Die dargebotene Hand

Vor mehr als zwanzig Jahren machte ein grossartiger Film von sich reden: Der Club der toten Dichter. Für meine schweizerischen Leser: Dead Poet’s Society.

In dem Film geht es um den Sinn des Lebens abseits des Mainstreams. Es geht um Erziehungsmethoden. Um Lebensträume. Um Gemeinschaft. Und auch: Um Poesie.

Das heutige Zitat und das Thema des heutigen Blogs dreht sich um ein Thema, das dort poetisch rezitiert wird. Ein Gedicht von Walt Whitman.

Kommt, meine Freunde
noch ist es nicht zu spät
eine neue Welt zu suchen

Denn ich will weitersegeln
über den Sonnenuntergang hinaus
und obwohl wir nicht mehr die Kraft besitzen
die in den alten Tagen

Himmel und Erde bewegten
sind wir dennoch was wir sind

Noch immer sind wir Helden
deren Herzen im Gleichklang schlagen

Zwar schwächt das Schicksal
uns von Zeit zu Zeit
doch stark ist unser Wille
zu streben
zu suchen, zu finden
und nicht zu verzagen.

(walt whitman)

Mit diesem Zitat möchte ich die kommende Woche einläuten, eine Woche der Freundschaft. Es wird immer dunkler draussen, die momentane Weltlage, die hysterischen Nachrichten, die neuen Einschränkungen, die karge Landschaft, der Nebel, die Talsohle, das alles schwächt uns.

Erinnern wir uns also an unsere Freunde. Schreiben wir einander bestärkende Worte, schicken uns vielleicht kleine Geschenke, stützen und unterstützen wir uns. Zünden wir Lichter an, schwelgen in Erinnerungen, machen eine Liebeswelle.

Was bedeuten Dir Deine Freunde?

Warum hast Du sie in Dein Leben gewählt?

Was inspiriert Dich an ihnen?

Wie inspirierst Du sie?

Rückt zusammen, schliesst den Kreis. Die, die mutig sind und über dem Virus Hype stehen, können einander umarmen, die anderen einander Nachrichten senden. Wann hast Du Deinen Freunden das letzte Mal gezeigt, was sie Dir bedeuten?

Jetzt wäre Zeit dafür.

Adler fliegen alleine. Ich auch, ganz oft, sogar fast ausschliesslich. Aber manchmal falle auch ich aus allen Wolken oder sitze schwach in der Felswand. Dann spüre ich das Netz aus Freunden. Sie sind da und halten den Raum. Herrlich, solche Freunde zu haben.

Schenke Lächeln, Liebe, Licht in dieser Woche. Machen wir die Welt ein bisschen hell. Nutze den Tag, die Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich all meinen Besties. Und vor allem den wunderbaren Menschen, die mich schon jahrzehntelang begleiten. Ralf, Heidrun, Nadia,Pan und Georg. Schön, dass Ihr alle da seid!

Mi Mi Mi

Als ich das erste Mal im Land des Lächelns war, fiel mir wegen der vielen wunderschönen Eindrücke von Thailand gar nicht auf, was diesem Reiseziel diesen treffenden Namen gegeben hat: Die Menschen sind tatsächlich immer am lächeln! In einem Gespräch mit einem Thai fragte ich ihn, was denn alle hier so glücklich macht und ob sie denn nie schlechte Laune hätten. Er sagte: „Wir haben das schon, aber dafür ist niemand anderes zuständig, deswegen belasten wir andere nicht damit“.

Ganz anders hier in den westlichen Ländern, wo es kollektive Endlosschlaufen von negativen Gefühlen gibt, die alle abbekommen. Besonders schlimm diese Tage: Das Jammern.

Wie oft jammerst Du? Und worüber?

Und was macht es mit Dir, wenn andere Dich anjammern?

Als Coach habe ich vielleicht eine längere Toleranzgrenze. Aber wenn es dann ganz lange und immer wieder passiert und es immer die selbe Person ist, dann merke ich, wie mir der Geduldsfaden reisst und ich harsch und bestimmend werde. Denn: Jammern heisst: Ich bin in der Opferrolle und brauche etwas von Dir! Ich möchte dann gerne mal fragen: Hast Du Dir das Jammern selbst beigebracht oder warst Du an der Akademimimi?

Jammern dient nur einem Zweck: Sich Luft machen über die scheinbaren Ungerechtigkeiten. Nach Hilfe betteln. Nach Anerkennung und Trost betteln.

In keinem Fall hat Jammern einen positiven Effekt. Weder für Dich noch für andere. Jammern macht Dich schwach, nimmt Dir die Möglichkeiten selbst etwas zu ändern, bringt Dich in die Kleinkindhaltung zurück.

In letzter Zeit gibt es diesen lustigen Ausdruck: Mi Mi Mi….. und dabei belustigen wir uns über den, der da jammert. Das mimmt dem Ganzen ein bisschen den Ernst und zeigt auch gleichzeitig auf, dass es ein Psycho-Spiel ist, eine verdeckte Transaktion, um Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen.

Meistens finde ich Jammern interessant, manchmal nervt es mich auch. Wenn ich mal jammern muss, dann frage ich mein Gegenüber: Darf ich Dich mal anjammern? Dann hört er/sie mir geduldig zu und dann lachen wir darüber. Weil es eben nur ein Spiel ist, nicht ernst zu nehmen. Manchmal wollen wir einfach mal schwach sein. Dann ist das in Ordnung. Aber danach müssen wir lachen. Die Ärmel hochkrempeln und weiter machen.

Wenn Dein Gegenüber Dich aber anfängt zu nerven mit dem Jammern, dann tut es gut, wenn Du ihn da raus holst. Hör ihm ein paar Minuten zu (mit dem Mi-Mi-Mi im Hinterkopf, so dass Du Dich heimlich ein bisschen amüsieren kannst) und dann frage ihn:

Und was ist jetzt gerade gut?

Und wofür bist Du dankbar?

Das geht ganz schnell. Die Endlosspirale ist beendet und der Andere kommt wieder an die Oberfläche. Den Kopf wieder über Wasser. Und jetzt: Schwimmen!

Jammern hat niemals einen ernsten Hintergrund. Wenn jemand wirklich in schweren Problemen ist, dann jammert er nicht. Dann ist er ganz ruhig, plant den Ausstieg, denkt über die nächsten Schritte nach, ist in Gedanken und Sorgen gefangen. Aber er jammert nicht mehr.

Nimm es also mit Humor, wenn jemand Dich anjammert. Wenn Du ihm gut gesonnen bist fragst Du ihn, was jetzt gerade gut ist. Wenn er Dich nervt und Du ihm nicht weiterhelfen magst denkst Du Mi Mi Mi und gehst selbst weiter.

Niemand jammert für immer. Das ist immer nur situativ. Das Leben geht zu schnell, die Situationen ändern sich zu oft, als das man darin verharren kann.

Bleib aufrecht. Bleib in der positiven Grundstimmung. Finde Lösungen. Geh voran. Und vergiss nicht: Wer spielt ist kreativ.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Berührt sein

Ich hab’s getan letzte Woche. Wieder und wieder und wieder. Ich habe Menschen umarmt, die mir etwas bedeuten. Hab sie fest an mich gedrückt. Bei einigen, die mit dem Angstvirus infiziert sind, haben wir die Köpfe in die andere Richtung gedreht, bei einigen anderen nicht. Es war gut und echt und ehrlich.

Berührung ist unsere erste Sprache, die wir lernen. Als Baby und Kleinkind werden wir ständig berührt. Es ist ganz natürlich, das zu tun. Kinder brauchen diese Kontaktaufnahme. Sie fühlen sich schnell sicher und geborgen, wenn man sie hält, an den Händen nimmt, ihnen weiter hilft und wenn man sie wieder aufhebt wenn sie hingefallen sind.

Berührung ist elementar im Leben. Wir könnten das jetzt physiologisch erklären, das grösste Organ des Körpers, die Haut. Die Hautrezeptoren die einen ganzen Cocktail an Hormonen freisetzen. Die CT Nervenbahnen, Oxytocin und Endorphine, körpereigene Opiate. Reduzierung von Stress und eine ganze Bandbreite von neurologische Prozessen, die von Berührung in Bewegung gebracht werden. Berührung prägt sich in uns ein.

Man kann sich das vorstellen wie in einer Kaninchenhöhle, wo sich diese vielen kleinen Kaninchen, die übrigens auch C-Fasern haben, alle aneinander kuscheln. Damit wissen sie: es ist jemand anderes neben mir, der ist auch warm, das fühlt sich gut an. Der Herzschlag geht runter. Wird ein Kaninchen isoliert, werden die C-Fasern nicht mehr aktiviert und das Kaninchen bekommt Panik.

Aber was macht Berührung im täglichen Leben aus? Wie wichtig ist das für Dich, berührt zu werden? Und damit meine ich: Haptisch. Also nicht über die anderen Sinne, die auch alle fein sind. Ganz handfest also:

Wie wichtig ist Berührung für Dich?

Ich hatte vergangene Woche ein schönes Gespräch mit einem wunderbaren ehemalige Coachee. Ein feiner und erfolgreicher und interessanter Mann, der mir erklärte, dass Berührung bei ihm alles ist. Dass er ohne die Hand seiner Liebsten keine Liebe spürt, auch wenn sie darüber reden würde. Auch wenn der Ring am Finger die Liebe versprochen hat. Das wirkliche „Bonding“ bekommt er, wenn er sie spürt, wenn die Verbindung zu ihm physisch wird und nah.

Nach dem Gespräch war ich dafür sensibilisiert und achtete darauf, was das bei mir auslöst, wen ich berühre, von wem ich berührt werde. Ein fantastisches Experiment, wenn man dafür wieder ganz wach sein darf.

Hast Du heute schon jemanden berührt?

Warum?

Wie hat es sich angefühlt?

Mein Hund macht das ganz schlau. Erst schnüffelt er, ob Gefahr in Verzug ist. Dann kuschelt er sich langsam in die Nähe des potentiellen Streichlers. Dann legt er sich auf die Seite, leicht auf den Rücken und streckt seine Beine nach oben. Ganz einfach. Und dann kommt der lange Knuddel.

Leider können wir nicht die selbe Strategie fahren, um berührt zu werden. Aber wir können dazu einladen. Offen sein. Augenkontakt haben. Wirklich präsent sein mit dem Wesen vor uns. Bezug nehmen im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gemeinsame spüren. Sich verbinden. Dann wird es in der Regel immer zu einer Berührung kommen.

Ich denke gerne an meine Umarmungen letzte Woche. Und an die, die in meinem Leben besonders waren. Wenn Du genau hinspürst, erinnerst Du Dich auch noch an solche. Und wenn Du Dich nicht mehr so genau erinnern kannst, dann – na los.

Lass Deine CT Nervenbahnen diese Woche doch einfach mal richtig ausflippen.

Oder buche mindestens eine Massage. Mit Maske, wenn es sein muss.

Aber sei berührt. Das tut gut und hält Dich gesund.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blogg ist für ganz viele Wunderbare geschrieben, aktuell aber sicher für Anaita, Pan, Mauri und Stephan.

La vie e belle ?

Sie war 1918 geboren und hiess Magdalena, wurde aber immer nur Leni genannt. Ihr Name blieb jung, weil ihr Leben eigentlich nur stattfand, als sie jung war. Als junge schöne Frau lernte sie Heinrich kennen, der bald in den Krieg ziehen musste. Sie waren beide ideologisch auf der damals stimmenden Seite. Er kam von der Front um mit ihr Kinder zu machen für das neue Vaterland, schon mit 21, dann noch einmal mit 23 bekam sie ein Kind. Den Mann hat sie nie wieder gesehen, er sei „gefallen“ wie man damals sagte, tapfer an der Front wurde behauptet. Sie blieb, wie viele andere, alleine zurück.

Während des Kriegs gab es kaum etwas zu essen und unendlich viele bange Stunden in den Bunkern mit den kleinen Kindern. Danach ging es an die Aufräumarbeiten, die Trümmerfrauen bauten Deutschland wieder auf. Fast alle Männer waren tot, viele traumatisiert oder invalide. Magdalena hat nie mehr einen Mann geliebt, auch, weil es viele viele Jahre keine mehr gab. Sie zog die beiden Kinder alleine gross, eine Zeit der Härte und Entbehrung, eine einsame Zeit. Ihre klägliche Kriegswitwenrente vom Staat besserte sie mit Näharbeiten auf. Es gab nicht viel Helles in ihrem Leben. Später wurde sie eine liebende Grossmutter, sie war aber immer einsam und allein. Sie starb früh nach einem ungelebten durchlittenen Leben. Die letzten Jahre ertrug sie das Leben nur noch mit Schmerzmitteln, nach denen sie süchtig war. Das Leben ein Schmerz.

Magdalena war meine Grossmutter. Ich kann mich nicht mehr gut an sie erinnern. Konnte sie auch nicht fragen nach ihren Gedanken, den schönen Momenten in ihrem Leben, nach Idealen und unerfüllten Wünschen. Ich war selbst noch im Tiefschlaf des Lebens als sie ging. Heute schaue ich auf ihr Leben zurück und vergleiche und spüre Dankbarkeit für mein Leben.

Das Leben – eine Reise.

Wie ist die Geschichte Deiner Ahnen?

Was haben sie Dir hinterlassen?

Hast Du ihr Leben nachgelebt?

Oder genau das Gegenteil?

Was hast DU bislang gemacht aus dem Geschenk des Lebens?

Lebst Du DEIN Leben oder eines, das jemand anders für Dich bestimmt hat?

Wenn wir unsere Ahnenlinien zurück verfolgen bekommen wir immer Antworten auf dies und das, was uns antreibt oder erschüttert. Wir können enorm viel lernen aus diesem Geschenk. Wir können verstehen und verzeihen, unsere eigenen Entscheidungen vielleicht noch genauer verstehen.

Denn: Wir müssen nicht das Leben unser Vorfahren leben. Wir dürfen und müssen entscheiden, was unsere Grundmotivationen im Leben sind. Auch und gerade wegen der Geschichte unserer Ahnen.

Zurück blickend auf meine Oma weiss ich, dass ich auch wegen ihr hedonistisch veranlagt bin. Alles erfahren und alles erleben will. Lieben und geniessen will. Das war schon immer so. Dem Tag entgegen jubeln, das Leben ganz und gar umarmen.

Was hat Deine Lebensgeschichte zu erzählen?
Die Deiner Eltern und Grosseltern?

Wir sind jetzt im Monat November angekommen. Nebel und Dunkelheit und Rückzug, auch von aussen gewünscht im Moment. Zeit für Ein-Sicht und Rück-Sicht. Mache Dir klar, was Deine Ahnen Dir sagen wollen. Was sie Dir da gelassen haben. Schau Dein Leben an. Ist es ein gutes, ein reiches und gut gelebtes Leben?

Und wenn (noch) nicht – Was kannst Du für seine Tiefe, seine Schönheit, seine wertvolle Essenz (noch) tun?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Anpassen? Rebellieren?

Das Prinzip „Anpassung oder Rebellion“ entsteht in der Regel schon früh. Als Kinder und Jugendliche wählen wir irgendwann einen der beiden Wege.

Es geht vor allem darum, wie wir mit den gesellschaftlichen Erwartungen umgehen. Während einige in den vorhandenen, vorgegebenen, erzogenen Strukturen ihren Weg gehen, wählen die anderen Abgrenzung auf der Suche nach der eigenen Identität. Rebellen setzen sich bewusst durch ihr Äusseres, durch ihr Verhalten und durch ihre Entscheidungen von dem Vorgegebenen ab.

Beide Wege werden immer wieder begangen, in der Folgezeit wählen wir unsere Partner, die Berufe, die Lebensform, die Entscheidungen aufgrund von Anpassung und Rebellion.

In meiner Arbeit als Coach sind mir beide Typen gleich lieb. Mit den einen ist es konfliktfrei und konstruktiv zu arbeiten, mit den anderen ist es lustig, unerwartet und kreativ. Was ich aber immer wieder gleich aufzeige, ist:

Du musst Deinem eigenen Wesen folgen.

Der Angepasste kann noch so sehr versuchen rebellisch zu sein, es wird ihm aber letztlich nie gelingen, weil er früher oder später wieder in die Komfortzone gleitet. Der Rebellische kann noch so sehr versuchen mizuspielen und zu gehorchen. Dieser Kraftakt wird ihn früher oder später in eine noch grössere Leidenschaft zum Ausbrechen bringen.

Das einzig Wichtige ist: Finde Deinen Wesenskern.

Was in in Dir ist wesentlich angelegt?

Was also ist für Dich wesentlich?

Welchen Idealen entsprichst Du? Welches Temperament hast Du? Wie fühlst Du Dich wohl? Was brauchst Du wesent-lich damit es Dir gut geht?

Ein berühmter Gelehrter aus dem Mittelalter, Meister Eckhart, hat einmal gesagt: „Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind.“

Wenn unsere Berufswahl, die Wahl unserer Partner und die Wahl unserer Lebensform aufgrund unseres inneren Spürens, was für uns richtig ist, getroffen würde, dann wären wie immer auf dem richtigen Weg.

Ich schreibe diese Zeilen wegen dem Wahnsinn, der uns gerade von aussen begegnet. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mit mehreren Meinungen und Interpretationen, Vermutungen und Befürchtungen konfrontiert werde. Das einzige, was mir dann wieder Boden unter die Füsse bringt ist:

Wie geht mein Wesen mit dieser Situation um, wenn es dem eigenen Wesentlichen folgt?

Was entspricht Dir?

Woran glaubst Du?

Lass Dich nicht von Dir weg bringen, wähle Deinem eigenen Wesen entsprechend. Passe Dich an Dich an. Rebelliere wenn es Dir entspricht gegen das aussen. Spiele beide Saiten – es ergibt einen Klang, der Dich beschreibt.

Also nochmals:

Passe Dich Deinem Wesen an.

Rebelliere, wenn es Dir entspricht.

Bleib Dir treu.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Zürück zu Dir.

In der vergangenen Woche habe ich mit einer jungen Frau gesprochen, die schwer ausserhalb jeder Balance war. Das Leben hat sie hin und her getrieben, sie sagte, es ginge alles zu schnell, es wäre zu unordentlich…. wir mussten alle Puzzleteile auf einen Tisch werfen und neu zusammen setzen. Das Bild, das sich ergab war eine Art Spirale…

Es war ein bisschen so, als ob wir von aussen beginnen mussten, alle Teile wieder zu kon-zen-trieren und dann in ihre stille Mitte kommen konnten. Denn: Die Mitte ist in jedem von uns köstlich still. Mag das Leben auch noch so durchdrehen, es gibt etwas, in das Du Dich zurück ziehen kannst.

Die Coachee wusste das instinktiv. Die letzten Monate hat sie immer wieder die Embryostellung eingenommen, wenn sie schlief, sie musste sich zusammen rollen und in dieser Stellung in ihrer Körpermitte die Ruhe finden.

Etwas in Dir ist immer still und wertvoll. Manche nennen es „die innere Stimme“, manche nennen es „Intuition“. Ich bin überzeugt, in unserem tiefsten Inneren können wir immer entscheiden über Gut und Schlecht, Wahr und Unwahr, über das was für uns richtig und stimmig ist.

Nachdem unser aller Leben im Moment ein bisschen „durchdreht“ ist das Zurückfinden in den inneren Raum für uns vielleicht eine Lösung, etwas zu finden, das sich nicht erschüttern lässt. So wie die Nabe eines Rads, die stets ruhig bleibt, wenn das Rad sich dreht…

Wie findest Du also zurück?

Konzentriere Dich auf folgende Meditationsfragen:

Woran glaube ich, was ist unerschütterlich bei mir?

Was ist mir wichtig?

Was erwarte ich von meinem Leben?

Was habe ich zu geben?

Was in mir ist ganz besonders wertvoll?

Wenn Du diese Fragen beantwortes,t wirst Du sehr schnell eine innere Ruhe finden. Ein sicherer Hafen in Dir. Du kannst Dich immer wieder in diese Mitte zurück ziehen. Und wenn Du Dich wieder ausgeruht fühlst, dann gehst Du die Spirale wieder nach draussen und strahlst Deine innere Wahrheit in die Welt.

So kann die Welt ruhig ein bisschen schnell und unordentlich sein. In Dir selbst aber bist Du:

klar und ruhig.

Meine Coachee ist mit der neu ausgelegten Ordnung in sich selbst wieder beruhigt. Als ich sie zurück brachte hat sie gelacht und gestrahlt. Und Ihr Gang war gefühlte hundert Kilo leichter.

Wenn die Welt in Unordnung gerät, dann finde die Ruhe in Dir.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Irrweg und Herzweg

In der vergangenen Woche hatte ich eine wunderbare, gefährliche Frau im Coaching. Dass sie gefährlich ist, haben wir erst nach einigen Stunden intensiver Arbeit heraus gefunden. Warum denn das? Sie hatte drive, Feuer, Eigen-sinn, Eigen-artigkeit und extrem viel Lust am Leben. Und: Sie hatte radikale Entscheidungen getroffen, für deren Durchsetzung sie noch ein bisschen Schubkraft brauchte.

Die Geschichte ist exemplarisch: Die Coachee hatte viele Jahre, gar Jahrzehnte, ein angepasstes Leben geführt. Wirklich unglücklich war sie dabei nicht, das Leben war gut und es verlief vorhersehbar und in den so genannten „geregelten Bahnen“. Aber es hatte eben wenig Eigensinn und sie erledigte ihre Pflichten, war zufrieden, weil man das von ihr ungesagt verlangte.

Das ungelebte Leben schrie schon sehr laut, als sie den Verlust eines nahen Menschen verkraften musste. Aus dieser Krise heraus nahm sie sich die Freiheit, noch einmal ein ganz anderes Leben zu leben. Quasi eine Kehrtwende um 180 Grad. Mutig! Sie hat wirklich alles aufgegeben und verändert was ging.

Die Kraft und das glucksende Lachen, das daraus entstand, war noch verhalten, aber ich bemerkte es gleich in ihren Augenwinkeln, als ich sie sah.

Im Adlercoaching war sie zu noch mehr Wagnissen bereit. Sie stellte sich den eigenen Blockaden und sprang in riesigen Sätzen auf den Abgrund zu, um schliesslich kraftvoll ins eigene Leben zu fliegen.

Menschen, die sich nach einem Irrweg noch einmal zu einem neuen Leben entscheiden, machen mir Freude. Wie mutig und eigensinnig, wie radikal und freudvoll, das eigene Leben in beide Hände zu nehmen und zu sagen: So, jetzt stelle ich mich mal ans Ruder!

Warst Du in Deinem Leben auch schon einmal verirrt?

Wie lange bist Du dem falschen Weg gefolgt? Und vor allem: Warum?

Nicht, dass ich davon ganz frei wäre, derzeit korrigiere ich selbst einen fatalen Fehler, der mich tief in den Dschungel statt in die endlose wunderbare Himmelsweite führte. Ich muss schmunzeln, wenn ich das heute betrachte.

Irrwege sind nicht schlimm. Ihnen zu folgen auch nicht. Nur: Irgendwann darf man auch einmal aus einem Traum aufwachen und sagen: Das reicht jetzt, ich muss umkehren, den Weg zurück nehmen bis an den Moment, an dem ich falsch abgebogen bin. Und dann in die andere Richtung laufen. Da gibt es plötzlich Rückenwind und es treibt uns so schnell vorwärts, als hätte der Weg lange auf uns gewartet und müsste uns jetzt die vergangene Zeit wieder gut machen.

Wo bist Du einmal falsch abgebogen?

Und: Hast Du schon korrigierend eingegriffen oder folgst Du dem Weg, weil Du meinst, die Kraft nicht aufzubringen, da auszubrechen?

Oder suchst Du etwas und weisst nicht genau was? Und gehst halt so lange auf dem eingeschlagenen, auch irgendwie gemütlichen Weg weiter?

Es gibt einen wunderbaren Text von Carlos Castaneda, den ich hier zitieren möchte:

Der Weg mit Herz

Alles, was du tust, ist einer von tausend möglichen Wegen. Darum denke immer daran, dass ein Weg nur ein Weg ist. Wenn du spürst, dass du ihm nicht folgen solltest, dann setz ihn nicht fort, unter keinen Umständen. Um diese Klarheit zu erzielen musst du ein diszipliniertes bewusstes Leben führen. Nur dann wird dir stets bewusst sein, dass ein Weg nur ein Weg ist – und dass es keine Schande ist, weder für dich noch für andere – ihn zu verlassen, wenn dein Herz es befiehlt.

Deine Entscheidung, einen Weg zu verfolgen oder ihn zu verlassen, muss aber frei von Angst und Ehrgeiz sein. Ich warne dich. Prüfe jeden Weg genau und mit Sorgfalt. Erprobe ihn so oft, wie du es für notwendig hältst. Es gibt eine Frage, die nur ein sehr weiser Mensch stellt. Mein väterlicher Freund hat mir davon berichtet, als ich jung war; aber damals war mein Geist noch zu stürmisch, als das ich sie verstanden hätte. Jetzt verstehe ich sie. Ich werde dir sagen, wie sie lautet: Hat dieser Weg ein Herz?

Alle Wege sind gleich: Sie führen nirgendwo hin. Sie führen durch den Wald oder in den Wald hinein oder hinaus. In meinem Leben, darf ich wohl sagen, bin ich viele lange Wege gegangen, aber ich stehe nirgendwo. Die Frage meines väterlichen Freundes ergibt jetzt einen Sinn. Hat dieser Weg ein Herz?

Wenn er eins hat, dann ist der Weg gut, wenn nicht, ist er nutzlos. Beide Wege führen nirgendwohin aber einer hat ein Herz, der andere nicht. Der eine wird eine freudvolle Reise bringen, solange du ihm folgst, wirst du im Einklang leben. Auf dem anderen wirst du dein Leben verfluchen. Der eine macht dich stark, der andere schwächt dich.

Für mein Leben sehe ich eine andere Wahl: Ich reise nur auf Wegen, die ein Herz haben – auf jedem Weg, der ein Herz haben könnte. Diesen Weg wähle ich, und die einzige Herausforderung von Wert liegt darin, ihn in seiner vollen Länge zu Ende zu gehen. Dort also gehe ich und suche und suche, atemlos.

(Das Leben des Don Juan)

Wo ist Dein Weg? Gehst Du ihn schon?

Oder verleugnest Du ihn?

Oder traust Dich nicht, ihn zu gehen?

Wieder einmal möchte ich meine Adler Analogie aufnehmen: Wenn der Adler keinen Aufwind hat: Dann fliegt er nicht. Niemals käme er auf die Idee, in einen luft (thermik-) leeren Raum zu fliegen und seine Schwingenkraft mit Flattern zu verbrauchen. Er entscheidet immer wieder neu. Er lässt sich nicht verführen durch das, was sich aussen zeigt. Er folgt seinem inneren tiefen Wissen wer er ist, was er will, was er braucht. Und dann: Holt er es sich.

Wir können uns verirren. Und das tun wir hoffentlich alle einmal. Wichtig ist: Neu entscheiden: Dient dieser Weg mir? Entspricht er meinen Herzenswünschen? Will ich ihn weiter gehen? Gibt es einen, der mir mehr entspricht?

Überprüfe das doch diese Woche. Sind Deine Wege noch die, die Dich wirklich glücklich machen?

Wenn nicht: SPRING AB: Entscheide Dich neu. Du kannst das.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich in grosser Freude und Anerkennung: Susanne und Kathalin.

Feuer!

Letzte Woche wurde ich durch eine spannende Begegnung an meine liebste Frage erinnert, denn endlich durfte ich sie wieder einmal stellen:

Wofür brennst Du?

Der Klient war ein junger Mann, der tatsächlich brennt. An allen Ecken, vollständig. Was für ein Vergnügen!

Also, hier ist sie noch mal, die Frage aller Fragen:

Wofür brennst Du?

Und ich muss hinterher schicken: Brennst Du überhaupt?

Das ist wohl auch der Grund, warum ich die Frage länger nicht mehr stellen konnte. Wir haben das Brennen verloren. Ich sehe nur noch wenig glänzende Augen und atemloses Berichten von leidenschaftlichen Aktionen, Plänen und Ideen.

Dabei ist es so wichtig, das Brennen. Die Leidenschaft. Vielleicht auch sogar ein bisschen die Obsession. Eine Sache, der wir alles unterordnen. Der rote Faden, der sich durch unser Leben zieht und dem wir wild entschlossen folgen.

Zurück kommend auf den jungen Klienten finde ich eine Geschichte, die ich schon so oft gehört habe. Die Berufswahl. Die grossen Fragen: Wie mit wem und von was will ich leben? Was entspricht mir? Was wähle ich? Was will ich unbedingt?

Die meisten Menschen stolpern in eine Vita. Werden geleitet, von den Eltern, den Erziehern, den Vor-Bildern. Und laufen mal los. Ganz ehrlich: Meist in die falsche Richtung. Denn wir lernen uns ja nicht selbst kennen, lernen lieber den Soff, den die Schule vorgibt, lernen die gesellschaftlichen Regeln, lernen wie andere Leben. Nur wenige leiten daraus ab, was sie auch möchten oder nicht möchten. Viel Zeit geht verloren, während wir erst mal mitspielen.

Hast Du Dein eigenes Drehbuch geschrieben?

Hast Du entschieden, was Du wirklich willst?

Hast Du Dich so gut kennengelernt, dass Du weisst was Deinem Wesen entspricht?

Denn: Nur so geht das Brennen. Du musst an die Quelle von deinem Wesen vordringen, es tief inhalieren – tief inhalieren!

Und dann: BUMM. Die Initialflamme entzünden und losrennen in DEIN Leben.

Menschen, die brennen, wissen vor allem, dass sie diese Kraft haben und abrufen können. Diese Kraft ist nicht erschöpfbar sondern brennt von innen heraus. Lichterloh.

Ich meine damit nicht, dass es etwas Dynamisches oder Aggressives sein muss. In manchen Menschen brennt auch Mitgefühl, Sanftheit, Hilfsbereitschaft.

In anderen: Explosive Kräfte von Heldentum, von Risikobereitschaft und Durchsetzungskraft.

Aber: An die Quelle alles Brennens, dahin musst Du unbedingt.

Denn nur so wirst Du nie ausbrennen sondern in einen natürlichen Fluss von Energie und Leistung kommen. Nur so kannst Du den richtigen Beruf (im Sinne der Berufung), die richtige Lebensweise, die richtigen Entscheidungen treffen.

Also, noch einmal: Lass Dich auf diese Frage ein:

Wofür brennst Du?

Wo spürst Du Deine grösste Kraft? Wo spürst Du die Energie, die Dich aus dem Bett treibt und handeln lässt? Was machst Dich gross und stark? Was kannst Du IMMER und am liebsten 24 Stunden lang?

Ich hatte vor vielen Jahren einen genialen jungen Mann im Coaching, er kam, weil er meinte einen Burnout zu haben. Ein Psychiater hatte diese Diagnose auch legitimiert und einen Stempel auf die schöne Stirn meines Klienten gedrückt. Er war wunderbar eigen-artig, hatte ein wildes Aussehen, war überaus kreativ, hatte einen stechenden hungrigen Blick, ein riesiges Lächeln, eine subtile Extravaganz. Ich fragte ihn, was er (neben seinem langweiligen Job) am liebsten machen würde und er sagte: Musik komponieren! Seine Augen glänzten, er sprudelte über vor Freude. Dieser Mann hatte keinen

Burn-out

sondern einen

Bore-out.

Heute managed er easy sein buntes Leben. Und macht Musik. Jedes Mal wenn ich ihn sehe freue ich mich an seiner Lebendigkeit.

Er hat den roten Faden gefunden. Nie mehr losgelassen. Seine Kreativität entfaltet. Seine spannende Seele offen gelegt. Er macht auch heute zum Geldverdienen manchmal einen langweiligen Job. Aber: Er brennt für seine neuen Lebensthemen. Und tanzt jetzt durch seine Tage.

Siehst Du?

Und wofür brennst Du nun?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich Ingo und Fabian. Danke für Euer Feuer!

Lebst Du noch?

Als meine Kinder klein waren weinte mein Jüngerer immer mal wieder, weil ihm der Körper, speziell seine Beine, so weh tat. Er hatte Wachstumsschmerzen.

Ich weiss noch, wie ich ihn damit tröstete, dass das nun mal zum Grosswerden dazu gehörte, dafür würde er aber ein grosser starker Held werden. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt ein Supermann, ein Held werden. Ich bestärkte ihn gerne darin. Schliesslich hatte ich meinen beiden Söhnen lange genug gepredigt, dass man nicht klein und schwach bleiben soll, sondern gross und stark werden kann.

Heute werde ich hin und wieder damit konfrontiert, dass Menschen dieses Wachstum verweigern. Es ist so bequem in der schützenden Kleinheit zu sein, sich anzupassen, sich da einzurichten wo man eben ist. Sich anstrengen ist bei vielen Menschen nicht mehr angesagt. Wir haben ja heute alles, bekommen alles geboten, werden bespasst und können Bequemlichkeiten kaufen.

Diese Gedanken hatte ich vergangene Woche, als mir ein Endzwanziger erzählte, er habe sich einen Massagesessel gekauft. Ich war wirklich erschrocken. So ein Teil aus der Nostalgie kaufte man doch eigentlich immer erst so nach 70 Jahresringen? Wenn der Körper schon immer mehr morsch war und alles schmerzte?

Ich sah den jungen, gut durchbluteten Mann mit seinen schönen Muskeln in diesem entsetzlichen Stuhl liegen. Und hätte am liebsten einen kleinen Sabotageakt gemacht. Mensch Junge, bewegst Du Dich auch mal? Kannst Du Dich auch noch stretchen statt Dich von einem miesen kleinen Motor amüsieren zu lassen?

Ich musste an die Generationen vor dem Mann denken. Wir hatten uns doch wirklich reichlich bewegt? Uns vorwärts getrieben, die nächsten Ziele anvisiert? Wir hatten erobert und gejagt. Wir waren politisch auf die Strasse gegangen und hatten für Rechte gekämpft. Wir hatten unsere eigenen Berufe erschaffen – ja, auch den des Mental Coaches – und uns immer wieder neu erfunden. Waren rastlos und nie wirklich völlig befriedigt weiter gezogen, auf der Reise nach neuen Zielen und Plänen und Ideen, die verwirklicht werden wollten.

Wie steht es denn heute mit DEINEM Wachstum?

Bist Du schon gewachsen?

Oder wächst Du bisweilen immer noch über Dich hinaus?

Kannst Du Dich noch selbst überraschen?

Stellst Du Dich Deiner Angst, Deinen Zweifeln, deinen Dämonen?

Oder machst Du es Dir bequem und wartest bis der Anfall von Aktionismus frustriert an Dir vorbei gezogen ist?

In meiner Praxis habe ich das riesige Glück, Menschen beim Wachsen zu zusehen und fast immer wachsen sie über sich hinaus. In den vergangenen Jahren durfte ich Menschen in Prozessen begleiten, die die einengenden Hüllen hinter sich lassen konnten und sich frei machten von Begrenzungen innen und aussen. Wie wunderbar, wenn ich sie dann jubeln sah, wenn sie sich die Freiheit (zurück) erobert hatten.

Es ist Arbeit, zu wachsen. Auch immer wieder für mich. Denn es hört nicht auf, dieses Ringen und Winden aus der verdammten Komfortzone. Dieses Aufgeben von zu viel „Gemütlichkeit“ für das, was erreicht werden kann.

Hebe den Blick. Wohin kannst Du Dich als nächstes entwickeln?

Wenn das Leben Stillstand wird, dann sieht es aus wie eine Null-Linie auf einem Monitor. Letztlich ist das die ultimative Visualisierung von Tod.

Du hast es in der Hand. Gehst Du durch Wachstumsschmerzen oder verharrst Du in der Embryohaltung?

Gehst Du mutig und entschlossen weiter oder bleibst Du stehen – oder legst Dich in einen Massagesessel?

Deine Zeit läuft ab. Beweg Dich. Wachse über Dich hinaus.

Werde Superman oder Superwoman!

DU bestimmst Dein Leben.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Mit vollen Händen

In den vergangenen Wochen traf ich immer wieder zurückhaltenden Menschen, auf scheue Menschen und Menschen, die sich nicht wagen, ihre intimen Gedanken auszusprechen. Schade, finde ich, denn genau diese Menschen interessieren mich besonders.

Was halten sie denn zurück?

Meistens das Beste, was sie zu bieten haben. Authentische Gedanken und Meinungen, Ideen und vielleicht auch: Spinnereien. Meistens haben zurück-haltende Menschen ein Geheimnis, das besser ist als ihre Geheimniskrämerei.

Warum halten wir uns zurück?

Fast immer, weil wir den gesellschaftlichen Normen und Konventionen folgen wollen oder müssen, weil uns die indoktrinierte Moral etwas verbietet, weil wir Bescheidenheit erzogen bekommen haben, weil es sich eben nicht gehört, alles zu zeigen und auszuleben.

Kennst Du das auch?

Was hältst Du denn zurück?

Und warum?

Lohnt sich der Preis?

Werden wir denn ewig leben? Müssen wir etwas aufsparen für später?

Müssen wir unsere intimen Gedanken zurück-halten, weil man das eben nicht denken darf?

In einem meiner letzten Blogs habe ich erzählt, wie wunderschön und liebenswürdig Wahrheit und Authentizität ist. Dass man sich sofort verliebt in einen Menschen, der sich total zeigt.

Zeigst Du Dich? Echt und nackt?

Und wenn nein, warum nicht?

Ich halte Zurückhaltung in den allermeisten Fällen nicht für eine Tugend sondern für Feigheit und auch Lüge. Denn der Mensch denkt, fühlt und glaubt ohnehin das, was er tut. Nur: Er teilt es nicht. Er lässt andere nicht teilhaben.

Zurückhaltung kann fein sein, wenn sie aus Achtsamkeit geschieht. Wenn zum Beispiel ein sehr extrovertierter Mensch sich in einer Runde zurückhält um anderen den Raum zu geben. Wenn ein Mensch, der starke Meinungen hat, nicht andere damit umhaut, sondern sie sanft und selbstverständlich äussern kann.

Wenn man etwas zurückhalten muss, um andere Menschen nicht zu verstören oder zu verängstigen.

Aber die Zurückhaltung, die ich meine heisst: Furcht.

Du kannst Dich dem anderen ruhig zumuten! Sei echt! Sei authentisch! Sei da! Verschenke Dich! Mit Allem, was Du hast!

Als ich dieses Thema beim Autofahren überdachte, hörte ich zufällig einen Song von Sarah Connor. Wie so oft fällt einem in dem Moment etwas in die Hände, wenn man gerade einen Gedanken ausgiebig betrachtet. Der Text sprach genau dieses Thema an:

Hast du auch manchmal Gedanken
Die du keinem sagst
Und obwohl alles okay ist
Dich trotzdem manchmal fragst
Wie wär es wohl gewesen
Hätt‘ ich die andere Tür genommen
Doch mit jeder kleinen Narbe
Bin ich hier heute angekommen

Und ich hör nicht auf, hör nicht auf
Hör niemals auf
Ah, dich zu verschwenden
Mit vollen Händen
Denn genauso wie ich bin, bin ich gemacht
Ja auch wenn es weh tut
So richtig weh tut
Lass es passieren, zieh mir das Leben richtig rein

Zurückhaltung ist auch eine Handlung. Wenn Du zurück hältst sind Deine Hände eigentlich immer voll. Aber Du gibst es nicht. Und die Geschenke des Lebens fallen dann an Dir vorbei und Du kannst sie nicht auffangen, weil die Hände ja noch voll sind.

Ich möchte Dich heute motivieren diese Woche damit zu verbringen, etwas von Dir zu geben, das Du lange, lange zurück gehalten hast. Trau Dich.

Ich wette, es ist ein Schatz.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Youtube vom Song: https://www.youtube.com/watch?v=WsmXwzIt0x4