Das Gold im Dezember

Habt Ihr das Jahr schon Revue passieren lassen? Oder seid Ihr vom Endjahres/Weihnachts-Tempo getrieben? Dann könnt Ihr das vielleicht „zwischen den Jahren“ noch machen, in den letzten Tagen des Jahres.

Warum aber nicht heute schon ein bisschen darüber meditieren was das Jahr Euch gebracht hat, was es mit Euch gemacht hat.

Gestern bekam ich von einem lieben Freund einen Link zu einer Meditation über Dankbarkeit und Glückseligkeit (ist das nicht ein wunderbares Wort). Ich habe die Meditation einige Male gemacht und fühlte mich sehr beschenkt. Denn – die Geschenke des Lebens verlieren wir manchmal aus den Augen.

Der Regen, die Kälte und der Wind drängten auch Menschen in der Sonnenstube der Schweiz gestern in Ihre Häuser. Ich hatte das Vergnügen an einem Haus meiner Nachbarin, die kaum ein Wort Deutsch spricht, vorbei zu gehen und sie winkte mich herein, liess mich einen Espresso und ein Weihnachtsplätzchen verspeisen und wir redeten mit ein paar wenigen Worten über das Wetter, die Stimmung draussen (so einfach, es ist das Wort „Ambiente“) und das bevorstehende Weihnachtsfest. Als ich mich bedankte ergriffen wir uns die Hände und lachten uns herzlich zu.

Ich spürte tiefe Dankbarkeit für die Begegnung und zuhause begann ich, allen Menschen zu danken, die um mich herum und in meinem Leben sind. Ich schrieb sechzig Weihnachtsbriefe und war damit den ganzen Tag wunderbar beschäftigt. Einmal im Jahr den Menschen danken für ihr gutes Herz, ihre Schönheit, ihre Grazie, ihren Mut, ihre Hingabe. Ist das nicht wunderbar? Haben wir nicht alle solche Geschenke um uns herum?

Wer hat Dich dieses Jahr beeindruckt?
Wer hat Dich dieses Jahr verzaubert?

Wer hat Dich dieses Jahr inspiriert?

Wer hat Dich dieses Jahr verändert?
Wer hat Dir Mut gemacht?

Wer hat Dich gehalten wenn es schwer wurde?

Wer hat an Dich geglaubt und Dich weiter ermuntert?

Wir alle haben solche Geschenke um uns herum. Menschen, die unser Leben bereichern und Menschen, die uns voran bringen. Das sind die wahren Geschenke zur Weihnacht: Menschen die mit uns fühlen, uns stärken, mit uns lachen und manchmal auch weinen, Menschen, die solidarisch sind und Menschen die sich kümmern, die die uns geniessen und die, die wir geniessen. Das ist der wahre Reichtum.

Zurück kommend auf die schöne Meditation. Da heisst es, man solle diese Dankbarkeit auf alle ausdehnen, denen wir begegnen.

Für mich ist das der wahre Geist der Weihnacht: Das Menschliche. Die Schönheit im anderen sehen. Auch die Verletzlichkeit. Die Liebe. Und die Perlen.

Geht diese Woche doch einmal mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben. Schaut den Menschen in die Augen, sprecht aus, was Ihr Wunderbares fühlt, wenn ihr ihnen begegnet. Zu einem Freund, einer Freundin sagen können: Ich liebe es wie Du lachst. Oder: Ich schau Dich gerne an, weil Du so ein schöner Mensch bist. Oder auch einfach nur: Schön, dass es Dich gibt.

Ihr werdet sehen, das macht warm, hell, lichtvoll und einfach nur: Dankbar.

Wenn ich an meine Adlerperspektive denke heute, dann würde ich gerne von oben dabei zusehen wie Menschen sich anschauen und berühren, sich wertschätzen und zusammen sind. Ahhhhh…..

Willkommen in dieser Adlerperspektive.

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Halt Dich!

In meiner kalten windigen Heimat grüssen die Menschen zum Abschied mit: „Halt Dich!“ Was so viel heissen soll wie: „Halt Dich aufrecht!“

Die aufrechte Haltung war immer wichtig für die Deutschen, besonders für die Preussen – und ich habe oft darüber geschmunzelt und es auch oft genug in Frage gestellt. Muss man denn in jeder Situation Haltung bewahren, keine Schwäche zeigen, aufrecht bleiben? Das brachte mich dazu, etwas über Haltung und Aufrechtes nachzudenken.

Nach einigen Wochen in schmerzgebeugter Haltung und ungeschmeidigem Gang erlebte ich das dann gleich am eigenen Körper: Wie wohltuend es ist, wieder aufrecht zu sein, sich strecken und durchstrecken zu können, die ganze Körperlänge wieder auszufüllen.

Wie durch Zauberei erlebt man dann auch etwas, das sich wie ein inneres Aufrichten anfühlt.

Anatomisch gesehen verringert eine gebückte Haltung das Versorgen des Zwerchfells mit der so notwendigen tiefen Atmung und damit den Sauerstoffgehalt im Blut und im ganzen Körper.

Bleibt die Frage, wie die Körperhaltung konkret die Psyche beeinflusst.
Ein Weg führt über die diversen Rezeptoren in Muskeln und Sehnen, die das Gehirn exakt über die aktuellen Spannungszustände im Körper informieren. Hinzu kommt der Gleichgewichtssinn im Innenohr und natürlich auch so dominante Sinne wie etwa die Augen. Wer dauerhaft den Blick senkt, schmälert sein Selbstbewusstsein. All diese Informationen werden vor allem in den unbewussten Arealen des Gehirns verarbeitet und mit entsprechenden nervösen und hormonellen Signalen beantwortet.

Wir alle wissen wie aufrecht gehende Menschen wirken. Denkt nur an die afrikanischen Frauen, die kerzengerade gehen, auch wenn sie schwere Lasten auf dem Kopf tragen. Die Massai, die mit ihrer Körperhaltung demonstrieren: Ich bin hier, ich bin stolz, ich bin der Meister meines Lebens. Wir kennen diese Haltung von vielen ethnischen Richtungen. Auch die Indianer, die Skandinavier, natürlich die Deutschen, zeigen sich gerne auf Fotografien aufrecht. Das Kinn gehoben, den Blick geradeaus, das verändert das Bild und die Ausstrahlung.

Wenn Du einen Hund hast weisst Du: der aufrechte Gang des Menschen an seiner Leine gibt ihm Sicherheit.

Von der aufrechten Haltung zur Aufrichtigkeit ist es dann nur ein kleiner Gedankensprung.

Aufrichtig – der Begriff hat sich aus ‚aufrecht gehen‘ entwickelt und bezeichnete zunächst nur eine Körperhaltung. Heute nennt man so ein Handeln, dem ein ethisch gutes Denken zugrunde liegt. Der aufrichtige Mensch verzichtet auf Imponiergehabe oder Fassadentechnik. Er muss nicht Eindruck schinden, sein Wissen heraushängen lassen, professionelles Gehabe an den Tag legen. Der aufrichtige Mensch bleibt sich selbst treu. Dazu gehört es, die eigene Überzeugung, die eigenen Gefühle authentisch auszudrücken.

In der Interaktion mit anderen Menschen sind wir aufrichtig, solange wir mit ihnen so sprechen, wie sie mit uns reden können, ohne dass unsere Beziehung dadurch gefährdet würde. Störungen entstehen durch Herabsetzung oder Bevormundung des Gesprächspartners.

Etymologisch ist ein Philosoph der Liebende oder Suchende der Wahrheit und die Aufrichtigkeit ist die Liebe zur Wahrheit und die Achtung vor dieser.

Wer aufrecht ist, steht zu seinen Überzeugungen und verbiegt sich nicht, ist senkrecht wie eine Säule zwischen Himmel und Erde. Dies zeigt sich auch in der Körperhaltung und im freien und offenen Blick, der seinem Gegenüber nicht ausweicht.

Dieser Moment, wenn Du nach einer Weile in Schmerz gebeugter Haltung oder nach langem in sich versunkenen Sitzen wieder aufrecht gehen kannst – verbindet Dich also auch wieder mit Deiner eigenen Authentizität, macht Dich wieder stark und motiviert, Du fühlst Deine Kraft, Dein wahres Selbst und Deine Wirkung auf andere wird deutlich erkennbar sein.

Verbiegen wir uns also nicht, sondern stehen zu uns selbst, unserer Wahrheit, unserem Wesen und zeigen damit Haltung.

… am besten natürlich die Haltung eines Adlers, frei, stolz und in seiner eigenen Kraft ruhend.

Nutze die kleine Inspiration und strecke Dich – jetzt. Und gehe so mal ein paar Meter. Spürst Du die Präsenz?

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

Das Leben, unser Spielraum

Diese Woche hatte ich nach sehr langer Zeit wieder einmal einen Tag an dem ich mit Freunden an einem Spieltisch sass. Wir spielten ganz altmodisch mit Karten und Brettspielen, lachten, waren emotional und frei und es machte den Kopf auf und uns untereinander zu Kindern. Wie herrlich so ein Tag ohne digitale Medien, ohne Ernsthaftigkeit, ohne Sorgen und ohne Alltag!

Wie entspannend das Spielen war! Erstaunlich, dass ich vergessen hatte wie es gut tut zu spielen! Wieso spielen wir so wenig im Leben?

Auch die fortgeschrittenste Gesellschaft kann weder Luft noch Nahrung noch Liebe und Beziehungen ersetzen und sie braucht Menschen, deren innere Lebendigkeit und spielerische Erfindungskraft noch nicht ganz eingeschlafen sind. Es geht nicht um Spielerei, wenn wir fragen, inwieweit Leben Spiel sein kann.

Warum haben wir so viel Ernsthaftigkeit und Regeln, Vorschriften und All-tag zu bewältigen, sind so oft gestresst und „in Schienen“ unterwegs?

Die Antwort ist leicht: Weil die Gesellschaft eine ORDNUNG verlangt, dem sich alles zu beugen hat. Wo kämen wir denn da hin,  wenn jeder nur noch machen würde, was er will?

Ja, wo kämen wir denn da hin?

Vielleicht in den Eigensinn?

Vielleicht in die Kreativität?

Vielleicht sogar auf neue Gedanken?
Vielleicht auf neue Lebenskonzepte?

Vielleicht auf Lösungen, die man gar noch nicht kennt!

INS SPIEL?

Spiel ist keine Form des blossen Zeitvertreibs, den wir uns leisten können oder nicht. Spiel ist das Grundprinzip des Lebens – und Spielräume sind die Räume, in die hinein sich Leben entfaltet.

Spielen ist – wie im althochdeutschen „spelan“ enthalten – die suchende Bewegung durch die Welt, eine Lebensbewegung, die keinen ungebahnten Weg scheut, Umwege gerade nicht meidet und zugleich immer auf der Suche ist.

Der spielerischen Qualität und Haltung des Lebens haben wir eine gesellschaftliche Struktur und Ordnung entgegen gesetzt, die Spielräume gar nicht ertragen kann, oder diese zugebaut/gemauert hat – oder zugestuhlt hat damit kein Bewegungs-, eben kein Spielraum mehr besteht.

Wir alle träumen den Traum eines bewegten, abenteuerlichen, lustvollen, spontanen, freien, lustigen Lebens, wir alle träumen davon, das Leben selbst zu gestalten, vielleicht sogar ein Stück weit für die Gesellschaft anders zu gestalten, neue Spielräume zu erobern, auszubrechen aus den Schienen, der Langeweile, der vorgezeichneten Konzepte. Ich behaupte sogar, wir alle träumen davon, aus der ORDNUNG auszusteigen die die Gesellschaft uns aufdoktriert.

Wer sich frei durch Räume bewegt, ist schwer kontrollierbar. Werden wir wohl deswegen alle so gerne von der Karrierelaufbahn, den gesellschaftlichen Normen, der Medienlandschaft, dem TV, dem Internet, dem sitzenden Spiel vor der Playstation betäubt? Damit wir ruhiggestellt sind und unseren inneren und äusseren Bewegungs- und Eroberungsdrang unter Kontrolle haben?

Ich behaupte: Der Verlust unserer Spielfähigkeit und der Fähigkeit der Entdeckung und Eroberung von gegenteiligen neuen Lebensformen hat eine körperliche, geistige und emotionale Panzerung zur Folge. Wir sind ja schon alle völlig ungeschmeidig vom vielen Sitzen!

Ich glaube: Wir alle wollen zurück ins Spiel.

Wo ist Dein Spielraum?

Spielst Du mit dem Leben oder spielt das Leben mit Dir?

Und wie wäre es, das Leben mal als Spiel zu betrachten?

Heute mal willkommen in eine Kapriolen Adler-Perspektive.

 

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Die äussere und die innere Freiheit

„Alle Meister die ich je kennen gelernt habe, waren die, die ihre persönliche Meisterschaft bewältigt haben“, hörte ich mich kürzlich zu einer Coachee sagen. Und sie verstand sofort – die persönliche Meisterschaft, das grösste Battle, das uns herausfordert.

In diesem Zusammenhang denke ich über Freiheit nach. Ein Thema, das wohl jeden schon einmal intensiv beschäftigt hat. Vor vielen Jahren sagte mir ein Klassenkamerad: „Als wenn wir je die Wahl gehabt hätten“. Es war zu Zeiten des Wettrüstens, in den Achtzigern, als die Welt den Atem anhielt und wir nicht wussten, was als Nächstes passieren würde. Und ein paar Jahre später ging die Mauer, zwischen Ost und West in Deutschland, auf und man sprach von einer Wende, einer neuen Freiheit.

Freiheit im Aussen wird oft mit Entscheidungen, mit eigen gewähltem Leben, mit finanziellen und beruflichen Möglichkeiten gleich gesetzt. In einer Zeit, in der wir fast alles haben, ist es schwer, sich vorzustellen, dass Menschen tatsächlich auch unentschieden in der Freiheit eingeschränkt sind, unter einem Diktat, in einem unguten politischen Millieu, unter einem körperlichen Handicap oder einer gewalttätigen Gefangenschaft leiden und für ihre blosse Freiheit, ohne zusätzliche Benefits, alles geben würden.

Die äusserliche totale Freiheit, können wir sie erreichen? Oder ist es immer nur partiell möglich, sind wir nicht auch alle abhängig von der Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Wärme, Schutz und sozialen Kontakten?

In diesem Zusammenhang müssen wir innere Freiheit als Meisterschaft ansehen, wie steht es bei uns um diese sehr intime Freiheit? Sind wir frei von Scham und Schuld, Angst und altem Groll, frei von Selbstvorwürfen und Klage, frei von Selbstmitleid, frei von Begierden auf Kosten von anderen, von Ressourcen oder Menschen, frei von Wünschen, Sehnsüchten, Süchten überhaupt, frei von Wollen und Müssen, frei von Urteilen und frei von Ego ganz allgemein? Was meinen wir denn, unbedingt noch zu brauchen, bevor wir frei sind?

Bist Du frei?

Kannst Du Dich wagen Du selbst zu sein?

Kannst Du es wagen ganz authentisch, ganz ehrlich zu sein und ganz bei Dir zu bleiben?
Wo verleumdest Du Deine wahre Identität? Und zu welchem Preis?                               Zahlst Du etwa mit der Freiheit dafür?

Für uns alle, die wir in einer relativ grossen äusserlichen Freiheit leben, ist es geradezu elementar wichtig, sich damit zu beschäftigen wie frei wir innen sein können. Und damit auch: Wie selbst bestimmt. Wie verantwortungsbewusst. Wie respektvoll wir mit uns selbst umgehen.

Schwingen wir uns also auf in die Freiheit, gewinnen wir sie zurück.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Freiheit

Die Veträge sind gemacht
Und es wurde viel gelacht
Und was Süsses zum Dessert
Freiheit, Freiheit

Die Kapelle, rum-ta-ta
Und der Papst war auch schon da
Und mein Nachbar vorneweg

Freiheit, Freiheit,
Ist die einzige, die fehlt
Freiheit, Freiheit,
Ist die einzige, die fehlt

Der Mensch ist leider nicht naiv
Der Mensch ist leider primitiv

Freiheit, Freiheit,
Wurde wieder abbestellt

Alle, die von Freiheit träumen,
Sollen’s Feiern nicht versäumen,
Sollen tanzen auch auf Gräbern

Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zählt
Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zählt

(Marius Müller-Westernhagen)

Ver-rückt oder norm-al(l)?

Die letzte Woche war ich mal wieder mit dem Mainstream konfrontiert. Wie immer, wenn ich damit berührt werde, bin ich nicht nur irritiert sondern auch irgendwie frustriert. Unser „Google“ im Kopf, der immer die gleichen Fragen mit immer den gleichen Antworten bekommt. Die aktuelle Mode, die endlos kopiert und stets flächendeckend getragen wird, egal ob Alter und Figur dazu passt. Und ja, leider, auch Halbwahrheiten die wiederholt und geglaubt und wieder zu Boden diskutiert werden, auch wenn das Ergebnis den eigenen Horizont nicht erweitert, weil es keine neuen Erkenntnisse gibt…

Puh – Mainstream ist so anstrengend. Und doch will jeder dazu gehören, mitspielen, dabei sein, nicht auffallen, attraktiv das gleiche Bild abgeben wie andere.

Wie wohltuend finde ich Menschen mit eigenen Gedanken, mit Vorlieben die schwer nachvollziehbar sind, mit überraschenden Aussagen oder Fragen und Frechheiten, mit Eigen-Sinn und Menschen die ausbrechen, ihren eigenen Standpunkt haben, die geschmeidig und biegsam und tänzerisch durchs Leben gehen.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein herrliches Wort ein: Chuzpe. Es ist ein jiddisches/hebräisches Wort und beschreibt eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit

Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt dabei die Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit.

Wie herrlich wenn mir ein Mensch etwas Verrücktes erzählt das er getan, erlebt oder gesagt hat! Und wie viel Spass habe ich dabei, Menschen mit einer frechen Dreistigkeit aber auch kreativen Spontanität zu provozieren. Ich liebe es, wenn Menschen verrückt sind! Raus gefallen aus den Schienen, heraus gesprungen aus den normalen Bahnen des Lebens.

Macht doch einfach was Ihr wollt!

Zu gerne würde ich einer Menschenmenge, wie ich sie oft im edlen Zürcher Etablissement gesehen habe, mal provozierende Fragen stellen. Einfach verrückte, impulsive, spontane, heraus-fordernde Fragen, die die Menschen dazu bringen zu überdenken, ob sie wirklich blind dem Mainstream folgen oder sich ver- rücken wollen um zu Neuem zu kommen, was viel mehr ihrem Wesen entspricht.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine herrliche junge Coacheefrau, eine kreative eigensinnige Göttin, die vor vielen Jahren auf meinem „heissen Stuhl“ sass und mich bat, ich solle ihr doch zeigen wie sie ihr Leben „wieder auf die Reihe bringen soll“ … ich nahm eine Holzkugelbahn heraus, legte einige Glaskugeln in die Schiene und stiess sie mit enervierender Langsamkeit in der Reihe durch die vorgefertigten Bahnen. „Willst Du das wirklich, in der Reihe tanzen?“ Wir bekamen statt einer Antwort einen Lachflash und die Kugeln schossen durchs Zimmer. (Danke Muluc, noch immer eine köstliche Erinnerung)

Tanzt doch mal aus der Reihe, diese Woche. Macht Kapriolen. Geht rückwärts, benutzt mal die andere Hand zum Zähneputzen, duscht eiskalt, schlaft anders herum im Bett, macht den Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag, setzt Euch eine rote Clownsnase auf und schaut Euch im Spiegel an. Reiht Worte aneinander, die nicht zusammen gehören, brecht mal aus, aus dem Einerlei, dem Mainstream, der Gemütlichkeit. GO WILD.

Das wahre Leben – ist nur für die Ver – rückten!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Endliche und das Unendliche

Wenn Menschen sich dem Prozess des Adlercoachings stellen, in einem Coaching auf Jersey, gibt es einen Moment „für die Ewigkeit“. Am letzten Tag, wenn alle, zum Teil sehr schweren Schritte, gegangen sind, wenn alles heraus gearbeitet wurde, alle Dämonen bei den Hörnern gepackt und ausgemerzt, alles Wichtige gefunden und formuliert, alles in die mentalen Bahnen geleitet wurde, dann gibt es diesen Moment, an dem die Coachees an der Klippe stehen. Sie schauen auf das offene Meer Richtung Norden und sprechen laut und deutlich ihre Wahrheit. Manche schreien, manche sprechen. Aber immer ist es: Dieser EINE Moment, der sich nicht wiederholen lässt. Denn der Weg dahin ist es, der den Moment so kostbar macht.

Ich erinnere mich an einen solche Moment, der nach der „Adlerrede“ stattfand. Ich sass mit einem Coachee auf einer schwindelerregend hohen Klippe beim Sonnenuntergang. Es war still bis auf die Windgeräusche, das Meer brauste unter uns. Hinter uns die Insel, vor uns die unendliche Weite des Meeres. Wir hatten eine lange und beschwerliche gemeinsame Coachingreise gemacht. Und auf eine besonders magische Weise wurde uns bewusst: Alles was wir erlebt hatten in unserem gesamten Leben hatte uns hier her geführt. Ganz unabhängig voneinander wurde uns, jedem einzeln von uns, bewusst, wie gross diese Lebensreise war. Und wie zauberhaft, dass wir heute, jetzt, hier sitzen konnten, auf einer kleinen Insel im Ärmelkanal in der unendlichen Weite des Kosmos. In unseren Berufen, in unseren Rollen füreinander. Ganz und gar unwahrscheinlich, sich so einen Moment auszumalen als wir klein waren und in komplett konträren Leben aufgewachsen waren. Ich musste schmunzeln denn als ich das erkannte, sagte er zu mir nur genau das: „Maren! Wer hätte das gedacht!“

(in diesem Sinne einen liebe Gruss an L.)

Da war er – der Moment der Unendlichkeit. Denn wenn wir die Fülle anschauen können, die uns unser Leben geboten hat, die kleinen und grossen wegweisenden Abzweigungen, die Fehler und die Benefits, die Geschenke und die Verluste, das Scheitern und das Siegen, die Begegnungen und Fügungen…. dann ist es das, was unser Leben ausmacht und jeder einzelne Schritt hat seine Folgerichtigkeit. Die Unendlichkeit ergibt sich dann, wenn wir sehen, wie wenig Einfluss wir im Grunde auf das Endergebnis haben. Wie alles einfach so geschieht wie es richtig zu sein scheint. Wie eins zum anderen führt ohne dass wir vorher das Andere kennen.

Wenn ich heute zurückschaue, bin ich nur am Staunen darüber, wohin das Leben mich geführt hat. Geht es Dir nicht auch so, dass man das Wunder erkennen kann, wenn man imaginär auch nur einen Erzählstrang verändern würde?

Beginne so: Wenn ich diese Person nicht kennengelernt hätte … dann wäre ich nie an diesem Ort gewesen, hätte diese Verbindung nicht gefunden, hätte diese Entscheidung nicht getroffen, hätte dieses nicht verloren und dieses nicht gefunden….

Alles was wir jemals verloren oder aufgegeben haben hat zu etwas Neuem geführt, alles was wir jemals bekommen haben, hat einen Verlust UND ein Geschenk beinhaltet.

Wenn Du, ähnlich einem Schnittmuster oder einer Wegbeschreibung, Deinem Weg noch einmal folgen kannst, dann siehst Du viele solche Wendepunkte, viele solcher glücklicher Zufälle. Und auch Momente, an denen Du dachtest: Das kann ich nicht verkraften. Und dann bist Du mit neuer Kraft wieder auf den Weg gegangen. Und hast an der nächsten Stelle eine Wegbiegung gefunden, die Dich woanders hin brachte, vielleicht an einen Ort, den Du nicht für möglich gehalten hättest.

Plötzlich werden dann Verluste und schwere Schicksalsschläge zu Geschenken, zu Umkehrmomenten, zum Wachrütteln, zum Treibstoff für zukünftige Taten.

Dieser Moment also, damals auf der Klippe, da spürte ich: Das Endliche (denn diesen Weg mit diesem Coachee wird es nie mehr so geben und kann nie mehr gleich erlebt werden) und das Unendliche, die Erkenntnis, dass das Leben nicht anhält, sondern uns stets an neue Momente, neue wunderbare Plätze und zu neuen Wundern führen wird. Das Leben ist immer FÜR uns.

Wohin wird unser Weg uns wohl noch führen?

Das Leben ist jeden Tag neu. Und dann in der Retrospektive irgendwann: Richtig und gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ernten und Hygge feiern

Die letzte Kastanien gesammelt, das Holz für den Winter im Keller gestapelt, kistenweise Kerzen angeschleppt und jetzt geht’s los mit Kochen, Backen, Zusammensitzen, die dunkle Zeit mit Licht und Wärme füllen. So beginnen wir nach diesem ewigen Sommer den Herbst. Endlich Regen, Kälte, Winde, wir ziehen uns nach Innen zurück. Der November steht vor der Tür, für viele kein willkommener Monat, Nebelschwaden, feuchtkaltes Wetter, Blätter von den Bäumen und lange Dunkelheit.

Aber jetzt ist „Hygge“ angesagt. „Hygge“ hat seinen Ursprung nicht in der dänischen Sprache, sondern in der norwegischen, in der der Begriff so etwas wie „das Wohlbefinden“ bedeutet. Der Begriff tauchte erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der dänischen Schriftsprache auf und seitdem haben die Dänen sich den Begriff zu eigen gemacht. Das Gute an „Hygge“ ist, dass es sich in alle Kontexte integrieren lässt. „Hygge“ ist inzwischen ein Kernbestandteil der dänischen Tradition. Im Wesentlichen ist „Hygge“ eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens mit netten Leuten zusammen genießt. Das warme Licht der Kerzen ist „Hygge“. Freunde und Familie gehören auch zur „Hygge“. Und nicht zu vergessen das Essen und Trinken – das heisst für Dänen am liebsten mehrere Stunden am Tisch zu sitzen und sich gemeinsam mit den größeren und kleineren Dingen des Lebens auseinanderzusetzen.

Wenn wir Glück haben, dann ist der jetzt schlagartig beginnende Herbst und bald schon Winter etwas Schönes für uns. Dann machen wir es uns gemütlich und geniessen. Gehen in die Innenschau, beschäftigen uns wieder mit dem Innenleben. Der Herbst ist eine Saison, in der geerntet und die Ernte gefeiert wird.

Wie sieht es mit Deinem Resümee dieses Jahres aus?

Was hast Du dazu gewonnen, was gelernt und neu erkannt?

Welche Weichen haben sich gestellt oder hast Du gestellt?

Hast Du es gut genutzt und gelebt, dieses Jahr?

In den letzten Wochen hörte ich mich öfters nicht gut über 2018 reden und hätte es gerne schneller beendet, ohne die noch verbleibenden 8 Wochen abzuwarten. Und dann ging es mir plötzlich selbst auf die Nerven, dieses Jahr so pauschal als schlechtes Jahr abzubuchen. Ich holte meine Agenda heraus und schrieb eine Liste, was in diesem Jahr alles Wunderbare geschehen ist und wen ich Wunderbares neu kennengelernt oder auch freundlich begleitet habe diese Jahr. Und siehe da: Das Jahr war voller Schätze!

Einen grossen Schatz bekam ich in der vergangenen Woche als „good news“ geschenkt. Das war dann mal eine kleine Krönung auf meiner Glücksagenda. Vielleicht kommen noch ein paar mehr! Es sind doch NOCH 8 Wochen Zeit!

Mach doch dieses hyggelige Herbstvergnügen: Eine Kerze anzünden, feinen Tee kochen und etwas Leckeres zum Essen dazu. Ein leeres weisses Blatt und einen liebsten Stift und dann: Ernte einfahren!

Was war toll an diesem Jahr?

Was hast Du geerntet?

Für was bist Du wirklich dankbar diesem Jahr 2018?

Na also! Das nährt Dich in der dunklen Zeit, die nun kommt.

Feire das Leben, Jetzt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris