Anfassen ist simpel, Berühren ist Kunst

Wie fühlt sich das an, was um Dich herum ist?

Bevor Du den Blog liest: Fühle 5 Dinge die in Deiner unmittelbaren Umgebung sind…. nimm Dir Zeit.

Bei mir ist das: Mein Hund, genauer gesagt sein Kopf, der ganz weich ist und sich erstaunlich kuschelig anfühlt. Mehr als alles andere an seinem Körper. Seine Bauchhaare sind eher strohig, dafür fühlt man da sein Herz. Der Stoff meines Sofas, weiches breites Samt, sehr sanft und anschmiegsam. Die Schale einer Ananas. Furchig, rau, uneinladend. Das warme Steingut meiner Teetasse, noch etwas erhitzt vom Tee. Und schliesslich die Tasten meines Laptops. Genau richtig für meine Fingerspitzen, glatt, eher warm als kalt und gibt nach, wenn man sie berührt.

Hast Du schon bemerkt wie wichtig der Tastsinn für Dich ist?

Wie entscheidend es ist wie sich etwas anfühlt wenn man es berührt?

Der Kauf der meisten Textilien wird fast ausschliesslich über die Haptik entschieden. Die Vorlieben sind bei jedem anders – manche Menschen finden glatte Oberflächen ganz wunderbar, bei anderen ist es der raue, ungebügelte Stoff. Manche Menschen lieben Cashmere, andere eher die raue Schafwolle, wieder andere Leder, Leinen, Jute, Bambusfasern.

Unsere Haptik, also der Tastsinn, ist auch von Vorlieben beeinflusst. Nicht jeder mag einen Pfirsich mit haariger Oberfläche, nicht jeder streichelt gerne eine Katze oder ein Kaninchen, es gibt Menschen, die es gerne „handfest“ haben, andere versenken ihre Hände gerne in Weiches, in Fingerfarben, in Teig, in Sand, in Seide oder Fell, in Wolle oder streichen über frisch aufgerautes abgeschliffenes Holz.

Haptik beeinflusst uns mehr, als wir denken.

Die Haut ist nicht nur unser grösstes Organ, das mit anderthalb bis zwei Quadratmetern Fläche das Körperinnere schützend umhüllt – sie ist auch eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Sensoren in der Haut helfen uns, die Umwelt durch Tasten wahrzunehmen: jeden Druck, jede Berührung, jeden Windhauch oder auch die Temperaturschwankungen zu erfühlen.

Dazu sitzen verschiedene Sinneszellen und Nervenenden unterschiedlich tief in den Hautschichten. Die einen reagieren empfindlich auf feinste Berührungen, die anderen auf grossflächigen Druck. Einige sind auf Wärme und Kälte spezialisiert und wieder andere nur auf Schmerz. Dabei sind die Hautflächen aber unterschiedlich empfindsam, so dass einige die Berührung nur sehr grob wahrnehmen, während andere feinste Abstufungen ertasten können.

Und auch die Körperhaare liefern Berührungsinformationen, weil Nervenenden an ihrer Wurzel jede Erschütterung melden. Dieses System ist bei vielen Tieren besonders empfindlich: Die Schnurr- oder Tasthaare, von Katzen, aber auch von Nagetieren oder Seehunden sind so fein eingestellt, dass sie ihre Augen für die Nahrungssuche und Jagd kaum brauchen. Fische besitzen das Seitenlinienorgan, um feinste Wasserbewegungen wahrzunehmen, Spinnen, Insekten oder andere Gliedertiere tragen Erschütterungssensoren an den Beinen und Fühlern.

Alle Sinneszellen melden ihre Erregung über Nervenzellen durch das Rückenmark an das Hirn, und erst dort wird das Gesamtbild analysiert und interpretiert. Denn erst, wenn zum reinen Fühlen auch das Umfeld „hinzugerechnet“ wird, können Mensch oder auch Tier angemessen reagieren: Soll man auf Berührung erschrocken zurückzucken oder wohlig erschauern? Ist der Windhauch wegen der Kälte der Umgebung unangenehm oder wegen der Hitze erfrischend kühl? Kann ich Schmerz aushalten oder habe ich Angst davor?

Wenn ich zurück denke an meine haptischen Lieblingserinnerungen dann erscheint sehr schnell: Als sich das erste Mal die kleinen Finger meiner Babys um meinen Finger wickelten. Wie sich mein Pferd unter seiner Achsel anfühlte, auch seine Nase und die riesigen Lippen. Wie ich mit dem Tastsinn erkennen kann, ob ein Brotteig genug geknetet ist. Wie ich in meiner Arbeit als Körpertherapeut das Vibrieren deuten konnte, das unter meinen Händen stattfand. Aber auch: Wie sich wichtige Umarmungen für mich anfühlten. Allen voran eine, die etwa 30 Jahre her ist, ein Inder. Seine Umarmung war ein Umschlingen, ein völliges Fliessen und Vereinigen, eine Minute nur. Aber in dieser Minute war alles Körper, war alles hochsensibel.

Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich im Mutterleib entwickelt, und der letzte, der vor dem Tod erlischt. Und der einzige, ohne den wir nicht leben können. Das Berühren, das Tasten, das Erfühlen ist lebensnotwendig und dennoch vergessen wir es so oft.

Erlebe, erobere, empfinde diese Woche einmal ganz intensiv das Tasten, das Fühlen, das Berühren – und werde berührt.

Zeit für eine Umarmung, eine Massage, Schwimmen und damit die Berührung mit dem Wasser. Oder Wind, Kälte, Hitze, verschiedene Unterlagen, barfuss Laufen, Dinge, Menschen, Tiere, Pflanzen streicheln oder berühren. Oder Deinen Lieblingsmenschen. Geniesse es.

Ich wünsche Dir eine berührte Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Man muss Dinge so tief sehen, dass sie einfach werden

Was siehst Du gerade, wenn Du einen Moment inne hältst, jetzt, bevor Du Deinen Blog liest? Nimm Dir diesen Moment. Sieh hin.

Wohin wandert Dein Blick jetzt? Was sucht und findet Dein Auge?

Entdeckst Du etwas Ungewöhnliches, etwas das Du nicht da vermutet hast, etwas das Dich sogar überrascht obwohl Du doch vielleicht jetzt in Deinem vertrauen Umfeld bist?

Oder sitzt Du in einem Cafe, in der Hotelhalle, der Tram? Siehst Menschen?

Mach Deinen Blick weich.

Was ist der weiche Blick? Du richtest deinen Blick auf etwas, du fixierst es aber nicht, sondern es ist als ob du hindurch schaust. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor einigen Jahren mal in Mode waren. Du kannst das gleich mal ausprobieren mit einer Hand: Strecke den Arm vor dir aus und hebe die Hand in Augenhöhe. Anstatt die Hand genau anzuschauen, schaue durch die Hand hindurch. Vermutlich siehst du dann die Hand verschwommen, vielleicht sogar doppelt.

Falls du eine Topfpflanze in der Nähe hast, probiere das mit der Topfpflanze. Du kannst das auch probieren z.B. mit einem Menschen, insbesondere wenn er dir den Rücken zudreht. Wenn du so durch den Menschen hindurch schaust, versuche ihn auch von deinem Herzen her zu spüren. Eventuell siehst du dabei auch eine Farbe um den Menschen herum, insbesondere wenn dahinter ein heller Hintergrund ist. Eventuell hörst du auch einen inneren Klang im Ohr.

Oder siehst Du lieber mit Adleraugen ganz genau und scharf?

Worauf focussierst Du Dich dann?

Wenn Du fotografierst, macht Dein Seh-Sinn noch mehr: Er komponiert. Er stellt Schönheit her, er sucht sogar den goldenen Schnitt.

Aber was ist das denn nun wieder?

Der Goldene Schnitt ist eine seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Grössen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmass und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt in der Natur und sogar im menschlichen Körper häufig vor, lässt sich aber auch in Kunst, Architektur und Typografie wiederfinden.

Sehen hat so viele verschiedene Geschichten zu erzählen. Spannend, wenn man bedenkt dass zwei das gleiche sehen können und doch etwas anderes erkennen. So funktioniert optische Täuschung, so funktionieren Suchbilder, so funktionieren sogar psychoanalytische Tricks. Wenn wir etwas nur betrachten, so müssen wir uns Zeit dafür nehmen. Wir dürfen dem Gehirn nicht die Erlaubnis geben sofort zu benennen: Aha ein Baum. Eine Tasse. Eine Brille. Ein Stein.

Kinder sehen noch genau. Ungekünstelt, uninterpretiert, unbeschwert. Das verlieren wir im Laufe des Lebens. Wir machen sogar Entscheidungen, was wir sehen wollen und was nicht. Oder was wir wie sehen wollen. Es ist kein blosses Sehen mehr, sehr oft ist es: Bewerten, beurteilen, vergleichen, verstehen.

Vor einigen Jahren machte ich ein Experiment mit einigen Coachees im Zürcher Hauptbahnhof. Ich klebte Begegnungsflächen am Boden ab. Zwei Stühle. Die Aktion hiess: „Auf einen Augenblick“. Passanten wurden eingeladen, meinen Coachees für zwei Minuten schweigend in die Augen zu schauen.

Was meinst Du, ist da passiert?

ALLE. Ich sage: ALLE Passanten haben die Coachees umarmt oder die Hand gedrückt. Alle bekamen Tränen in die Augen. Alle waren – BERÜHRT.

Wie lange ist es her, dass Du Dich mit dem Sehen wirklich beschäftigt hast? Hebe Deinen Blick vom Display. So oft Du kannst. Siehe. Betrachte. Nimm wahr. Sieh wirklich wirklich hin.

Du wirst berührt werden von dem, was Du betrachtest.
Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Beschäftige Dich diese Woche einmal mit dem wirklichen HIN-SEHEN. WAHRNEHMEN. Das Auge hat viel zu bieten.

Die Welt ist bunt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ohrenschmaus

STOP. Lies diesen Blog noch nicht. Mach die Augen erst rasch zu. Eine oder zwei Minuten. Lausche.

Was hörst Du gerade JETZT um Dich herum?

Welche Geräusche findest Du köstlich? Was bereitet Dir Vergnügen zu hören?

Wie passend, dass ich diese Woche über das Ohr schreiben möchte. In meiner Blog Reihe über die Sinne kommt das Ohr weit weniger euphorisch weg als der Duft, der Geschmack, das Auge. Aber wie sehr bereichert uns das Hören den Alltag! Wie stark ist es auch an unseren Emotionen beteiligt!

Unser Ohr zählt schliesslich zu den wichtigsten Sinnesorganen des menschlichen Körpers. Mit ihm nehmen wir nicht nur Töne und Geräusche war, sondern es steuert auch unseren Gleichgewichtssinn und ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sowie die räumliche Orientierung zuständig.

Richtig hören lässt uns am Leben teilhaben und ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Neben Sprache und Musik nehmen wir durch unser Gehör auch Gefahren und Emotionen wahr.

In der vergangenen Woche hatte ich einmal mehr das Vergnügen, den Harfenklängen meines liebsten Freundes Georg zu lauschen. Wieder einmal hat er es geschafft, im Rosengarten mit seinen Tönen zu zaubern, die Menschen mit der Musik zu umarmen, die Tiere zu berühren, die in und um den Garten waren, man hatte fast sogar das Gefühl, die Bäume neigen sich ein bisschen nach vorne um genauer hin zu hören.

Auf Jersey liegt mein Schlafzimmerfenster genau zur Brandung in der Bouley Bay und ich kann dem Atlantik zuhören, wenn ich einschlafe oder nachts erwache. Das Schönste aber ist der frühe Morgen, wenn ich mit meinen Coachees auf die Klippen gehe zum Sonnenaufgang. Unmittelbar vor dem Sonnenaufgang „singen“ und „kreischen“ die Vögel die Sonne herbei. Fast schon lärmig hört man sie aus allen Büschen und Bäumen das neue Licht herbeisehnen. Wenn dann der erste Sonnenstrahl am Horizont auftaucht, herrscht von einem Moment auf den anderen andächtige Ruhe. Dann erheben sich die Flügel und sie segeln in den Tag. Plötzlich Stille und die Natur hat Platz für die Töne von Meer und Wind. Überall raschelt es, der Tag nimmt sich den Raum, die Menschenohren baden in Köstlichkeiten.

Was hörst Du ganz besonders gern?

Was erreicht Dein Herz durch Deine Ohren?

Wie wichtig ist das Hinhören, das Zuhören, das auf Dein Herz hören für Dich?

Wie genau nimmst Du durch die Ohren die Welt auf?

Wann verlässt Du Dich auf Deine Ohren?

Welche Hörerinnerung aus Deinen Sommerferien hast Du ganz schnell wieder?

Das Mövengeschrei? Kinderlachen? Almkühe mit Glocken? Wasserfall? Bach und fliessendes Wasser? Den Mistralwind? Grillenzirpen?

Widme Dich doch diese Woche einmal dem bewussten Hören. Dann wirst Du sehen, es gibt nicht nur Augenschmaus, Gaumenschmaus sondern auch Ohrenschmaus.

Geniesse!

 

Willkommen in der Adlerperspektive

Und hier noch der link zur göttlichen Musik: http://www.harpmosphere.com

IMG_9068

 

 

 

Immer der Nase nach

Hast Du den Sommer schon gerochen?

Nach was duftet er bei Dir? Wo hast Du Dich aufgehalten?

Die Tage war ich gleich mehrfach mit den Sinnen und der Sinnlichkeit beschäftigt. So sagte mein Sohn zu mir: Das Coolste am Motorradfahren ist, dass man alles so gut riecht, das man sozusagen der Nase lang fahren kann.

Und am Tag danach übernachtete ich in einem fremden Zimmer. Mitten in der Nacht öffnete ich die Balkontür zum Garten. Und da war er: Der würzige Duft nach feuchter Erde, nach Gras und Blumen, nach Frische und dem See, der in naher Ferne lag. Der Duft war so intensiv, weil es die Stunde war, in dem die Feuchtigkeit der Nacht gerade eben so beginnt wieder zu atmen. Ich atmete mit und dieser Duftteppich war so üppig, das ich ihn nicht für das Weiterschlafen eintauschen wollte.

Ein paar Tage später erzählte mir eine Freundin, dass sie in Thailand war und dass sie diesen Duft blind erkennen würde. Die feuchtwarme Tropenluft mit dem Geschmack von Orchideen, Kokosnuss und Gewürzen.

Jedes Land hat seinen eigenen Duft, jeder Ort riecht anders und jeder Mensch, jedes Ding scheint da auch noch Informationen zu liefern, die für uns wesentlich sind. Du kennst bestimmt auch Menschen, die an allem schnüffeln. Zum Beispiel an einem brandneuen Buch, an frischer Bettwäsche, an Kräutern, am Essen, an Textilien und auch an Orten, bevor sie sie betreten.

Frisches Brot, das gerade aus dem Ofen kommt?

Frisch geschnittenes Gras?

Wäsche auf der Leine?

Babykopf?

Kaffee, der eben gemahlen wurde?

Zimtschnecken im Ofen?

Erinnere Dich. Was hat Dir diesen Sommer ganz besonders in der Nase geschmeichelt?

Der Geruchssinn ist der Unmittelbarste der menschlichen Sinne. Während visuelle, akustische oder haptische Signale erst in der Grosshirnrinde des Gehirns verarbeitet werden müssen, wirken Düfte im Gehirn direkt auf das limbische System, wo Emotionen verarbeitet und Triebe gelenkt werden.

Wenn man zum ersten Mal einen Raum betritt oder einen unbekannten Menschen trifft, ist es in der Regel der Geruchssinn, der einem den ersten Eindruck verschafft.

Zudem ist die menschliche Erinnerung eng mit Düften und Gerüchen verknüpft. Ein Geruch kann einen urplötzlich in eine lange zurückliegende und längst vergessene Situation zurückversetzen, in der man ihn zum ersten Mal wahrnahm.

Dieser „Proust-Effekt“ ist nach dem französischen Autor Marcel Proust benannt. In seinem Hauptwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beschreibt er einen Mann, der ein Stück Gebäck in seinen Tee tunkt, worauf er eine Fülle an Erinnerungen an seine Kindheit hat, die tief in seinem Unterbewusstsein verschüttet waren.

Jedes Lebewesen und viele Gegenstände und Materialien sondern Duft in Form von Molekülen ab. Beim Einatmen gelangen die Moleküle zur Riechschleimhaut am oberen Ende der Nasenhöhle.

In diesem fünf Quadratzentimeter grossen Organ befinden sich zwischen zehn und 30 Millionen Nervenzellen, die sich alle vier bis sechs Wochen erneuern und Rezeptoren für zirka 400 verschiedene Duftstoffe besitzen.

Die Nervenzellen münden in den Riechkolben, den Übergang zum Gehirn. Von dort werden die Informationen an verschiedene Bereiche des Hirns weitergeleitet, kombiniert und verarbeitet. Gerüche sind in der Regel sehr komplex und setzen sich oft aus mehreren hundert Elementen zusammen.

Beim Riechen kommen zwei Nerven ins Spiel. Der Olfaktorius steuert das eigentliche Riechen, während der schmerzempfindliche Trigeminus auf beissende Gerüche wie Chlor, Salmiak, Rauch oder auch Zwiebel reagiert. Der Geruchssinn ist eng mit dem Geschmackssinn verknüpft, und erst diese Verknüpfung liefert ein differenziertes Geschmackserlebnis.

Ein gesunder Mensch kann mehr als 10.000 verschiedene Duftnoten unterscheiden. Wer sich gezielt Düften aussetzt und versucht, diese zu kategorisieren, steigert seine Wahrnehmung und kann die Geruchsinformationen besser verarbeiten und benennen.

 

Nun, woran erinnerst Du Dich diesen Sommer?

Die Sonnenmilch?

Den Geruch von Chlor, nachdem Du lange im Schwimmbad warst?

Das gegrillte Fleisch beim Barbecue?

Das Meer – das Salz, die Algen, die Fische, die Frische?

Mach doch in den nächsten Tagen mal einen Nasenspaziergang und lass Dich inspirieren wo es Dir am besten „schmeckt“. Und dann: Geniesse.

Wie schön, dass wir unsere Sinne haben. Die nächsten Blogs widme ich unseren Sinnen, lass Dich mitziehen und geniesse Deine Sinnlichkeit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

geruchsforschung-f-213790983

Vom Opfern zum Widmen

Die Tage hatte ich wieder einmal mit Menschen zu tun, die sich gerne und ausgiebig anderen verschenken. Edel!

Ich erinnere mich daran, wie ich schon diesen Poesiealbum-Spruch gehasst habe: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Der liebe Herr Goethe appellierte gerne an das „Göttliche“ im Menschen, an seine humanistische Moral und seinen Edelmut. Vielleicht waren die Menschen zu Zeiten von Goethe (1749-1832) noch mehr dazu bereit, sich jemandem oder einer Sache ganz und gar zu verschreiben, zu opfern.

Opferbereitschaft ist tatsächlich eine herausragende Eigenschaft des Menschen, er ist bereit, etwas zu opfern. Es gab einen Psychotherapeuten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Viktor Frankl, der hat gesagt: „Der Mensch ist bereit, alles zu tun, wenn er weiss, wofür.“

Wir haben zumeist alle eine grosse Opferbereitschaft und das kann natürlich auch in Schwierigkeiten führen, in Überarbeitung, in religiösen oder idealistischen Fanatismus, in eine ausgeprägte Opferhaltung, in der wir uns selbst und die eigenen Bedürfnisse vergessen.

Wie viele Menschen opfern sich auf für ihren Partner, die Kinder, die Eltern, die Arbeit. Denke ich zurück an all die Ausgebrannten, die ich die letzten Jahre therapieren durfte, dann erkenne ich, wie wenig noch von dem eigenen Wünschen und Hoffen, Empfinden und dem inneren Feuer übrig geblieben ist, wenn sich ein Mensch aufgeopfert hat.

Wie viele Arbeitnehmer habe ich aufrütteln müssen, wenn sie mir unter Tränen erzählten, dass sie ihren Job nicht mehr so machen können wie sie das gerne und lange getan haben. Wie oft musste ich ihnen dann sagen: Es liegt nicht alles auf Deinen Schultern! Du hast auch noch ein Leben!

Für was hast Du schon Opfer gebracht?

Für was bist Du bereit Dich aufzuopfern?

Für was bringst Du aktuell Opfer?

Tust Du das frei-willig oder erwartet man es von Dir? Oder erwartest Du es von Dir?

Bist Du gerne, leichten Herzens, tanzend, fröhlich und glücklich dabei das Opfer für etwas oder jemanden zu bringen?

Oder – uiiiii – bist Du schon in der Opferhaltung?

In der Opferhaltung fühlen wir uns machtlos gegenüber äusseren Einflüssen. Während wir diese Haltung einnehmen, unterdrücken wir meistens unsere Wut und unsere Schuldgefühle, was dazu führt, dass wir anderen die Rolle des Täters zuschieben und die Schuld bei ihnen suchen. In der Opferhaltung zeigen wir uns nach aussen meist freundlich, doch innerlich sind wir hart mit uns selbst und auch mit anderen. Es ist keine sehr aufrichtige Haltung und wir verbrauchen dabei sehr viel Energie, die wir uns und anderen Menschen rauben.

Oft genügt es, sich darüber klar zu werden, dass wir die volle Macht über unser eigenes Dasein haben, nur wir und kein anderer. Haben wir einem anderen Menschen oder einer Situation Macht über uns gegeben, dann können wir uns fragen:

Welchen Nutzen habe ich davon?

Die Antwort kann uns dann Aufschluss über unsere tiefer liegende Motivation geben.

Wenn wir uns dazu entschlossen haben, aus der Opferhaltung auszusteigen, dann kehren wir zu mehr Ehrlichkeit und zu unserer Selbstbestimmtheit zurück. Wir hören auf, andere dazu zu benutzen, uns selbst zu begrenzen und zu bestrafen. Dann halten wir wieder Ausschau nach dem, was uns ausmacht, was wir zu geben haben und wir bringen uns wieder in eine Haltung der Selbstachtung und Selbstverantwortung. Wir entdecken wieder all die Möglichkeiten, die wir haben, anstatt auf das zu schauen, was nicht so läuft, wie wir es gern hätten.

Also, frage Dich nochmals:

Opfere ich mich für etwas auf?

Wenn ja, warum?

Lass Dir Zeit, dieser Frage nach zu gehen (vielleicht bis zum nächsten Blog)

Ich gehe gerne mit dem englischen Wort „dedication“ – dem „widmen“.

Also ich widme mein Leben diesem oder jenem. Wie schön, dieses Wort: widmen. Das beinhaltet ein Geschenk.

Ein Opfer ist niemals ein Geschenk, eher ein Verlust von etwas, etwas das man gibt um damit etwas zu erreichen, aufzuzeigen. Oder etwas, das man selbst wird, wenn man zu viel von sich gibt oder geben musste.

Widme Dich dem Leben mit ganzem Herzen.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Wahre Freunde…

Die vergangenen Tage hatte ich sehr lieben Besuch und konnte einmal mehr den Wert einer echten Freundschaft schätzen. In einem Gespräch mit meiner Freundin zeigte sich, wie genau wir uns kennen und spüren und was echte Solidarität macht. Vor allem: Man verzeiht sich auch einmal Fehler, man kann auch einmal den Faden verlieren, man kann auch mal komplett in Missverständnis baden – aber es zerstört das schöne Band nicht, das besteht.

Es ist das Einverständnis, das eine echte Freundschaft hält. Dieses: Ich bin total einverstanden mit Dir als Mensch, als Freund oder Freundin. Ich liebe Dich auch dann, wenn Du mal schräg bist. Ich feire das Leben mit Dir. Ich weine mit Dir wenn es nicht weiter zu gehen scheint. Und ich reiche Dir die Hand, wenn Du taumelst. Aber auch: Es ändert sich nichts an unserer Freundschaft, wenn Du mir vielleicht auch unbewusst oder sogar mit Vorsatz mal weh tust.

Vor Jahren hatte ich eine Situation: Ich musste einem Freund die ungeschönte Wahrheit über mein Einschätzen der Situation sagen. Es war auf Messers Schneide, ob er es aushält. Denn ich hielt nichts zurück. Machte mich aufgrund meiner Ehrlichkeit verwundbar. Wie einfach wäre es gewesen wenn er einfach nur davon gerannt wäre und gesagt hätte: „Das kann ich nicht ertragen“.

Ich wusste, dass ich mit diesem radikalen Schritt vielleicht unsere Freundschaft gefährde. Aber ich konnte diese Zurück-haltung meiner Gedanken und Gefühle noch weniger aushalten. Er bat um Zeit, um das Ganze zu verdauen. Viele Monate später kam er zurück. Und sagte, er schätze die Situation völlig anders ein aber er könne es aushalten dass wir in diesem Punkt nicht einig sind. Aber in allen anderen waren und sind wir einander nah und es gäbe keinen Grund für ihn, auf unsere Freundschaft zu verzichten.

Freundschaften, die echt sind, halten sich auch aus.

Da gibt es keinen Raum, einander in Frage zu stellen oder eben die Verbindung abzubrechen, wenn sie auf echter Nähe beruht. In meinem Coaching stelle ich irgendwann einmal die Frage: Was beendet eine Freundschaft für immer für Dich?           Als ich diese Frage einer jungen Frau stellte, die einfach wunderbar ist, sagte sie: „Nichts. Denn wahre Freundschaft kann man nicht beenden“.

Es ist schwer, seine Freundschaften auf diesem Niveau zu halten. Bisweilen sogar richtig handfeste Arbeit. Und es braucht viel guten Willen, die beste Intention zu halten.

Für die meisten Frauen ist die beste Freundin ein extrem wichtiger Lebensbestandteil. Sie ist Balsam für die Seele, teilt Freud und Leid, schenkt das Gefühl von Geborgenheit, gibt Feedback.

Freundschaften tun gut: Ihre echte soziale Unterstützung federt Stress ab, sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen und stärkt sogar die Abwehrkräfte von Körper und Seele. Somit tragen gute Freunde zu unserer mentalen und emotionalen Stärke bei.

Ich lade Dich ein, diese Woche einmal über Deine Freundschaften nachzudenken:

Welchen Wert teilst Du mit Deinen Freunden? Wie findest Du sie, suchst Du sie aus? Auf welchen Fundamenten stehen Deine Freundschaften?

Wer ist immer an Deiner Seite, in guten und in schlechten Zeiten?

Wer stützt Dich, wenn Du taumelst und feiert mit Dir, wenn es wieder bergauf geht? Gibst Du das in gleichem Masse zurück?

Gibst Du Deinen Freunden die Wertschätzung, die sie verdienen?

Wo fühlst Du Dich geborgen?

Und Du darfst Dich auch einmal umschauen: Sind Deine Freunde auch dann für Dich da, wenn Du mal schräg bist? Bleiben sie?

Und Du, bleibst Du, wenn sie einmal schräg sind?

Wenn Du diese Fragen gut und aus vollem Herzen beantworten kannst, dann freue Dich über diese wertvollen und wunderbaren Menschen in Deinem Leben. Schenk ihnen ein Lächeln und nutze diese Woche für ein paar Zeilen der Wertschätzung.

Adler fliegen gerne allein. Aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man, wie sie manchmal anderen Adlern auch einmal zuzwinkern: Gut zu wissen, dass Du auch noch da bist.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

(diesen Post widme ich Heidrun)

 

MT_Postkarten_2016_DINA6.indd

Was jetzt? Was dann?

Die Tage habe ich mit einer Dame gesprochen, die sich für ein Coaching interessierte, sie war knapp 60, man sah ihr das gelebte Leben schon an – aber auch – eine tiefe Traurigkeit. Als ein älterer Herr mit einem Rollator an uns vorbei ging, füllten sich ihre Augen mit Tränen und sie hauchte: Davor habe ich Angst.

Es war die Perspektivenlosigkeit, die sie in das Gespräch zu mir führte und sie sagte dann auch, sie wolle mit mir besprechen was denn dann wäre, wenn sie aus ihrer Kanzlei aussteigt, wenn das dritte Leben beginnt. Sie war 10 Jahre schon geschieden, nicht in einer erfüllenden Partnerschaft, die Kinder aus dem Haus, keine grossen Pläne geschmiedet. Die Karriere, der Erfolg wäre dann auch abgehakt. Die Eigentumswohnung bezahlt, der Notgroschen vergoldet. Es wäre ja alles da, sagte sie, ausser einer Idee was sie dann tut.

Ich hörte ihr zu und reflektierte einige weitere Gespräche, die ich in den letzten Monaten mit Freunden und Coachees, Bekanntschaften und meiner Nachbarin geführt hatte. Viele sagten dann „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ und ich war immer verwundert über diesen Satz.

Wieso braucht man zum Altwerden Mut?

Weil man die Jugendlichkeit, die Frische einbüsst?

Muss denn Altwerden immer gleichgesetzt werden mit Leiden, Schmerzen, Rente, Kaffeekränzchen und Niedlichsein, mit Oma und Opa, mit silbrigem Haar und Bridge, mit Pflegeheim und Rollator einhergehen?

Kann es nicht einfach so sein, dass wir das Leben, das wir geführt haben, einfach weiterleben? Vielleicht sogar jetzt ein bisschen WILDER weil es eben nicht mehr darauf ankommt, sich anzupassen und dem Diktat der Arbeitgeber, der Gesellschaft, den Konventionen zu gehorchen?

Warum nicht alt und cool sein? Alt und weise? Alt und egozentrisch?

In der letzten Woche traf ich dann eine Lady, die mit langem Silberhaar und wallenden Gewändern, mit endlosen Hippieketten um den Hals und bunten Schuhen in ihrem Camper durch Europa fährt. Auf meine Frage wie lange sie schon so unterwegs sei, sagte sie: Das weiss ich nicht mehr junge Frau. Und wie lange sie so weiter reisen kann? Bis ich tot bin, sagte sie. Brav sei sie lang genug gewesen, habe Mann und Kinder gehegt und gepflegt, das Familienheim, den Garten, die Haustiere und die Berufstätigkeit. Nun wäre es an der Zeit alles zu machen, was sie schon mal machen wollte. Sie wisperte, sie sei an diesem Strand gewesen in der Bretagne, wo man einfach so Leute für Sex trifft und sie habe den jungen Mann sehr genossen. Sie schmunzelte und die Lachfalten zierten ihr altes, wunderbares Gesicht und die blassblauen Augen glänzten.

Was wirst Du tun, wenn Du alt oder älter wirst?

Was ist Dein Wunsch?

Was kannst Du JETZT bereits in die Wege leiten, was Du dann brauchen wirst?

Es geht nicht um Gold und Rente, um einen Platz im Pflegeheim und den Hausarzt um die Ecke, es geht um Deine innere Haltung. Was wirst Du sein, wenn Du alt bist? Glücklich?

Der Dame im Cafe Odeon, in dem ich potentielle Kunden treffe, konnte ich nicht helfen. Ihre Lippen waren zusammengezogen und verkniffen, die Augen bereits im Schlafmodus. Jede Freude war aus ihr gewichen, erstarrt in Regeln und Normen, in Ordnung und Enge. Sie war nicht mehr bereit aus der geliebten Komfortzone zu springen.

Was wirst Du sein, wenn Du alt bist?

Bewahrst Du Dir Deine Lebensfreude, Deine Endorphine, Dein Lachen, Dein starkes schlagendes, trommelndes Herz?

Ich ging nach dem Gespräch im Cafe in ein Kiosk und sah eine Zeitschrift. Darauf stand: Ich bin hier. Und ich bin genauso seltsam wie Du. (Frida Kahlo)

Halleluja!

Mach Dein Leben nachhaltig. Richte Dich ein auf Lebensfreude, Freiheit und Individualität. Mach Dein Ding. JETZT und SPÄTER!

Willkommen in der Adlerperspektive.

altwerden