Lebst Du noch?

Als meine Kinder klein waren weinte mein Jüngerer immer mal wieder, weil ihm der Körper, speziell seine Beine, so weh tat. Er hatte Wachstumsschmerzen.

Ich weiss noch, wie ich ihn damit tröstete, dass das nun mal zum Grosswerden dazu gehörte, dafür würde er aber ein grosser starker Held werden. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt ein Supermann, ein Held werden. Ich bestärkte ihn gerne darin. Schliesslich hatte ich meinen beiden Söhnen lange genug gepredigt, dass man nicht klein und schwach bleiben soll, sondern gross und stark werden kann.

Heute werde ich hin und wieder damit konfrontiert, dass Menschen dieses Wachstum verweigern. Es ist so bequem in der schützenden Kleinheit zu sein, sich anzupassen, sich da einzurichten wo man eben ist. Sich anstrengen ist bei vielen Menschen nicht mehr angesagt. Wir haben ja heute alles, bekommen alles geboten, werden bespasst und können Bequemlichkeiten kaufen.

Diese Gedanken hatte ich vergangene Woche, als mir ein Endzwanziger erzählte, er habe sich einen Massagesessel gekauft. Ich war wirklich erschrocken. So ein Teil aus der Nostalgie kaufte man doch eigentlich immer erst so nach 70 Jahresringen? Wenn der Körper schon immer mehr morsch war und alles schmerzte?

Ich sah den jungen, gut durchbluteten Mann mit seinen schönen Muskeln in diesem entsetzlichen Stuhl liegen. Und hätte am liebsten einen kleinen Sabotageakt gemacht. Mensch Junge, bewegst Du Dich auch mal? Kannst Du Dich auch noch stretchen statt Dich von einem miesen kleinen Motor amüsieren zu lassen?

Ich musste an die Generationen vor dem Mann denken. Wir hatten uns doch wirklich reichlich bewegt? Uns vorwärts getrieben, die nächsten Ziele anvisiert? Wir hatten erobert und gejagt. Wir waren politisch auf die Strasse gegangen und hatten für Rechte gekämpft. Wir hatten unsere eigenen Berufe erschaffen – ja, auch den des Mental Coaches – und uns immer wieder neu erfunden. Waren rastlos und nie wirklich völlig befriedigt weiter gezogen, auf der Reise nach neuen Zielen und Plänen und Ideen, die verwirklicht werden wollten.

Wie steht es denn heute mit DEINEM Wachstum?

Bist Du schon gewachsen?

Oder wächst Du bisweilen immer noch über Dich hinaus?

Kannst Du Dich noch selbst überraschen?

Stellst Du Dich Deiner Angst, Deinen Zweifeln, deinen Dämonen?

Oder machst Du es Dir bequem und wartest bis der Anfall von Aktionismus frustriert an Dir vorbei gezogen ist?

In meiner Praxis habe ich das riesige Glück, Menschen beim Wachsen zu zusehen und fast immer wachsen sie über sich hinaus. In den vergangenen Jahren durfte ich Menschen in Prozessen begleiten, die die einengenden Hüllen hinter sich lassen konnten und sich frei machten von Begrenzungen innen und aussen. Wie wunderbar, wenn ich sie dann jubeln sah, wenn sie sich die Freiheit (zurück) erobert hatten.

Es ist Arbeit, zu wachsen. Auch immer wieder für mich. Denn es hört nicht auf, dieses Ringen und Winden aus der verdammten Komfortzone. Dieses Aufgeben von zu viel „Gemütlichkeit“ für das, was erreicht werden kann.

Hebe den Blick. Wohin kannst Du Dich als nächstes entwickeln?

Wenn das Leben Stillstand wird, dann sieht es aus wie eine Null-Linie auf einem Monitor. Letztlich ist das die ultimative Visualisierung von Tod.

Du hast es in der Hand. Gehst Du durch Wachstumsschmerzen oder verharrst Du in der Embryohaltung?

Gehst Du mutig und entschlossen weiter oder bleibst Du stehen – oder legst Dich in einen Massagesessel?

Deine Zeit läuft ab. Beweg Dich. Wachse über Dich hinaus.

Werde Superman oder Superwoman!

DU bestimmst Dein Leben.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Mit vollen Händen

In den vergangenen Wochen traf ich immer wieder zurückhaltenden Menschen, auf scheue Menschen und Menschen, die sich nicht wagen, ihre intimen Gedanken auszusprechen. Schade, finde ich, denn genau diese Menschen interessieren mich besonders.

Was halten sie denn zurück?

Meistens das Beste, was sie zu bieten haben. Authentische Gedanken und Meinungen, Ideen und vielleicht auch: Spinnereien. Meistens haben zurück-haltende Menschen ein Geheimnis, das besser ist als ihre Geheimniskrämerei.

Warum halten wir uns zurück?

Fast immer, weil wir den gesellschaftlichen Normen und Konventionen folgen wollen oder müssen, weil uns die indoktrinierte Moral etwas verbietet, weil wir Bescheidenheit erzogen bekommen haben, weil es sich eben nicht gehört, alles zu zeigen und auszuleben.

Kennst Du das auch?

Was hältst Du denn zurück?

Und warum?

Lohnt sich der Preis?

Werden wir denn ewig leben? Müssen wir etwas aufsparen für später?

Müssen wir unsere intimen Gedanken zurück-halten, weil man das eben nicht denken darf?

In einem meiner letzten Blogs habe ich erzählt, wie wunderschön und liebenswürdig Wahrheit und Authentizität ist. Dass man sich sofort verliebt in einen Menschen, der sich total zeigt.

Zeigst Du Dich? Echt und nackt?

Und wenn nein, warum nicht?

Ich halte Zurückhaltung in den allermeisten Fällen nicht für eine Tugend sondern für Feigheit und auch Lüge. Denn der Mensch denkt, fühlt und glaubt ohnehin das, was er tut. Nur: Er teilt es nicht. Er lässt andere nicht teilhaben.

Zurückhaltung kann fein sein, wenn sie aus Achtsamkeit geschieht. Wenn zum Beispiel ein sehr extrovertierter Mensch sich in einer Runde zurückhält um anderen den Raum zu geben. Wenn ein Mensch, der starke Meinungen hat, nicht andere damit umhaut, sondern sie sanft und selbstverständlich äussern kann.

Wenn man etwas zurückhalten muss, um andere Menschen nicht zu verstören oder zu verängstigen.

Aber die Zurückhaltung, die ich meine heisst: Furcht.

Du kannst Dich dem anderen ruhig zumuten! Sei echt! Sei authentisch! Sei da! Verschenke Dich! Mit Allem, was Du hast!

Als ich dieses Thema beim Autofahren überdachte, hörte ich zufällig einen Song von Sarah Connor. Wie so oft fällt einem in dem Moment etwas in die Hände, wenn man gerade einen Gedanken ausgiebig betrachtet. Der Text sprach genau dieses Thema an:

Hast du auch manchmal Gedanken
Die du keinem sagst
Und obwohl alles okay ist
Dich trotzdem manchmal fragst
Wie wär es wohl gewesen
Hätt‘ ich die andere Tür genommen
Doch mit jeder kleinen Narbe
Bin ich hier heute angekommen

Und ich hör nicht auf, hör nicht auf
Hör niemals auf
Ah, dich zu verschwenden
Mit vollen Händen
Denn genauso wie ich bin, bin ich gemacht
Ja auch wenn es weh tut
So richtig weh tut
Lass es passieren, zieh mir das Leben richtig rein

Zurückhaltung ist auch eine Handlung. Wenn Du zurück hältst sind Deine Hände eigentlich immer voll. Aber Du gibst es nicht. Und die Geschenke des Lebens fallen dann an Dir vorbei und Du kannst sie nicht auffangen, weil die Hände ja noch voll sind.

Ich möchte Dich heute motivieren diese Woche damit zu verbringen, etwas von Dir zu geben, das Du lange, lange zurück gehalten hast. Trau Dich.

Ich wette, es ist ein Schatz.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Youtube vom Song: https://www.youtube.com/watch?v=WsmXwzIt0x4

Vom Häuten der Libellen

Ich habe einen Coachee, der regelmässig Sauerstoff braucht. Nicht das, was man hinlänglich damit meint, es ist vielmehr mentaler Sauerstoff. Ein bisschen geht im die Geduld aus. Und wenn es dann wieder knapp wird, weil seine Nerven in eisigen Höhen unterwegs sind, dann braucht er eine Sauerstoffladung, die ich ihm dann schicken kann. Der Prozess, durch den er geht, ist nicht einfach und verlangt ihm viel ab. Aber er geht. Schritt für Schritt. Atmen.

Lieber würde er voran stürmen und den Gipfelerfolg feiern, aber wir sind im mühsamen Weg nach oben.

Wenn ich diesen schönen und warmherzigen Menschen betrachte, dann denke ich an die Geschichte der Libellen.

Libellen, die letzten Drachen, werden ebenso wie ihre verwandten Artgenossen, die Schmetterlinge, aus einer Raupe geboren.
Die Libelle geht durch eine einzigartige Metamorphose. Als Metamorphose bezeichnet man die Abwandlung in Gestalt und Lebensweise eines Tieres im Laufe seiner Individualgestaltung. Die Larven einer Libelle häuten sich 8 bis 14 mal im Wasser, bis sie eines Tages aus dem Wasser klettern, meist bei schönem Sonnenschein, und sich dort an Land auf die nächste Entwicklungsstufe begeben. Während der nächsten Stunde atmet sie ein und füllt ihren Concon mit Sauerstoff, um die Hülle, die sie bis jetzt geschützt hat, zum Aufplatzen zu bringen. Jetzt schiebt sie sich heraus. Ein mühsames Unterfangen, bei dem die Libelle immer wieder Pausen einlegen muss.

Zu diesem Zeitpunkt hängt da ein recht hässliches Etwas, was noch meilenweit von der Schönheit und Grazie einer fertigen Libelle entfernt ist. Nach einigen Stunden ist sie nun trocken, zunächst blass und schwach, und startet zu ihrem Jungfernflug. In den nächsten 14 Tagen wird sie schillernde Schönheit gewinnen und Magie und Staunen bei ihren Beobachtern auslösen.

Würde man in diesen Geburtsprozess eingreifen und der Libelle aus der Hülle helfen wollen, so würde das Sekret, das sie zum Herauswinden braucht, an ihren Flügeln kleben und nicht, wie unbedingt nötig, mit der Larve zurück gelassen werden. Die Libelle würde niemals fliegen und während der Neugeburt sterben.

Was tue ich nun mit meinem Coachee? Ich muss ihm die Geschichte der Libelle erzählen, vielleicht wieder und wieder. Weil es eben ganz viele Komponenten braucht in der Entwicklung. Die mühsame Arbeit, wenn man die ganzen schützenden Häute abstreift. Dann das Klettern auf neues Terrain, auf dem man sich noch nicht auskennt. Dann das Aufblasen des Concons, damit er von dem neuen Leben weichen kann. Der Jungfernflug, die Zeit um die Farben zu bekommen.


Jede Phase in einem Prozess muss in Ruhe reifen. Wenn es ein schwerer Prozess ist, durch den ein Coachee geht, braucht es unendlich viel Geduld. Die vielen kleinen Schritte bis zum Flug sind oft nicht gut zu sehen. Von Aussen betrachtet sieht es gar nicht nach Entwicklung aus. Und doch tut sich etwas. Sehr langsam. Mühsam langsam. Aber: Die Libelle wird fliegen. Wenn man ihr Zeit lässt sich von Altem zu befreien, in dem Neuen zurecht zu finden. Wenn man warten kann, bis sie den Concon von alleine sprengt weil sie erkennt, das jetzt die neue Lebensphase beginnt.

Geduld ist auch nicht meine Tugend und war es nie. Wie gerne würde ich meine Klienten aus der Larve ziehen. Einen schnellen scharfen Schnitt machen und sie wie eine Hebamme ins schöne sonnenbeschienene leichte Leben transformieren. Aber auch ich muss warten. Noch eine Haut, noch eine Haut…. und dann auf den Stein und jetzt gut zureden: „Komm raus aus Deinem Gefängnis, die Welt ist schön und wartet auf Dich!“

Zunächst werde ich meinen Sauerstoff Lastwagen vor seinem Haus deponieren.
Geduld.

Bald fliegt sie, die Libelle.

Sei geduldig mit Dir und anderen. Wir sind alle auf dem Weg.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Perfekt oder leicht?

Kennst Du das auch: Du willst das Haus nicht verlassen, bevor nicht alles bestens aufgeräumt und geputzt ist? Du musst immer alles noch einmal kontrollieren? Du möchtest unbedingt pünktlich sein? Du musst es unbedingt beim ersten Mal schaffen? Du kommst pünktlich, aber der Andere ist noch nicht parat? Du willst unbedingt das Kleid tragen und schüttest Dir vor dem Weg gehen aus Versehen den Kaffee darüber?

Sicher kennst Du solche Situationen auch: Wir haben etwas im Kopf und dann muss es auch genau so sein. Und dann kommt uns das Leben dazwischen und wir hadern mit dem Ergebnis. Oder wir verlassen das Haus dann doch zu spät, vergessen Dinge zuhause, haben etwas nicht fertig gestellt bevor wir gegangen sind.

Das nagt. Manchmal nervt es auch. In seltenen Fällen beschäftigt uns das ewig lang und nimmt uns den Spass an dem, was im Anschluss passiert.

Wir sind alle ein bisschen Perfektionisten.

In der vergangenen Woche erlebte ich gleich mehrere solche Geschichten.

Perfektionismus ist ein psychologisches Konstrukt, das uns das Leben vermiest. Er treibt uns an, ist in den meisten Fällen zwanghaft, bringt uns weit über unsere Grenzen hinaus und ist geradezu tödlich für Spontanität und Leichtigkeit.

Warum wollen wir nur alle so perfekt sein?

Es hat leider etwas mit Kontrolle zu tun. Wir werden von klein auf mit Leistung konfrontiert, wir müssen immer etwas tun, wir werden gelobt wenn wir etwas erledigt haben, noch mehr, wenn wir etwas perfekt gemacht haben. Das brennt sich in uns ein. Oft binden wir unseren Selbstwert auch an Ergebnisse, an Erfolge, statt an unsere Persönlichkeit. Der Kreis wird dann enger, die Anforderungen grösser.

Und wir schämen uns, wenn wir nicht so gut, ordentlich, gesund, gutaussehend, wohlhabend und erfolgreich sind wie andere.

Menschen, die immer alles perfekt tun und perfekt sein möchten, fällt es nicht leicht, loszulassen. Und doch müssten sie genau das: Die Fixierung aufgeben auf das allerbeste Ergebnis. Auf die kontrollierende Aussensicht von anderen auf das eigene Leben. Loslassen von Applaus und Anerkennung.

Vielmehr würde es helfen zu spüren was jetzt wirklich sein muss – und was wir sein lassen können.

Die Kunst des Weglassens.

Was musst Du denn unbedingt?

Was muss jetzt unbedingt sein?

Was meinst Du nicht gut genug zu tun / getan zu haben?

Und wenn morgen ein Schicksalsschlag eintreffen würde: Wie wichtig wäre das dann gewesen?

In Relation gesetzt ist das alles nichts. Wenn Du wieder in einen Strudel gerätst, weil Du meinst etwas müsste genau so und nicht anders sein. Wenn Du meinst es gehe nicht ein bisschen weniger perfekt, wenn Du Dich hetzt um nur ja genau auf die Minute pünktlich zu sein, dann frage Dich:

Ist das jetzt wirklich LEBENSWICHTIG?

Geht die Welt unter wenn es nicht geschafft oder erledigt ist?

Die Antwort auf diese Frage ist immer: NEIN.

Spürst Du, wie sich sofort etwas in Dir entspannt?

Statt Perfektion wünsche ich Dir: Selbstfürsorge.

Was brauchst Du jetzt für Dich? Eine Pause? Ein Durchatmen? Einen Moment der Besinnung? Ein bisschen mehr Leichtigkeit?

Nimm Dir das.

Das heisst nicht, dass Du die Dinge nicht erledigen sollst. Aber es ist mit mehr Ruhe ohnehin besser gemacht. Du darfst auch mal eine Prüfung nicht im ersten Anlauf schaffen. Oder mal etwas zu spät kommen.

Die Welt dreht sich weiter. Und Du kannst tanzen statt rennen. Lachen statt Grübeln. Atmen und weitergehen.

Lass die Hand um Deine eigene Kehle los, gib die Kontrolle auf. Alles wird ohnehin immer (irgendwann) gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

„Du musst Dich entscheiden, willst Du gut sein, oder ganz“ (C.G.Jung)

Vor vielen Jahren, in der Schleyer-Halle in Stuttgart: Tosender Applaus braust auf, die Zuschauer werden aus den Sitzen gerissen. Wir jubeln, trampeln, schreien. Wir sind – verzückt. Ben Becker kommt zurück auf die Bühne und lässt sich feiern. Gerade noch hat er uns alle in den Bann gezogen. Ein Punk, ein enfant terrible, ein polarisierender aber grandioser Schauspieler hat sich gewagt, „Die Bibel“ zu lesen. Mit Pathos und Kraft, mit Leib und Seele. Sein Vortrag war ein Tanz auf der scharfen Messerklinge. Er hat sich gezeigt, zur Verfügung gestellt- Wieder und wieder verbeugt er sich, umarmt sich selbst und schreit schliesslich: „Was bin ich doch nur für eine selbstverliebte Sau!“

Ein neues Bild. In Grosnez, der steilsten Klippe auf Jersey. Martin steht da und streckt sich und dann bricht es aus ihm heraus: Seine Wahrheit. Sein Wesen offenbart sich. Mit einem Mal sprengt er seine Ketten, seine Rüstung, seine Zurückhaltung fliegt uns um die Ohren und er schreit seine intimsten Gedanken, macht sich nackt, zeigt sich vollständig. Wie so oft gehe ich in die Knie und bin schockverliebt in diesen Menschen, der sich da so verwundbar so echt so authentisch ausdrückt.

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Ich habe mich in jeden Coachee verliebt, der je auf Jersey seine Wahrheit gefunden und offenbart hat. Weil es eben ECHT war. Und die Ehrlichkeit, die Authentizität den Raum füllte. Man sagt dem heute gerne: Präsenz.

Ben Becker spielt keine Rollen, er lässt sie unter seine Haut kriechen und verbindet sie mit seinem Wesenskern. Er kann nur so: Intensiv. Leidenschaftlich. Laut. Verzweifelt. Bis aufs Blut.

Und so fühlt es sich für jeden Menschen an, der authentisch sich selbst ist: Alles Unechte verschwindet. Jedes Spielen einer Rolle, jede Zurückhaltung, jedes Ausweichen, jede gespielte Bescheidenheit, jede Anpassung fällt in sich zusammen und es zeigt sich: Der wahre Mensch.

Warum wagen so viele Menschen nicht, sich selbst zu sein?

Warum ist es so viel einfacher sich zu verstecken, zu verstellen, damit man in die Masse passt?

Es ist ein riesiges Wagnis und zeugt von grossem Mut, sich zu zeigen. Denn unsere Aussenwelt zeigt dann gerne mit dem Finger und urteilt, verurteilt auch. Man soll sich nicht zu sehr zeigen, das mache verletzlich, das lernen wir schon früh.

Ich behaupte aber, es verletzt so viel mehr, sich nicht selbst zu sein. Es schmerzt unendlich, sich anzupassen an ein Bild, dem man nicht entspricht.

Wir ersticken alle im Funktionieren, im Pflichterfüllen, im Erwartungen gerecht werden, im Bravsein. Und: Es ist ohnehin offensichtlich, das man dabei lügt.

Der Concon aus antrainierter Bescheidenheit und Zurückhaltung zwingt uns alle in eine Haltung, die uns implodieren lässt. Früher oder später – aber auf jeden Fall sicher! – wird sich unser wahres Wesen zeigen. Dieses Verstecken geht niemals für immer. Und je stärker wir es vehement unterdrücken umso mehr wird es uns schliesslich unter eine riesige Spannung bringen, die dann explodiert, wenn es eigentlich gerade nicht förderlich ist.

C.G.Jung hat in diesem Zusammenhang von dem Moment gesprochen, der uns radikal auf uns selbst zurück wirft. Die Individuation.

Individuation bedeutet: zum Einzelwesen werden, und, insofern wir
unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte ,Individuation‘ darum auch als ,Verselbstung‘ oder als Selbstverwirklichung‘ übersetzen“     (C.G.Jung 1933)

C.G.Jung nannte den „Spiegel-Moment“ den Zeitpunkt des Erwachens. Jeder Mensch kommt in der Lebensmitte an diesen Punkt. Und danach beginnt die „Individuation“, die Befreiung unseres wahren Wesenskerns.

Es geht nicht mehr darum, sich danach zu richten, was man tun sollte und was im Allgemeinen richtig wäre, sondern um die eigene innere Wahrheit.

Wie frei – wie authentisch bist Du?

Wie sehr nackt und ehrlich, authentisch und intim zeigst Du Dich?

Bist Du – wahr?

In meinen Coachings ist das ein ganz wesentlicher Kernpunkt: Sich endlich! endlich! befreien von den einengenden Ketten, die wir uns zunächst selbst angelegt haben. Und dann auch allen anderen erlaubt haben, sie uns anzulegen. Denn: Wenn wir spielen, lieb und brav und angepasst zu sein, dann sind wir keine Gefahr für andere, wir sind berechenbar und manipulierbar. Denn: Wir antworten ja nicht mit der uns eigenen Wesensart, sondern auch so, wie man es von uns erwartet.

Sich selbst sein bringt die grösste Freiheit und kostet den grössten Mut. Denn dann wirst Du nicht mehr mit der Masse schwimmen, sondern heraustreten und Deine eigene Meinung, deine eigenen Handlungen, deine eigenen Entscheidungen treffen.

Vor Jahren ging ich zu einem Falkner, der mich gleich mit den allerersten Worten ins Mark erschütterte. Er liess den mächtigen Adler ausfliegen und zeigt auf den Boden des abschüssigen Berges vor uns. Dann sagte er: „Hast Du gesehen, was jetzt gerade passiert ist? Der Adler zeigt sich am Himmel. Und alles verhält sich jetzt korrekt.“

Willst Du, das sich Menschen Dir gegenüber korrekt verhalten?

Korrekt in diesem Sinne meint: Deinem wirklichen Wesen entsprechend. Das heisst im Umkehrschluss: Du muss radikal zeigen wer Du bist, wie Du bist. Du machst Dich damit durchaus auch: Verwundbar. Denn es gibt keine Rüstung mehr die Dich schützt.

Bist Du bereit, Dich nackt zu machen und zu zeigen?

Willst Du gut sein? Oder ganz?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Interview mit Ben: Echt und authentisch.

Die Gefühlskönigin

Was machst Du mit Deiner Liebe? Und was macht die Liebe mit Dir?

Bist Du in einer „Beziehung“?

Für mich ist das Wort Beziehung immer so ein bisschen „einander ziehen“ manchmal auch „einander erziehen“. Am Anfang sicher geprägt von der „Anziehung“… gar nicht mal so liebevoll. Sondern meistens ein miteinander ringen, verhandeln, manchmal kämpfen.

Oder bist Du in einer Verbindung? Fühlst Du Dich verbunden? Angebunden? Oder gar: Fest gebunden?

Die Liebe wird leider oft missverstanden. Und auch, ja ein bisschen: misshandelt. Denn ganz ehrlich: Fast in jedem Gespräch geht es darum, wer wie was tut. Ob einfach wunderbar oder eben – einander herum ziehen.

Die letzten Coachingwochen hörte ich sehr viel über die Liebe. In allen Facetten ist sie mir begegnet. Als stürmische Affäre, als tiefe Verbindung, als lange Ehe mit grossen Problemen, als neue Beziehung mit enormen Herausforderungen, als verratene Liebe, als schmerzhafte Trennung, als sehnsuchtsvolle Suche, als im Himmel geschlossenes Bündnis. Die Liebe, scheint es, hat sehr viele Gesichter und sie ruft eine riesige Palette an Gefühlen ab.

Was tun wir denn da? Wissen wir noch um die Liebe oder lassen wir uns hin und her bewegen – ist es eine E-motion, eine Bewegung mit Impulsen, die uns je nach Gefühlslage in den Himmel oder in die Hölle bringen?

Wie steht es um Deine Liebe?
Was liebst Du?

Wen liebst Du?

Wer meine Homepage kennt findet dort eines meiner liebsten Zitate über die Liebe. Von Emily Dickinson:

„Manchmal mit dem Herzen

selten mit der Seele

kaum je mit Kraft

wenige – lieben überhaupt.“

Wie oft wird die Liebe missverstanden. Ich nehme mich keinesfalls aus. Meine Liebesbilanz ist ziemlich umfassend. Und in puncto „Beziehung“ eher nicht sehr erfolgreich. Ich habe es eben auch erst ganz spät gelernt, dass es bei der Liebe nicht um die Zweisamkeit, um „das Objekt der Begierde“ gehen kann.

Liebe darf einfach eine Haltung sein.

Warte mal, eine Haltung?

Ja, ein täglicher Begleiter. Eine grosse Offenheit und Achtsamkeit. Eine Grundstimmung, die alles berührt. Ein Fundament in uns, das durchaus handlungsfähig ist. Aber eben nicht nur focussiert auf die eine Person.

Denn: Dann wird sie in eine Abhängigkeit kommen. Wenn Liebe nur für die eine, den einen blüht, dann wird unsere Fixierung uns bald in viele Egothemen bringen. Dann „muss“ der Partner bald dies und das tun, damit wir glücklich und zufrieden sind. Dann „müssen“ bald Regeln eingehalten werden, damit die Beziehung gelingen kann. Dann muss es plötzlich weltliche Formen annehmen und die Liebe erstickt allmählich (wie Emily sagt: Sie verliert an Kraft) in gegenseitigen Erwartungen und Forderungen.

Viele Beziehungen sind letztlich an diesen Egothemen gescheitert. Die gegenseitige Wertschätzung geht schnell verloren, wenn man sich über die alltäglichen Dinge nicht mehr einigen kann. Und dann meistens entnervt weg rennt.
Ich behaupte, dass das dann niemals Liebe war oder ist. Sondern Komfortzonen, über die die beiden verhandeln. Wer braucht wieviel Platz? Wofür? Wer will was von dem anderen? Warum? Einander brauchen – ist das Liebe? Oder vielleicht vielmehr: gegenseitige Bedürfnisbefriedigung?

Liebe darf frei sein. Und muss zwingend frei lassen.

Wenn es wirklich Liebe ist, dann hört sie auch nicht auf, wenn eine Beziehung beendet ist. Liebe hat kein Happy End, weil Liebe nicht endet.

Enden werden immer nur eigenartige Formen des Miteinanders, die man als Liebe bezeichnet.

Als Coach und auch als Mensch sage ich: Wenn es endet und keine Liebe zurückbleibt, dann war es auch nie eine.

Wie also gehen wir um mit der Liebe?

Gerne hier noch einmal: Liebe ist eine Haltung, die alles durchdringt. Wie Wasser. Wie Luft. Wie das Leben an sich.

Ein wirklich poetisches Meisterstück habe ich vor vielen Jahren im Buch der Bücher, der Bibel, gefunden. Es heisst „Das Hohelied der Liebe“

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hört nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Grösste unter ihnen.

Möge die kommende Woche die Liebe Dich tragen. Frei und im Fluss bleiben.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lebst Du?

STOP! Werde Dir mal bewusst: Du atmest. Dein Herz schlägt.

Wenn Du es nicht glaubst, dann setze doch mal ein Stethoskop auf deine Brust. Hörst Du es? Bumm bumm bumm bumm.

Und dann Dein Atem: Ein, aus, ein, aus.

Dein Herz schlägt ohne Unterlass. Dein Atem geht ganz von alleine.

Bist Du Dir dessen bewusst, dass dieses fragile physikalische System dafür sorgt, dass Du lebst?

Und wenn es das nicht mehr tut? Wenn es mal stehen bleibt, Dein Herz?

Dann ist das Leben vorbei, ganz einfach. Und das kann jederzeit passieren. Bist Du Dir darüber im Klaren, dass Du sterben wirst und dass Du nicht weisst wann das passiert? Und – lebst Du? Bewusst und klar, entschieden und: GENUSSVOLL?

Oder musst du noch schnell…. machst du noch rasch… erledigst du noch im Lauftempo dies und das… machst alles nebenbei, ein bisschen wie ferngesteuert oder automatisch, weil es eben gemacht werden muss.

Ach – muss es gemacht werden?

Muss das Leben im mörderischen Tempo gelebt werden? Muss man immer alles schnell machen? Muss man überhaupt alles machen was man meint zu müssen?

Was musst Du denn??

Ich kannte vor Jahren einen Manager, der nach den USA fliegen wollte zu einem scheinbar so wichtigen Meeting. Schnell schnell meinte er noch dies und das einzukaufen und zu erledigen bevor es zum Flughafen ging. Bis ihm an der Supermarktkasse das Herz stehen blieb, einfach so. Die ultra-wichtigen Erledigungen waren einfach hinfällig geworden. Sogar im Rettungswagen sagte er: „Machen Sie mal schnell, mein Flieger geht heute Abend. Ich muss schnell wieder fit sein.“ Der selbe Manager hatte dann im Spital, unter den Händen der Ärzte den zweiten Herzinfarkt.

Für ein paar Minuten war er tot. Aus seinem Körper an die Decke geschwebt, sah er, wie die Ärzte um sein Leben kämpften. Es zog ihn zurück in diesen Körper. Ein paar Monate später sass er vor mir mit feuchten Augen im Coaching. Auf die Frage, was ihn da so erschüttert hätte, sagte er: „Ich wusste plötzlich nicht, wer da stirbt. Und ich wusste es auch nicht, als ich wieder drin war in diesem Körper“

Der Klient hatte bei all dem, was er meinte sein, tun, erledigen und gehorchen zu müssen das Leben an sich vergessen. Er war in Eiltempo gelaufen, in den Pflichten ertrunken und das Herz hatte keinerlei Raum in seinem Leben. Auch nicht die Herzensangelegenheiten. Und überhaupt: Die Gelegenheiten.

Die Möglichkeiten, das Leben einfach nur so in der Stille zu geniessen.

Heute sass ich mit einer Klientin auf einem wunderbaren schönen Aussichtspunkt. Die Sonne schien nicht zu heiss, die Luft war wunderbar frisch und sauber. Wir konnten einfach nur in die Ferne schauen und am Leben in uns und um uns herum teilnehmen. Bumm bumm bumm … ein und aus, ein und aus.

Es braucht auch in DEINEM Leben nichts mehr als das: Dein Herz, das pausenlos für Dich schlägt und sagt: Nimm mich ernst. Du wirst dieses Leben nicht für immer haben. Nimm Dir Zeit zum Leben. Zum Schlendern. Zum Geniessen. Zum nichts tun.

Der kluge Gandhi hat einmal gesagt: Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Tempo zu erhöhen.

Hör mal auf Dein Herz. Warum nicht gleich? Dafür hast Du immer Zeit.

Willkommen in der Adlerperspektive

 

 

Diesen Blogg widme ich in grosser Dankbarkeit der lebensfrohen Königin 230.

 

schauen

Aus und vorbei

Es gibt schöne Paare. Es gibt schreckliche Paare. Und es gibt Paare, bei denen man denkt, sie machen die Welt ein bisschen schöner, weil sie zusammen sind.

Ein Paar der dritten Kategorie hat sich letzte Woche getrennt. Ihre Trennung hat mich erschüttert, weil ich nicht damit gerechnet hätte. Einen ganzen Tag ging ich damit in meinen Gedanken. Es tat mir leid. Und ich stellte in Frage. Vor allem aber bedauerte ich, dass es nicht halten konnte.

Warum halten manche Verbindungen ewig, obwohl sie sich offenbar nicht gut tun und andere scheitern, obwohl sie uns als Vorbild dienen für das Echte, Schöne, Wahre?

Kann man da so einfach sagen: Das Leben hatte andere Pläne?

Eine Antwort gab mir vor vielen, vielen Jahren mein Freund Pan. Wir sassen vor dem Feuer in seinem Flusshaus und er kam mit einer Münze in der Hand. Er schnippte sie nach oben und sagte: „oh, die Kopfseite! Alles ist schön, das Leben macht Spass und ist gut, die gute Zeit!“ dann schnippte er wieder und zeigte die Zahlenseite: „oh und jetzt, ist alles schwer und traurig, macht wütend und frustriert, die schlechte Zeit“ und dann schnippte er wieder, drehte die Münze. Und meinte: „so ist es, das Leben. Es steht nicht still, es bleibt nichts für ewig, es wandelt sich. Das Leben besteht aus den beiden Seiten. Gewöhne dich nicht nur an die eine Seite, die Münze wird sich wieder drehen. Sie besteht, wie das Leben, aus zwei Seiten, die sich abwechseln. Willst Du die Münze behalten, dann akzeptiere dass sie beide Seiten hat.“

Warum verlangen wir, dass eine Beziehung die Kopfseite behält und wehren uns, wenn die Zahl uns anzeigt, was eben die Schattenseite ist?

Und: Müssen wir denn die Münze unbedingt behalten?

Anne Morrow Lindbergh hat in ihrem Buch „Muscheln in meiner Hand“ einmal eine schöne Umschreibung gefunden.

„Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Das ist unmöglich. Und doch ist es das, was die meisten fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen.

Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren.

Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzige mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab-­‐in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind. Die Partner brauchen sich nicht aneinander festzuhalten, da sie sich freiwillig zum selben Muster bewegen, froh, leichtfüssig und frei.“

Paare kommen zusammen, Paare trennen sich. So ist es nun mal. Kein Drama. Kein Weltuntergang. Und doch: Ein bisschen mehr verlieren wir jedes mal von unserer Illusion, dass die Liebe immer siegt. Manchmal siegt sie auch nicht.

Dann trennen sich Menschen wegen der Ebbe und der Flut, weil sie den Gleichklang suchen und nicht die Abwechslung von immer neuen Impulsen und Einflüssen auf die zarte Verbindung.

Als Partner-Coach meine ich: Jede Beziehung kann geheilt und gerettet werden, wenn man sich wieder auf das besinnt, was am Anfang war und wenn man gleichzeitig das Fundament stärkt, dass die Beiden verbindet. Aber: Es muss Liebe sein. Keine Illusion und kein Deal, keine Bequemlichkeit und keine egoistischen Interessen. Keinesfalls die Erwartungen der Anderen oder weil es eben besser wäre man bliebe zusammen.

Wenn die Liebe nicht stark genug ist, auf einer oder auf beider Seiten – dann gebt die Münze zurück. Trennt Euch in gegenseitigem Respekt. Macht aus dem Wir wieder ein Du und ich. Der Weltenlauf wird Euch an neue Ufer spülen und Euch wieder einen Schatz in die Hand legen. Wird die nächste Münze auf beiden Seiten geliebt? Dann wird sie Dich bereichern. Stellt sich nach einer Weile heraus, dass die Zahlenseite die Münze wertlos erscheinen lässt – dann geh weiter.

Es gibt schöne Paare.

Es gibt schreckliche Paare.

Es gibt Paare, die die Welt ein bisschen besser machen.

Zu welcher Kategorie gehört die Verbindung in der Du Dich befindest?

Was tust Du damit?

Wie pflegst Du die Beziehung?

Wie viel Liebe, Wertschätzung, Pflege gibst Du ihr?

Oder: Warum hältst Du fest, obwohl die Liebe nicht mehr fliesst?

Mache Dir in dieser Woche den Wert Deiner Verbindungen bewusst. Entscheide Dich: Willst Du Recht haben – oder in Verbindung sein?

Festhalten oder loslassen?

Wertschätzen oder befreit weiter ziehen?

Das Gold liegt überall.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Diesen Blog widme ich gleich dreien: Meiner schönen Liebe mit Stefan und Frank, beide vorbei. Meinem Freund Pan für die Lektion. Und meiner aktuellen Liebe, mit Potential eine drei zu sein, Remko. Danke für das viele wunderbare Gold!

Kettenreaktion

Hast Du Dich auch schon mal verlaufen? Ich meine, nicht einfach so, wenn Du auf einem Weg warst, um etwas zu finden und dann falsch gelaufen bist. Ich meine: SO RICHTIG verlaufen. Also eine fatale Fehlentscheidung, die Dich an Orte gebracht hat, wohin Du nicht wolltest und was Dich dann nach und nach richtig nachhaltig geärgert, verändert, enttäuscht oder gar verletzt hat.

Wenn Du von Deinem Weg abgekommen bist – und das eine Folge von weiteren Schritten nach sich gezogen hat, die Du fast nicht mehr stoppen konntest.

Eine tragische Sache. Fast alle waren wir schon einmal in einer solchen Situation.

Vor Jahren hatte ich einen wunderbaren Coachee, der sich mit einer Partnerin verband, die ihm nicht gut tat. Als ich ihn nach vielen Jahren wieder sah, hatte er sich selbst sehr weit verraten. Ich konnte sein gutes, goldenes Herz nur noch schwach schimmern sehen. Ihn aus dieser Geschichte heraus zu wickeln (dafür steht das Wort Ent-wicklung) war für uns beide sehr anstrengend und nervenaufreibend. Am Ende war alles gut und heute ist er gestärkt aus dieser Geschichte heraus gekommen.

Manchmal brauchen wir die Umwege zum Glück.

Aber man kann auch präventiv das Richtige tun, um solche Umstände gar nicht erst in sein Leben zu lassen. Dazu braucht es dringend: Bewusstsein. Sich selbst kennen. Und die eigenen Bedürfnisse sehr ernst nehmen.

Ich gebe Dir ein Beispiel. Als ich meinen letzten runden Geburtstag feierte, bekam ich zwei unglaubliche Geschenke. Von einem lieben Kunden das Angebot 4 Wochen in ein super Luxus Ressort in Thailand zu gehen. Ein unglaubliches Angebot. 4 Wochen in einem holistischen Spa der Extraklasse auf einer Insel im Golf von Thailand. Der andere sehr dankbare Kunde wollte mir für vier Wochen eines seiner sensationellen Häuser an der portugiesischen Algarve zur Verfügung stellen. Inclusive Pool, Hausangestellte und 11 Zimmern, die ich mit meinen Freunden hätte füllen dürfen.

Die Angebote waren toll. Ich war sehr dankbar dafür. Und meine Freunde freuten sich wie verrückt und wollten unbedingt mitfliegen. Ich ging mit den Angeboten schwanger. Beide Kunden wollten schnellstmöglich einen Termin von mir. Wochen schob ich die Hochglanzprospekte über den Schreibtisch. Ich wich aus und ich wusste es. Und fragte mich: Warum sage ich nicht einfach zu und mache einen Termin fix? Warum kann ich mich nicht wie verrückt freuen?

Als die Anfragen nach meinen Wunschterminen und meine Antworten an die Spender immer drängender wurden ging ich einmal mit meinem Hund über die Hügel, der Wind blies stark und ich war glücklich. Ich fragte mich: Was würde ich mir selbst raten, wenn ich mein eigener Coach wäre?

Es war lustig, die Antwort kam sofort:

Was macht mich denn glücklich, wenn ich vier Wochen Ferien mache?

Nun, was soll ich sagen. Es war keineswegs die Hitze von Thailand oder Portugal. Es war der Wind, der gerade um meine Ohren blies, es war die raue Landschaft, es war das kalte Wetter, der Regen und die Wolken und ein langer wilder Galopp an einem einsamen Strand. Es war irische Livemusik und Guiness, Riverdance und gälisches Sprechen.

Auf einmal war die Antwort ganz leicht. Keines der Angebote annehmen. Nach Irland, in den wilden Westen, sollte es gehen.

Frage Dich jetzt gleich einmal:

Was macht mich glücklich?

Was brauche ich?

Was möchte ich gerne erleben, in meinem neuen Job, in meiner Partnerschaft, in meinen Ferien, in meinem neuen Zuhause?

Was ist für mich ganz persönlich elementar wichtig?

Was ist MEINE Wahl, wenn ich sie habe?

Wenn Du diese Grundgedanken in Deinem Leben beantworten kannst, dann wirst Du er-folg-reiche Entscheidungen treffen, die Dich an den richtigen Ort, zu den richtigen Menschen, an die richtigen Gegebenheiten führen. Alles ist dann folge-richtig genau für Dich gemacht.

Denn es ist Dein Leben. Niemand anders weiss, was Du wirklich in deinem Herz begehrst. DU BIST DIE WICHTIGSTE PERSON FÜR DEINEN WEG.

Mach eine Kettenreaktion daraus. Entscheide jetzt gleich:

Was will ich wirklich?

Dann wird sich alles fügen. Versprochen.

Willkommen in der Adlerperspektive!

eire

Die kleine Extravaganz

Karl Lagerfeld hat einmal gesagt: „Kreativität ist ein Muskel, Du musst ihn genauso trainieren wie Deine anderen Muskeln, sonst erschlafft sie“

Viele Menschen meinen, Kreativität sei basteln und malen und irgendwelche Dinge dekorativ herstellen oder verändern. Aber Kreativität ist sehr viel mehr und geht sehr viel tiefer. Erinnerst Du Dich an den letzten Blog? Ich habe darin erwähnt, dass wir nur 2% neue Gedanken haben während eines Tages. Meistens trauen wir uns gar nicht aus der Komfortzone des bereits Bekannten heraus zu denken.

Kreativität heisst kre-ieren. Also etwas erschaffen. Und alles Neue ist demnach Kreativität. In der Tat ist es meistens etwas Originelles, also etwas, das nur von Dir gemacht wird.

Können wir also einen Schritt weitergehen dann ist Kreativität ein Ausdruck von Deiner Authentizität und Individualität.

Du kennst das sicher, wenn Du Dir einmal Kunsthandwerk, ein Bild, etwas Selbstgemachtes ansiehst: Du erkennst darin denjenigen, der es erschaffen hat.Oder wenn Du einen Text liest, manchmal sogar wenn es sich um einen Zeitungsbeitrag handelt: Du erkennst die Melodie, die Aussagekraft, das Wesen des Schreibenden. Kreativität ist immer ganz nah an dem, der es erschafft. Man kann deutlich erkennen, ob etwas „mit Seele“ gemacht wurde oder nur konventionell erschaffen wurde.

In der vergangenen Woche war ich in einer grossen Buchhandlung in Zürich um zwei Bücher meiner Lieblingsautoren für meine Freundin zu kaufen. An der Kasse kam ich ins Gespräch mit der Buchhändlerin und wir gerieten ins Fachsimpeln. Am Ende waren wir beide von einem der beiden Autoren begeistert und hatten den selben Eindruck, von dem was er schreibt: Es ist immer eine eigenartige Form des Amüsements wenn man seine Texte liest. Er hat Schalk. Und seine Texte sind nicht reisserisch sondern verzaubern ein bisschen.

(Wer das gerne hat: Alex Capus: Königskinder)

Alles was Du kreativ erschaffen kannst trägt vor allem auch Dein Wesen in sich. Da geht es nicht mehr nur um Abrufen dessen, was Du schon weisst (unser Dinosaurier-Hirn mit 98% Prozent vollgestopften alten Wissens) sondern –

um die kleine Extravaganz, die Dich ausmacht.

Wie kann ich also meine 2% neue Gedanken erweitern und damit mein Gehirn und das ewige Denken damit ein bisschen ablenken?

Du brauchst dringend: I N S P I R A T I O N.

Und die bekommst Du vor allem durch Neues. Neue Menschen, neue Orte, neue Bücher, neue Gesprächsthemen, neue Fragen (an Dich und von Dir), neue Sinneseindrücke. Du musst Dir pro-aktiv und hungrig, offen und gierig (deshalb spricht man von Neugier) das Neue holen.

Manchmal reicht es schon, wenn Du Deine Aufmerksamkeit auf das Absurde lenkst. Du stellst Dir einfach vor, jetzt ein paar Wunder zu sehen und zu erleben. Das öffnet Deinen Geist sofort und Du erlebst Dinge, die wunder-bar sind.

Letzte Woche sah ich zum Beispiel eine Dame im Pelzmantel bei 30 Grad Hitze. Eine, die einen riesigen Stapel Teller balancierte. Ein Vater der drei Waffeln Eis hielt die alle über seine Hände liefen während seine Kinder mit einem Hund beschäftigt waren und ihm das Eis nicht abnehmen wollten. Eine alte Lady, die mit einem jungen Verkäufer flirten wollte und der dabei die Augen verdrehte.

Ich könnte die Liste ewig weiterführen.

Inspiration heisst – Den Geist erhellen, das Schöpferische, Erleuchtende erleben.

In der Medizin kommt Inspiration von lateinisch „inspiratio“: Einhauchen, einatmen.

Und das ist es, was Dein Gehirn braucht, wenn es kreativ sein will: Es muss den Dingen, dem Leben, den Gesprächen etwas Spannendes, Neues und Aussergewöhnliches einhauchen.

Hast Du Deinen Kreativitätsmuskel heute schon trainiert?

Öffne Deine Sinne und erlebe das, was ist, als neu. Das kannst Du immer. Du musst es eben einfach wollen.

Willkommen in der Adlerperspektive.