Die kleine Lieblichkeit

Es gibt schon ausgesprochen schöne kleine Gesten. Meine Nachbarin macht so eine. Eine ältere Dame, die Hunde mag. Sie installiert jeden Tag eine Trinkstation mit frischem Wasser für die Hunde, die an ihrem Haus vorbei laufen (und auch oft in ihren Vorgarten pinkeln). Dann freut sie sich, wenn die Hunde stehen bleiben und ihren Durst bei diesen hohen Temperaturen stillen können.

Eine andere wirft immer ihr altes Brot und die Kerne von ihrem Obst in den Wald. Für die Waldtiere und Vögel. Und dass die Kerne dann unerwartet Zwetschgen- und Aprikosenbäume spriessen lassen.

Auf Jersey fand ich in den letzten Jahren immer wieder Freesien und Lilien zwischen dem dornigen Heidegestrüpp. Ich hörte, dass eine alte Lady jedes Jahr im Gartencenter Samen kauft und sie einfach so überall auf der Insel vertreut.

Und auch kleine liebevolle Gesten kann man mitunter auf dem Markt, am Postschalter und auch bei der Parkplatzsuche beobachten. Hast Du Dein Parkticket schon einmal weiter gereicht weil Du schon weggefahren bist und noch Guthaben darauf war? Hast Du kürzlich mal jemandem beim Einladen von etwas Schwerem geholfen, ohne dass er gefragt hat? Vielleicht einer anderen Person etwas an einem Tankautomat erklärt? Oder wenigstens ein Lächeln geschenkt und freundlich MIT einem Blick in die Augen „Dankeschön“ gesagt?

Als meine Kinder klein waren, half ich mal einer älteren Dame, die nicht wusste wie man einen Kaffee selbst zapft in einem Restaurant. Mein Grosser sagte: Mama, du musst immer anderen helfen oder? Es hat mir gefallen, dass ihm das aufgefallen war, weil er sonst ein sehr introvertiertes Kind war. Heute weiss ich, dass er auch hilfsbereit ist und sogar charmant sein kann. Es macht mich stolz, dass er das kann: Über seine Scheuheit hinweg springen in die Freundlichkeit.

Kleinigkeiten machen den Tag. Das haben meine Jungs auch bei den Pfadfindern gelernt:
Jeden Tag eine gute Tat!

Was hast du heute schon Liebevolles getan? Die letzten Tage? Kannst Du es an zwei Händen abzählen? Oder erinnerst Du dich nicht? Dann war es eindeutig zu wenig!

Würden wir jeden Tag! Jeden Tag! 10 Dinge tun, die das menschliche Klima ein bisschen erwärmen würden, dann wäre uns bald allen geholfen. Und: Es macht uns ja eigentlich auch selbst glücklich, wenn die Lieblichkeiten durch uns geschehen können.

Wenn Du gerade keine Handlung ausmachen kannst, die Du für andere tun kannst, dann schreibe doch wenigstens ein paar freundliche, liebevolle Nachrichten, an die Menschen, die Du magst und denen Du schon lange nichts mehr Gutes gesagt hast.

Albert Schweitzer hat einmal gesagt:

„Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“

Was tust Du heute und in den nächsten Tages Gutes in die Welt?

Wo kannst Du noch mehr Freundlichkeit, Lieblichkeit ausleben?

Wie kannst Du mit deiner Anwesenheit etwas Gutes in die Welt geben?

Warum freue ich mich, Dich zu sehen?

In diesem Zusammenhang danke ich GINO. Ich habe ihn nach seinem Coaching vor einigen Jahren nie mehr gesehen. Aber Woche für Woche bekomme ich nach der Veröffentlichung meines Blogs sehr rasch ein Herz. Das schätze ich sehr und es bringt mir immer ein Lächeln aufs Gesicht.

Sei freundlich und erwärme das menschliche Klima. Damit tust Du Dir selbst etwas Gutes und es gibt immer jemanden, der glücklich darüber ist.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Jetzt erst recht!

In der vergangenen Woche begegnete ich jemandem mit grossem Groll. Der Coachee hatte jemanden jahrelange sehr freundlich und respektvoll behandelt. Hatte jede Extrameile gelaufen um das eigene Engagement für die Verbindung hoch zu halten. War freund-lich und empathisch gewesen und hatte Unterstützung gegeben wo er nur konnte. Aber am Ende wurde er wie ein lästiges Anhängsel entsorgt.

Mein Coachee war stinksauer und unversöhnlich und gekränkt. Das ging bis zur Selbstablehnung: Hätte ich nur nicht so viel für diese Person getan! Wie dumm von mir! Das habe ich jetzt davon! Er beschimpfte sich als naiv und schwor, er würde sich nie mehr so engagieren!

In unserem klärenden Gespräch mussten wir das eine vom anderen trennen: Der Schmerz, den der andere ihm zugefügt hatte war massiv. Das war wirklich gemein und verletzend. Auch ich musste ein paar mal Luft holen, ein bisschen erschüttert das immer meinen Glauben an das Gute im Menschen. Das war Fakt: Der Freund hatte sich unmöglich und bösartig verhalten.

Mein Coachee aber bereute sogar seine Lieblichkeit zu diesem Freund und hier musste ich eingreifen. Denn: Er hatte sein schönes Herz gezeigt. Seine Fähigkeit ein guter Freund zu sein, in Verbindung zu bleiben, etwas auszuhalten und mitzutragen. Und: Er konnte wirklich lieben. Das ist gross und schön!

Das ist an sich schon etwas, worüber mein Coachee sich freuen, für das er sich würdigen und anerkennen kann.

Statt dessen kehrte es, wie in vielen Fällen, ins Gegenteil: Man meint selbst zu viel zu geben, viel zu viel Liebe, Respekt, Einsatz gegeben zu haben und meint, das habe der andere nicht verdient gehabt, das wäre wie Perlen unter die Säue zu werfen.

Aber es geht ja gar nicht darum, WEM Du etwas Gutes tust! Sondern: DASS. Und dass Du diese Qualitäten in Dir trägst: DU bist ja der gute Freund, die liebe Freundin, Du bist ja der und diejenige, die ihre Qualitäten verschenkt.

Kannst Du das auch bei Dir sehen? Wieviel Du zu geben hast, was Du tust und gibst und bist? Siehst Du, was für ein liebevoller und guter Mensch Du bist? Wie Du das Leben bereicherst? Nicht nur das von demjenigen, an den Du adressiert hast. Auch für andere. Vielleicht sogar für Menschen, von denen Du gar nicht weisst, wieviel Einfluss Du hast auf sie: Vielleicht als Vorbild?

Oder Du bist für einige Menschen ein Geschenk?

Am Ende sind es die kleinen Akte von Güte und Freundlichkeit, die zählen.

Nicht, weil jemand sie beklatscht. Nicht weil Du sie auf den sozialen Medien postest. Nicht weil jemand sie lobt und reflektiert und Dir dafür dankt.

Geben, sich selbst verschenken, die besten Eigenschaften leben, das ist auch ein Geschenk an Dich, das Du an Dir selbst lieben kannst.


Eine einfache Übung ist dabei, in die Zeugenperspektive zu gehen: Beobachte Dich von aussen, wie Du mit Menschen umgehst, was Du sagst und schreibst und tust. Wem Du beistehst weil DU das möchtest, was Dein Herz Dir sagt wenn Du Dich um andere kümmern möchtest. Sieh Dich selbst an: Als Freund als Freundin.

Bist Du ein guter Mensch?

JA!

Gibt es auch schlechte Menschen? Ehrlich gesagt: NEIN.
Ich pflege zu sagen, dass die, die sich ekelhaft benehmen, eigentlich nur verwirrt sind, von den eigenen ungelösten Problemen und Verletzungen, fehlgeleitet durch Manipulation und Hormone…sie können nicht anders, sie begegnen ihrem eigenen Schmerz nur durch Kompensationshandlungen und Projektion auf andere. Solche Menschen musst DU nicht begleiten oder auffangen. Dafür gibt es Profis. Lass die Finger davon. Mit einem solchen Menschen wirst Du Dir nur Leid antun, was Du nicht brauchst.

Wenn Du in Dir selbst den Liebenden, Den Freund, das gute Herz wiedergefunden hast, dann überprüfe Dein Umfeld und tu Dir einen Gefallen: Gib es nur an Menschen, die es zu schätzen wissen und Dir widerspiegeln.

Es ist Zeit, Dich zu feiern. Fang HEUTE damit an.



Willkommen in der Adlerperspektive.

Kritik

Wie empfindest Du (ungerechte) Kritik?

Nimmst Du sie persönlich?

Bist Du lange gekränkt?

Gekränkt ist in diesem Zusammenhang der richtige Ausdruck. Wir können krank davon werden, wenn die Kritik uns trifft und in uns lange angestaute Gefühle wie Wut, Scham, Verzweiflung und Frustration auslösen.

Aber:

Die Kritik des anderen hat eigentlich nichts mit Dir zu tun. Wenn ein Mensch Dich ungerecht kritisiert dann denke an folgendes: Der Andere hält dabei gestikulierend den Zeigefinger nach vorne und die Hand wie eine Pistole. Mache diese Geste einmal jetzt, während du das liest. Siehst Du? Ein Finger weisst nach vorne, drei zu Dir.

In aller Regel hat der, der Dich kritisiert, ein eigenes Problem. Nicht selten genau das Thema, für das er Dich beschimpft. Wenn er beispielsweise sagt: „immer drängst Du Dich in den Vordergrund! Du bist so dominant“, dann meint er höchstwahrscheinlich: Ich fühle mich erdrückt und zurückgewiesen, ich hätte auch gerne mehr Raum, aber ich traue mich nicht. Um den eigenen Schmerz kleiner zu machen, muss er einen Teil seines Frusts an den an den Nächsten abgeben.

Trotzdem kann es sein, dass die Kritik Dich trifft. Vielleicht hast Du das schon öfters gehört und denkst, da könnte etwas dran sein. Dann kannst Du Dich beobachten oder die Situation geistig nochmals durchgehen. Vielleicht kann der Hinweis dann hilfreich sein. Wenn Du aber unangenehme Gefühle nach der Kritik hast und das Gefühl, das wäre keinesfalls zutreffend, dann ist es eine Projektion des anderen auf Dich.

Was aber, wenn das Gefühl weiter nagt und Du Dich nachhaltig erschüttert fühlst?

Dann ist etwas in Dir selbst nicht geklärt. Du machst Dir vielleicht schon länger selbst Vorwürfe wegen einem Thema und versuchst Dein Verhalten zu ändern. Wenn der Andere nun ins Schwarze trifft mit dem, was er Dir vorwirft, dann wäre es klug, das einmal professionell anzugehen, weil Du sonst immer wieder einen wunden Punkt zur Verfügung stellst. Denn: Der Kritiker hat gewittert, dass er dich da trifft und genau dort hin gezielt.

Kritik ist in fast allen Fällen – in fast allen Fällen! Projektion.

Niemand hat das so gut formuliert wie mein alter Freund Carl Gustav:

Wenn man sich jemanden vorstellt

der tapfer genug ist

die Projektionen seiner Illusionen allesamt zurück zu ziehen

dann ergibt sich ein Individuum,

das sich eines beträchtlichen Schattens bewusst ist

solch ein Mensch weiss, dass, was immer in der Welt verkehrt ist

auch in ihm selber ist

und wenn er nur lernt

mit seinem eigenen Schatten fertig zu werden

dann hat er etwas Wirkliches für die Welt getan

(C.G.Jung)

Wir alle weichen unserem Schatten mitunter aus und projizieren das dann gerne auf unser Gegenüber. Wenn Du das nächste Mal den verbalen Schlag in die Magengrube spürst, dann denke so: Woran leidet mein Gegenüber, dass er/sie gerade Druck an mich weitergeben muss? Eine simple Frage kann sofort Änderung bringen: „Und wie fühlst Du Dich bezogen auf dieses Thema, das Du gerade bei mir siehst“? Oder auch: „Und was löse ich bei Dir damit aus?“

Kritik kann weh tun und die daraus folgende Kränkung kann lange andauern. Es gibt sogar Kränkungen, die man nicht verzeihen will. Das ist in Ordnung so! Du bist kein (e) Heilige(r)! Du darfst gekränkt sein und das als Mauer zwischen Euch stehen lassen.

Das ist sogar sehr reif: Wenn Dir jemand schmerzhaft auf den Zehen gestanden ist, egal ob gerechtfertigt oder nicht, dann darfst Du sagen: Mit diesem Mensch will ich nichts mehr zu tun haben.

Denn: Wenn der andere eine gut gemeinte Kritik hat, dann wird er sie freundlich, achtsam und liebevoll ausdrücken, um Dir damit Hilfe zu leisten. Sagt er sie aber hart, bösartig und wütend, dann kannst Du davon ausgehen, dass sein eigener Schatten um sich schlägt. Dann geh weg von diesem Mensch. Das musst Du Dir nicht geben. Das Leben ist einfach zu kurz um es mit solchen Menschen zu vergiften.

Nimm Kritik nur an, wenn sie hilft. Den Rest kannst Du einfach an Dir abprallen lassen.

Denn: DU bist wunderbar. Vergiss es nicht.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Gut genug

Letzte Woche ist mir wieder mal ein besonders dramatisches Exemplar von

„Ich bin nicht gut genug“ begegnet. Dramatisch deswegen, weil es mich jedes Mal wieder erschüttert. Eine Frau in den besten Jahren, attraktiv, sehr klug und erfolgreich, eloquent und geschmeidig und ein gutes Herz. Und dann kam im Gespräch postwendend wieder die Selbstanklage.

Warum?

Warum leiden so viele an einem gestörten Selbstwertgefühl?

Nun, zum einen, weil wir so erzogen werden. Nicht unbedingt von den Eltern, sondern auch von der Gesellschaft, in der Schule, im kleinen familiären aber auch im freundschaftlichen Umfeld. Wir schauen auf Mängel und Fehler statt auf Geschenke des Lebens. Zum anderen, weil wir uns vergleichen und bewerten mit der Leistung und dem Haben der anderen.

Dabei wäre es so leicht: Wir müssten einfach beginnen uns zu loben wenn wir etwas Tolles sehen oder mit dem anderen erlebt haben. Uns anzuerkennen, die Schönheit zu sehen. Sich gegenseitig in den Stärken zu stützen und uns anzufeuern, wenn wir in der Talsohle sind – und uns genau dann ! an unsere besten Gaben erinnern müssen.

Jeder und jede von uns hat Schönheit und Talente. Jeder und jede hat etwas, das sie ganz besonders gut kann. Und damit meine ich keinesfalls Dienstleistungen, die uns einen Wert für die Welt bringen. Wir sind nicht nur gut, wenn wir viel und hart und effizient und erfolgreich arbeiten. Wir sind gut weil wir gut sind.

Ich leite Menschen dann im Coaching gerne an, einmal aufzuschreiben welche wunderbaren Eigenschaften sie haben, was sie gut können (zum Beispiel sich einfühlen, lachen, andere mitreissen, sich begeistern, geniessen, Ruhe geben, Dankbarkeit ausdrücken, aufmerksam sein, Streit schlichten, den Überblick behalten, Geduld zeigen, eine Beziehung aufrecht erhalten)

Menschliche Qualitäten sind von unfassbarem Wert. Das macht einen Menschen wertvoll.

Für Leistung wird uns in nicht all zu fernen Zukunft die künstliche Intelligenz eine Assistenz anbieten. Sehr bald wird es nicht mehr um Leistung gehen. Sehr bald wird es auch nicht mehr um schneller, weiter, höher gehen. Wir werden die menschlichen Seiten brauchen. Die Berührbarkeit, das Mitgefühl, das Miteinander, das Menschliche, die liebevolle und wertschätzende Kommunikation.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich sehen kannst in deiner wertvollen Essenz. Wie schön Du bist. Wie gut Du bist. Wie lebensfroh und hoffnungsvoll und dankbar und gescheit Du bist.

Das L e b e n d i g e in Dir ist es, was Dich ausmacht.

Und: Du kannst doch alles! Alles! Du kannst Dich am Tag freuen. Du kannst Deinen Liebsten sagen wie gern Du sie hast. Du kannst Eure Begegnung bereichern. Du kannst Mut zusprechen. Du kannst inspirieren. Du kannst anderen ein Vorbild sein. Du kannst begeistern. Du kannst weiterhelfen. Du kannst das Leben feiern. Du kannst Dich an Deinem Körper und an dem Deines Liebsten freuen. Du kannst umarmen. Du kannst die Hand reichen. Du kannst dafür sorgen dass Dein Leben einen Sinn macht. Du kannst Deine Sinne geniessen – hören, schmecken, tasten, sehen, riechen. Du kannst anderen Genuss aufzeigen. Du kannst die Aufregung des Lebendigseins auskosten.

Spürst Du das? Wie das Lebendige in Dir zirkuliert?

DA IST DEIN WERT.

Es geht um nichts anderes als Lebendigkeit.

Ich will das nicht mehr hören, dieses „Ich bin nicht gut genug“.

Du bist hier. Du bist am Leben.

Du bist das Leben!

Mach etwas daraus. Lebe! Geniesse! Feire das Leben! Spüre wie sie zirkuliert, diese unglaublich elektrische Energie in Dir!

Wenn Du das kannst: Das Leben spüren! … dann gibt es gar kein gut oder nicht gut.

Es gibt nur noch das Leben. Es steht Dir immer, 24/7 zur Verfügung. Du vergisst es nur hin und wieder.

Du bist gut!

Du lebst!

Du bist hier!

Feire Dich!

Halleluja!

Was denn auch sonst!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Bist Du Dir treu?

Letzte Woche durfte ich diese Frage gleich zweimal stellen. Und beide Coachees hatten eine spannende Antwort darauf.

Bist Du Dir treu?

Was heisst das?

Nun zu allererst: Deinen Werten. Deinen Wünschen und Bedürfnissen.

Schaust Du gut zu Dir? Nimmst Du Deine Limits ernst? Lässt Du Deinem Herz Raum?

Achtest Du auf Deine Ruhephasen?

Oder dienst Du? Machst Du gute Miene zum bösen Spiel?

Verbiegst Du Dich?

Oder stehst Du zu dem, an was Du glaubst und entscheidest aus Deinem eigenen Blick auf die Welt?

Und wie echt ist Dein berufliches Engagement? Geht das mit Deinen Werten d’accord?

Sich treu sein ist sehr anstrengend. Wir werden ständig mit Manipulation und anderen Meinungen konfrontiert. Immer meint jemand, es besser zu wissen. Immer gibt es Menschen, die das ein oder andere versuchen, um damit zu erreichen, dass Du etwas tust was sie für richtig halten (oder eben es zu lassen). Konventionelles und dogmatisches Verhalten zwingt uns bisweilen in innere und äussere Käfige. Da ist es wichtig, wieder bei sich anzukommen, zu spüren was jetzt richtig wäre.

Was heisst das: Dir treu sein?

Zu allererst: Was ist Dir wichtig?

Welches Ideal möchtest Du niemals verraten?

Was hältst Du für wesentlich?

Und auch: Was bist Du bereit zu tun, wenn Du Dir selbst untreu wirst?

Wir sprechen über Treue ganz oft im partnerschaftlichen Kontext. Da wird gerne diskutiert und es gibt wenig Toleranzbereiche. Treue ist ein Wert, der gerne totalitär und radikal beurteilt wird.

Sich selbst treu sein – das ist ein ganz anderer Ansatz.

Damit verbindet man Ehrlichkeit, Loyalität, Respekt, Authentizität und Selbstbewusstsein.

Der Wunsch nach Ehrlichkeit, Selbstbewusstsein und Authentizität kommt nicht von ungefähr. In vielen Lebensbereichen müssen wir uns verstellen. Wir stimmen Bekannten zu, um Harmonie zu bewahren, obwohl wir ihre Ansichten nicht in jeder Hinsicht teilen. Wir müssen uns im Job behaupten, manchmal auch gegen Menschen und Kollegen, die uns nicht wohl gesonnen sind. Für alle diese Situationen legen wir uns einen Panzer zu, mit dem wir unsere wahren Gefühle verbergen und eine Rolle spielen.

Wie anstrengend!

Sich selbst treu sein beweist auf wunderbar entspannende Weise, dass wir uns bei uns selbst wohl fühlen, dass wir in der Eigenverantwortung sind für unsere Entscheidungen, unsere Art das Leben zu leben.

In der letzten Woche hatte ich diese beiden Frauen im Coachinggespräch, die sich beide treu waren. Die Diskussionen darüber, was das nun genau heisst, brachte mich in eine Recherche über Lebensentwürfe, die radikal authentisch und individuell sind.

Ich habe zwei kleine Filme gefunden über Menschen, die sich und ihrer Sicht auf die Welt treu sind und sich ein Leben erschaffen haben, dass sich richtig für sie anfühlt. Vielleicht inspiriert es Dich, einmal darüber nachzudenken, wie treu Du Dir und Deinen Werten, Deiner Wahrheit bist.

und

Tust Du das was genau Du möchtest?

Bist Du im Leben Deiner Wahl?

Magst Du Dich, wenn Du in Deine Augen schaust?

Und ist Dir die Treue für Dich etwas wert?

Wärst Du bereit etwas loszulassen, wenn es für Dein Herz und Deine Überzeugung nicht (mehr) stimmig ist?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Der Sprung

Letzte Woche hatte ich das grosse Vergnügen eine ehemalige Coachee, 10 Jahre nach ihrem Coaching, wieder zu sehen. Ich konnte mich gut an sie erinnern. Damals war sie ein Rastamädchen, sehr wild, sehr bunt, herrlich eigensinnig. Und ich erinnerte mich auch daran, wie sie damals sagte: „Bitte hilf mir doch, ein bisschen ordentlicher zu werden im Kopf und im Leben“.

Sie wollte „ihr Leben auf die Reihe bekommen“. Ich hatte damals eine Burnout Praxis und zeigte gerne Zusammenhänge anhand von Spielsachen auf. Eins davon war „die liegende Acht“. Ein Geduldsspiel, bei dem Glaskugeln langsam über Schienen bewegt werden müssen und das Konzentration und Ruhe verlangte. Ich setzte die Kugeln also in eine Reihe auf die Schiene. Und zeigte ihr, wie die Kugeln alle in einer Reihe schön brav und langweilig hintereinander laufen, niemals aus der Reihe tanzten, immer den selben Weg verfolgten. Ob sie das wollte?

Das Rastamädchen wollte genau das nicht. Wir mussten lachen. Wir lachten ohnehin viel in diesem Coaching. Und es war immer eine Befreiung. Sie musste diese Leben nicht auf die Reihe kriegen. Denn: Sie wollte nie, wirklich nie, in dieser Reihe sein. Das Coaching führte uns in herrliche Momente, in Höhenflüge und schliesslich in ihre eigene Freiheit: Zu sein wie sie eben war und sich damit eben selbst genau so anzunehmen. Ohne jede Anbindung oder Fessel an das, was für sie nicht lebens- und liebenswert ist.

Das Wilde ist nicht das Gegenteil von kultiviert. Das Wilde ist das Gegenteil von gefesselt!

Diesen Satz kann sich diese herrlich wilde Frau fortan unter die Haut tätowieren lassen. Denn sie wagt es. Das Ausbrechen aus den Strukturen und Zurücklassen der Monotonie und Langeweile. Sie wagt es, das zu leben was sie liebt. Sie wagt es, die zu sein, die sie ist.

Über die Jahre habe ich immer wieder einmal wieder einen Blick auf sie geworfen oder von ihr gehört, letzte Woche aber hatte ich die Freude, sie etwas länger zu erleben. Die Rastas sind verschwunden aber ihre Haare sind immer noch lockig wild und sie ist vielleicht ein ganz klein wenig aufgeräumter. Aber ihr Geist sprang noch immer hierhin und dahin, wirbelte, schlug Kapriolen und ich konnte ihre Lebendigkeit geniessen, ihren scharfen und kritischen Verstand aber auch ihre Tiefe. Und jetzt wagt sie den totalen Sprung aus der Schiene. In den letzten Jahren hat sie den Spagat noch gemacht: Von der Struktur, die sie in ihrem verantwortungsvollen Job braucht, in die Eigen-sinnigkeit ihres Lebens hin und her. Das System, in dem sie arbeitet, ist ihr immer noch verhasst. Sie sieht es kritisch, wie sich alles entwickelt. Und sie will endlich, endlich! nicht mehr mitspielen.

Wir sprachen darüber, dass das Leben hier und jetzt und mit all dem, was der Alltag ihr abverlangt, eine verdammt schlechte Alternative zu dem ist, was sie schon immer will: Die Sinnlichkeit. Die Einfachheit. Die Weite. Das Fremde. Das Eigenartige. Und jetzt ist sie soweit: Sie setzt alles auf diese eine Karte. Und springt hinein. Ohne doppelten Boden. Ohne Sicherheitsnetz. Ohne vermeintliche Sicherheit. Ohne Vorsicht und Rücksicht. Ohne Konventionen. Ohne Angst. Und schliesslich auch: In ihr ganz und gar eigenes Leben.

Ein grosser Sprung.

Diesen Sprung schafft nicht jeder. Meistens hapert es schon an einem allerersten Schritt, denn das Loslassen der Sicherheiten schmerzt. So wie damals als wir das erste Mal eine helfende Hand losliessen bei den ersten Schritten. Oder das Fahrrad ohne Stützräder fuhren. Oder uns in ein Abenteuer wagten. Wind in den Segeln hatten und plötzlich Angst vor der Kraft, die sich da entfaltete.

Wir alle könnten in aller Konsequenz frei sein.

Welche Fesseln halten Dich?

Welche Sicherheit besticht dein wildes Herz?


Wo hast Du Deine Freiheit verkauft?

Willst Du das noch?

Wo findest Du jetzt den Mut für Deinen eigenen Weg?

Brennt es noch, Dein Feuer?

Leitet Deine innere Sehnsucht Deine Schritte?

Was willst Du wirklich, wirklich und wirklich?

Kannst Du den allerersten Schritt machen?

Was brauchst Du, damit Du Dein eigenes Leben lebst?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Für Tabea. Ich bewundere Deinen Mut und deine ungebremste Lust auf Dein Leben. Flieg hoch!

Ich will leben!

Sie war eine quirlige, kleine, runde Frau, wenn sie lachte, dann bebte der ganze Körper. Und sie lachte oft. Ich sagte einmal zu ihr: „Wenn Du keine Ohren hättest, dann würdest Du rund um den Kopf lachen“. Jolanda war herrlich, sie hat das Leben gefeiert, sie hat sich Frechheiten und Freiheiten erlaubt. In unserem ersten Gespräch vor etwa 15 Jahren legte sie gleich die Karten auf den Tisch: Sie hatte einige Kapriolen gemacht in ihrem Leben. Und dann, am Analysetag, da sagte sie 10 oder 15 Mal: Ich will leben. Oder: Ich will doch nur leben. Oder: Ich Ich will endlich leben.

Ich musste da eingreifen. Sagte: Du lebst doch schon! Das hat doch nichts mit Wollen zu tun! Du lebst! Ich denke, ich wurde fast ein bisschen wütend, weil sie dieses Leben so gar nicht wahrnahm.

Aber ihre grossen Augen gingen weit auf und dann lachten wir: JA! Sie war am Leben.

Es ist ein Phänomen, das so viele Menschen immer davon sprechen, leben, endlich leben – oder etwas er-leben zu wollen. Und es verschieben. Dann, wenn sie endlich mal dafür Zeit haben. Dann, wenn die Pflichten und Verantwortlichkeiten und Zwangsjäckchen kleiner geworden sind. Dann, wenn man abgearbeitet hat, was vorher noch zu erledigen wäre.

Spürst Du das Leben in Dir?

Nimmst Du wahr, dass Du am Leben bist?

Niemand kann das besser erklären als Eckart Tolle (immer und immer wieder erwähne ich gerne sein Buch: JETZT. Die Kraft der Gegenwart). Er stellt eine mini Übung zur Verfügung:

Setz Dich entspannt in einen Stuhl, lass Deine Arme locker über die Lehnen hängen. Schliesse die Augen. Ohne zu bewegen, ohne hinzuschauen: Bist Du sicher dass Du eine rechte Hand hast?

Spüre.

Wenn Du das Kribbeln, die pulsierende Energie in Deiner Hand spürst, dann lebst Du.

Niemand anders -niemand anders!- kann das spüren. Dass Du am Leben bist.

Siehst Du die Freiheit in dieser Tatsache?

Du lebst!

Machst Du etwas daraus?

Geniesst Du es auch ordentlich?

Nutzt Du dieses Geschenk?

Er-lebst Du genug?

Lebst Du aus dem Vollen Deiner Empfindungen? Umarmst Du das Leben? Gehst Du Deinen Chancen nach? Folgst Du Deinem Herzen, deinen Impulsen?

Was hält das Leben (noch) für Dich in den Händen? Willst Du es?

In der vergangenen Woche hatte ich nicht nur mit meiner Erinnerung an Jolanda zu tun. Ich traf auch Menschen, junge Menschen, die am Leben leiden. Die wegen einer vergangenen Liebe, wegen gescheiterten Plänen und wegen Unpässlichkeiten in einer Sackgasse stecken. Natürlich gibt es immer einen Weg zurück ins Leben, in den Fluss, wenn wir irgendwo an einer Wand stehen und keinen Ausweg mehr sehen. Meistens, in fast allen Fällen, müssen wir uns nur umdrehen und gut hinsehen:

Was will das Leben jetzt von Dir?

Nun, vor allem eins: Dass Du es lebst. Dass Du es erkennst. Dass Du es feierst, solange Du es (noch) hast. Keinen Tag Deines kostbarsten Guts vergeuden. Nutze den Tag, nutze das was ist, nutze deine Sinne, deine Energie, deine Lust und deine Freude an dem, was sich jeden Tag von Neuem anbietet.

Jolanda ist letzte Woche, knapp 64, plötzlich zusammen gesackt und war tot. Ohne Ankündigung und ohne Vorgeschichte war das Leben plötzlich ausgepustet wie eine Kerze. Ich hoffe, sie hat es jeden Tag genossen, dieses Geschenk Leben.

Lebst Du schon – oder willst Du Leben?


Willkommen in der Adlerperspektive.

Pflicht und Kür

In der vergangenen Woche sprach ich mit einer wunderbaren Frau, die unter der Last vieler vieler Pflichten zu ersticken droht. Es ist kein ungewöhnlicher Lebenslauf, sie muss Kind und Job, Sorge um und für die Eltern und das Zuhause Management unter einen Hut bringen. Ohne Begleitung durch einen Lebenspartner.

Sie wünschte sich, im Coaching eine Balance zu finden. Aber: Man kann nur ausbalancieren, wenn es verschiedene Kräfte gibt. Ihre Waage aber pendelte nur in eine Richtung – zu der Last, der Schwere der Pflichten. Die Liste ihrer To-Do’s war so lange, dass sie gar nicht mehr weiss, was ihr noch Spass machen könnte, danach stellte sich die Frage schon gar nicht. Als ich sie so ansah vermisste ich das Lebendige, das Glitzern in ihren Augen.

Wir haben alle sehr sehr viel Last in unserem Leben. Das Meiste davon ist selbst gewählt. Da erinnere ich mich an eine Dame mit mehreren Wohnsitzen die hin und her pendeln musste um die Häuser zu beleben, zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie alle gut gepflegt wurden. Oder einen Klienten, der Stunden damit verbrachte, seinen Fuhrpark instand zu halten. Oder einige Freunde, die ihren vielen Tieren gerecht werden wollten. Zusätzlich zu Job und Familie, Freundeseinladungen und gesellschaftlichen Verpflichtungen. Und dann gibt es Menschen, die ihr Zuhause niemals verlassen ohne dass alles tiptop organisiert und aufgeräumt ist. Und die akribische Planung von Ausflügen und Reisen zu einer detailgerechten mathematischen Aufgabe machen.

Wie viel Pflicht – und wieviel Kür

gibt es in Deinem Leben?

Der Begriff Pflicht und Kür kommt aus dem Eiskunstlauf. Da verlangt die Regie eines Turniers, zuerst ein Pflichtprogramm aus verschiedenen Techniken und Sprüngen zu zeigen und danach darf der Eistänzer eine Choreographie seiner Wahl zeigen.

Wir alle haben diese beiden Elemente in unserem Alltag. Es muss sehr viel erledigt werden, bevor wir uns mit Freizeit und Spass belohnen dürfen. So geht es uns auch jedes Jahr mit dem Urlaub. In der Regel arbeiten wir bis zum letzten Moment so viel wie möglich, um dann im Urlaub endlich einmal nur das zu tun, was unser Herz sich wünscht. Dann brauchen wir zunächst einmal Erholung vom Stress, bis dann das Kernstück der Ferien kommt: Dem Herzen folgen. Ganz egal ob es dann „dolce far niente“ oder etwas Sportliches und Kulturelles wird.

Das ist keine Balance, das ist ein gegensätzliches Spielen mit Elementen.

Und wie einfach wäre, wenn wir ein bisschen mehr loslassen könnten bei den Pflichten, wenn wir nicht ganz so perfektionistisch und streng mit uns wären.

Es gibt eine Strömung, die schon früh von verschiedenen Branchen entdeckt wurde und die viel Freies ermöglicht: Die Kunst des Weglassens.

Der Bauhaus Stil in der Architektur kam ohne Schnickschnack aus. Später wurde das Essentielle in vielen Varianten aufgegriffen. Hemingway schrieb schon auf das Nötigste reduziert. Er sagte: Lass weg, was ohnehin klar ist. Auch Steve Jobs hat seine Appleprodukte immer mehr vereinfacht, reduziert und dem Benutzer ein gewisses Mass an eigenem Kombinieren zugemutet.

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann“. Dieser von Antoine de Saint-Exupéry formulierte Maßstab offenbart ein gewisses Veredelungspotential.

In einer komplexen Welt ist es absolut lebensverbessernd, Dinge weg zu lassen und „nur noch“ das Wichtigste zu tun.

Wie sehr kannst Du noch reduzieren?

Was könntest Du weglassen?
Was könntest Du loslassen?

Spürst Du, wie schon alleine der Gedanke daran, etwas loszulassen, das zu viel Pflicht von Dir verlangt, Dich leicht und frei macht?

Und wirst Du das Dir zuliebe tun?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Fremd vertraut

Kennst Du das auch?

Du bist in einer fremden Stadt, gehst durch Strassen und an Orte, die Du noch nie gesehen hast und fühlst Dich, als würdest Du irgendwie da hingehören. Oder es kommt Dir wenigstens auf eine seltsame Art heimisch vor.

Obwohl es nicht Deine Sprache oder Kultur ist, meinst Du: Da könnte ich auch irgendwie hin gehören.

Letzte Woche war ich das erste Mal in Reims, im Norden Frankreichs. Ich hatte nicht erwartet, dass es mich speziell ansprechen würde, weil ich gerade von meiner geliebten Insel kam und zudem eine Nacht in der wunderschönen Stadt St.Malo verbracht hatte. Am Abend, nach einer sehr langen Reise, lief ich noch ein bisschen durch Reims, um die Beine zu strecken.

Irgendwann kam ich auf eine „Rue Corteau“, stand plötzlich vor einem Haus. Ich schaute nach oben und dachte: da wohne ich auch.

Diese Erkenntnis traf mich im Bauch und Herz, weil mein Kopf selbstverständlich sofort protestierte. Warum sollte ich mir unbedingt Reims aussuchen? Die Stadt war nicht annähernd so bezaubernd wie St.Malo, auch nicht so geschichtsträchtig und pompös wie Paris oder Orleans.

Ich lief ein Stück weiter und setzte mich an einen Tisch auf einen Platz, der total voll war. Menschen sassen da und assen und tranken, alle waren fröhlich und glücklich, es gab Livemusik und Gelächter, es war ein wunderschöner Sommerabend. Schliesslich gelangte ich in einen Park, in den ein nahes Bistro seine Tischchen getragen hatte. Ein Mann sass alleine an einem Tisch und für einen Moment dachte ich, er wartet darauf, dass ich zum Essen komme.

Ich musste mich schütteln, um wieder in meine Realität zurück zu kommen. Auf dem Weg zurück zu meinem Hotel musste ich mir aufsagen wer ich bin, wo ich bin und warum ich gerade in Reims bin und wohin ich fahre.

Manchmal sind wir in Zwischenwelten unterwegs. Das Fremde wird vertraut, das Vertraute wird fremd. Wenn wir von einer langen Reise zurück kehren sehen wir unser Zuhause mit anderen Augen an. Wir müssen wieder hineinfühlen in das Leben, das wir eigentlich führen und uns lösen von dem Ort, an dem wir eben genauso ein gewohntes Leben geführt haben.

Geht es Dir auch so, wenn Du von Deinen Ferien zurück kommst?

Könntest Du auch problemlos da leben, wo Du dann bist?

Und: Warum tust Du es nicht?

Hast Du Sehnsucht nach einem anderen Leben?

Könntest Du Dir vorstellen, noch mal jemand anderes zu sein?

Du kannst das auch schriftlich tun. Es ist eine schöne Übung aus dem Buch: „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Da schlägt sie vor, man solle an einen Ort aus seinem Leben zurück gehen. Die Abzweigung diesmal nach rechts nehmen statt nach links. Losgehen in das dann anders Entschiedene. Was wäre gewesen wenn du das und das entschieden und getan hättest? Wo würdest Du leben? Mit wem? Von was? Wer wären Deine Freunde? Wie würdest Du Deine Abende, Wochenenden, Ferien verbringen?

Ich bin in Gedanken spazieren gegangen an dem Abend auf diesem schönen Platz in der Mitte von Reims. Habe mir Menschen angeschaut, die meine Freunde wären, ich sässe in deren Mitte, wir sprechen über Mode und unsere Arbeit. Sah ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater (mein Sohn?) alberte. Hörte die französischen Chansons und sang mit. Später musste ich mich verabschieden, weil im Park mein Verleger zum Abendessen wartete. Wir mussten noch über die Roadtour sprechen, bei der ich mein neustes Buch in den Buchläden des Landes vorstellen und aus ihm lesen sollte. Es war ein vergnügter Abend und als ich später in die Mansarde meines Zuhauses in der Rue Corteau 21 stieg, maunzte mein Kater schon von weitem, weil er unbedingt noch einen nächtlichen Snack brauchte.

Real – stand ich auf und schlenderte den Weg ins Hotel zurück, wo ich mein momentanes Leben wieder traf, kaum französisch sprach und sehr sehr allergisch gegen Katzen bin. Ich mag dieses Leben auch ganz besonders gern.

Aber – was wäre wenn?

Andre Heller hat mir einmal ein Buch signiert. Er schrieb: Für Wiebke Maren. „Die wahren Abenteuer sind alle im Kopf“.

Wo genau warst, bist und wirst du zuhause sein?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ein neuer Tag

Wann hast du das letzte Mal einen Sonnenaufgang erlebt?
Was hast du dabei gefühlt?

Tust du das nur in den Ferien oder weisst Du auch sonst, während deines Alltags, was da jeden Tag aufs Neue passiert?

Hier auf Jersey ist das ein Schlüsselmoment. Am Tag nach der harten Arbeit stehen wir eine halbe Stunde vor dem Sonnenaufgang auf, fahren mit dem Auto in den Osten der Insel, setzen uns dort auf eine Klippe und beobachten, wie sich der Feuerball an den Himmel hebt. Während der Phase, in der die Sonne die Wolken durchdringt und erscheint, schreien die Möwen besonders laut. Auch die anderen Vögel stimmen in eine Art Motivationsgeschrei ein. Dann dringt der erste Strahl durch und das Glitzern auf dem Meer beginnt. Plötzlich ist Stille. Die Vögel scheinen andächtig lauschend auf ihren Bäumen und Felsen zu sitzen und den Moment zu umarmen. Das neue Leben, der neue Tag beginnt.

Unmittelbar danach segeln sie los und fliegen über die Bucht.

Auch für meinen Coachee ist das jeweils ein Zeichen, dass nun eine neue Zeit beginnt. Ein Neuanfang, ein Start in ein Leben mit einem neuen frischen und leichten Beginn.

Ohne dass ich sie dazu ermutigen muss, schreien sie aus Freude in die Weite des Ozeans. Und dann stehen sie da, strecken die Arme in den Himmel. Stolz auf sich wegen der geleisteten Arbeit, der tiefen Erkenntnisse, der befreienden Leichtigkeit, die sich einstellt, wenn man sich seine mentalen Programme neu geputzt hat und viel gedanklichen Müll entsorgt hat.

Ich trete zurück. Ich schaue auf den Mensch, der da steht. Ich bin glücklich.

Nicht stolz, weil ich der Begleiter des neuen Adlers war, bis er ausgeflogen ist. Sondern unendlich dankbar, dass der Coachee sich so tief auf sich einlassen konnte, dass er zurück gefunden hat in sein Herz. Auch über das Vertrauen, das er mir geschenkt hat. Ich bin glücklich, diese Insel entdeckt zu haben, die ein Coaching so leicht macht, weil sie mit Ihrer Schönheit und Weite und ihrem stetigen Wind, ihren schwindelnd hohen Klippen und der wunderschönen üppigen Vegetation eine Umgebung schenkt, die es dem Coachee leicht macht, sich zu ent-falten.

Der Sonnenaufgang findet jeden Tag statt. Meistens, auch ich, verschlafen wir ihn. Und dabei hat er doch so eine überwältigende Botschaft: Ein neuer Tag beginnt. Noch ein Tag, noch ein Tag. Jeden Tag.

Wir haben keine Garantie, dass es noch viele Tage gibt. Aber solange wir bewusst sind, dass jeder Tag neu und frisch ist, können wir auch diesen wieder aus der Fülle leben. Wie anders sollten wir das tun als frei. Das Gestern ist vorbei, das Morgen noch nicht da. Das Leben ist jetzt. Es ist immer jetzt.

Die Vögel hier auf der Insel erwarten jeden Tag euphorisch und laut den neuen Tag. Dann erscheint die Sonne, sie stossen sich ab und segeln und feiern, dass es weiter geht.

Worüber jubelst Du heute?

Was macht Dich jetzt gerade besonders glücklich?

Wirst auch DU ihn nutzen, diesen Tag?

Abstossen, abspringen in das neue Abenteuer, das sich heute bietet?

Nutzt Du diesen Tag?

Wofür?

WILLKOMMEN in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich in grosser Dankbarkeit Regina. Was für eine wunderschöne Coachingreise war das mit Dir! Flieg hoch! Bleib oben! Volle Kraft voraus!