Erste oder zweite Wahl?

Am Grab der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben

Georg Jellinek

Vor einigen Jahren hatte ich einen Coachee, der sich verlaufen hatte. Er war ein braver Familienvater mit einem gesicherten Job in der Finanzbranche, hatte es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht, zwei Kinder, Ehefrau, Eigenheim mit Garten und Familienhund. Er war erst Anfang 40 und sein Leben war überschaubar. Irgendwann hatte ihm jemand von einem Computerspiel erzählt, „second life“. Er stieg ein und spielte. Erst ein bisschen und bald jede Nacht, wenn alle anderen schliefen. Er erschuf sich einen Avatar, der alles war, was er scheinbar nicht war: Wild, ungehobelt, rücksichtslos, in den Drogen, cool, frech, ein Betrüger, ein „Böser“, der seine Frauen schlug und sich nahm was er will.

Das Computerspiel war bald zur Sucht geworden und er „lebte“ nachts bald lieber als tagsüber. Der permanente Schlafentzug tat sein übriges und mein Klient bekam bald Realitätsverluste und die Grenze zwischen ihm und seinem Avatar bröckelte. Als ihm bei seiner, bis dahin lieb behandelten, Frau die Hand ausrutschte kam er in meine Praxis und wollte „sein Leben wieder haben“.

In vielen Sitzungen lernte er, dass er etwas von sich unterdrückt hatte und dass er durchaus auch noch ein anderes Leben leben könnte. Mit mehr Mut, mit mehr Kraft, mit mehr Freiheiten, mit mehr Abenteuern.
Er schreibt mir heute noch ab und zu, es geht ihm gut mit seinem neuen, bunten Leben.

Als ich diese Tage wieder mit einer Klientin über das Thema „das zweite Leben“ sprach, sagte sie: Wir haben doch alle ein nicht gelebtes Leben, Träume, die wir unterdrückt haben, Wünsche die wir uns nie erfüllt haben…

Hast Du das auch – einen ganz anderen Lebensentwurf, den Du gerne gelebt hättest?

Was hat Dich davon abgehalten?

Warst Du es selbst? Oder Deine Eltern und Erzieher? Die Gesellschaft?

Oder – die ANGST?

In einem Gespräch ein paar Tage später mit einem jungen Mann, sagte er, er meine, wir vergessen eigentlich alle unser eigenes erträumtes Leben wenn wir über die Zukunft nachdenken, wenn wir aufhören im Jetzt zu leben. Wenn wir über Rente und scheinbare finanzielle Sicherheit, Ansehen und Image, Status und Karriere nachdenken.

Nach über 20 Jahren als Coach weiss ich, dass diese stille Sehnsucht mit den Jahren immer lauter wird und schliesslich ohrenbetäubend schreit. So viele von meinem Klienten, die Supermanager und Karrieregewinner waren, haben sich nach dem einfachen Leben gesehnt. Ärzte, die lieber eine Bar mit einem Harleytreff hätten, Bankmanager die lieber eine Ziegenherde hüten als über Millionen zu verhandeln. Die allermeisten hatten viel erreicht und erkämpft aber heimlich sah es anders aus: Sie träumten alle von diesem Second Life.

Und – um es mal ganz ehrlich zu sagen: Sehr viele ! Sehr viele! Menschen, die ich gecoacht habe, wären dann doch lieber frei als Mutter und Vater, Ehefrau und Ehemann.

Warum folgen wir dem ersten Lebensentwurf?

Warum entscheiden wir uns für einen Beruf?

Für eine Beziehungsform?

Haben wir diese Entscheidung selbst gefällt oder weil wir dazu animiert wurden durch den Druck von aussen?

Welches second life erträumst Du?

Und warum lebst Du es nicht?

Wie viel Zeit willst Du noch verstreichen lassen?

Könnte es einen Weg geben Dein erstes und Dein zweites Leben zu verbinden?

Geh einmal zurück in Deiner Vita und frage Dich an einem neuralgischen Punkt, an dem Du eine grosse Entscheidung getroffen hast: Was wäre gewesen wenn ich in die andere Richtung gegangen wäre? Wenn ich komplett anders entscheiden hätte? Erträume Dir dieses andere Leben, das Du dann geführt hättest.

Und dann komm in die Gegenwart zurück. Vergleiche. Entscheide Dich neu.

Vielleicht musst Du nur etwas justieren. Vielleicht einen radikalen Schritt machen.

Wirst Du den Mut dazu haben?

Vielleicht hat die momentane Corona Krise dazu geholfen, alles noch mal zu überprüfen. Hat Dich durchgeschüttelt. In Unordnung gebracht. Das wäre doch ein grossartiges Geschenk.
Zu welchem nächsten Schritt bist Du jetzt bereit?

SPRING!

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ungelebte-Leben

Ein Loblied für dich selbst!

In der vergangenen Woche habe ich einige Gespräche geführt über das Thema Selbstwert und Fremdwert und Anerkennung durch andere.

Anerkennung – es liegt schon im Wort – erkennen.

Brauchst Du auch Anerkennung durch andere? Möchtest Du, dass andere Dich sehen, dass sie Deine Leistungen honorieren und Dich als wertvoll erachten?
Was macht das mit Dir?

Macht es Dich nicht auch ein bisschen bedürftig?

Und welche Gefühle löst das bei Dir aus?

Schlussendlich ist die Suche nach Anerkennung von Aussen immer nur Sklaverei. Wie viel tun wir und wollen dabei, dass andere es sehen?

Wir wollen, dass der Andere die Leistung sieht, die wir bringen, die Freundlichkeit, die wir schenken, oft sogar noch vor anderen erwähnen wie gut, fleissig, erfolgreich, gut aussehend wir sind.

Schluss damit!

Wenn Du Anerkennung brauchst – dann erkenne doch einmal an, wer Du bist, wie wunderbar Du bist, wie gut Dein Herz ist, wie fröhlich Dein Wesen die Umgebung von anderen erhellt!

Mach das jetzt gleich: Nimm einen Stift oder tippe es meinetwegen in Dein Smartphone:

Welche DREI DINGE sind aussergewöhnlich an Dir?

Was kannst DU aussergewöhnlich gut?

Was zeichnet Dich aus?

Was an Dir ist schön?

Spürst Du den Unterschied?

Wenn Du die Anerkennung durch andere suchst, bist Du hungrig und schwach und machst sie automatisch auch zum Richter über Dich. Du lieferst Dich aus und verkaufst Deinen Selbstwert für ein paar freundliche Worte.

Wenn Du Dich aber selbst anerkennst, kannst Du merken, wie Du Dich streckst, wie Du Dich stark fühlst, Dich anlächelst und so etwas wie Stolz empfindest über Dich selbst.

Wir haben das leider alle von klein auf gelernt: Die Suche und das Streben nach Lob, nach Liebe, nach Würdigung. Das ging schon ganz früh los. Als wir noch Kleinkinder waren wurden wir fürs Laufenkönnen, für kleinste Spielereien, für Töpfchenmachen, fürs Bravsein gelobt. Und weiter ging es in der Schule für Leistungen, später fürs gute Aussehen, für das Streben nach sportlichen Zielen. Wir waren es gewohnt – und wurden dazu erzogen! auf die Anerkennung durch andere zu setzen.

Was einst als Leistungsnachweis gemeint war, wurde bald der eigentliche Grund für unser Streben und es nimmt inzwischen unser ganzes Wesen ein. Spannenderweise will niemand zum „Mainstream“ gehören, aber alle spielen nach dessen Regeln.

Nimm die Anerkennung endlich selbst in die Hand!

Erkenne wie wundervoll, wie wertvoll, wie attraktiv, wie kreativ und fleissig Du bist. Nämlich genau so viel, wie Du es selbst willst! Und wie Du es selbst kannst!

Du bist gut genug!

Du bist schön genug!

Fang an Dich zu feiern! Werde frei, versklave Dich nicht weiter!

Entfalte Dich dahin, wohin Du möchtest!

Nimm Raum ein!

Gib Dir selbst Raum und Bedeutung!

Das ist ein Text mit vielen Ausrufezeichen. Ein Ausruf, ein Schlachtruf, damit Du endlich anerkennen kannst wie wundervoll Du bist!

Was denn auch sonst?

Eine kleine Anekdote erzähle ich Dir noch. Mein zweiter Sohn war immer ein bisschen mehr stolz auf sich als andere Kinder. Zurecht, denn meine Söhne wurden ja von mir zu starken Männern erzogen. Einmal kam er zu mir, er wird etwa 8 Jahre alt gewesen sein. Er baute sich vor mir auf und sagte: „Mama ich bin nicht das Gelbe vom Ei“! Ich war erstaunt und fürchtete schon, jemand hätte ihm die Flügel gestutzt. Da sagte er aus dem Brustton der Überzeugung:

„Ich bin das Gelbe, das Weisse und die Schale!“

Sei stolz auf Dich. Du brauchst dafür niemanden und nichts ausser einem ehrlichen Blick in den Spiegel.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Diesen Blog Post widme ich meinem Sohn Zedric. Ein freier Geist. Das Gelbe, das Weisse, die Schale 🙂

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Der Flügelschlag

In der Chaostheorie heisst es, dass etwas so Harmloses wie der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt einen Tornado auslösen kann. Es geht dabei um Kettenreaktionen, um die dargestellt unglückliche Verkettung von Zufällen, die schliesslich zu einer Katastrophe führt.

Über die Schmetterlinge und ihr Macht habe ich diesbezüglich letzte Woche nachgedacht, als ich ein besonders schönes Exemplar mit den Augen verfolgen durfte. Schmetterlinge haben uns immer schon fasziniert. Schon ihre Entstehung, wie sie sich mühsam aus der zu engen Larve/Raupe winden müssen, um schliesslich sofort in wunderschöner Form zu fliegen… und dann ihre Anmut, ihre Farben, ihre grazile Feinheit. Dem Schmetterling kann sich niemand entziehen.

Unabhängig von der Geschichte dieses einzigartigen Insekts, ist es die Kettenreaktion, die mich beschäftigte. Denn letzte Woche bekam ich einige sehr unerwartete schöne kleinen Gesten, ein paar Augenblicke von tiefer Bedeutung und wunderte mich, dass sie so vielfältig erschienen. Ich sprach mit einer lieben Frau darüber und sie sagte: das hat auch alles mit Dir zu tun.

Und dann begannen wir zurück zu verfolgen, woher etwas kommt. Woher wir jemanden kennen, warum wir an einem Ort wohnen wo wir gerade sind, warum wir da arbeiten, wo wir sind. Es gab eine riesig lange Geschichte von Zufällen, die mich so amüsierte, dass ich sie hier anregen möchte, nach zu spielen:

Was hat Dich dazu bewogen da zu sein, wo Du gerade bist? Gehe den ganzen Weg zurück, der über Jahre und Jahrzehnte gehen kann.

Wie hast Du Person XY in Dein Leben bekommen? Wer war beteiligt? Woher hattest Du diese vorherige Person? Wann haben Zufälle Dich mit wem zusammen geführt?

Wie oft wurde aus einem scheinbaren Scheitern ein riesiges Glück? Wer war an deiner Seite? Warum? Woher kanntest Du diese Person? Was führte zum Scheitern? Was führte zum Glück?

Der Schmetterlingseffekt in unserem Leben muss nicht zwangsläufig ins Chaos und Verderben führen, er führt auch immer wieder kleine Geschenke mit sich, die wir erkennen können.

Darum möchte ich hier auch einmal zu einem Schmetterlingseffekt aufrufen. Stosse einen Dominostein um, löse eine positive Kettenreaktion aus. Konzentriere Dich auf 5 kleine Wohltaten, die Du in dieser Woche ganz leichtfüssig tun kannst. Lass die Welle beginnen.

Wenn Du es schaffst einen positiven Effekt zu initiieren, dann kommt die Welle irgendwo zu einem tollen Ergebnis. Sei offen, suche die Gelegenheiten, tue.

Wer weiss wohin es führt?

Gestern Abend bekam ich eine SMS einer Freundin, die jetzt sehr glücklich ist. Vorausgegangen war ein Chaos. Aber eins führte zum anderen und im Jetzt hat sie die beste aller Welten bekommen.

So kann es funktionieren. Also, beschäftigte Dich diese Woche einmal intensiv mit dem Glück, das sich verbreitet und auch in Deinem Leben schon eine positive Magie erreicht hat.

Siehst Du, man kann auch an etwas ganz anderes denken als an die momentane Weltlage.

Entspanne Dich, betrachte die vielen Schmetterlingseffekte, die schon in Dein Leben getreten sind und geniesse.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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Abenteuerland

Letzte Woche war ich bei einem Knochenbrecher. Ganz ehrlich, so hat es sich angefühlt.     Ein Physiotherapeut, der wirklich intensiv arbeitet. Von den 90 Minuten, die ich auf seinem Massagetisch lag, wollte ich 75 Minuten laut schreien vor Schmerz. Der kleine, kräftige Mann aus Italien, der riesige Hände und einen goldigen Humor hat, hat wahre Wunder in meinem Körper vollbracht. Aber es war schmerzhaft. Sehr schmerzhaft. Und ich bin keineswegs wehleidig. Ich halte was aus.

Weil ich was aushalte, habe ich mir auch jede Menge Härte angewöhnt. So viel, dass mein gesamter Body sich verkrampft hat. Der Italiener also legt seine Hände an und drückt, schiebt, hebelt, legt sich auf meinen Rippenbogen, biegt meine Beine in Richtungen, in denen sie lange nicht mehr wahren.

Etwa in der Mitte der Tortour fragt er mich, ob ich nicht mal langsam aufgeben möchte? Locker lassen? Ich sage: Ich bin doch locker! Und er: Keine Ahnung, was Du damit meinst! Du bist voller verdammten Widerstand!

Ich musste lachen. Und das brachte das Eis zum Schmelzen. Ihr dürft Euch dieses Gespräch gerne auf Italienisch vorstellen. Mit der entsprechenden Gestik. Mein Italienisch ist eine Katastrophe. Aber das habe ich wortwörtlich verstanden. Und seine Attitüde auch.

Nachdem ich von der Praxis zum Auto getanzt! bin und federleichten Schrittes mit meinem Hund die nächste Wanderung machte, wurde mir klar, dass ich mich verweigert hatte. Und dass das nicht mein ganz persönliches Problem ist, sondern die ganze Welt im Moment erstarrt. Wir alle versuchen die Krise zu „managen“, damit klar zu kommen, uns abzufinden. Aber nur ganz wenige können mit dem flow gehen und etwas Neues daraus entstehen lassen.

Wir teilen uns auf in Pro und Contra, in Gehorsam oder Ungehorsam. Wir haben Angst oder wir verlieren uns in Ideen, was dahinter stecken könnte. Die ersten Demonstrationen entstehen, es gibt Für und Wider Lockdown.

Als ich letzte Woche meine Arbeit wieder aufnahm, hörte ich sehr verschiedene Ansichten, besprach es mit meinen Klienten, aber auch mit Freunden, immer kontrovers. Alle aber wollten die Freiheit, den Normalzustand zurück. Fast niemand erschuf etwas ganz Neues aus dem, was jetzt gerade ist. Unsere Kreativität ist blockiert, unsere Spontanität stark eingeschränkt.

Ich möchte es nicht schönreden, mich nervt das Thema gewaltig. Und auch die Einschränkung meiner Freiheit macht mir sehr zu schaffen.

Aber das Jammern ist keine Lösung.

Wie gehen wir also mit der Krise um?

Und was ist eine Krise?

Ich habe da von einem wichtigen Menschen gelernt, Bertrand Piccard.

Mit seinem Luftballon Breitling Orbiter ist er einmal ins Mittelmeer gestürzt, eine zweite Flugreise musste über China abgebrochen werden. Erst beim dritten Mal gelang die Erdumrundung und damit der Weltrekord. Auch mit seinem Flugzeug «Solar Impulse» musste er immer wieder Rückschläge einstecken, bevor die 42’000 km um den Erdball geschafft waren.

Für den Pionier der Lüfte ist klar: «Das Abenteuer ist eine Krise, die man annimmt, und eine Krise ist ein Abenteuer, das man ablehnt.» Für den ausgebildeten Psychiater ist unsere Sicht der Dinge der eigentliche Stolperstein.

Lies diesen Satz nochmals: Eine Krise ist ein Abenteuer, das man ablehnt.

Welches Abenteuer lehnst Du gerade ab?

Welcher Krise willst Du Dich entziehen, statt Dich ihr mutig und mit vollem Einsatz zu stellen?

Vielleicht wärst Du ohne den Widerstand – federleicht? Kreativ? Und –

innerlich frei?

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Freude statt Angst

„Ich freu mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Diesen Spruch habe ich vor einiger Zeit bekommen. Und genau diese Woche einmal erlebt:

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Ja, warum freuen wir uns nicht einfach, egal was sich draussen ereignet?

Egal, was gerade läuft?

In der vergangenen Woche wurde ich mit allerlei Begegnungen beschenkt und eine ganz bunte Farbpalette an Emotionen tat sich vor mir auf. Von der kompletten Euphorie, über die Dankbarkeit, die Wertschätzung, den Mut und den Tatendrang bis hin zu Verzweiflung, Missgunst und Eifersucht, Angst und düsteren Zukunftsprognosen. Ich war auf einer Achterbahn der Gefühle meiner Klienten und wusste nie, was als nächstes kommen würde.

Nach einigen Tagen war ich sprachlos, was alles so passieren kann. In jedem Menschen, der mir begegnet ist, fand ich auch einen Spiegel  für selbst durchlebte Lebensphasen. Für alle war ich gerne Ohr und Begleiterin. Und ich staunte, was Menschen mit Menschen machen, was Angst mit Menschen macht.

Wie erholsam dann diese beiden Kinder zu sehen, die in ihren Regenkleidern und mit den bunten Schirmen noch in extra viel Wasser baden wollten. Sie sprangen durch den Brunnen und sangen lauthals und ich sehnte mich mit aller Kraft zurück in diese Lebensfreude.

Warum freuen wir uns nicht einfach am Leben, solange wir es (noch) haben?

Was hält Dich davon ab, Dich einfach nur zu freuen?

Woran könntest Du Dich jetzt freuen?

Meine wunderbare Mentorin Byron Katie sagt: „Wir leiden immer nur an unseren Gedanken“. Und genau so ist es!

Kannst Du das – Deine Gedanken mal abstellen und dann: Dich einfach mal freuen?

Und einfach mal sagen: Hey! Schön dass es mich gibt und dieses Leben um mich herum!

Der Frühling, die Natur, das Wachstum, die Sonne und ja, auch der Regen?

Ich hab keine Lust mehr auf kompliziert und komplex! Du etwa?

Wie wäre es, sich einfach mal auf F R E U D E zu programmieren?

Die Medien auszuschalten oder die Berichterstattung wenigstens mit Vorsicht zu geniessen? Und dann sagen: Hey, du eigenartige Welt da draussen, mir ist es egal, was Du gerade von mir willst: ICH will mich freuen!

Als ich mich entschlossen hatte mich zu freuen, war alles leicht. Ich musste nur das Bild der Kinder wieder in meinen Geist bringen und schon war es leicht.

Alles war und ist leicht, wenn wir aufhören, es zu kompliziert und zu schwer zu machen. Wenn sich Widerstände auftun, dann sind wir vielleicht auch einfach nur auf dem falschen Weg?

Konzentriere Dich doch kommende Woche einfach einmal einfach auf Freude, säe und ernte sie, vervielfache sie, erwidere sie, drücke sie aus, umarme sie, verschenke sie inflationär.

Die Welt braucht Deine Freude. Angst und Erschrecken haben wir nämlich gerade genug.

Freu Dich. Es gibt immer eine Gelegenheit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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Vom Heimkommen und daheim sein

Vor Jahren las ich einmal in einem Buch: „Alles Weh ist Heimweh“.

Hast Du auch Heimweh?

Und wenn das so ist – wo ist Dein Daheim?

Manchmal braucht es Jahre, Jahrzehnte, um sich irgendwo daheim zu fühlen. Und immer bleibt so eine unbestimmte Sehnsucht. Oder wir haben den Ort, an dem wir daheim waren verloren und sehnen uns zurück.

Eine Frage in meiner Analyse war: Wo fühlt sich Deine Seele zuhause?

Dabei hatte ich mal eine Coachee, die in der Schweiz geboren war mit einem italienischen Vater und einer englischen Mutter. Auf meine Frage antwortete sie: In Afrika. Jahre vorher war sie in einem Austauschjahr in Ghana gewesen und fühlte sich da endlich zugehörig, vertraut, seelenverwandt.

Ich habe auch oft Heimweh. Jahrelang, wenn ich aus dem Süden nach Hamburg reiste, die Bahn durch den Hafen in den Hauptbahnhof fuhr, dann ereilte es mich. Ich bekam immer nur Heimweh, wenn ich zurück kehrte. Ausgelöst über den Duft, die Erinnerungen, die Wetterlage (in dem Fall der Wind), das Meer. Das Meer war es schliesslich, was mir auch Heimweh machte, wenn ich am Strand ankam. Bald wurde es der Nordatlantik der Bretagne, Südengland, Irland. Heute lebe ich in den Bergen. Und habe wieder Heimweh nach dem Meer. Und wenn ich dort bin nach der Schweiz. Heimweh ist so bittersüss, so anheimelnd geborgen, eine schöne Sehnsucht, melancholisch und schmerzlich und schön.

Heimweh zeigt dann auch Verbundenheit und Zusammengehörigkeit und es kann schön und nährend für uns sein. Das Gefühl zuhause, angekommen, willkommen und geborgen, sicher und vielleicht auch ersehnt und erwartet zu sein. Wir können ja auch sagen: Ich bin bei jemandem zuhause. Oder: Ich fühle mich bei Dir zuhause. Und das heisst: Du gehörst zu mir, ich hab dich gerne um mich.

Aber Heimweh heisst auch: Ich bin auch ein bisschen auf der Suche nach mir selbst, weil ich den Ort finden möchte, an dem ich ankommen und bleiben kann.

Ein Ort, an dem Du Dich besonders vertraut fühlst. Vielleicht wegen der Sprache, dem kulturellen Umfeld, dem bekannten Essen, der Sprachmelodie, dem Temperament, den Düften, der Wetterlage, der Vegetation, der Umgangsformen. Vielleicht weil es einfach total richtig für Dich ist und Deine Seele tanzen will, wenn Du dort ankommst.

Wo fühlst Du Dich zuhause?

Was brauchst Du, um Dich zuhause und angekommen zu fühlen?

Welchen Duft?

Welche Farbe?

Welche Typ Menschen?

Welches Essen?

Welche Stimmung?

Welche Geräusche?

Welche Temperatur?

Fühlst Du, wenn Du diese Fragen beantwortet hast, wie einfach „Stay at home“ wäre?

Und wenn Du nicht wohl bist, da wo Du gerade bist, hast Du dann den Mut, nach Hause zu gehen, dahin, wo Dein Herz Dich hin zieht?

Denn „Folge Deinem Herzen“ heisst ja auch: Suche den Ort, an dem Du bleiben magst. Den, der Dich nährt und glücklich macht. An dem Du spürst, dass Du dazu gehörst, wo Du willkommen bist.

Das Thema Daheimsein ist auf eine ganz andere Weise in uns getriggert worden in den letzten Wochen. Jetzt darfst Du einmal heraus fühlen, ob Du gerne daheim bist. Oder ob Du woanders daheim sein magst.

Und zuletzt noch eine kleine Geschichte vom Daheimsein. Mein Hund, ein sibirischer Husky, der auf Zypern zuhause war, ist seit knapp 16 Monaten bei mir. Ich musste ihn, weil er sehr wild ist, immer an der Leine führen. In den letzten Wochen, in denen wir daheim bleiben mussten, sind wir intensiver denn je zusammen gewachsen. Jetzt hat er verstanden, wo und bei wem er daheim ist. Die Leine durfte weichen, er fand allein den Weg nach Hause. Und heute entschlüpfte er mir auf einer Wiese aus dem Hundezaum. Er tanzte wie wild alleine über das Gras, ich rief ihn und öffnete die Arme. Da kam er freudig schwanzwedelnd zu mir gerannt und freute sich, zu mir zu gehören. Das erste Mal. Siehst Du: Angekommen.

Ich wünsche Dir, dass Du Dein Daheimsein geniessen kannst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Vom Loslassen und Finden

Heute Nacht kam der Regen. Lange ersehnt. In riesigen Mengen. Im Tessin fliesst der Regen nicht, er fällt. Sofort gibt es ganze Flüsse durch die bergige

Landschaft und nimmt alles mit, was sich nicht länger festhalten kann, den Staub, die Pollen und abgefallenen Blüten, die restlichen Blätter, bald auch Erdstücke und kleine Steinchen. Alles fliesst bergab. Sammelt sich in kleinen Pfützenseen oder verebbt, so wie heute, denn es ist seit Wochen und Monaten ausgetrocknet gewesen. Das erholsame Wasser versickert und die Erde macht feine Geräusche, wenn sie es aufsaugt. Eigentlich ist es wunderschön.

Das führte mich zum Thema der Woche, ein Thema, das mir letzte Woche so viele Male begegnet ist. Loslassen. Ein schwieriges, weil schmerzhaftes Thema. Ich kenne fast niemanden, der gerne etwas loslässt. Wir verharren alle und halten das, was wir lieben, wollen nicht aufgeben, es nicht hergeben, es nicht opfern.

Aber das Leben bewegt sich und zwingt uns immer wieder loszulassen. Das geht mit dem Loslassen des sicheren Bauchs unserer Mutter los und geht immer weiter. Und immer ist es scheinbar die Sicherheit, die wir loslassen. Die Sicherheit des Krabbelns, die Sicherheit der Hand, an der wir laufen lernen, die Sicherheit des Hauses, wenn wir es verlassen. Später Freundschaften, Umzüge aus der gewohnten Umgebung, Schulwechsel, unsere Unschuld, unser naiver Glaube an den Weihnachtsmann, die Rituale, die geliebten Menschen um uns, wieder Umzüge, Vertrautes wird losgelassen. Manchmal lassen wir mit Lust los, was mir nicht mehr haben möchten. Manchmal entreisst uns das Leben das Unfassbare, das Geschätzte und Geliebte. Eine Aneinanderfolge von Abschieden. Die Hände öffnen sich und lassen los. Der Kopf und das Herz hinkt oft hinterher.

Meinen ersten Blog, Februar 2018, schrieb ich über den Liebeskummer. Das schmerzhafteste Loslassen. Und dann die Abschiede durch den Tod von Menschen nicht zu vergessen.

Diese Tage müssen wir alle, alle viel loslassen. Die gewohnten zauberhaften Rituale, die Umarmungen und Küsse, die Pläne für die nächsten Tage, Wochen, Monate. Die Reisen. Vielleicht auch: Unsere berufliche Existenz. Den kleinen Laden, den wir so gerne mochten. Die vertraute Atmosphäre in unserem Lieblingscafe, unser Wiedersehen mit liebgewonnenen Menschen aus dem Ausland. Die Liste ist lang.

Wie kommen wir zurecht mit diesem Loslassen?

Was tut es mit Dir?

Siehst Du es als Strafe? Als Eingriff in Deinen Lebensplan?

Oder als Neuanfang?

Es ist schwer, neu anzufangen. Es braucht viel Mut und Kraft und Durchhalten und Weitermachen. Wieder aufstehen. Wieder und wieder. Neu anfangen. Neue Pläne, die vielleicht auch nicht aufgehen werden.

In der vergangenen Woche haben mich zwei Menschen schwer beeindruckt. Eine liebe Freundin, die seit Monaten um eine friedliche Lösung gekämpft hat und in der auf der gegnerischen Seite immer neue Spielkarten ins Spiel gebracht wurden, die sie in die Knie zwangen. Da schrieb sie mir: Ich lasse das jetzt total los.

Und mein Bruder, einer, der beruflich Pläne schmiedet und abarbeitet. Ich fragte ihn, wie er mit all der Unsicherheit umgeht, die die momentane Situation bietet, und er antwortete: Ich segle auf Sicht.

Einen Schritt nach dem Anderen. Einen Schritt nach dem Anderen. Wir schauen oft zu weit nach vorne. Wir erwarten Dinge, wie sie sich entwickeln sollen. Wir planen eine chronologische Abfolge, wie etwas gehen muss. Und dann stehen wir plötzlich mit leeren Händen da. Was tut es mit uns?

Ich habe dieses Jahr von allen Plänen den ultimativ schönsten Plan gehabt. Alles wochenlang arrangiert, genügend Mitspieler an Bord, auf die ich mich sehr gefreit habe, die richtige Location gefunden, die Reise geplant, die Spiele vorbereitet. Und dann – puffff – war es weg. Abgesagt, unmöglich, das durch zu führen. Einen Tag habe ich meine Herzenswunde geleckt und dann weiter gelebt. Warum? Weil es keine andere Wahl gibt. Und weil mir mein Loslassen meistens ein sehr viel grösseres Glück brachte.

Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn etwas nicht so geht wie wir es uns vor – gestellt haben. Denn im Sand sehen wir erst recht nichts!

Heben wir also die Augen und schauen auf das, was sich uns bietet, wenn alles weg geflossen ist.

Hier im Tessin: Üppiges Grün. Fruchtbares Land. Neue Blumen. Atmende Erde, die köstlich riecht. Und auf den Gipfeln neue kleine Schneekleckse. Schönheit pur.

Zum Schluss dieses nicht sehr beliebten Themas noch eine Geschichte, die Hoffnung machen soll: Vor vielen Jahren hatte ich eine sehr resolute und selbstbestimmte alte Lady in der Therapie. Eines Tages bekam sie die Diagnose Krebs in weit fortgeschrittenem Zustand. Die Ärzte gaben ihr allenfalls noch ein paar Wochen zu leben. Sie brachte ihre Dinge in Ordnung, veranstaltete eine letzte wilde Party (die Dame war über 80 aber ein Leben lang ein Hippie gewesen). Dann „buchte“ sie ein Ticket ins Jenseits mit Exit. Der freundliche Herr kam mit dem Gift, das sie zu diesem Zeitpunkt gerade noch selbst schlucken konnte. Ihr Sohn war dabei, als sie ihre letzten Worte sprach. Er hat sie mir mit einem Lächeln erzählt. Meine liebe Kundin nahm den Becher in die Hand und bevor sie ihn trank sagte sie: „Jetzt bin ich aber mal gespannt“.

Sei mutig beim Loslassen. Du weisst niemals, was als nächstes passiert.

Vielleicht etwas, mit dem Du nicht rechnen konntest weil Du es nicht gesehen hast. Der Kopf muss eben aus dem Sand gezogen werden.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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