Ver-rückt oder norm-al(l)?

Die letzte Woche war ich mal wieder mit dem Mainstream konfrontiert. Wie immer, wenn ich damit berührt werde, bin ich nicht nur irritiert sondern auch irgendwie frustriert. Unser „Google“ im Kopf, der immer die gleichen Fragen mit immer den gleichen Antworten bekommt. Die aktuelle Mode, die endlos kopiert und stets flächendeckend getragen wird, egal ob Alter und Figur dazu passt. Und ja, leider, auch Halbwahrheiten die wiederholt und geglaubt und wieder zu Boden diskutiert werden, auch wenn das Ergebnis den eigenen Horizont nicht erweitert, weil es keine neuen Erkenntnisse gibt…

Puh – Mainstream ist so anstrengend. Und doch will jeder dazu gehören, mitspielen, dabei sein, nicht auffallen, attraktiv das gleiche Bild abgeben wie andere.

Wie wohltuend finde ich Menschen mit eigenen Gedanken, mit Vorlieben die schwer nachvollziehbar sind, mit überraschenden Aussagen oder Fragen und Frechheiten, mit Eigen-Sinn und Menschen die ausbrechen, ihren eigenen Standpunkt haben, die geschmeidig und biegsam und tänzerisch durchs Leben gehen.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein herrliches Wort ein: Chuzpe. Es ist ein jiddisches/hebräisches Wort und beschreibt eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit

Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt dabei die Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit.

Wie herrlich wenn mir ein Mensch etwas Verrücktes erzählt das er getan, erlebt oder gesagt hat! Und wie viel Spass habe ich dabei, Menschen mit einer frechen Dreistigkeit aber auch kreativen Spontanität zu provozieren. Ich liebe es, wenn Menschen verrückt sind! Raus gefallen aus den Schienen, heraus gesprungen aus den normalen Bahnen des Lebens.

Macht doch einfach was Ihr wollt!

Zu gerne würde ich einer Menschenmenge, wie ich sie oft im edlen Zürcher Etablissement gesehen habe, mal provozierende Fragen stellen. Einfach verrückte, impulsive, spontane, heraus-fordernde Fragen, die die Menschen dazu bringen zu überdenken, ob sie wirklich blind dem Mainstream folgen oder sich ver- rücken wollen um zu Neuem zu kommen, was viel mehr ihrem Wesen entspricht.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine herrliche junge Coacheefrau, eine kreative eigensinnige Göttin, die vor vielen Jahren auf meinem „heissen Stuhl“ sass und mich bat, ich solle ihr doch zeigen wie sie ihr Leben „wieder auf die Reihe bringen soll“ … ich nahm eine Holzkugelbahn heraus, legte einige Glaskugeln in die Schiene und stiess sie mit enervierender Langsamkeit in der Reihe durch die vorgefertigten Bahnen. „Willst Du das wirklich, in der Reihe tanzen?“ Wir bekamen statt einer Antwort einen Lachflash und die Kugeln schossen durchs Zimmer. (Danke Muluc, noch immer eine köstliche Erinnerung)

Tanzt doch mal aus der Reihe, diese Woche. Macht Kapriolen. Geht rückwärts, benutzt mal die andere Hand zum Zähneputzen, duscht eiskalt, schlaft anders herum im Bett, macht den Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag, setzt Euch eine rote Clownsnase auf und schaut Euch im Spiegel an. Reiht Worte aneinander, die nicht zusammen gehören, brecht mal aus, aus dem Einerlei, dem Mainstream, der Gemütlichkeit. GO WILD.

Das wahre Leben – ist nur für die Ver – rückten!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Endliche und das Unendliche

Wenn Menschen sich dem Prozess des Adlercoachings stellen, in einem Coaching auf Jersey, gibt es einen Moment „für die Ewigkeit“. Am letzten Tag, wenn alle, zum Teil sehr schweren Schritte, gegangen sind, wenn alles heraus gearbeitet wurde, alle Dämonen bei den Hörnern gepackt und ausgemerzt, alles Wichtige gefunden und formuliert, alles in die mentalen Bahnen geleitet wurde, dann gibt es diesen Moment, an dem die Coachees an der Klippe stehen. Sie schauen auf das offene Meer Richtung Norden und sprechen laut und deutlich ihre Wahrheit. Manche schreien, manche sprechen. Aber immer ist es: Dieser EINE Moment, der sich nicht wiederholen lässt. Denn der Weg dahin ist es, der den Moment so kostbar macht.

Ich erinnere mich an einen solche Moment, der nach der „Adlerrede“ stattfand. Ich sass mit einem Coachee auf einer schwindelerregend hohen Klippe beim Sonnenuntergang. Es war still bis auf die Windgeräusche, das Meer brauste unter uns. Hinter uns die Insel, vor uns die unendliche Weite des Meeres. Wir hatten eine lange und beschwerliche gemeinsame Coachingreise gemacht. Und auf eine besonders magische Weise wurde uns bewusst: Alles was wir erlebt hatten in unserem gesamten Leben hatte uns hier her geführt. Ganz unabhängig voneinander wurde uns, jedem einzeln von uns, bewusst, wie gross diese Lebensreise war. Und wie zauberhaft, dass wir heute, jetzt, hier sitzen konnten, auf einer kleinen Insel im Ärmelkanal in der unendlichen Weite des Kosmos. In unseren Berufen, in unseren Rollen füreinander. Ganz und gar unwahrscheinlich, sich so einen Moment auszumalen als wir klein waren und in komplett konträren Leben aufgewachsen waren. Ich musste schmunzeln denn als ich das erkannte, sagte er zu mir nur genau das: „Maren! Wer hätte das gedacht!“

(in diesem Sinne einen liebe Gruss an L.)

Da war er – der Moment der Unendlichkeit. Denn wenn wir die Fülle anschauen können, die uns unser Leben geboten hat, die kleinen und grossen wegweisenden Abzweigungen, die Fehler und die Benefits, die Geschenke und die Verluste, das Scheitern und das Siegen, die Begegnungen und Fügungen…. dann ist es das, was unser Leben ausmacht und jeder einzelne Schritt hat seine Folgerichtigkeit. Die Unendlichkeit ergibt sich dann, wenn wir sehen, wie wenig Einfluss wir im Grunde auf das Endergebnis haben. Wie alles einfach so geschieht wie es richtig zu sein scheint. Wie eins zum anderen führt ohne dass wir vorher das Andere kennen.

Wenn ich heute zurückschaue, bin ich nur am Staunen darüber, wohin das Leben mich geführt hat. Geht es Dir nicht auch so, dass man das Wunder erkennen kann, wenn man imaginär auch nur einen Erzählstrang verändern würde?

Beginne so: Wenn ich diese Person nicht kennengelernt hätte … dann wäre ich nie an diesem Ort gewesen, hätte diese Verbindung nicht gefunden, hätte diese Entscheidung nicht getroffen, hätte dieses nicht verloren und dieses nicht gefunden….

Alles was wir jemals verloren oder aufgegeben haben hat zu etwas Neuem geführt, alles was wir jemals bekommen haben, hat einen Verlust UND ein Geschenk beinhaltet.

Wenn Du, ähnlich einem Schnittmuster oder einer Wegbeschreibung, Deinem Weg noch einmal folgen kannst, dann siehst Du viele solche Wendepunkte, viele solcher glücklicher Zufälle. Und auch Momente, an denen Du dachtest: Das kann ich nicht verkraften. Und dann bist Du mit neuer Kraft wieder auf den Weg gegangen. Und hast an der nächsten Stelle eine Wegbiegung gefunden, die Dich woanders hin brachte, vielleicht an einen Ort, den Du nicht für möglich gehalten hättest.

Plötzlich werden dann Verluste und schwere Schicksalsschläge zu Geschenken, zu Umkehrmomenten, zum Wachrütteln, zum Treibstoff für zukünftige Taten.

Dieser Moment also, damals auf der Klippe, da spürte ich: Das Endliche (denn diesen Weg mit diesem Coachee wird es nie mehr so geben und kann nie mehr gleich erlebt werden) und das Unendliche, die Erkenntnis, dass das Leben nicht anhält, sondern uns stets an neue Momente, neue wunderbare Plätze und zu neuen Wundern führen wird. Das Leben ist immer FÜR uns.

Wohin wird unser Weg uns wohl noch führen?

Das Leben ist jeden Tag neu. Und dann in der Retrospektive irgendwann: Richtig und gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ernten und Hygge feiern

Die letzte Kastanien gesammelt, das Holz für den Winter im Keller gestapelt, kistenweise Kerzen angeschleppt und jetzt geht’s los mit Kochen, Backen, Zusammensitzen, die dunkle Zeit mit Licht und Wärme füllen. So beginnen wir nach diesem ewigen Sommer den Herbst. Endlich Regen, Kälte, Winde, wir ziehen uns nach Innen zurück. Der November steht vor der Tür, für viele kein willkommener Monat, Nebelschwaden, feuchtkaltes Wetter, Blätter von den Bäumen und lange Dunkelheit.

Aber jetzt ist „Hygge“ angesagt. „Hygge“ hat seinen Ursprung nicht in der dänischen Sprache, sondern in der norwegischen, in der der Begriff so etwas wie „das Wohlbefinden“ bedeutet. Der Begriff tauchte erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der dänischen Schriftsprache auf und seitdem haben die Dänen sich den Begriff zu eigen gemacht. Das Gute an „Hygge“ ist, dass es sich in alle Kontexte integrieren lässt. „Hygge“ ist inzwischen ein Kernbestandteil der dänischen Tradition. Im Wesentlichen ist „Hygge“ eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens mit netten Leuten zusammen genießt. Das warme Licht der Kerzen ist „Hygge“. Freunde und Familie gehören auch zur „Hygge“. Und nicht zu vergessen das Essen und Trinken – das heisst für Dänen am liebsten mehrere Stunden am Tisch zu sitzen und sich gemeinsam mit den größeren und kleineren Dingen des Lebens auseinanderzusetzen.

Wenn wir Glück haben, dann ist der jetzt schlagartig beginnende Herbst und bald schon Winter etwas Schönes für uns. Dann machen wir es uns gemütlich und geniessen. Gehen in die Innenschau, beschäftigen uns wieder mit dem Innenleben. Der Herbst ist eine Saison, in der geerntet und die Ernte gefeiert wird.

Wie sieht es mit Deinem Resümee dieses Jahres aus?

Was hast Du dazu gewonnen, was gelernt und neu erkannt?

Welche Weichen haben sich gestellt oder hast Du gestellt?

Hast Du es gut genutzt und gelebt, dieses Jahr?

In den letzten Wochen hörte ich mich öfters nicht gut über 2018 reden und hätte es gerne schneller beendet, ohne die noch verbleibenden 8 Wochen abzuwarten. Und dann ging es mir plötzlich selbst auf die Nerven, dieses Jahr so pauschal als schlechtes Jahr abzubuchen. Ich holte meine Agenda heraus und schrieb eine Liste, was in diesem Jahr alles Wunderbare geschehen ist und wen ich Wunderbares neu kennengelernt oder auch freundlich begleitet habe diese Jahr. Und siehe da: Das Jahr war voller Schätze!

Einen grossen Schatz bekam ich in der vergangenen Woche als „good news“ geschenkt. Das war dann mal eine kleine Krönung auf meiner Glücksagenda. Vielleicht kommen noch ein paar mehr! Es sind doch NOCH 8 Wochen Zeit!

Mach doch dieses hyggelige Herbstvergnügen: Eine Kerze anzünden, feinen Tee kochen und etwas Leckeres zum Essen dazu. Ein leeres weisses Blatt und einen liebsten Stift und dann: Ernte einfahren!

Was war toll an diesem Jahr?

Was hast Du geerntet?

Für was bist Du wirklich dankbar diesem Jahr 2018?

Na also! Das nährt Dich in der dunklen Zeit, die nun kommt.

Feire das Leben, Jetzt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

Storytelling

Dieses Wochenende war ich in einem äusserst inspirierenden und enorm bereichernden Seminar über die Kraft der biografischen Geschichte. Es ging zwar um schriftstellerische Technik, Struktur und stilistische Finessen, aber es war auch voller Poesie, Wortkunst und – Geschichten. Ich sass und lauschte und war beglückt über die vielen Mikroteilchen von Lebensgeschichten, die ich vor meinem inneren Auge abspulen lassen durfte wie kleine Filme aus längst vergessener Zeit.

Hier war er wieder, der Zauber der Geschichten. Ich habe Geschichten immer geliebt, das Erzählen aber auch das Lesen, das Sehen und das Hören von Geschichten die sich im Alltäglichen ereignen. „Noch eine, noch eine“ bettelten meine Kinder oft, wenn ich sie früher ins Bett brachte und eine Geschichte erzählte oder vorlas. Die einzelnen Kapitel der Bücher, die ich ihnen vorlas, wurden immer neu verhandelt. Manchmal war ich müde und sagte: „heute aber nur ein Kapitel“ und dann liess ich mich doch mit in die Geschichte ziehen und las noch, als meine beiden Jungs schon lange im Traumland angekommen waren.

Unsere wunderbare Kursleiterin Barbara zeigte uns dann auch auf, dass Menschen Geschichten brauchen, so nötig wie essen und schlafen, wie trinken und lieben. Sie sagte, sie habe irgendwo gelesen dass wir alle 2 Minuten eine Geschichte erleben oder eine brauchen, um unseren Geist zu füttern.

Balsam auf meinem poetischen Herz!

Heute bin ich in Salzburg in einem altmodischen Hotel und werde nun gleich, nachdem ich Euch ein bisschen Adlerperpektiven-Futter für die Woche gegeben habe, auf Mozarts Spuren wandeln und diese Stadt entdecken. Sie ist, wie auch Wien es gestern war, ganz besonders fest gepackt mit Geschichen, die jahrhundertealt und doch noch immer präsent sind. Und darauf entfalten sich zu jedem Moment neue Anregungen, neue Einblicke, neue Momente, die uns berühren und verändern können.

Schaut diese Woche mal auf die vielen Geschichten. Die in Eurem Kopf und die, die sich ereignen. Es gibt viel mehr als man denkt! Jeder Mensch trägt seine Geschichte mit sich – oder hat welche zu erzählen. Lasst Euch amüsieren, lasst Euch beglücken und in Rage bringen und berühren. Die Geschichten in unserem Kopf, in unserem Leben – das ist auch Nahrung für uns, lebensnotwendig, immer neu – und es steht immer etwas davon zur Verfügung.

Verändere Deinen Blick – schau ins Kleinste, ins Grösste. Erlebe diese Woche wie ein Abenteuer-Wunderland, als ob die Welt etwas zu erzählen hat und Du andächtig lauschst. Das verändert auch Deinen Blick auf die Welt. Sei einmal Beobachter und mitten drin. Und dann – erzähle davon!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lass Dich umarmen!

Bist Du auch ein Umarmer?

Welche Berührung tut Dir gut?

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit wieder einmal viele Menschen zu umarmen und dachte gestern, nach der allerbesten Umarmung, wieder einmal darüber nach, was wir tun, um anderen nah zu sein.

Die drei Luftküsse, die in Frankreich und oft auch in der Schweiz üblich sind, waren mir oft zu eigenartig. Man fasst dabei meist Schultern oder Arme des anderen und haucht im besten Fall einen Kuss auf die Wange des anderen, leider aber oft einfach nur in die Luft. Eigentlich kommt es nicht wirklich zum Hautkontakt.

Da ist mir ein Handgeben dann schon lieber, wie es die Deutschen tun, oft sogar mit ausgestrecktem Arm. Aber ich kann beim Kontakt der Hände doch wenigstens Temperatur, Druck, irgendwie auch die Anwesenheit des anderen spüren. So ein Händedruck hat ja auch etwas Ehrliches – man reicht einander die Hand. Wenn ich Hilfe brauche oder der andere mir vermitteln will, dass er da ist, schätze ich diese Hand.

Zurück aber zum Umarmen. Als ich etwas über 20 Jahre alt war, bekam ich meine schönste Umarmung. Es war ein Inder, der mich verabschiedete. Er drückte mich nicht einfach nur, er umschlang mich und für einen Moment spürte ich uns beide gemeinsam atmen.

Viele viele Umarmungen folgten, denn wenn ich die Gelegenheit habe und das Vis-a-vis mir zeigt, dass es offen ist, dann tue ich am liebsten genau das – die Herzen aufeinander legen sozusagen, sich wirklich einen Moment Nähe geben. Kinder, Freunde, Partner und potenzielle Partner umarmt man vielleicht ein bisschen inniger. Dafür gibt es das wunderbar englische Wort „embrace“, schon alleine das Wort hört sich schön an. Ein bisschen wie „ein-atmen“.

Im Italienischen „abbraccio“, auch so ein saftiges Wort, darauf folgt dann bei den Italienern auch gerne mal „bacio“, der Kuss.

Umarmungen bringen uns viel näher und man hört tatsächlich auch mal einen Moment auf zu reden. Die meisten Menschen, habe ich beobachtet, reden nicht beim Umarmen sondern nehmen tatsächlich wahr.

So habe ich über die Jahre gerne und viele Umarmungen gesammelt. Eine innige Art, einander wahrzunehmen. Ich muss ein bisschen schmunzeln, denn eine Weile war es für mich das Kriterium, wen ich in meinen inneren Kreis lasse.

Nie vergesse ich einen sehr scheuen Kunden, der gerne im Gespräch auswich und seine sensible Seite nur selten durchblicken liess. Beim Abschied nach einem langen Coaching war er so beglückt, dass er über seinen Schatten sprang und mich fragte, ob er „mich mal drücken dürfe“. Natürlich durfte er, schliesslich bin ich „Mrs. Umarmung“. Er umarmte mich kraftvoll und sanft und am liebsten wäre ich ein bisschen länger geblieben in diesem Moment.

Vergangene Woche also sammelte ich einen Haufen Umarmungen und genoss es sehr, gross und klein, schmal und kräftig, energiegeladen und schwach waren sie und alle zeigten: ich bin hier, jetzt bei Dir. Gestern durfte ich dann noch die Krönung bekommen von einem Mensch, den ich kaum kenne. Diese Umarmung hat mir wieder einmal gezeigt: Es liegt ein Zauber in der Nähe. Und es ist so leicht, wirklich berührt zu werden.

Eine Umarmung ist nicht nur körperlich spürbar. Wenn wir jemanden in den Arm nehmen, sorgt Oxytocin auch für ein gutes Gefühl im Bauch.

Oxytocin ist ein Neuropeptid, das Gefühle wie Hingabe, Vertrauen und Bindung fördert. Das sind doch genug Gründe für die nächste Umarmung …

Also auf geht’s in die neue Woche. Ich bin gespannt, wie viele Umarmungen sie bereit hält – für uns alle!

„Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir einander umarmen“ Luciano De Crescenzo.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Umarmung-1

Triffst Du nur das Zauberwort…

Kennst Du das, man redet und spricht trotzdem nicht die gleiche Sprache? Irgendwie wollen die Worte nicht durchdringen, egal wie gut man sich erklärt, der andere hört es nur durch seine eigenen Ohren. Ohren die nicht so sehr mit dem Hörsinn, sondern vielmehr mit dem Ding zu tun haben, was zwischen unseren Ohren ist – unser ach so schlauer Kopf, der meint schon alles zu wissen, zu kennen, richtig zu interpretieren und auch – zu verurteilen.

Diese Tage wurde ich gleich mehrmals damit konfrontiert, was für ein schwieriges Thema die angemessene Kommunikation ist. Zwischen Paaren, Partnern und in zwischenmenschlichen Beziehungen, so behaupte ich, ist es das problematischste Thema überhaupt. Denn: Jeder kann immer nur von seiner eigenen Warte aus dem anderen begegnen (siehe letzter Blog).

Einer der besten Ansätze die ich kenne, um in Konflikten gut miteinander sprechen zu können ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Rosenberg.

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Prozess, der von Dr. Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Er ermöglicht Menschen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zwischen ihnen verbessert wird.

GFK kann sowohl beim Kommunizieren im Alltag als auch beim friedlichen Lösen von Konflikten im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Sie versteht sich nicht als Technik, die andere Menschen zu einem bestimmten Handeln bewegen soll, sondern als Grundhaltung, bei der eine wertschätzende Beziehung im Vordergrund steht.

Das Modell baut auf einer Haltung, die sagt: Menschen möchten grundsätzlich miteinander im Austausch sein, in einer Balance von Geben und Nehmen. Mit jeder Handlung versuchen sich Menschen Bedürfnisse zu erfüllen, um das Leben wirklich leben zu können in seiner ganzen Fülle und Herausforderung.

Also sprechen, um Bedürfnisse zu erfüllen?

Wie einfach wäre es, würden wir ehrlich sagen: Das und das brauche ich jetzt von Dir, statt Vorwürfe und Verurteilungen in den Raum zu bringen, der die gemeinsame Atmosphäre vergiftet.

Ein schöner Gedanke, ein Gespräch, das auf Wertschätzung, Wohlwollen und der ehrlichen Bekundung der eigenen Wünsche oder Empfindungen beruht.

Das ist es, was ich an nonverbaler Kommunikation und Körpersprache so mag. Es ist immer ehrlich. Und immer sanft, miteinander und gemeinsam gelebte Sprache.

Nicht jeder Mensch kann unsere Sprache sprechen (Du erinnerst Dich an das Ding zwischen den Ohren?). Und nicht jeder Körper kann mit dem anderen kommunizieren, wir sind nun mal alle unterschiedlich.

Eine ganz einfache Regel einzuhalten, würde schon viel Frieden in die Welt bringen. Sie stammt von Rumi, einem persischen Dichter aus dem Mittelalter und empfiehlt:

Bevor du sprichst, lasse deine Worte durch drei Tore schreiten. Beim ersten Tor frage: „Sind sie wahr?“ Am zweiten frage: „Sind sie notwendig?“ Am dritten Tor frage: „Sind sie freundlich?“

Geh diese Woche einmal mit diesen drei Fragen durch Deinen Alltag. Oder, wenn Du keine Zeit hast, keinen Nerv oder das Ding zwischen den Ohren ist schon so voll, dass es kaum mehr Speicherplatz hat, dann nimm die letzte Frage mit in den Tag. Entweder wirst Du die ganze Woche schweigen oder Du erkennst selbst wieder, dass die einzig wahre Kommunikation im Herz stattfindet. Geniesse.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Unterwegs nach Aussen und Innen

Kürzlich sagte eine Freundin zu mir, sie müsse mal wieder weg. Ich fragte sie, wohin es denn gehen sollte und sie sagte: ich muss einfach mal wieder fahren. Ich wusste genau, was sie meinte. Fahren. Unterwegs sein, neue Landschaften, neue Horizonte. Und auch allein dieses Fahren. Sich bewegen. Wie gut das tut aus dem eigenen kleinen Gärtchen, dem engen Zirkel unser täglichen Kreise ausbrechen und Neues sinnlich erleben. Ein lieber Freund von mir ist an der portugisischen Küste an meinem geliebten Atlantik unterwegs und versorgt mich mit Videos und Aufnahmen und man kann es spüren, dieses atemlose Herzklopfen des neuen Entdeckens. Ein anderer kommt gerade von vier Wochen auf dem „Wild Atlantic Way“ an der Westküste Irlands zurück mit einem glücklichen Strahlen im Gesicht.

Ich kenne viele solche situativen Nomaden und liebe es selbst auch, das Fahren. Jedes Mal wenn ich voll tanke und mein Display auf dem Armaturenbrett sagt: Du kannst jetzt mit diesem Tank 718km fahren spüre ich mein Herz hüpfen. Jedes Mal! Nicht dass ich diese 718km wirklich immer ausreizen würde. Aber die tatsächliche Chance zu haben, wie wunderbar ist das!

Von Zürich aus bringen mich die 718km fast bis Wien, sicher bis Paris, in meine französische Lieblingsstadt Orleans, fast zu einer Freundin nach Osnabück, nach Prag, nach Brüssel…. vom Tessin aus fahre ich in 718km nach Rom, nach Kroatien oder in die Mozartstadt Salzburg. Besonders toll sind die 718km von Jersey aus. Da bringen sie mich an meine Sehnsuchtsorte nach Irland und Schottland. Oder in die Bretagne. Ich liebe diese Kilometerspiele im Kopf, vor allem aber: Die Freiheit JETZT aufbrechen zu können wenn ich es wollte.

Bewegt man sich aus dem Bekannten heraus und begibt sich auf eine Reise, so ist es immer eine Ansammlung von Geschenken, denen man auf dem Weg begegnen kann. Chancen auf wunderbare Aussichten, neue Menschen, Geschmäcker, Düfte und Begegnungen. Fremde Menschen und Gesichter, Sprachen und Gewohnheiten. Oft kann man einfach nur schauen. Beobachten.

Ah, wie ich es liebe, dieses Unterwegs-Sein, dieses Ankommen und wieder Abfahren. Das Fernweh und das Heimweh, das Überall und nirgends.

Wie war wohl das Leben, als wir noch langsam gereist sind? Als wir noch Zeit hatten uns in jedes neue Bild von der Welt zu verlieben?

Was sagt Dir die Landschaft, die Dir begegnet? Wann hältst Du inne und an und lässt auf Dich wirken? Wann kann eine Landschaft Dich berühren?

Wir können auch von Seelenlandschaften sprechen. Denn jede Landschaft kann ein Spiegel für uns sein. Wann verweilst Du?

Wann stoppst du deine Reise, stehst an einem Punkt und denkst: Ahhhhh! Das ist es! Das ist Schönheit!

Worauf fällt Dein Blick und ruht und findet einen Widerhall in Deinem Herzen?

Was siehst Du? Was spricht mit Dir?

Welche Farben tun Dir gut?

Welcher Ausblick?

Worauf will Dein Auge schauen, um Dich in Deine Mitte zurück zu bringen?

Die einen unter uns brauchen die Wüste, das Nichts, den grossen Himmel. Die anderen die hohen Berge, die Wälder, die Felsen und Steine. Andere das klare Wasser das man bis zum Grund sehen kann. Wieder andere die Wasserfälle, die Brandung und Gischt, die Klippen und den Wind, der über hohe Gräser streicht.

Je genauer Du beschreiben kannst welche Seelenlandschaft Dich glücklich machen kann desto genauer weisst Du, wer Du bist.

Der Adler sucht sich auch sein Domizil. Er besetzt ein Revier. Er wählt seinen Lebensraum. Bei ihm geht es wohl vor allem um das Überleben, die Wildstände, die Jagdmöglichkeiten, den Unterschlupf.

Wir aber können wählen: Wann sind wir in der Seele berührt, wenn wir diese Landschaft sehen? Und was macht es mit uns, unterwegs zu sein. Im Flug gewissermassen. Auch wenn es manchmal Kilometer auf der Strasse sind.

Bewege Dich diese Woche mal an einen Ort, an dem Du noch nie warst. Lass es auf Dich wirken. Auf jeden Fall wird es Dich bereichern. Ganz sicher.

Willkommen in der Adlerperspektive.