In den letzten Wochen habe ich viel über dieses Thema nachgedacht. Vor allem weil ich an einer reichen Fülle von unterschiedlichen Orten war. Ich kam aus einer Zeit der Stille und Leere in Nordirland, in der ich nur mit wenigen Menschen sprach und stundenlang den langen leeren Strand entlang schlenderte und den weit weiten Himmel genoss. Und dann ging es nach dem Unfall direkt los in ganz und gar andere Eindrücke.
Ich spürte, dass jede Umgebung etwas mit mir tat. Und die Gespräche mich verfolgten oder langweilten oder aufwühlten. Und das Gesehene mich inspirierte oder öffnete oder einengte. Und damit bin ich ja nicht allein. Es geht uns allen so.
Ein bisschen muss ich schmunzeln, dass ich einmal eine katastrophale Fehlentscheidung getroffen hatte. Vor einigen Jahren, es hatte mit der permanenten Aufenthaltsgenehmigung in Jersey nicht geklappt, hatte ich die wahnwitzige Idee ins Tessin zu ziehen. Oh du meine Güte. Ich mag kein italienisches Essen. Die Sprache und deren Tempo/Tonation nervt mich. Ich mag keine Touristen. Heisses Wetter ist gar nicht meins. Die verdammten Berge ekelhaft nah. Ich sass auf meinem Balkon und schaute ins Tal aber rechts und links schienen sich die riesigen Berge zu zu schieben, so dass sie mich zerquetschen würden. Alles ging mir da auf den Geist, ich fror im Winter erbärmlich und die Schönheit meines Tals erreichte mich nur an guten Tagen. Ich pickte mir die Kirschen: Das glasklare Wasser in den Flüssen und Wasserfällen, die Kirchen, die entlegenen einsamen Gegenden, die Unberührtheit und das Archaische in der Landschaft. Nur – lang hielt es mich! natürlich! nicht!
Ich bin in meinem Leben oft umgezogen, ich denke so alle 3-4 Jahre in der Regel, weil ich immer Lust auf Neues hatte. Und mich Routinen langweilen. Immer schon. Schon als kleines Mädchen wollte ich ständig was Neues erleben, spannenden Menschen zuhören. Noch immer, ungebremst, hungert es mich nach guten Büchern, neuen Ideen, anderen Gedanken, inspirierenden Gesprächen. Die Weite! Ich brauche sie unbedingt und überall. Ich bin eine Suchende und bleibe es auch.
Und dann dachte ich darüber nach, was das Milieu, in dem wir uns bewegen, mit uns macht. Wie es uns einnimmt, sich in uns einschleicht und uns, eigentlich im Wesentlichen – öffnet oder schliesst. Uns zu einem besseren Menschen macht. Oder eben das Gegenteil davon.
Interessanterweise bringt mich das in eine ganz eigene Richtung:
In wie fern sind wir wirklich frei in unseren Entscheidungen?
Zunächst prägt uns mal alles: Unsere Sprache prägt wesentlich unser Denken. Ist Dir schon aufgefallen, wie sich deine Stimmlage verändert, deine Wortwahl, dein Sprachtempo, wenn Du in einer anderen Sprache, oder einem Dialekt sprichst? Was tut es für Dich, Muttersprache zu sprechen oder Dich auf eine andere Sprache einzulassen? Ist Deine Sprache komplex oder einfach? Unterschiedlich in der gewählten Sprache? Sprache bildet Gedanken, erweitert den Geist oder reduziert ihn. (Nur noch Emojis zum Beispiel killen den Geist und die Kommunikation)
Gewohnheiten prägen uns in unserem Tagesablauf und können Sicherheit (bei den Sicherheitssuchenden) und Langweile und Einengung (bei den Freigeistern) sein.
Milieu kann zu einer inneren Struktur werden. Und auch hier gilt das alte Gesetz:
Anpassung oder Rebellion.
Wir suchen das Gleiche um uns geborgen und sicher zu fühlen. Oder wir suchen den Gegenentwurf um möglichst viel Risiko und Abenteuer in unserem Leben zu haben.
Wie wir aufwachsen, wo wir gross werden, was wir lernen, essen, sprechen, erfahren, als Vorbild annehmen, das alles ist ein inneres Gerüst, das wir entweder endlos nachahmen oder eben genau das Gegenteil davon machen. All das prägt uns.
Ich muss schmunzeln, wenn ich zum Beispiel daran denke, wie leidenschaftlich ich Minigolf spielen hasse (ich werde schon allergisch wenn ich Fotos davon sehe) oder wie sehr mir manches Essen zuwider ist. Oder erzwungene Floskeln und Phrasen. Oder Strassenkehren. Oder Anhäufen von Erinnerungsstücken. Oder überhaupt viele Dinge besitzen. Oder den muffigen Geruch von alten Textilien. Textilien überhaupt, ganz schlimm. … Gehe ich zurück darauf, warum ich das so hasse, dann sind es die Erinnerungen, die daran verknüpft sind. Eine Realität, die ich abgestreift habe.
Man könnte provokant sagen, dass wir die meisten Dinge nicht entscheiden, sondern wiederholen. Auch die Abneigungen!
Milieu kann also ein Ausgangspunkt sein, muss aber nicht immer das Gleiche bleiben. Wir können uns ein neues Milieu suchen, zu dem wir uns mehr dazugehörig fühlen. Sozusagen als Gegenentwurf zum Gegebenen. Oder dem, was wir schon ausprobiert und nicht als förderlich befunden haben. Nur eins ist ganz gewiss:
Je genauer Du weisst, wer Du bist – desto sicherer kannst Du Dir Dein eigenes Milieu aussuchen – und das Falsche unbedingt verlassen! Freiheit muss man sich erobern und es ist bisweilen mühsam. Denn: Wenn es das falsche Milieu ist, in dem Du Dich befindest, so wird es Dich lähmen, klein halten, in Angst festhalten, Deine Möglichkeiten beschränken. Wenn es das Richtige ist, dann hebt es Dich, lässt Dich aufblicken, über alle Komfortzonen und Einengungen hinaus in Dein Potential wachsen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, Zugehörigkeit ist existenziell. Also wird Dein Herz sowieso danach streben da zu sein, wo es singen und tanzen kann. Es ist eigentlich ganz einfach: Überall wo Du glücklich, friedlich und entspannt bist, da bist Du richtig. Überall wo Du lachen kannst, Menschen und Situationen Dich berühren, da bist Du willkommen. Alles was zu Dir passt löst Glücksgefühle bei Dir aus. Wähle nur das und Du hast ein glückliches Leben!
Wir alle sind in einem Milieu. Mit diesem Blog möchte ich Dich auffordern nach innen zu fragen: Fühle ich mich hier wohl? Bin ich glücklich? Inspiriert? Hat dieser Weg, diese Situation, diese Verbindung ein Herz? Entspricht es meinem Innersten? Kann ich hier wachsen?
Wenn nein, musst Du unbedingt weiterziehen und die richtige Atmosphäre suchen, in der Du Dich entfalten und das Leben geniessen kannst. Wenn ja, dann mach weiter! Mach Dein Leben schön, gross, bunt und mach Dich glücklich!
Denn, am Ende geht’s nur darum, das Leben zu geniessen so lange wir es haben.
La vie est belle! Belle! – Das Leben ist schön


















