Ich geh Dir auf die Geschmacksnerven :-)

Glas of Marmelade

Wann hast Du das letzte Mal ein kleines Amusement gehabt? Weisst Du, dass solche Minimomente dauernd stattfinden?

Heute morgen hatte ich einmal mehr das Amusement des kleinen Augenblicks. Ich ging zu unserem einzigen Bäcker, einer, der noch alles mit der Hand macht und in dessen Backstube es noch echt duftet und wo man noch Brote und Gebäckstücke bekommen kann, die individuell aussehen und der Massenware nicht gleichen. In der Einfahrt des Bäckers stand ein Lieferwagen, sie bekamen eine grosse Lieferung Mehl, Butter, Zucker. Eine der riesigen Paletten war schon ausgeladen, eine andere wurde gerade auf eine Rollenschiene geladen.

Die Einfahrt zur Garage und den Lagerräumen der Bäckerei liegt im Kellergeschoss und eine steile Zufahrt führt hinunter. Zwei der Bäcker und der Lieferant mühten sich ab mit dem schweren Gefährt, die Zuckersäcke rutschten – und einer löste sich. Natürlich platzte er auf und 25kg feinster Zucker stob in alle Richtungen, wie Schnee bedeckte es den ganzen Weg. Die Männer waren erschrocken, versuchten aber erfolgreich den Rest der Lieferung heil nach unten zu bringen. Einer der Bäcker kam mit einer Schaufel zurück und ich war gespannt was er nun mit dem Rest des aufgeplatzten Sacks wohl machen würde. Er schaute sich um…. dann steckte er den Zeigefinger in den Mund und anschliessend in den Zucker. Und wieder zurück in den Mund. Dabei lächelte er versonnen wie ein kleiner Bub, der sich einen Streich erlaubt.

Ich musste schmunzeln und einmal mehr dachte ich: In jedem All-Tag stecken solche kleinen Geheimnisse, spontane und kleine Situationen, die einem die Gelegenheit geben, dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen. Man muss nur die Augen und die Sinne aufmachen und wirklich am Leben teil-nehmen.

Wie oft gehen wir schnell, blind, abgelenkt, in Gedanken in unsere Welt und übersehen diese Momente, die uns ein bisschen inne halten und staunen lassen könnten, wenn wir sie doch nur wahrnehmen könnten. Und verpassen dabei das kleine Glück.

Achte diese Woche doch einmal auf die Kleinigkeiten. Mach die Augen auf, die Ohren, die Nase. Rieche wieder einmal das Laub, den Herbst, höre die Geräusche die der Wind macht, das strömende Wasser irgendwo in der Natur, da wo es gerade für Dich geht. Folge den Wolken, hebe den Blick. Benutze Deine Sinne um Dich reich zu fühlen. Denn: Beschenkt wirst Du immer!

Nach dem Bäcker durfte ich dann nochmals geniessen. Ich besorgte mir noch eine Marmelade und sah im Regal einen Tiegel, der mit „Glück“ beschriftet war. Köstlich! Das pure Glück auf dem frischen Brot.

Wenn Du keine Situation findest, über die Du lächeln kannst, dann erschaffe selbst eine: Schenke dem Nächsten etwas Glück, dem Du begegnest. Ein Lächeln, eine Geste, ein warmes Wort, eine Blume die Du abzupfen kannst. Oder eine glatte Kastanie, die gerade frisch aus der Schale gesprungen ist und die Du als Glücks-Erinnerungs-Stück in Deine Hosentasche nimmst.

Es ist so einfach, das Leben mit Wundern.

Wunderst Du Dich noch?

Ich wünsche Dir eine bezaubernde Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Der siebte Sinn

In den letzten Wochen habe ich sehr gerne über unsere fünf definierten Sinne geschrieben. Bei einigen Lesern hat es eine „sinnliche“ Erfahrung ergeben, sie haben sich ganz bewusst einmal darauf konzentriert zu sehen, hören, riechen, schmecken, zu tasten. Bei anderen hat der sechste Sinn, das Gleichgewicht, eine kleine Kursänderung ergeben.

Was aber meinen wir mit dem „siebten Sinn“? Meist sagt man dass man einen siebten Sinn hat, wenn man eine Erfahrung macht, die wenig oder gar nichts mit unseren körperlichen Fähigkeiten zu tun hat. Es geht um „Ahnung“, um Intuition, etwas fühlen ohne es zu fühlen.

Den siebten Sinn kann man ganz gut spüren. Ein inneres Wissen, das von aussen nicht manipuliert oder beeinflusst werden kann. Unser siebter Sinn ist so etwas ganz Leises, Feines. Egal wie sehr uns die Realität etwas vorgaukelt und wie sehr die optische Täuschung gelingt, irgendwie wissen wir, das es nicht so ist wie es tut. Die Illusion ist nicht stark genug, unser inneres Wissen ist meistens untrüglich auf der absolut richtigen Fährte.

In der vergangenen Woche hatte ich gleich mehrere Male die Gelegenheit meinem siebten Sinn zu begegnen und irgendwie erkannte ich: Eigentlich ist es nicht viel mehr als ein perfektes Zusammenspiel aller anderen Sinne: Die totale Wachheit führt uns da hin, die vollkommene Präsenz, das Dasein. Eigentlich können wir nur siebtsinnig spüren wenn wir total hier und jetzt da sind.

Meistens sind wir das leider nicht. Wir sind abgelenkt vom Leben, von den Ereignissen, den stimulierenden Sinneswahrnehmungen, dem Lauten, Schnellen und auch Auf-dringlichen. Wie schnell lassen wir uns fangen von Sensationen!

Lustig, dass hier schon die Lösung liegt:

Sensationen – Sense – sensus

kommt ja von den Sinneseindrücken – und zeigt ein Ereignis, das erhöht von unseren Sinnen aufgenommen und wahrgenommen wird. Meist ist es etwas Aussergewöhnliches, wir betiteln zum Beispiel ein schönes Menü als „sensationell“ wenn es ganz besonders überraschend köstlich ist. Oder ein Konzert, das sensationell gut und damit besonders schmeichelnd für die Ohren und die Sinne war.

Sensationen bestimmen unser aller Alltag, entweder real, wenn wir zum Beispiel unseren Sinnen besonders gutes Futter geben (eine Augenweide bei einer Wanderung, eine Massage, ein gutes Essen, ein Konzert, ein feines Parfüm)

im Zweifelsfall bekommen wir aber auch Sensationen vorgegaukelt im Fernsehen, im Internet, in der erlogenen Welt in den sozialen Medien.

Sensationell ist es in den wenigsten Fällen, wenn es virtuell ist. Dann fühlen wir die Berührtheit nicht wirklich, sondern meinen, dass es so ist, weil es eben so sein muss. Eine ganze Industrie nährt ihre Umsätze aus vorgegaukelten Sensationen. Die Werbung, das TV, die Filmindustrie, um nur ein paar zu nennen.
Wie viel anders kann es sein, wenn wir bewusst unsere Sinne spüren lassen, mit einem wachen Bewusstsein in die Welt gehen. Bei uns selbst sind und doch im Aussen. Der Beobachter und gleichzeitig das Objekt unserer Wahrnehmung.

In der Authentizität liegt das wahre Gold: Ich bleibe bei mir und nehme wahr was wirklich ist.

Der siebte Sinn ist also für mich nur – Bewusstwerden was wirklich ist.

Manchmal sagen wir: Ich konnte es doch riechen dass das eine Lüge war! Ich konnte es kommen sehen, ich habe geschmeckt dass da was faul war.
Eigentlich haben wir alle den inneren Beobachter, den der wahrnimmt und es wirklich WEISS weil er es wirklich spürt.

Machen wir uns also wieder auf den Weg wach und bewusst, wahrnehmend und sinnlich zu sein. Da liegt es doch das Gold. In Dir. Und in der Resonanz im Aussen dann: Überall. Dazu ist es wichtig alle Sinne zu benutzen. Sinnlich wahrzunehmen.

Oder auch: ÜBERSINNLICH.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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…von der harmonischen Balance…

Bist Du im Gleichgewicht?

Unser fünfter Sinn ist einer, von dem wir wenig sprechen, den wir oft vergessen und der doch in jeder Hinsicht extrem wichtig ist.

Der Gleichgewichtssinn.

Vor Jahren ereilte mich eine Attacke, die mich voll aus der Bahn gehauen hat. Ich war mit meinen Jungs in Zermatt und alles war fein, bis wir abends in das schöne Spa gingen. Die Jungs plantschten im Bad. Ich erhob mich von meiner Liege und taumelte. Es war nicht einfach eine Kreislaufschwäche, sondern eine Schwindelattacke. Ich schwankte wie ein Schiff bei schwerem Seegang. Sicher kannst Du Dir vorstellen, wie übel es einem wird, wenn sich plötzlich die ganze Welt um einen herum bewegt.

Unser Gleichgewicht wird eigentlich im Ohr geregelt.

Es ist für unseren Gleichgewichtssinn von zentraler Bedeutung, denn im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan. Es besteht aus drei annähernd kreisrunden Kanälen – den Bogengängen – und zwei Säckchen, den sogenannten Vorhofsäckchen (Otolithenorganen). Die Bogengänge und die Vorhofsäckchen sind mit Flüssigkeit gefüllt.

Jeder der drei Bogengänge ist für eine bestimmte Bewegungsrichtung des Kopfes zuständig: Jeweils einer registriert, wenn der Kopf

  • nach oben oder unten geneigt,
  • nach rechts oder links geneigt oder
  • seitwärts gedreht wird.

Die Otolithenorgane befinden sich schräg unter den Bogengängen und funktionieren ähnlich: In beiden Säckchen befinden sich ebenfalls feine Sinneshärchen. Der Unterschied zu den Bogengängen: Auf den Härchen haften kleine Kristalle – wie Steinchen auf einem Teppich. Fachleute nennen die Kristalle Otolithen. Mit den Vorhofsäckchen wird Beschleunigung wahrgenommen. Zum Beispiel das Gefühl, wenn man im Fahrstuhl fährt, fällt oder beim Autofahren losfährt oder abbremst.

Wenn uns schwindelig wird sind oft die kleinen Kristalle schuld, die in der Flüssigkeit des Innenohrs hin und her schwappen oder auch mal festhängen. Dann machen Ärzte gerne ein „Lagerungsmanöver“ bei dem sie versuchen die Kristalle wieder an die richtige Stelle zu bringen.

Soweit die physiologische Erklärung.

Aber es gibt auch ein Gleichgewicht, über das viele Menschen sprechen und das keinerlei Bezug nimmt zu unserem Ohr. Damals hat mich eine Kollegin gefragt, wo in meinem Leben ich mich gerade anschwindle und für mich war schnell gefunden, wo ich aus dem Gleichgewicht geraten war.

Gibt es bei dem was Du tust ein Gleichgewicht zwischen

Geben und Nehmen

Senden und Empfangen

Zuhören und Reden

Tun und Rasten?

Gibt es genug Raum für alles, was Dein Leben ausmacht?

Eine ganze Weile sprach man von der Work-Life-Balance. Da geht es um das Arbeiten, das Tun, das Sein, den Sinn von dem was Du machst, Deine Gesundheit, Deine Beziehungen, Deine Sicherheiten.

Wenn Du ins Ungleichgewicht mit einem Deiner Lebensinhalte gerätst, dann zieht das auch an allem anderen. Das System, die harmonische Ordnung wird gestört, es entsteht Chaos. Ganz oft greift dann der Körper ein und zwingt Dich zu mehr Ruhe. Macht eine Infektion gross und lässt Dich mit einer Erkältung ins Bett kriechen, bringt Dir Kopfschmerzen oder einen kleineren Unfall. Ruhezeit. Zeit, die Dinge wieder neu zu ordnen.

Ich erinnere mich an einen Klienten, es war ein wichtiger Manager. Eines Tages fiel er morgens beim Verlassen des Hauses über einen Ball und stürzte unglücklich, brach sich ein Bein, kam ins Spital. Der Arzt sagte ihm, es brauche ein paar Wochen bis er wieder laufen könne. Mein Klient sagte: „Machen Sie bitte irgendwas Schnelles. Für so einen Quatsch habe ich keine Zeit!“

Es war ein komplizierter Bruch, da war nichts zu beschleunigen. In der Erholungszeit hatte mein Klient viel Zeit zum Nachdenken. Nach vier Wochen ging er dann wieder auf beiden Beinen. Seinen Job hatte er umdefiniert, endlich einmal Dinge delegiert, sich Raum geschaffen für Stille und Freizeit, durchgeatmet und sich um Anderes gekümmert, das zu kurz gekommen war.

Noch einmal die Frage: Bist DU im Gleichgewicht Deiner Kräfte, deines Lebens?

Wo darfst Du jetzt freiwillig um Ausgleich sorgen damit Dein Leben Balance hat?

Es ist Herbst. Geniesse das Ende eines langen Sommers. Sieh die Harmonie in der Natur. Die Farben, die Früchte, das Ausgewogene, das Ordentliche im natürlichen Kreislauf. Schau Dir Dein Leben, deine Schätze und Reichtümer an. Geniesse. Alles ist gut.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Alles eine Geschmacksfrage…

Hast Du schon mal eine Auster gegessen?

Sie schmeckt nach – Salz. Nach Wasser. Nur ein ganz klein bisschen wie Fisch. Sie ist glibberig und sanft im Mund. Viele Menschen streiten sich, ob man sie nun kauen oder einfach ganz runter schlucken soll. Ob man Zitrone drauf träufelt. Ganz ehrlich, wenn Du Zitrone dazu nimmst dann schmeckst Du nur Zitrone. Eine Auster ist einfach ein Stück vom Meer. Es ist die „mouth sensation“, das Erlebnis wie es sich anfühlt, das Fühlen im Mund, was die Auster ausmacht. Denn eigentlich schmeckt sie nicht wirklich wie „etwas“ und trotzdem eben speziell.

Geschmack ist harte Arbeit: Damit wir wahrnehmen, wie ein Lebensmittel schmeckt, müssen wir es in den Mund nehmen und zerstören. Wir müssen beissen, wir müssen schmelzen, wir müssen es mit der Zunge bearbeiten erst dann entfaltet sich ein Geschmack.

Vor Jahren hat mir ein Barista erklärt warum Espresso in dickwandigen Tassen serviert wird: Damit der Kaffee nicht an der Zungenspitze ankommt (wie zum Beispiel Tee, aus einem ganz dünnen Tässchen… so kann sich die feine Blume eines Darjeelings bemerkbar machen, die nicht sehr aufdringlich schmeckt).

Espresso ist bitter, aromatisch, stark, geröstet, intensiv. Der gehört in den hinteren Teil der Zunge, da kann er sein Aroma entfalten.

Die eigentlichen Geschmacksorgane der Zunge sind die Geschmacksknospen. Sie liegen in den sogenannten Geschmackspapillen. Dies sind die kleinen Erhebungen, die Du auf Deiner Zunge erkennen kannst. Ein Erwachsener hat etwa 2000 bis 4000 Papillen auf der Zunge. Isst Du also eine salzige Suppe oder eine süsse Nachspeise, so werden die Sinneszellen in den Geschmacksknospen aktiviert und Dein Gehirn wird darüber informiert, wie salzig oder süss das Essen ist. Etwa die Hälfte der Sinneszellen reagiert auf alle fünf Grundgeschmacksrichtungen, die restlichen sind spezialisiert auf einen bestimmten Geschmack.

Fantastisch also was sich tagtäglich auf unserer Zunge und im Mund abspielt!

Wie alle anderen Sinne wird auch der Geschmackssinn spannend und ein absolutes Wunder, wenn man sich damit beschäftigt. Wer hätte das gedacht, dass unser Körper uns jeden Tag Abenteuer liefert! Wir müssen uns ja nur darauf konzentrieren und können jeden Tag sinnliche Erfahrungen machen – und das Beste daran – im Alltag! Denn wir alle essen und trinken ja jeden Tag! Schmecken! Ein fantastisches vielfältiges tägliches Ritual!

Riechen und schmecken liegen ja ganz nah beieinander und helfen sich gegenseitig, z.B. besonders deutlich bei der Weinverkostung.

Gerade jetzt im Herbst gibt es wieder so viel Köstliches und Wunderbares auf dem Teller, auf dem Markt, im Angebot.

In der Schweiz sagt man dann auch noch zum Geruch Geschmack. So kann es vorkommen, das jemand neben einem steht der sagt: „Du schmeckst so fein“. Mehr als einmal habe ich mich darüber amüsiert.

Aber auch in meiner englischen Wahlheimat spricht man vom „taste“ und das ist dann gleich einiges: Geschmack mit und ohne sinnlichen Geschmack, Vorlieben, Kostproben, Duft, erleben, Vorgeschmack.

Nun aber die Frage der Fragen:

Was schmeckt Dir ganz besonders gut?

Welches Gewürz findest Du unentbehrlich?

Welchen Rohstoff möchtest Du beim Kochen immer dabei haben?

Was schmeichelt Deiner Zunge?
Welcher Geschmack ist Deine liebste Kindheitserinnerung?

Welchen Geschmack kannst Du nicht ausstehen?

Und welcher Geschmack verführt Dich?

Heute gibt es ja moodfood, ein Essen, das die Stimmungslage verändert, das beruhigt, anregt, aphrodisiert… und kürzlich sagte eine Freundin, als ich ihr einen Quarkschmarrn machte, das sei „comfortfood“. Und das ist es auch. Oma-Essen…

woran erinnerst Du Dich in Bezug auf Essen, das Deiner Seele gut tut?

Ich wünsche Dir eine herrliche köstliche Woche und – streu ein bisschen Zimt drauf, das wärmt Dein Herz.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

 

Falls Du noch ein bisschen in den Geschmäckern schwelgen möchtest: Der Film Zimt und Koriander ist eine wunderbare Reise in diese Welt.

Anfassen ist simpel, Berühren ist Kunst

Wie fühlt sich das an, was um Dich herum ist?

Bevor Du den Blog liest: Fühle 5 Dinge die in Deiner unmittelbaren Umgebung sind…. nimm Dir Zeit.

Bei mir ist das: Mein Hund, genauer gesagt sein Kopf, der ganz weich ist und sich erstaunlich kuschelig anfühlt. Mehr als alles andere an seinem Körper. Seine Bauchhaare sind eher strohig, dafür fühlt man da sein Herz. Der Stoff meines Sofas, weiches breites Samt, sehr sanft und anschmiegsam. Die Schale einer Ananas. Furchig, rau, uneinladend. Das warme Steingut meiner Teetasse, noch etwas erhitzt vom Tee. Und schliesslich die Tasten meines Laptops. Genau richtig für meine Fingerspitzen, glatt, eher warm als kalt und gibt nach, wenn man sie berührt.

Hast Du schon bemerkt wie wichtig der Tastsinn für Dich ist?

Wie entscheidend es ist wie sich etwas anfühlt wenn man es berührt?

Der Kauf der meisten Textilien wird fast ausschliesslich über die Haptik entschieden. Die Vorlieben sind bei jedem anders – manche Menschen finden glatte Oberflächen ganz wunderbar, bei anderen ist es der raue, ungebügelte Stoff. Manche Menschen lieben Cashmere, andere eher die raue Schafwolle, wieder andere Leder, Leinen, Jute, Bambusfasern.

Unsere Haptik, also der Tastsinn, ist auch von Vorlieben beeinflusst. Nicht jeder mag einen Pfirsich mit haariger Oberfläche, nicht jeder streichelt gerne eine Katze oder ein Kaninchen, es gibt Menschen, die es gerne „handfest“ haben, andere versenken ihre Hände gerne in Weiches, in Fingerfarben, in Teig, in Sand, in Seide oder Fell, in Wolle oder streichen über frisch aufgerautes abgeschliffenes Holz.

Haptik beeinflusst uns mehr, als wir denken.

Die Haut ist nicht nur unser grösstes Organ, das mit anderthalb bis zwei Quadratmetern Fläche das Körperinnere schützend umhüllt – sie ist auch eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Sensoren in der Haut helfen uns, die Umwelt durch Tasten wahrzunehmen: jeden Druck, jede Berührung, jeden Windhauch oder auch die Temperaturschwankungen zu erfühlen.

Dazu sitzen verschiedene Sinneszellen und Nervenenden unterschiedlich tief in den Hautschichten. Die einen reagieren empfindlich auf feinste Berührungen, die anderen auf grossflächigen Druck. Einige sind auf Wärme und Kälte spezialisiert und wieder andere nur auf Schmerz. Dabei sind die Hautflächen aber unterschiedlich empfindsam, so dass einige die Berührung nur sehr grob wahrnehmen, während andere feinste Abstufungen ertasten können.

Und auch die Körperhaare liefern Berührungsinformationen, weil Nervenenden an ihrer Wurzel jede Erschütterung melden. Dieses System ist bei vielen Tieren besonders empfindlich: Die Schnurr- oder Tasthaare, von Katzen, aber auch von Nagetieren oder Seehunden sind so fein eingestellt, dass sie ihre Augen für die Nahrungssuche und Jagd kaum brauchen. Fische besitzen das Seitenlinienorgan, um feinste Wasserbewegungen wahrzunehmen, Spinnen, Insekten oder andere Gliedertiere tragen Erschütterungssensoren an den Beinen und Fühlern.

Alle Sinneszellen melden ihre Erregung über Nervenzellen durch das Rückenmark an das Hirn, und erst dort wird das Gesamtbild analysiert und interpretiert. Denn erst, wenn zum reinen Fühlen auch das Umfeld „hinzugerechnet“ wird, können Mensch oder auch Tier angemessen reagieren: Soll man auf Berührung erschrocken zurückzucken oder wohlig erschauern? Ist der Windhauch wegen der Kälte der Umgebung unangenehm oder wegen der Hitze erfrischend kühl? Kann ich Schmerz aushalten oder habe ich Angst davor?

Wenn ich zurück denke an meine haptischen Lieblingserinnerungen dann erscheint sehr schnell: Als sich das erste Mal die kleinen Finger meiner Babys um meinen Finger wickelten. Wie sich mein Pferd unter seiner Achsel anfühlte, auch seine Nase und die riesigen Lippen. Wie ich mit dem Tastsinn erkennen kann, ob ein Brotteig genug geknetet ist. Wie ich in meiner Arbeit als Körpertherapeut das Vibrieren deuten konnte, das unter meinen Händen stattfand. Aber auch: Wie sich wichtige Umarmungen für mich anfühlten. Allen voran eine, die etwa 30 Jahre her ist, ein Inder. Seine Umarmung war ein Umschlingen, ein völliges Fliessen und Vereinigen, eine Minute nur. Aber in dieser Minute war alles Körper, war alles hochsensibel.

Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich im Mutterleib entwickelt, und der letzte, der vor dem Tod erlischt. Und der einzige, ohne den wir nicht leben können. Das Berühren, das Tasten, das Erfühlen ist lebensnotwendig und dennoch vergessen wir es so oft.

Erlebe, erobere, empfinde diese Woche einmal ganz intensiv das Tasten, das Fühlen, das Berühren – und werde berührt.

Zeit für eine Umarmung, eine Massage, Schwimmen und damit die Berührung mit dem Wasser. Oder Wind, Kälte, Hitze, verschiedene Unterlagen, barfuss Laufen, Dinge, Menschen, Tiere, Pflanzen streicheln oder berühren. Oder Deinen Lieblingsmenschen. Geniesse es.

Ich wünsche Dir eine berührte Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Man muss Dinge so tief sehen, dass sie einfach werden

Was siehst Du gerade, wenn Du einen Moment inne hältst, jetzt, bevor Du Deinen Blog liest? Nimm Dir diesen Moment. Sieh hin.

Wohin wandert Dein Blick jetzt? Was sucht und findet Dein Auge?

Entdeckst Du etwas Ungewöhnliches, etwas das Du nicht da vermutet hast, etwas das Dich sogar überrascht obwohl Du doch vielleicht jetzt in Deinem vertrauen Umfeld bist?

Oder sitzt Du in einem Cafe, in der Hotelhalle, der Tram? Siehst Menschen?

Mach Deinen Blick weich.

Was ist der weiche Blick? Du richtest deinen Blick auf etwas, du fixierst es aber nicht, sondern es ist als ob du hindurch schaust. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor einigen Jahren mal in Mode waren. Du kannst das gleich mal ausprobieren mit einer Hand: Strecke den Arm vor dir aus und hebe die Hand in Augenhöhe. Anstatt die Hand genau anzuschauen, schaue durch die Hand hindurch. Vermutlich siehst du dann die Hand verschwommen, vielleicht sogar doppelt.

Falls du eine Topfpflanze in der Nähe hast, probiere das mit der Topfpflanze. Du kannst das auch probieren z.B. mit einem Menschen, insbesondere wenn er dir den Rücken zudreht. Wenn du so durch den Menschen hindurch schaust, versuche ihn auch von deinem Herzen her zu spüren. Eventuell siehst du dabei auch eine Farbe um den Menschen herum, insbesondere wenn dahinter ein heller Hintergrund ist. Eventuell hörst du auch einen inneren Klang im Ohr.

Oder siehst Du lieber mit Adleraugen ganz genau und scharf?

Worauf focussierst Du Dich dann?

Wenn Du fotografierst, macht Dein Seh-Sinn noch mehr: Er komponiert. Er stellt Schönheit her, er sucht sogar den goldenen Schnitt.

Aber was ist das denn nun wieder?

Der Goldene Schnitt ist eine seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Grössen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmass und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt in der Natur und sogar im menschlichen Körper häufig vor, lässt sich aber auch in Kunst, Architektur und Typografie wiederfinden.

Sehen hat so viele verschiedene Geschichten zu erzählen. Spannend, wenn man bedenkt dass zwei das gleiche sehen können und doch etwas anderes erkennen. So funktioniert optische Täuschung, so funktionieren Suchbilder, so funktionieren sogar psychoanalytische Tricks. Wenn wir etwas nur betrachten, so müssen wir uns Zeit dafür nehmen. Wir dürfen dem Gehirn nicht die Erlaubnis geben sofort zu benennen: Aha ein Baum. Eine Tasse. Eine Brille. Ein Stein.

Kinder sehen noch genau. Ungekünstelt, uninterpretiert, unbeschwert. Das verlieren wir im Laufe des Lebens. Wir machen sogar Entscheidungen, was wir sehen wollen und was nicht. Oder was wir wie sehen wollen. Es ist kein blosses Sehen mehr, sehr oft ist es: Bewerten, beurteilen, vergleichen, verstehen.

Vor einigen Jahren machte ich ein Experiment mit einigen Coachees im Zürcher Hauptbahnhof. Ich klebte Begegnungsflächen am Boden ab. Zwei Stühle. Die Aktion hiess: „Auf einen Augenblick“. Passanten wurden eingeladen, meinen Coachees für zwei Minuten schweigend in die Augen zu schauen.

Was meinst Du, ist da passiert?

ALLE. Ich sage: ALLE Passanten haben die Coachees umarmt oder die Hand gedrückt. Alle bekamen Tränen in die Augen. Alle waren – BERÜHRT.

Wie lange ist es her, dass Du Dich mit dem Sehen wirklich beschäftigt hast? Hebe Deinen Blick vom Display. So oft Du kannst. Siehe. Betrachte. Nimm wahr. Sieh wirklich wirklich hin.

Du wirst berührt werden von dem, was Du betrachtest.
Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Beschäftige Dich diese Woche einmal mit dem wirklichen HIN-SEHEN. WAHRNEHMEN. Das Auge hat viel zu bieten.

Die Welt ist bunt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ohrenschmaus

STOP. Lies diesen Blog noch nicht. Mach die Augen erst rasch zu. Eine oder zwei Minuten. Lausche.

Was hörst Du gerade JETZT um Dich herum?

Welche Geräusche findest Du köstlich? Was bereitet Dir Vergnügen zu hören?

Wie passend, dass ich diese Woche über das Ohr schreiben möchte. In meiner Blog Reihe über die Sinne kommt das Ohr weit weniger euphorisch weg als der Duft, der Geschmack, das Auge. Aber wie sehr bereichert uns das Hören den Alltag! Wie stark ist es auch an unseren Emotionen beteiligt!

Unser Ohr zählt schliesslich zu den wichtigsten Sinnesorganen des menschlichen Körpers. Mit ihm nehmen wir nicht nur Töne und Geräusche war, sondern es steuert auch unseren Gleichgewichtssinn und ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sowie die räumliche Orientierung zuständig.

Richtig hören lässt uns am Leben teilhaben und ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Neben Sprache und Musik nehmen wir durch unser Gehör auch Gefahren und Emotionen wahr.

In der vergangenen Woche hatte ich einmal mehr das Vergnügen, den Harfenklängen meines liebsten Freundes Georg zu lauschen. Wieder einmal hat er es geschafft, im Rosengarten mit seinen Tönen zu zaubern, die Menschen mit der Musik zu umarmen, die Tiere zu berühren, die in und um den Garten waren, man hatte fast sogar das Gefühl, die Bäume neigen sich ein bisschen nach vorne um genauer hin zu hören.

Auf Jersey liegt mein Schlafzimmerfenster genau zur Brandung in der Bouley Bay und ich kann dem Atlantik zuhören, wenn ich einschlafe oder nachts erwache. Das Schönste aber ist der frühe Morgen, wenn ich mit meinen Coachees auf die Klippen gehe zum Sonnenaufgang. Unmittelbar vor dem Sonnenaufgang „singen“ und „kreischen“ die Vögel die Sonne herbei. Fast schon lärmig hört man sie aus allen Büschen und Bäumen das neue Licht herbeisehnen. Wenn dann der erste Sonnenstrahl am Horizont auftaucht, herrscht von einem Moment auf den anderen andächtige Ruhe. Dann erheben sich die Flügel und sie segeln in den Tag. Plötzlich Stille und die Natur hat Platz für die Töne von Meer und Wind. Überall raschelt es, der Tag nimmt sich den Raum, die Menschenohren baden in Köstlichkeiten.

Was hörst Du ganz besonders gern?

Was erreicht Dein Herz durch Deine Ohren?

Wie wichtig ist das Hinhören, das Zuhören, das auf Dein Herz hören für Dich?

Wie genau nimmst Du durch die Ohren die Welt auf?

Wann verlässt Du Dich auf Deine Ohren?

Welche Hörerinnerung aus Deinen Sommerferien hast Du ganz schnell wieder?

Das Mövengeschrei? Kinderlachen? Almkühe mit Glocken? Wasserfall? Bach und fliessendes Wasser? Den Mistralwind? Grillenzirpen?

Widme Dich doch diese Woche einmal dem bewussten Hören. Dann wirst Du sehen, es gibt nicht nur Augenschmaus, Gaumenschmaus sondern auch Ohrenschmaus.

Geniesse!

 

Willkommen in der Adlerperspektive

Und hier noch der link zur göttlichen Musik: http://www.harpmosphere.com

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