Vom Häuten der Libellen

Ich habe einen Coachee, der regelmässig Sauerstoff braucht. Nicht das, was man hinlänglich damit meint, es ist vielmehr mentaler Sauerstoff. Ein bisschen geht im die Geduld aus. Und wenn es dann wieder knapp wird, weil seine Nerven in eisigen Höhen unterwegs sind, dann braucht er eine Sauerstoffladung, die ich ihm dann schicken kann. Der Prozess, durch den er geht, ist nicht einfach und verlangt ihm viel ab. Aber er geht. Schritt für Schritt. Atmen.

Lieber würde er voran stürmen und den Gipfelerfolg feiern, aber wir sind im mühsamen Weg nach oben.

Wenn ich diesen schönen und warmherzigen Menschen betrachte, dann denke ich an die Geschichte der Libellen.

Libellen, die letzten Drachen, werden ebenso wie ihre verwandten Artgenossen, die Schmetterlinge, aus einer Raupe geboren.
Die Libelle geht durch eine einzigartige Metamorphose. Als Metamorphose bezeichnet man die Abwandlung in Gestalt und Lebensweise eines Tieres im Laufe seiner Individualgestaltung. Die Larven einer Libelle häuten sich 8 bis 14 mal im Wasser, bis sie eines Tages aus dem Wasser klettern, meist bei schönem Sonnenschein, und sich dort an Land auf die nächste Entwicklungsstufe begeben. Während der nächsten Stunde atmet sie ein und füllt ihren Concon mit Sauerstoff, um die Hülle, die sie bis jetzt geschützt hat, zum Aufplatzen zu bringen. Jetzt schiebt sie sich heraus. Ein mühsames Unterfangen, bei dem die Libelle immer wieder Pausen einlegen muss.

Zu diesem Zeitpunkt hängt da ein recht hässliches Etwas, was noch meilenweit von der Schönheit und Grazie einer fertigen Libelle entfernt ist. Nach einigen Stunden ist sie nun trocken, zunächst blass und schwach, und startet zu ihrem Jungfernflug. In den nächsten 14 Tagen wird sie schillernde Schönheit gewinnen und Magie und Staunen bei ihren Beobachtern auslösen.

Würde man in diesen Geburtsprozess eingreifen und der Libelle aus der Hülle helfen wollen, so würde das Sekret, das sie zum Herauswinden braucht, an ihren Flügeln kleben und nicht, wie unbedingt nötig, mit der Larve zurück gelassen werden. Die Libelle würde niemals fliegen und während der Neugeburt sterben.

Was tue ich nun mit meinem Coachee? Ich muss ihm die Geschichte der Libelle erzählen, vielleicht wieder und wieder. Weil es eben ganz viele Komponenten braucht in der Entwicklung. Die mühsame Arbeit, wenn man die ganzen schützenden Häute abstreift. Dann das Klettern auf neues Terrain, auf dem man sich noch nicht auskennt. Dann das Aufblasen des Concons, damit er von dem neuen Leben weichen kann. Der Jungfernflug, die Zeit um die Farben zu bekommen.


Jede Phase in einem Prozess muss in Ruhe reifen. Wenn es ein schwerer Prozess ist, durch den ein Coachee geht, braucht es unendlich viel Geduld. Die vielen kleinen Schritte bis zum Flug sind oft nicht gut zu sehen. Von Aussen betrachtet sieht es gar nicht nach Entwicklung aus. Und doch tut sich etwas. Sehr langsam. Mühsam langsam. Aber: Die Libelle wird fliegen. Wenn man ihr Zeit lässt sich von Altem zu befreien, in dem Neuen zurecht zu finden. Wenn man warten kann, bis sie den Concon von alleine sprengt weil sie erkennt, das jetzt die neue Lebensphase beginnt.

Geduld ist auch nicht meine Tugend und war es nie. Wie gerne würde ich meine Klienten aus der Larve ziehen. Einen schnellen scharfen Schnitt machen und sie wie eine Hebamme ins schöne sonnenbeschienene leichte Leben transformieren. Aber auch ich muss warten. Noch eine Haut, noch eine Haut…. und dann auf den Stein und jetzt gut zureden: „Komm raus aus Deinem Gefängnis, die Welt ist schön und wartet auf Dich!“

Zunächst werde ich meinen Sauerstoff Lastwagen vor seinem Haus deponieren.
Geduld.

Bald fliegt sie, die Libelle.

Sei geduldig mit Dir und anderen. Wir sind alle auf dem Weg.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Perfekt oder leicht?

Kennst Du das auch: Du willst das Haus nicht verlassen, bevor nicht alles bestens aufgeräumt und geputzt ist? Du musst immer alles noch einmal kontrollieren? Du möchtest unbedingt pünktlich sein? Du musst es unbedingt beim ersten Mal schaffen? Du kommst pünktlich, aber der Andere ist noch nicht parat? Du willst unbedingt das Kleid tragen und schüttest Dir vor dem Weg gehen aus Versehen den Kaffee darüber?

Sicher kennst Du solche Situationen auch: Wir haben etwas im Kopf und dann muss es auch genau so sein. Und dann kommt uns das Leben dazwischen und wir hadern mit dem Ergebnis. Oder wir verlassen das Haus dann doch zu spät, vergessen Dinge zuhause, haben etwas nicht fertig gestellt bevor wir gegangen sind.

Das nagt. Manchmal nervt es auch. In seltenen Fällen beschäftigt uns das ewig lang und nimmt uns den Spass an dem, was im Anschluss passiert.

Wir sind alle ein bisschen Perfektionisten.

In der vergangenen Woche erlebte ich gleich mehrere solche Geschichten.

Perfektionismus ist ein psychologisches Konstrukt, das uns das Leben vermiest. Er treibt uns an, ist in den meisten Fällen zwanghaft, bringt uns weit über unsere Grenzen hinaus und ist geradezu tödlich für Spontanität und Leichtigkeit.

Warum wollen wir nur alle so perfekt sein?

Es hat leider etwas mit Kontrolle zu tun. Wir werden von klein auf mit Leistung konfrontiert, wir müssen immer etwas tun, wir werden gelobt wenn wir etwas erledigt haben, noch mehr, wenn wir etwas perfekt gemacht haben. Das brennt sich in uns ein. Oft binden wir unseren Selbstwert auch an Ergebnisse, an Erfolge, statt an unsere Persönlichkeit. Der Kreis wird dann enger, die Anforderungen grösser.

Und wir schämen uns, wenn wir nicht so gut, ordentlich, gesund, gutaussehend, wohlhabend und erfolgreich sind wie andere.

Menschen, die immer alles perfekt tun und perfekt sein möchten, fällt es nicht leicht, loszulassen. Und doch müssten sie genau das: Die Fixierung aufgeben auf das allerbeste Ergebnis. Auf die kontrollierende Aussensicht von anderen auf das eigene Leben. Loslassen von Applaus und Anerkennung.

Vielmehr würde es helfen zu spüren was jetzt wirklich sein muss – und was wir sein lassen können.

Die Kunst des Weglassens.

Was musst Du denn unbedingt?

Was muss jetzt unbedingt sein?

Was meinst Du nicht gut genug zu tun / getan zu haben?

Und wenn morgen ein Schicksalsschlag eintreffen würde: Wie wichtig wäre das dann gewesen?

In Relation gesetzt ist das alles nichts. Wenn Du wieder in einen Strudel gerätst, weil Du meinst etwas müsste genau so und nicht anders sein. Wenn Du meinst es gehe nicht ein bisschen weniger perfekt, wenn Du Dich hetzt um nur ja genau auf die Minute pünktlich zu sein, dann frage Dich:

Ist das jetzt wirklich LEBENSWICHTIG?

Geht die Welt unter wenn es nicht geschafft oder erledigt ist?

Die Antwort auf diese Frage ist immer: NEIN.

Spürst Du, wie sich sofort etwas in Dir entspannt?

Statt Perfektion wünsche ich Dir: Selbstfürsorge.

Was brauchst Du jetzt für Dich? Eine Pause? Ein Durchatmen? Einen Moment der Besinnung? Ein bisschen mehr Leichtigkeit?

Nimm Dir das.

Das heisst nicht, dass Du die Dinge nicht erledigen sollst. Aber es ist mit mehr Ruhe ohnehin besser gemacht. Du darfst auch mal eine Prüfung nicht im ersten Anlauf schaffen. Oder mal etwas zu spät kommen.

Die Welt dreht sich weiter. Und Du kannst tanzen statt rennen. Lachen statt Grübeln. Atmen und weitergehen.

Lass die Hand um Deine eigene Kehle los, gib die Kontrolle auf. Alles wird ohnehin immer (irgendwann) gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

„Du musst Dich entscheiden, willst Du gut sein, oder ganz“ (C.G.Jung)

Vor vielen Jahren, in der Schleyer-Halle in Stuttgart: Tosender Applaus braust auf, die Zuschauer werden aus den Sitzen gerissen. Wir jubeln, trampeln, schreien. Wir sind – verzückt. Ben Becker kommt zurück auf die Bühne und lässt sich feiern. Gerade noch hat er uns alle in den Bann gezogen. Ein Punk, ein enfant terrible, ein polarisierender aber grandioser Schauspieler hat sich gewagt, „Die Bibel“ zu lesen. Mit Pathos und Kraft, mit Leib und Seele. Sein Vortrag war ein Tanz auf der scharfen Messerklinge. Er hat sich gezeigt, zur Verfügung gestellt- Wieder und wieder verbeugt er sich, umarmt sich selbst und schreit schliesslich: „Was bin ich doch nur für eine selbstverliebte Sau!“

Ein neues Bild. In Grosnez, der steilsten Klippe auf Jersey. Martin steht da und streckt sich und dann bricht es aus ihm heraus: Seine Wahrheit. Sein Wesen offenbart sich. Mit einem Mal sprengt er seine Ketten, seine Rüstung, seine Zurückhaltung fliegt uns um die Ohren und er schreit seine intimsten Gedanken, macht sich nackt, zeigt sich vollständig. Wie so oft gehe ich in die Knie und bin schockverliebt in diesen Menschen, der sich da so verwundbar so echt so authentisch ausdrückt.

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Ich habe mich in jeden Coachee verliebt, der je auf Jersey seine Wahrheit gefunden und offenbart hat. Weil es eben ECHT war. Und die Ehrlichkeit, die Authentizität den Raum füllte. Man sagt dem heute gerne: Präsenz.

Ben Becker spielt keine Rollen, er lässt sie unter seine Haut kriechen und verbindet sie mit seinem Wesenskern. Er kann nur so: Intensiv. Leidenschaftlich. Laut. Verzweifelt. Bis aufs Blut.

Und so fühlt es sich für jeden Menschen an, der authentisch sich selbst ist: Alles Unechte verschwindet. Jedes Spielen einer Rolle, jede Zurückhaltung, jedes Ausweichen, jede gespielte Bescheidenheit, jede Anpassung fällt in sich zusammen und es zeigt sich: Der wahre Mensch.

Warum wagen so viele Menschen nicht, sich selbst zu sein?

Warum ist es so viel einfacher sich zu verstecken, zu verstellen, damit man in die Masse passt?

Es ist ein riesiges Wagnis und zeugt von grossem Mut, sich zu zeigen. Denn unsere Aussenwelt zeigt dann gerne mit dem Finger und urteilt, verurteilt auch. Man soll sich nicht zu sehr zeigen, das mache verletzlich, das lernen wir schon früh.

Ich behaupte aber, es verletzt so viel mehr, sich nicht selbst zu sein. Es schmerzt unendlich, sich anzupassen an ein Bild, dem man nicht entspricht.

Wir ersticken alle im Funktionieren, im Pflichterfüllen, im Erwartungen gerecht werden, im Bravsein. Und: Es ist ohnehin offensichtlich, das man dabei lügt.

Der Concon aus antrainierter Bescheidenheit und Zurückhaltung zwingt uns alle in eine Haltung, die uns implodieren lässt. Früher oder später – aber auf jeden Fall sicher! – wird sich unser wahres Wesen zeigen. Dieses Verstecken geht niemals für immer. Und je stärker wir es vehement unterdrücken umso mehr wird es uns schliesslich unter eine riesige Spannung bringen, die dann explodiert, wenn es eigentlich gerade nicht förderlich ist.

C.G.Jung hat in diesem Zusammenhang von dem Moment gesprochen, der uns radikal auf uns selbst zurück wirft. Die Individuation.

Individuation bedeutet: zum Einzelwesen werden, und, insofern wir
unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte ,Individuation‘ darum auch als ,Verselbstung‘ oder als Selbstverwirklichung‘ übersetzen“     (C.G.Jung 1933)

C.G.Jung nannte den „Spiegel-Moment“ den Zeitpunkt des Erwachens. Jeder Mensch kommt in der Lebensmitte an diesen Punkt. Und danach beginnt die „Individuation“, die Befreiung unseres wahren Wesenskerns.

Es geht nicht mehr darum, sich danach zu richten, was man tun sollte und was im Allgemeinen richtig wäre, sondern um die eigene innere Wahrheit.

Wie frei – wie authentisch bist Du?

Wie sehr nackt und ehrlich, authentisch und intim zeigst Du Dich?

Bist Du – wahr?

In meinen Coachings ist das ein ganz wesentlicher Kernpunkt: Sich endlich! endlich! befreien von den einengenden Ketten, die wir uns zunächst selbst angelegt haben. Und dann auch allen anderen erlaubt haben, sie uns anzulegen. Denn: Wenn wir spielen, lieb und brav und angepasst zu sein, dann sind wir keine Gefahr für andere, wir sind berechenbar und manipulierbar. Denn: Wir antworten ja nicht mit der uns eigenen Wesensart, sondern auch so, wie man es von uns erwartet.

Sich selbst sein bringt die grösste Freiheit und kostet den grössten Mut. Denn dann wirst Du nicht mehr mit der Masse schwimmen, sondern heraustreten und Deine eigene Meinung, deine eigenen Handlungen, deine eigenen Entscheidungen treffen.

Vor Jahren ging ich zu einem Falkner, der mich gleich mit den allerersten Worten ins Mark erschütterte. Er liess den mächtigen Adler ausfliegen und zeigt auf den Boden des abschüssigen Berges vor uns. Dann sagte er: „Hast Du gesehen, was jetzt gerade passiert ist? Der Adler zeigt sich am Himmel. Und alles verhält sich jetzt korrekt.“

Willst Du, das sich Menschen Dir gegenüber korrekt verhalten?

Korrekt in diesem Sinne meint: Deinem wirklichen Wesen entsprechend. Das heisst im Umkehrschluss: Du muss radikal zeigen wer Du bist, wie Du bist. Du machst Dich damit durchaus auch: Verwundbar. Denn es gibt keine Rüstung mehr die Dich schützt.

Bist Du bereit, Dich nackt zu machen und zu zeigen?

Willst Du gut sein? Oder ganz?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Interview mit Ben: Echt und authentisch.

Die Gefühlskönigin

Was machst Du mit Deiner Liebe? Und was macht die Liebe mit Dir?

Bist Du in einer „Beziehung“?

Für mich ist das Wort Beziehung immer so ein bisschen „einander ziehen“ manchmal auch „einander erziehen“. Am Anfang sicher geprägt von der „Anziehung“… gar nicht mal so liebevoll. Sondern meistens ein miteinander ringen, verhandeln, manchmal kämpfen.

Oder bist Du in einer Verbindung? Fühlst Du Dich verbunden? Angebunden? Oder gar: Fest gebunden?

Die Liebe wird leider oft missverstanden. Und auch, ja ein bisschen: misshandelt. Denn ganz ehrlich: Fast in jedem Gespräch geht es darum, wer wie was tut. Ob einfach wunderbar oder eben – einander herum ziehen.

Die letzten Coachingwochen hörte ich sehr viel über die Liebe. In allen Facetten ist sie mir begegnet. Als stürmische Affäre, als tiefe Verbindung, als lange Ehe mit grossen Problemen, als neue Beziehung mit enormen Herausforderungen, als verratene Liebe, als schmerzhafte Trennung, als sehnsuchtsvolle Suche, als im Himmel geschlossenes Bündnis. Die Liebe, scheint es, hat sehr viele Gesichter und sie ruft eine riesige Palette an Gefühlen ab.

Was tun wir denn da? Wissen wir noch um die Liebe oder lassen wir uns hin und her bewegen – ist es eine E-motion, eine Bewegung mit Impulsen, die uns je nach Gefühlslage in den Himmel oder in die Hölle bringen?

Wie steht es um Deine Liebe?
Was liebst Du?

Wen liebst Du?

Wer meine Homepage kennt findet dort eines meiner liebsten Zitate über die Liebe. Von Emily Dickinson:

„Manchmal mit dem Herzen

selten mit der Seele

kaum je mit Kraft

wenige – lieben überhaupt.“

Wie oft wird die Liebe missverstanden. Ich nehme mich keinesfalls aus. Meine Liebesbilanz ist ziemlich umfassend. Und in puncto „Beziehung“ eher nicht sehr erfolgreich. Ich habe es eben auch erst ganz spät gelernt, dass es bei der Liebe nicht um die Zweisamkeit, um „das Objekt der Begierde“ gehen kann.

Liebe darf einfach eine Haltung sein.

Warte mal, eine Haltung?

Ja, ein täglicher Begleiter. Eine grosse Offenheit und Achtsamkeit. Eine Grundstimmung, die alles berührt. Ein Fundament in uns, das durchaus handlungsfähig ist. Aber eben nicht nur focussiert auf die eine Person.

Denn: Dann wird sie in eine Abhängigkeit kommen. Wenn Liebe nur für die eine, den einen blüht, dann wird unsere Fixierung uns bald in viele Egothemen bringen. Dann „muss“ der Partner bald dies und das tun, damit wir glücklich und zufrieden sind. Dann „müssen“ bald Regeln eingehalten werden, damit die Beziehung gelingen kann. Dann muss es plötzlich weltliche Formen annehmen und die Liebe erstickt allmählich (wie Emily sagt: Sie verliert an Kraft) in gegenseitigen Erwartungen und Forderungen.

Viele Beziehungen sind letztlich an diesen Egothemen gescheitert. Die gegenseitige Wertschätzung geht schnell verloren, wenn man sich über die alltäglichen Dinge nicht mehr einigen kann. Und dann meistens entnervt weg rennt.
Ich behaupte, dass das dann niemals Liebe war oder ist. Sondern Komfortzonen, über die die beiden verhandeln. Wer braucht wieviel Platz? Wofür? Wer will was von dem anderen? Warum? Einander brauchen – ist das Liebe? Oder vielleicht vielmehr: gegenseitige Bedürfnisbefriedigung?

Liebe darf frei sein. Und muss zwingend frei lassen.

Wenn es wirklich Liebe ist, dann hört sie auch nicht auf, wenn eine Beziehung beendet ist. Liebe hat kein Happy End, weil Liebe nicht endet.

Enden werden immer nur eigenartige Formen des Miteinanders, die man als Liebe bezeichnet.

Als Coach und auch als Mensch sage ich: Wenn es endet und keine Liebe zurückbleibt, dann war es auch nie eine.

Wie also gehen wir um mit der Liebe?

Gerne hier noch einmal: Liebe ist eine Haltung, die alles durchdringt. Wie Wasser. Wie Luft. Wie das Leben an sich.

Ein wirklich poetisches Meisterstück habe ich vor vielen Jahren im Buch der Bücher, der Bibel, gefunden. Es heisst „Das Hohelied der Liebe“

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hört nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Grösste unter ihnen.

Möge die kommende Woche die Liebe Dich tragen. Frei und im Fluss bleiben.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lebst Du?

STOP! Werde Dir mal bewusst: Du atmest. Dein Herz schlägt.

Wenn Du es nicht glaubst, dann setze doch mal ein Stethoskop auf deine Brust. Hörst Du es? Bumm bumm bumm bumm.

Und dann Dein Atem: Ein, aus, ein, aus.

Dein Herz schlägt ohne Unterlass. Dein Atem geht ganz von alleine.

Bist Du Dir dessen bewusst, dass dieses fragile physikalische System dafür sorgt, dass Du lebst?

Und wenn es das nicht mehr tut? Wenn es mal stehen bleibt, Dein Herz?

Dann ist das Leben vorbei, ganz einfach. Und das kann jederzeit passieren. Bist Du Dir darüber im Klaren, dass Du sterben wirst und dass Du nicht weisst wann das passiert? Und – lebst Du? Bewusst und klar, entschieden und: GENUSSVOLL?

Oder musst du noch schnell…. machst du noch rasch… erledigst du noch im Lauftempo dies und das… machst alles nebenbei, ein bisschen wie ferngesteuert oder automatisch, weil es eben gemacht werden muss.

Ach – muss es gemacht werden?

Muss das Leben im mörderischen Tempo gelebt werden? Muss man immer alles schnell machen? Muss man überhaupt alles machen was man meint zu müssen?

Was musst Du denn??

Ich kannte vor Jahren einen Manager, der nach den USA fliegen wollte zu einem scheinbar so wichtigen Meeting. Schnell schnell meinte er noch dies und das einzukaufen und zu erledigen bevor es zum Flughafen ging. Bis ihm an der Supermarktkasse das Herz stehen blieb, einfach so. Die ultra-wichtigen Erledigungen waren einfach hinfällig geworden. Sogar im Rettungswagen sagte er: „Machen Sie mal schnell, mein Flieger geht heute Abend. Ich muss schnell wieder fit sein.“ Der selbe Manager hatte dann im Spital, unter den Händen der Ärzte den zweiten Herzinfarkt.

Für ein paar Minuten war er tot. Aus seinem Körper an die Decke geschwebt, sah er, wie die Ärzte um sein Leben kämpften. Es zog ihn zurück in diesen Körper. Ein paar Monate später sass er vor mir mit feuchten Augen im Coaching. Auf die Frage, was ihn da so erschüttert hätte, sagte er: „Ich wusste plötzlich nicht, wer da stirbt. Und ich wusste es auch nicht, als ich wieder drin war in diesem Körper“

Der Klient hatte bei all dem, was er meinte sein, tun, erledigen und gehorchen zu müssen das Leben an sich vergessen. Er war in Eiltempo gelaufen, in den Pflichten ertrunken und das Herz hatte keinerlei Raum in seinem Leben. Auch nicht die Herzensangelegenheiten. Und überhaupt: Die Gelegenheiten.

Die Möglichkeiten, das Leben einfach nur so in der Stille zu geniessen.

Heute sass ich mit einer Klientin auf einem wunderbaren schönen Aussichtspunkt. Die Sonne schien nicht zu heiss, die Luft war wunderbar frisch und sauber. Wir konnten einfach nur in die Ferne schauen und am Leben in uns und um uns herum teilnehmen. Bumm bumm bumm … ein und aus, ein und aus.

Es braucht auch in DEINEM Leben nichts mehr als das: Dein Herz, das pausenlos für Dich schlägt und sagt: Nimm mich ernst. Du wirst dieses Leben nicht für immer haben. Nimm Dir Zeit zum Leben. Zum Schlendern. Zum Geniessen. Zum nichts tun.

Der kluge Gandhi hat einmal gesagt: Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Tempo zu erhöhen.

Hör mal auf Dein Herz. Warum nicht gleich? Dafür hast Du immer Zeit.

Willkommen in der Adlerperspektive

 

 

Diesen Blogg widme ich in grosser Dankbarkeit der lebensfrohen Königin 230.

 

schauen

Aus und vorbei

Es gibt schöne Paare. Es gibt schreckliche Paare. Und es gibt Paare, bei denen man denkt, sie machen die Welt ein bisschen schöner, weil sie zusammen sind.

Ein Paar der dritten Kategorie hat sich letzte Woche getrennt. Ihre Trennung hat mich erschüttert, weil ich nicht damit gerechnet hätte. Einen ganzen Tag ging ich damit in meinen Gedanken. Es tat mir leid. Und ich stellte in Frage. Vor allem aber bedauerte ich, dass es nicht halten konnte.

Warum halten manche Verbindungen ewig, obwohl sie sich offenbar nicht gut tun und andere scheitern, obwohl sie uns als Vorbild dienen für das Echte, Schöne, Wahre?

Kann man da so einfach sagen: Das Leben hatte andere Pläne?

Eine Antwort gab mir vor vielen, vielen Jahren mein Freund Pan. Wir sassen vor dem Feuer in seinem Flusshaus und er kam mit einer Münze in der Hand. Er schnippte sie nach oben und sagte: „oh, die Kopfseite! Alles ist schön, das Leben macht Spass und ist gut, die gute Zeit!“ dann schnippte er wieder und zeigte die Zahlenseite: „oh und jetzt, ist alles schwer und traurig, macht wütend und frustriert, die schlechte Zeit“ und dann schnippte er wieder, drehte die Münze. Und meinte: „so ist es, das Leben. Es steht nicht still, es bleibt nichts für ewig, es wandelt sich. Das Leben besteht aus den beiden Seiten. Gewöhne dich nicht nur an die eine Seite, die Münze wird sich wieder drehen. Sie besteht, wie das Leben, aus zwei Seiten, die sich abwechseln. Willst Du die Münze behalten, dann akzeptiere dass sie beide Seiten hat.“

Warum verlangen wir, dass eine Beziehung die Kopfseite behält und wehren uns, wenn die Zahl uns anzeigt, was eben die Schattenseite ist?

Und: Müssen wir denn die Münze unbedingt behalten?

Anne Morrow Lindbergh hat in ihrem Buch „Muscheln in meiner Hand“ einmal eine schöne Umschreibung gefunden.

„Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Das ist unmöglich. Und doch ist es das, was die meisten fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen.

Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren.

Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzige mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab-­‐in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind. Die Partner brauchen sich nicht aneinander festzuhalten, da sie sich freiwillig zum selben Muster bewegen, froh, leichtfüssig und frei.“

Paare kommen zusammen, Paare trennen sich. So ist es nun mal. Kein Drama. Kein Weltuntergang. Und doch: Ein bisschen mehr verlieren wir jedes mal von unserer Illusion, dass die Liebe immer siegt. Manchmal siegt sie auch nicht.

Dann trennen sich Menschen wegen der Ebbe und der Flut, weil sie den Gleichklang suchen und nicht die Abwechslung von immer neuen Impulsen und Einflüssen auf die zarte Verbindung.

Als Partner-Coach meine ich: Jede Beziehung kann geheilt und gerettet werden, wenn man sich wieder auf das besinnt, was am Anfang war und wenn man gleichzeitig das Fundament stärkt, dass die Beiden verbindet. Aber: Es muss Liebe sein. Keine Illusion und kein Deal, keine Bequemlichkeit und keine egoistischen Interessen. Keinesfalls die Erwartungen der Anderen oder weil es eben besser wäre man bliebe zusammen.

Wenn die Liebe nicht stark genug ist, auf einer oder auf beider Seiten – dann gebt die Münze zurück. Trennt Euch in gegenseitigem Respekt. Macht aus dem Wir wieder ein Du und ich. Der Weltenlauf wird Euch an neue Ufer spülen und Euch wieder einen Schatz in die Hand legen. Wird die nächste Münze auf beiden Seiten geliebt? Dann wird sie Dich bereichern. Stellt sich nach einer Weile heraus, dass die Zahlenseite die Münze wertlos erscheinen lässt – dann geh weiter.

Es gibt schöne Paare.

Es gibt schreckliche Paare.

Es gibt Paare, die die Welt ein bisschen besser machen.

Zu welcher Kategorie gehört die Verbindung in der Du Dich befindest?

Was tust Du damit?

Wie pflegst Du die Beziehung?

Wie viel Liebe, Wertschätzung, Pflege gibst Du ihr?

Oder: Warum hältst Du fest, obwohl die Liebe nicht mehr fliesst?

Mache Dir in dieser Woche den Wert Deiner Verbindungen bewusst. Entscheide Dich: Willst Du Recht haben – oder in Verbindung sein?

Festhalten oder loslassen?

Wertschätzen oder befreit weiter ziehen?

Das Gold liegt überall.

Willkommen in der Adlerperspektive.

goldmünze

Diesen Blog widme ich gleich dreien: Meiner schönen Liebe mit Stefan und Frank, beide vorbei. Meinem Freund Pan für die Lektion. Und meiner aktuellen Liebe, mit Potential eine drei zu sein, Remko. Danke für das viele wunderbare Gold!

Kettenreaktion

Hast Du Dich auch schon mal verlaufen? Ich meine, nicht einfach so, wenn Du auf einem Weg warst, um etwas zu finden und dann falsch gelaufen bist. Ich meine: SO RICHTIG verlaufen. Also eine fatale Fehlentscheidung, die Dich an Orte gebracht hat, wohin Du nicht wolltest und was Dich dann nach und nach richtig nachhaltig geärgert, verändert, enttäuscht oder gar verletzt hat.

Wenn Du von Deinem Weg abgekommen bist – und das eine Folge von weiteren Schritten nach sich gezogen hat, die Du fast nicht mehr stoppen konntest.

Eine tragische Sache. Fast alle waren wir schon einmal in einer solchen Situation.

Vor Jahren hatte ich einen wunderbaren Coachee, der sich mit einer Partnerin verband, die ihm nicht gut tat. Als ich ihn nach vielen Jahren wieder sah, hatte er sich selbst sehr weit verraten. Ich konnte sein gutes, goldenes Herz nur noch schwach schimmern sehen. Ihn aus dieser Geschichte heraus zu wickeln (dafür steht das Wort Ent-wicklung) war für uns beide sehr anstrengend und nervenaufreibend. Am Ende war alles gut und heute ist er gestärkt aus dieser Geschichte heraus gekommen.

Manchmal brauchen wir die Umwege zum Glück.

Aber man kann auch präventiv das Richtige tun, um solche Umstände gar nicht erst in sein Leben zu lassen. Dazu braucht es dringend: Bewusstsein. Sich selbst kennen. Und die eigenen Bedürfnisse sehr ernst nehmen.

Ich gebe Dir ein Beispiel. Als ich meinen letzten runden Geburtstag feierte, bekam ich zwei unglaubliche Geschenke. Von einem lieben Kunden das Angebot 4 Wochen in ein super Luxus Ressort in Thailand zu gehen. Ein unglaubliches Angebot. 4 Wochen in einem holistischen Spa der Extraklasse auf einer Insel im Golf von Thailand. Der andere sehr dankbare Kunde wollte mir für vier Wochen eines seiner sensationellen Häuser an der portugiesischen Algarve zur Verfügung stellen. Inclusive Pool, Hausangestellte und 11 Zimmern, die ich mit meinen Freunden hätte füllen dürfen.

Die Angebote waren toll. Ich war sehr dankbar dafür. Und meine Freunde freuten sich wie verrückt und wollten unbedingt mitfliegen. Ich ging mit den Angeboten schwanger. Beide Kunden wollten schnellstmöglich einen Termin von mir. Wochen schob ich die Hochglanzprospekte über den Schreibtisch. Ich wich aus und ich wusste es. Und fragte mich: Warum sage ich nicht einfach zu und mache einen Termin fix? Warum kann ich mich nicht wie verrückt freuen?

Als die Anfragen nach meinen Wunschterminen und meine Antworten an die Spender immer drängender wurden ging ich einmal mit meinem Hund über die Hügel, der Wind blies stark und ich war glücklich. Ich fragte mich: Was würde ich mir selbst raten, wenn ich mein eigener Coach wäre?

Es war lustig, die Antwort kam sofort:

Was macht mich denn glücklich, wenn ich vier Wochen Ferien mache?

Nun, was soll ich sagen. Es war keineswegs die Hitze von Thailand oder Portugal. Es war der Wind, der gerade um meine Ohren blies, es war die raue Landschaft, es war das kalte Wetter, der Regen und die Wolken und ein langer wilder Galopp an einem einsamen Strand. Es war irische Livemusik und Guiness, Riverdance und gälisches Sprechen.

Auf einmal war die Antwort ganz leicht. Keines der Angebote annehmen. Nach Irland, in den wilden Westen, sollte es gehen.

Frage Dich jetzt gleich einmal:

Was macht mich glücklich?

Was brauche ich?

Was möchte ich gerne erleben, in meinem neuen Job, in meiner Partnerschaft, in meinen Ferien, in meinem neuen Zuhause?

Was ist für mich ganz persönlich elementar wichtig?

Was ist MEINE Wahl, wenn ich sie habe?

Wenn Du diese Grundgedanken in Deinem Leben beantworten kannst, dann wirst Du er-folg-reiche Entscheidungen treffen, die Dich an den richtigen Ort, zu den richtigen Menschen, an die richtigen Gegebenheiten führen. Alles ist dann folge-richtig genau für Dich gemacht.

Denn es ist Dein Leben. Niemand anders weiss, was Du wirklich in deinem Herz begehrst. DU BIST DIE WICHTIGSTE PERSON FÜR DEINEN WEG.

Mach eine Kettenreaktion daraus. Entscheide jetzt gleich:

Was will ich wirklich?

Dann wird sich alles fügen. Versprochen.

Willkommen in der Adlerperspektive!

eire

Die kleine Extravaganz

Karl Lagerfeld hat einmal gesagt: „Kreativität ist ein Muskel, Du musst ihn genauso trainieren wie Deine anderen Muskeln, sonst erschlafft sie“

Viele Menschen meinen, Kreativität sei basteln und malen und irgendwelche Dinge dekorativ herstellen oder verändern. Aber Kreativität ist sehr viel mehr und geht sehr viel tiefer. Erinnerst Du Dich an den letzten Blog? Ich habe darin erwähnt, dass wir nur 2% neue Gedanken haben während eines Tages. Meistens trauen wir uns gar nicht aus der Komfortzone des bereits Bekannten heraus zu denken.

Kreativität heisst kre-ieren. Also etwas erschaffen. Und alles Neue ist demnach Kreativität. In der Tat ist es meistens etwas Originelles, also etwas, das nur von Dir gemacht wird.

Können wir also einen Schritt weitergehen dann ist Kreativität ein Ausdruck von Deiner Authentizität und Individualität.

Du kennst das sicher, wenn Du Dir einmal Kunsthandwerk, ein Bild, etwas Selbstgemachtes ansiehst: Du erkennst darin denjenigen, der es erschaffen hat.Oder wenn Du einen Text liest, manchmal sogar wenn es sich um einen Zeitungsbeitrag handelt: Du erkennst die Melodie, die Aussagekraft, das Wesen des Schreibenden. Kreativität ist immer ganz nah an dem, der es erschafft. Man kann deutlich erkennen, ob etwas „mit Seele“ gemacht wurde oder nur konventionell erschaffen wurde.

In der vergangenen Woche war ich in einer grossen Buchhandlung in Zürich um zwei Bücher meiner Lieblingsautoren für meine Freundin zu kaufen. An der Kasse kam ich ins Gespräch mit der Buchhändlerin und wir gerieten ins Fachsimpeln. Am Ende waren wir beide von einem der beiden Autoren begeistert und hatten den selben Eindruck, von dem was er schreibt: Es ist immer eine eigenartige Form des Amüsements wenn man seine Texte liest. Er hat Schalk. Und seine Texte sind nicht reisserisch sondern verzaubern ein bisschen.

(Wer das gerne hat: Alex Capus: Königskinder)

Alles was Du kreativ erschaffen kannst trägt vor allem auch Dein Wesen in sich. Da geht es nicht mehr nur um Abrufen dessen, was Du schon weisst (unser Dinosaurier-Hirn mit 98% Prozent vollgestopften alten Wissens) sondern –

um die kleine Extravaganz, die Dich ausmacht.

Wie kann ich also meine 2% neue Gedanken erweitern und damit mein Gehirn und das ewige Denken damit ein bisschen ablenken?

Du brauchst dringend: I N S P I R A T I O N.

Und die bekommst Du vor allem durch Neues. Neue Menschen, neue Orte, neue Bücher, neue Gesprächsthemen, neue Fragen (an Dich und von Dir), neue Sinneseindrücke. Du musst Dir pro-aktiv und hungrig, offen und gierig (deshalb spricht man von Neugier) das Neue holen.

Manchmal reicht es schon, wenn Du Deine Aufmerksamkeit auf das Absurde lenkst. Du stellst Dir einfach vor, jetzt ein paar Wunder zu sehen und zu erleben. Das öffnet Deinen Geist sofort und Du erlebst Dinge, die wunder-bar sind.

Letzte Woche sah ich zum Beispiel eine Dame im Pelzmantel bei 30 Grad Hitze. Eine, die einen riesigen Stapel Teller balancierte. Ein Vater der drei Waffeln Eis hielt die alle über seine Hände liefen während seine Kinder mit einem Hund beschäftigt waren und ihm das Eis nicht abnehmen wollten. Eine alte Lady, die mit einem jungen Verkäufer flirten wollte und der dabei die Augen verdrehte.

Ich könnte die Liste ewig weiterführen.

Inspiration heisst – Den Geist erhellen, das Schöpferische, Erleuchtende erleben.

In der Medizin kommt Inspiration von lateinisch „inspiratio“: Einhauchen, einatmen.

Und das ist es, was Dein Gehirn braucht, wenn es kreativ sein will: Es muss den Dingen, dem Leben, den Gesprächen etwas Spannendes, Neues und Aussergewöhnliches einhauchen.

Hast Du Deinen Kreativitätsmuskel heute schon trainiert?

Öffne Deine Sinne und erlebe das, was ist, als neu. Das kannst Du immer. Du musst es eben einfach wollen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Unser Gehirn ist ein Spiesser!

Wir denken alle. Unentwegt. Ich sage auch gerne: Es denkt. Denn wie oft passiert es Dir, dass Du aufwachst und das Gefühl hast, Du wachst mitten in der „Arbeit“ auf? Vielleicht hat Dein Gehirn ein Gespräch im Geist wiederholt und Varianten davon gespielt. Dann denkt „es“ zum Beispiel: „ich hätte das sagen können und dann hätte er/sie vielleicht anders reagiert“.

Oder das Gehirn denkt nach – denkt nach ! – was passiert ist, wiederholt und prognostiziert nach vorne, was passieren könnte, was eintreffen könnte, was nicht sein sollte, was man tun könnte.

Unser Gehirn denkt und denkt. In einem durchschnittlichen Gehirn bewegen sich etwa 60.000 Gedanken pro Tag! Ganz schön aktiv, dieses Ding.

Nur gerade mal 2 % unserer Gedanken sind neue Gedanken!

Ansonsten denkt unser Gehirn gerne zurück und vor.

Ein bisschen als wenn wir eine CD hören (immer die gleiche CD) und immer wieder unsere Lieblingssongs darauf anklicken. Rewind hiess das früher bei den Tonbändern. Zurück und vor – in einer Endlosschleife.

Wie geht es Dir damit? Wenn Du einmal genau hinschaust, wirst Du sehen, dass nichts Neues passieren kann, weil wir in den alten Dingen verharren.

Vor Jahren hatte ich einmal ein überaus wunderbares Gespräch mit einem Mental Coach aus Kanada. Ich war damals überfordert von zu vielen to-do’s und er sagte: „Das ist wie ein Baum, der viele Äste hat und viel Laub und ganz schwere Früchte daran trägt. Der Baum kann nicht mehr wachsen, er braucht ganz viel Kraft um alle Äste zu versorgen. Du musst einen dicken oder ein paar kleinere Äste abschneiden, dann bekommt der Baum wieder mehr Kraft“.

Du kannst Dir denken, was in den nächsten Tagen passiert ist. Mein Gehirn war gierig auf das neue Gedankenspiel. Hin und her, vor und zurück. Plötzlich waren alle Äste schön, jeder hatte seine Berechtigung und von keinem wollte ich mich verabschieden. Der Lieblingsgedanke war dann: Was passiert als nächstes, wenn ich diesen Ast abschneide? Und was bei diesem? Dabei meinte mein schlaues Denkorgan, auf alles Antworten zu haben. Kein Platz mehr für Neues.

„Es“ dachte und dachte. Ganz schön viel Verkehr in meinem Kopf. Aber: Es ging nirgendwohin. Ich fuhr im Kreisel. Keine Ausfahrt in Sicht.

Wie die Geschichte ausging? Ich schnitt den ganzen Baum ab. Ich liebe radikale Lösungen. Nur – was dann? Auf dem neuen Spielfeld gab es keine Schwere mehr. Ich konnte neu aufbauen und wie durch Zauber fügte sich alles richtig dafür.

Der schlaue Albert Einstein hat einmal gesagt, man könne kein Problem mit der selben Denkweise lösen, mit der es entstanden ist.

Unser Gehirn ist langweilig. Es wiederholt sich. Es ist nicht kreativ. Nur selten findet es neue Ideen – dann „fällt uns etwas ein“. Wenn wir Glück haben.

Wenn wir kein Glück haben, dann – genau – fährt es weiter in diesem verdammten Kreisel.

In meinem Studium habe ich etwas Spannendes gelernt: Die Kraft der Argumentation. Dabei gibt es ein Phänomen. Es heisst: Ad nauseam. Als ad nauseam bezeichnet man einen Argumentationsfehler, bei dem eine Behauptung – auch durch verschiedene Menschen und in verschiedenen Worten – wiederholt wird, bis sie als wahr akzeptiert wird, auch dann, wenn es keine Beweise dafür gibt. Also: Eine Lüge kann so oft erzählt werden, bis sie schliesslich zur Wahrheit wird.

Unser Gehirn ist ein Langweiler. Ein Spiesser. Ein Dinosaurier.

Während wir unsere Computer immer mal wieder dechiffrieren (also entschlüsseln) können, um die Daten wieder ordentlich zu sortieren, können wir das mit unserem Gehirn nicht. Stoisch hält es an Altem fest. Das was wir gelernt oder gepredigt bekamen, das was wir als wahr abgespeichert oder angenommen haben, das was sein sollte oder wogegen wir rebellieren. Wir sind – l a n g w e i l i g – wenn wir die immer gleichen Dinge denken.

Wie kannst Du aussteigen?

Dafür gibt es ein kurzes Video. Niemand kann das besser sagen als Mooji:

https://www.youtube.com/watch?v=C3Cvqmt3ByM

In Deinem CD Player im Kopf gibt es noch eine wichtige Taste, neben Play und Rewind –

P A U S E.

Lass Dir etwas „einfallen“ was noch nie da wahr. So entstehen  Wunder.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Schritt für Schritt

Manchmal wird alles einfach ein bisschen viel. Es gibt so Momente, da stapelt sich die Arbeit bereits und dann kommt noch etwas und noch etwas.

Wenn ich schon ohnehin eine todo-Liste habe die ewig lang ist und dann meine Scheinwerferbirnen vom Auto beide ausfallen. Oder nachdem ich ohnehin schon stundenlang geputzt habe fällt mir ein Glas mit einer klebrigen Flüssigkeit auf den Boden und verspritzt alles im Umkreis von 8 Metern, es klingelt an der Haustüre und ich denke an all die Mails, die ich noch beantworten muss. Dann kann es gut vorkommen dass ich die Nerven verliere – oder vor den noch zu erledigenden Aufgaben kapituliere.

Das kennst Du auch: es will einfach nicht weniger werden. Manchmal fangen wir dann bei einem Teilziel an, die neuen Baustellen aufzureissen. Es ist eben einfach – zu viel.

Was können wir dann tun? Alles verkaufen und verschenken und in den Purismus gehen, im Wald und ohne Sachen leben? Kein Haus, kein Auto, keine Verpflichtungen mehr? Die meisten Menschen denken an Flucht, weil sie vor dem Berg stehen und nicht weiter gehen.

Vor Jahren wollte ich mit meinem damaligen Partner auf einen Berg. Es war unsere Abschiedswanderung, mir lag wirklich etwas daran. Am Abend hatten wir das Essen vorbereitet und in handliche Mengen portioniert, die gesamte Ausrüstung geckeckt, die Rucksäcke gepackt, die Füsse mit Tapes versehen, die Kleidung abgestimmt. Früh am Morgen ging es für das erste Teilstück auf die Bahn, dann traversierten wir in Richtung der Route. Wir gingen los, immer bergauf. Wir waren schon zwei Stunden schweisstreibend unterwegs, als wir vor einem Geröllfeld standen. Er ging wie immer beherzt los. Und ich blickte mir dieses schwierige Wegstück an. Nach dem Geröll ging es in steile Alpwiesen, danach kam der Fels. Ich rief ihn und sagte: „Das war’s für mich, ich drehe um, ich will das nicht mehr“.

Ich konnte einfach nicht mehr die Motivation aufbringen, das weiter zu ziehen. Der ganze Weg war schon eine Tortur und angesichts der nächsten Stunden harter Arbeit knickte ich ein und lief, beschwingt von der Freiheit, Nein zu sagen, den Berg hinunter. Ich ging sogar so weit, die Umwelt zu verschmutzen weil ich meine Bergstiefel auszog und sie mit Riesenfreude in einen Tobel warf. Ich habe nie mehr einen Berg bestiegen. Heute bedaure ich, dass wir unser letztes Gipfelbild nicht mehr machen konnten. Aber wir hatten eben etwas Wichtiges vergessen:

Wir hatten die Etappenziele nicht gefeiert. Jedes Mal wenn wir eine Etappe geschafft hatten, waren wir einfach weiter gegangen. Hätten wir aber diese kleinen Momente nach einer bestandenen Herausforderung mit einem langen dankbaren Blick auf das was hinter uns lag „gefeiert“, dann wäre es für mich gewiss einfacher gewesen.

So kann man die Berge heute noch angehen. Wenn Dir die Arbeit, die todo Liste zu lange wird, dann breche kleine Gipfel heraus. Und jedes Mal wenn Du etwas davon abgehakt hast, setze Dich kurz, betrachte das, was erledigt ist und gönne Dir etwas: Fünf Minuten deinen Lieblingssong, einen stolzen Blick auf das was getan ist. Eine SMS in dem Du „JUHU ich hab es geschafft“ schreibst. Eine leckere Belohnung. Ein kleines Freudentänzchen. Oder einfach nur: Tief durchatmen. Du bestimmst das Quantum, das heute erledigt werden kann – und Du belohnst Dich. Und dann gehst Du zurück in den Flow und nimmst das Nächste.

So kannst Du den Berg hochgehen, atmen, pfeifen und Dich freuen.

Nimm Dir nicht zu viel auf einmal vor. Zugegeben ist die Liste am Anfang lang. Aber Du musst sie ja nur einmal schreiben und ab dann ist das ganze Durchlesen verboten. Vielmehr kannst Du sehen wie sie schrumpft wenn Du Linie für Linie durchstreichst.

Was machen Menschen, wenn sie es auf den Gipfel geschafft haben? Genau, sie jubeln, sie schauen sich den Weg an, den sie geschafft haben (ein zutiefst befriedigendes Gefühl). Sie machen einen Freudensprung. Sie feiern die Leistung. Dann steigen sie wieder ab. Aber das Leben hält nicht an. Der nächste Berg kommt bestimmt.

Du musst nicht alle Deine Sachen verschenken und in den Wald ziehen ohne etwas zu besitzen. Aber es hilft schon, sich auch von Dingen zu verabschieden, die einfach nicht mehr sein müssen. So wie bei mir damals: Ich war schon jahrelang mit dem Partner über Berge gegangen. Es war anstrengend. Und ich wusste, dass ich es nach der Trennung leichter haben würde.

Mach Dich frei von dem, was nicht mehr sein muss.

Und das andere machst Du Schritt für Schritt und mit Applaus für Dich selbst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

arbeitsberg