Vor einem Jahr kam ich in der Nähe von Galle an, am indischen Ozean, in der südlichsten Provinz von Sri Lanka. Es war sehr heiss, das Land war fremd. Ich hatte den Koffer voll mit nutzlosen Dingen, wie sich bald herausstellen würde. Und ich war erschöpft und müde nach vielen anstrengenden Jahren. Ich weiss noch genau, wie sich mein Puls, mein Herzschlag anfühlte, es war alles aus den Fugen geraten. Und der Ayurveda Arzt verdrehte die Augen und fragte mich, ob ich noch am Leben sei, als er meine Pulsdiagnose machte. Es dauerte fast vier Wochen, bis ich wieder tief atmete und dann ging die lange Reise los.
Wenn ich heute zurück sehe, schmunzle ich, dass ich so weit gereist war um etwas zu finden. Was, das wusste ich nicht so genau, aber dass, das schon. In den folgenden Monaten tingelte ich an alle Orte des indischen Ozeans und war glücklich, immer da, wo ich war. Endlose Stunden habe ich geschlafen, gesungen, geschrieben, gesonnt und mich ausgeruht. Und schliesslich ging es zurück nach Europa. Ich wusste vorher nicht, dass ich ganz tief im Herz eine Europäerin bin. Erst als ich im eiskalten Wind, im blaublauen endlosen Himmel der Bretagne stand. Da jubelte es in mir. Die folgenden drei Monate – Frankreich und Jersey – waren ein grossartiger Sommer mit vielen lieben Menschen und Momenten, ich fühlte Freiheit und begann, exzessiv zu schreiben.
Und dann war es schliesslich die Insel, die schon das ganze Jahr nach mir rief. Und auch hier musste ich nochmals suchen. Erst im Süden, dann den Wild Atlantic Way entlang an der Westküste und schliesslich – tatsächlich – fand ich meine Seelenheimat in Nordirland. Das hatte ich nicht mehr für möglich gehalten aber der Himmel öffnete sich und ich sah Regenbögen und Weite und das endlose atlantische Meer und meine Seele atmete auf.
Ausatmen – aufatmen.
Zehn Monate musste ich ausatmen, so sehr hatte ich in den letzten Jahren den Atem angehalten. Es war eine lange Reise zurück in die Entspannung. Und das obwohl ich mein selbst kreiertes Leben so liebe, von so vielen wunderbaren Menschen umgeben bin und die Schweiz sehr zu schätzen weiss. Ohne Pause war ich gerannt. Und hatte viel zu viel gearbeitet. Als ich meine Reise begann, hatte ich mir nur eine Frage vorgenommen, die ich beantworten wollte:
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr (beruflich) wichtig bin?
In Nordirland schliesslich fand ich die Frau hinter all ihren Rollen und hey, die gefiel mir sehr gut! In den letzten Tagen bin ich traumwandlerisch an der Küste in Portstewart und Benone gelaufen und habe den Himmel, den Strand, die Weite, das Wetter umarmt. Habe Muscheln gesammelt und neue Seiten begonnen zu beschreiben. Und habe aufgeatmet, weil ich mich wieder finden konnte. In Resonanz mit dem, was sich mir hier zeigte: Ursprünglichkeit, Echtheit, Herz. Menschen die hinschauen, hinhören, das Leben feiern, spielen, laufen und über das Wetter reden. Und auch: Ruhe, Tiefe, Klarheit. Und auch: Den scharfen Blick. Die Gezeiten zeigen mir jeden Tag, wie das Leben spielt und endlich war sehr viel Ebbe bei mir und in mir. Wie herrlich!
Nun will ich die Balance besser halten von Ebbe und Flut. Den Anker nicht mehr verlieren, der mich fest hält, wenn das Leben tobt. Mich auf das Innen besinnen. Die kleinen Dinge bestaunen, das schöne Leben.
Ich bin dankbar für ein unbezahlbar wertvolles Jahr, die Langsamkeit, die es mir erlaubt hat, ganz genau hinzusehen und hinzuspüren. Es ist ein absoluter Luxus, so viel Zeit zu haben und reisen zu können, bis alles wieder gut ist.
Und jetzt ist alles wieder gut. Mein Herz ist voll. Ich bin reich beschenkt. Ich bin ausgeruht. Und jetzt kann’s wieder losgehen. Am Freitag geht die Fähre nach Frankreich und dann die lange Reise zurück. Ich komme mit mir selbst zurück, hab sie eingesammelt die Nomadin, an allen Stränden die ich gesehen habe. Die Taschen voll mit wertvollen Erinnerungen und neuen Begegnungen. Mein Glück ist besiegelt.
Ach und bevor ich es vergesse zu erwähnen:
Das Leben ist schön. La vie est belle.





















