Hilfe!

Letzte Woche bekam ich die traurige Nachricht über den Freitod einer lieben Freundin. So eine Nachricht schockiert immer und es ist ganz schwer, das zu verarbeiten und zu verdauen. Auch wenn wir einige Jahre ins Land haben ziehen lassen, seit wir uns nicht mehr gesehen haben, es war ein riesiger Verlust. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Mein Leben ging schnell weiter, ihres aus dem Stillstand in den Rückwärtsgang. Sie hatte eine lange tragische Geschichte, der sie zu diesem finalen Schritt bewegte. Es konnte kaum bitterer sein. Und noch immer bin ich erschüttert über das, was ihr zugestossen ist.

Ihr Liebster und ich sassen zusammen und redeten und redeten. Und es einte uns eines: Er sagte er hätte doch mehr versuchen sollen. Hätte sie wieder und wieder retten wollen. Ich bedauerte, keinen Kontakt mehr gesucht zu haben, ihr nicht hatte helfen können, weder als Freundin, noch als Coach. Ich beauerte auch, dass sie sich nicht bei mir meldete. Das Qualvolle: Sie sagte, sie sei es nicht (mehr) wert, dass man ihr helfen würde. Sie habe zu viele Fehler gemacht, zu oft den falschen Weg eingeschlagen, wäre zu weit entfernt von dem strahlenden, wundervollen, glücklichen und herrlich wildem Mensch, der sie gewesen ist.

Nicht helfen können, das begegnet uns immer wieder. Und es macht uns traurig und fassungslos und ohnmächtig. Nicht nur bei Suiziden, sondern ganz allgemein, wenn Menschen, die wir lieben, leiden. Oder wenn das Schicksal Menschen beutelt und wir nicht eingreifen können. Diese Ohnmacht, die wir dann empfinden, ist bedeutsam und sie macht uns auch zu Liebenden. Denn: Wir nehmen Anteil. Wir fühlen mit. Wir spüren den Drang, einzugreifen, wollen die Lage der Menschen verbesser, helfen. Letztlich vielleicht sogar ein bisschen die Welt retten. Wir alle haben diesen tiefen Wunsch füreinander da zu sein, uns zur Seite zu stehen. Jeder von uns fühlt das. Wenn wir jung sind, noch ganz stark.

Manchmal stumpft das ab, wenn wir älter werden. Wir verschliessen unser Herz bisweilen. Wie oft hast sicher auch Du schon gehört: Ich kann ja gar nichts tun. Ich kann sowieso nichts ändern. Ich mache da keinen Unterschied. Die Hilflosigkeit ist lähmend geworden und sie schmerzt. Wir sind dem ausgesetzt. Jeder von uns und jederzeit.

Auch in der letzten Woche hatte ich eine zarte, junge Frau in meinem Coaching. Auch sie trägt eine schwere Bürde und versucht tapfer, es zu ertragen. Diesmal geht es nicht um sie selbst, sondern um die Hilflosigkeit einer Angehörigen gegenüber. Sie sagte im Coaching: „Ich kann alles händeln“. Und ich sah dabei ihren Gesichtsausdruck: Der Schmerz war spürbar im Raum.

Nein, wir können nicht alles händeln. Es gibt auch Dinge, die uns auf den Boden zwingen, die uns ohnmächtig fühlen lassen, uns erschüttern und frustrieren.

Im Prinzip ist das einfach zu verstehen: Wenn ein Mensch sich das Leben nimmt, kann das wie eine Zurückweisung erlebt werden. Ein Suizid ist die endgültigste Form, eine Beziehung abzubrechen und sich allen weiteren Verpflichtungen, Verantwortungen und Bedürfnissen zu entziehen. Der Aspekt des Verlassenwerdens und des Alleingelassenseins steht oft im Mittelpunkt des Trauerns nach einem Suizid .

Dem voraus gegangen ist etwas, das ganz schwer wiegt: Wir fragen nicht (mehr) nach Hilfe. Wir wollen stark sein, den anderen nicht belasten, keine Mühe machen. Wir sind darauf getrimmt alles auszuhalten, mit allem alleine umgehen zu können. Auch die Gesellschaft zwingt uns, immerzu perfekt, gut, leistungsfähig und funktional zu sein. Und den anderen wollen wir uns nicht (mehr) anvertrauen, weil wir Angst haben, zu viel zu werden, zu viel Aufmerksamkeit zu verlangen, den anderen zu belasten oder traurig und enttäuscht zu machen.

Und ganz oft ist es ja auch so, dass Menschen uns nicht aushalten, wenn wir lange schwächeln. Wenn wir „nicht mehr hoch kommen“ aus dem Tal der Tränen. Wenn wir nicht mehr die oder der sein können, die wir einmal waren, die die anderen haben wollen. Ich höre in meiner Arbeit auch oft: Ich will ihn/sie so zurück haben, wie er/sie war.

Das Leben ist leider nicht nur Party und Ponyhof. Es findet in Wellen nach unten und oben statt. Für jeden, leidenschaftslos, wir gehen alle auf und ab. Es ist ein Zeichen von Liebe, beieinander zu bleiben, wenn Dinge aussichtslos erscheinen, wenn wir füreinander da sind.

Aber: Es ist auch ein Zeichen von Liebe und Intimität, um Hilfe zu bitten. Die Hand auszustrecken und zu sagen: Hilf mir. Dann geben wir einander die Möglichkeit uns beizustehen und vergrössern die Liebe unbewusst auch. Wer sich schwach zeigen kann ist eigentlich stark. Wer um Hilfe bitten kann, macht sich verwundbar. Wer die Hilfe geben kann ist wirklich in der Liebe.

Brauchst Du Hilfe?

Hast Du den Mut darum zu bitten?

Dann zögere nicht. Öffne die Tür zu Deinem Herz. Und strecke die Hand aus.


Willkommen in der Adlerperspektive.

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Diesen Blog widme ich Alexandra in liebevoller Verbindung und mit viel Traurigkeit, weil Du den Weg nicht mehr gefunden hast.

Und ich verneige mich vor Michele. Ich habe nie einen Menschen gesehen, der mehr geliebt hat.

Filmriss

Kennst Du das auch? Du sitzt im Kino. Du bist ganz und gar in einem Film eingetaucht. So sehr, dass Du die tanzenden Bilder auf der Projektionsfläche anschaust und Dein ganzes Wesen da gefangen ist. Dein Körper reagiert auch auf dieses Lichtspiel. Dein Herz fühlt mit den Protagonisten, dein Herzschlag ist höher, dein Gefühl schwingt mit dem Geschehen. Vielleicht bist Du gespannt wie es weitergeht oder Du fühlst die Gefühle, die dort produziert wurden. Und dann, ganz plötzlich: Reisst der Film. Die Leinwand wird dunkel, die Geschichte ist angehalten.

Jetzt kommt der Moment, an dem Du zurück kehrst in die Re-al-ität. Du schiesst mit Deiner Wahrnehmung zurück in Deinen Körper. Vielleicht realisierst Du, wo und wer Du bist und wer neben Dir sitzt. Du brauchst vielleicht einen Moment, um Dich von der spannenden Imagination zu lösen. Und dann geht auch gleich das Geplapper und die Geräuschkulisse los von Menschen, die im selben Film waren. Jeder im Raum will nur eins: Dass der Film wieder weiter geht und wir wissen, wie es ausgehen wird. Und insgeheim sind wir auch in einen oder mehrere der Darsteller verliebt und das Storyboard ist so verführerisch, dass wir die Geschichte gerne glauben möchten.

Du weisst schon, worauf ich hinaus will?

Wir alle sitzen in so einem Kinosaal und sehen die Projektion eines Filmes. Nur: Wir sind selbst der Regisseur, der Produzent, Kostüm, Kameramann oder -frau, Beleuchter, Requisiteur. Damit kann man ein ganzes Leben verbringen und die projizierte Geschichte für ein Leben halten, das wir uns selbst erschaffen. Mitunter führen die Schauspieler auch ein Eigenleben und die Geschichte geht auf eine Weise weiter, wie wir sie scheinbar nicht ersonnen haben. Am Ende aber wird es ein guter Film. Ein gut inszeniertes Theater.

Es sei denn, es gibt einen Filmriss. Mitten drin. Dann erleben wir das, was das Leben eigentlich ist: Das Lebendige. Denn Du, als Betrachter Deiner eigenen Geschichte: Du bist hier. Du bist wirklich wirklich ganz lebendig. Dein Körper lebt. Deine Atmung, deine Energie ist die ganze Zeit nur angespannt im Betrachten einer Projektion in einem gemütlichen Sessel gesessen, bestens unterhalten von einer Story, auf die nur Du Einfluss hattest. Alles was Du tun musstest:

Den Film anhalten.

Das Leben wieder spüren.

Denn während Du da sitzt und den Film, das Leben, an Dir vorbei ziehen lässt und jede kleine Posse, jede Tragik, jede erfundene Liebesgeschichte für dein Amusement oder Deine emotionalen Abstürze verantwortlich war, hat Dein Leben stattgefunden.

Am Ende? Wirst Du die Filmrolle abgeben beim grossen Chef, beim Verwalter der Geschichten? Der grossen Filmbibliothek? Und dann ist es gut?

In Indien gibt es die Palmblattbibliothek. Der Tradition nach wurden die Palmblattbibliotheken vor vielen Tausenden von Jahren geschrieben, es heisst, dass die Rishis spirituelle Kräfte hatten, sodass sie in der kosmischen Akasha-Chronik lesen konnten. So wurden Tausende, vielleicht Millionen Lebensläufe auf Palmblättern niedergeschrieben. In diesen Bibliotheken sind bestimmte Grundlebensläufe aufgezeichnet, verschiedene karmisch-typische Lebensläufe und die Nadi-Reader (Palmblattleser, Priester) haben eine hellsichtige Fähigkeit, sodass sie aufgrund der Wahrnehmung des Rat Suchenden in Verbindung mit dem Lesen der Palmblätter vieles erkennen können. So kann man in eine dieser Bibliotheken gehen und es wird einem quasi das eigene Leben, inclusive Todesdatum und noch zu erwartende Zukunft vorgelesen. Es funktioniert. Denn: Die Besucher dieser Bibliotheken glauben das, was sie hören.

Der Trick dabei ist, dass jedes Leben vorhersehbar ist, solange der Mensch in seinem eigenen Kino sitzt. Auch die Psychologie ist so aufgebaut: Aufgrund der Grundmuster der eigenen Geschichte weiss man, dass sich die Dinge so oder so entwickeln werden. Man kann die Muster in jedem Handeln wiedererkennen. Die Schauspieler mögen wechseln, aber die Aktionen werden gleich, wenn nicht sogar synchron sein.

Es sei denn:

Ja, es sei denn, Du stellst diesen verdammten Film ab. Freiwillig. Wirst wach. Kommst zurück aus der Illusion in die Gegenwart. Atmest. Spürst das Leben wieder. Distanzierst Dich von der Geschichte, die Du gesehen und erlebt hast. (Du kennst sie, du kennst jede Wendung und den Ausgang, warum weiter betrachten?) Fragst Dich, was Du fühlst. Fragst Dich, was Du willst. TUST es.

Zu jedem Moment wirst Du dann wach sein müssen, Dich nicht mehr von der Geschichte einlullen lassen, in die und in deren Schauspieler Du verliebt bist.

Willst Du nun wach und dein bester Ratgeber sein? Dann musst Du in die Welt. In die unbequeme Re-al-ität des Lebens. Raus aus dem komfortablen Sessel. Hinein in die Selbstverantwortung.

Lebe. Atme. Renne. Tu es.

Da ist es, das wahre Leben.

Du findest es nicht bei Netflix, im TV, in den sozialen Medien, in der Allgegenwart der virtuellen Kommunikation. Nicht in den Illusionen der Filmwelt. Nicht in den Projektionen der schönen bunten Scheinwelt. Nicht und niemals im Worlwideweb. Auch nicht in Deinen eigenen Projektionen. Du bist nicht der Spielball deiner Fantasie. Und noch wichtiger: Auch nicht der Spielball anderer Filmemacher.

Das Leben ist jetzt.

Spürst Du es?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Herzschmerz

„Aua“ dachte ich letzte Woche gleich ein paar mal. Einige meiner Gesprächspartner hatten Liebeskummer. Richtig schlimm. Die Beziehungen waren jeweils zuende gegangen, einer der Partner hatte sich getrennt und neben einem Haufen Scherben auch jemanden zurück gelassen, der die Trennung nicht wollte. Die jeweiligen Coachees sassen vor mir, oft mit Tränen, wussten nicht mehr weiter, hatten scheinbar jede Hoffnung verloren, dass das Leben irgendwann wieder weniger weh tun würde.

Auch ich kenne das, vielleicht kann ich mich deswegen hier gut einfühlen. Vor fast 20 Jahren hatte ich den ultimativen Herzbruch und ging zwei Jahre wöchentlich zur Gesprächstherapie. Ich konnte ihn einfach nicht loslassen und hing fest in den Erinnerungen an „die eine“ grosse Liebe. Als ich einmal, wieder aufgewühlt vom Gespräch, in meinem Cabrio über die wunderschöne Seestrasse zurück fuhr und mir die Sonne den Kopf wärmte, der Wind durch die Haare strich und diese Welt einfach so verdammt schön war, musste ich auf die Seite fahren. Ich hatte so Herzschmerzen, dass ich dachte, ich bekäme einen Herzinfarkt. Ich wartete also auf mein seeliges Ende. Und es passierte – nichts. Der Schmerz ging vorüber. Ich hämmerte auf meine Brust und schrie: „Du scheiss Herz! Wie kannst Du einfach weitermachen, jetzt wo diese Liebe vorbei ist! Wo mein Leben vorbei ist!“… an Theatralik war das fast nicht zu überbieten.

Eine Woche später erzählte ich es meiner Therapeutin. Sie knallte mir einen Satz hin, der mich bis heute begleitet: „Ein Herz wird so lange gebrochen, bis es sich öffnet.“ Natürlich meinte sie damit das Öffnen für das Leben und nicht mehr das Leben mit diesem einen Mann! Ob ich das verstanden habe? Damals nicht.

Liebeskummer ist in fast allen Fällen ein toxischer Gefühlscocktail. Studien haben ergeben, dass im Gehirn biochemische Prozesse auslöst werden, die einem Drogenentzug oder einer körperlichen Verletzung gleichen. Im Extremfall können sogar Herzbeschwerden auftreten, so etwa das «Broken-Heart-Syndrom», eine ernsthafte Herzmuskelerkrankung.

All das wird auch, vielleicht sogar vor allem, von unseren Gedanken begünstigt. Wir glauben dass das „die eine“ Liebe war, die gerade zuende geht und meinen, so würden wir niemals mehr vertrauen oder lieben können.

Die gute Nachricht: Auch das ist nur ein Gedanke.

Denn nach einer Weile wirst Du wieder lieben, wirst Du das Herz wieder öffnen können. Auch für einen neuen Partner, eine neue Partnerin.

Aber vorerst: Das Leben umarmen. Die Sonne, den Wind, das Schöne, die Freiheiten, das Leben wieder spüren und wertschätzen. Unser Leben hängt nicht von dem einen Partner ab: Es hängt davon ab, dass unser Herz schlägt. Und das tut es. Jeden Moment unseres Lebens. Bis es vorbei ist. Was Du damit machst ist absolut Deine Angelegenheit. Du bist derjenige, der bestimmt, wohin die Reise geht. Du kannst Dein Leben im Licht oder im Schatten leben. Du kannst den Kopf heben und die Sonne sehen oder zuhause in deine Kissen weinen.

Es ist nicht leicht, das Ende einer Beziehung zu überwinden. Egal, wie lange eine Beziehung gedauert hat: Wenn eine gemeinsame Geschichte endet, verschwindet der Trennungsschmerz nicht einfach von heute auf morgen. Zunächst einmal musst Du den Schock der Trennung verkraften, der zunächst vollkommen unüberwindbar scheint. Dies ist jedoch nur der erste Schritt in Richtung Neuanfang.

Vielleicht hilft hier eine kleine Erklärung aus der Psychologie. Es gibt vier Phasen bei einer Trennung

Erste Phase der Trennung: Schock

Egal, wie gut man sich auf ein Ereignis vorbereitet hat, wenn es Realität wird, kann es dennoch überwältigend sein. Viele Paare sind sich ihrer Probleme bewusst, erkennen, dass es nicht gut läuft und dass es ständig Streit gibt. Vielleicht denkt einer der Partner sogar ab und zu über eine Trennung nach oder das Paar hat sich bereits kurzzeitig getrennt. Wenn die Trennung jedoch endgültig beschlossen wird, kann dies dennoch für beide Partner nur schwer greifbar sein.

Der Schock ist deshalb so gross, weil eine Trennung vom Partner oder der Partnerin gleichzeitig auch die Aufgabe gemeinsamer Rituale, den möglichen Verlust des gemeinsamen Freundeskreises und das Ende der gemeinsamen Träume und Pläne bedeutet. Deshalb ist es nur natürlich, dass man sich als erste Reaktion weigert, diese neue Realität zu akzeptieren und von der Hoffnung überwältigt wird, einfach möglichst schnell wieder zusammenzukommen.

Zweite Phase der Trennung: Wut und Traurigkeit

Nach einer mehr oder weniger langen Zeit endet die erste Phase des Schocks und macht einer zweiten Phase Platz, in der die Betroffenen die Realität der Trennung akzeptieren. Es geht nicht mehr darum, die eigene Situation zu leugnen oder sich in die Hoffnung auf eine Versöhnung zu flüchten. Die Liebesbeziehung ist nun beendet und es beginnt die Zeit der Trauer.

Die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben hat sich zerschlagen, was ganz natürlich zu Gefühlen von Wut und Traurigkeit führt. Bei vielen Menschen rufen Trennungen eine Angst aus der Kindheit vor dem Verlassenwerden wieder hervor, was wiederum eine grosse Traurigkeit verursacht. In dieser Phase können ausserdem alte Wunden, die während der Beziehung entstanden sind, wieder an die Oberfläche treiben, was zu Wut führt. Eine Wut, die sich sowohl auf die eigene Person („Wie konnte ich das nur all die Jahre akzeptieren?“) als auch auf den Ex-Partner oder die Ex-Partnerin („Wie konnte er/sie mir das antun?“) richten kann. In dieser zweiten Phase der Trennung sind Wut und Traurigkeit in der Regel untrennbar miteinander verbunden.

Dritte Phase der Trennung: Reflexion und Neuorientierung

Mit der Zeit können Wut und Traurigkeit immer noch vorhanden sein, doch kommen und gehen diese Gefühle in immer grösseren Abständen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Du Dich jetzt auf dem Weg der Besserung befindest und in der dritten Stufe der Trennung bist.

Jetzt, wo Du Dich beruhigt hast, ist es an der Zeit, sich zu fragen, warum die Beziehung gescheitert ist, was Du daraus lernen kannst und was Du jetzt für Dich selbst willst. Es ist eine Zeit der Selbstreflexion und Neuorientierung, die Dir helfen wird, an den Fehlern der Vergangenheit zu wachsen. Gleichzeitig beginnst Du allmählich, wieder Freude zu empfinden und das Leben zu geniessen.

Vierte Stufe der Trennung: Neuanfang

Wie lange es auch immer dauern mag, ist dennoch sicher, dass Du irgendwann die vierte und letzte Stufe der Trennung, den Neuanfang, erreichen wirst. Du hast Deine Beziehung nun hinter Dir gelassen und bist bereit für den Aufbruch. 

Der Trennungsschmerz ist vorbei und Du kannst nun ein neues Leben beginnen. Du weisst besser als zuvor, wer Du bist und was Du vom Leben und von Beziehungen willst. Nutze die Erfahrungen der Vergangenheit, um diesen Neuanfang zu einem Erfolg zu machen. 

Die vier Phasen zu kennen hilft auch deswegen, weil wir wissen, dass das Leben nach vorne und gerade aus geht und dass es sich wandeln und entwickeln wird. Nichts bleibt für ewig, nicht einmal der Schmerz.

In den letzten Jahren habe ich mit einigen Coachees diese vier Phasen durchgestanden. Auch mit lieben Menschen, die mir ihren Schmerz anvertrauen konnten. Ich sage es ehrlich: Es ist eine verdammt harte Arbeit, das hinter sich zu lassen. Es muss erlitten, ausgehalten werden.

Aber irgendwann fingen alle wieder an zu blühen. Dann war das gebrochene Herz eben nur noch offen und nicht mehr verwundet: Offen für das Schöne, das wertvolle Leben, die Freude, die Lust und – eine neue Liebe.

Das Leben ist und bleibt schön.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesmal aktuell mit ganz viel Mut und Liebe für Nina, Leonie, Aleks. Und für die Überlebenskünstlerinnen für Meryem, Kati, Cindy, Heidrun, Veronika, Daniela. Und auch ein bisschen für mein vergangenes Ich in 2003.

Zu-fallende Zeichen

Manchmal sucht man ja was und findet es einfach nicht. Kennst Du das?

Ich meine jetzt kein „Ding“, sondern eine Antwort, einen Anhaltspunkt oder den Beginn eines roten Fadens. Man weiss genau, dass es nur noch einen einzigen Hinweis braucht, bis man an das (eigentlich innere) Wissen heran kommt.

Dann tut es gut, die Augen weit aufzumachen und auf ein Zeichen zu achten, das ohnehin im genau richtigen Zeitpunkt da ist. Ich behaupte sogar, dass diese Zeichen eigentlich permanent, 24×7 zur Verfügung stehen, wir aber fast nie darauf achten.

Es gibt ja Diskussionen über den Zufall, also etwas das uns einfach so zu – fällt. Meiner Meinung nach sind Zufälle nichts anderes als Hinweise: Je mehr Zufälle, um so sicherer ist es, dass Du auf dem richtigen Weg bist. Im letzten Blog hatte ich über „go with the flow“ gesprochen. Wenn Du auf dem richtigen Weg bist, dann geht eben alles fliessend, wird begünstigt und voran getrieben von scheinbar magischen Kräften.

Wären wir nicht immer so unsäglich abgelenkt von aussen, so könnten wir den Zufällen einen grösseren Stellenwert einräumen und die Magie überall sehen. Würden wir stets den Weg der Kontemplation (das geistige Betrachten) gehen, wäre das Leben leicht und deutlich. Wir leben aber leider in einer Zeit, in der wir eher innerlich angetrieben sind von Zeitdruck und Streben, als von unserer inneren Stimme.

Die einfachste Art, den „Zufall“ und die Zeichen zu sehen ist ganz sicher etwas, das Dir schon oft passiert ist: Du hattest Dich für ein neues Auto entschieden und plötzlich siehst Du dieses Modell überall. Oder Du hattest darüber nachgedacht einen lieben Menschen anzurufen und das Telefon klingelt und er meldet sich bei dir.

Es gibt aber auch Zeichen, die viel komplexer sind und bei denen man ein wenig um die Ecke denken muss. Gerne teile ich hier eine dieser magischen Geschichten: Vor einigen Jahren suchte ich verzweifelt nach einer Wohnung, weil die derzeitige schon gekündigt war. Es war schier unmöglich etwas Schönes und zugleich Bezahlbares zu finden. Die Zeit wurde schon sehr kurz. Früh am Morgen fuhr ich zu einem Termin auf die andere Seeseite. Ich dachte wieder über die Wohnungssuche nach und plötzlich kam mir der Gedanke: Wenn ich mich immer nur im Kreise drehe dann wäre es vielleicht mal Zeit für eine Eingebung, ein Zeichen. Ich schaute gen Himmel und rief: Okay, Du eigenartiges Universum, schick mir ein Zeichen!

Ich liess es im gleichen Moment wieder los, denn man kann nur sehen, wenn man ganz entspannt ist. Ich fuhr und sah – nichts. Aus einem Impuls heraus entschied ich, die Fähre zu nehmen und hatte immer noch die Augen sperrangelweit auf. Vor mir wurde ein LKW auf die Fähre geleitet. Ich ärgerte mich, weil er mir die schöne Sicht über den See versperrte. Ich sagte: Na super! Was für ein tolles Zeichen! Und im gleichen Moment sah ich das Logo, riesengross auf dem LKW und direkt vor meiner Nase:

Ich dachte: Na klar! Zweifel! Ja ich habe Zweifel, dass ich noch was finde! Und dann drängte sich der riesige Buchstabe in mein Auge: Z. Ja und jetzt! Ich sagte den Buchstaben laut: ZETT!

Und dann fiel mir ein, dass der Verwalter meiner Praxis Herr Zett war. Noch auf der Fähre rief ich ihn an und sagte: Herr Zett, ich brauche eine Wohnung! Und er sagte: Das ist ja spannend, genau gestern hatte ich eine ausserterminliche Kündigung, bei der Wohnung dachte ich, die könnte Ihnen gefallen, aber ich wusste ja nicht, dass Sie suchen!

Zeichen kommen immer und auf die verrückteste Art zu uns. Sie sind überall. Aber: Es braucht einen wachen Geist, es braucht eine gewisse Haltung: Wir müssen das Unmögliche empfangen können.

Wie Du das schaffst?

Zum einen muss Deine Frage klar sein. Also: Ich brauche ein Zeichen, weil ich nicht weiss wie ich mit XY umgehen soll. Oder: ich brauche ein Zeichen, wohin es führen wird, wenn ich den Weg weiter gehe. Dann lass die Absicht los und schaue. Du wirst ein Symbol, ein Wort, einen Hinweis sehr schnell finden. Oder, wenn Du eine gute Intuition hast, sogar eine Aufforderung in dir selbst hören. Du wirst es erkennen, dass es richtig ist, weil es sich eben total klar und richtig anfühlt.

Das ist das innere Wissen, das komplett hell und klar daher kommt.

Manchmal braucht es ein bisschen Interpretation. Vielleicht liegt ein umgestürzter Baum vor deinen Füssen oder jemand lässt eine Serviette fallen, Du schaust darauf und findest ein Wort, das Dir weiterhilft, weil die Kaffeesorte so heisst (Krönung?) oder Du gehst an jemandem vorbei und der spricht gerade einen Satz ins Telefon. Du musst einfach offen sein. Es wird das Richtige passieren.

Vor Jahren erwachte ich früh morgens einmal neben dem falschen Mann. Ich betrachtete ihn und fragte mich, wohin mich das führt. In dem Moment flog ein Vogel durch die offene Balkontür. Er flog mit riesiger Geschwindigkeit durch das Zimmer und knallte mit voller Wucht von innen gegen das geschlossene Fenster. Ich sprang auf. Der Vogel war tot.

Aber das ist dann vielleicht eine andere Geschichte für einen Blog.

Achte heute, diese Woche, einmal auf die Zeichen, die Dir begegnen. Die Lösung liegt immer ganz nah. Heute ist Frühlingsanfang. Das Leben beginnt zu spriessen. Vielleicht brauchst Du ein Zeichen, wie es weitergeht?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Tanzen, jetzt

Hast Du schon in die nächste aufkeimende Bewegung gefunden nach diesem langen kalten Winter und all den Bremsklötzen der letzten beiden Jahre? Oder verharrst Du, erschrocken über die neusten Meldungen auf der weltpolitischen Bühne, in so einer Art Schockstarre?

In der letzten Woche bekam ich von einer Kollegin zu hören man dürfe ja jetzt nicht feiern, schliesslich sei aussen rum alles ganz furchtbar. Sie blieb zuhause und schaute sich die düsteren und schweren TV Berichte an und beklagte das Leid.

Auch in den letzten beiden Jahren gab es das ganz oft: Das Klagen und Jammern, der erzwungene Stillstand und die Angst, der Mangel und das Mitleiden, das Schimpfen und Fürchten.


Wie lange wollen wir, willst Du noch in diesem verdammten Chor mitsingen?

Hand aufs Herz: Hättest Du jetzt eine schwere Diagnose, noch ein Jahr zu leben, aber im Moment keine akuten Symptome: Würdest Du dann auch schön brav zuhause bleiben, den Ball flach halten, abwarten dass es dann bald irgendwo weh tut? Auf alles verzichten, was Dich anstrengen könnte? Dich warm einpacken damit Du nicht frierst und die Ritterrüstung zuziehen gegen Verletzungen jeder Art?

Oder würdest Du die Zeit nutzen, die Du (noch) hast und alles wirklich alles tun, was Dich glücklich macht?

Hast Du das Glück verdient, jetzt wo draussen alles so schlimm ist?

Oder musst Du mitleiden?

Bist Du gerade beschäftigt mit Jammern?

Oder wartest Du ab, bis sich alles wieder normalisiert?

Und was ist denn normal?

Schau Dich um: Was hast Du alles? Einen gesunden Körper? Eine intakte Beziehung? Eine Arbeit, die Dich amüsiert? Ein schönes Zuhause? Gute Freunde?

Willst Du das Leben im Stillstand oder eines in Bewegung?

Willst Du ein Leben mit Freude, Dankbarkeit, Genuss?

Dann MUSST DU diesen Schritt aus der Abwärtsspirale heraus machen. Du musst heraustreten aus dem hypnotisierenden kollektiven Wahnsinn. Und raus gehen aus der Komfortzone: Raus in die Natur. Menschen treffen, mit denen Du lachen kannst. Gemeinsam oder alleine etwas Feines kochen oder essen gehen. Die Sonne wieder umarmen, vielleicht ein erstes Bad im kalten See machen. Das Leben wieder pulsieren lassen. Zuschauen wie der Frühling erwacht, Dir Blumen kaufen, frische Luft reinlassen in dein Haus und in Deinen Geist.

Das Leben ist zum Leben da.

Das Leben ist kostbar und es ist JETZT.

Beweg Dich!

Raus!

Jetzt!

Nimm Dir diese Woche doch einfach mal vor so viele schöne Sachen wie möglich zu erleben. Die Menschen zu treffen die Du wirklich sehen willst. Brich aus den Routinen aus. Beschleunige Dein Tempo. Male etwas Farbe in dein Leben. Oder gehe ins Kino und lache Dich kaputt bei einem lustigen Film.

Komm zurück in die Leichtigkeit, die Bewegung. Go with the flow. Dein Leben findet jetzt statt. Erkenne das Geschenk.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Immerhin!

Manchmal gibt es ja eine Zeit, da geht gar nichts vorwärts. Und dann fällt noch die Heizung aus. Und die Waschmaschine war nicht richtig zu und überflutet alles mit Seifenwasser. Zusätzlich fällt Dir etwas Wertvolles aus der Hand und zerbricht und das Telefon klingelt für nerviges Telemarketing. Es gibt so Tage, da ballt sich der ganze Mist zusammen und erschlägt Dich wie eine Lawine.

Dann ist es Zeit für einen IMMERHIN Moment.

Letzte Woche hatte ich so etwas. Die Heizung war ausgefallen. Es war eisig. Ich sass unter Decken und mit ganz heissen Kirschkernkissen auf dem Sofa und versuchte zu lesen. Die Hände eiskalt, wurden immer wieder am Kissen aufgewärmt. Irgendwann ging ich ins Bad und spürte: Da ist eine Elektroheizung und die läuft! Es war mollig warm. Ich liess mir ein Bad ein, regnete ein paar Rosenblüten in das duftende ölige Wasser und liess mich hineingleiten, das Buch genüsslich lesend. Immerhin, dachte ich da, immerhin hab ich ein warmes Bad. Und als ich mal so dabei war dachte ich: Immerhin habe ich noch 6 Bände dieser genialen Buchreihe zu lesen. Immerhin habe ich einen super guten Tee. Immerhin war ich schon mit dem Hund draussen und kann gleich in mein kuscheliges Bett. Das Immerhin tat mir gut.

Und da ich schon mal so schön dabei war, machte ich einen Immerhin Tag am nächsten Tag.

Da gab es viel zu kompensieren, weil im Moment keine so ganz leichte Zeit ist. Ich lief wie immer in den Wald am Morgen und traf auch sofort auf eine Jammerin, die mir zitternd mit ihrem Hund begegnete und sich über den noch immer massiven Frost beschwerte, Ich konnte gleich kontern: Immerhin! Gibt es schon die ersten Schneeglöckchen! Immerhin haben wir jetzt eine Woche jeden Tag Sonnenschein!

Und dann die Nachbarin, die sagte ihre Putzfee könne nicht kommen weil sie krank wäre. Immerhin! Kannst Du dir eine Putzfee leisten! Immerhin hast Du damit den Wert der Fee wieder einmal vollständig verstanden (Trinkgeld?)….

So ging es den ganzen Tag und dieses Immerhin breitete sich in meinen Gedanken aus und bald las ich es sogar in Whatsapp. Meine Freundin geht durch eine schwere Zeit und sie schrieb: immerhin gehe ich am Mittwoch für ein paar Tage Skifahren!

IMMERHIN kann eine tröstende Formel sein. Und man kann es auch kultivieren. Also wenn Dir die Decke wieder einmal auf den Kopf fällt und Du alles schwer nimmst, dann drehe das, was Du denkst in Richtung Immerhin. Mal schauen, was Dir da alles einfällt!

Gerne denke ich da an eine kleine Anekdote. Vor vielen Jahren war ich mit einer lieben Freundin im teuersten Cafe in Zürich zum Frühstücken verabredet. Diesmal war es meine Einladung und wir bestellten munter alles was das Herz begehrte. Meine Freundin war an dem Tag ausnahmsweise mal im Jammer-Modus. Wir sprachen über eine schwierige wirtschaftliche Lage und sie klagte über dies und das. Irgendwann kam ihre Portion Lachs, eine wunderschöne hellrose Lachsportion, als Rose angerichtet. Sie nahm einen Schluck Prosecco und türmte den Lachs auf eine Weiche buttrige Brioche. Und dann, kurz bevor sie hineinbiss sagte sie: „Maren, das kann doch nicht so weiter gehen! Ich lebe immer nur von der Hand in den Mund“! Bis heute bedaure ich, das nicht fotografiert zu haben: Da sass sie, im edlen Cafe Felix am Bellevue in Zürich, in einer Hand das Sektglas, in der anderen das Lachs-schnittchen. Und ich sagte: „Ahhh! Von der Hand in den Mund! Na solange die Hände mit Lachs und Sekt gefüllt sind mache ich mir da gaaar keine Sorgen um Dich“! … unsere anschliessende Lachsalve war legendär.

IMMERHIN hatte immer eine von uns genug Geld um der anderen den Horizont zu erweitern.

Immerhin heisst ja auch: Trotz dem.

Also trotze doch diese Woche einfach mal all dem Mist, der auf deinen Kopf regnet. Und feire das Leben, wo es sich anbietet!

Immerhin hast Du auch gerade diese Zeit, diesen Blog zu lesen. Hebe Deinen Blick jetzt von deinem Computer oder Handy, schau Dich um. Du lebst im Paradies. Siehst Du das?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Einzig – artig

Heute bekam ich eine Karte einer lieben Frau, die mir sagte ich solle so bleiben wie ich bin: Einzig aber nicht artig. Und ich dachte über dieses tolle Wort und ein daraus folgendes Wort nach:

Eigen-artig. Im Synonymwörterbuch steht für eigenartig:

absonderlich · eigenartig · kauzig · merkwürdig · schrullenhaft · schrullig · schräg · seltsam · skurril · sonderbar · speziell · spinnert · spleenig · ungewöhnlich · urig · verschroben · wie man ihn nicht alle Tage trifft · wunderlich · überspannt ● abgedreht.

Dabei ist diese Bezeichnung EIGEN-ARTIG doch auch eine Kunst (weil ART) und etwas extrem Individuelles (weil eigen). Ich mag das: Etwas Eigenes sein und tun und denken und sagen. Leute die eigenartig sind faszinieren mich schon immer und ich fliege auf solche Menschen. Weil sie eben einzig und eigen sind und nicht wie alle anderen.

Gerade diese Tage, nein, vielleicht sogar die letzten Monate sehe und höre und lese ich nämlich etwas, das mich total irritiert: Alle sagen plötzlich das Gleiche, mit den gleichen Worten und Phrasen. Kaum geht irgendwo auf der Welt der nächste Krisenherd los, schon kommen die immer gleichen Gedanken, Meinungen, Haltungen, Sinnsprüche. Niemand setzt sich tiefer auseinander. Es wird nachgeplappert, das Selbe angenommen und weiter verbreitet. Eine eigene Meinung oder wenigstens eine eigene Formulierung hört man ganz wenig.

Könnte Eigen-art also auch sein: Sich erstmal besinnen. Die Welt anschauen. In Worte fassen, was man dann fühlt oder darüber denkt. Und dann sehr individuell in die eigenen Worte fassen?

Haben wir Zeit für Eigen-artigkeit? Nehmen wir uns die Möglichkeit eine Meinung, ein Gefühl für etwas zu entwickeln bevor wir mit dem verbalen Hammer drauf hauen oder einfach etwas nachplappern was andere schon darüber gesagt haben?

Eigenartigkeit findet man ja vor allem bei den Kreativen dieser Welt. Ein schönes Beispiel ist Karl Lagerfeld. Oder Vivienne Westwood. Oder Joseph Beuys. Die hatten eine ganz eigene Interpretation der Welt.

Einmal, vor vielen viele Jahren stand ich in Kassel im Museum in einem Raum, der aussah wie ein Abstellraum mit Gerümpel. In der Mitte lag eine riesige Menge von Filzmatten, darauf eine Kupferplatte. Ich fand das sehr eigenartig und ging hin, um es mir näher anzusehen. Da sah ich ein kleines Schild:

„Joseph Beuys: Elefantenherde von oben“

Ich stand sprachlos da, mein Verstand drehte Kapriolen. Verstehen konnte ich das nicht. Aber ich fand es herrlich. Die nächsten Jahre war ich glühender Fan von Joseph Beuys. Er hat immer wieder verblüfft, meinen Geist verwirrt und der Typ hatte es mir wirklich angetan.

Eigen – art also.

Wie eigenartig bist Du? Gibt es Dich einzig?
Was an Dir ist extrem individuell?

Wo schwimmst Du alleine in deinem eigenen Fahrwasser, jenseits des Mainstream?

Oder

Bist Du artig?

Warum?

Nimm Dir doch diese Woche einmal folgende Möglichkeit mit in den All-tag: Betrachte was um Dich herum passiert. Schau es Dir möglichst genau an. Hinterfrage. Bilde Dir Deine eigene Meinung. Lass Dich überraschen, amüsieren oder schockieren. Stelle Fragen dazu, Dir selbst und auch anderen. Finde Deine Sicht auf die Dinge.

Jeder Mensch hat seinen ganz und gar individuellen Ausdruck.

Willst Du Dich zeigen?

Dann – musst Du einzigartig und eigen-artig sein.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich in Liebe meinen kreativen Freunden Pan und Georg, herrlich ver-rückte Menschen. Aber auch Pascale. Beatrice. Mirjam. Ben Becker. Und den Verpeilten dieser Welt. Ihr seid toll.

Und Happy Birthday to me, liebe Wiebke Maren Pipi Schmid. Schön, Dich zu amüsieren 🙂

Im Nadelöhr

Bist Du da auch gerade? Der Winter, der Sturm, die Kälte, die über die zunehmend grün werdenden Wiesen immer wieder eine neue Glasur aus Eis und Schneeregen bringt, während die Blümchen intensiv wachsen wollen?

Fühlt es sich gerade so an, als wenn der Frühling nie kommen will?

Und immer immer ist es dieses Ringen. Die Glieder sind noch ungeschmeidig vom langen kalten Winter, wir alle haben uns zurück gezogen und eingemummelt. Nur so ganz langsam strecken wir die Nasen wieder aus dem sicheren Nest. Eingerostet ein bisschen die Energie in uns. Innen und aussen.

Die Produktion des Schlafhormons Melatonin ist an Licht geknüpft. Je dunkler es ist, desto höher ist der Melatoninspiegel, je heller es ist, desto niedriger. Damit steuert das Schlafhormon ganz essenziell deinen Schlafrhythmus.Lichtmangel in den Wintermonaten beeinflusst also deine Hormonproduktion im Gehirn und lässt dich ganz automatisch früher müde werden. Analog zu sinkendem Tageslicht steigt demnach dein Schlafbedürfnis und auch das Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe.

Gerade in der kalten Jahreszeit ist es auch deutlich unattraktiver, sich mit Freunden noch kurz draussen zu treffen. Ist es dunkel, lockt die Couch doch etwas mehr. Die fehlende soziale Interaktion macht den Alltag bewegungsärmer und lässt dich leicht in den Winterblues verfallen.

Jetzt ist dann endlich schon Ende Februar, in wenigen Wochen ist auch der meteorologische Frühlingsanfang. Wir dürfen uns erinnern: Wir sind alle da – im Nadelöhr. Im Flaschenhals. In der letzten und engsten Enge, bevor die Knospe aufspringt.

Kein Lebewesen kann 365 Tage im Jahr 24/7 volle Power geben. Im Winter pro Nacht 1–2 Stunden mehr im Bett zu verbringen und alles etwas langsamer angehen zu lassen, ist in Ordnung. Lasse dich von der Müdigkeit nicht unterkriegen, aber gib ihr den Raum und die Akzeptanz, die sie verdient.

Während Frühling und Sommer dazu einladen, möglichst viel Zeit draussen zu verbringen, sind Herbst und Winter ideal, um dir Zeit für dich zu nehmen. Welche Indoor-Projekte wolltest du schon lange mal angehen? Ob Bücher lesen, persönliche Ziele verfolgen oder dir einfach mehr Zeit für dich und deine Erholung geben: Nutze die dunkle Jahreszeit, um Kraft zu tanken. Forciere es nicht unnötig schon jetzt alles zu wollen und alles auspowern zu wollen.

Das erste Blümchen, das sich nach draussen wagt ist das Schneeglöckchen. Wenn ich das sehe weiss ich jeweils: Jetzt ist es dann bald soweit: Das Leben geht weiter, blüht wieder auf.

Dein Körper ist noch im Winterschlaf. Gib ihm noch drei Wochen Erholung. Geniesse noch ein bisschen die Stille, die Ruhe und das Warme drinnen. Zünde noch mal alle Kerzen an, schlucke Vitamin D, höre schöne Musik, kaufe einen Blumenstrauss und lies nährende Bücher.

Schon bald wird der Frühling mit seinen explosiven Kräften kommen und den Blues verjagen, dann wirst Du blühen. Versprochen!

Willkommen in der Adlerperspektive!

Von den Schätzen…

Gestern dachte ich über das Thema Verlust nach. Ich ging durch einen einst ganz dichten Wald. Die Bäume lagen wie Mikado-Stäbe kreuz und quer. Teilweise hatte der Sturm sie geholt, teilweise hatte die Motorsäge eingegriffen. Ich fühlte mich traurig, als ich die einst so lebhaft gewachsenen Baumstämme sah.

Unmittelbar davor hatte ich von einem Brand erfahren, der ein Restaurant heimgesucht hatte. Um das Restaurant mache ich mir keine Sorgen. Sie sind versichert, sie werden neu aufbauen und fast immer gibt es bei so einem Neuaufbau dann auch bessere Lösungen, moderner, schöner, frischer und eben neu. Ein Schicksalsschlag, der kaum erwähnenswert ist, man kann es ja einfach wieder aufbauen.

Aber diese Bäume?

Ist das nicht ein wirklicher Verlust? Das einst so schön gelebte Leben?

Wir alle haben mit Verlust zu tun. Tagtäglich verlieren wir etwas. Auch schrittweise unser eigenes Leben.

Welchen Verlust betrauerst Du (noch)?

Was hast Du eingebüsst, hergegeben, was Dir wirklich fehlt?

Wie gehst Du damit um?

Ich selbst bin eine fröhliche Loslasserin. Ich glaube an das Prinzip des Phönix. In der alten griechischen Mythologie muss der Phönix-Vogel in das Feuer fallen, vollkommen verbrennen, als Rauch wieder auferstehen und entsteht dann aus diesem Rauch im neuen Glanz. Ich gebe leichten Herzens her. Ich kann auch gut weggehen wenn etwas nicht mehr passt. Ja, sogar ganz und gar abbrechen, was nicht mehr stimmig ist.

Und doch holt mich manchmal eine Wehmut ein, wenn ich an vergangene Zeiten, Begegnungen, Lieben, Begleiter denke. Dann ertappe ich mich wie ich mich frage: Habe ich das genug wertgeschätzt? Habe ich es genug genossen? War ich genug glücklich, als ich es hatte? Habe ich es voll ausgekostet?

Wie ist es bei Deinem Verlust: Hast Du es genug genossen?

Wertgeschätzt?

Warst Du glücklich, als Du es hattest?

Wenn Du diese drei Fragen mit einem entschiedenen JA beantworten kannst, dann hast Du eigentlich keinen Verlust erlitten, sondern Du hast einen Schatz in Deinem Herzen. Er mag wohl vielleicht nicht mehr physisch hier sein. Aber als liebevolle, dankbare, glückliche Erinnerung „glüht“ das Feuer nachträglich nach.

Solltest Du ein NEIN haben, dann ist es Zeit:

Dich umzusehen: Welche Schätze sind heute in Deinem Leben? Was ist wertvoll?

Was hast Du gerade um Dich, was Du geniessen kannst? Geniesst Du es mit Haut und Haar?

Die Schätze von heute werden die wundervollen Erinnerungen von morgen.

Vielleicht nutzt Du diesen Valentinstag einmal dazu, Dir Deine Schätze aufzuzählen, bewusst zu machen, zu feiern, zu geniessen. Und die ein oder andere Nachricht zu schreiben.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Diesen Blog widme ich meinem wundervollen Begleiter Lavallo. Unvergesslich und immer dankbar und glücklich in meiner Herzensschatzkiste. Und meinen liebsten Menschen, Begegnungen und Dingen, die heute mein Leben begleiten. Na, Ihr wisst schon, wen ich da alles einschliesse….

Faugh a Ballaugh!

Diesen Satz hörte ich in der letzten Woche mit einem jubelnden Herzen. Und es war genau das, was ich brauchte: Es ist die gälische Sprache – und es ist ein Schlachtruf. Er heisst übersetzt:

Macht den Weg frei !

Und auch:

Jetzt kommen wir!

Manchmal brauchen wir so eine Anfeuerung. Jemand, der uns voran treibt. Und uns auch zurück in die eigene Kraft bringt. Ein kämpferisches Wort, das wir mit hoch erhobener Hand rufen können.

Und dann: LOS! Auf geht’s wieder zurück in die eigene Durchsetzungskraft, in die Entschiedenheit, in den Mut und in die eigene Stärke.

Die Iren, die Kelten, hatten legendäre Kämpfe. Mit und gegeneinander. Es ging fast immer um Freiheit. Um das Land. Um ein Weiterbestehen. Um Eigenbestimmung. Um Eroberung.

Wann hast Du das letzte Mal etwas erobert?

Wann hast Du das letzte Mal für etwas gekämpft?

Wann hast Du das letzte Mal die Zähne zusammen gebissen und Dich bewegt?

Ich meine nicht einfach vom Sofa aufgestanden, sondern wirklich bewegt. Auf einem radikalen Weg, sehr sehr weit weg von der Komfortzone?
Wann hast Du das letzte Mal zugebissen, durchgebissen?

Und was brauchst Du, damit Du mit aller Dir eigenen elementaren Kraft für etwas einstehst, Dich vollständig etwas verschreibst und es eroberst?

In der vergangenen Woche bewunderte ich einen ehemaligen Coachee, der Eisschwimmen gemacht hat. Bei Temperaturen um die Gefriergrenze schwamm er 50, 100, 250m – und das auch noch sehr schnell. Weisst Du, wie sich das anfühlt? Hast Du es schon einmal erfahren? Die Kälte beisst den Körper wie Nadeln. Und während der Körper in den Überlebensmodus schaltet, ruft man auch noch eine Leistung von ihm ab. Ein Kampf von David gegen Goliath, den man nur mit messerscharfem Willen und starker mentaler Kraft schafft.

Ich sass begeistert und schaute mir das an. Ein Mensch, der beisst.
Sehr weit weg von dem weichen Selbstmitleid, dem man öfters begegnet. Ein Mensch, der sich selbst überwinden kann und freiwillig aus jedem Rahmen gefallen ist.

Was meinst Du:

Für was könntest Du mit aller Vehemenz und mit jedem Einsatz kämpfen?

Wo hast Du Lust Deine gesamte Energie, Deinen Mut und deine Stärke einzusetzen?

Was brauchst Du, dass Du es auch wirklich tust?

Vielleicht genau das. Schulter an Schulter stehen. Sich schreiend gegenseitig unterstützen. Die Kraft sammeln. Den Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Und dann:

Endlich endlich losrennen zu DEINEM ZIEL!

Warte nicht länger ab. Die Bedingungen werden niemals optimal sein. Du musst Dich focussieren.

Faugh a Ballaugh!

Den Weg frei machen! Jetzt kommst DU!

Willkommen in der Adlerperspektive.

für Beat.