Warum sind wir nicht einfach glücklich?

„Ich lauf‘ des öfteren Gefahr
Zu vergessen wie schön das Leben bisher war
Mit dir von Anfang an verflochten bis ans Ende meiner Zeit
Wir lieben das Leben und sind dafür bereit

Denn wir alle werfen Schatten auf des Nächsten Licht
Lass dich nicht zerbrechen und fürchte dich nicht

Vor dem, was da kommt
Vor dem, was du fühlst
Vor dem, was du liebst

Das hat die Welt noch nicht gesehen
Trotzdem ist Liebe wunderschön
Ist unsichtbar und trotzdem da
Freude und Leid das ganze Jahr
Man nimmt das Leben sonst nicht wahr
Denn mit dem Herz sind wir meist blind
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind
Der doch dem Meer den Regen bringt…“

Kennst Du diesen Text der Söhne Mannheims?

Was löst es bei Dir aus?

Diese Tage wurde ich einmal mehr mit einigen emotionalen Berg- und Talfahrten konfrontiert. Manchmal scheint es mir, das Leben findet in Wellen statt. Und in den letzten Wochen kam wieder eine Schmerzwelle. Viele meiner Coachees und Freunde gingen und gehen durch intensive emotionale Prozesse.

Ich musste dabei an einen Satz denken, den ich vor Jahren einmal von einer spirituellen Lehrerin hörte:

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Wir sehen oft nur das Problem, die schwierige Situation, die Verletzungen, die Irrtümer, die Fehlentscheidungen. Und dann suhlen wir uns – im Selbstmitleid, in der Anklage, in der Angst, im Schmerz, im Minderwertigkeitskomplex.

Statt dessen könnten wir einfach unseren Blick in eine andere Richtung lenken: Und was ist jetzt wunderbar? Was könnte ich jetzt sofort verändern, um es wieder passend zu machen? Was macht mich jetzt glücklich?

Vor einiger Zeit war auch ich einmal in so einer Lage. Ich sah den Weg nicht mehr, ich wusste einfach nicht weiter, alle Gedanken kreisten sich beständig um das zu lösende Thema. Ich war blind, taub, unempfänglich, in mir gefangen. Was für ein Glück, dass ich da einen Spaziergang mit einem besonders lieben Menschen machte. Er bat mich, auf den Boden zu sehen. Stehen bleiben und auf den Boden sehen. Ich hatte den Eindruck es zieht mich sofort runter. Ich sollte klagen und jammern und den Boden anschauen. Das war leicht. Und es nervte mich gleichzeitig auch gewaltig. Dann sagte er: Und jetzt schau nach vorne!

Und ich sah….

weg

 

Wunderschön! Der Weg ging weiter für mich, ich hatte wieder einen weiten Horizont. Ich sah wieder die Schönheit. Ich hatte die kleine kleine Perspektive verlassen, die mich einengte. Ich konnte wieder atmen.

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Was kannst Du JETZT sofort tun, entschliessen, wahrnehmen um glücklich zu sein?

Wie kannst Du den Schalter umlegen, was würde Dir dabei helfen?

Nun – zuerst musst Du – die Perspektive wechseln.

Wenn irgendwie möglich gehe an einen erhöhten Platz, einen Berggipfel, einen Turm, einen Aussichtsplatz. Und dann – schau in die Weite. Erkenne: Eigentlich ist das, was mich gerade plagt ein NICHTS. Verglichen mit dem, was ich bereits erlebt habe. Mit dem was ich alles kann. Mit dem was das Leben zu bieten hat. Mit dem wofür ich dankbar bin. Mit dem was es alles gibt. – Verglichen damit ist es nichts.

Atme tief ein und aus. Sieh die Schönheit. Nimm wahr was ist. Das was jetzt vielleicht gerade nicht da ist. Aber doch immer da ist.

Das schönste Bild dafür ist das, was sich uns bietet, wenn wir das Vergnügen haben zu fliegen: Man durchbricht die Wolkendecke und oben ist der Himmel immer herrlich blau und die Sonne ist gleissend. Eine Schönheit, die sich immer wieder bietet. Es ist niemals anders.

Komm aus den Wolken in Deinem Blick und sieh: Der Weg führt Dich weiter.

Das Glück ist immer da. Entscheide Dich dafür und bleibe dabei.

Willkommen in der Adlerperspektive.

kommt, meine freunde
noch ist es nicht zu spät
eine neue welt zu suchen

denn ich will weitersegeln
über den sonnenuntergang hinaus
und obwohl wir nicht mehr die kraft besitzen
die in den alten tagen
himmel und erde bewegten
sind wir dennoch was wir sind

noch immer sind wir helden
deren herzen im gleichklang schlagen

zwar schwächt das schicksal
uns von zeit zu zeit
doch stark ist unser wille
zu streben
zu suchen, zu finden
und nicht zu verzagen

(walt whitman)

Fertig machen!

Da war dieser wirklich interessante Mensch, der einmal in mein Coaching kam vor vielen Jahren. Er erzählte mir von seinem spannenden und bunten Leben, war fröhlich und offenbar mental total gesund. Und dann sagte er mir, er leide an einem ganz eigenartigen Phänomen: Immer wenn er nach Hause käme, wenn er gerade das Auto geparkt und Tasche und Mantel aus dem Kofferraum genommen habe, da käme es: Er fühle bleierne Schwere. Die Schritte bis zum Haus schaffe er noch, aber sobald die Tür aufging und seine Familie ihn begrüsst, spüre er eine enorme Erschöpfung. Das Einzige, an das er dann denke, sei das Sofa und eigentlich würde er am liebsten sofort schlafen gehen.

Natürlich fragte ich ihn nach der Dynamik und Stimmung in der Familie, nach Sorgen und Stressmomenten, aber es schien alles in Ordnung. Auch die Analyse seiner Lebenssituation brachte nichts.

So machte ich mich auf und kam einmal „mit ihm nach Hause“. Ich traf ihn im Büro, wir fahren raus aus der Stadt, in seine schöne Wohngegend. Wir parken das Auto vor der Garage und er sagt: Ja, jetzt spüre ich es schon wieder!

Ich fragte ihn, warum er nicht in der Garage parkte und er sagte: Ach, die sei voll. Ich dachte an Sportgeräte und Bikes, aber als er sie öffnete und ich einen Blick hinein warf sah ich es:

Fahrräder, die repariert oder instand gesetzt werden mussten, ungebündelte Papierberge, Körbe voller Recyclingmaterial, ein Rasenmäher in Einzelteilen, bergeweise Sportkleider und Schuhe, Skier, Snowboards, Wakeboards, Schlauchboot, ein Gasgrill, verdreckt und ein Kohlegrill. Ein Zelt, nicht zusammengefaltet, Kisten vom letzten Umzug, unausgepackt. Die ganze Garage war – voller unerledigter Handlungsabläufe. Alles angefangen und nicht fertig gemacht oder gar nie angefangen. Nichts in dieser Garage war in Ordnung.

Das zog sich so weiter, im Eingangsbereich, im Flur, im Bücherregal. Auch auf seinem Nachttisch stapelten sich Bücher, die Todo Liste für das Wochenende war schon an dem Whiteboard in der Küche. Auf Anfrage erzählte mir die Ehefrau, das stünde nun seit Monaten auf der Liste, inzwischen würde sie niemand mehr beachten. (Entschuldigung, aber Dein Unterbewusstsein sieht es! Du schaust weg, aber Dein innerer Kontrolleur stöhnt auf: DAS muss ich auch noch alles machen!)

Die Familie, vor allem aber mein Coachee, litten an – Aufschieberitis.

Das gibt es echt – und psychologisch gesehen heisst es Prokrastination.

Viele Menschen kennen es von sich selbst, dass sie unangenehme Tätigkeiten – wie das Lernen für Prüfungen, das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten, das Erledigen der Steuererklärung oder Referatsvorbereitungen – lieber aufschieben als sie sofort zu erledigen. Bei manchen Personen nimmt das Aufschieben jedoch ein solches Ausmass an, dass die Betroffenen erheblich darunter leiden und dass schwerwiegende negative Folgen drohen, z.B. der Abbruch einer Ausbildung oder berufliches Scheitern. Ständiges Aufschieben wird von den Betroffenen und ihrer Umgebung oft für persönliche Willensschwäche gehalten oder als Faulheit angesehen. Prokrastination hat jedoch nichts mit Faulheit zu tun und mit solchen Konzepten lässt es sich auch nicht verändern. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung.

Die Folgen der Prokrastination sind zwar in vielen Fällen ähnlich, aber es gibt verschiedene prokrastinationsfördernde Faktoren: Probleme in der Prioritätensetzung, mangelnde oder unrealistische Planung, Schwierigkeiten in der Abgrenzung gegen alternative Handlungstendenzen, Defizite im Zeitmanagement oder in der Konzentrationsfähigkeit, Abneigung gegen die Aufgabe, Angst vor Versagen oder Kritik, Fehleinschätzungen der Aufgabe oder der eigenen Anstrengungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit.

Prokrastination kann als Teil einer diagnostizierbaren psychischen Störung, wie einer Depression, einer Angststörung oder der Aufmerksamkeitdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), auftreten. Chronisches Aufschieben beeinträchtigt allerdings auch das psychische Wohlbefinden und kann so selbst zur Ursache für andere psychische Belastungen und Symptome werden.

Im Fall meines Coachees hatte sich schon fast eine Depression entwickelt.

Ich riet ihm sofort damit zu beginnen jeden Tag etwas von den unerledigten Dingen zu tun. Beim gemeinsamen Abendessen klärte ich die Familie über dieses Phänomen auf und lud sie ein, sich gemeinsam daran zu machen, das Chaos zu beseitigen. Schon das Aussprechen der „Diagnose“ führte dazu, dass sich alle direkt an die Arbeit machten. Bereits an diesem Abend begannen sie, das Papier zu bündeln, das Altglas zum nächsten Container zu bringen, die Bücher zum Verschenken auszusortieren.

Ein paar Monate später war der Spuk vorbei und mein Coachee hatte sein dynamisches, fröhliches und freies Leben zurück.

Und nun bist DU dran: Was schiebst Du vor Dir her?

Das kann ganz real das ein oder andere Aufräum- und Ausmist-Projekt sein. Aber auch: Bücher und Zeitschriften die Du immer mal lesen wolltest. Kleider, in die Du jetzt nicht und vielleicht nie mehr passt. Emails die Du schon lange mal bearbeiten wolltest. Ja, sogar Whatsapp oder SMS die Du noch beantworten willst. Gutscheine, die Du noch einlösen könntest, Sparangebote, die Du in Erwägung ziehst. Einreichen der Rechnungen an Deine Krankenkasse, Steuern, Ablage. Papiermist.

Ich schiebe auch meine Steuererklärung ewig vor mir her. Und die Bügelwäsche. Und die Ablage. Aber ich beschränke mir diese kleinen aufgeschobenen Abenteuer auf maximal drei. Dann wächst es mir nicht über den Kopf sondern wartet nur auf einen verregneten Tag.

Was kannst Du SOFORT erledigen?

Was willst Du SOFORT loslassen/entsorgen/verschenken?

Welche Entscheidung triffst Du aus Angst vor den Konsequenzen nicht?

Was lähmt Dich?

Was hast Du im Rucksack und schleppst es mit Dir herum?

Mach Dich frei!

Ein Adler käme niemals auf die Idee mit einem Rucksack zu fliegen, das wäre sein sicheres Todesurteil. Er fliegt frei und ohne Ballast. Und damit hat er die Garantie auf einen schmackhaften Bissen.

Als nächstes kannst Du Dich dann fragen: Was willst Du unbedingt haben?

Ganz einfach: Mach den ersten Schritt, arbeite jeden Tag an Deinen Bergen. Jeden Tag! Wirf weg, verschenke, gib auf, gib an Menschen, die es brauchen. Oder bringe es in Ordnung, wenn Du es wieder brauchen kannst.

Du wirst die frische, leichte Energie sofort spüren.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

Zum Weiterlesen: „Magic cleaning“ von Marie Kondo

 

Über das Limit

blog limit

 

Diesen Titel las ich letzte Woche auf einem herum liegenden Magazin.

Alle am Limit? Wirklich?

Bist Du auch am Limit?

Hat der Stress Dich um Griff? Die 100 kleinen Sachen, die Du noch meinst erledigen und besorgen zu müssen? Nimmst Du es sehr genau? Muss alles wieder mal perfekt sein?

Ich kenne den auch, den Freund „Perfektionismus“. Ich kenne Check-Listen und To-do-Listen und den Anspruch, alles perfekt durchzuplanen und alles einwandfrei und fehlerlos zur Verfügung stellen zu müssen. Und ich kenne das auch bei meinen Freunden, Bekannten und natürlich sowieso bei meinen Coachees.

Da heisst es oft: „Ich muss erst noch schnell“ und „Ich habe noch keine Zeit, erst muss ich…“ oder „Es ist noch nicht gut genug“.

Meine liebe Praxiskollegin kann zum Beispiel nicht nach Hause gehen ohne vorher alles zu verräumen und weg zu packen. Am Wochenende sagte ich, sie solle doch jetzt bitte endlich heim gehen und sie sagte: ich muss doch noch dies und das… nahm dies und das in die Hände… und ich bat sie auch mal an sich und die neue Liebe zu denken. Dafür, sagte sie, habe sie im Moment gar keine Zeit, erst die Pflicht, dann die Kür.

Ich bin auch so erzogen worden: Erst musste alles tiptop sein. Dann durfte man vielleicht ein ganz klein bisschen entspannen.

Wie ist das: tiptop?

Wer hat diese Regeln geschrieben wie es sein muss, wie es gemacht werden soll? Wer hat gesagt dass Du nicht auch mal – nichts – machen darfst.
„Die Rede vom Leistungsdruck ist irreführend. Zu schöpferischer Leistung kann gar nicht gedrückt werden, sondern nur zu Routinetätigkeit, zu aggressiver Gereiztheit und zu Krankheit.“ (Arno Black)

Vor lauter Tun.Tun.Tun verpassen wir – das Leben.

Halte JETZT mal ein. Mach langsam. Atme.

Und dann entscheide Dich mal voll radikal:

Was kann ich weg lassen?

Was kann ich aufgeben?

Wo kann ich auch mal locker lassen?

Vermissen Deine Kinder wirklich die riesige Auswahl, die Du jede Woche in den Kühlschrank packst?
Schauen Deine Freunde wirklich ob Du auch in den Ecken geputzt hast?

Denken Deine Nachbarn wirklich schlecht über Dich wenn Du fast nie die Fenster putzt?

Musst Du wirklich Überstunden machen um ernst genommen zu werden?

Die Motivation,  diese 100 Sachen zu machen, ist in den letzten Jahren lächelnd an mir vorbei gezogen. Ich hatte keine Lust mehr zu funktionieren. Das Leben ist nicht nur zur Pflichterfüllung gemacht. Das Leben findet statt. Jetzt. Bitte hetze Dich nicht weiter durch den Tag, die neue Woche, den neuen Monat.

Nimm Dir Zeit, die Zeit zu sehen. Die Schneeglöckchen, die Bewegung in den Bäumen, die Wolken, die Regentropfen, die Sonnenstrahlen. Betrachte Deine Hände. Vielleicht den Menschen, der Dir gegenüber sitzt, während Du diesen Blog liest.

Das Leben ist jetzt. Und es ist kostbar!

Was kannst Du weg lassen?

Mach doch mal eine Not-to-do Liste.

Du kannst das – einfach mal loslassen. Sitzen und nichts tun. Gar nichts ausser atmen und gucken.

Entspanne Dich!

Es muss immer wieder, jeden Tag, eine Zeit geben, in der Du nichts tust als Dein Leben, Dein Lebendigsein zu spüren. Um diese Momente wird es gehen, wenn Du irgendwann nichts mehr tun kannst. Dann musst Du Dich fragen können: Hab ich gelebt in der Zeit?

Habe ich sie genutzt meine kostbare Lebenszeit zum L E B E N?

Ich wünsche Dir eine ent-spannte Woche. Nimm Dir Zeit. Du bist hier.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Thank you – Dank Dir!

Im Englischen ist es einfacher, da heisst es einfach „Thank you“. Im Deutschen aber heisst es: Danke Dir.

Eine meiner liebsten Lehrerinnen hat es letzthin geschrieben:

Wenn Du eine so einfache Instruktion erhältst wie „Danke Dir“, dankst Du Dir dann auch wirklich postwendend?

Danke Dir heisst ganz oft: „Ich danke Dir für“… Aber meistens heisst es doch auch: „Dank Dir“ habe ich das und das erkannt/geändert/entwickelt….

Und noch besser wäre es dann, sich zu sagen „Ich danke mir“ … nämlich…

dass ich so eine gute Freundin bin

dass ich ein so guter Partner bin

dass ich meinen Job so ernst meine

dass ich meine Eltern, meine Familie so unterstütze

dass ich das so gut gemacht habe

dass ich in der Lage war zu helfen…

diese Dankerei kann man endlos weiterziehen.

Wie oft dankst Du Dir?

Bist Du Dir dankbar?

Ich habe drei liebe Freundinnen, ja das ist für Dich M. und K. und T.

Die alle drei für Ihre Beziehungen, Ihre Ehen wirklich ALLES gegeben haben.
Alle drei verfügen über ein reines, goldenes, grosses, verständnisvolles Herz. Alle drei haben verziehen, neu angefangen, den Glauben nie verloren, sich immer wieder für die Liebe entschieden. Alle drei eint, dass der Partner das nicht genügend wertschätzen konnte, welche Meisterleistung sie da geschafft haben: Sie haben sich immer wieder der Liebe gewidmet.

Ich danke Euch dreien für das. Und noch mehr wünsche ich Euch, dass Ihr sagen könnt: Ich danke mir dafür, dass ich alles gegeben habe. Dafür dass mein Herz gross und weit ist und nicht klein und verschlossen und gebrochen.

Noch einmal: Dankst Du Dir?

Dankst Du Dir dafür, wie wunderbar Du bist?

Wie viel Du der Welt schenkst? Liebe und Wohlwollen und Wertschätzung?

Dankst Du Dir für Deinen Mut, deine Hingabe, deine Schönheit?

Dankbarkeit darf nicht nur nach aussen gehen.

Wenn Du erkennst, wie viel Du bist und wie viel Du der Welt geben kannst, dann erkennst Du einen unschätzbaren Schatz, den Du immer hast. Auch dann wenn Deine Liebe verraten worden ist. Du sitzt sozusagen auf dem Goldschatz, der Dir immer zur Verfügung steht.

So sage ich auch immer wieder, wenn mir Coachees nach einem erfolgreichen Coaching danken: Das hast Du ganz alleine gemacht. DU bist den Weg gegangen, DU hast jeden einzelnen Schritt gemacht. Ich habe Dich nur angeschubbst.

Ich wünsche Dir, lieber Leser, liebe Leserin, dass Du Dir immer danken kannst. Das bringt Frieden und Fülle und sogar so etwas wie Segen in Dein Leben. Es beruhigt Dich. Es bringt Dich zu Dir zurück. Du bleibst bei Dir und damit bei Deiner grössten Kraftquelle.

Ich danke Dir, dass Du diesen Blog liest und Dich davon inspirieren lässt.

Dank Dir schreibe ich diesen Blog.

Und ich danke mir, dass ich das so gerne mache.

Herzlich Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ich vermisse mich

Letzte Woche wurde ich gleich zweimal mit dem selben Thema konfrontiert.

Eine Freundin erzählte mir von einer Frau, die einmal wild und stürmisch, autonom und frech, selbstbestimmt und verrückt, cool und waghalsig war.

Eine Frau, die inzwischen ein bisschen braver und angepasster und damit auch ein klein wenig unglücklicher und lethargischer ist: Sie erinnerte mich an mich selbst. Als meine Freundin mich damit triggerte, wer ich war, als wir uns kennenlernten, dachte ich: Ich vermisse mich.

Und ein paar Tage später sah ich ein Theaterstück über die wunderbare Colette, die Grande Dame der französischen Literatur in der Belle Epoque. Es war ein grossartiges Stück, in dem Teile ihres Tagebuchs und ihrer Gespräche vorgetragen wurden. Colette, inzwischen in ihren späten Jahren, erinnerte sich an die wilde und lustige, dominante und selbstverliebte junge Frau, die sie einmal war. Sie skizzierte sich mit 12. Und dann sagte sie: Ich vermisse mich.

Wie ist das bei Dir, erinnerst Du Dich an Deine Energie, die Du hattest als Du jung warst?

An Deine Ideale, an Dein Temperament, an Deine Überzeugungen?

An das Schwärmerische, das Sehnsüchtige, das Unbedingte?

An Deine Rebellion, Deinen unbedingten Willen die Welt zu verändern – oder zumindest so zu gestalten, dass sie zu Dir passt?

Erinnerst Du Dich an Deine wahnsinnigen Ziele, Deine Pläne, Deine Ideen?

Deinen Mut? Deinen totalen Glauben daran, dass Du schaffen würdest was auch immer Du Dir vornimmst?

Und: Vermisst Du Dich?

Hat Dich der Zahn der Zeit eingeholt? Der Alltag gefressen? Haben Deine Beziehungen Dich verändert und ungut angepasst? Hat das Leben die Regie übernommen oder hast Du noch die Führung über Dein Leben? Was hast Du verloren auf dem Weg?

Mut und Wut, Idealismus und Wille, Kraft und Ausdauer?

Ich erinnere mich, dass eine Coachee von mir kürzlich sagte: „Ich kann einfach nicht mehr“…

Wann können wir denn nicht mehr?

Wenn wir zu lange, viel zu lange, an einer Sache gearbeitet haben, alles dafür gegeben haben, alles dafür geopfert haben, ohne dass die gewünschten Resultate heraus schauten. Und uns selbst dafür aufgegeben, verlassen haben.

Wir haben uns alle ein bisschen vergessen. Im Rausch des Alltags, im Mainstream, in übernommenen Lebensweisen, in der Moral und dem Anstand der Gesellschaft, in vorgekauten Modellen wie wir zu sein haben. Aber auch in nicht endend wollenden Pflichten, den eigenen und den aufgezwungenen. Vielleicht sogar wegen eines Leidens, eines Schicksalsschlags.

Es gibt viele gute Gründe, sich selbst auszuweichen. Abzurücken von unseren Sehnsüchten und Herzenswünschen. Von der Rebellion und der Wildheit in unserem Herzen.

Was bringt Dich zurück?

Was bringt das zurück, was Du einmal geliebt hast?

Was bringt zurück, was Du einmal an Dir geliebt hast?

Ich vermisse mich.

Und ich vermisse auch meine Freunde. Pan, mit dem ich am Feuer stundenlang über das Leben philosophieren konnte. Georg, mit dem ich so lachte, dass ich mir in die Hosen nässte. Ralf, mit dem ich still und schwärmerisch die Alleen von Bäumen bewunderte. M mit dem ich nachts aufs Dach kletterte um den Mond anzuheulen. Toni mit dem ich ausreiten konnte und dabei ohne Zügel, die Arme nach oben gestreckt im Galopp laut schrie. Ann, mit wunden Füssen nach stundenlangem Tanzen. Beatrice auf dem Roadtrip über die Insel Sylt. Ingrid, Jolanda und Coco im nackten, eiskalten Bad zum Sonnenaufgang. Wilde Zeiten.

Sie sind noch nicht vorbei. Wir sind nicht tot. Nur eben – ein bisschen älter und gehorsamer geworden.

Hier ist noch ein Satz für Dich. Er soll dich aufrütteln:

Das Wilde ist nicht das Gegenteil von kultiviert. Es ist das Gegenteil von gefesselt.

Sprenge die Fesseln. Lass das Bravsein sausen. Komm aus der Komfortzone. Erinnere Dich – an Dich selbst – erinnere Dich an das Ungestüme, das Frische und Junge und Eigensinnige in Dir. Nimm Dir ein paar alte Fotos aus Deinem Album. Schau Dir in die Augen! Erkennst Du Dich wieder? Kitzelt es in Dir?

Brich aus. Brich auf: Zurück zu Dir.

Du bist immer noch da.
Herzlich Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

 

Gezeiten

Die ganze Welt besteht aus Ein- und Ausatmen.

Hast Du einmal längere Zeit das Meer beobachtet? Kennst Du vielleicht auch die Gezeiten? Also Ebbe und Flut? Welche Bilder entstehen in Dir, wenn Du daran denkst?

Anne Morrow-Lindbergh hat einmal einen wunderbaren Text dazu geschrieben:

Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe.

Wir haben Angst, die Flut würde nie zurück kehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab – in der Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum je berühren und doch in der gleichen Bewegung sind. Die einzig wirkliche Sicherheit liegt nicht im Soll oder Haben, im Fordern oder Erwarten, nicht einmal im Hoffen. Die Sicherheit liegt allein im lebendigen Bekenntnis zum Augenblick. Denn auch unser Leben muss wie eine Insel sein. Man muss sie nehmen wie sie ist, in ihrer Begrenzung – eine Insel, umgeben von der wechselvollen Unbeständigkeit des Meeres, immerwährend vom Steigen und Fallen der Gezeiten berührt. Man muss die Sicherheit des beschwingten Lebens anerkennen, seiner Ebbe, seiner Flut und seiner Unbeständigkeit.

Wir alle befinden uns in einem Ein- und Ausatmen. Wir alle gewinnen und verlieren. Wir befinden uns tagtäglich an Wendepunkten, an Kreuzungen, im Wandel. Der Wandel hält uns gewissermassen auch am Leben, denn jeden Tag sterben in unserem Körper zwischen 50 und 70 Milliarden Zellen. Und neue werden geboren. Unser Körper ist ein einziger Stoffwechsel.

Alles ist ständig in Bewegung.

Aber unsere Psyche versucht trotzdem, die Kontrolle zu behalten.
Wir wollen gewinnen, wir wollen die Aufregung, das Abenteuer, das Grossartige im Leben, die nie endende Liebe, den stetigen Wachstum, die Karriereleiter nach oben, das jugendliche Aussehen und Auftreten festhalten, immer weiter und nur in die richtige Richtung.

Aber das entspricht eben nicht der Natur. Und wir sind Natur, egal wie schlau wir zu sein scheinen, egal wie perfekt der Geist trainiert wurde. Wir sind natürlich – und damit auch im Wechsel unterwegs.

In meiner Coachingpraxis erlebe ich immer wieder, dass Menschen panische Angst vor dem Scheitern haben. Und auch privat, bei mir und im Freundeskreis sehe ich, wie wir festhalten und auf keinen Fall versagen wollen, wie wir das, was wir hart erkämpft, erlebt und erliebt haben, nicht aufgeben möchten.

Für manche Menschen kommt es ganz hart und schmerzvoll das Loslassen. Nicht eben durch einen Schicksalsschlag, der quasi ein schnelleres Finale ist, sondern durchs Enttäuschen, durch den Herzbruch, den eine oder beide Seiten herbei geführt haben. Oder die Kündigung, den Bankrott, den Verlust von Aufträgen und Sponsoren.

Warum wollen wir nicht scheitern?

Einige Jahre zurück sagte mir ein kanadischer Coachingkollege einmal, wir im deutschsprachigen Raum wären entsetzlich feige. Wir würden so lange über die möglichen Konsequenzen und das damit befürchtete Scheitern nachdenken, bis wir gar keinen Schritt machen würden.

Damals war ich sehr wütend über diese Beurteilung und kurz danach musste ich ihm zustimmen: Wir halten extrem lang fest. Auch an Dingen und Menschen, die uns nicht mehr gut tun. An einer Vergangenheit, die vorbei ist. An einer Idee wie etwas sein sollte und sich dann nicht so entwickelt hat.

Scheitern ist eine extreme Angst in uns allen.
Was wird denn dann, wenn…?

Was passiert im worst case?

Wenn Du ehrlich zu Dir bist, hast Du aus jedem Scheitern Wertvolles gelernt. Wenn Du ehrlich zu Dir bist, siehst Du, dass gerade an diesen Wendepunkten des Lebens, als alles verloren schien, etwas Neues, Wunderbares gewachsen ist. Ein neuer Mensch kam in Dein Leben, eine nie vermutete Tür öffnete sich, manchmal war es sogar gut, alles zu verlieren.

Stirb und werde, hat Goethe einmal gesagt, ist der Kreislauf des Lebens.

Die Angst will Dich lähmen, den nächsten Schritt zu tun, der sich nur entfalten kann, wenn Du die Position, in der Du jetzt verharrst, verlassen kannst. Es ist doch nur ein Schritt! Probiere ihn aus!

Alles bewegt sich – die Ebbe. Die Flut. Alles was geht kommt durch eine andere Form zu Dir zurück. Die Natur besteht aus Ein- und Ausatmen.

Beweg Dich. Spring.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Rücksicht und Vorsicht

Sören Kierkegaard hat geschrieben: „Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben aber muss man es vorwärts.“

Dieser Satz ist für den Beginn eines neuen Jahres genau dann wertvoll, wenn man noch ein bisschen nachhängt. Ich höre sehr oft: Das habe ich schon so oft gemacht, das mache ich nie mehr! Oder: Das hat er/sie immer gemacht, das will ich nicht wieder.

Wir vergeben dem neuen Jahr, dem Leben oft die Chance, uns zu überraschen, weil wir zu fest hängen an den alten Erfahrungen, Erwartungen und auch an den alten Verletzungen. Man kann nicht Auto fahren und die ganze Zeit in den Rückspiegel schauen.

Wie fest hängst Du an den Bildern? An den Vorstellungen, wie etwas sein sollte? Wie weit kannst Du dem Leben erlauben, einfach weiter zu gehen, ganz weit weg von Deinen Ideen wie es denn hätte sein sollen?

Zugegeben, es ist schwer, sich dem Leben einfach hinzugeben, es laufen zu lassen.

Einmal mehr darf ich da aus der Adler-Weisheit erzählen:

Wenn der Adler sieht, dass es Fallwinde hat, dann fliegt er nicht, dann wird seine Jagd keinen Erfolg haben. Er wird nicht, wie wir so oft, losfliegen und flattern und damit wertvolle Energie verschwenden. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Tut er es doch, so wird er kläglich scheitern: Er wird schwächer werden und schliesslich am vielleicht nächsten Tag, wenn die Thermik wieder Aufwind anbietet, los starten und sich den köstlichen Happen holen. Vielleicht dreht er sogar noch ein paar kapriziöse Runden im Girlandenflug, einfach so, nur aus Spass, weil es sich gerade anbietet.

Wir verharren alle oft in den Vor-Stellungen wie etwas sein soll – oder in den Rückblenden, wie es war. Daraus schliessen wir dann die Entscheidung im Jetzt. Wir wollen es genau so wieder haben oder genau das Gegenteil davon.

Kannst Du Dich dem neuen Jahr einfach einmal hingeben?

Kannst Du sagen: HALLO 2020 ÜBERRASCHE MICH?

Wer weiss, was Dir und mir zu bieten hat, welche spannenden Herausforderungen auf uns zu kommen, welche grossartigen Begegnungen wir haben werden.

Wem bist Du 2019 neu begegnet? Wer oder was hat Dich überrascht?

Und, traust Du 2020 zu, dass es vielleicht noch viel besser kommt?

Wenn es gerade keinen Aufwind gibt, dann warte noch ein bisschen. Sei geduldig und beobachte. Aber: Rechne mit einem Wunder.

Lass Dich überraschen, beschenken, staune: 359 frische Tage noch zu leben dieses Jahr!

Was wirst Du am Ende des Jahres sagen?

Ich hoffe für Dich: DANKE.

Ein gutes neues Jahr liebe Leserin, lieber Leser.

Alles wird gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

rücksicht