Scheiden tut weh?

Als ich acht Jahre alt war, stellte ich die erste provokante Frage. Ich sass an einem Tisch, der für das Geburtstagskränzchen meiner Mutter dekoriert war. Nach Kaffee und Kuchen gingen die Männer hinaus zum Rauchen. Meine Tante begann sofort, als mein Onkel aus dem Raum war, schlecht über ihn zu sprechen, ihre unglückliche Ehe und insbesondere seine Unzulänglichkeiten zu beklagen. Die anderen Frauen in der Runde stimmten in das Klagelied ein. Der bald gefundene kollektive Glaube war: Alle Männer sind schlecht. Ich war sehr erstaunt.

Als die Männer zurück kamen, stellte ich verwundert fest, dass alle wieder die Maske der liebenden Ehefrauen trugen. Ich war überrascht und fragte laut und deutlich: „Warum bist du denn mit dem Onkel Hans verheiratet, Tante Rosi, wenn Du ihn doch gar nicht leiden kannst?“

Die Antwort war eine schallende Ohrfeige. In dem Moment wusste ich schon ganz sicher: Ich will alles wissen. Ich will die unangenehmen Fragen stellen. Vor allem aber: Ich will verstehen, was in Menschen, was in Partnerschaften, was in Ehen vor sich geht.

Nach all den Jahren bin ich über die Motive von Menschen in Partnerschaften nicht wirklich viel schlauer geworden. Diese eigenartige Art, miteinander um zu gehen, scheint durchaus gesellschaftlich anerkannt und sogar normal zu sein. Wenn ich mich umschaue, sehe ich nur wenige Partnerschaften, die dieses Prädikat verdienen. Und noch weniger Ehen, die im Himmel geschlossen wurden und auch da geblieben sind.

Manchmal mit dem Herzen, selten mit der Seele,
Kaum je mit Kraft. Wenige – lieben überhaupt.
Emily Dickinson

Liebevolle Beziehungen sind rar, die Scheidungsrate in Deutschland war 1960 bei knapp 11 Prozent, im Jahr 2005 bei 52 Prozent und 2017 waren es noch 38 Prozent. In der Schweiz liegt sie auch jetzt noch etwas unter 50 Prozent.

Ist das traurig?

Ich bin froh, wenn sich Menschen trennen, wenn es nicht mehr klappt. Wenn sie schon jeden Weg versucht haben aber es einfach nicht mehr gut läuft. Wenn einer (oder beide) der Partner das Vertrauen massgeblich verletzt oder sich so benimmt, dass ein Zusammenleben zur Qual wird.

Warum muss man etwas aushalten, ertragen?

Warum halten Menschen an etwas fest, das lange schon vorbei ist?

Warum wird so oft der schöne Schein aufrecht erhalten?

Warum gönnen wir uns nicht alle eine neue Chance?

Warum geben wir uns nicht einfach in Liebe frei für ein neues Morgen?

Natürlich kann man bedauern, dass etwas nicht so geklappt hat, wie man sich das ursprünglich mal vorgestellt hat. Es beruhte eben auf einer

Vor-Stellung – meist auf der Idee, das man es zusammen schaffen würde. Etwas, das alle anderen nicht so gut schaffen. Rosarot und voller wunderschöner Träume starten wir in Ehen und Partnerschaften. Die eigentliche Beziehung beginnt dann nach Jahren. Wenn die rosarote Brille abgesetzt wird, sehen wir plötzlich wieder scharf und leider meistens das, was nicht passt. Gehen wir dann trotzdem weiter oder sind so ehrlich und fair, das Leiden nicht unnötig zu verlängern, die Ent-scheidung heraus zu zögern?

Ich freue mich, wenn Menschen sich für eine Scheidung entscheiden. Denn das heisst, dass sie in Würde und Achtung und irgendwie auch noch ein bisschen mit Restliebe die Konsequenzen ziehen und wieder alleine weiter gehen.

Es könnte doch auch unser Wunsch sein, einander nicht zu „ge-brauchen“ sondern zu ergänzen. Und wenn die Ergänzung nicht mehr wertschätzend und glücksbringend und freudvoll ist, dann eine klare Trennung auszusprechen.

Das Leben ist zu kurz für unglückliche Paarungen.

Der Adler macht das konsequent: Die Adlerin wählt jedes Jahr aufs Neue den Partner für das Brüten und die Partnerschaft. Wenn sich der Partner aus dem vergangenen Jahr als wertvoll erwiesen hat, dann wählt sie ihn – nach der neuen Werbung des Männchens um ihre Gunst – erneut. Wenn es aber nicht mehr reicht, dann trennen sich ihre Wege. An anderer Stelle finden sich neue Paarungen.

Also, Hand auf’s Herz: Geht Ihr noch auf den gleichen, oder auf den anderen Wegen?

Ein wunderschöner Song von Andreas Bourani zeigt: Scheiden / Trennen muss nicht weh tun. Man kann sich auch in Liebe loslassen, damit beide wieder im hellen Licht stehen können.


Seid lieb zu einander – aber auch zu Euch selbst.

(mit diesem Text grüsse ich meine Freundin T.)


Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Auf anderen Wegen

Du willst gehen, ich lieber springen
Wenn du redest, will ich singen
Du schlägst Wurzeln, ich muss fliegen
Wir haben die Stille um uns totgeschwiegen
Wo ist die Liebe geblieben

Ich fühl‘ mich jung und du dich alt
So fallen wir um, uns fehlt der Halt
Wir müssen uns bewegen
Ich bin dafür, du dagegen
Wir gehen auf anderen Wegen

Mein Herz schlägt schneller als deins
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
Vielleicht muss es so sein

Mein Herz schlägt schneller als deins
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein
Vielleicht muss es so sein

Dam dam dam dam
Dam dam

Wir sind ein festgefahrenes Ritual,
Das immer stärker brennt
Und ich frage nicht mehr nach,
Was uns verbindet oder trennt,

weil ich weiss

wir fahren weiter im Kreis…

Wir müssen atmen, wieder wachsen
Bis die alten Schalen platzen
Und wo wir uns selbst begegnen,
Fallen wir mitten ins Leben
Wir gehen auf anderen Wegen

Mein Herz schlägt schneller als deins,
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
Vielleicht muss es so sein

Mein Herz schlägt schneller als deins,
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
Vielleicht muss es so sein

Ich geb‘ dich frei
Ich werd‘ dich lieben
Is‘ ein Teil von dir geblieben

Geb‘ dich frei
Ich werd‘ dich lieben
Frei ich werd‘ dich lieben

Oh, mein Herz schlägt schneller als deins
Sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
Vielleicht muss es so sein
Vielleicht muss es so sein
So sein

Songwriter: Andreas Bourani / Julius Hartog

Hier ist der Song: https://www.youtube.com/watch?v=m-Ik3yy728Y

Wo kein Schlamm ist, da ist auch kein Lotus…

Die Lotusblüte ist eines der stärksten Symbole für unsere ganz persönliche Entwicklung. Ihr Same muss im dicken Schlamm spriessen, erst dort im Dreck Wurzeln schlagen und sich dann langsam aber stetig sehr mühsam durch trübe schmutzige Gewässer den Weg ans Licht an die Oberfläche bahnen. Und wie wunderbar ist es dann, wenn die Lotusblüte an dem Tag aller Tage ihre vollendete Schönheit zeigen kann. Sie ist gut verankert, hat all ihre Kraft in die Blüte gegeben, hat sich aus dem Dunkel ins Licht gekämpft – und jetzt kann sie sich feiern, bewundern, scheinen, sich offenbaren und zeigen.

 

Ein bisschen erinnert mich das an das wunderbare Paar, das wir letztes Wochenende coachen durften. In eineinhalb Jahren haben sie sich etliche Male getrennt, haben sich gestritten und entzweit, haben sich auseinander- und wieder zusammen gesetzt. Und sich dann die allerletzte Chance gegeben es nochmals auszuarbeiten. Noch einmal über die Bücher zu gehen und alle Täler nochmals zu betrachten um zu einer neuen Blüte zu kommen. Sie haben sich mit ihren eigenen Schattenseiten beschäftigt, ihre Streitpunkte in Frage gestellt und ihre Egos überwunden. Nach all dem Schlamm und trüben Wasser kamen sie gemeinsam zurück an die Luft und atmeten auf. Und – zeigten ihre schöne Liebe, die stärker geworden und an den gemeinsamen Kämpfen auch gewachsen ist. Die beiden hatten ein starkes Fundament, sogar im Streit – und konnten sich nun so zeigen, wie sie es eigentlich einmal gemeint hatten – in der Schönheit und dem Glanz, die sie beide sind.

Per aspera ad astra, wörtlich: „durch das Raue zu den Sternen“, ist eine lateinische Redewendung, sie bedeutet: „Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen“ oder „Durch Mühsal gelangt man zu den Sternen“.

Diese Redewendung hat ihren Ursprung bei Seneca. Sie stammt aus seiner Tragödie Hercules furens (Der wildgewordene Herkules). Dort heisst es: „Non est ad astra mollis e terris via“, deutsch „Es ist kein weicher (= bequemer) Weg von der Erde zu den Sternen“.

Wir alle sind Lotusblüten, die sich ihren Weg bahnen müssen.

Das kann belastend sein und manchmal denken wir vielleicht, wir werden das Licht nie mehr sehen. Und doch ist es nur – Nährboden für etwas Grösseres. Nährboden für die Schönheit, die daraus wachsen kann. Die etwas härteren Bedingungen für den Weg in den Himmel.

In dieser Zeit, in der es immer wieder mal „eiskalt“ wird, der Schnee in der Schweiz oder die harten Stürme mit viel Regen an der Küste, können wir bisweilen nicht glauben, dass es wirklich Frühling ist und die Wärme, das Blühen, das Duften und die Farben zurück kehren werden.

Ein bisschen Geduld – ein bisschen noch – dann stösst die Blüte an die Oberfläche und AAAAHHH – staune über das, was sich so lange durch den Dreck und die Dunkelheit durch entwickeln musste. Siehst Du? Es hat sich gelohnt.

Vertraue. Die Schönheit ist bald wieder da.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Triffst Du nur das Zauberwort…

Kennst Du das? Du hörst ein Wort, einen Ton, eine Melodie und sofort beginnen eine ganze Reihe an Körperreaktionen Dich zu beschäftigen. Dein Herz schlägt schneller oder zieht sich melancholisch zusammen, Dein Gesicht wird ganz weich, deine Augen schwärmerisch… irgendetwas wird immer angekickt bei diesem Wort, dem Ton, dem Lied.

So hörte eine Freundin von mir in der vergangenen Woche melancholische Cellomusik um zu ihren tiefen Antworten zu kommen. Die Musik öffnete ihr den Zugang zu ihren Gefühlen, die sie schon eine Weile wirkungsvoll vergraben hatte.

Wie oft verbieten wir uns berührbar zu sein, zu tief einzutauchen, weil wir meinen, das nicht auszuhalten, die Relation von unseren seelenvollen Gefühlen und die Ratio, die uns im täglichen Berufsalltag, mit Pflichten und Anforderungen am Laufen hält, zu verbinden. Wie wenig leben wir in unserem Leben das, was unserer SEHNSUCHT entspricht?

Und was ist das eigentlich, dieses Ding Sehnsucht?

Eine der ältesten und am meisten bekannten Sehnsüchte ist eine Theorie, die einst Platon erschuf: Dem Mythos zufolge hatten die Menschen ursprünglich kugelförmige Rümpfe sowie vier Hände und Füsse und zwei Gesichter auf einem Kopf. In ihrem Übermut wollten sie den Himmel stürmen. Dafür bestrafte sie Zeus, indem er jeden von ihnen in zwei Hälften zerlegte. Diese Hälften sind die heutigen Menschen. Sie leiden unter ihrer Unvollständigkeit; jeder sucht die verlorene andere Hälfte. Die Sehnsucht nach der einstigen Ganzheit zeigt sich in Gestalt des erotischen Begehrens, das auf Vereinigung abzielt.

Sehnsucht also als „schmerzliches“ Begehren?

Ich möchte da weiter gehen. Es gibt nicht nur Sehnsucht nach der zweiten Hälfte. Es gibt auch Sehnsucht nach anderem, was uns scheinbar vollständig macht – Sehnsuchtsorte, -töne, -farben, -dichtung, -worte, -berührungen. Es sind immer Dinge, die einen Cocktail an Gefühlen für uns auslösen und die uns irgendwie ergänzen, beglücken, erfüllen.

Sehnsucht kann aber auch eine schöpferische Kraft sein, die uns da hin bringt, was wir uns erträumen – oder eben ersehnen. An Orte aber auch zu Menschen, zu Lebensumständen, die wir uns innig wünschen. Zu einer Form des Umgangs, des Miteinander, nach dem wir uns sehnen.

Und Sehnsucht kann uns auch intrinsisch motivieren unsere Schritte so zu machen dass wir da ankommen, wo wir am allerliebsten sein möchten. Sei es an einem Ort oder auch – in einer beruflichen oder emotionalen Ausrichtung auf das, was wir wirklich wirklich wollen.

Vor vielen Jahren hörte ich einen Lehrer sagen: Wenn man sein innerstes Streben, seinen grössten Herzenswunsch entdeckt hat und ihn formulieren kann, wenn man der Sehnsucht einen Namen geben kann – dann kann man nicht mehr anders, als diesem Herzenswunsch gehorchen. Man hat keine Wahl mehr, als dem eigenen Herzen zu folgen.

Was also ist Deine tiefste Sehnsucht?

Ganz einfach ist es, wenn Du schaust, was sie auslöst. Ist es eine spezielle Musik? Das Meer, die Frische der Bergwelt, das Rauschen eines Flusses? Sind es Bäume, Tiere, Begegnungen? Ist es Dichtung, Kunst? Landschaften, Städte? Mit was kannst DU Deine innerste Sehnsucht immer wieder stimulieren?

Und wohin führt Dich das?

Ein kleines Beispiel: Eine liebe Freundin hat immer wieder die Sehnsucht nach Paris. Angesprochen was genau es ist, sagt sie: Das Savoir vivre, die Kunst, die Mode, das elegante Lässige, die melodische Sprache, die Weite des Himmels, das köstliche Essen, Strassencafes und Zeit haben zum Schlendern. Kannst Du sehen, wonach sie sich sehnt? Und wird sie ihr Leben danach ausrichten?

Ich wünsche es ihr von Herzen.

Ein weiterer spiritueller Lehrer, dem ich aktuell sehr viel zu verdanken habe, hat einen Youtube Clip gemacht zum Thema Sehnsucht. Wenn Du noch mehr eintauchen willst in dieses Thema und es Dich wirklich bewegt, dann schau es Dir an:

https://www.youtube.com/watch?v=AyncrnmrsX0

Ich wünsche Dir, dass Du Deiner Sehnsucht nicht nur folgst, sondern ihr sogar gehorchst. Das wird Dein Leben erfüllen. Glücklich machen. Vollständig machen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Von der Hoffnung…

Letzte Woche kam ich gleich einige Male mit Menschen in Kontakt, deren Lage auf den ersten Blick hoffnungslos scheint. Es geht um Beziehungen, Unzufriedenheit auf der Arbeit und auch um finanzielle Not, Kummer mit den Kindern oder einer schweren Diagnose. Das brachte mich dazu, über das Thema „Hoffnung“ nachzudenken.

Was kann uns in einer tiefen dunklen Zeit Hoffnung geben?

Worin besteht Hoffnung?

Ich habe einmal gelesen, dass Hoffnung die leise Stimme sei, die „vielleicht“ wispert, während die Welt „Nein“ schreit. Und so erfahre ich Hoffnung auch, es ist etwas Leises, Feines, ein Funke nur, ein Versprechen auf einen positiven Ausgang.

Die meisten Religionen, viele Seelsorger, Menschen mit einem spirituellen Hintergrund, sprechen gerne davon, dass man die Hoffnung nicht verlieren soll, dass man hoffen soll auf einen guten Ausgang und dass Alles für irgendwas gut ist und es nur Platz macht für das Grössere, Schönere, das kommt.

Als hedonistisch geprägter Mensch ist das natürlich Wasser auf meiner Mühle.

Ja, immer nur hinauf wieder nach jedem Sturz aus dem Himmel! Entweder fällst Du das nächste Mal zu Tode, oder es wachsen Dir Flügel!“

Wie schön, solche Zitate, wie tröstend.

Was also machen, um die Hoffnung nicht zu verlieren?

Geh doch mal raus und schau Dir die Natur an. Wie sehr hat sie im kalten Winter gelitten, sich erstarrt in der Kälte – und doch nur geschlafen!

Denn der Traum im Frühling, so wie jetzt, wieder aufzuwachen und zu erblühen war allgegenwärtig und genau JETZT siehst du die grösste Kraft, die die Hoffnung auf den nächsten Frühling ausgelöst hat.

Lasst mich hier einen kleinen Ausflug in die indigenen Völker machen. Die Indianer schöpften immer Kraft aus der Natur. Hinter jeder Naturerscheinung – ob es der Wind, der Regen, oder Blitz und Donner war – sahen sie eine höhere Macht in Form von Geistern. Die Indianer glaubten, dass alle Dinge – ob es Lebewesen oder unbelebte Dinge waren – eine Seele hatten. Jeder Indianer hatte das Ziel, einen persönlichen Schutzgeist zu finden, der ihm bei der Jagd, im Kampf, aber auch für seine Gesundheit und für sein Ansehen bei Seite stand. Auf der Suche nach diesem Schutzgeist, zog sich der Indianer für mehrere Tage in die Einsamkeit zurück, in der Hoffnung, ihn in einem Traum zu finden. 

Der Geist konnte dann in jeder Form in Erscheinung treten. So konnte z.B. ein Adler, ein Hund, aber auch irgendein Gegenstand zum Schutzgeist werden, wenn der Indianer sie im richtigen Augenblick sah. Durch den Geist erfuhr er auch, welche Dinge ihn in seinem Leben Glück bringen. Diese Dinge (Stein, Feder, Halsband etc.) sammelte der Indianer dann schliesslich, und stellte daraus seinen persönlichen Medizinbeutel zusammen, den er dann ständig wie einen Talisman bei sich trug.

Bei der Suche nach Symbolen der Hoffnung sah ich eines direkt vor meiner Nase – eine Pflanze, die sich von den prall gesetzten Granitplatten nicht beeindrucken liess. Sie drückte sich durch und steht nun in voller Kraft. Bald wird sie vom Besitzer des planierten Gartens ausgerissen werden. Aber ich denke, sie wird sich nicht unterkriegen lassen und mit voller Kraft voraus wieder wachsen.

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Auch ein schönes Symbol ist eine Nachricht, die ich von meinem Lieblingsmann bekam als ich wieder einmal nur Dunkelheit sah. Er schrieb mir: I send you many future smiles.

Also verlieren wir alle die Hoffnung nicht, wenn es wieder mal eng, dunkel und schwierig wird. Die Natur macht es uns vor: Früher oder später kommen wir alle wieder an die Sonne. Die Kraft des Lebens ist nicht aufzuhalten.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Spring!

Willi war und ist ein Hürdenläufer. In den 50er Jahren holte er diverse Schweizer Meisterschaften. Im Hürdensprung, Dreisprung, Weitsprung, Hochsprung. Willi hatte Sprungkraft und wenn ich mir heute sein Foto vom Leichtathletik Meeting im Zürcher Letzi anschaue dann sehe ich einen entschiedenen jungen Mann, der mit Kraft, ausgefeilter Technik und Mut die Hürden nahm. Als ich das erste Mal dieses Bild sah, war ich sehr angetan vom Kampfgeist und der Entschlossenheit in seinem ganzen Gesicht, aber auch seine Bewunderer im Hintergrund sind völlig verzückt von dieser Leistung. In den Jahrzehnten nach diesem Meeting ist Willi über viele Hürden gegangen. Und auch heute ziert das Bild seinen Schreibtisch und er macht sich gerne bewusst, wie spielerisch leicht und gleichzeitig kräftezehrend das Ringen um die Überwindung der Hürden war.

willi

 

Als ich Willi fragte, was ihn denn schlussendlich über die Hürden gebracht habe, sagt er: Die Zuversicht, dass ich es schaffen würde.

Wie wohltuend!

Zuversicht ist es also, was uns dazu bringt, Hürden zu überwinden. Also das feste Vertrauen darauf, dass eine Sache gut ausgehen wird.

Wie wenig Vertrauen haben wir im Alltag, dass die Dinge sich schlussendlich positiv für uns entwickeln werden!

Im Moment stehen gleich einige meiner Coachees und auch Freunde vor den Hindernissen. Von Willi weiss ich, dass es immer 10 in einer Reihe sind. Es scheint uns bisweilen unüberwindbar, so weit zu rennen, durchzuhalten, jedes der Hindernisse zu bewältigen. Auch ich habe mich als Jugendliche schwer getan, loszurennen und die Sprünge in Angriff zu nehmen. Ich weiss, dass ich schon vor dem ersten dachte: Das schaffe ich nie. Ehrlich gesagt, damals habe ich es auch nicht geschafft. Ich bin, zur Belustigung aller, in den Jahren der „Bundesjugendspiele“ um die Hindernisse im Slalom herum getänzelt.

Erst viel später nahm ich sie, die Hürden des Lebens. Und mit jeder Hürde wurde das Selbstvertrauen grösser, dass ich auch die nächste schaffen würde. Das soll heissen: Die erste müssen wir unbedingt nehmen. Dann entwickelt sich der Weg von alleine.

Wie heissen die Hürden?

Vielleicht – Scham ?

Vielleicht – Gewohnheit ?

Vielleicht – Existenzangst ?

Vielleicht – Inkonsequenz ?

Vielleicht – Komfortzone ?

Vielleicht – Verlustangst?

Vielleicht – Schuldgefühl ?

Vor welchen Hürden und Hindernissen stehst DU derzeit und verweigerst sie?

Und warum?

Natürlich kannst Du auch um die Hürden herum tanzen. Kein Problem. Aber am Ende wirst Du denken: Hätte ich doch nur… wäre ich doch nur… hätte ich es nur probiert.

Nehmen wir uns also ein Herz. Denn die Hürden sind ja da, DAMIT wir sie nehmen. Come on, JUST DO IT!

Nehmen wir unseren ganzen Mut zusammen. Dann die Zuversicht indem wir das Ziel ins Auge nehmen und wissen, dass wir es erreichen können. Dann den Anlauf… dann den Absprung – spürst Du wie leicht plötzlich alles ist?

Trau Dir etwas zu. Sei selbstsicher. Sei siegesgewiss. Sei entschlossen.

Schau Dir das Bild nochmals an. Willi hat keine Sekunde gezweifelt. Und ein bisschen schaut sein Gesicht auch aus wie das eines Adlers.

Es sind 71 Jahre vergangen seit diesem Bild. Ein ganzes Leben lang hat er diesen Moment des Triumphs vor Augen gehabt. Das hat ihm Kraft gegeben sein Leben erfolgreich und erfüllt, stolz und selbstbestimmt zu erobern.

Wenn Du das auch möchtest – Dann SPRING JETZT!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ausnahmen bestätigen die Regel?

Bei einem Spaziergang heute begegnete ich diesen Steinen, die aufgereiht in einem Feld standen. Wenn man es nicht weiss, kann man sich das nicht erklären. Es sind Steine, auf die später Holzbalken gelegt werden, damit daran die Reben gebunden werden können. … Nur: diese Steine standen nicht mehr um die Weinstöcke. Diese waren entfernt worden und die Steine standen da, ich meinte: Wie Wächter, die mahnen: Hier muss angelehnt und angebunden werden. Sie ruinierten ein bisschen die hübsche Wiese.

wächter

Da ich in der letzten Woche eine intensive Diskussion über „Regeln“ hatte, war ich sogleich daran erinnert worden. Denn Regeln können Halt, Struktur und Ordnung geben – und sie können auch die ganze Landschaft stören.

Es gab eine Zeit in der „Regeln“ mein Reizwort waren, ebenso wie „Disziplin“ oder „Pflichten“. Rebellen wollen keine Regeln, schon gar nicht welchen folgen und auch keine aufstellen. Anarchie. Chaos. Rebellen glauben daran, dass sich die Dinge selbst regulieren und regeln, wenn man sie einfach laufen lässt. Aber so ist es nicht. Es führt zu noch mehr Unkontrolliertem und ohne ein paar Regeln ist jede Harmonie nichts.

So weiss zum Beispiel der Baum, dass er im Winter kein Wasser trinkt, das Tierreich, dass Nachkommen, die in der warmen Zeit geboren werden eher überlebensfähig sind, die ersten Frühlingsboten erst nach einigen Nächten ohne Frost den Kopf aus der kalten Erde strecken. Ich hatte kürzlich die Begegnung mit einem Feuersalamander, der aus einem dummen Zufall heraus zu früh wach geworden war und daher ganz langsam kroch, dem sicheren Tod geweiht, weil es noch keine Nahrung und viel zu viel Gefahren gibt.

Vor einigen Jahren hatte ich Bekanntschaft mit einem Paar, das sich seitenweise Regeln diktierte, wie wann und was gemacht oder eben nicht gemacht und gesagt werden darf. Vor lauter Regeln verloren die beiden etwas aus den Augen, was ihnen gut getan hätte: Die Liebe, die Leichtigkeit und die Spontanität. Die Beziehung ist letztlich an der Enge gescheitert, die die beiden sich gegenseitig aufzwangen.

Zu viele Regeln sind einengend und pressen uns zusammen. Zu wenige aber sind uferlos und verwässern alles, zerstören Räume und Sicherheiten.

Wie wäre es, wenn wir uns alle auf maximal DREI Regeln einigen können?

Wie viele Regeln brauchst Du im Zusammenleben? Warum?

Welche drei Regeln hältst Du für elementar?

Welche Regeln würdest Du gerne weltweit eingehalten sehen?

Und welche Regeln sind wie die Steine, die ich gesehen habe – überholt – dem Zweck nicht mehr dienlich und könnten entfernt werden?

Kannst Du Regeln zurück nehmen, wenn der Wind der Zeit sich dreht?

Es gibt durchaus auch Regeln, an die sich niemals jemand halten kann. Wie erfrischend ist der Humor der Iren, die gerne absurde Strassenschilder aufstellen um sich über Regeln zu amüsieren, seht selbst:

irland schild

Vor vielen Jahren begegnete ich einem wunderbaren Lehrer, Michael Roads. Er hatte nur eine einzige Regel, der er folgte. Sie war das Kernstück seiner Lehre.

Er sagte: Wenn Du Angst hast, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn Du Recht haben willst, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn jemand einen Streit anzetteln will oder Dich provoziert, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn Du negative Gedanken hast oder Deine negativen Gefühle Dich in eine unangenehme Richtung gehen laufen lassen, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe.

Dieses „choose love“ liess er uns immer wieder mantramässig durchspielen.

Anstrengend, diese Regel. Aber wie wunderbar, wenn sie funktionieren kann.

Der Adler strebt stets nach dem Höchsten.

Welcher höchsten Regel möchtest Du folgen?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ende der Maskerade

Die Tage wurden wir alle mit dem Thema „Masken“ konfrontiert. Was aussen ein Spass an der Fastnacht, dem Karneval, ist, hat einen viel tieferen Charakter.

Im Gespräch mit einer jungen Frau habe ich gestern erfahren, wie sehr die neue Generation der Twenties darunter leidet, dass so vieles unecht geworden ist. Angeklebte Haare, Nägel, Wimpern, tätowierte Augenbrauen, aufgespritzte Formen und Rundungen, Piercings, Maskerade um anders zu sein, als man ist. Eine dicke Schicht von Make-up friert Gesichter ein, auch ausserhalb der närrischen Tage.

Kaum mehr jemand zeigt seine wirkliche, authentische Persönlichkeit. Das ist nicht neu, aber es wird zusehends ein grosses gesellschaftliches, vor allem aber ein menschliches Thema.

Ich erinnere mich an eine Seminarteilnehmerin, die vor mehr als zehn Jahren alles von mir wissen wollte, was im Seminar „Spielräume“ stattfindet, denn sie wolle nicht teilnehmen, wenn sie dabei ihr Gesicht verlieren würde. Ich sagte damals, sie werde nicht ihr Gesicht, sondern allenfalls ihre Maske verlieren. Und so kam es: Es erschien eine ganz neue Persönlichkeit, die wir alle sogar mehr mochten als die aufgesetzte Attitüde, die sie vorher präsentierte.

Tragen wir nicht alle hin und wieder ein Pokerface? Natürlich, wir alle. Wir müssen ja funktionieren, mitspielen, repräsentieren, etwas darstellen, vor allem im beruflichen Umfeld. Wie wohltuend, wenn jemand mal die „Fassung verliert“, wenn man sich zeigt, etwas aufblitzt, das liebenswerter ist und den Menschen menschlich macht. Nie vergesse ich einen wunderbaren Coachee, der mich mit seinem jungenhaften Auftreten, dem spätpubertierenden Macho Gehabe und seinem Spielen eines coolen Typs in den Wahnsinn trieb. Wie wunderschön war das Juwel, das da ent-wickelt werden konnte! Er ist ein Freund von mir geworden weil er den Mut hatte, sich ganz und gar zu zeigen und erwachsen zu werden (einen lieben Gruss an L.)

Aber es gibt leider auch unerfreuliche Maskierungen. Die Menschen die etwas vorspielen, etwas darstellen und zeigen, was von Anfang an einfach nur Lüge ist. Wie unappetitlich, wenn sich diese Maske lüpft und darunter etwas zum Vorschein kommt, was man keinesfalls vermutet, auf keinen Fall dem Menschen zugetraut hätte. Dann wird das eigene Gesicht zur Fratze und all die Schönheiten, die man in dem Menschen gesehen hat werden plötzlich hohle Phrasen und essenzlose Unwahrheiten. Mein Mitgefühl an alle, die von diesem Erlebnis betroffen werden.


So gibt es oft nur eins: SICH zeigen. Der Falkner Norman sagt gerne, wenn er seinen Adler ausfliegen lässt: Schau was passiert! Der Adler am Himmel zeigt sich – und alle verhalten sich korrekt. Denn jetzt geht es um Leben und Tod!

Wie mutig bist DU in Deinem täglichen Leben, Dich zu zeigen, Dich berührbar und sichtbar zu machen?

Wann meinst Du eine Maske zu brauchen und warum?

Wer bist Du wenn Du vollständig nackt bist?

Und wer darf Dich sehen, authentisch und ehrlich und offen und ganz Du?

Bist Du bereit Dich dem Leben auf Leben und Tod auszuliefern?

Diesen Blog möchte ich heute in Liebe der Adlerin Kathi widmen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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