Das Glück der Perfekten, das pure Gold

Willst Du auch unbedingt alles perfekt machen?

Der Perfektionismus ist zu einer „Krankheit“ geworden. In den letzten Jahren habe ich sehr sehr oft genau dieses Problem in meinem Coaching besprechen müssen. Und auch diese Tage hatte ich mit Menschen zu tun, die die Dinge gerne unter Kontrolle haben.

Wie konnte das nur passieren?

Menschen, die gerne perfekt sind, vor allem im beruflichen Kontext, sind vertrauenswürdig, sie überzeugen durch Disziplin, erfüllen die höchsten Ansprüche, man kann ihnen alles anvertrauen und auf das beste Ergebnis setzen. Ich habe solche Menschen auch sehr gerne, wenn ich einmal etwas von jemand anderem brauche. Ich schätze das, Menschen die möglichst wenig Fehler machen. Vor allem wohl Ärzte, aber auch mein Automechaniker, Handwerker, IT Spezialisten. Schön, wenn man weiss: Der/sie kann das perfekt. Man kann sich ausruhen und entspannen, weil man weiss, dass alles gut gehen wird.

Und natürlich bemühe ich mich auch selbst, das Beste zum besten Ergebnis beizutragen, wenn ich als Coach arbeite. Ich ertappe mich dabei, wie ich pausenlos nach den allerbesten Lösungen suche, Sekundärliteratur recherchiere, mit Kollegen spreche.

Es scheint nie gut genug zu sein, wenn wir unsere Arbeit abliefern.
Inzwischen ist dieses Ich bin nicht gut genug aber zu einem geflügelten Satz geworden, der sich auf wirklich jeden Lebensbereich ausweitet.

Der Perfektionswahn hat uns im Griff. Inzwischen ist alles optimiert worden, wir wollen klug, schön, straff, reich, kultiviert sein und dazu noch die beste, allerbeste berufliche Performance liefern. Glatt poliert, glatt rasiert, glatt gebügelt. Das Streben nach Mehr hat uns gepackt, wir verbessern und präzisieren, zeigen Kompetenz und Akkuratesse, alles in Ordnung, alles unter Kontrolle.

In das Streben nach Exzellenz stecken Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus viel Kraft und Zeit. Das persönliche Optimum erreichen die Betroffenen aber nur selten. Dies führt zu einer permanenten Unzufriedenheit und kann sich in einem niedrigen Selbstwertgefühl äussern. Ausserdem wird die eigene Selbstachtung lediglich von Erfolgserlebnissen abhängig gemacht. Gelingt es nicht, ein (perfektes) Ziel zu erreichen, kommt es zu Enttäuschung, Frust und Wut. Ein Perfektionist befindet sich folglich oft in einem Dilemma: Dem Bedürfnis nach Erfolg auf der einen und der Furcht vor dem Versagen auf der anderen Seite.

Das Spagat wird schmerzhaft gross. Die Angst vor den Fehlern, dem Scheitern ist längst so stark geworden, dass Perfektionisten einen Tunnelblick haben und streben streben streben und dabei das Leben verpassen. Kein Platz mehr für Spontanität und Ausbrechen aus der Routine. Wie eng kann so ein Leben werden!

Eine der Lösungen gegen das Perfektionieren ist: Die Kunst des Weglassens.

Bedenke bei allem, was auf Deiner todo Liste ist: Braucht es das wirklich? Ist das Tun dieses Vorhabens förderlich für das Gesamtergebnis? Fördert es mein Wohlsein? Fördert es meine Entspannung? Ist es unbedingt nötig?

Frage Dich, wenn Dein Partner, Deine Kinder, Dein Hund, Deine Kollegen Deine Ordnung einmal mehr in Unordnung bringen: Will ich jetzt Ordnung oder meine Liebe wählen? Will ich die Person mögen oder meinen Haushalt in Ordnung haben?

Und dann schau auf Deinen eigenen Anspruch an Dich selbst:

Reichen vielleicht auch *nur* 80% meines Einsatzes?

Die 80:20-Regel, auch als Pareto-Prinzip bekannt, wurde von einem italienischen Ökonomen im 19. Jahrhundert erarbeitet. Vilfredo Pareto befasste sich mit der Verteilung des Reichtums in Italien und stellte fest, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent des Reichtums besassen. Mittlerweile weiss man, dass diese Regel auf viele Lebensbereiche anwendbar ist: So tragen wir zum Beispiel 20 Prozent unserer Kleidung in 80 Prozent unserer Zeit oder 20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Unternehmensumsatzes aus.

Für uns bedeutet das, dass 20 Prozent der eigenen Bemühungen für 80 Prozent unseres persönlichen Erfolgs ausschlaggebend sind – oder: 80 Prozent der Ergebnisse lassen sich mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreichen.

Was kannst Du sofort sein lassen von Deiner (inneren oder tatsächlichen) To-do und To-be Liste?

Streiche etwas von Deiner Liste:

Spürst Du die Entspannung ? Sofort ?

Ich weiss, von was ich rede. Ich hatte oft eine krankhafte Perfektionsfalle. Das Streben nach dem besten Ergebnis von allem hat mich viel Lebenszeit und Verspannung gekostet. Bis ich einmal mit einem befreundeten Mentalcoach sprach. Das ist unglaubliche 12 Jahre her. Er zeigte mir ein schönes Symbol:

Und sagte dazu: Nicht einmal das feinste und edelste Gold ist 100%!

Warum meinst Du, das erreichen zu müssen?

So, möchtest Du wirklich sagenhafte mindestens 24 Karat sein?

Oder ist Dein freudvolles, glückliches, warmherziges Wesen nicht längst ohnehin schon – PURES GOLD?

Lass los. Entspanne Dich. Alles ist gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

2 Gedanken zu “Das Glück der Perfekten, das pure Gold

  1. eagltirolensis

    Liebe Maren,
    Danke für deine insprierenden Gedanken, genau richtig an einem Montag wie heute. Ich drücke dich.
    Liebe Grüsse aus Südtirol
    Martin

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