Wohin geht Deine Reise?

Die letzten Tage habe ich sehr viele Flaggen gesehen und der Hype um die Fussballweltmeisterschaft geht wieder in die Vollen. In allen Farben findet man die Fanartikel und schon geht wieder die Diskussion los über die neuen Favoriten. Und gleichzeitig reden Menschen von ihren Reisezielen, fiebern schon dem Sehnsuchtsland entgegen. Auch ich, meine nächste Reise wird mich wieder auf meine grüne Insel führen. Schon wenn ich an Irland denke tanzt mein Herz.

Hast Du auch eine Seelenlandschaft, einen Ort, ein Land, eine Sprache die Dich zum Schwärmen, die eine Saite in Dir zum Klingen bringt?

Vor einigen Jahren hatte ich eine junge Frau im Coaching, die halb Italienerin und halb Engländerin war, aber in der Schweiz lebt. Ich fragte sie, welche Farbe denn nun ihre Seele hat und sie sagte: Afrikanisch. Sie erzählte vom Rhythmus, den Gerüchen und dem Wesen des Landes, von der Seelenverwandtschaft die sie dort gefühlt hat.

Im Frühling war ein Coachee bei mir auf Jersey, der trotz seiner Innerschweizer Wurzeln sein starkes nordisches Wikingerherz gefunden hat. Dabei war er so authentisch dass ich einen langen und intensiven Blick in sein keltisches nordisches Herz werfen konnte.

Und ein anderer Coachee durfte sich eingestehen, dass seine italienische Abstammung sein wildes heisses Blut und das damit einhergehende Temperament anerkennen und rechtfertigen konnte.

Wir alle tragen eine Seelenlandschaft in uns und sie erzählt von viel mehr als nur den kulturellen Klischees: Es ist eine Art Grundstimmung, die sich manifestiert, wann immer wir damit in Verbindung kommen. Sprachmelodie, Landschaft, fremde Speisen, Töne, Gerüche. Uns verbindet etwas mit einem Land, einem Ort. Dann sagen wir gerne: Da fühle ich mich zuhause.
Andere Länder können wir auch gut fühlen, es verbindet uns aber nicht als seelische Grundschwingung.
Wenn ich die Landkarte meiner Reisen anschaue, dann war es stets der Norden, der mich anzog. Ich muss ein bisschen schmunzeln wenn ich an eine Begegnung denke, die ich auf meiner zweiten Hochzeitsreise in Thailand hatte. Da gingen Peter und ich zu einem Thai-Astrologen. Wir waren ganz glücklich da im charmanten Siam. Und der Thai begann mit einer Art Zirkel und Sextant auszurechnen, wohin unsere Seele gehört. In Peter’s Fall war es der Süden, Portugal, die Balearen. In meinem Fall zeigte der astrologische Kompass nach Nordwesten. Er zeigte uns die Schweiz und zog dann mit einem Zirkel oder Lineal einen Radius wohin wir gehören. Dabei vergas er nicht, uns eindringlich davor zu warnen nach Fernost zu reisen, das sei nichts für uns. Sehr amüsant, dass wir zu diesem Zeitpunkt gerade auf Kho Samui waren.

Heute schaue ich nach Nordwesten und ziehe wieder eine Linie von der Schweiz nach oben. Und finde: Die Bretagne, Normandie, die Kanalinseln, Grossbritannien, Irland. Any questions? Danke Du lustiger Thai-Astrologe, damit hast Du tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen.

Was verbindet Euch mit einem Land?
Wohin geht Eure Seelenreise?

Welches Klima, welche Düfte und welche Sprachmelodie braucht Ihr um Euch wohl zu fühlen?

Wohin wird Euch die Thermik dieses Jahr noch führen – und warum?

lasst mich für heute mit diesen Worten aus „Ulysses“ (Alfred Lord Tennyson) schliessen:
…kommt, meine Freunde,
noch ist es nicht zu spät, eine neue Welt zu suchen,
denn ich will weiter segeln,
über den Sonnenuntergang hinaus,
und obwohl wir nicht mehr die Kraft besitzen,
die in alten Tagen Himmel und Erde bewegte,
sind wir dennoch, was wir sind;
noch immer sind wir Helden, deren Herzen
im Gleichklang schlagen,
zwar schwächt das Schicksal uns von Zeit zu Zeit,
doch stark ist unser Wille zu streben, zu suchen,
zu finden, und nicht zu verzagen.

Willkommen in der Adlerperspektive!

slieve league

Gemeinsam oder ein-sam oder allein und all-ein?

Auf Jersey gibt es etwas, das ich sehr selten irgendwo anders in der Welt erlebt habe: Gestärkte Gemeinsamkeit, Solidarität. Hier schaut man noch aufeinander. Würde jemand einfach hinfallen, kämen sicher ein paar Menschen sofort angelaufen um zu schauen ob sie helfen können. Man nimmt sich im Auto mit, auch ungefragt, man hilft einander, man spricht miteinander. Zugegeben oft nur über das Wetter, aber auch sonst, überall lässt man einander vorfahren, macht den Weg frei, fährt in die kleinen Strassenbuchten um sich die enge Strasse zu teilen. Die Menschen sind aufmerksam und einander zugewandt. Und: Sie sprechen sich auch einfach an. Gerade in den letzten Monaten hatte ich eine Vielzahl neuer Kontakte, die ganz natürlich entstanden.

An meinem freien Tag nach einem besonders anspruchsvollen Coaching lief ich einmal lange am Saum des flachen Meeres bei Ebbe. Der Wind wehte mir durch mein langes Kleid und ich öffnete immer wieder die Arme um ihn um mich herum tanzen zu lassen. Als ich nach zwei Stunden wegen der herein kommenden Flut zurück an die Mole ging, traf ich auf eine kleine Lady die mich anstrahlte und sagte sie habe mir eine Stunde begeistert zugeschaut was ich da mit dem Strand gemacht hätte. Ich sei wie eine Meeresjungfrau da gestanden und gelaufen. Ich musste lachen und sagte ihr, ich würde sie das nächste Mal mitnehmen. Sie war überglücklich und gab mir ihre Telefonnummer. Natürlich werde ich sie anrufen. Das macht man so auf Jersey. Wir teilen uns eine gemeinsame Insel, eine gemeinsame Welt aus Wind, Meer und grossem Himmel. Und jeder hier auf Jersey weiss, dass wir alle im gleichen Boot, alle auf der gleichen Insel zu den gleichen Konditionen leben.

Ich musste viel über das nachdenken – Solidarität. Miteinander. Zusammen und gemeinsam und doch jeder auch frei für sich.

Solidarität wird abgeleitet vom lateinischen solidus für gediegen, echt oder fest; Adjektiv: solidarisch) bezeichnet eine, zumeist in einem ethischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer.

Da ich das All-ein-sein sehr liebe war für mich lange nicht klar, dass ich Solidarität so hoch schätze. Und dann haben es mich viele wunderbare Frauen, Freundinnen gelehrt wie schön und wertvoll es sein kann, füreinander einzustehen und einander Halt und Wertschätzung zu sein.

Wie steht es um Deine Verbindungen?

Wie stark lebst Du mit im Leben Deiner Freunde, Mitmenschen?

Gibst Du Deinem Gleichklang einen Raum?

Was verbindet Dich mit Menschen? Welche Menschen ziehen Dich an oder ziehst du an?

Wie empfindest Du Solidarität?

Hast Du mit anderen Menschen gemeinsame Werte oder Ziele?

Ein paar Tage später war ich wieder einmal in meiner liebsten Kathedrale, in der Cathedrale de Saint Croix in Orleans. Durch einen Zufall bekam ich auch hier wieder einen Blick auf die Solidarität. Es wurde eine riesige Messe gefeiert zur heiligen Kommunion. Sehr viele Menschen waren da, unzählige Kinder, viele ethnische Hintergründe. Und doch waren alle miteinander an diesem wunderschönen Ort in einer heiligen, anmutigen Stimmung. Die Lieder wurden lieblich und erheiternd gesungen, die Menschen waren auf wunderbare Weise verbunden. Alle hatten sich schön gemacht für den grossen Tag. Man nickte einander zu. Es gab eine Prozession der Kinder mit einem Elternteil, ich sah viel strahlende Gesichter, berührende kleine Gesten des Miteinander.

Ja, das war schön, diese nonverbale Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Menschen zu sehen, Toleranz zu spüren und Wohlwollen für einen gemeinsamen Zweck.

Wie wäre die Welt, wenn wir alle mal ein bisschen mehr spüren könnten, dass wir auf dem selben Planeten leben, im selben Land, in der selben Stadt, dem selben Lebenszirkel? Würden wir dann nicht alle sehr viel liebevoller miteinander umgehen, einfach weil es doch klar ist, dass wir alle auch miteinander verbunden sind?

In meinem Lebensumfeld gibt es Menschen aus vielen mir ganz fremden Ländern und Kulturen. Ich kann von allen etwas lernen und auch sie an meiner Kultur teilhaben lassen. Wir leben alle, alle auf einer Insel. Sie ist nur manchmal etwas kleiner, wie Jersey, oder etwas grösser, wie Europa.

Wir atmen die selbe Luft, wir trinken das selbe Wasser, wir haben die selben Gene und die selben Bedürfnisse. Wir werden alle geboren und werden sterben.

Vielleicht könnten wir in der Zwischenzeit zwischen Geburt und Tod auch genauso gut für-einander sein statt gegen-einander.

Denn: Eigentlich sehnen wir uns doch alle danach.

Jeder Mensch ist eine Insel, die sich nach der Vereinigung mit dem Festland sehnt.

Geben wir also einander Raum: Den eigenen und den gemeinsamen.

Hier ist eine Übung für morgen. Nimm es Dir vor und halte es 24 Stunden ein: Behandle jeden Menschen, den Du an diesem Tag triffst, als wenn Dein und sein Leben davon abhinge, einander nur Gutes zu sein und zu tun.

Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Befreie Deinen Geist

Eine schöne lange und reich beschenkte Frühlings-Saison auf Jersey ist zuende. Die Coachees sind wieder abgereist und haben überall auf der Insel ihre Spuren hinterlassen. Längst sind viele Orte hier mit den Fussabdrücken der Adlercoachings aufgeladen. Am Ende einer Saison staune ich immer, gehe langsam auf Jerseys verschlungenen Wegen durch die Buchten und an die Strände, auf den alten Friedhof, auf die Klippen. Ein bisschen bedanke ich mich bei der Insel, dass sie mir hilft, die Prozesse der Coachees zu begünstigen.

Denn ein Prozess ist es ja, das Ringen um die Freiheit im Geist, das Loslassen der alten Geschichten und der beschwerenden Gedanken und Glaubenssätze. Nur wer bereit ist, alles loszulassen was war, kann zu einer neuen freien Zukunft aufbrechen. Denn das Vergangene ist vergangen und es ist immer unsere Wahl, das aufzugeben. Oder wie sagt meine Spiritfreundin Byron Katie so schön: „How long will you still be in love with your story“.

Um frei zu sein müssen wir unsere Story aufgeben, unsere liebgewonnenen Ausreden warum wir uns dem schönen Leben nicht hingeben, es nicht geniessen können.

In vielen Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir eigentlich alle immer zu schlecht über uns denken. Von klein auf werden wir auch damit konfrontiert, nicht gut genug, nicht schön oder klug oder brav genug zu sein. Leider leben wir eben nicht in einer Gesellschaft, die uns nur das Beste in uns zum Vorschein bringt. Ganz im Gegenteil, oft wird uns suggeriert, das mit uns etwas nicht stimmt.

Auch in dieser Saison habe ich wunderbare und schöne Menschen kennengelernt, die damit aufgewachsen waren, das mit ihnen scheinbar etwas nichts stimmt. Wie viel Selbstablehnung steckt in uns, kultiviert über lange Zeit. Wir haben alle gelernt uns nicht bedingungslos zu lieben, sondern uns selbst für dieses oder jenes verantwortlich zu machen was nicht gut gelaufen ist. Oft nicht mal in unserem eigenen Leben, sondern sogar dem unserer Eltern oder Angehörigen. Wenn wir doch nur ein bisschen besser, liebenswerter, feiner wären dann wäre alles gut. Erschreckend wie viele fantastische Menschen nicht an die beste Version von sich selbst glauben können.

C.G.Jung hat einmal gesagt: Wer nach aussen schaut träumt, wer nach innen schaut erwacht.

Und wie glücklich wären wir doch alle, wenn wir nach innen, wirklich nach innen schauen würden, denn da ist sie, die Perle, der Diamant, der wir sind. Ich habe in so vielen vielen Jahren als Coach niemals etwas anderes als grenzenlose Schönheit in den Menschen gefunden, wenn sie bereit waren, die Masken der Selbstablehnung los zu lassen.

Hier auf Jersey gehen die Menschen durch diesen intensiven Prozess, die beste Version von sich selbst zu werden. Räumen ihr Leben auf, lassen die negativen Programmierungen radikal los. Und brechen auf in ein neues Leben in Selbstverantwortung und grenzenloser friedvoller Freiheit. Dann stehen sie auf einer Klippe und schreien ein lautes deutliches JA zum Leben.

Dass so viele Menschen diese Prozesse machen, auch ausserhalb meines Coachings, dass Menschen bereit sind, nach ihrem eigenen Herzen zu leben, das macht mich über alle Massen glücklich. Auch dafür ein riesiges Dankeschön an die Welt und meine vielen Begleiter auf dem Lebensweg.

Freiheit braucht Courage, man bekommt sie nicht geschenkt.

Als ich gestern eine liebe Freundin am Flughafen abholte für ein paar Tage einfach privater Freude an dieser wunderbaren Insel, da entdeckte ich ein neues Schild, das da hing: Liberate your spirit. Jersey.

Ahhh, Synchronizität. Das Leben ist so gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

 

 

 

Vertrauen – das Geschenk der Mutigen

Wenn ein „Royal Eagle“ sich in die Lüfte begeben will, lässt er sich zunächst fallen. Als ich das erste Mal sah, wie sich ein Adler von einem Fels scheinbar passiv fallen liess, stockte mir der Atem. Es sah aus, als würde er abstürzen, er hatte die Flügel nur wenig geöffnet aber der Falkner lachte über meine Befürchtung. Ganz unten hatte die Adlerin einen Aufwind „gesehen“ und schon bald liess sie sich im Girlandenflug vom Wind nach oben treiben, mühelos, anstrengungslos, fast schon spielerisch. Die Thermiksäule hatte sie perfekt unter ihr Gefieder genommen.

Am Anfang aber stand dieses unerschütterliche Vertrauen auf Leben und Tod, dass der Adler sich fallen lässt aus hoher Höhe.

Mit diesem Vertrauen muss auch ein Coachee hier auf Jersey sich in seine eigene Transformation fallen lassen. Muss bereit sein alles zu verbrennen an Überzeugungen, Glaubenssätzen, Scham, Schuld, Gedankengebäuden, Illusionen, Ausflüchten, Ängsten und Ausreden. Nur wer den Mut aufbringt alles fallen zu lassen, alles loszulassen, kann zu neuem Denken und Handeln finden.

Zum Loslassen von Leid braucht es Mut, denn wir haben uns daran gewöhnt, es ist unser selbst gewähltes Zwangsjäckchen geworden, das uns in der Komfortzone hält. Nur, diese Komfortzone ist gar nicht bequem (auch das ist eine Illusion) sondern hält uns in der langweiligen Bequemlichkeit, der Opferrolle fest.

Dass die Coachees mir das Vertrauen schenken, sich auf diesen intensiven Coachingprozess einzulassen und tatsächlich mitzugehen über jeden Stock und Stein, in jede Herausforderung und jedes Tal durchschreiten, um endlich in ihrer wirklichen Wahrheit und unendlichen Kraft anzukommen, ist für mich immer ein riesiges Geschenk. Immer wieder stehe ich dann am letzten Tag sprachlos, wenn sie ihre Wahrheit von der Klippe schreien, wenn sie sich strecken und aufmachen in ihr neues, ihr eigentliches Leben.

Eine Meisterleistung ist es, das Vertrauen. Auch immer wieder für mich. Mein Vertrauen in meine berufliche Ausrichtung ist unerschütterlich, mein Vertrauen in meine Fähigkeiten wirklich stark.

Aber in privaten Belangen bin und bleibe ich doch mehrheitlich chaotisch, da staune ich manchmal mit welchem Übermut und welcher Kurzsichtigkeit ich voran gehe. Ich verzeihe mir das immer, aber bin auch belustigt über meine Vertrauensseligkeit, die mich oft veralbert hat. Und ich bin auch viel zu kapriziös, um behaupten zu können, dass ich mir privat selbst immer vertrauen würde. Die Kraft der Improvisation wird dann sehr oft gebraucht.

Wie stark ist unser Vertrauen in uns?

Wie stark in andere?

Und was macht Vertrauen mit Dir? Wenn Du es bekommst und wenn Du es verschenkst?

Wie dankbar bin ich über all das Vertrauen, das mir beruflich entgegen kommt. Das ist so edel und wunderbar und ich liebe es, wenn ich das spüre. Niemals würde ich damit leichtfertig umgehen. Vielleicht ist es sogar der Motor meines Tuns, dass ich das Vertrauen der Menschen, die zu mir kommen, ernst nehme, bewundere und spiegele.

Wer sich in einen Prozess begibt, der ihn vollständig wandeln kann und einfach mitgeht im Vertrauen, dass er am Ende erfolg-reich ist, der hat meinen Respekt und setzt meine besten Kräfte frei.

Wer sich von einer Klippe ins Leben stürzt im vollkommenen Vertrauen auf seine Kraft, der hat meine Bewunderung, meine Anerkennung, meine Freude.

Also einmal mehr ein Grund zum Jubeln.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Pass auf was Du tust – Leben in der Achtsamkeit

 

In der letzten Woche war ein sehr edler Coachee hier bei mir auf Jersey. Einer seiner wichtigsten Sätze war „Pass auf was Du tust“. Für ihn war klar, es muss alles miteinander im Einklang, in Verbindung sein, dem Wohl des Ganzen dienen, die Dinge weiter entwickeln, mit Liebe und Achtsamkeit gelebt sein.

Achtsamkeit ist ein Wort, das seit einiger Zeit inflationär gebraucht wird. Längst ist es kein spirituelles, psychologisches Konzept mehr, sondern wird vermehrt in der Vermarktung von Dingen verwendet, die oft leider sehr wenig mit Achtsamkeit zu tun haben.

Schaut man das englische Äquivalent dazu an, dann finden wir das Wort „aware“ aber auch: „mindfulness“, was so viel heisst wie – mit Wahrheit, ganz echt, ganz klar, ganz bewusst, sensibilisiert für das was ist, ganz gewahr.

Achtsamkeit also gewissermassen als gesteigertes Bewusstsein oder auch: Bewusstheit. Konzentration auf genau diesen Moment, diesen Menschen, diesen einen Augenblick, der gleich schon wieder Vergangenheit ist.

Ursprünglich war es eine buddhistische Praxis, die allerdings schon sehr bald in der Psychotherapie Einzug fand und als Therapieansatz unter anderem von dem weltweit bekannten Ph.D. Jon Kabat-Zinn kultiviert wurde gegen die Auswirkungen von Stress. Achtsamkeit wird oft gelehrt als die „offene Weite“. Die Ausrichtung unseres Bewusstseins also auf Zusammenhänge, freien Blick, gesteigerte Aufmerksamkeit. Während die Konzentration unseren Blick schärft, macht Achtsamkeit unseren Blick – und unser Wesen weich und frei.

Was passiert also wenn wir achtsam die Welt erfahren? Nun, zuerst einmal schärfen wir dann unsere Sinne. Wir nehmen Sie wieder richtig wahr: Das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken, das Tasten und Fühlen, die Bewegung, das Gleichgewicht. Alle 7 Sinne haben ihren Spielraum in uns.

Noch nie hat etwas ausserhalb von Dir einen dieser Sinne berührt. Nur Du bist es, von dem die Welt ausgeht. Nur mit Deinen Sinnen macht die Welt sich real. Du bestimmst was die Welt ist, wie du sie wahr-nimmst. Also die Wahrheit offenbart sich durch Deine Sinne. Bist Du Dir der Tragweite dieser Freiheit – aber auch dieser Verantwortung bewusst?

Was tust Du wenn Du achtsam bist? Das Schönste, was Du damit tun kannst ist die Welt wirklich in ihrer totalen Schönheit zu sehen. Es ist leicht und beseelend die Schönheit in den kleinen Details zu sehen. Die Feinheiten, die sensiblen und schnell vergänglichen Bilder und Reize, die sich offenbaren. Sei es der Duft nach Kaffee oder frisch geschnittenem Gras, den Blick auf die glitzernde Oberfläche des Meeres, das Brausen und Rauschen der Brandung, die Vogelstimmen, die Weichheit des Grases auf dem Du gehst, der Wind der durch das Gras weht, die Lieblichkeit von Duft, Farbe, Form von Blumen. Alles Achtsamkeitsübungen, die uns glücklich machen können.

Aber wie steht es bei Dir um die Achtsamkeit bei der Wahl Deiner Worte?Lässt Du Deine Stimmungen über Deinen Umgang mit Mensch und Welt bestimmen?

Wie steht es um Dein Konsumverhalten, die Wahl Deiner Lebensmittel, den Umgang mit den Ressourcen? Siehst Du die Zusammenhänge zwischen Deiner Wahl und der folgenden Konsequenzen darauf auf die Welt?

Gehe morgen einmal einen ganzen Tag achtsam durch die Welt.

Fühle was Du tust mit geschärften Sinnen. Hinterfrage aber auch Dein Tun, Dein Handeln, Deine Gedanken und die Re-aktionen auf das, was im Aussen ist.

Und ganz plötzlich wird dann die Welt ganz weit und gross. Wenn Du Glück hast geht dann deine Achtsamkeit so weit, dass Du Deine Verantwortung spürst.

Ganz ehrlich: Wenn Du da ankommst dass Dir bewusst wird wo und wer und was Du bist, gibt es dann eine andere Antwort (und hier steckt es: Ver-antwort-ung) als Dankbarkeit und Edelmut?

(Danke an J-E dass er mich und sich daran erinnert hat)

Hier ist sie: Die Adlerperspektive.

Dankbarkeit als Lebenshaltung

Heute morgen habe ich zwei Geschenke geöffnet – das rechte und das linke Auge (Martino)

 

Heute morgen wurde ich sehr früh wach, weil die Möven einmal mehr ganz besonders laut im Morgengrauen gekrächzt haben. Sie „singen“ den Sonnenaufgang jeden Tag herbei. Und sobald der erste Strahl des neuen Tagesbeginns da ist, herrscht einen Moment andächtige Stille. Die ersten Vögel stossen sich von ihrem Nachtlager auf dem Felsen ab und fliegen dem neuen Tag entgegen. Mir kommt es immer ein bisschen vor, als würden sie das feiern und auch, als ob sie dankbar wären dass es wieder neue Möglichkeiten gibt.

In meinen Coachings, vor allem hier auf Jersey, ist das ein tägliches Ritual: An den zehn Fingern abzählen, wofür man dankbar ist. Es verändert ganz einfach die Sicht auf den Tag. Und es gibt doch so vieles Wunderbares, für das man dankbar sein kann. So vieles, das wir als selbstverständlich ansehen und doch immer wieder einfach nur ein Geschenk ist. Dazu gibt es ein Youtube Video das sich anzuschauen lohnt: https://www.youtube.com/watch?v=3Zl9puhwiyw

Dankbarkeit ist eigentlich viel mehr in unserem Leben als wir denken: Bei jeder hohen Freude ist sie dabei. Wenn ein Kind geboren wird. Oder ein magischer zwischenmenschlicher Moment entsteht. Wenn unsere Pflanze eine Blüte öffnet. Wenn sich vor unseren Augen die Natur besonders schön gestaltet. Oder wenn das Flugzeug sicher auf dem Boden landet. Oder wenn am Morgen die Sonne strahlt, ganz besonders nach einer langen Regenperiode. Wenn unser Auto wieder anspringt wenn es gerade noch geruckelt hat. Wenn eine Arbeit so besonders gut gelungen ist. Wenn mein Coachee weit gesprungen ist. Wenn unser Kind einfach so, aus dem nichts, eine Liebeserklärung macht. Wenn ich eine besonders schöne Muschel am Strand finde…

Oft verkennen wir dann, dass wir dankbar sind, wir denken einfach nur an Freude. Aber wie oft senden wir dann ein erleichtertes Stossgebet zum Himmel, das wir meist nicht wirklich so formulieren.

Vor einigen Jahren war mal ein Coachee bei mir der die Dankbarkeits-Aufgabe empört zurück wies. Er sagte er halte Dankbarkeit für eine Form der Schwäche, schliesslich habe er sich alles was er im Leben habe, mühsam verdient. Ich war den ganzen Tag traurig für diesen Mann, denn ich bin überzeugt, dass ohne Dankbarkeit auch keine wirklich tiefe Liebe möglich ist. Ich meine damit nicht die Liebe zu einem Menschen oder einem Objekt, sondern vielmehr zum Leben an sich.

Fast alles im Leben bekommen wir geschenkt und sehen das oft nicht. Jeden Tag eröffnet sich uns eine Welt, auf die wir gar keinen Einfluss haben. Schon alleine dass wir wieder aufwachen, dass unser Körper gesund und bereit ist, uns durch den Tag zu bewegen. Dass unsere Sinne ineinander spielen, wir sehen, hören, schmecken, tasten, riechen können und damit auch: Geniessen.

Kultiviere deine Dankbarkeit. Geh mal einen ganzen Tag bewusst mit dieser Haltung. Damit wird jedes Leben, jeder Mensch auch schöner und wertvoller.

Mache heute die Übung: Sieh Dich um, konzentriere Dich darauf: Wofür bist Du heute dankbar?

Benutze Deine zehn Finger und zähle das Unmittelbare ab (Deinen Körper) dann das was Du sehen kannst (Deine Umgebung), Deine Beziehungen, Deine Lieblingsmenschen, Deine berufliche, private, physische Welt.

Ich bin heute, wie immer, dankbar für so vieles. Aber besonders heute: Den tiefblauen Himmel über der Bay, die gleissende Sonne und den neuen Flugschüler, der heute ankommt.

Und auch für DEINE Aufmerksamkeit für diesen Blog.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Jersey – Mein Eiland. Eine Liebeserklärung

Kennst Du das – eine Herzensheimat?

Wenn man wie ich keine echte Heimat hat – oder wenn man sich nicht irgendwo wirklich verankern konnte – oder mit den tatsächlichen Wurzeln nichts anfangen kann, dann tut es gut, einen Ort zu finden an dem man sich zuhause und angekommen fühlt.

Hast Du das mal erlebt, dass Du an einen Ort kommst und weisst, das ist es jetzt? Das schwingt mit mir, das fühlt sich richtig an. Hier gehöre ich hin?

Nun, Jersey ist nur der eine Ort. Die kleine Insel im Meer. Dazu kommt bei mir die grosse Insel im Meer namens Irland. Und beide sind im wilden Atlantik, besser dem Nordatlantik. Da wo der raue Sturm braust und 20 Grad schon ein Grund sind zu jubeln. Wo der Wind, die Wellen, die Gezeiten ordentlich Gas geben und scheinbar alles Unnötige wegwehen und wegspülen. Der Nordatlantik ist kein säuselndes Meer, keins das einfach nur einladend ist und ruhig und beständig fliesst. Dieser Ozean ist einer, der sich holt was er will (auch einst das „unsinkbare Schiff“). Einer der radikal ist und scharf, der gefährlich ist und leidenschaftlich und unbeirrbar. Wunderbar, das entspricht meinem wilden Herzen.

Nun aber Jersey und weil es so schön ist, darf ich sie Euch vorstellen, die Insel im Ärmelkanal, zwischen der fantastisch schönen Bretagne und dem grosse Britannien auf der anderen Seite. Der Golfstrom umströmt die Insel beständig. In der Luft und im Wasser. Hier ist immer Bewegung, kein Stillstand. Die Menschen sind nicht ganz so schrullig wie in der Bretagne oder in England, aber eben auch ein bisschen so wie eine Mischung aus beiden. Sehr höflich, lustig, gemütlich, korrekt, präsent und auch ein bisschen old-School. Vor allem aber haben die Menschen auf Jersey verstanden, dass sie in der selben Welt, der selben Insel leben. Und das ist wie ein Planet hier, einer der immer den gleichen Einflüssen ausgeliefert ist. Der Sonne, dem Wind, dem stürmischen Regen. Ich habe nirgends auf der Welt so viel Solidarität erlebt. Man gehört ganz einfach zusammen, behandelt einander mit Respekt, Augenzwinkern und Freundlichkeit. Fast täglich kann man hier erleben wie menschliches Miteinander funktioniert, man hilft einander, lächelt sich zu, spricht sich hemmungslos an, liebt die „Royals“, unsere besondere Kartoffelsorte, trinkt und isst regional und immer ist das, was aus Jersey kommt, das, was wir besonders bevorzugen.

Zudem kommt die Vegetation, die dank den Regenfällen aber auch der fruchtbaren Erde und dem Golfstrom üppig ist wie im Dschungel, grüngrün und bunt, Palmen, Blumen, Orchideen, Lavendel und die Agrarwirtschaft, die fast ohne Supplemente betrieben wird.
Und es ist langsam dieses Jersey. Die Höchstgeschwindigkeit ist 40 m/h, was ungefähr 65 km/h entspricht und nur auf zwei Strassen erlaubt ist. Sonst kriechen wir hier über schmale Strassen, lassen Vögel und Menschen passieren ohne Hast, machen uns Platz und warten auch mal in den wenigen Buchten wenn der Gegenverkehr etwas breiter ist. Es gibt keinen Stress hier auf Jersey, alles hat seine Zeit.

Jersey ist eine Insel der Gegensätze. Die rauen und hohen Klippen im Norden, der Wind, die peitschenden Wellen bei der Flut und die vergleichsweise sandigen sonnigen und glatten Buchten und Strände im Süden, mit dem Gesicht nach Frankreich. Unsere kleine Hauptstadt St.Helier beherbergt etwa ein Drittel der Einwohner, der Rest verteilt sich in kleinen Ortschaften, die fast alle mit St. beginnen. St.Peter, St.Lawrence, St.John, St.Mary, St.Martin, St.Brelade, St.Aubin, St.Saviour…und in grossen Landhäusern mit viel Land und sehr oft der Aussicht auf die verschiedenen Gesichter des Meeres.

Die Woche war ich in der Stadt und wollte zur Mittagszeit nur einen Drink nehmen. Ich steuerte auf einen Platz am Fenster zu und die Bedienung kam angesprungen. Schon erwartete ich, dass ich zur Lunchzeit einen weniger populären Tisch wählen sollte. Aber sie entschuldigte sich nur für die sandig verwaschenen Fenster, die nicht frisch geputzt wären und brachte mir lächelnd meinen Kaffee und Wasser. Ich liebe diese Freundlichkeit, die echte Hingabe an Gastfreundschaft und Welcoming. Lange schon wundere ich mich nicht mehr mit „love“ oder „darling“ angesprochen zu werden. Die Busfahrer, die Leute an der Kasse und im Postoffice. Alle einfach freundlich. Ach, was für eine Wohltat es doch ist, hier zu sein. Willkommen. Immer wieder mit offenen Armen willkommen geheissen auch als Schweizerin mit meinem „weird accent“.

Ich fühle mich zuhause. Ich bin dankbar. Ich freue mich jeden Tag, hier die wilde Atlantikluft zu atmen und zu wissen, dass meine Seele ein Heimat gefunden hat.

Erzähle uns von Deiner Seelenheimat. Und freu Dich, denn da ist er, dein Adlerhorst:

Willkommen in der Adlerperspektive

Ein Land verloren dort im Meer
Nur Sonne und Himmel über mir
Alleine die Insel meiner Träume
Ein Eiland berührt von keiner fremden Hand
Meine Insel mein Eiland
Wie finde ich zu ihr
Ein Land im weichen Abendrot
Im Meer ein weisses Segelboot
Der Wind weht und merkst du wie die Zeit steht
Ich fliege und hab doch keine Flügel
Mein Eiland, ein Eiland
Im weichen Abendrot

Dort möcht‘ ich sein wenn alles um mich schwer ist
Sein wenn alles in mir leer ist
Allein um zu mir selbst zu finden
Um zu verstehen was Leben heisst
Dort möcht‘ ich sein wenn alles um mich laut ist
Wenn selbst der Regenbogen grau ist
Allein mit mir und meiner Welt
Und meiner Zeit und meiner Einsamkeit

Ein Land verloren dort im Meer
Nur Sonne und Himmel über mir
Alleine die Insel meiner Träume
Ein Eiland berührt von keiner fremden Hand
Ein Eiland mein Freiland
Die Insel bist du
Dort will ich sein um alles zu vergessen
Nach meiner Zeit die Zukunft messen
Ohne einen Blick zurück
Nur du und ich einen Augenblick
Dort will ich sein um meinen Stolz zu brechen
Lieber schweigen als sprechen
Allein mit mir und meiner Welt

Ein Land verloren dort im Meer
Nur Sonne und Himmel über mir
Alleine die Insel meiner Träume
Ein Eiland berührt von keiner fremden Hand
Ein Eiland mein Freiland
Die Insel bist du
Bist du bist du

(Songtext N.Mouskouri)