Der internationale Tag der Frau

Anfang des 20ten Jahrhunderts bewegte sich etwas. In England ging ein Raunen um die Welt. Eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen sagte: Wir fordern die Hälfte der Welt! Was war passiert? Die Frauen hatten eine Stimme gefunden. Sie lehnten sich auf. Es gab Widerspenstige, Rebellinnen, Suffragetten.

Eine neu entdeckte Kraft kam aus dem Herzen der Frauen. Sie wollten wählen, sie wollten selbst bestimmen. Sie wollten gut bezahlt werden und eigene Berufe ergreifen. Sie gingen auf die Strasse und standen couragiert ein, gemeinsam und solidarisch für das Recht selbst zu bestimmen wie, mit wem und von was und auch wo sie leben wollten. Diese Entwicklung ging 1903-1928 in England die ersten Schritte und wurde bald weiter geführt, die Emanzipation entstand, das Leben wollte erobert werden.

Emanzipation kommt aus dem Lateinischen und umschreibt eine Art Befreiung aus einer Abhängigkeit. Nicht immer ging es dabei um Frauenrechte, vielmehr um jede Art der Selbstbefreiung, gesellschaftlich zurück geführt ins 17/18. Jahrhundert, dabei ging es um das Gewähren einer Selbständigkeit jenseits der Fesseln von Traditionen, gesellschaftlichen Normen und vorgegebener Weltanschauung. Es ging und geht ganz wesentlich um Freiheit und Gleichheit.

Nicht einmal 100 Jahre sind vergangen seit dieser ersten Zeit. Unsere weiblichen Vorfahren und Wegbereiterinnen waren mutig. Sie nahmen Taten statt Worte in Kauf, gingen in Hungerstreiks, auf die Strasse zum Streik, sie lehnten sich aktiv auf und machten sich ihrer Rechte bewusst. Wie mutig und initiativ sie damals waren! Heute erfüllt mich das mit sehr viel Dankbarkeit.

Auch ich ging in den 80er Jahren noch auf die Strasse für meine, für unsere Rechte. Es musste noch immer neues Land erobert werden. Zurück schauend denke ich, wir wollten wirklich das Beste, die Freiheit, die Befreiung und heute ist vieles, was wir damals erkämpften, was die Suffragetten zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erkämpften, längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

So nehmen wir doch den Internationalen Tag der Frau einmal zum Anlass uns bei den Vorreiterinnen für unseren freien Lebensweg zu bedanken, nichts von dem was wir heute in den modernen Zeiten an Freiheit geniessen war ein Geschenk. Denken wir zum Beispiel an Jeanne d’Arc. Zu einer Zeit als es Frauen nicht einmal erlaubt war, Hosen zu tragen oder selbst zu bestimmen was sie mit ihrem Leben machen wollten (das bestimmte einzig und allein der Mann im Haus, in diesem Falle der Vater) zog Jeanne nach Orleans um als Anführerin eines mächtigen Heers Frankreich vor der Übernahme durch die feindlichen Engländer zu befreien.

Zu allen Zeiten gab es Frauen Figuren die kämpferisch und engagiert Neuland einnahmen. Jeanne d’Arc, Marie Curie, Hildegard von Bingen, Rosa Luxemburg, Coco Chanel, Alice Schwarzer, Anne Frank, Angela Merkel, Carla del Ponte, Prinzessin Diana von England um nur einige zu nennen. Es gab viele Frauen, die unsere Welt wesentlich verändert haben und ihren Beitrag dazu gaben und dass wir heute eine eigene Stimme haben und feminin in die Welt wirken können.

Verneigen wir uns also in Dankbarkeit und leben das, was heute geschenkt ist – Freiheit zu entscheiden, wohin die Reise geht, uns kreativ auszudrücken und die Polarität zu leben.

Eine kleine Anregung für die kommende Woche: Bedenken wir bei dem was uns begegnet, dass die Frauen immer dazu beigetragen haben und auch dazu beitragen werden, dass die Welt fruchtbar und stark, sanft und feminin, weiblich und emotional und bunt, wild und leidenschaftlich ist.

Lass(t) uns feiern!

Auch die Adlerin wählt schon immer – den Lebensraum und jedes Jahr wieder den Partner für das kommende Jahr. Dabei bleibt sie durchaus treu, wenn sich der Partner für ein weiteres gemeinsames Jahr bewähren kann. Sie ist sogar etwas grösser gebaut als der Adlermann und sie hat ein freies und starkes, engagiertes und mutiges Herz.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Tick Tack

Tick Tack… die Zeit vergeht….

Neulich hatte ich eine Spam Werbemail in meinem Email Briefkasten. Da stand: Life is short! Have an affair!

Im unteren Rand der angedeuteten Email stand: Gelangweilte Hausfrauen sehnen sich nach neuen erotischen Kontakten.

Waaaas?

Du bist also gelangweilt liebe Hausfrau und es fällt Dir nichts Dümmeres ein,

als eine Affäre zu haben?

Und Du Adressat dieser Werbung bist Du auch gelangweilt und willst eine Affäre?

Sind denn Affären die Lösung gegen Langeweile? Konsum statt Befriedigung der tiefer liegenden Bedürfnisse?

So was macht mich echt wütend. Life is short. Genau so ist es.

Spürst Du, dass die Zeit vergeht? Wertvolle Lebenszeit? Auch gerade jetzt?

Worauf wartest Du noch? Spürst Du, dass Du jeden Tag ein kleines Stück mehr am Abgrund stehst – und weisst Du auch, dass es keine Garantie dafür gibt, die durchschnittliche Lebenserwartung zu erreichen? Bei Männern liegt sie bei 77 und bei Frauen bei 83 Jahren. Ja fein. Und wenn nicht?

Verschiebst Du Dein Leben?

Verschiebst Du Deine Bedürfnisse nach dem, was Dich erfüllt?

Und was ist das eigentlich, ein erfülltes Leben?

Hast DU gewählt und wählst DU jeden Tag neu, welches Leben Du leben willst?

Wir sind alle ganz gut darin zu wählen was wir nicht (mehr) wollen. Aber wählen wir auch, was wir wollen?

Mein jüngerer Sohn sagte kürzlich zu mir, das Leben sei ihm zu wertvoll für Streit, darauf hätte er keine Lust. Ich fragte ihn, was er denn mache um ein so friedliches schönes und harmonisches Leben zu führen, dass es keinen Streit darin gäbe. Er konnte es nicht wirklich beantworten. Denn: Meist ist auch er abgelenkt vom Leben. Mit den Pflichten, der Arbeit, dem Streben nach Irgendwas, den sozialen Kontakten, dem Smartphone…

Leben wir denn alle im Jetzt? Oder lieber in der Zukunft?

Müssen wir uns etwas holen von aussen um ein wertvolles Leben zu haben?

Oder lieber mal abtauchen in die eigene Schatzkiste und schauen was gelebt werden will und zwar elementar?

Wir sind in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft gelandet, die wir alle nicht mehr in Frage stellen. Einige Tage nach dieser Werbung in meiner Mailbox ging ich in Zürich in einen Supermarkt. Zwei junge Menschen schoben gelangweilt ihren Einkaufswagen vor sich her. Der eine sagte: Was willst Du denn essen am Weekend, was brauchst Du? Der andere sagte: Ach es geht doch schon lange nicht mehr ums Essen oder brauchen, ich schaue einfach was mich amüsieren würde.

Wie weit sind wir entfernt von unseren wirklichen Bedürfnissen, unseren Herzenswünschen, unserem Sehnen?

Tick Tack, die Zeit vergeht.

Auch Deine. Deine Uhr läuft ab. Spürst Du es?
Was tust Du? Lebst Du Dich selbst? Oder lässt Du Dich ablenken, mit Angeboten locken, berieseln – und damit kontrollieren?

Was kannst DU heute ganz alleine für Dich tun, was Dich wirklich glücklich macht? Kennst Du Deine Wünsche? Spürst Du was Du brauchst?

Der Adler hat es einfach. Sein Leben besteht aus Essen, Vermehren, Schützen. Das Leben eines Adlers ist noch ursprünglich und wild. Nicht domestiziert, nicht vorgegeben, nicht eingeengt. Über den Wolken, singen wir gerne, sei die Freiheit grenzenlos.

Wie frei bist Du?

Lebst Du?

IN der Zeit?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Aggregatzustände

Die Tage hat die Natur dazu beigetragen, dass ich über das Schmelzen und das Frieren nachdenken konnte. Dieses Jahr hatten wir im Tessin viel Schnee. Und er ist noch immer da, an den Schattenstellen. Lange war der Schnee angefroren an den Boden, zum Teil eine spiegelglatte Fläche, die man kaum überwinden konnte. Das Laufen wurde mühsam und gefährlich und ich war nicht glücklich über die vielen eiskalten Morgenstunden mit dem Hund draussen, am zugefrorenen Fluss. Der Fluss, den ich im Sommer so gerne zu meiner Badewanne gemacht hatte, war jetzt kalt und überall war Eis. Dazu die Pfützen mit Schmelzwasser vom Tag zuvor – wieder steinhart zugefroren.

Sind nicht auch wir manchmal wie zugefroren, erstarrt?

Wie oft habe ich in den letzten Jahren von meinen Coachees den Satz gehört: Das hat mein Herz zum Schmelzen gebracht! Der Mensch bringt mich zum Schmelzen! Diese Musik schmelzt mein Herz! Achhh bei dieser Poesie schmelze ich wie Butter in der Sonne!

Wunderbar, dieses Schmelzen, das Zerfliessen. Das darf ich auch immer wieder erleben, dieses Auflösen von allem, was man zuvor festgehalten – oder eingefroren – hat. Und doch –

warum frieren wir unser Herz so oft ein, dass wir es immer wieder schmelzen lassen (müssen)? Oder wer oder was bringt uns dann zum Schmelzen?

Eine Berührung? Ein Wort? Ein Musikstück, ein Augenblick? Ein Lächeln?

Ein Kind? Ein glückliches Wesen? Ein Liebesbekenntnis? Unsere Lieblingstiere, Lieblingsmenschen? Filme, Poesie, Kunst? Erotik und Sinnlichkeit? Etwas, das wir gerne berühren? Etwas, das auf unserer Zunge zergeht?

Ich beobachte die Natur. Ein Ein- und Ausatmen ist es, dieses Schmelzen.

Den Tag über, bei Sonne, fliesst alles und taut und dringt in die Erde ein, am Abend zieht es an, verschliesst die Poren, erfriert erneut, wird steinhart und starr. Und am nächsten Tag beginnt der Tanz der Elemente aufs Neue.

Das erinnert mich an ein Stück Poesie, das ich vor vielen Jahren las:

Irrtum

Und mit der Liebe, sprach er, ist’s
wie mit dem Schnee: fällt weich
mitunter und auf alle –
aber bleibt nicht liegen.

Und sie darauf, die Liebe ist
ein Feuer, das wärmt im Herd
verzehrt wenn’s dich ergreift
muss ausgetreten werden.

So sprachen sie und so griff
er nach ihr, sie schlug’s nicht aus
und blieb auch bei ihm liegen.

Er schmolz, sie ward verzehrt
sie glaubten bis zuletzt an keine Liebe
die bis zum Tode währt.

(Ulla Hahn)

Es scheint auch in unserer Natur zu liegen, zu schmelzen, zu erstarren, wieder zu schmelzen. Betrachten wir uns als Teil der Natur, so ist es nur eben dies – die Pole immer wieder neu zu bestimmen, von warm nach kalt, von Nacht nach Tag, von Dunkel ins Licht, die Dualität, der Rhythmus, das Atmen, ein und aus, aus und ein.

Ganz natürlich, nicht wahr?

Könnte es uns nicht einfach glücklich machen, dass wir immer wieder schmelzen können?
Oder streben wir nach dem Warmsein, dem Immerwarmsein?

Na, ich sag mal so: Lauwarm ist auch kein echtes Leben. Da halten wir es doch lieber wie die Adler: Immer wieder alles rein geben. Immer wieder die Pole verschieben. Auf Leben und Tod.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Mach langsam…

Immer mit der Ruhe… kennst Du das auch? Meistens meinen wir: Für Ruhe habe ich jetzt wirklich keine Zeit! Ich muss doch noch, ich geh mal schnell, ich erledige das noch rasch… Wir sind doch meistens auf der Rennspur statt die Dinge schön langsam, achtsam, gründlich zu machen. Das Herumeilen ist längst unsere Gewohnheit geworden.

Die Tage wurde ich damit konfrontiert was passiert, wenn wir zum Beispiel an einer Erkältung erkranken. Für fast alle Menschen, die ich kenne, geht es dann aufs Sofa oder ins Bett und plötzlich „können“ wir ganz langsam laufen, weil der Körper eben jetzt nicht mehr schnell kann. Und wie köstlich, wenn plötzlich alles langsam gemacht wird. Wir den Tee geniessen können, die stillen Stunden, das Lesen…

Von unseren Haustieren, ich von meinem Zenmeister Hund, können wir lernen, dass Aktion und Entspannung in einer wunderbaren Balance sein können. Er ruht einfach nach dem Essen, nach einem langen Spaziergang und auch mal so, zwischendurch. Während ich mich dabei ertappe, die Dinge schnell erledigen zu wollen, einige Male an dem entspannten Hund vorbei zu rennen und ihn sehnsüchtig neidisch betrachte, wie er es sich einfach gemütlich macht.

Warum müssen wir alles schnell machen? Wer um Himmels willen hat denn unsere Geschwindigkeit ständig erhöht? Das Leben war doch nicht dafür gedacht möglichst schnell zu rennen. Wie wäre es mal mit Schlendern?

In einem weltweit durchgeführten Hektik Experiment wurde beobachtet, dass die Fussgänger in Singapur für 60feet knapp 10 Sekunden brauchten, in Malawi dagegen fast 40 Sekunden. Die Afrikaner haben es nicht eilig, oft sieht es ja sogar so aus, als tanzten sie. Oder sie beobachten was um sie herum passiert, ob Gefahr droht oder etwas sehen können, was sie brauchen könnten. Sie lassen sich Zeit. Vielleicht auch, weil sie Zeit haben.

Was mich dazu führt zu fragen ob wir nicht alle die selbe Zeit haben? Warum denn so schnell und wohin und vor allem: Ist das wirklich nötig?

Ich hatte mal einen Autounfall vor vielen Jahren, da hatte ich mich wirklich sehr beeilt weil ich nicht zu spät kommen wollte. Nachdem der Unfallgegner in mich hineingerast war, hatte ich plötzlich s e h r viel Zeit um wieder alles zusammen zu sortieren. Die Eile hatte sich nicht gelohnt. Wäre ich eine oder zwei Minuten später an der Stelle gewesen hätte er mich nicht erwischt.

Was wäre wenn… was würde passieren wenn Du Dir mal Zeit nimmst?

Und nun sag nicht, das gehe nicht weil Du keine Zeit für die Zeit hast. Es geht immer etwas, um die Zeit zu verlangsamen. Genüsslich essen vielleicht. Den Abwasch geniessen, das Atmen verlangsamen oder auch mal ganz langsam gehen. Wenn ich mit meinem Hund langsam gehe, weil er überall schnüffeln muss, spüre ich, wie sich Entspannung in mir Raum nimmt.

Viele Jahre war mein zweiter Vorname „Ungeduld“, ich musste lernen langsam zu machen und natürlich zwingt uns auch das Leben dazu. Hin und wieder anhalten und sagen: JETZT. Ah! Das Leben findet gerade statt während ich renne. Langsam also, langsam…

Natürlich kann auch ich nicht warten bis die Schneeglöckchen endlich wachsen. Wie lange will denn der Winter auch noch dauern? Ich kann ihn nicht mehr sehen, den Schnee. Da hilft mir der Spruch eines Zenmeisters: „Ich freue mich wenn etwas lange dauert. Denn wenn ich mich nicht freue, dann dauert es genauso lang“.

Achte diese Woche einmal auf Dein Zeitgefühl. Geniesse jeden Tag etwas langsam. Nimm Dir Zeit und Raum. Schau Dir die Schönheit an im Moment.

Der Frühling kommt dann schon, wenn er Lust dazu hat.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Weisst Du noch?

Kennst Du das, das Weisst-Du-noch? Ach, wie schön, in Erinnerungen zu schwelgen. Vergangene Woche hatte ich meine Freundin zu Besuch, die schon über 20 Jahre an meiner Seite tanzt. Wir hatten viele Weisst-Du-noch-Geschichten. Am Schönsten aber war, dass wir herzhaft lachen konnten über uns selbst. Denn unabhängig von den Situationen, Orten und Menschen an die wir uns erinnerten, waren da auch kleine Erinnerungsfetzen aneinander.

Was wir mal gesagt und mit dem Brustton der Überzeugung behauptet hatten. Woran wir glaubten, wofür wir demonstrierten oder gar kämpften und welche Glaubensbekenntnisse wir verrieten. Wie wir uns getäuscht hatten. Wie wir auf dem falschen Weg eingebogen waren und aus Freundschaft einander zwar beistanden, aber nicht eingriffen auf dem Irrweg. Ja und dann noch die Dinge die wie nicht gesagt oder sogar bewusst verschwiegen hatten.

Wir alle kennen das, dass wir nach sehr vielen Jahren jemanden wieder treffen, in den wir einmal verliebt waren und dann sagen können: Weisst Du noch damals? Da war ich unsterblich in Dich verschossen. Nicht selten bedauern wir dann, dass wir Wichtiges nicht gesagt haben, dass wir nicht geholfen haben oder etwas nicht bemerkt haben obwohl wir doch dachten das sei für alle offensichtlich gewesen.

Ich hatte heute morgen einen solchen Weisst-Du-noch Moment. Ich musste ein paar Dinge im Bad aufräumten und mir fiel ein kleiner Rest eines Kajal-Stifts in die Hand. Die perfekte Farbe für meine türkisfarbenen Augen. Ich liebte diesen Stift immer und inzwischen, das fiel mir ein, ist er nahezu 30 Jahre alt. Gekauft hatte ich ihn auf der Maximilianstrasse in München in einer winzigen Parfümerie mit meinem damaligen Herzmann, einem kühlen, egozentrischen Mann aus Hamburg, der mich immer gerne geschminkt und zurecht gemacht sah. Der Flashback war amüsant, denn neben der Erinnerung an den Moment kam ja auch das alte Ego zum Vorschein, das Lebensgefühl von damals, die 80er, die Schulterpolster und Sturmfrisuren, die Coolness und die Musik. Herrlich, diese kleine Zeitreise!

Was macht das mit uns, dieses Weisst-Du-noch? Im günstigsten Fall amüsiert und bereichert uns das. Zeigt uns auf, was in der Schatzkiste verborgen ist.

Und im günstigsten Fall erinnern wir uns an die schönen, spannenden Momente in unserem Leben, an Menschen, die uns einmal viel bedeutet haben, an Orte, die wir immer noch gerne erinnern.

In manchen Fällen erinnern wir uns aber auch an Dinge, die wir nicht mehr mit uns herum tragen wollen und die dann getriggert werden, wenn wir jemandem begegnen, der sie noch weiss. Oder die Weisst-Du-noch Geschichten, die nicht gut ausgegangen sind. Die verpassten Chancen, die unerledigten Geschichten in unserem Herzen, die Lieben ohne Happy-end. Die Umzüge und Verluste, die Kränkungen und Fehlentscheide und immer wieder – die Momente in denen wir etwas verpasst und das nachher bereut haben.

Ich wünsche Dir, dass Deine Weisst-Du-noch Geschichten schöne Geschichten sind, die Du wie ein Foto betrachten kannst aus einer alten vergilbten Kiste und dann zurück legen kannst. Vielleicht mit einem kleinen Seufzer der Melancholie, vielleicht mit einem lieben Dankesagen, mit einem belustigten Lächeln. Und dann – nach vorne gehen.

Im Italienischen sagt man gerne „Tempi passati“ – die Zeiten sind vorbei.

Verpassen wir also vor lauter Vergangenheit das JETZT nicht. Denn: Sich feiern wegen der alten Erinnerungen macht viel Freude. (In diesem Sinne vielen lieben Dank an Dich, meine Freundin H.J.S.W.)

Wir sind ja immer noch da. Und haben jeden Tag die Chance für einen Neubeginn.

Der Adler klebt nicht an Vor-stellungen und Rück-blicken. Er muss aus der Situation heraus entscheiden, jedes Mal wieder neu die Bedingungen einschätzen, wie das Leben jetzt ist. Die alten (Jagd-)erfolge sind passati. Die alten Gefährten vielleicht längst weiter geflogen. Das Wetter hat sich geändert, die Winde sowieso.

Was ist denn nun das JETZT?

Ich wünsche Euch viel Freude wenn Ihr Euch an Weisst-Du-noch-Geschichten erinnert. Und dann, das ist das Gesetz der Stunde: Volle Kraft voraus in die Tage die (noch) auf uns warten.

Geniesse den aufkommenden Frühling, er duftet schon, der Winter ist bald vorbei. Die Weisst-Du-noch-Geschichten auch.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Flug aus der Komfortzone in den grossen Raum

Gerne reden wir immer alle über unsere Komfortzone und wie wichtig es wäre, diese regelmässig zu verlassen. Das Nachdenken darüber hat mich letzte Woche mit einem Paragliding Piloten zusammen gebracht. Schon viele Jahre kenne ich diesen fliegenden Adler auf zwei Beinen und habe ihm schon oft bei seinen geistigen Höhenflügen über die Schulter schauen dürfen. Nun aber ging es ums wirklich ganz reale Fliegen.

Er schenkte mir eine Stunde seiner Zeit und ich durfte ihn ausfragen und reinspüren, was das Paragliden mit dem Piloten macht. Ich flog gerne gedanklich mit ihm, fasziniert von seinem Erzählen und von dem Mut, den es meiner Meinung nach braucht, sich so ins Leben stürzen zu können.

Der Pilot sagte dann ein paar Dinge, die mich ganz nah an das brachten, was ich über das Verlassen der Komfortzone teilen möchte.

Zum einen sagte er, man fliege ab in eine neue, eine dritte Dimension, in den unendlichen Raum des Himmels. Nirgends kann man sich mehr festhalten, nichts ist greifbar, keine Sicherheitsebene mehr vorhanden als das eigenen Können, das Umgehen mit dem Schirm, den Winden, der Thermik. Wenn man beim Fliegen zum Beispiel ohnmächtig würde oder eine andere Schwäche hätte, so wäre man dennoch gezwungen, seine gesamte mentale und physische Kraft und das Zusammenspiel mit dem Material aufzurufen um sicher wieder zu landen. Beeindruckend!

Auf meine Frage, was denn der eigentliche Benefit wäre, was das Ultimative bei diesem Erlebnis ausmacht, antwortete er etwas, was ich nicht gedacht hätte: Es sei das Verlassen des sicheren Bodens, der jedes Mal wieder das Adrenalin nach oben treibt, etwas das jedes mal wieder neu „gefährlich“ und gleichzeitig enorm herausfordernd ist. Er erzählte mir jedes Detail, aber das blieb mir am meisten: Dieser eine entscheidende Schritt den man macht, den Sprung in das Neue, das Unsichere, das Abenteuer. Das ist der Kick.

Als wir nach dem bereichernden Gespräch zurück liefen, sagte er dann noch etwas, das tiefer ging: Es sei eigentlich einfach diesen einen Sprung in den offenen Raum des Himmels zu machen, wenn man es oft genug getan hätte. Aber wieviel mehr würde ihn manchmal herausfordern, diesen einen Telefonanruf zu machen, das Gespräch zu beginnen, eine Frage zu stellen die einen auf unsicheres Terrain bringe, ohne Sicherheitsleine sich selbst nackt zu machen in der eigenen Ansicht, der geäusserten Absicht oder auch, wenn man einmal Gedanken äussern möchte, die nicht „gesellschaftskonform“ sind und weit riskanter sind, als viele Menschen denken.

Ich staunte sehr, hat dieser wunderschöne Mensch mich doch so oft damit bezaubert, dass er wirklich zwischen Himmel und Erde unterwegs ist. Nicht nur mental als Adler, sondern ganz und gar. Dem Himmel, der Thermik und den Wetterkapriolen ausgesetzt.

Nun, wie gehst Du also mit dem Verlassen der Komfortzone um?

Wann verlässt Du den sicheren Raum und traust Dich, ganz ohne „Versicherung“ ganz authentisch und ganz und gar Dich selbst zu zeigen?

Wie handelst Du, wenn Du nur noch auf Dich selbst gestellt bist? Gehst Du mutig diesen einen Schritt ins scheinbar Leere oder verharrst Du ängstlich auf dem sicheren Boden?

Beobachte Dich diese Woche einmal. Wann springst Du ab?

Und was braucht es für Dich, ganz und vollständig in den Mut zu springen das Abenteuer Authentizität zu leben?

Ich wünsche Dir – und dem Paraglider – das Herz eines Adlers. Entschlossen und frei von jeglicher Angst. Gross und weit und ganz mutig und selbstsicher.

Und dann – fliegen!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Vom wilden Denken

In meinem heutigen Beitrag möchte ich ein bisschen in die Gedankenwelt von „Go wild“ einführen. Das neue Coaching, das derzeit entsteht und das so voll mit Inspiration ist, so dass es mich – und ganz sicher auch Euch beflügelt.

Wildheit hat enorm viele Seiten, es ist nicht einfach ein Motto, mit dem man sich gerne schmückt. Wildheit heisst: Authentizität. DAS Echte, das Ursprüngliche. Eine heilige Reise zurück zu den Wurzeln.

Heute soll es zunächst Deinen Geist inspirieren. Heute geht es ums Denken, denn längst haben wir alle Dinge millionenfach wiederholt und immer wieder gedacht. Aus dem endlosen Wiederholungsstrang sind neue Glaubens- und Überzeugungsansätze geworden, die uns in einer gedanklichen Enge zurücklassen, aus der es kaum ein Entkommen gibt – es sei denn, wir verändern etwas ganz Wesentliches.

Wir brauchen heute ein Denken, freier und beweglicher, fliessender und kreativer, das uns erlaubt, den Bezug zur dynamischen (nicht stoischen/dogmatischen) Ordnung herzustellen und aus dem Undenkbaren zu schöpfen. Nur so können auf allen Ebenen neue Wege entstehen.

Der Begriff „wildes Denken“ (franz. pensee sauvage) wurde von dem französischen Ethnologen Claude Levi-Strauss geprägt, der als Mitbegründer des Strukturalismus in den 60er Jahren die Geisteswissenschaften revolutionierte.

Sein Ziel war es, universale Strukturen des Denkens aufzudecken. Obwohl sein Ansatz in eine ganz andere Richtung zielte, waren seine Grundgedanken Zündfunken für neue Kreativität und geistige Freiheit.

Hier eine kleine Erklärung: Levi-Strauss deckte auf, dass unser rationales Denken vor allem in Gegensätzen stattfindet und damit dual und binär ist (vergleichendes Denken, Abwägen von Wahrheit durch Überprüfen des Gegensätzlichen). Dagegen ist das „wilde Denken“ eine magische Weltsicht, die alle Wesen, Erscheinungen und Phänomene in einem unsichtbaren Zusammenhang vereint. Das wilde Denken ist verbindend, assoziativ und eng mit der sinnlichen Wahrnehmung und der Imaginationskraft verknüpft. Hier entsteht nicht nur „gefühlte Wahrheit“ sondern auch Mythos und Symbolik.

Das „wilde Denken“ also verbindet Intuition und Intellekt, Wissenschaft und Weisheit. Ein ganzes Bild also, statt nur eine punktuelle Betrachtung.

So entsteht auch ein „Wir“, eine beseelte Welt, ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein Austausch und eine Zusammengehörigkeit.

Das Eingebundensein vermittelt Sinn und Urvertrauen (ganz ehrlich: Wie oft denkst du, ob etwas Sinn macht? Siehst Du dann das „big picture“ oder hältst Du Dich an kleine Details?)

Wenn wir das Ganze im wilden Denken betrachten, finden wir uns in einer Ordnung, von der wir ein Teil sind, also mittendrin gleichermassen. Das ermöglicht uns, im Lot zu bleiben, auch in stürmischen Zeiten.

Manchmal fallen wir durch das binäre Denken aus dieser Ordnung heraus, dann gibt es: Mich und der Andere, Mich und das was geschieht, Mich und das was gerade ist. Dieses vergleichende Denken macht uns kaputt. Wir sind abgetrennt und in einer Zeugenperspektive statt mitten drin und auch dabei.

Zurück zur Adlerperspektive: Der Adler hat den Blick auf das Ganze. Und das Verständnis des Ganzen. Die Winde, das Wetter, die Gefahr, die Chancen, die eigenen Kräfte, die Instinkte, die Intuition, die Energie, die er abrufen kann, das Zusammenspiel von Natur und ihm selbst. Er betrachtet von oben – aber er ist gleichzeitig auch ein Teil des Oben. Er ist mittendrin. Nicht Zeuge sondern Mispieler.

Willst Du wild denken?

Betrachte heute alles was Dir geschieht, alles was Du hörst, alles was Du siehst mit einem verbindenden Geist, mit dem wilden Denken.

Und? Was spürst Du?

Frieden?

Willkommen in der Adlerperspektive.