Und natürlich bemühe ich mich auch selbst, das Beste zum besten Ergebnis beizutragen, wenn ich als Coach arbeite. Ich ertappe mich dabei, wie ich pausenlos nach den allerbesten Lösungen suche, Sekundärliteratur recherchiere, mit Kollegen spreche.

Es scheint nie gut genug zu sein, wenn wir unsere Arbeit abliefern.
Inzwischen ist dieses Ich bin nicht gut genug aber zu einem geflügelten Satz geworden, der sich auf wirklich jeden Lebensbereich ausweitet.

Der Perfektionswahn hat uns im Griff. Inzwischen ist alles optimiert worden, wir wollen klug, schön, straff, reich, kultiviert sein und dazu noch die beste, allerbeste berufliche Performance liefern. Glatt poliert, glatt rasiert, glatt gebügelt. Das Streben nach Mehr hat uns gepackt, wir verbessern und präzisieren, zeigen Kompetenz und Akkuratesse, alles in Ordnung, alles unter Kontrolle.

In das Streben nach Exzellenz stecken Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus viel Kraft und Zeit. Das persönliche Optimum erreichen die Betroffenen aber nur selten. Dies führt zu einer permanenten Unzufriedenheit und kann sich in einem niedrigen Selbstwertgefühl äussern. Ausserdem wird die eigene Selbstachtung lediglich von Erfolgserlebnissen abhängig gemacht. Gelingt es nicht, ein (perfektes) Ziel zu erreichen, kommt es zu Enttäuschung, Frust und Wut. Ein Perfektionist befindet sich folglich oft in einem Dilemma: Dem Bedürfnis nach Erfolg auf der einen und der Furcht vor dem Versagen auf der anderen Seite.

Das Spagat wird schmerzhaft gross. Die Angst vor den Fehlern, dem Scheitern ist längst so stark geworden, dass Perfektionisten einen Tunnelblick haben und streben streben streben und dabei das Leben verpassen. Kein Platz mehr für Spontanität und Ausbrechen aus der Routine. Wie eng kann so ein Leben werden!

Eine der Lösungen gegen das Perfektionieren ist: Die Kunst des Weglassens.

Bedenke bei allem, was auf Deiner todo Liste ist: Braucht es das wirklich? Ist das Tun dieses Vorhabens förderlich für das Gesamtergebnis? Fördert es mein Wohlsein? Fördert es meine Entspannung? Ist es unbedingt nötig?

Frage Dich, wenn Dein Partner, Deine Kinder, Dein Hund, Deine Kollegen Deine Ordnung einmal mehr in Unordnung bringen: Will ich jetzt Ordnung oder meine Liebe wählen? Will ich die Person mögen oder meinen Haushalt in Ordnung haben?

Und dann schau auf Deinen eigenen Anspruch an Dich selbst:

Reichen vielleicht auch *nur* 80% meines Einsatzes?

Die 80:20-Regel, auch als Pareto-Prinzip bekannt, wurde von einem italienischen Ökonomen im 19. Jahrhundert erarbeitet. Vilfredo Pareto befasste sich mit der Verteilung des Reichtums in Italien und stellte fest, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent des Reichtums besassen. Mittlerweile weiss man, dass diese Regel auf viele Lebensbereiche anwendbar ist: So tragen wir zum Beispiel 20 Prozent unserer Kleidung in 80 Prozent unserer Zeit oder 20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Unternehmensumsatzes aus.

Für uns bedeutet das, dass 20 Prozent der eigenen Bemühungen für 80 Prozent unseres persönlichen Erfolgs ausschlaggebend sind – oder: 80 Prozent der Ergebnisse lassen sich mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreichen.

Was kannst Du sofort sein lassen von Deiner (inneren oder tatsächlichen) To-do und To-be Liste?

Streiche etwas von Deiner Liste:

Spürst Du die Entspannung ? Sofort ?

Ich weiss, von was ich rede. Ich hatte oft eine krankhafte Perfektionsfalle. Das Streben nach dem besten Ergebnis von allem hat mich viel Lebenszeit und Verspannung gekostet. Bis ich einmal mit einem befreundeten Mentalcoach sprach. Das ist unglaubliche 12 Jahre her. Er zeigte mir ein schönes Symbol:

Und sagte dazu: Nicht einmal das feinste und edelste Gold ist 100%!

Warum meinst Du, das erreichen zu müssen?

So, möchtest Du wirklich sagenhafte mindestens 24 Karat sein?

Oder ist Dein freudvolles, glückliches, warmherziges Wesen nicht längst ohnehin schon – PURES GOLD?

Lass los. Entspanne Dich. Alles ist gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

You are welcome!

Kürzlich beobachtete ich eine rührende Szene: Mein Lieblingsmann und ich sassen in einem Cafe und es begann zu regnen. Plötzlich sprang er auf und nahm sich den Arm einer alten Lady, die gerade die rutschig anmutende Treppe hinunter ging. Die beiden konnten kein Wort miteinander wechseln weil sie italienisch und er holländisch spricht, dennoch hatte die Frau totales Vertrauen und fühlte sich nicht belästigt, sondern bedankte sich mit einem riesigen Lächeln.

An diesem Tag sah ich noch einige freundliche Gesten, weil mein Bewusstsein und mein Auge darauf fielen und es gab mir sehr viel Wärme, zu sehen, dass Menschen tatsächlich noch menschlich sein können in einer Welt, die immer egoistischer und abgelenkter wird.

Natürlich ist es immer einfach, freundlich mit Kindern und hübschen Tieren zu sein, vielleicht auch mit alten Menschen, wenn man sich darauf konzentriert. Aber wie ist es mit alltäglichen Begegnungen, Menschen die uns im Zug begegnen, auf der Strasse, im Supermarkt, bei der Parkplatzsuche? Oder überall da, wo gewartet wird?

Bei einem Obststand am Markt, an dem ich kürzlich stand und wartete, werden dann schnell die Ellbogen ausgepackt und es fallen sogar Beleidigungen, wenn man nicht genau in der Reihenfolge dran kommt. Manchmal möchte ich dann gerne sagen: Warum haben Sie es denn so eilig? Muss es schnell gehen das Leben? Muss man schnell weiter? Keine Zeit für die Bedienung? Für ein Lächeln und ein Dankeschön?

Freundlichkeit habe ich von den Engländern gelernt. Nicht jetzt, sondern in den Achtzigern. Ich war total erstaunt, als ich einmal in einen Zug einsteigen musste und mir ein grosser Mann meinen Koffer hinein wuchtete. Natürlich dachte ich zuerst, er will ihn mir stehlen! Ich war voll in Panik, als er ihn nahm und damit einstieg. Dann drehte er sich um und lächelte mich an. Ganz nach dem Motto: „Hab ich gerne für dich gemacht junge Lady“. Als ich in den Folgemonaten sah, wie die Engländer Rücksicht aufeinander nahmen, sich freundlich und zuvorkommend benahmen, war ich sehr erstaunt. Fragte ich nach einem Weg und bekam ihn auch prompt gezeigt, so hiess es nach meinem Bedanken dann gerne: „You are welcome“.

Während dieser Zeit beschloss ich, ein freundliches Leben zu führen. Nicht dass es mir jemand in der Kindheit beigebracht hätte! Ich habe es mir einfach abgeschaut von meinen britischen Vorbildern. Freundlichkeit heisst ja eigentlich auch: Benimm Dich wie ein Freund!

Es will mir nicht in den Kopf, warum das nicht jeder macht. Denn: Freundlichkeit wärmt ja nicht nur den Anderen das Herz sondern auch sich selbst. Man spürt seine eigene Liebe, Zuneigung, Respekt und das eigene Wohlwollen. In den ganz kleinen Gesten.

Freundlichkeit ist auch Sozialkompetenz. Den anderen Menschen mit Respekt, Wohlwollen und Einfühlungsvermögen begegnen, das könnten wir eigentlich alle.

Und dennoch tun sich viele so schwer damit. Wie schade.

Stattdessen werden gerne Youtube Videos auf Facebook herum gereicht, in denen andere freundlich, hilfsbereit und grosszügig sind.

Das kann wirklich jede(r) selbst und sogar ohne Anleitung. Es braucht nur entschlossenes Handeln.

In der selben Woche, in der mein Freund die alte Lady die Treppe hinunter begleitete, war meine Aufmerksamkeit auf die kleinen Szenen des Alltags gerichtet, in denen Freundlichkeit lagen. Das tat mir gut zu sehen. Denn allzu oft begegnete mir auch das Gegenteil: Offene Aversion und Feindseligkeit. Ellbogen und Beschimpfungen, Ignoranz und Egoismus.

Wir alle haben dieses gute Herz, das anderen Menschen freundlich begegnen will. Es braucht nur eine Entscheidung und – Konzentration darauf. Dann kann es leuchten und sich verschenken. Wie schön ist das.

Öffne und trainiere diese Woche einmal das:

Sei freundlich.

Wie die Pfadfinder: „Jeden Tag eine gute Tat“. Es dürfen auch gerne mehr werden. Das gibt Aufwind zum Fliegen.

Willkommen in der Adlerperspektive (aus der ich Dich diese Woche gern imaginär beobachten möchte)

Herrlich sinnlos

Letzte Woche haben wir einen Nonsens Tag gemacht. Das kam ganz natürlich: Ich stand auf und hatte ein Lachen im ganzen Körper. Im Kopf und im Bauch und ich bemerkte, dass mein sonst nimmermüder Kopf keine Lust hatte zu funktionieren. Das Frühstück wurde dann auch kunterbunt und dann erkannte ich: Es ist ein Non-sense Tag. Einer, der keinen Sinn machen wird. Einer der keine geistigen Höhenflüge produzieren würde. Einer, der in meiner Agenda mit Regenbogenfarben angemalt wird, weil man sich mal einen einzigen Tag totalen Blödsinn leisten darf… ganz nach dem Motto:

pipi freiheit

 

Ab und zu sollten wir uns mal Nonsens leisten. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer alles perfekt und leistungsorientiert und optimal laufen muss – mal einen ganzen Tag Dummheiten machen. Nichts Logisches sagen, nichts was irgendwie Sinn machen könnte, Dinge ganz anders machen, umdrehen, das Dessert zuerst und auch mal mit einer Leine ohne Hund laufen. Andere Sachen tragen, die eigentlich nicht zusammen passen. Über Kleinigkeiten schallend lachen. Das Absurde im Alltäglichen suchen.

Ich gab diese Aufgabe immer gerne an meine rigiden Coachees. Einen Tag alles herum drehen. Mit der anderen Hand die Zähne putzen. Unter dem Tisch essen oder ganz und gar ohne Tisch und nur mit den Händen. Kalt duschen. In eine Zitrone beissen, rückwärts gehen. Völlig idiotische Nachrichten verschicken und damit Menschen verwirren. Fremde wie Freunde und Freunde wie Fremde behandeln. Den Partner oder die Partnerin an anderen Stellen küssen. Mitten am Tag auf eine Wiese liegen und lustige Geschichten erzählen. Etwas essen was Du sonst nie isst. Jemanden anrufen und ein verrücktes Date ausmachen. Einfach mal – treiben lassen – ohne Plan. Ohne Sinn. Ohne Absicht.

Oder auch: in einen Supermarkt gehen und etwas kaufen das Du noch nie gegessen hast. Und dann: Salat kochen und Gemüse roh. Eiscreme mit Tomaten. Fleisch mit Marmelade. Lass Dich überraschen!

Mein Sohn, ein begnadeter Koch, sagt gerne, dass es heute nicht mehr ums Essen geht, sondern um „Mouth Sensation“, die Kunden wollen auf der Zunge überrascht werden. So ist die neue Küche vor allem darauf angelegt den Kunden zu amüsieren, viel mehr als satt zu machen.

Haben wir nicht alle, wirklich alle, immer wieder die Lust auf Abenteuer?

Im Leben, im Alltag?

Warum müssen diese Abenteuer in den meisten Fällen so etwas Profanes wie ein Seitensprung sein? Fällt Dir gerade nichts Besseres ein als das Naheliegende, was alle machen?

Ich finde Seitensprünge in den meisten Fällen nutzlos, oft auch ohne Benefit. Und fast immer machen sie Kollateralschäden, die die ganze Sache nicht wert sind.
Das Ausbrechen aus der Langeweile, aus der Routine und den täglichen Mustern kann man doch ganz anders meistern! Die kleine Spielerei im Alltag. Das bewusste Abweichen von den eingeschliffenen Gewohnheiten, das ist doch das kleine tägliche Amusement! Und: Es ist täglich möglich!

Es muss ja nicht gleich ein ganzer Nonsens Tag sein wie in meinem Fall. Obwohl ich sagen muss, dass mich dieser Tag wirklich enorm entspannt hat. So herrlich mal einen ganzen Tag über die absurdesten Dinge zu lachen. Ich habe das Glück mit einem äusserst humorvollen Partner durchs Leben zu gehen und auch einen Hund zu haben, der Abenteuer liebt. Abenteuer kommt aus dem lateinischen advenire und bedeutet Ankunft. Im besten Falle also kommst Du wieder bei Dir an, wenn Du ein Abenteuer hattest.

So einen Nonsens Tag zu machen kann Dir eine ganze Woche Pflichtarbeiten versüssen.

Probiere es aus. Gleich heute. Lass ein kleines Abenteuer zu. Mach etwas, das Dich, eventuell sogar auch andere, amüsieren wird.

Ahhhh – so gut.

Willkommen in der (heute Kapriolen schlagenden) Adlerperspektive.

freiheit