Immer mit der Ruhe

In der vergangenen Woche bin ich gerannt. Es war so richtig viel los. Hast Du auch schon gespürt wie plötzlich alles schneller geht? Wie das Jahr, immer und immer, wenn es zu Ende geht, sich unmerklich beschleunigt?

Jedes Jahr nehme ich mir vor, dass ich es nächstes Jahr anders machen werde. Dass ich meine Arbeit zurück nehmen möchte. Mir nicht mehr so viel vornehmen, was ich alles noch tun will. Keine endlosen To-do-Listen mehr. Vielleicht sogar mal Urlaub am Ende des Jahres? Einfach mal alles sein lassen?

Gestern gipfelte der Wahnsinn dann. Ich hatte das Auto voll geladen. Trug alles in die Praxis was ich brauchte. Na, erstmal den Hund rein und auf die Terrasse geschickt. Die Hände waren voll. Ich stellte schnell ab, rannte wieder raus, nahm nochmals zwei schwere Taschen und stand vor der zugefallenen Haustür. Der Hund auf der Terrasse weiss nicht wie man eine Tür öffnet und ich stand da, mit vollen Händen und der Panik, dass die Teilnehmer für meinen Workshop gleich kommen und ich noch alles vorbereiten muss. Wie gut, dass es unter der Terrasse ein stählernes Gitter gibt. Ich nahm mir ein Herz und kletterte hoch. Unnötig zu sagen, dass das verdammt unbequem und schwierig war. Ich hing quasi zwischen Himmel und Erde, als ich meinte, meine Hose ratschen zu hören. Oben stand mein Vierbeiner und starrte mich belustigt an (ich schwöre, Huskies können hämisch grinsen).

Schliesslich hangelte ich mich hoch, etwas desolat und derangiert. Hände waschen, ums Haus laufen, die Haustür offen fixieren, ausladen, vorbereiten. Irgendwann fing ich an zu grinsen und schliesslich lachte ichlaut auf, auf der Suche nach einer Ersatzhose in meinem Praxiszimmer. Es war einfach zu komisch gewesen. Ich bekam das Glucksen nur schwer unter Kontrolle. Solche Anekdoten können mich noch ewig amüsieren.

Aber was war geschehen? Ich hatte zu viel Gas gegeben. Die Übersicht (die Adlerperspektive) verloren. Hatte den Schlüssel in der Küche liegen gelassen. Diesmal war das Problem zu lösen. Aber was, wenn wir in unserer endlosen Hast die wichtigsten Dinge übersehen?

Bist Du noch achtsam?

Nimmst Du Deine Mitmenschen noch wahr?

Hast Du noch Zeit für ein freundliches Wort, einen etwas längeren Blick?

Kannst Du noch entspannt im Auto singen, während Du von A nach B fährst?

Hast Du auch noch Zeit für Ruhe?

Vor ein paar Jahren las ich einen Koan von einer Kundin:

Eile Eile! Ich muss mich beeilen!

Die Beine liegen auf dem Sofa.

Sie hatte inmitten der grössten Hatz eine Vollbremsung gemacht und einen Moment ausgeruht. Wie klug von ihr!

Beobachte Dich: Hetzt Du durch den Tag?

Kannst Du auch mal was weglassen?

Dich zurück lehnen und einen Punkt auf deiner endlos Liste weg löschen?

L a n g s a m k e i t.

Vielleicht kannst Du das tun: Wenn Du diesen Blog gelesen hast (Bravo. Dazu hast Du Zeit genommen) schliesse für ein paar wenige Minuten die Augen und beobachte Deinen Atem im Bauch. Dann mach einen Re-Start. Aber jetzt: Langsam. Bewusst. Konzentriert.

Und: Das Geniessen nicht vergessen.

Eine schöne Woche für Dich!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Die warme Jahreszeit

Bist du schon gerüstet für den Winter?

Ich meine nicht Kerzen und Holz und Notvorrat inclusive Campingkocher. Auch nicht die Wintergarderobe und die dicken Stiefel. Und schon gar nicht das ganze Weihnachtsgedöns… ich meine: Schätze.

Welche Schätze hat Dir dieses Jahr bisher gebracht?

Haben sich neue Wege aufgetan?

Hast Du neue spannende Menschen getroffen?

Inspiration erhalten?

Mut und Kraft geschöpft aus dem langen Sommer?

Wer war Dir nah?

Welche Begegnung hat in dir Wärme hinterlassen?

Wen willst Du unbedingt noch ganz oft sehen in diesem Jahr?

Oder gehst Du jetzt schon mit der halben Kraft und bist erstarrt in Befürchtungen und

Voraussagen, unter dem Joch der allgemeinen Angsthaltung, wie denn nun alles weiter gehen wird?

Setz Dich in Ruhe an deinen Tisch und mache eine Liste von Dingen, die dieses Jahr absolut wundervoll waren, die Dich gewärmt und bereichert haben. Menschen, die Du gerne gesehen und umarmt hast. Momente, wie auf einem Konzert, einer Reise, einem speziell schönen Essen im Kreise von lieben Leuten, ein toller Film, ein beglückendes Buch. Was hast Du Wunderschönes erlebt?

Natürlich auch: wen hast Du vermisst? Wen hättest Du gerne gesehen, aber die Zeit war nicht dafür da, die Gelegenheit ergab sich nicht? Welche Bücher und Projekte liegen noch auf dem To-do and to-make-me-happy Stapel?

Rüste Dich für den Winter. Es wird jetzt wieder kälter.

Sorge dafür, dass Dein Winter warm wird, dass er Dich umhüllt mit wertvollen Erinnerungen, dass er dich inspiriert mit Schönem, dass er Dich beschenkt, weil dieses weitere Jahr in Deinem Leben auch wieder ein Geschenk war und ist.

Nutzt Du Deine Zeit auch dafür, das Schöne zu sehen, aufzuzählen, wert zu schätzen?

In der vergangenen Woche war ich mit einer feinen und lustigen Coachee in einem Hotel über dem Vierwaldstätter See. Es war eine herrliche Aussicht, prächtiges Wetter, feines Frühstück und gute und tiefe Gespräche. Wir wertschätzten alles dort. Aber es gab auch einiges, was uns, vorsichtig gesagt, zum Schmunzeln brachte.

Wir wussten aber zu jedem Moment beide, dass es nicht selbstverständlich ist, zwei Tage, mitten in der Woche, in ein schönes Hotel zu gehen, um sich mit Lebensfragen auseinander zu setzen.

Die Aussicht in die Ferne war einfach grandios. Und da standen wir, auf einem Hügel und schauten auf die wunderschöne Landschaft und wussten: Es geht uns gut. Trotz all der Herausforderungen, die unser Leben mit sich bringt. Auch trotz all der Dinge, die nicht so laufen, wie wir sie gerne hätten.

Meine Coachee zeigte ihre Dankbarkeit immer wieder, sie ist ein Mensch, der das noch sehen kann, was für viele, besonders in der Schweiz, so selbstverständlich geworden ist.

Sieh einmal um Dich herum, was du jetzt gerade betrachten kannst.

Dann beobachte Deinen gesunden Körper.

Nimm Deinen Atem wahr.

Spürst Du, wie gut das Leben zu Dir ist?

Schliesse für einen Moment die Augen, atme tief ein und aus. Sag Danke für das was ist. Für alles Gute in Deinem Leben. Für das Wertvolle. Die Menschen. Die Natur. Die Sonne und das Licht. Deine Verbindungen. Deine Möglichkeiten.

Ich schaue auf das Bild von meinem Freund Pan. Es ist so herrlich. Ich will ihn jetzt wirklich bald sehen. Und dann sehe ich das Foto meiner Freundin Jeanne. Der Flug ist schon gebucht. Und meinen Ring an meiner Hand. Sabine freut sich mit mir auf unser Treffen. Die Tasse für Michael werde ich ihm bald bringen. Mein Hund lacht mich an, er freut sich auf den Schnee. Das neue Buch von Gamache liegt hier bereit. Die Kerzen duften schon. Ich habe eine whatsapp von meinem Schatz bekommen.

Und am Weekend sehe ich Kathi, Coco, Leonie, Hella und Susanne. Alles tolle Frauen. Eiiiii, das wird toll.

Mein Winter wird warm.

Wie wird Deiner?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Genug ist genug

In der vergangenen Woche wurde ich zu einem Notfall gerufen. Ein Paar, dessen Partnerin schon etwas länger bei mir im Coaching war, hatte einen Streit eskalieren lassen. Es wurde sehr radikal, für meine Begriffe weit über die Grenzen der Toleranz hinaus. Dennoch musste ich beide Seiten hören. Ein Coach verurteilt nicht, er erklärt warum es so weit kommen konnte und sucht Auswege.

In diesem spezifischen Fall rate ich zu einem Ausstieg. Für meinen Geschmack hat das Paar genug für das Gelingen gekämpft. Die Waffen im gegenseitigen Krieg werden immer drastischer und sprengen längst den Rahmen eines normalen Beziehungsdramas. Für mich würde das heissen: Genug. Lass los. Ihr werdet keine Freunde mehr.

Wann ist es genug?

Eine Frage, die auch sonst immer zum Ende des Jahres im Raum steht: Wann haben wir genug? Wann haben wir genug gegeben und genug bekommen? Und auch: Genug eingesteckt, genug verhandelt. Genug ausgehalten.

Keine Frage: Beziehungen brauchen nach einer Weile auch ein bisschen Engagement und Arbeit. Wenn zwei zusammen bleiben, zusammen leben, vielleicht heiraten und eine Familie gründen wollen, dann braucht es viel Anpassung an die Individualität des Anderen. Toleranz. Aber auch: Verhandeln von Grenzen und Regeln. Nichts ist schlimmer als wenn ein Paar sich so sehr anpasst, dass es den anderen total absorbiert und aus 1 + 1 = 1 wird. Dann gibt es keinen Platz mehr für das eigene Fühlen und Denken, dann wird es eine grosse innere emotionale Abhängigkeit – und fällt einer der Partner weg, dann bleibt man halb zurück.

Vor einigen Jahren sagte ein Freundin sehnsuchtsvoll und schwärmerisch zu mir: OH! Wenn ich noch mal die grosse Liebe finde…! … – dann schenke ich ihm mein GANZES HERZ. Ich musste schmunzeln und sagte: Wie dumm von Dir! Dann hast Du keins mehr und er hat zwei, von dem er eins gar nicht braucht.

Wieso sind wir alle so sehr verliebt in diese Träume von der GROSSEN LIEBE die ausserhalb von uns, in einem Partner, einer Partnerin gefunden werden soll?

Vielleicht haben wir alle das Mär vom Prinzen auf dem weissen Pferd zu oft gehört oder die Gesellschaft macht uns weis, dass es das Glück auf Erden nur in der Zweisamkeit gibt.

Bist Du Dir selbst genug?

Gibst du Dir selbst genug Wohlwollen, Anerkennung, Wertschätzung und Liebe?

Hörst du auf deine Bedürfnisse und befriedigst Du Deine Sehnsüchte?

Findest Du ein Umfeld, das Dich nährt, das Dich sehr gut kennt und mit Dir umzugehen weiss, so wie es für Dich stimmig ist?

Hörst Du Deiner inneren Stimme zu?

Was brauchst Du für Dich ganz alleine, dass es für Dich genug ist?

In dem Fall des Beziehungsdramas sagte die Partnerin: Ich brauche es, dass er sich entschuldigt! Das tat er dann. Sogar freiwillig. Dreimal. Aber das war nicht genug. Sie musste wieder und wieder auf ihm herum trommeln. Und auch über Nacht wuchs die Wut auf ihn wieder an und wurde grösser. Es war nicht genug, dass Entschuldigungen auf beiden Seiten ausgesprochen wurden. Und ich muss ihr wieder sagen: Es reicht jetzt! Es ist genug! Lass los. Lass es gut sein.

Wenn genug heisst: Mein Fass ist voll! Ich brauche nicht noch mehr. Wenn es noch mehr wird, wird es überlaufen. Dann kann es auch heissen: Ich kann das geniessen was ich habe. Ich brauche nichts von aussen. Ich brauche grundsätzlich nichts mehr was meinen Seelenfrieden unterstützt.

Und auch: Wenn ich genug habe vom Krieg (mit mir selbst, mit meinem Partner, mit meiner Unzufriedenheit, mit meinem Blick auf die Welt) dann schütte ich das Giftfass aus (auf einer Sonderdeponie, nicht vor die Füsse deines Partners) und versiegle es: Zugang verboten.

Nutze das Fass zur Dekoration in deinem Garten. Aber fülle es nicht mit neuem Schrott, der dir irgendwann um die Ohren fliegt.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche in der Du genug von allem bekommst was Du begehrst und wirklich brauchst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Surprise, Surprise

Magst Du Überraschungen?

In der vergangenen Woche durfte ich eine liebe Freundin überraschen und sie war richtig zu Tränen gerührt. Und das hat dann wieder mich berührt. Überraschungen sind toll, wenn sie positiv sind – und der Beschenkte das mag.

Es kann aber auch sein, dass Überraschungen stressen, denn es gibt Menschen, die lieber alles im Blick haben und sich mental auf etwas vorbereiten. Das hat nicht unbedingt mit Kontrollsucht zu tun. Sich überraschen lassen, das geht für einige von uns deswegen nicht, weil sie dann den Plan, den sie insgeheim im Kopf hatten, schlecht loslassen können. Dann bringen die überraschenden Änderungen eine Unterbrechung in der Routine oder dem Ablauf, dem man sich erst wieder neu annähern muss.

Ist der Akt positiv, dann gibt es auch noch die Chance, dass der Beschenkte sich gar nicht an dem freuen kann. Mir wurde einmal eine Hundeschlittenfahrt geschenkt und wir waren schon im Auto, um da hin zu fahren, als mein Freund mir das mitteilte. Ich bat ihn, auf der Stelle umzukehren weil ich das gar nicht mag. Er schloss aus der Tatsache, dass mich ein Husky durchs Leben begleitet, dass mir das Spass machen würde. Aber ich war vollkommen entsetzt, weil mich diese Art von „Sport“ total stört. Wie schade, dass diese Überraschung nicht gelang. Ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil er es gut gemeint hatte und ich meinte, mich dafür entschuldigen zu müssen, weil er sich so darauf gefreut hatte mir etwas Schönes zu geben.

In der britischen noblen Welt auf der Insel Jersey sagen meine Kollegen gerne:

„Oh! That’s a suprise!“. Fast in allen Fällen heisst das eigentlich: Oh mein Gott bist Du verrückt geworden, das ist ja furchtbar!

Ich muss ein bisschen schmunzeln. Meine britischen Freunde sagen zu einem Essen auch gerne es würde „interesting“ schmecken, wenn sie es eigentlich grässlich finden.

Nun, wie steht es mit den Überraschungen in Deinem Leben?

Sind sie gelungen?

Magst du lieber andere überraschen oder überrascht werden?

Was ist für Dich eine gelungene Überraschung?

Und welche Überraschung planst Du vielleicht als Nächstes?

Überraschungen sollten behutsam und achtsam eingefädelt werden und Du solltest Dir ganz ganz sicher über die Sache und den Moment und den Beschenkten sein. Nur dann kann das erfolgreich werden. Erkenne in einer Überraschung immer, wieviel Gedanken und Mühe sich der Gönner gemacht hat, dann wird es in jedem Fall eine wertvolle Sache.

Und jetzt, auf in eine neue Woche. Ich wünsche Dir, dass alles was überraschend passiert Dich einfach rundum glücklich macht.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Hier ist noch ein schönes Beispiel für eine gelungene Überraschung:

Extravaganz

Letzte Woche lernte ich wieder einmal eine herrlich ver-rückte Frau kennen. Ich hatte sie noch nie vorher gesehen, aber als sie kam, erkannte ich sie sofort als meine Coachee: Sie grinste einmal um den ganzen Kopf und schmetterte mir ein lebendiges lustiges „Hi“ entgegen. Wir hielten uns nicht zu lange mit Höflichkeiten auf. Es ging sofort und ohne Umwege in die Tiefe.

Die sprudelnde Frau offenbarte ihr Leben, ihr Anliegen und ihre Befindlichkeit schnellstmöglich und liess mich teilhaben. Mit-tauchen. Mit-atmen und mit-tanzen. Zu keinem Moment stand sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Realitäten, sondern liess sich immer Umwege, Auswege und Schleichwege offen. Ach wie herrlich diese Kapriolen!

Ich musste schmunzeln als sie Haut um Haut abstreifte (wie eine Libelle, viele viele Male) und dann ein kunterbunter riesiger Schmetterling heraus kam. Ob sie landen wird, im Garten ihres Lebens, ist noch nicht zu sagen. Vielleicht zieht es sie auch in neue Spielräume, neue Abenteuer und neue ferne Länder.

Es gibt sie noch, diese Menschen, die ihre Kreativität und Spontanität trotz der Härten des Lebens lebendig halten. Menschen, die sich wagen, sich selbst zu sein, viel zu verlangen, überall ein bisschen mitspielen, weiterziehen, da und dort ein bisschen kosten und sich dann doch wieder umentscheiden. Ich nenne diese Menschen gerne:

Die Extravaganten.

Das Wort kommt aus dem Französischen des 18.Jahrhunderts und heisst in seiner adjektiven Form: „in ausgefallener und oder in übertriebener, überspannter Weise bewusst abweichend und dadurch auffallend“. Betrachtet man es im lateinischen ist es: extravganse…. umherschweifend, unstet, ungereimt handen.

Entlehnt ist die Extravaganz auch beim Vagabund. Einer, der umherschweift und da und dort ein Örtchen sucht, an dem er sich eine Weile vergnügen will um dann weiter zu ziehen, wenn es zu langweilig ist.

Extravaganz ist anstrengend. Aber es ist auch: herrlich. Denn dabei bleibt der eigene Geist, die Augen und die Sinne offen und suchend, auch empfangend. Das ist auch eine Art Tantra: Die Welt suchend begreifen. Für Sensationen offen sein.


Die Coachee hat diese Extravaganz in einer ganz grossen Portion ab bekommen.

Ich freue mich darauf, mit ihr zu tanzen, weil sich diese Haltung auch immer ein bisschen überträgt, wenn man selbst einen Hang dazu hat. Die Coachingarbeit ist dann oft ein ganz besonders inspirierendes Vergnügen für beide Seiten und kann sich in Richtungen entwickeln, die nicht vorherzusehen sind.

Ein kleines bisschen Extravaganz haben wir alle, hast auch Du:

Wohin wandert dein Blick wenn Du durch Deinen Alltag gehst?


Was bewunderst Du?

Was amüsiert Dich?

Wenn Du Dich wagst, diesen drei Fragen einmal ganz bewusst nach zu gehen wirst Du erkennen, dass auch Dein Leben bunt und unvorhersehbar sein kann. Wir lassen uns oft zu wenig von der Lust leiten und geben der Vernunft und den to-do-Listen den Vorrang. Dabei findet das Leben eigentlich da statt, wo unser Herz laut und stürmisch schlägt, wo wir aufjuchzen wollen vor Vergnügen und wo wir uns einen Schritt ins Unbekannte wagen.

Feire diese Woche doch einmal das Ungestüme, das Spannende und das Ungewöhnlichste in Dir selbst. Beobachte Dich: Was amüsiert mich jetzt?

Was macht mein Herz gross und weit, was lässt mich lächeln und tanzen?

Geh dem nach – es bringt dich in neue Spielräume! Und zurück in Dein kindliches und offenes und glückliches Inneres.

Das Leben ist da! Spürst Du wie es Purzelbäume schlägt?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Inselfeeling

Magst Du das, auf einer Insel zu sein?

Ich kenne viele Inselmenschen und bei allen ist eins gleich: Sie lieben ihre Insel. Egal ob sie in der Südsee, im Mittelmeer oder im rauen Atlantik sind. Inseln sind Stücke von Land, um die herum das Leben in Form eines Meeres tobt. Inseln sind Rückzugsorte. Inseln reduzieren alles, weil es nur das gibt was auf der Insel ist. Und gleichzeitig geben sie Weite, weil man überall das Meer sehen kann. Sie sind nicht einfach zu erreichen, manchmal kann man gar nicht hin, oder nicht mehr weg. Auf einer Insel kann man abgeschnitten sein vom Rest der Welt. Und vielleicht ist es ja genau das, was den Reiz ausmacht: Auf einer Insel stranden, das heisst: Weg vom Lärm der Welt.

Im Oktober konnte ich um ein Haar die Insel Jersey nicht (mehr) verlassen, weil die Fähre wegen schwerem Sturm eingestellt wurde. Sofort kam ich in Stress, weil ich über die Rückreise nachdachte, die durchgetaktet war. Und auch die weiteren Termine, nach meiner Rückkehr von der Insel, waren schon fest gemeisselt. Allein der Gedanke, dass ich den Takt nicht einhalten könnte war Stress. Und dann machte ich eine Vollbremsung beim Denken: Eben war ich doch noch ganz entspannt und glücklich gewesen, was ist denn nun anders?


Was wäre denn so schlimm daran auf der Insel bleiben zu müssen?

Nichts! Ich liebe meine Insel.

So wie Freunde von mir Bornholm lieben. Ibiza. Fuerteventura. Sardinien. Sizilien. Korsika. Die Capverden. Die Hybriden. Irland!

Allen Inselmenschen ist eines gleich: Sie reisen auf Ihre Lieblingsinsel, weil sie sich zurückziehen möchten, bei sich selbst ankommen, die Welt. soll überschaubar sein. Abgegrenzt, eingegrenzt. Frei, offen, weit. Langsam! OH ja, langsam…

Ich werde nun nicht wieder in das Schwärmen von Jersey geraten, sonst wird dieser Blog zu lange. Aber eins: Jersey ist voller netter Menschen. Weil man auf einer (sehr kleinen) Insel lebt, nimmt man Rücksicht. Man lebt im selben Minikosmos. Man sieht die selben Dinge, erlebt das Gleiche. Man geht mit den Gezeiten. Man nimmt sich Zeit für Begegnung.

Wieviel anders ist unser Alltag. Kompakt und voller Be – z i e h -ungen, Pflichten, Ablenkungen, Aufgaben und to-do’s und endlosen Plänen, Erwartungen von anderen und sich selbst. Nur selten kommen wir hier dazu, uns heraus zu nehmen aus dem Strom der Schnelligkeit und Vielfalt an Aufgaben.

Bei sich selbst sein, atmen, die Dinge zuende denken, sich Zeit nehmen für einen gemeinsamen Augenblick, für den Genuss, für Intimität. Schwer bei all der Fülle, die uns im Alltag umgibt.

Wieviel Inselgefühl können wir in den Alltag retten?

Wo können wir JETZT Inseln schaffen?

Vielleicht so:

Einmal eine Decke in die Mitte des Wohnzimmers legen und darauf ein Picknick mit der Familie nehmen. Stille-Rituale einbauen. Einen Moment ein youtube Motivationsvideo sehen und dabei bewusst atmen… vielleicht dieses hier:

Oder an deinem freien Tag nicht wieder die 100 Haushaltspflichten machen sondern in eine nahe Therme gehen. Oder sich mit Menschen verabreden, mit denen Du Dich immer gut fühlst. Einen sehr guten Film in einem dunklen Kino sehen (da wo alle schweigen und nicht immer wieder auf Pause drücken um sich etwas zu trinken zu holen). Ein Theaterstück. Ein gutes Buch. Ein bewusster Musikgenuss. Deinem Liebsten die Hand halten und einen Moment nah sein.

Oder – das Smartphone ausschalten? Für eine Weile nicht ansprechbar sein?

In den Wald gehen und den Tönen lauschen? Deine Wohnung aufräumen und ausmisten damit wieder Platz für Leere ist?

Es gibt viele Inseln im Alltag. Wir müssen sie integrieren und geniessen.

Trotzdem – wir dürfen auf unsere Inseln reisen so oft wir mögen. Und vielleicht auch einmal dort wegen einem verpassten Flug oder einem Sturm aufgehalten werden.

Als meine Fähre dann doch nach St.Malo ablegte, war ich fast ein bisschen wehmütig. Denn dort angekommen blieb mir kaum Zeit, meinem geliebten Nordatlantik Adieu zu sagen. Ich musste weiter, Richtung Paris, auf die Autobahn. Und tanken musste ich noch. Auf dem Weg ein paar Telefonate machen. An den Mautstationen meine Kreditkarten zücken, im Geist die nächsten Tage durchgehen. Der Alltag, der Kontinent hatte mich wieder im Sog.

Mein Kopf war noch mit Watte ausgefüllt. Oder wie es eine Freundin sagte: Honig im Kopf. Ach, diese Inseltage…

Ich glaube, ich geh heute in eine Therme.

Und wo erschaffst DU Dir deine Insel?

Atmen nicht vergessen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Chuzpe

Eines meiner allerliebsten Worte ist Chuzpe. Na, vielleicht nicht das Wort ansich. Menschen, die Chuzpe haben. Kennst Du das?

Im Hebräischen enthält der Begriff eine negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen von Höflichkeit oder Anstand aus egoistischen Motiven überschreitet. Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit. Hier spricht man insbesondere von Chuzpe, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht.

Unerschrockenheit und Unverschämtheit sind herrliche Eigenschaften.

Un – verschämt. Das heisst doch nichts anderes als: Ich schäme mich ganz und gar nicht zu sein wer ich bin. Wie ich aussehe. Wie ich mich zeige. Und schlussendlich: DASS ich mich zeige.

Herrlich!

Ich liebe unverschämte Menschen!

Ich erinnere mich an ein Theaterstück mit dem grossartigen deutschen Schauspieler Ben Becker. In der Vorführung hatte er uns alle in den Bann des Textes gezogen, den er gelesen und vorgetragen hatte. Danach brandete frenetischer Applaus auf. Standing ovations. Eben noch hatte Ben eine Rolle verkörpert, war seriös und äusserst konzentriert gewesen aber jetzt kam er auf die Bühne und verneigte sich und streckte die Zunge heraus, schlug sich wie ein Gorilla auf die breite Brust und schrie ins Mikrofon: „Ja Ja! Macht weiter!“ … und dann: „Was bin ich nur für ein selbstverliebtes Arschloch.“ Er war wirklich total unverschämt. Sozusagen Chuzpe in Perfektion.


Aber: Er konnte sich das auch leisten, er hatte etwas zu bieten, er hat auch vorher schon wirklich alles gegeben, sich zur Verfügung gestellt, nichts, gar nichts zurück gehalten. Die Wortgewalt von Ben ging durch jede Zelle seines Körpers. Er stand unter Strom und wir, seine Zuschauer und Bewunderer, mit ihm.


Chuzpe sehe ich aber auch gerne in weniger konzentrierter Form. Wenn eine meiner Coachees, wie in der vergangenen Woche, diesen kleines subtilen, frechen Humor besitzt, den dann gleich wieder zurück zieht und dann breit heraus lacht, das mag ich. Menschen, die sich zeigen und nicht erst schauen ob der Rahmen dafür stimmt und ob sie es sich jetzt leisten können.

Die meisten Menschen werden nicht geschätzt oder respektiert, weil sie ausnehmend freundlich oder nett wären, sondern weil sie ein trennscharfes Profil haben. Sie haben eigene Meinungen und Macken – und stehen dazu. Umgekehrt: Wer sich nie abgrenzt, um nirgendwo anzuecken und es allen recht zu machen, verliert an Profil und Respekt. Schon bald tanzen ihm oder ihr alle anderen auf der Nase herum. Menschen ohne jede Chuzpe oder Schneid werden leider oft und gerne ausgenutzt.

Zur Ambivalenz von Chuzpe schrieb der amerikanische Jurist und Publizist Alan M. Dershowitz in seiner Biographie: „Für denjenigen, der sie an den Tag legt, bedeutet Chuzpe Kühnheit und Entschiedenheit. Für das Opfer von Chuzpe ist sie gleichbedeutend mit Unverschämtheit. Es liegt am Standpunkt des Betrachters.“

Wie kühn kannst Du sein?

Was würde passieren, wenn Du Deine Zurückhaltung mal aufgeben würdest und einen Schritt aus der Komfortzone heraus machst? Quasi den Rahmen sprengst?

Das Tollste an Chuzpe ist der Überraschungsmoment. Wenn es eine Wendung gibt, mit der niemand gerechnet hätte. Wenn Du p l ö t z l i c h eine unglaubliche Aussage machst und jeder Dich anschaut.

Ich meine ganz und gar nicht, dass Du anderen Menschen auf der Nase herum tanzen sollst. Aber Mut beweisen im Alltag, einmal unverschämt auf Dich selber achten, das wäre schon ein super Anfang!

Ich wünsche Dir in der kommenden Woche einen Moment der unerwartenden Kühnheit, der Dich mit viel Lachen in ein ganz neues Spielfeld bringt.

Lass das Spiel beginnen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich natürlich dem grossen Gorilla Ben Becker. Und Sibyll-Jodie: Du machst was daraus, nicht wahr!

Alle Wege führen ans Ziel

Wohin geht es denn als Nächstes?

Wohin führt mich dieser Weg?

Kennst Du diese Fragen auch?

Musst Du es schon immer ganz genau wissen, was als Nächstes kommt? Und was tust Du damit? Bist Du dann beruhigt, weil ja jetzt scheinbar alles unter Kontrolle ist?

In der vergangenen Woche hatte ich eine Coachee, die immer gerne Berechnungen anstellt, was als Nächstes passiert. Dabei ist sie allerdings auch gerne in ihrem Kopfkino unterwegs. Sie „vermutet“ was passieren wird und rechnet schon eine Alternativroute aus, die sie von der geplanten Reise wegbringen wird. Weil die Hauptroute (der Plan wie alles sein sollte) offenbar nicht mehr realisierbar ist, macht sie gleich Parallelwelten auf, denen sie dann folgen wird.

Hinter unserer Idee, ständig wissen zu wollen was als Nächstes kommt, steckt schlussendlich immer die Angst, die Kontrolle über den Weg zu verlieren. Und damit rauben wir eigentlich dem Leben auch die Chance, uns zu überraschen und zu beschenken.

Wie erfrischend ist es, wenn wir dann einmal vom Weg abkommen und das GPS (das innere GPS und auch das in unserem Auto) uns scheinbar fehlleiten. Mitunter erwartet uns dann etwas, was wir niemals gedacht hätten und was in irgendeiner Weise richtig für uns ist.

Vor einigen Jahren war ich in der Bretagne unterwegs. Ich hatte das GPS komplett ausgeschaltet und fuhr einfach intuitiv bei jeder Weggabelung rechts oder links, ganz wo es mir besser gefiel. Nach einigen Stunden bekam ich Hunger und Durst und hielt in einem kleinen Dorf, fand ein Bistro und bekam dort ein köstliches Baguette und einen Kaffee. Bei einem kleinen Plausch mit den Bretonen bekam ich den Tip für eine Übernachtung in einem nahen Chateau. Als ich dort ankam, kochte Laure, die Hausherrin, gerade salzige Karamellen. Wir hatten drei wunderbare Tage, viel Lachen und gute Gespräche. Wir haben uns danach sehr oft wieder gesehen denn auf meiner Reise nach Jersey machte ich gerne für eine Nacht Rast in ihrem kleinen BnB. Es war eine der Begegnungen, die man als Schatz in sich tragen kann.

Wie offen bist Du für einen neuen Weg?

Ein ganz alternatives Ziel?

Kannst Du Dich noch überraschen lassen? Bist du bereit für ein Abenteuer?

In Irland sehen Wege manchmal ganz harmlos aus und wenn man schliesslich um die Ecke biegt, steht man zwischen hunderten von Schafen. Oder vor einem steilen Felsabgrund, der uns dazu bringt den ganzen Weg zurück zu gehen und wieder anders abzubiegen.

Bist du dazu bereit? Einmal zurück zu gehen und Dich neu auszurichten?

Oder zu vertrauen dass Du schon dort ankommen wirst wohin du willst, auch wenn es ein Umweg zu sein scheint?

Alle Wege führen schlussendlich ans Ziel. Jeder Weg geht immer weiter. Das Leben ist nicht Stillstand, die Zeit vergeht, jeden Tag gehen wir voran.

Mach einen grossen Schritt und probiere den nächsten und neuen Weg aus. Voller Vertrauen dass er Dich weiterbringen wird. Wir können nicht festhalten an unserem inneren GPS. Das Leben birgt Gefahren und Überraschungen, Umwege und Stolpersteine. Und vielleicht auch ein bisschen Magie und Wunder.

Wer weiss, wo Du landest.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Push oder Pull

Kennst du die Türen, an denen „Drücken“ oder „Ziehen“ steht? Hast Du das auch schon falsch gemacht? Letzte Woche bin ich in Jersey in so eine gelaufen. Volle Geschwindigkeit. Ich war schnell unterwegs, zu schnell… Wollte „Push“ – drücken, ging voll rein mit dem Druck und donnerte mit dem Kopf an die Glasscheibe. Ich musste – genau! – zwei Schritte zurück machen, um sie aufzuziehen. Die beiden Rückwärtsschritte haben mich extrem entschleunigt.

Anschliessend habe ich mich gefragt, warum ich denn überhaupt so schnell unterwegs war. Es gab gar keinen Grund, so viel Druck zu machen, weder in der Geschwindigkeit, noch im Handeln. Aber ich habe mich daran gewöhnt zu Pushen.

Ich machte eine Vollbremsung. Setzte mich in einen Tearoom und nahm die berühmte Tasse Tee, um darüber nachzudenken: Mache ich (mir) zu viel Druck? Und, was noch schlimmer wäre, mache ich anderen auch zu viel Druck?

Wir leben in einer extremen Leistungsgesellschaft. Es geht immer um Optimierung. Es geht ums Dynamische, ums Durchhalten, ums Beweisen von Kraft und Erfolg. Nur ganz selten können wir relaxen und durchatmen, alles soll schnell gehen. Kennst Du das auch „Ich muss man schnell aufs WC?“. Warum denn nicht langsam? Ich sage dann gerne: „Nicht schnell, nimm Dir Zeit, lass es gemütlich aus Dir herauslaufen…“

Wie ist das bei Dir? Pushst Du? Dich und andere? Versuchst Du die Dinge mit möglichst viel Kraft und Aufwand nach vorne zu treiben? Strengst Du Dich an? Stösst Du einen riesigen Haufen Arbeit vor dir her?
Oder machst Du auch mal die zwei Schritte zurück, im Zweifelsfall zum Atmen, um zu ziehen?

Ich gebe es zu, ich bin ein Push-Typ. Ich liebe das. Ich liebe auch Energie und Kraftaufwenden und Fleiss. Ich bewundere Menschen, die Dinge bewegen. Ich bewundere Leute, die sich anstrengen, die Extrameile laufen. Und damit auch voran kommen. Ich denke da an einen Coachee von mir, den Eisenadler, der seine Karriere als Fitnesscoach sehr pusht und das mit Recht, weil er es kann und weil es das braucht, wenn man im Schwung-holen ist.

Und das andere – Pull – das Ziehen hat auch seinen ganz eigenen Reiz. Weil man damit die Dinge eben an sich zieht, sich entspannter Platz macht, weil man dabei noch Luft bekommt, weil man das besonnen machen kann.

Beides hat seine Berechtigung und beides ist wichtig.

Ziehst Du?

Drückst Du?
Wieviel und in welchem Verhältnis?

Beide Tätigkeiten öffnen Dir Türen. Und Türen öffnen willst Du, immer wieder. Und musst Du auch, wenn Du voran kommen möchtest.

Pushen ist laut, braucht Kraft, Anstrengung, Energie, Dynamik, Stärke, eine explodierende Lust. Pull braucht Gelassenheit, Konzentration, innere und äussere Sammlung, auch eine Lust auf die Leistung, Entschlossenheit. Zusammen sind diese beiden unschlagbar.

Nur – beim Pullen, beim Ziehen, entsteht ein Magneteffekt, es reisst mit (weil es eben reisst). Im Marketing ganz sicher die überzeugendere Strategie. Und es scheint mir beim genaueren Hinschauen ganz sicher die klügere Methodik.

Es ist wohl eine Charaktersache: Bist Du der dynamische und schnelle Typ, dann tendierst Du dazu, zu pushen. Ich sehe mich da nochmal selbst aus der Adlerperspektive: Ich renne durch St.Helier und stürze auf das Geschäft zu. Ganz nach dem Motto: „Aus dem Weg!“ – „pushe“ ich die Tür auf und knalle dagegen. In der Retrospektive denke ich: Es wäre mal besser gewesen ich hätte mir die Zeit genommen genau hinzuschauen. Langsam geht es manchmal besser. Jedenfalls wäre ich nicht ein paar Stunden mit einem roten, hämmernden Hörnchen auf meiner Stirn herumgelaufen.

Müssen wir alle, musst Du selbst auch so viel pushen, dass Du Dir kaum je Zeit zum Innehalten gönnst?

Weisst Du, dass ein erfolgreicher Sportler sich Zeit nimmt zum Ausruhen?

Tust Du das auch?

Oder verharrst Du eher im „Pull-Modus“ und wartest ab, statt zu pushen?

Bleibst Du (schon zu lange) in der Komfortzone?

Na, darüber reden wir dann nächste Woche.

Vorerst: Beobachte Dich – Drücken oder ziehen? Wieviel wovon und warum?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ich widme den Blog diese Woche dem Eisenadler Fabian (Du machst alles richtig) und meiner lieben Freundin Mona in solidarischem Pushmodus.

Das Joch

In der vergangenen Woche hatte ich ein Coaching mit einem wunderbaren Menschen, der sein Leben vergessen hatte. Er war schon ein bisschen zusammen gefaltet als ich ihn vor Jahren kennenlernte. Aber inzwischen ging er schon fast gebückt, weil er so viel Last trug. Freiwillig und auch unfreiwillig und auch aus Gründen, die ihm nicht bewusst waren.

Wir tragen alle sehr viel mit uns herum. Keineswegs nur die Lasten, die aus Pflichten bestehen. Auch die Sorgen. Auch die ungelösten Kränkungen aus unserer Vergangenheit. Auch die auferlegten moralischen Verpflichtungen. Auch die Menschen, die wir uns als „Sorgenkinder“ in unser Leben geholt haben. Und vor allem auch unbewusste Muster, die wir schon seit Kindheit haben und die niemals an eine Oberfläche kommen können, weil sie sehr früh geprägt wurden.

Dabei geht uns mehr und mehr der Zugang zu uns selbst verloren, verlieren wir die Lebensfreude und die Freiheit im Herz, die Spontanität und ganz oft auch die Genussfähigkeit.

Auch mein Coachee sagte im Vorgespräch, dass er keinen Spielraum mehr sieht, etwas zu verändern, weil er ja all diese Dinge „muss“ und sich auch verantwortlich fühlt, dass es allen gut geht, dass alle haben, an was sie sich (und er sie) auch gewöhnt haben. Das Leben ist ja bei uns allen durch organisiert, auch festgemacht an Verträge,Versprechen und Verpflichtungen.

Es gibt etwas, das ganz früh geprägt wird: Eine Wenn-Dann-Reizreaktion. Schon im Alter zwischen Geburt und dem sechsten Lebensjahr beginnen wir, das Leben verstehen zu wollen. Etwas passiert und wir leiten daraus Schlussfolgerungen ab. Das passiert keineswegs in einer „erwachsenen“ und überlegten Weise, vielmehr re-agieren wir auf das, was sich im Aussen zeigt.

Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn das Baby lächelt und alle glücklich sind und zurück lächeln, könnte es den Eindruck haben, dass man nur lächeln muss und alles so leicht bekommen wird.

Und im eher schwierigeren Fall: Die Mama/der Papa sind gerade scheinbar unglücklich und das Kind „tut“ etwas, damit sich die Stimmung zum Positiven wendet. Diese Menschen werden im späteren Leben verlässliche Arbeitstiere und „Soldaten“. Sie tun und tun – ihr Leben lang – und stellen diese Leistung nie mehr in Frage. Aber: Sie vergessen den Grund, warum sie endlos tun und das Tun wird zum Selbstläufer. Der ursprüngliche Grund ist schon lange vorbei. Die Motivation des Kindes war situativ für Erleichterung zu sorgen. Nun aber leistet der Mensch auch als Erwachsener viel mehr als es für seine Ressourcen und sein eigenes Glück gesund ist.

Jetzt kommen wir zum „eigentlich“. Eigentlich war das Kind bis zu dem Moment, in dem es anfing zu leisten um Liebe zu bekommen, ein fröhliches und offenes, spontanes und wildes Kind. Das wird nun zugunsten der „Aufopferung“ aufgegeben. Die kleine wilde, freie, verspielte Seele schreit (in Form von Sehnsucht, Sabotage, innerem Groll auf das eigene Tun) um das Verändern der Muster. Aber das geht nicht mehr. Der Arbeitsdrang hat längst den Autopilot übernommen.

Das „Joch“ wird getragen…

Was und wieviel meinst Du zu müssen?

Was meinst Du muss unbedingt sein – und aus welchem Grund?

Wozu fühlst Du Dich verpflichtet?

Vor allem aber: WOZU hast Du Lust?

Es ist vollkommen okay, fleissig und energiegeladen zu sein, vielen Menschen eine Freude zu machen, immer mit anzupacken, gerne für alle da zu sein, fleissig zu sein, viel zu arbeiten, viel zu bewegen, wenn, ja: WENN

es Deiner Lebensfreude dient!

Wenn Du Lust und Spass und eigene Motivation dafür hast, was Du tust, dann musst Du es tun!

Aber wenn Du das Joch trägst für Dich und andere und andere sogar noch darauf abladen und sich auf Dich verlassen! Dann musst Du es hinterfragen!

Wenn Du wegen diesem Joch schon ganz gebückt gehst und Du meinst, keinen Spielraum zu haben es abzusetzen dann musst Du es klären ob das wirklich Deine Aufgabe ist.

Eigentlich ist es ganz einfach: Frage Dich bei allem, was Du tust: Vergrössert das meine Lebensfreude? Fühle ich mich glücklich dabei? Mache ich das, um mein Leben zu verbessern oder zu erleichtern?

Mein Coachee hat sich wieder gefunden in den eigenen Entscheidungen, dem eigenen Spielraum in seinem grossen schönen Herz. In seinem eigenen Glück. In seiner eigenen Liebe. In seinem schönen Wesen.

Das Joch hat er in grossem Bogen weg geworfen. Er geht jetzt im wahrsten Sinne erleichtert und freudvoll in sein eigenes Leben. Der Spielraum ist in ihm.

Er soll ewig ewig jubelnd fliegen!

Willkommen in der Adlerperspektive.