Surprise, Surprise

Magst Du Überraschungen?

In der vergangenen Woche durfte ich eine liebe Freundin überraschen und sie war richtig zu Tränen gerührt. Und das hat dann wieder mich berührt. Überraschungen sind toll, wenn sie positiv sind – und der Beschenkte das mag.

Es kann aber auch sein, dass Überraschungen stressen, denn es gibt Menschen, die lieber alles im Blick haben und sich mental auf etwas vorbereiten. Das hat nicht unbedingt mit Kontrollsucht zu tun. Sich überraschen lassen, das geht für einige von uns deswegen nicht, weil sie dann den Plan, den sie insgeheim im Kopf hatten, schlecht loslassen können. Dann bringen die überraschenden Änderungen eine Unterbrechung in der Routine oder dem Ablauf, dem man sich erst wieder neu annähern muss.

Ist der Akt positiv, dann gibt es auch noch die Chance, dass der Beschenkte sich gar nicht an dem freuen kann. Mir wurde einmal eine Hundeschlittenfahrt geschenkt und wir waren schon im Auto, um da hin zu fahren, als mein Freund mir das mitteilte. Ich bat ihn, auf der Stelle umzukehren weil ich das gar nicht mag. Er schloss aus der Tatsache, dass mich ein Husky durchs Leben begleitet, dass mir das Spass machen würde. Aber ich war vollkommen entsetzt, weil mich diese Art von „Sport“ total stört. Wie schade, dass diese Überraschung nicht gelang. Ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil er es gut gemeint hatte und ich meinte, mich dafür entschuldigen zu müssen, weil er sich so darauf gefreut hatte mir etwas Schönes zu geben.

In der britischen noblen Welt auf der Insel Jersey sagen meine Kollegen gerne:

„Oh! That’s a suprise!“. Fast in allen Fällen heisst das eigentlich: Oh mein Gott bist Du verrückt geworden, das ist ja furchtbar!

Ich muss ein bisschen schmunzeln. Meine britischen Freunde sagen zu einem Essen auch gerne es würde „interesting“ schmecken, wenn sie es eigentlich grässlich finden.

Nun, wie steht es mit den Überraschungen in Deinem Leben?

Sind sie gelungen?

Magst du lieber andere überraschen oder überrascht werden?

Was ist für Dich eine gelungene Überraschung?

Und welche Überraschung planst Du vielleicht als Nächstes?

Überraschungen sollten behutsam und achtsam eingefädelt werden und Du solltest Dir ganz ganz sicher über die Sache und den Moment und den Beschenkten sein. Nur dann kann das erfolgreich werden. Erkenne in einer Überraschung immer, wieviel Gedanken und Mühe sich der Gönner gemacht hat, dann wird es in jedem Fall eine wertvolle Sache.

Und jetzt, auf in eine neue Woche. Ich wünsche Dir, dass alles was überraschend passiert Dich einfach rundum glücklich macht.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Hier ist noch ein schönes Beispiel für eine gelungene Überraschung:

Extravaganz

Letzte Woche lernte ich wieder einmal eine herrlich ver-rückte Frau kennen. Ich hatte sie noch nie vorher gesehen, aber als sie kam, erkannte ich sie sofort als meine Coachee: Sie grinste einmal um den ganzen Kopf und schmetterte mir ein lebendiges lustiges „Hi“ entgegen. Wir hielten uns nicht zu lange mit Höflichkeiten auf. Es ging sofort und ohne Umwege in die Tiefe.

Die sprudelnde Frau offenbarte ihr Leben, ihr Anliegen und ihre Befindlichkeit schnellstmöglich und liess mich teilhaben. Mit-tauchen. Mit-atmen und mit-tanzen. Zu keinem Moment stand sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Realitäten, sondern liess sich immer Umwege, Auswege und Schleichwege offen. Ach wie herrlich diese Kapriolen!

Ich musste schmunzeln als sie Haut um Haut abstreifte (wie eine Libelle, viele viele Male) und dann ein kunterbunter riesiger Schmetterling heraus kam. Ob sie landen wird, im Garten ihres Lebens, ist noch nicht zu sagen. Vielleicht zieht es sie auch in neue Spielräume, neue Abenteuer und neue ferne Länder.

Es gibt sie noch, diese Menschen, die ihre Kreativität und Spontanität trotz der Härten des Lebens lebendig halten. Menschen, die sich wagen, sich selbst zu sein, viel zu verlangen, überall ein bisschen mitspielen, weiterziehen, da und dort ein bisschen kosten und sich dann doch wieder umentscheiden. Ich nenne diese Menschen gerne:

Die Extravaganten.

Das Wort kommt aus dem Französischen des 18.Jahrhunderts und heisst in seiner adjektiven Form: „in ausgefallener und oder in übertriebener, überspannter Weise bewusst abweichend und dadurch auffallend“. Betrachtet man es im lateinischen ist es: extravganse…. umherschweifend, unstet, ungereimt handen.

Entlehnt ist die Extravaganz auch beim Vagabund. Einer, der umherschweift und da und dort ein Örtchen sucht, an dem er sich eine Weile vergnügen will um dann weiter zu ziehen, wenn es zu langweilig ist.

Extravaganz ist anstrengend. Aber es ist auch: herrlich. Denn dabei bleibt der eigene Geist, die Augen und die Sinne offen und suchend, auch empfangend. Das ist auch eine Art Tantra: Die Welt suchend begreifen. Für Sensationen offen sein.


Die Coachee hat diese Extravaganz in einer ganz grossen Portion ab bekommen.

Ich freue mich darauf, mit ihr zu tanzen, weil sich diese Haltung auch immer ein bisschen überträgt, wenn man selbst einen Hang dazu hat. Die Coachingarbeit ist dann oft ein ganz besonders inspirierendes Vergnügen für beide Seiten und kann sich in Richtungen entwickeln, die nicht vorherzusehen sind.

Ein kleines bisschen Extravaganz haben wir alle, hast auch Du:

Wohin wandert dein Blick wenn Du durch Deinen Alltag gehst?


Was bewunderst Du?

Was amüsiert Dich?

Wenn Du Dich wagst, diesen drei Fragen einmal ganz bewusst nach zu gehen wirst Du erkennen, dass auch Dein Leben bunt und unvorhersehbar sein kann. Wir lassen uns oft zu wenig von der Lust leiten und geben der Vernunft und den to-do-Listen den Vorrang. Dabei findet das Leben eigentlich da statt, wo unser Herz laut und stürmisch schlägt, wo wir aufjuchzen wollen vor Vergnügen und wo wir uns einen Schritt ins Unbekannte wagen.

Feire diese Woche doch einmal das Ungestüme, das Spannende und das Ungewöhnlichste in Dir selbst. Beobachte Dich: Was amüsiert mich jetzt?

Was macht mein Herz gross und weit, was lässt mich lächeln und tanzen?

Geh dem nach – es bringt dich in neue Spielräume! Und zurück in Dein kindliches und offenes und glückliches Inneres.

Das Leben ist da! Spürst Du wie es Purzelbäume schlägt?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Inselfeeling

Magst Du das, auf einer Insel zu sein?

Ich kenne viele Inselmenschen und bei allen ist eins gleich: Sie lieben ihre Insel. Egal ob sie in der Südsee, im Mittelmeer oder im rauen Atlantik sind. Inseln sind Stücke von Land, um die herum das Leben in Form eines Meeres tobt. Inseln sind Rückzugsorte. Inseln reduzieren alles, weil es nur das gibt was auf der Insel ist. Und gleichzeitig geben sie Weite, weil man überall das Meer sehen kann. Sie sind nicht einfach zu erreichen, manchmal kann man gar nicht hin, oder nicht mehr weg. Auf einer Insel kann man abgeschnitten sein vom Rest der Welt. Und vielleicht ist es ja genau das, was den Reiz ausmacht: Auf einer Insel stranden, das heisst: Weg vom Lärm der Welt.

Im Oktober konnte ich um ein Haar die Insel Jersey nicht (mehr) verlassen, weil die Fähre wegen schwerem Sturm eingestellt wurde. Sofort kam ich in Stress, weil ich über die Rückreise nachdachte, die durchgetaktet war. Und auch die weiteren Termine, nach meiner Rückkehr von der Insel, waren schon fest gemeisselt. Allein der Gedanke, dass ich den Takt nicht einhalten könnte war Stress. Und dann machte ich eine Vollbremsung beim Denken: Eben war ich doch noch ganz entspannt und glücklich gewesen, was ist denn nun anders?


Was wäre denn so schlimm daran auf der Insel bleiben zu müssen?

Nichts! Ich liebe meine Insel.

So wie Freunde von mir Bornholm lieben. Ibiza. Fuerteventura. Sardinien. Sizilien. Korsika. Die Capverden. Die Hybriden. Irland!

Allen Inselmenschen ist eines gleich: Sie reisen auf Ihre Lieblingsinsel, weil sie sich zurückziehen möchten, bei sich selbst ankommen, die Welt. soll überschaubar sein. Abgegrenzt, eingegrenzt. Frei, offen, weit. Langsam! OH ja, langsam…

Ich werde nun nicht wieder in das Schwärmen von Jersey geraten, sonst wird dieser Blog zu lange. Aber eins: Jersey ist voller netter Menschen. Weil man auf einer (sehr kleinen) Insel lebt, nimmt man Rücksicht. Man lebt im selben Minikosmos. Man sieht die selben Dinge, erlebt das Gleiche. Man geht mit den Gezeiten. Man nimmt sich Zeit für Begegnung.

Wieviel anders ist unser Alltag. Kompakt und voller Be – z i e h -ungen, Pflichten, Ablenkungen, Aufgaben und to-do’s und endlosen Plänen, Erwartungen von anderen und sich selbst. Nur selten kommen wir hier dazu, uns heraus zu nehmen aus dem Strom der Schnelligkeit und Vielfalt an Aufgaben.

Bei sich selbst sein, atmen, die Dinge zuende denken, sich Zeit nehmen für einen gemeinsamen Augenblick, für den Genuss, für Intimität. Schwer bei all der Fülle, die uns im Alltag umgibt.

Wieviel Inselgefühl können wir in den Alltag retten?

Wo können wir JETZT Inseln schaffen?

Vielleicht so:

Einmal eine Decke in die Mitte des Wohnzimmers legen und darauf ein Picknick mit der Familie nehmen. Stille-Rituale einbauen. Einen Moment ein youtube Motivationsvideo sehen und dabei bewusst atmen… vielleicht dieses hier:

Oder an deinem freien Tag nicht wieder die 100 Haushaltspflichten machen sondern in eine nahe Therme gehen. Oder sich mit Menschen verabreden, mit denen Du Dich immer gut fühlst. Einen sehr guten Film in einem dunklen Kino sehen (da wo alle schweigen und nicht immer wieder auf Pause drücken um sich etwas zu trinken zu holen). Ein Theaterstück. Ein gutes Buch. Ein bewusster Musikgenuss. Deinem Liebsten die Hand halten und einen Moment nah sein.

Oder – das Smartphone ausschalten? Für eine Weile nicht ansprechbar sein?

In den Wald gehen und den Tönen lauschen? Deine Wohnung aufräumen und ausmisten damit wieder Platz für Leere ist?

Es gibt viele Inseln im Alltag. Wir müssen sie integrieren und geniessen.

Trotzdem – wir dürfen auf unsere Inseln reisen so oft wir mögen. Und vielleicht auch einmal dort wegen einem verpassten Flug oder einem Sturm aufgehalten werden.

Als meine Fähre dann doch nach St.Malo ablegte, war ich fast ein bisschen wehmütig. Denn dort angekommen blieb mir kaum Zeit, meinem geliebten Nordatlantik Adieu zu sagen. Ich musste weiter, Richtung Paris, auf die Autobahn. Und tanken musste ich noch. Auf dem Weg ein paar Telefonate machen. An den Mautstationen meine Kreditkarten zücken, im Geist die nächsten Tage durchgehen. Der Alltag, der Kontinent hatte mich wieder im Sog.

Mein Kopf war noch mit Watte ausgefüllt. Oder wie es eine Freundin sagte: Honig im Kopf. Ach, diese Inseltage…

Ich glaube, ich geh heute in eine Therme.

Und wo erschaffst DU Dir deine Insel?

Atmen nicht vergessen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Chuzpe

Eines meiner allerliebsten Worte ist Chuzpe. Na, vielleicht nicht das Wort ansich. Menschen, die Chuzpe haben. Kennst Du das?

Im Hebräischen enthält der Begriff eine negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen von Höflichkeit oder Anstand aus egoistischen Motiven überschreitet. Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit. Hier spricht man insbesondere von Chuzpe, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht.

Unerschrockenheit und Unverschämtheit sind herrliche Eigenschaften.

Un – verschämt. Das heisst doch nichts anderes als: Ich schäme mich ganz und gar nicht zu sein wer ich bin. Wie ich aussehe. Wie ich mich zeige. Und schlussendlich: DASS ich mich zeige.

Herrlich!

Ich liebe unverschämte Menschen!

Ich erinnere mich an ein Theaterstück mit dem grossartigen deutschen Schauspieler Ben Becker. In der Vorführung hatte er uns alle in den Bann des Textes gezogen, den er gelesen und vorgetragen hatte. Danach brandete frenetischer Applaus auf. Standing ovations. Eben noch hatte Ben eine Rolle verkörpert, war seriös und äusserst konzentriert gewesen aber jetzt kam er auf die Bühne und verneigte sich und streckte die Zunge heraus, schlug sich wie ein Gorilla auf die breite Brust und schrie ins Mikrofon: „Ja Ja! Macht weiter!“ … und dann: „Was bin ich nur für ein selbstverliebtes Arschloch.“ Er war wirklich total unverschämt. Sozusagen Chuzpe in Perfektion.


Aber: Er konnte sich das auch leisten, er hatte etwas zu bieten, er hat auch vorher schon wirklich alles gegeben, sich zur Verfügung gestellt, nichts, gar nichts zurück gehalten. Die Wortgewalt von Ben ging durch jede Zelle seines Körpers. Er stand unter Strom und wir, seine Zuschauer und Bewunderer, mit ihm.


Chuzpe sehe ich aber auch gerne in weniger konzentrierter Form. Wenn eine meiner Coachees, wie in der vergangenen Woche, diesen kleines subtilen, frechen Humor besitzt, den dann gleich wieder zurück zieht und dann breit heraus lacht, das mag ich. Menschen, die sich zeigen und nicht erst schauen ob der Rahmen dafür stimmt und ob sie es sich jetzt leisten können.

Die meisten Menschen werden nicht geschätzt oder respektiert, weil sie ausnehmend freundlich oder nett wären, sondern weil sie ein trennscharfes Profil haben. Sie haben eigene Meinungen und Macken – und stehen dazu. Umgekehrt: Wer sich nie abgrenzt, um nirgendwo anzuecken und es allen recht zu machen, verliert an Profil und Respekt. Schon bald tanzen ihm oder ihr alle anderen auf der Nase herum. Menschen ohne jede Chuzpe oder Schneid werden leider oft und gerne ausgenutzt.

Zur Ambivalenz von Chuzpe schrieb der amerikanische Jurist und Publizist Alan M. Dershowitz in seiner Biographie: „Für denjenigen, der sie an den Tag legt, bedeutet Chuzpe Kühnheit und Entschiedenheit. Für das Opfer von Chuzpe ist sie gleichbedeutend mit Unverschämtheit. Es liegt am Standpunkt des Betrachters.“

Wie kühn kannst Du sein?

Was würde passieren, wenn Du Deine Zurückhaltung mal aufgeben würdest und einen Schritt aus der Komfortzone heraus machst? Quasi den Rahmen sprengst?

Das Tollste an Chuzpe ist der Überraschungsmoment. Wenn es eine Wendung gibt, mit der niemand gerechnet hätte. Wenn Du p l ö t z l i c h eine unglaubliche Aussage machst und jeder Dich anschaut.

Ich meine ganz und gar nicht, dass Du anderen Menschen auf der Nase herum tanzen sollst. Aber Mut beweisen im Alltag, einmal unverschämt auf Dich selber achten, das wäre schon ein super Anfang!

Ich wünsche Dir in der kommenden Woche einen Moment der unerwartenden Kühnheit, der Dich mit viel Lachen in ein ganz neues Spielfeld bringt.

Lass das Spiel beginnen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich natürlich dem grossen Gorilla Ben Becker. Und Sibyll-Jodie: Du machst was daraus, nicht wahr!

Alle Wege führen ans Ziel

Wohin geht es denn als Nächstes?

Wohin führt mich dieser Weg?

Kennst Du diese Fragen auch?

Musst Du es schon immer ganz genau wissen, was als Nächstes kommt? Und was tust Du damit? Bist Du dann beruhigt, weil ja jetzt scheinbar alles unter Kontrolle ist?

In der vergangenen Woche hatte ich eine Coachee, die immer gerne Berechnungen anstellt, was als Nächstes passiert. Dabei ist sie allerdings auch gerne in ihrem Kopfkino unterwegs. Sie „vermutet“ was passieren wird und rechnet schon eine Alternativroute aus, die sie von der geplanten Reise wegbringen wird. Weil die Hauptroute (der Plan wie alles sein sollte) offenbar nicht mehr realisierbar ist, macht sie gleich Parallelwelten auf, denen sie dann folgen wird.

Hinter unserer Idee, ständig wissen zu wollen was als Nächstes kommt, steckt schlussendlich immer die Angst, die Kontrolle über den Weg zu verlieren. Und damit rauben wir eigentlich dem Leben auch die Chance, uns zu überraschen und zu beschenken.

Wie erfrischend ist es, wenn wir dann einmal vom Weg abkommen und das GPS (das innere GPS und auch das in unserem Auto) uns scheinbar fehlleiten. Mitunter erwartet uns dann etwas, was wir niemals gedacht hätten und was in irgendeiner Weise richtig für uns ist.

Vor einigen Jahren war ich in der Bretagne unterwegs. Ich hatte das GPS komplett ausgeschaltet und fuhr einfach intuitiv bei jeder Weggabelung rechts oder links, ganz wo es mir besser gefiel. Nach einigen Stunden bekam ich Hunger und Durst und hielt in einem kleinen Dorf, fand ein Bistro und bekam dort ein köstliches Baguette und einen Kaffee. Bei einem kleinen Plausch mit den Bretonen bekam ich den Tip für eine Übernachtung in einem nahen Chateau. Als ich dort ankam, kochte Laure, die Hausherrin, gerade salzige Karamellen. Wir hatten drei wunderbare Tage, viel Lachen und gute Gespräche. Wir haben uns danach sehr oft wieder gesehen denn auf meiner Reise nach Jersey machte ich gerne für eine Nacht Rast in ihrem kleinen BnB. Es war eine der Begegnungen, die man als Schatz in sich tragen kann.

Wie offen bist Du für einen neuen Weg?

Ein ganz alternatives Ziel?

Kannst Du Dich noch überraschen lassen? Bist du bereit für ein Abenteuer?

In Irland sehen Wege manchmal ganz harmlos aus und wenn man schliesslich um die Ecke biegt, steht man zwischen hunderten von Schafen. Oder vor einem steilen Felsabgrund, der uns dazu bringt den ganzen Weg zurück zu gehen und wieder anders abzubiegen.

Bist du dazu bereit? Einmal zurück zu gehen und Dich neu auszurichten?

Oder zu vertrauen dass Du schon dort ankommen wirst wohin du willst, auch wenn es ein Umweg zu sein scheint?

Alle Wege führen schlussendlich ans Ziel. Jeder Weg geht immer weiter. Das Leben ist nicht Stillstand, die Zeit vergeht, jeden Tag gehen wir voran.

Mach einen grossen Schritt und probiere den nächsten und neuen Weg aus. Voller Vertrauen dass er Dich weiterbringen wird. Wir können nicht festhalten an unserem inneren GPS. Das Leben birgt Gefahren und Überraschungen, Umwege und Stolpersteine. Und vielleicht auch ein bisschen Magie und Wunder.

Wer weiss, wo Du landest.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Push oder Pull

Kennst du die Türen, an denen „Drücken“ oder „Ziehen“ steht? Hast Du das auch schon falsch gemacht? Letzte Woche bin ich in Jersey in so eine gelaufen. Volle Geschwindigkeit. Ich war schnell unterwegs, zu schnell… Wollte „Push“ – drücken, ging voll rein mit dem Druck und donnerte mit dem Kopf an die Glasscheibe. Ich musste – genau! – zwei Schritte zurück machen, um sie aufzuziehen. Die beiden Rückwärtsschritte haben mich extrem entschleunigt.

Anschliessend habe ich mich gefragt, warum ich denn überhaupt so schnell unterwegs war. Es gab gar keinen Grund, so viel Druck zu machen, weder in der Geschwindigkeit, noch im Handeln. Aber ich habe mich daran gewöhnt zu Pushen.

Ich machte eine Vollbremsung. Setzte mich in einen Tearoom und nahm die berühmte Tasse Tee, um darüber nachzudenken: Mache ich (mir) zu viel Druck? Und, was noch schlimmer wäre, mache ich anderen auch zu viel Druck?

Wir leben in einer extremen Leistungsgesellschaft. Es geht immer um Optimierung. Es geht ums Dynamische, ums Durchhalten, ums Beweisen von Kraft und Erfolg. Nur ganz selten können wir relaxen und durchatmen, alles soll schnell gehen. Kennst Du das auch „Ich muss man schnell aufs WC?“. Warum denn nicht langsam? Ich sage dann gerne: „Nicht schnell, nimm Dir Zeit, lass es gemütlich aus Dir herauslaufen…“

Wie ist das bei Dir? Pushst Du? Dich und andere? Versuchst Du die Dinge mit möglichst viel Kraft und Aufwand nach vorne zu treiben? Strengst Du Dich an? Stösst Du einen riesigen Haufen Arbeit vor dir her?
Oder machst Du auch mal die zwei Schritte zurück, im Zweifelsfall zum Atmen, um zu ziehen?

Ich gebe es zu, ich bin ein Push-Typ. Ich liebe das. Ich liebe auch Energie und Kraftaufwenden und Fleiss. Ich bewundere Menschen, die Dinge bewegen. Ich bewundere Leute, die sich anstrengen, die Extrameile laufen. Und damit auch voran kommen. Ich denke da an einen Coachee von mir, den Eisenadler, der seine Karriere als Fitnesscoach sehr pusht und das mit Recht, weil er es kann und weil es das braucht, wenn man im Schwung-holen ist.

Und das andere – Pull – das Ziehen hat auch seinen ganz eigenen Reiz. Weil man damit die Dinge eben an sich zieht, sich entspannter Platz macht, weil man dabei noch Luft bekommt, weil man das besonnen machen kann.

Beides hat seine Berechtigung und beides ist wichtig.

Ziehst Du?

Drückst Du?
Wieviel und in welchem Verhältnis?

Beide Tätigkeiten öffnen Dir Türen. Und Türen öffnen willst Du, immer wieder. Und musst Du auch, wenn Du voran kommen möchtest.

Pushen ist laut, braucht Kraft, Anstrengung, Energie, Dynamik, Stärke, eine explodierende Lust. Pull braucht Gelassenheit, Konzentration, innere und äussere Sammlung, auch eine Lust auf die Leistung, Entschlossenheit. Zusammen sind diese beiden unschlagbar.

Nur – beim Pullen, beim Ziehen, entsteht ein Magneteffekt, es reisst mit (weil es eben reisst). Im Marketing ganz sicher die überzeugendere Strategie. Und es scheint mir beim genaueren Hinschauen ganz sicher die klügere Methodik.

Es ist wohl eine Charaktersache: Bist Du der dynamische und schnelle Typ, dann tendierst Du dazu, zu pushen. Ich sehe mich da nochmal selbst aus der Adlerperspektive: Ich renne durch St.Helier und stürze auf das Geschäft zu. Ganz nach dem Motto: „Aus dem Weg!“ – „pushe“ ich die Tür auf und knalle dagegen. In der Retrospektive denke ich: Es wäre mal besser gewesen ich hätte mir die Zeit genommen genau hinzuschauen. Langsam geht es manchmal besser. Jedenfalls wäre ich nicht ein paar Stunden mit einem roten, hämmernden Hörnchen auf meiner Stirn herumgelaufen.

Müssen wir alle, musst Du selbst auch so viel pushen, dass Du Dir kaum je Zeit zum Innehalten gönnst?

Weisst Du, dass ein erfolgreicher Sportler sich Zeit nimmt zum Ausruhen?

Tust Du das auch?

Oder verharrst Du eher im „Pull-Modus“ und wartest ab, statt zu pushen?

Bleibst Du (schon zu lange) in der Komfortzone?

Na, darüber reden wir dann nächste Woche.

Vorerst: Beobachte Dich – Drücken oder ziehen? Wieviel wovon und warum?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ich widme den Blog diese Woche dem Eisenadler Fabian (Du machst alles richtig) und meiner lieben Freundin Mona in solidarischem Pushmodus.

Das Joch

In der vergangenen Woche hatte ich ein Coaching mit einem wunderbaren Menschen, der sein Leben vergessen hatte. Er war schon ein bisschen zusammen gefaltet als ich ihn vor Jahren kennenlernte. Aber inzwischen ging er schon fast gebückt, weil er so viel Last trug. Freiwillig und auch unfreiwillig und auch aus Gründen, die ihm nicht bewusst waren.

Wir tragen alle sehr viel mit uns herum. Keineswegs nur die Lasten, die aus Pflichten bestehen. Auch die Sorgen. Auch die ungelösten Kränkungen aus unserer Vergangenheit. Auch die auferlegten moralischen Verpflichtungen. Auch die Menschen, die wir uns als „Sorgenkinder“ in unser Leben geholt haben. Und vor allem auch unbewusste Muster, die wir schon seit Kindheit haben und die niemals an eine Oberfläche kommen können, weil sie sehr früh geprägt wurden.

Dabei geht uns mehr und mehr der Zugang zu uns selbst verloren, verlieren wir die Lebensfreude und die Freiheit im Herz, die Spontanität und ganz oft auch die Genussfähigkeit.

Auch mein Coachee sagte im Vorgespräch, dass er keinen Spielraum mehr sieht, etwas zu verändern, weil er ja all diese Dinge „muss“ und sich auch verantwortlich fühlt, dass es allen gut geht, dass alle haben, an was sie sich (und er sie) auch gewöhnt haben. Das Leben ist ja bei uns allen durch organisiert, auch festgemacht an Verträge,Versprechen und Verpflichtungen.

Es gibt etwas, das ganz früh geprägt wird: Eine Wenn-Dann-Reizreaktion. Schon im Alter zwischen Geburt und dem sechsten Lebensjahr beginnen wir, das Leben verstehen zu wollen. Etwas passiert und wir leiten daraus Schlussfolgerungen ab. Das passiert keineswegs in einer „erwachsenen“ und überlegten Weise, vielmehr re-agieren wir auf das, was sich im Aussen zeigt.

Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn das Baby lächelt und alle glücklich sind und zurück lächeln, könnte es den Eindruck haben, dass man nur lächeln muss und alles so leicht bekommen wird.

Und im eher schwierigeren Fall: Die Mama/der Papa sind gerade scheinbar unglücklich und das Kind „tut“ etwas, damit sich die Stimmung zum Positiven wendet. Diese Menschen werden im späteren Leben verlässliche Arbeitstiere und „Soldaten“. Sie tun und tun – ihr Leben lang – und stellen diese Leistung nie mehr in Frage. Aber: Sie vergessen den Grund, warum sie endlos tun und das Tun wird zum Selbstläufer. Der ursprüngliche Grund ist schon lange vorbei. Die Motivation des Kindes war situativ für Erleichterung zu sorgen. Nun aber leistet der Mensch auch als Erwachsener viel mehr als es für seine Ressourcen und sein eigenes Glück gesund ist.

Jetzt kommen wir zum „eigentlich“. Eigentlich war das Kind bis zu dem Moment, in dem es anfing zu leisten um Liebe zu bekommen, ein fröhliches und offenes, spontanes und wildes Kind. Das wird nun zugunsten der „Aufopferung“ aufgegeben. Die kleine wilde, freie, verspielte Seele schreit (in Form von Sehnsucht, Sabotage, innerem Groll auf das eigene Tun) um das Verändern der Muster. Aber das geht nicht mehr. Der Arbeitsdrang hat längst den Autopilot übernommen.

Das „Joch“ wird getragen…

Was und wieviel meinst Du zu müssen?

Was meinst Du muss unbedingt sein – und aus welchem Grund?

Wozu fühlst Du Dich verpflichtet?

Vor allem aber: WOZU hast Du Lust?

Es ist vollkommen okay, fleissig und energiegeladen zu sein, vielen Menschen eine Freude zu machen, immer mit anzupacken, gerne für alle da zu sein, fleissig zu sein, viel zu arbeiten, viel zu bewegen, wenn, ja: WENN

es Deiner Lebensfreude dient!

Wenn Du Lust und Spass und eigene Motivation dafür hast, was Du tust, dann musst Du es tun!

Aber wenn Du das Joch trägst für Dich und andere und andere sogar noch darauf abladen und sich auf Dich verlassen! Dann musst Du es hinterfragen!

Wenn Du wegen diesem Joch schon ganz gebückt gehst und Du meinst, keinen Spielraum zu haben es abzusetzen dann musst Du es klären ob das wirklich Deine Aufgabe ist.

Eigentlich ist es ganz einfach: Frage Dich bei allem, was Du tust: Vergrössert das meine Lebensfreude? Fühle ich mich glücklich dabei? Mache ich das, um mein Leben zu verbessern oder zu erleichtern?

Mein Coachee hat sich wieder gefunden in den eigenen Entscheidungen, dem eigenen Spielraum in seinem grossen schönen Herz. In seinem eigenen Glück. In seiner eigenen Liebe. In seinem schönen Wesen.

Das Joch hat er in grossem Bogen weg geworfen. Er geht jetzt im wahrsten Sinne erleichtert und freudvoll in sein eigenes Leben. Der Spielraum ist in ihm.

Er soll ewig ewig jubelnd fliegen!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Candle in the wind…

Denkst Du manchmal an deine ganz persönliche Endlichkeit?

Kürzlich lernte ich einen tollen neuen Coachee kennen. Er hat ein schönes Leben, ist glücklich verheiratet, ist Papa und erfolgreicher Unternehmer, ist gesund und attraktiv. Und er will in die Tiefe. Er will das Leben „so richtig“ und möglichst erfüllt leben, denn – er ist sich dessen bewusst, dass das Leben endlich ist. Das Coaching will er, um sich besser aus-zu-drücken. Um das Leben so intensiv, echt und ehrlich wie möglich zu leben. Abtauchen in seine Tiefen, aufsteigen in seine Höhen.

Ist auch Dir bewusst, dass Dein Leben endlich ist?

Dass Dir die Zeit wie der Sand durch die Finger rinnt und irgendwann das letzte Sandkorn fallen wird?

Was macht der Gedanke mit Dir? Verdrängst Du es? Denkst Du: Ach, da hab ich ja noch genug Zeit, darum kümmere ich mich später? Weisst Du das denn sicher? Lebst Du bewusst und wach genug? Spürst Du dieses kostbare Geschenk jeden Tag?

Der wunderbare Eckart Tolle hat das einmal sehr bildlich beschrieben. Er sagte, man springe direkt nach der Geburt von einem hohen Felsen ab. Ab jetzt geht es nur noch in eine einzige Richtung. Auf dem Fall nach unten mag man sich manchmal an einen Ast halten, der bedeutsam zu sein scheint. Man geniesse, was der „Aufenthalt“ zu bieten habe. Aber irgendwann liesse man auch diesen Ast los und es ginge eben immer weiter in diese eine Richtung.

Während er das in einem Vortrag erzählte schmunzelte er, lachte über unsere Idee, das irgend etwas wichtig sein könnte.

Schlussendlich geht es darum, was Du daraus machst aus dieser Reise. Lässt Du Deine Zeit an Dir vorbei ziehen? Nutzt Du sie? Geniesst Du sie? Lachst Du genug?

Hast Du die Hände immer offen, damit das Leben seine Geschenke hinein legen kann?

Oder hältst Du immer etwas fest, weil Du denkst, dass es Dir sonst verloren geht?

Wir werden alles verlieren, früher oder später. Wir können nichts und niemanden fest halten. Alles verändert sich fortwährend. Alles kommt und geht. Das können wir so gut in der Natur, hier in der westlichen Welt, auch mit den Jahreszeiten im Jahreslauf sehen. Wir jubeln dem neuen Frühling entgegen, geniessen die aufkommende Wärme und die Rückkehr des Lichts. Stehen auf dem Zenith des Jahres in der Hitze im Sommer, tanzen mit den fallenden Blättern im Herbst, ziehen uns zurück im kalten Winter. Kommen und gehen, überall.

Nur wir Menschen sind uns am liebsten unserer Sterblichkeit nicht allzu bewusst. Dabei würde das Gewahrsein, dass wir endlich sind, unser Leben ungeheuer verschärfen. Antreiben. Motivieren. Wir würden erkennen: Ich muss ich will ich soll diesen Tag nutzen! Ich leben JETZT ich muss alles tun was ich will was ich brauche was ich ersehne. ES SOLL MIR GUT GEHEN HEUTE!

Ganz ehrlich: Tust Du etwas dafür oder wartest Du (noch) auf ein Wunder, einen Schubbs vom Schicksal, einen Mentor, einen Impuls?

Worauf genau wartest Du? Was meinst Du zu brauchen damit Dein Leben lebenswert ist?

Hast Du die Hände offen, für die Geschenke?

Bist Du offen für die Wendungen? Gehst Du geschmeidig mit in den Veränderungen?

Holst Du Dir vom Leben das, was Du begehrst?

Es ist keine Zeit mehr zu verlieren. Sei Dir bewusst: Das könnte der letzte Tag sein, an dem Du bewusst leben kannst. Sag was Du (immer schon mal) sagen willst. Trau Dich weit aus deiner Komfortzone heraus. Schreibe die Nachricht. Wechsle deine Lebensumstände bis sie passen. Oute Dich mit deinen Wünschen und Sehnsüchten. Ändere alles, was nicht mehr stimmig ist. Umarme die Menschen die Du liebst. Achte auf das was Du siehst in der Natur, sei dankbar für die Sinne, die Dir die kleinen Sensationen liefern. Sei wild, frei, umgezähmt, ganz authentisch, ganz Du.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Eckart Tolles kleine Anregung zu diesem Thema:

Heute widme ich den Blog einer ganz besonderen Lady, deren Leben heute den ganzen Tag feierlich gewürdigt wird.

Nachruf

Gab es „die Queen“ auch bei Dir Dein ganzes Leben lang?

Was bleibt in deinem Kopf und Herz, wenn Du hörst, dass wir sie nun nie mehr live sehen werden? Was hat sie bei Dir ganz persönlich hinterlassen?

Es wird sehr viel interpretiert und gibt unzählige Meinungen über öffentliche Personen. Eigentlich weiss niemand so recht, was daran richtig und wahr ist. Aber etwas ganz Persönliches verbindet man in der Regel mit einer Person. Etwas bleibt, meist ein Gefühl.

Im vergangenen Jahr hatte ich gleich einige enge Todesfälle im nahen Umkreis und jedes Mal fragte ich mich: Was hat die Person für mich da gelassen? Gibt es schöne Erinnerungen? Bleibt ein Rat, eine Vorbildfunktion, eine Lehre aus diesem Leben? Gibt es ein Gefühl, das mich den Rest meines Lebens begleiten wird, wenn ich an sie denke? Was hat die Person für mich bedeutet? Welche Gefühle habe ich immer noch?

Der französische Philosoph Gabriel Marcel sagte einmal: „Lieben, das bedeutet zum anderen zu sagen: Du, du wirst nicht sterben.“ In fast allen Fällen von einem gelungenen Leben bleibt Liebe zurück. In den Partnern und Angehörigen. Auch in den Kollegen und Zufallsbekanntschaften. Liebe bleibt auch dann noch, wenn das Leben vollendet ist. Verbindungen bestehen weiterhin.

Ich bin seit 30 Jahren (allein) mit einem Mann befreundet, der Stefan Amandi hiess. Er starb 28jährig an einer akuten Leukämie. Und noch immer spüre ich seine Sanftheit, sehe durch seine Augen, höre sein feines Wesen sprechen. Viele Jahre trug ich auch sein Parfüm. Er ist noch immer bei mir, er lebt weiter, weil er mich mit seinem Menschsein berühren konnte und mir meine Welt damals um Vieles wertvoller gemacht hat. Das tut er heute noch, auch wenn ich nicht weiss, wie unsere Geschichte wohl weiter gegangen wäre. Er war wertvoll. Er hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Andere Menschen sind an mir vorbei gezogen, haben nichts hinterlassen als sie aus meinem Leben verschwanden. Aber er berührt mich noch immer, hat Liebe da gelassen, nicht nur bei mir.

Und natürlich bringt Dich dieser Blog in diese Richtung:

Was wirst Du da lassen, wenn Du gehst?

Welchen Einfluss hast Du auf andere Menschen?

Was löst Du in anderen aus?

Gehst Du mit Deinem Herz auf der Zunge in jeden Tag? Lässt Du Samen der Liebe fallen, wenn Du Dich bewegst? Bewegst Du?

Inspirierst Du andere? Wozu?

Verschenkst Du Deine Aufmerksamkeit und Hingabe, Dein Wohlwollen und Deine Wertschätzung mit beiden offenen Händen?

Tust Du etwas für die Welt? Was?

Bist Du ein Geschenk für andere? Warum?

Oder… warum … (noch) nicht?


Unser aller Leben ist endlich. Warum bist Du hier?

Was tust Du mit dieser wertvollen Zeit?

Ach, und meine Lieblingsfrage: Feierst DU das Leben?

Die Queen hat etwas Wesentliches für mich getan. Neben den vielen Dingen, die ich an Ihr bewunderte, gab es diesen einen Satz, der mich total eingenommen hat:
Sie pflegte zu sagen, dass sie nicht amüsiert sei über das was gerade an Negativem passierte.

„I am amused“ „I am not amused“

das waren wunderbare Sätze der Queen. Ich habe daraus gelernt, dass Amusement etwas Wesentliches und Wichtiges war, nach dem sie strebte.

Bei aller Wichtigkeit und Würde, Respekt und Hingabe an die Aufgabe war Amusement ihr Gradmesser. Und ist es auch für mich geworden. Ich will amüsiert sein, auch dann, wenn die Welt wieder einmal durchdreht.

Are you amused?


Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Leben feiern

Auf Jersey waren schon viele wunderbare Coachees für den Adlerflug. Ich könnte über jeden eine spannende Geschichte erzählen. Mein Schatz ist: Diese Geschichten miterlebt zu haben. Zu sehen, wie sie sich entfaltet, erleichtert und entschieden haben, künftig glücklich und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Immer wenn ich auf Jersey bin gehe ich an diese Stellen, gehe auf die höchsten Klippen, an denen sie ihre Adlerrede gehalten haben, zur grössten Eiche auf einem Friedhof, an der sie das Bild des Lebensbaums verinnerlichen konnten und zu den kleinen Buchten, an denen sie mit mir sassen und sehr tief über ihr Leben nachdachten. Vielleicht ist Jersey deshalb so wertvoll für mich: Es ist gefüllt mit wertvollen Erinnerungen.

Eine solche erzähle ich gerne heute. Er heisst Martino und ist ein sehr feinsinniger und ruhiger Mann, ein Herzensmensch. Zu meinem allergrössten Erstaunen passierte mit ihm auf Jersey etwas, womit ich in dieser Form nicht gerechnet hatte. Es begann schon ganz früh. Wir gingen am ersten Tag, nachdem ich ihn vom Flughafen abgeholt hatte, auf eine der Steilklippen im Norden, um die Insel und vor allem das raue, nordatlantische Meer zu betrachten. Da rannte er plötzlich los und kletterte auf einen nahen riesigen Felsbrocken und breitete die Arme aus. Ich sah es genau: Dieser Coachee wollte weit oben fliegen.

Das Coaching ging dann trotzdem noch etwas langsam und verhalten. Ganz tief drin aber reifte in Martino ein Vulkan, der am letzten Tag ausbrach, gewaltig und radikal, entschieden und waghalsig. Keine Rede hat mich jemals so berührt wie seine. Weil sie total unerwartet für mich war, weil er über sich hinaus wuchs und – explodierte. Seit diesem Moment hat sich dieser feine Mann in mein Herz gebrannt wie eine ganz besonders Juwel.

Es ist nun ein paar Jahre her. Seitdem war ich oft an der Klippe, auf der er stand. Ich musste immer lächeln. Wir haben nicht viel Kontakt, weil wir beide weiter gezogen sind in unserem Lebenslauf. Aber wenn, dann ist alles wieder¨präsent und das geht uns beiden so. Ich möchte gerne den Text von ihm teilen, den er vor einigen Tagen an mich geschickt hat.

Vor ein paar Jahren war ich, was man eine hart gesottene Führungskraft nennt – ich leistete Überstunden, ass Mittagessen an meinem Schreibtisch. „Work-Life-Balance! Was für ein Witz!“, sagte ich zu meinen Kollegen.

Bis zu einer besonderen Nacht…

Ich ging mit Freunden aus und sass plötzlich neben einem Menschen, der mich sehr interessierte. Aber wenn ich mich zu ihm drehte, um mit ihm zu sprechen…

Kam nichts aus meinem Mund.

Ich war leer. Mein Gehirn war vernebelt.

Nach all den Jahren des harten Schuftens – in der Überzeugung, dass ich so schneller zu meinem Ziel komme – war ich nur noch ausgebrannt.

Das war mein Weckruf.

Damals lernte ich eine lebenswichtige Lektion über Verhaltensänderung – man muss sich die Zeit zum Feiern nehmen.

Man kann nicht einfach weiter rennen, ohne anzuhalten, um sich zu erholen oder seine Erfolge zu geniessen – wo ist der Sinn? Das Erreichen endloser Ziele, ohne seine Fortschritte auf dem Weg zu würdigen, ist bedeutungslos. Will jemand wirklich diese Art von Leben?

Martino, nimm dir die Zeit, deine Durchbrüche zu feiern.

Nimm dir die Zeit, die kleinen Erfolge jedes einzelnen Tages zu geniessen.

„Aber was ist, wenn ich heute nichts Heldenhaftes getan habe?“, höre ich dich fragen.

An jedem Tag, an dem du gute Gewohnheiten in dein Leben integrierst, bist du fabelhaft. Jede Anstrengung, die du unternimmst, sollte anständig gefeiert werden.

Mal sehen, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat.

Gewohnheiten beginnen sich einzubetten, wenn sie mit einer angenehmen, darauf folgenden Emotion assoziiert werden. Ganz egal, ob diese Emotion in der Gewohnheit beinhaltet ist oder du diese für sich selbst schaffst, sobald du eine gesunde Gewohnheit befolgst, selbst eine kleine, solltest du deinen Erfolg umgehend feiern.

Stanford Universitätsprofessor und Experte für Gewohnheiten B.J. Fogg machte das Feier-Konzept als Erster populär. Es ist wirklich sehr einfach…

Unmittelbar nach dem Abschluss einer gesunden Gewohnheit entsteht in deinem Kopf eine Gedankenprägung. Im Laufe der Zeit lernst du, diese Gewohnheit mit den positiven Gefühlen zu assoziieren. Keine Sorge, wenn du die positive Emotion zuerst selbst kreieren musst – letztendlich wird es eine selbstverständliche Gewohnheit werden.

Warum ist es so schwer, süchtig machende Gewohnheiten wie Drogenkonsum oder Pornos anschauen loszuwerden? Weil ein positives, kraftvolles Feedback-Gefühl umgehend danach eintritt. Diese Emotion sagt deinem Gehirn, dass es toll war, diese Gewohnheit auszuführen – Du fühlst dich glücklicher und es war sehr angenehm.

Mit anderen Worten: Du wirst für eine Gewohnheit geistig gesehen belohnt, unabhängig davon, ob diese für deine Gesundheit auf lange Sicht sehr schlecht sein könnte. So beginnst du, süchtig zu werden, da du versuchst, dieses positive Gefühl wieder und wieder zu erleben.

Wir wollen dieses Prinzip nun nutzen, um dein Gehirn umzuprogrammieren, so dass es sich bei gesunden Gewohnheiten toll fühlt – selbst bei denen, die am Anfang schmerzhaft sein können.

Sport kommt uns dabei zuerst in den Sinn. Wenn du beginnst, regelmäßig zu trainieren, fühlt die Bewegung sich an wie ein Monster, welches du jeden Morgen besiegen musst. Du empfindest Schmerz.

Aber wenn du über einen langen Zeitraum am Ball bleibst, wirst du lernen, dieses Gefühl des Schmerzes zu genießen – es wird zu einer Quelle der Freude und du wirst dich selbst dabei ertappen, wie du dich auf deine nächste Trainingseinheit freust.

Beginne mit dem neuen Ich, Martino!

Nimm dir die Zeit, nach jeder der Gewohnheiten und nachdem du dein gesamtes Ritual abgeschlossen hast, zu feiern.

Erledige das sofort nach jeder Gewohnheit und umgehend nach dem Abschließen des gesamten Rituals.

Auch wenn du am Anfang nur fünf Liegestütz machst, feiere, dass du damit begonnen und diese Liegestütze vollendet hast.

Wenn du das gesamte Ritual abschließt, feiere das Gefühl dieser Errungenschaft und bereite dich auf einen fabelhaften Tag vor!

Es ist sehr wichtig, zu feiern, sobald du die Gewohnheit durchführst, um positive Emotionen damit zu verbinden.

Merkst du, wie dein Gehirn neu verkabelt wird, Martino?

Was wird das nächste Mal passieren, wenn du darüber nachdenkst, dieses Morgenritual zu beginnen?

Du erinnerst dich an das Gefühl des Glücks. Die Erinnerung an das Feiern wird zu dir zurückkommen.

Deshalb ist es so wichtig, das Feiern wirklich einprägsam zu machen – es ist nicht nur eine Sache des Denkens: „Nun, ich stelle mich gut an“. Wenn du keine Emotion damit assoziierst, zählt es nicht als Feiern. Hinter dem Kreieren einer wirkungsvollen Feier, die deine Gewohnheiten wissenschaftlich verändern, steckt echte Wissenschaft und Kunst.

Finde heraus, was für dich funktioniert – laut mit sich selbst sprechen, sich selbst im Spiegel ansprechen, einen kleinen Tanz aufs Parkett legen oder eine andere Bewegung (denke nur an Fussballer, die ein Tor feiern)

Was wichtig ist, ist das Gefühl, das du dabei empfindest. Spürst du die Freude, die durch dich hindurch fliesst?Du hast deine Ziele trotz aller Hindernisse erreicht.

Zeit zu Feiern, Martino!

Wie kann ich meine Erfolge feiern?

Mach, was auch immer für dich am besten funktioniert, solange es wirklich effektiv ist. Stelle dir die Frage: „Glaube ich an diese Emotion? Oder schwindle ich sie mir nur vor?“

Mach‘ dir klar, dass es schon eine kleine Heldentat in sich selbst ist, sich jeden Morgen dazu aufraffen, fünf Liegestütze zu machen. Es bedeutet, dass du die Willenskraft hattest, aufzuwachen und diese fünf Liegestütze auszuführen. Das ist ein Anlass zum feiern.

Deine Aufgabe

In der nächsten Woche, jedes Mal, wenn du eine deiner fabelhaften Gewohnheiten abschliesst und am Ende des Rituals…

Feiere deinen Erfolg!

Führe es 3 Tage hintereinander durch, um erfolgreich zu sein

Das Feiern, unmittelbar nachdem Sie eine gesunde Gewohnheit ausgeführt haben, verankert eine positive Erinnerung in deinen Gedanken. Im Laufe der Zeit wirst du lernen, die Gewohnheit mit einer positiven Emotion in Verbindung zu bringen.

Sorge dafür, dass du den Nervenkitzel der Emotion in deinen Venen spürst. Teste daher verschiedene Arten des Feierns, um herauszufinden, was wirklich für dich funktioniert.

Programmiere deinen Verstand um

Merkst du etwas? Du lernst, wie du dein Gehirn neu programmieren und neu vernetzen kannst, um es dazu zu bringen, fast alles zu schaffen.

Dies ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Leben, die man nicht in der Schule lernt.

Unser Gehirn spielt uns die ganze Zeit Streiche.

Es geht nur darum, dein Gehirn und deine Emotionen zu meistern.

Und hartnäckig zu sein.

Martino war und ist hartnäckig am Leben, am Arbeiten UND am Feiern. Nach seiner emotionalen und lauten Rede damals auf der Klippe hatte er fünf Tage Heiserkeit, weil er alles herausgeschrien hatte. Der Knoten war geplatzt. Der Mann war frei gesetzt. Er flog. Und er fliegt noch immer.


Was für ein Glück – und ein Grund zu Feiern!


Willkommen in der Adlerperspektive.