Vom Heimkommen und daheim sein

Vor Jahren las ich einmal in einem Buch: „Alles Weh ist Heimweh“.

Hast Du auch Heimweh?

Und wenn das so ist – wo ist Dein Daheim?

Manchmal braucht es Jahre, Jahrzehnte, um sich irgendwo daheim zu fühlen. Und immer bleibt so eine unbestimmte Sehnsucht. Oder wir haben den Ort, an dem wir daheim waren verloren und sehnen uns zurück.

Eine Frage in meiner Analyse war: Wo fühlt sich Deine Seele zuhause?

Dabei hatte ich mal eine Coachee, die in der Schweiz geboren war mit einem italienischen Vater und einer englischen Mutter. Auf meine Frage antwortete sie: In Afrika. Jahre vorher war sie in einem Austauschjahr in Ghana gewesen und fühlte sich da endlich zugehörig, vertraut, seelenverwandt.

Ich habe auch oft Heimweh. Jahrelang, wenn ich aus dem Süden nach Hamburg reiste, die Bahn durch den Hafen in den Hauptbahnhof fuhr, dann ereilte es mich. Ich bekam immer nur Heimweh, wenn ich zurück kehrte. Ausgelöst über den Duft, die Erinnerungen, die Wetterlage (in dem Fall der Wind), das Meer. Das Meer war es schliesslich, was mir auch Heimweh machte, wenn ich am Strand ankam. Bald wurde es der Nordatlantik der Bretagne, Südengland, Irland. Heute lebe ich in den Bergen. Und habe wieder Heimweh nach dem Meer. Und wenn ich dort bin nach der Schweiz. Heimweh ist so bittersüss, so anheimelnd geborgen, eine schöne Sehnsucht, melancholisch und schmerzlich und schön.

Heimweh zeigt dann auch Verbundenheit und Zusammengehörigkeit und es kann schön und nährend für uns sein. Das Gefühl zuhause, angekommen, willkommen und geborgen, sicher und vielleicht auch ersehnt und erwartet zu sein. Wir können ja auch sagen: Ich bin bei jemandem zuhause. Oder: Ich fühle mich bei Dir zuhause. Und das heisst: Du gehörst zu mir, ich hab dich gerne um mich.

Aber Heimweh heisst auch: Ich bin auch ein bisschen auf der Suche nach mir selbst, weil ich den Ort finden möchte, an dem ich ankommen und bleiben kann.

Ein Ort, an dem Du Dich besonders vertraut fühlst. Vielleicht wegen der Sprache, dem kulturellen Umfeld, dem bekannten Essen, der Sprachmelodie, dem Temperament, den Düften, der Wetterlage, der Vegetation, der Umgangsformen. Vielleicht weil es einfach total richtig für Dich ist und Deine Seele tanzen will, wenn Du dort ankommst.

Wo fühlst Du Dich zuhause?

Was brauchst Du, um Dich zuhause und angekommen zu fühlen?

Welchen Duft?

Welche Farbe?

Welche Typ Menschen?

Welches Essen?

Welche Stimmung?

Welche Geräusche?

Welche Temperatur?

Fühlst Du, wenn Du diese Fragen beantwortet hast, wie einfach „Stay at home“ wäre?

Und wenn Du nicht wohl bist, da wo Du gerade bist, hast Du dann den Mut, nach Hause zu gehen, dahin, wo Dein Herz Dich hin zieht?

Denn „Folge Deinem Herzen“ heisst ja auch: Suche den Ort, an dem Du bleiben magst. Den, der Dich nährt und glücklich macht. An dem Du spürst, dass Du dazu gehörst, wo Du willkommen bist.

Das Thema Daheimsein ist auf eine ganz andere Weise in uns getriggert worden in den letzten Wochen. Jetzt darfst Du einmal heraus fühlen, ob Du gerne daheim bist. Oder ob Du woanders daheim sein magst.

Und zuletzt noch eine kleine Geschichte vom Daheimsein. Mein Hund, ein sibirischer Husky, der auf Zypern zuhause war, ist seit knapp 16 Monaten bei mir. Ich musste ihn, weil er sehr wild ist, immer an der Leine führen. In den letzten Wochen, in denen wir daheim bleiben mussten, sind wir intensiver denn je zusammen gewachsen. Jetzt hat er verstanden, wo und bei wem er daheim ist. Die Leine durfte weichen, er fand allein den Weg nach Hause. Und heute entschlüpfte er mir auf einer Wiese aus dem Hundezaum. Er tanzte wie wild alleine über das Gras, ich rief ihn und öffnete die Arme. Da kam er freudig schwanzwedelnd zu mir gerannt und freute sich, zu mir zu gehören. Das erste Mal. Siehst Du: Angekommen.

Ich wünsche Dir, dass Du Dein Daheimsein geniessen kannst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Vom Loslassen und Finden

Heute Nacht kam der Regen. Lange ersehnt. In riesigen Mengen. Im Tessin fliesst der Regen nicht, er fällt. Sofort gibt es ganze Flüsse durch die bergige

Landschaft und nimmt alles mit, was sich nicht länger festhalten kann, den Staub, die Pollen und abgefallenen Blüten, die restlichen Blätter, bald auch Erdstücke und kleine Steinchen. Alles fliesst bergab. Sammelt sich in kleinen Pfützenseen oder verebbt, so wie heute, denn es ist seit Wochen und Monaten ausgetrocknet gewesen. Das erholsame Wasser versickert und die Erde macht feine Geräusche, wenn sie es aufsaugt. Eigentlich ist es wunderschön.

Das führte mich zum Thema der Woche, ein Thema, das mir letzte Woche so viele Male begegnet ist. Loslassen. Ein schwieriges, weil schmerzhaftes Thema. Ich kenne fast niemanden, der gerne etwas loslässt. Wir verharren alle und halten das, was wir lieben, wollen nicht aufgeben, es nicht hergeben, es nicht opfern.

Aber das Leben bewegt sich und zwingt uns immer wieder loszulassen. Das geht mit dem Loslassen des sicheren Bauchs unserer Mutter los und geht immer weiter. Und immer ist es scheinbar die Sicherheit, die wir loslassen. Die Sicherheit des Krabbelns, die Sicherheit der Hand, an der wir laufen lernen, die Sicherheit des Hauses, wenn wir es verlassen. Später Freundschaften, Umzüge aus der gewohnten Umgebung, Schulwechsel, unsere Unschuld, unser naiver Glaube an den Weihnachtsmann, die Rituale, die geliebten Menschen um uns, wieder Umzüge, Vertrautes wird losgelassen. Manchmal lassen wir mit Lust los, was mir nicht mehr haben möchten. Manchmal entreisst uns das Leben das Unfassbare, das Geschätzte und Geliebte. Eine Aneinanderfolge von Abschieden. Die Hände öffnen sich und lassen los. Der Kopf und das Herz hinkt oft hinterher.

Meinen ersten Blog, Februar 2018, schrieb ich über den Liebeskummer. Das schmerzhafteste Loslassen. Und dann die Abschiede durch den Tod von Menschen nicht zu vergessen.

Diese Tage müssen wir alle, alle viel loslassen. Die gewohnten zauberhaften Rituale, die Umarmungen und Küsse, die Pläne für die nächsten Tage, Wochen, Monate. Die Reisen. Vielleicht auch: Unsere berufliche Existenz. Den kleinen Laden, den wir so gerne mochten. Die vertraute Atmosphäre in unserem Lieblingscafe, unser Wiedersehen mit liebgewonnenen Menschen aus dem Ausland. Die Liste ist lang.

Wie kommen wir zurecht mit diesem Loslassen?

Was tut es mit Dir?

Siehst Du es als Strafe? Als Eingriff in Deinen Lebensplan?

Oder als Neuanfang?

Es ist schwer, neu anzufangen. Es braucht viel Mut und Kraft und Durchhalten und Weitermachen. Wieder aufstehen. Wieder und wieder. Neu anfangen. Neue Pläne, die vielleicht auch nicht aufgehen werden.

In der vergangenen Woche haben mich zwei Menschen schwer beeindruckt. Eine liebe Freundin, die seit Monaten um eine friedliche Lösung gekämpft hat und in der auf der gegnerischen Seite immer neue Spielkarten ins Spiel gebracht wurden, die sie in die Knie zwangen. Da schrieb sie mir: Ich lasse das jetzt total los.

Und mein Bruder, einer, der beruflich Pläne schmiedet und abarbeitet. Ich fragte ihn, wie er mit all der Unsicherheit umgeht, die die momentane Situation bietet, und er antwortete: Ich segle auf Sicht.

Einen Schritt nach dem Anderen. Einen Schritt nach dem Anderen. Wir schauen oft zu weit nach vorne. Wir erwarten Dinge, wie sie sich entwickeln sollen. Wir planen eine chronologische Abfolge, wie etwas gehen muss. Und dann stehen wir plötzlich mit leeren Händen da. Was tut es mit uns?

Ich habe dieses Jahr von allen Plänen den ultimativ schönsten Plan gehabt. Alles wochenlang arrangiert, genügend Mitspieler an Bord, auf die ich mich sehr gefreit habe, die richtige Location gefunden, die Reise geplant, die Spiele vorbereitet. Und dann – puffff – war es weg. Abgesagt, unmöglich, das durch zu führen. Einen Tag habe ich meine Herzenswunde geleckt und dann weiter gelebt. Warum? Weil es keine andere Wahl gibt. Und weil mir mein Loslassen meistens ein sehr viel grösseres Glück brachte.

Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn etwas nicht so geht wie wir es uns vor – gestellt haben. Denn im Sand sehen wir erst recht nichts!

Heben wir also die Augen und schauen auf das, was sich uns bietet, wenn alles weg geflossen ist.

Hier im Tessin: Üppiges Grün. Fruchtbares Land. Neue Blumen. Atmende Erde, die köstlich riecht. Und auf den Gipfeln neue kleine Schneekleckse. Schönheit pur.

Zum Schluss dieses nicht sehr beliebten Themas noch eine Geschichte, die Hoffnung machen soll: Vor vielen Jahren hatte ich eine sehr resolute und selbstbestimmte alte Lady in der Therapie. Eines Tages bekam sie die Diagnose Krebs in weit fortgeschrittenem Zustand. Die Ärzte gaben ihr allenfalls noch ein paar Wochen zu leben. Sie brachte ihre Dinge in Ordnung, veranstaltete eine letzte wilde Party (die Dame war über 80 aber ein Leben lang ein Hippie gewesen). Dann „buchte“ sie ein Ticket ins Jenseits mit Exit. Der freundliche Herr kam mit dem Gift, das sie zu diesem Zeitpunkt gerade noch selbst schlucken konnte. Ihr Sohn war dabei, als sie ihre letzten Worte sprach. Er hat sie mir mit einem Lächeln erzählt. Meine liebe Kundin nahm den Becher in die Hand und bevor sie ihn trank sagte sie: „Jetzt bin ich aber mal gespannt“.

Sei mutig beim Loslassen. Du weisst niemals, was als nächstes passiert.

Vielleicht etwas, mit dem Du nicht rechnen konntest weil Du es nicht gesehen hast. Der Kopf muss eben aus dem Sand gezogen werden.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

loslassen-mentalpower-1

Auf, auf!

Als Kind hörte ich immer: „Fröhliche“ Ostern. Nicht so wie Weihnachten, wenn lieber von „Schöne, gesegnete, frohe“ Weihnachten gesprochen wurde. Ostern war fröhlich, oder wurde wenigstens als solches gewünscht. Es gab auch fröhliche Farben, liebliche Geschenkchen und viel Tamtam. Hinter die Fassade von Ostern habe ich erst später geschaut. Früher dachte ich, es sei ein Frühlingsfest. Mit den Jahren habe ich dann aber die ganze grundlegende Geschichte gehört – die doch eigentlich tragisch ist. (nie werde ich verstehen warum man aus dem Tag der Kreuzigung einen „Feiertag“ gemacht hat)

Wenn man in den keltischen oder schamanischen Kalender sieht, dann ist es tatsächlich ein Frühlingsfest. Und ich mache da mal die Brücke zwischen dem Beginn der lichtvollen Zeit mit allerlei Wachstum, neuem frischen Leben und Blumen und der Auferstehung von den Toten. Die Botschaft ist klar:

Das Leben geht weiter. Das Leben beginnt neu.

Der Frühling und das Wachstum in der Natur lässt sich nicht aufhalten. Die Wärme kommt zurück. Es spriesst überall, die engen Knospen öffnen und entfalten sich, der erste Salat, die ersten essbaren Pflanzen schiessen aus der Erde. Wir essen jetzt gerne Spargeln, die erste Erdbeeren, die Kräuter und den ersten Schnittsalat. Wir wollen das Neue, das Frische, das Zarte. Wir leben auf. Wir beginnen neu.

Ist Dir das einmal so bewusst gewesen wie jetzt, wo endlich mal Zeit dafür ist?

Hast Du Lust auf einen Neuanfang?

Hast Du Lust, Dinge zu verändern, aufzuräumen, auszumisten, Dich leicht zu machen?

Hast Du Lust Dein Konsumverhalten, Deine Ernährung, Deinen Umgang mit den Mitmenschen neu zu überdenken und zu formulieren?

Oder sogar ganz radikal: Einen Neubeginn zu machen? Beruflich, partnerschaftlich, geographisch?

Und. Wirst Du es tun?

Der Frühling, das Osterfest, lädt uns jedes Jahr ein, zu überdenken, wohin die Reise gehen soll. Wohin wollen wir uns entwickeln in diesem Jahr? Was tut uns gut, wovon möchten wir mehr?

Mein schönstes Ostergeschenk war dieses Jahr ein „happy trail“ den mir eine Freundin geschenkt hat. Sie hatte kleine Steine in meiner liebsten Farbe bemalt und mir einen Weg gelegt. Über Stock und Stein durch unsere bergige Landschaft. Auf dem Weg lagen noch Aktivitäts-Steine. An einem mussten wir ein Selfi machen, auf einem anderen musste ich ihr ein Liedchen singen, eine kleine Geschichte erzählen, eine Runde Karten mit ihr spielen, an einer Stelle einen Stein selbst bemalen… So schlängelten wir uns durch die schöne Naturlandschaft gleich hinter unserem Dorf und lachten und erzählten uns schöne Sachen. So einfach, so wunderbar kann ein Miteinander sein!

Der Weg war sehr schmal und zu beiden Seiten steil, nach oben und nach unten und ich musste zudem ja alle meine bemalten Steine einsammeln. Ich sagte einmal: Schau, da ist ja wieder einer! Und sie darauf: Ich wollte doch, dass Du auf dem rechten Weg bleiben kannst.

Die Botschaft traf mich ganz unvermittelt mitten ins Herz: Auf dem richtigen Weg bleiben. Denn „eigentlich“ war und bin ich auf dem richtigen Weg und „fast“ hätte ich mich, von der allgemeinen Panik und Angst in der jetzigen Krise anstecken lassen. Dieses Überangebot an Informationen und die überall zu sehende Angst (Mundschutz beim alleine Autofahren? Hallo Leute?) hat mich fast auch schon gepackt.

Das ist Deine Chance: Überprüfe Deinen Weg, jetzt, wo Du nicht mehr so abgelenkt von Dir und Deinem Leben bist. Verändere den Weg. Oder bleibe. Aber: Schau mal genau hin, nimm Dir Zeit die Dinge anzusehen, reinzuspüren, neu zu entscheiden.

Dafür hast Du jetzt Zeit.

Halleluja, ich habe einen ganzen Blog geschrieben ohne das C – Wort zu benutzen, das man diese Tage jederzeit hört.

Krisen können genau der richtige Moment sein, sich neu zu entscheiden.

Du BIST frei.

Willkommen in der Adlerperspektive.

oster trail

Klar sehen

Du kennst das auch… diese Tage sind wir alle wieder überrascht von dem, was an Informationen auf uns einwirkt.

In den letzten beiden Wochen habe ich zweimal 24 Stunden digitales Detox gemacht. Alle Bildschirme ausgemacht, nichts gelesen und gehört, kein Youtube, keine Whatsapp. Wie erholsam! Stattdessen ging ich in der Natur, die jetzt so herrlich erwacht. Ich traf niemanden auf meinen langen Wegen durch den Wald. Und mein Kopf konnte sich beruhigen.

Die gute Nachricht: Die Welt geht auch weiter, wenn Du Dich ihr einmal entziehst. Was Du aber in dieser Zeit entdecken kannst: Wie geht es Dir ganz persönlich. Was denkst Du? Was glaubst Du? Wie fühlst Du Dich?
Im Moment kursieren so viele Informationen, fake news, Verschwörungstheorien, Mutmacher, Ausweicher, Schönredner, Rebellen, Befürworter, Moralapostel, Befürchtungen, Prognosen. Die ersten Leute flippen schon aus, die ersten Lagerkoller entstehen, andere geniessen es. Die, die immer viel arbeiten müssen, arbeiten jetzt noch mehr, die die nie frei haben, geniessen die Auszeit. Es gibt so viele Wahrheiten wie es Sichtweisen gibt. Ob es ein Fluch oder ein Segen sein wird, kann niemand sagen.

Aber: Im negativen Fall: An Deinen Gedanken leidest nur Du.

Im positiven Fall: An Deinen Gedanken freust Du Dich am meisten.

In diesem Zusammenhang fiel mir ein lustiges Bild in die Hände:

eule

 

Tja, das wusste ich tatsächlich nicht!

Und da dachte ich: Tatsächlich weiss ich eh eigentlich nichts. Ich weiss nicht, was jetzt richtig und was falsch an der Situation ist. Ich weiss nicht ob es gut oder schlecht ist. Ich weiss nicht ob es mir nutzen oder mich ruinieren wird. Ich weiss nicht ob ich schon krank war und jetzt Antikörper habe oder ob ich es noch bekomme und nicht überlebe. Ich weiss nicht, ob ich meine Freunde ausserhalb der Schweiz, meinen Liebsten in Holland, bald wieder sehen kann. Ich weiss nicht, ob ich dieses Jahr noch nach Irland komme. Ich weiss auch nicht ob ich im Atlantik ertrunken wäre wenn ich in Irland wäre… ich weiss eigentlich gar nichts.

Und ich weiss auch nicht, wie es Dir ganz persönlich jetzt geht. Egal, ob Du es mir erzählst. Ich weiss nichts von Deinen tiefsten Befürchtungen, von dem was Du wahr findest und dem, was Du insgeheim denkst. Ich weiss nichts von Schadenfreude in Dir oder Verurteilung, von Anklage oder Trauer oder Genuss. Egal wie viel wir reden. Ich weiss nichts.

Was tun wir also, wenn wir doch sowieso nichts wissen?

Wir lauschen. Nach innen. Wir beobachten – nach innen und nach aussen.
Was macht mich jetzt gerade glücklich?

Was tut mir gut?

Was will ich essen, trinken, hören, lesen, betrachten?

Wie will ich mich bewegen und wohin?

Es geht ums radikale JETZT.

Schau einfach Tag für Tag. Wie geht es Dir?

Gehe einen Schritt nach dem anderen, nicht voreilen, keine Prognosen erhoffen oder befürchten. Einfach einen Schritt nach dem nächsten und atmen.

Wusstest Du, dass die Eule lange Beine hat? Siehst Du, ich auch nicht.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Wetterwechsel

Gestern war ich gerade mit meinem Hund im Wald, als das Wetter wechselte. Wir hatten lange Tage voller Sonne und hohen Temperaturen und der zurück kommende kurze Winter war schon angemeldet. Gegen Nachmittag kam Wind auf, der bald ein lautes Brausen war und die Temperatur fiel sehr schnell. Mein Hund, eben noch frech und fröhlich auf der Jagd nach neuen Düften, kam ganz nah an mich heran und schaute mir in die Augen. Ich konnte ihn beruhigen, alles okay, wir gingen aber sehr langsam zurück und er entfernte sich nicht mehr sehr weit von mir. Der Wetterwechsel hatte ihn beunruhigt und verunsichert.

Wenn ich nach draussen schaue, fällt mir heute nicht nur der Regen auf, sondern auch das, was unser aller Leben im Moment bestimmt. Alles hat sich verändert. Alles hat sich auch – verlangsamt. Es ist still geworden im Aussen und mit ein bisschen Glück auch im Innen.

Stille, Ruhe, Langsamsein das kann Angst oder Unsicherheit auslösen in unserer Zeit. Weil wir es nicht mehr gewohnt sind, inne zu halten. Nach innen zu spüren.

Vielen macht jetzt die mangelnde menschliche, physische Nähe zu schaffen.

Deshalb ist es um so wichtiger jetzt etwas abzurufen, das wir lange verlernt hatten: wirkliche Nähe zu zeigen im Zusammenhalten. Im Gemeinsamen durch diese Zeit gehen. In der Begegnung unserer Blicke. Der Aufmerksamkeit für den anderen. Du kannst auch Briefe und Karten schreiben, Fotos verschicken, Päckchen packen mit Büchern, die Du gelesen hast und weitergeben möchtest. Oder DVD die Du gesehen hast. Oder etwas Selbstgemachtes. Die Post, unsere schöne alte Schneckenpost, arbeitet noch. Es muss nicht immer digital sein.

In meinem Dorf, hier am Ende der Welt, kochen und backen wir füreinander und hängen uns kleine Lieblichkeiten an die Haustüren. Kürzlich hat eine Nachbarin wilde Primeln auf den Feldern ausgestochen, in alte Töpfchen und Tassen gesetzt und einen Zettel daran geheftet: „La vita rifiorirà. Tieni duro! – Das Leben wird wieder blühen. Halte durch“

Sei kreativ. Zeig Nähe. Jetzt hast Du die Chance einen sehr grossen Wetterwechsel mit zu initiieren: Vom Egoismus und Profitdenken hin zur Nächstenliebe, zum Miteinander. Von Einsamsein zur Solidarität. Von Distanz zur Nähe. Von der Ignoranz zum Interesse.

Zeig diese Woche Nähe. Deinen Nachbarn, die Du eigentlich nicht kennst, deinen Arbeitskollegen, die Du vermisst, Deinen Freunden, Deiner Familie und vielleicht sogar Deinen Kunden oder Lieferanten. Zeig, dass Du ein menschliches Wesen bist. Denn wir sitzen alle im selben Boot zur Zeit.

Gemeinsam statt einsam.

In der letzten Woche las ich ein Buch, das mich auf charmante Art an die Manifesten meiner neuen Heimat erinnerte. Ich möchte das gerne mit Euch teilen. Am 1.August 1291 gaben drei Kantonsvertreter einen Schwur ab, der sie zu einer „ewigen Gemeinschaft“ vereinigen sollte.

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern

in keiner Not und trennen und Gefahr

Wir wollen frei sein, wie die Väter waren

eher den Tod, als in der Knechtschaft leben

Wir wollen trauen auf den höchsten Gott –

Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

 

Trauen wir uns also, an der Gute zu glauben. An eine Lösung, an das Licht im Ende des Tunnels.

Und in der Zwischenzeit rücken wir näher zusammen, damit wir vor dem Sturm gewappnet sind.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Rütlischwur

Die Liebeswelle

Bist Du auch schon auf Distanz? Oder in der Nähe?

Soziale Distanz ist ja das Gebot der Stunde. Einigen von uns fällt das sehr schwer, andere geniessen es, einmal nicht verfügbar zu sein.

Soziale Distanz heisst nicht gleichzeitig emotionale Distanz. In diesen Tagen spüren und erleben wir das alle, wie es gehen kann: Einander nah sein ohne die körperliche Nähe. Wie geht es Dir damit?

Das Thema Distanz und Nähe zog sich schon immer durch meine Arbeit als Coach.           In dieser Hinsicht wirklich alle individuell.

Immer wieder habe ich, vor allem in Partnercoachings, fragen dürfen:

Wie viel Nähe brauchst Du?

Wie viel Distanz brauchst Du?

Ich spreche hier nicht von dem, was man „ertragen“ kann als Antwort auf unsere Partner. In meinem Freundeskreis gibt es distanzlose, übergriffige Klammeraffen und total kühle, trockene und distanzierte Menschen. Im Umgang mit ihnen darf ich immer wieder lernen, was ich persönlich brauche. Einmal ist es mir schnell zu viel, im anderen Fall vermisse ich Tiefe und Verbindung. Ganz natürlich fühlt man sich dann zu denen hingezogen, die dem eigenen Wesen entsprechen. Und das kann man nur herausfinden, in dem man sich selbst beobachtet.

Unsere Körpersprache ist die einzige Sprache, die niemals lügen kann. Du kannst, wenn Du Dich darauf konzentrierst, heraus finden, welchem Typ Du entsprichst. Hierzu könnt Ihr googeln: Die „Riemann-Thomann Methode“ zeigt Dir schnell auf, in welche Richtung Du tendierst. Diese Methode aus dem psychologischen Werkzeugkasten gibt Dir gute Einsichten.

Riemann

Und unabhängig von den psychologischen Mustern geht es diese Tage um das Distanzieren. Wir werden alle aufgerufen, soziale Distanz zu nehmen. Zur gleichen Zeit – und das ist ein Phänomen! – habe ich noch nie so viel Nähe erlebt wie gerade jetzt.              Du hast sicher die Rede von Frau Merkel gesehen. Hat sie Dich berührt? Im Netz gibt es zudem Aufrufe von Menschen, die ein kleines Business betreiben, eine Bäckerei, einen gastronomischen Betrieb und die jetzt ihre Lage darstellen. Ich habe noch nie, wirklich, in meinem schon so langen Leben noch nie, so viel Solidarität gesehen und gespürt wie gerade jetzt. Das ist stark. Und das hilft uns allen beim Überleben!

Auch in meiner Mailbox, per Telefon und im Smartphone bekomme ich viel Liebe, Wertschätzung, Hilfsangebote, Zuspruch und gute Wünsche.

Geht es Dir auch so?

Gibst Du das auch weiter?

In der Zeit der sozialen Distanz kann uns deutlich bewusst werden, wie viel wir einander bedeuten. Starte eine Liebeswelle! Sei in dieser Zeit einmal ganz besonders „berührbar“. Und „berühre“ Du selbst mit deinen Worten, mit Deiner Aufmerksamkeit und deinem Da-Sein.

Nach der Krise wird die Welt eine andere sein. So oder so. Wähle: Was möchtest Du dann erleben? Wie viel Nähe möchtest Du zu denen haben, deren Weiterleben unter Umständen auf dem Spiel stand?

Wie willst Du weiter durch die Welt gehen?

Nah – oder distanziert?

Wir alle sind soziale Wesen. Ich behaupte: Die Suche nach Distanz ist immer nur der klägliche Versuch etwas auszuweichen, sich nicht einzulassen, ein angstvolles Zurückweichen. In unserem Herz sind wir alle: Liebe.

Starte diese Woche einmal eine riesige Liebeswelle. Sag den Menschen, was sie Dir bedeuten. Das ist Deine Chance.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Post widme ich Jolanda und Diana. Sie tragen ihr Herz schon immer ganz selbstverständlich auf der Zunge. Und ich bewundere das sehr.

Gut genug

Letzte Woche traf ich nach Jahren eine wundervolle Frau wieder. Sie ist Unternehmerin und sehr erfolgreich, gut bekannt und auch geschätzt. Es war lange her, dass ich sie gesehen hatte. Aus meinen Coachingstunden mit ihr wusste ich, wie viel Wert sie auf eine gute Figur legt und wie gesund sie lebt und trainiert. Ich war ein bisschen nervös vor dem Treffen. Sie kam ganz ohne Attitüde und völlig lässig, war wie immer gertenschlank und attraktiv.

Als sie sich einen Cappuccino und ein „leeres“ Brötchen bestellte musste ich schmunzeln und dachte: daran sollte ich mir ein Beispiel nehmen. Und dann kam der Überraschungsmoment. Als der Cappuccino da war, öffnete sie zu meinem Erstaunen eins der Zuckertütchen, rieselte es auf ihren Kaffeelöffel und bedeckte den Löffel mit Schaum. Dann schob sie den Löffel in den Mund und feierte das Knistern und die Süsse, als sie den Zucker genüsslich zerkaute.

Es war nur ein Detail. Aber mit so viel Selbstverständlichkeit und ungekünsteltem Spass gepaart, war es für mich einer der besten Momente der Woche.

Auch im Gespräch gab es nachher viel Inspiration. Inzwischen sind fast 10 Jahre vergangen, dass sie in meinem Coaching war, aber wir konnten problemlos wieder anknüpfen und lachen und verbal Pingpong spielen. Ein Vergnügen.

Mit einer der Aussagen traf sie dann ins Schwarze.

Mit einigen privaten und beruflichen Dingen waren wir schnell beim „Glücklichsein“ angelangt. Und sie sagte, klar würde nicht alles immer nur rund laufen, es gäbe immer Luft nach oben aber manchmal wäre „good enough“ eben auch genug.

Gut genug!

Sie selbst: gut genug. Die beruflichen und privaten Belange: gut genug.

Sie hat mir gezeigt, dass „gut genug“ eben auch manchmal genug ist. Und sie hat mich damit inspiriert, diesen Beitrag zu schreiben.

Wann ist es für Dich mal „gut genug“?

Können wir in einer Welt, in der wir immer nur nach dem Besten streben, auch einfach mal sagen: DAS reicht jetzt, so kann das bleiben? Es muss sich nicht noch mehr verbessern? Es darf auch einfach mal genügen?

Wenn man mit jemandem zusammen sitzt und zu einem feinen Essen eingeladen ist und der Gastgeber Dich fragt, ob Du noch ein weiteres Stück Kuchen oder noch einen Kaffee oder noch einen Schluck Prosecco möchtest, dann sagen wir ja auch gerne: Nein danke, ich habe genug.

Genug haben ist doch auch sehr entspannend. Das heisst doch auch: Ich bin satt. Ich bin vollständig umsorgt. Ich brauche nicht noch mehr davon.

Ich sage manchmal: Heute habe ich genug geredet. Das heisst dann auch: Ich habe genug zugehört, ich habe genug dazu gesagt. Jedes Mehr wäre jetzt zu viel.

Wie oft sind wir genügsam?
Wann hast Du genug?

Kannst Du die Entspannung spüren, wenn Du sagst: Danke, ich habe genug davon?

Im Gespräch mit der Unternehmerin sagte sie das so wunderbar: Es ist gut genug. Es ist ausreichend und ich kann es so nehmen wie es ist.

Das Treffen war für mich in jeder Hinsicht ein riesiger Gewinn denn an diesem Tag und auch an den nächsten Tagen sah ich Dinge mit anderen Augen und sagte immer: Good enough.

Das Erreichen meiner Ziele im Coaching: gut genug.

Mein Intervenieren bei einer Krise: gut genug.

Meine Zwischenziele: gut genug.

Mein Auto: gut genug.

Meine geographische Heimat: gut genug.

Sogar mein Kontostand: gut genug.

Ich selbst: sowieso gut genug.

Wann ist es für Dich genug?

Ich meine damit nicht, dass Du nicht weiter streben kannst. Oder Dein Potential nicht ausreizen solltest.
Nur: einfach mal durchatmen und sagen: Ach. Gut genug! Alles da was ich brauche!

Ich wünsche Dir eine entspannende Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Dieser Blog ist für F. mit Dank für zwei vergnügliche Stunden.

 

PPS. ich habe bewusst keinerlei Bezug auf die Coronakrise genommen. Darüber sprechen genug Menschen und es gibt genug Meinungen und Theorien und ganz ehrlich: Ich hab genug von dem Thema.

 

Herz über Hirn

Diese Tage bekam ich einmal die Frage, ob ich denn mein Hirn nicht benutze?

Es war provokativ gemeint und ich liebe provokative Fragen. Auch wenn es mich im Moment wütend macht.

Ich dachte nach: Wie oft habe ich in den letzten Jahren bei wichtigen Entscheidungen mein Hirn benutzt?

Nun, ich mag mein Hirn. Es ist schlau. Es gibt mir Lösungen, es kann brillant sein, es kann gut analysieren und berät mich meistens bestens, es hat viel gespeichert (auch das was ich nicht mehr brauche), es lässt mich bisweilen sogar amüsiert zurück, wenn es Dinge tausend Mal in verschiedenen Variationen „durchgedacht“ hat. Aber ich glaube nicht, dass ich es je (ich kann mich irren) für eine Entscheidung benutzt habe. Und auch finanziell, oder man sagt ja lieber betriebswirtschaftlich, ist mein Herz ein wirklich schlechter Berater.

Zurück denkend meine ich, dass ich in meinem Leben wirklich sehr viel bezahlt habe, für die Entscheidungen, die ich nur mit dem Herzen getroffen habe. Aus dem Stehgreif könnte ich etliche aufzählen. Mein Herz ist grosszügig, es ist solidarisch, es ist mitfühlend und verständnisvoll, es ist zugewandt und freundlich – und mein Hirn hält es für dumm.

Wie oft hast Du Dich mit dem Herzen entschieden?

Und wie oft mit dem Hirn?

Kannst Du Dir die „Dummheit“ Deines Herzens verzeihen?

Schau, was passiert, wenn Du da mal reintauchst: Wann hast Du das letzte Mal Dein Herz statt dem Hirn gefragt und bist dabei scheinbar krass gescheitert?

Und was macht es mit Dir?

Unserem Herzen folgen heisst aber auch, dem unbequemen Weg folgen. Eben für das einstehen, was wir für richtig fühlen. Auch dann, genau dann, wenn Gegenwind kommt. Auch dann, wenn Gefahr in Verzug ist. Auch dann, wenn es uns etwas kostet.

Es kostet – viel MUT! – dem eigenen Herzen zu folgen.

Die allermeisten Menschen würden uns davon abraten. Und sich still danach sehnen, es selbst zu tun.

Ich ging ein bisschen schwanger damit, einen Tag, vielleicht zwei, ob mein Herz wohl dumm ist. Weil es mich ja in viele Situationen bringt, die ich sehr teuer bezahlen muss. Nach wie vor.

Und erinnerte mich auch an zwei wundervolle Frauen, die ihrem Herzen gefolgt sind und damit emotional in eine katastrophale Lage kamen.
Darf man dann sagen: Ich mache mal wieder zu? Verschliesse mein Herz?

Wären wir besser beraten dem Herzen oder dem Hirn zu folgen?

Diesen Blogg kann ich nicht mit einem Rat beenden. Ich weiss nicht, was richtig ist. Jeder und Jede kann das nur für sich selbst entscheiden.

Folgst DU Deinem Herzen?

Und wenn ja, wohin führt es Dich?

Folgst DU Deinem Hirn?

Und wenn ja, kannst Du damit Deine Sehnsucht betäuben?

Nein, es gibt nicht gemeinsam Herz und Hirn für Entscheidungen. Das kann mir keiner erzählen.

Hier noch eine kleine Anekdote. Vor etwa 12 Jahren coachte ich einen wunderbaren, feinen, sanften, herrlich extrovertierten und unterhaltsamen Holländer. Er war ein Händler, ein Verkäufer. Aber diese Jagd nach dem nächsten Erfolg hatte ihn viele wichtige Dinge in seinem Leben vergessen lassen. Eines Tages wollte sein Produzent ihm noch mehr Arbeit anbieten und er lehnte ab. Der Produzent war fassungslos aber mein Coachee sagte: „Eines Tages mein Freund, wirst Du reich sterben. Und ich: glücklich.“

Als kleines Amüsement habe ich gestern einen Zeitungsartikel entdeckt, dessen Titel war: DER BESTE FEHLER MEINES LEBENS.

Und nun, nochmals: Folgst DU Deinem Herzen?

Wie auch immer Du Dich entscheidest: Sei glücklich damit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Das Dumme Herz

 

Bist Du Kind, ist es geschätzt, geliebt, gern gesehen.

Erwachsene trinken sich an seiner Wärme satt.

  Aber ach, für diese Welt ist es so verkehrt,

deshalb wird es erzogen sich zurückzuziehen.

Auch Schmerz bringt es dazu sich zu schliessen.

In dieser Welt wird Kopf begrüsst, gefördert, geachtet.

Der Mangel an Herz wird mit noch mehr Kopf ausgeglichen.

  Der Schmerz wird verdrängt, betäubt, verleugnet.

Meist vergisst man auch woher dieser Schmerz kommt.

  In dieser Welt heisst es zu funktionieren.

Funktionieren heisst Leisten, Leisten heisst wertvoll zu sein.

Misstrauen, Angst vor Verletzung, Sorge als dumm zu erscheinen;

verhüllt durch Wichtigtuerei und Machtgehabe.

Das Herz wird verlacht, ins Lächerliche gezogen, als naiv verschrien.

  Ein Ausdruck des Herzens ist die Liebe.

Doch das Herz ist geschlossen, der Kopf offen und geübt.

  Perfekt, wem gelingt die Liebe im Kopf zu leben.

Die Welt ist entzückt, macht sie doch gute Geschäfte.

  Viel besungene Liebe, von jedem anders definiert.

Jeder fordert sie vom anderen, lässt sie sich beweisen.

 Mit jeder Enttäuschung wächst der Schmerz.

Liebe wird als Illusion erkannt und das Herz ist zugemauert.

  Einzig die Mutterliebe ist in dieser Welt toleriert,

von manchem auch geachtet.

Hier ist die bedingungslose Liebe manchmal noch erkennbar.

Ein lebendiges, offenes Herz schlägt voller Liebe –

Liebe, die nichts fordert, nichts beweisen muss.

Ein vermauertes Herz kann dies nicht begreifen.

Angst verhindert das notwendige Vertrauen.

Vertrauen in sich selbst und in Andere.

   

Das Herz, als dumm verkannt, ist der Schlüssel zu Deiner Wirklichkeit.

(C.W.)

Was uns Halt gibt…

Hast Du eine schöne und stabile Familie? Hattest Du in Deiner geborgenen Kindheit die Chance, Dein Urvertrauen aufzubauen? Haben Deine Eltern Dich gefördert und nur Deinem Wesen entsprechend gefordert? Wurdest Du mit wertvollen Werten erzogen? Bist Du heute in Dir selbst ruhend, fühlst Dich sicher und in Dir selbst vertrauensvoll?

Dann bist Du wohl ein Glückskind!

So viele Menschen, die ich kenne und auch beruflich getroffen habe, haben das vermisst: Eine schöne Kindheit. Eine Familie, die Halt gab und heute noch gibt.

Es ist die Mehrzahl der Menschen, die ihre Wurzeln nicht aus der Herkunft ziehen…

Moment mal, ist das wahr?

Kannst Du Dir für einen Moment einen Baum visualisieren? Seine Wurzeln?

Siehst Du, dass seine Wurzeln etwas ganz Eigenes sind? Dieser Baum hat sich in die Erde gegraben und dort dicke und feine Schlingen ausgelegt, um seinen Wachstum nach oben zu stabilisieren. Da half niemand, ausser vielleicht die Elemente.

Der Baum ist stabil aus eigener Kraft. Weil er sich verankert hat. Weil er nach unten und nach oben gewachsen ist.

Dies kann aus zweierlei Hinsichten beim Menschen entstehen: Uns wurde gut zu geredet, wir wurden unterstützt und gepflegt, bestärkt und motiviert.

Oder wir haben genau das Gegenteil erlebt: Wir wurden verunsichert, nicht gut behandelt, waren im Mangel, wurden immer wieder desillusioniert oder enttäuscht und manchmal sogar gebrochen.

Meine Erfahrung als Coach hat mir gezeigt, dass Kinder aus schwierigen oder lieblosen Familien oft starke und feste Wurzeln ausgebildet haben. Sie hatten keine Wahl: Entweder sie gehen unter, oder sie finden zu einem stärkeren Stand. Genau diese Menschen hatten felsenfeste Überzeugungen, feste, unverrückbare Werte, Durchhaltevermögen, Mut, Wut und Willen.

Wenn der Wind dann kam, waren diese „Bäume“ bereits sturmerprobt. Sie wussten sich vielleicht nicht immer zu wehren, aber sie blieben stehen, knickten nicht ein, waren kräftig genug um sich auf sich selbst und ihre eigene Stabilität zu konzentrieren.

Wie sind Deine Wurzeln ausgeprägt?

Zu was kommst Du zurück, wenn alles verloren scheint?

Auf was kannst Du immer wieder aufbauen?

Woran glaubst Du?

Was gibt Dir Halt?

Sich einmal mit diesen Fragen auseinander zu setzen gibt schnell wieder Ruhe und Kraft. Spüre, wie sehr Du verankert bist: In Deinen Werten, in Deinen Erfolgen, in Deinem Herz. Wenn Du das kannst, dann kann der Wind weit oben in der Krone spielen wie er will: Dann fällst Du nicht um, sondern wirst höchstens ein bisschen „seekrank“ vom Schaukeln.

Mensch, stabilisiere Dich! Auch gerade in diesen hysterischen Tagen, in denen alle Angst vor einem Virus haben, der medial in die höchsten Höhen dramatisiert wird.

Denke daran: WAS GIBT DIR HALT?

Bleib da! Der Wind wird Dich nicht umblasen.

Hier noch ein wunderschönes Bild aus Jersey: Auf einem alten Friedhof dort steht eine Eiche, deren Alter auf 300-400 Jahre geschätzt wird. Der riesige Baum streckt seine gewaltigen Äste, die alle selbst dick wie Bäume sind, in alle Richtungen. Steht man am Baum kann man eine wohltuende Ruhe, Stärke und Gelassenheit spüren. Seit Jahrhunderten bezieht dieser Baum sein Grundwasser aus dem Friedhof. Seine Wurzeln haben inzwischen viele viele Menschen „eingeatmet“. Und das spürt man auch: Dieser Baum wird niemals fallen. Er steht wie ein Monument. Er ist stark. Er widersteht jedem Sturm. Ein Stück Leben für die Ewigkeit.

Besinne Dich auf Deinen Halt. Deine Wurzeln. Du hast sie alle selbst gemacht.

Willkommen in der Adlerperspektive.

IMG_3465

Schwerelos

Fühlst Du sie auch manchmal, die schwere Zeit?

Hast Du es auch aktuell gerade schwer?

Wir alle laufen hin und wieder mit einem Rucksack durchs Leben, der voller Steine ist. Das Komische daran: Wir haben ihn uns selbst aufgeladen. Tragen ihn mitunter sogar stolz und meinen, das gehöre sich so.

Sorgen sind im Rucksack, Befürchtungen, Pflichten, Schuldgefühle, Bedenken, Dinge, die wir meinen tun zu müssen. Zweifel, Zögern, Widerstände, Traurigkeiten, Erwartungsdruck und Angst.

Meistens ist der Rucksack gefüllt, weil wir meinen, das mit uns herum tragen zu müssen. Und dann gibt es noch die, die sich von anderen den Rucksack füllen lassen. Die freiwillig des Anderen Last (mit-) tragen.

Wir alle glauben noch daran, dass es uns adelt, wenn wir durch „schwere Zeiten“ gehen und sie aushalten und überwinden, meistens sind wir stolz darauf, wenn wir die Schwierigkeiten überwunden oder so lange mit ihnen gelebt haben. Auch so ein Glaubenssatz: Wenn ich es schwer habe und trotzdem weiter mache, dann bin ich edel und zeige meine Stärke. Die Schwere mit tragen, das wird uns als menschliche Tugend verkauft.

Kein Wunder wird dann der eigene Gang schwer. Das Leben scheint schwer. Die Entscheidungen scheinen schwer.

Und wenn Du das Ding einfach mal absetzt? Ausleerst?

Hast Du die Chance, Dein Herz einem anderen mal auszuschütten?

Aufzuräumen, loszulassen?

Vor allem aber zu fragen:

Was macht mich jetzt gerade so schwer?

Als Coach darf ich Dir sagen: In fast allen Fällen ist die Last im Rucksack nur

ein grosser Haufen Gedanken. Eine ganze Menge selbst auferlegter Glaubens- Muster (ich bin dafür verantwortlich, ich muss doch, ich sollte noch, ich habe die moralische Pflicht).

Kannst Du mal hinterfragen was Du wirklich MUSST?

IST DAS WAHR?

Gerne empfehle ich in solche Fällen die Arbeit von Byron Katie.

Wie kein anderer schafft es Byron Katie, Dir klar zu machen, dass es vor allem die Gedanken sind, an denen Du leidest. Meist sind die Katastrophen niemals eingetreten, vor denen wir so lange Angst hatten, die wir mit uns herum geschleppt haben. Meist sind die Pflichten, die wir haben, gar nicht so drückend, werden gar nicht alle von uns erwartet.

Selbst wenn es jemand von uns erwartet, dies oder das zu tun, dürfen wir uns fragen:

Will ich das eigentlich (mit-)tragen?

Damit meine ich keineswegs dass wir alle egoistische Menschen werden sollen, die nichts mittragen sollen, wenn es denn wirklich nötig ist.

In unserem Rucksack aber ist auch oft viel Schrott, der einfach mal angeschaut und mitgeteilt werden muss, damit wir ihn nicht mehr zwanghaft verdrängen – und weitertragen.

Sich einem anderen ausschütten wie eine Insel – das ist auch Boden, auf dem wir stehen können. Und dann – vielleicht – erleichtert weiter gehen, weil es einfach mal gesagt worden ist. Ich kenne die schweren Zeiten auch. Meine hiessen: Verschweigen. Ich habe meine Abscheu, meinen Ekel, meine Wut, die Ungerechtigkeiten, die Kränkungen, meine Ablehnung oft in meinem Leben verschwiegen, es wurde tonnenschwer, dieser verdammte Rucksack. Und dann: Habe ich mir erlaubt alles „aus – zu – spucken“. Mit viel Glück hatte ich einen stabilen wunderbaren liebenden Menschen vor mir, der mir die Spuckschale hielt und damit auch gezeigt hat: Ich höre Dir jetzt mal zu und halte das alles aus.

Denn seien wir mal ganz ehrlich: Wir schütten einem anderen nicht das Herz aus. Sondern die Last aus dem Rucksack. Vieles darf dann gemeinsam

ent – sorgt werden.

Willst Du Deine Schwere los sein?

Kannst Du sie los lassen?

Damit Du wieder frei atmen, tanzen, rennen kannst?

Ein kleiner Trick um einen Anfang zu machen: Suche Dir ein SPA in der Nähe, ein Thermalbad. Lege Dich eine Stunde oder mehr in warmes Salzwasser. Lass Dich „floaten“. Spüre die Schwerelosigkeit. Spüre wie gut es tut.

Und dann: Lass den Rucksack los.

Jetzt kannst Du fliegen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

(diese Adlerperspektive widme ich der mutigen Daniela. Volle Kraft voraus!)

 

katie