Unser Gehirn ist ein Spiesser!

Wir denken alle. Unentwegt. Ich sage auch gerne: Es denkt. Denn wie oft passiert es Dir, dass Du aufwachst und das Gefühl hast, Du wachst mitten in der „Arbeit“ auf? Vielleicht hat Dein Gehirn ein Gespräch im Geist wiederholt und Varianten davon gespielt. Dann denkt „es“ zum Beispiel: „ich hätte das sagen können und dann hätte er/sie vielleicht anders reagiert“.

Oder das Gehirn denkt nach – denkt nach ! – was passiert ist, wiederholt und prognostiziert nach vorne, was passieren könnte, was eintreffen könnte, was nicht sein sollte, was man tun könnte.

Unser Gehirn denkt und denkt. In einem durchschnittlichen Gehirn bewegen sich etwa 60.000 Gedanken pro Tag! Ganz schön aktiv, dieses Ding.

Nur gerade mal 2 % unserer Gedanken sind neue Gedanken!

Ansonsten denkt unser Gehirn gerne zurück und vor.

Ein bisschen als wenn wir eine CD hören (immer die gleiche CD) und immer wieder unsere Lieblingssongs darauf anklicken. Rewind hiess das früher bei den Tonbändern. Zurück und vor – in einer Endlosschleife.

Wie geht es Dir damit? Wenn Du einmal genau hinschaust, wirst Du sehen, dass nichts Neues passieren kann, weil wir in den alten Dingen verharren.

Vor Jahren hatte ich einmal ein überaus wunderbares Gespräch mit einem Mental Coach aus Kanada. Ich war damals überfordert von zu vielen to-do’s und er sagte: „Das ist wie ein Baum, der viele Äste hat und viel Laub und ganz schwere Früchte daran trägt. Der Baum kann nicht mehr wachsen, er braucht ganz viel Kraft um alle Äste zu versorgen. Du musst einen dicken oder ein paar kleinere Äste abschneiden, dann bekommt der Baum wieder mehr Kraft“.

Du kannst Dir denken, was in den nächsten Tagen passiert ist. Mein Gehirn war gierig auf das neue Gedankenspiel. Hin und her, vor und zurück. Plötzlich waren alle Äste schön, jeder hatte seine Berechtigung und von keinem wollte ich mich verabschieden. Der Lieblingsgedanke war dann: Was passiert als nächstes, wenn ich diesen Ast abschneide? Und was bei diesem? Dabei meinte mein schlaues Denkorgan, auf alles Antworten zu haben. Kein Platz mehr für Neues.

„Es“ dachte und dachte. Ganz schön viel Verkehr in meinem Kopf. Aber: Es ging nirgendwohin. Ich fuhr im Kreisel. Keine Ausfahrt in Sicht.

Wie die Geschichte ausging? Ich schnitt den ganzen Baum ab. Ich liebe radikale Lösungen. Nur – was dann? Auf dem neuen Spielfeld gab es keine Schwere mehr. Ich konnte neu aufbauen und wie durch Zauber fügte sich alles richtig dafür.

Der schlaue Albert Einstein hat einmal gesagt, man könne kein Problem mit der selben Denkweise lösen, mit der es entstanden ist.

Unser Gehirn ist langweilig. Es wiederholt sich. Es ist nicht kreativ. Nur selten findet es neue Ideen – dann „fällt uns etwas ein“. Wenn wir Glück haben.

Wenn wir kein Glück haben, dann – genau – fährt es weiter in diesem verdammten Kreisel.

In meinem Studium habe ich etwas Spannendes gelernt: Die Kraft der Argumentation. Dabei gibt es ein Phänomen. Es heisst: Ad nauseam. Als ad nauseam bezeichnet man einen Argumentationsfehler, bei dem eine Behauptung – auch durch verschiedene Menschen und in verschiedenen Worten – wiederholt wird, bis sie als wahr akzeptiert wird, auch dann, wenn es keine Beweise dafür gibt. Also: Eine Lüge kann so oft erzählt werden, bis sie schliesslich zur Wahrheit wird.

Unser Gehirn ist ein Langweiler. Ein Spiesser. Ein Dinosaurier.

Während wir unsere Computer immer mal wieder dechiffrieren (also entschlüsseln) können, um die Daten wieder ordentlich zu sortieren, können wir das mit unserem Gehirn nicht. Stoisch hält es an Altem fest. Das was wir gelernt oder gepredigt bekamen, das was wir als wahr abgespeichert oder angenommen haben, das was sein sollte oder wogegen wir rebellieren. Wir sind – l a n g w e i l i g – wenn wir die immer gleichen Dinge denken.

Wie kannst Du aussteigen?

Dafür gibt es ein kurzes Video. Niemand kann das besser sagen als Mooji:

https://www.youtube.com/watch?v=C3Cvqmt3ByM

In Deinem CD Player im Kopf gibt es noch eine wichtige Taste, neben Play und Rewind –

P A U S E.

Lass Dir etwas „einfallen“ was noch nie da wahr. So entstehen  Wunder.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Schritt für Schritt

Manchmal wird alles einfach ein bisschen viel. Es gibt so Momente, da stapelt sich die Arbeit bereits und dann kommt noch etwas und noch etwas.

Wenn ich schon ohnehin eine todo-Liste habe die ewig lang ist und dann meine Scheinwerferbirnen vom Auto beide ausfallen. Oder nachdem ich ohnehin schon stundenlang geputzt habe fällt mir ein Glas mit einer klebrigen Flüssigkeit auf den Boden und verspritzt alles im Umkreis von 8 Metern, es klingelt an der Haustüre und ich denke an all die Mails, die ich noch beantworten muss. Dann kann es gut vorkommen dass ich die Nerven verliere – oder vor den noch zu erledigenden Aufgaben kapituliere.

Das kennst Du auch: es will einfach nicht weniger werden. Manchmal fangen wir dann bei einem Teilziel an, die neuen Baustellen aufzureissen. Es ist eben einfach – zu viel.

Was können wir dann tun? Alles verkaufen und verschenken und in den Purismus gehen, im Wald und ohne Sachen leben? Kein Haus, kein Auto, keine Verpflichtungen mehr? Die meisten Menschen denken an Flucht, weil sie vor dem Berg stehen und nicht weiter gehen.

Vor Jahren wollte ich mit meinem damaligen Partner auf einen Berg. Es war unsere Abschiedswanderung, mir lag wirklich etwas daran. Am Abend hatten wir das Essen vorbereitet und in handliche Mengen portioniert, die gesamte Ausrüstung geckeckt, die Rucksäcke gepackt, die Füsse mit Tapes versehen, die Kleidung abgestimmt. Früh am Morgen ging es für das erste Teilstück auf die Bahn, dann traversierten wir in Richtung der Route. Wir gingen los, immer bergauf. Wir waren schon zwei Stunden schweisstreibend unterwegs, als wir vor einem Geröllfeld standen. Er ging wie immer beherzt los. Und ich blickte mir dieses schwierige Wegstück an. Nach dem Geröll ging es in steile Alpwiesen, danach kam der Fels. Ich rief ihn und sagte: „Das war’s für mich, ich drehe um, ich will das nicht mehr“.

Ich konnte einfach nicht mehr die Motivation aufbringen, das weiter zu ziehen. Der ganze Weg war schon eine Tortur und angesichts der nächsten Stunden harter Arbeit knickte ich ein und lief, beschwingt von der Freiheit, Nein zu sagen, den Berg hinunter. Ich ging sogar so weit, die Umwelt zu verschmutzen weil ich meine Bergstiefel auszog und sie mit Riesenfreude in einen Tobel warf. Ich habe nie mehr einen Berg bestiegen. Heute bedaure ich, dass wir unser letztes Gipfelbild nicht mehr machen konnten. Aber wir hatten eben etwas Wichtiges vergessen:

Wir hatten die Etappenziele nicht gefeiert. Jedes Mal wenn wir eine Etappe geschafft hatten, waren wir einfach weiter gegangen. Hätten wir aber diese kleinen Momente nach einer bestandenen Herausforderung mit einem langen dankbaren Blick auf das was hinter uns lag „gefeiert“, dann wäre es für mich gewiss einfacher gewesen.

So kann man die Berge heute noch angehen. Wenn Dir die Arbeit, die todo Liste zu lange wird, dann breche kleine Gipfel heraus. Und jedes Mal wenn Du etwas davon abgehakt hast, setze Dich kurz, betrachte das, was erledigt ist und gönne Dir etwas: Fünf Minuten deinen Lieblingssong, einen stolzen Blick auf das was getan ist. Eine SMS in dem Du „JUHU ich hab es geschafft“ schreibst. Eine leckere Belohnung. Ein kleines Freudentänzchen. Oder einfach nur: Tief durchatmen. Du bestimmst das Quantum, das heute erledigt werden kann – und Du belohnst Dich. Und dann gehst Du zurück in den Flow und nimmst das Nächste.

So kannst Du den Berg hochgehen, atmen, pfeifen und Dich freuen.

Nimm Dir nicht zu viel auf einmal vor. Zugegeben ist die Liste am Anfang lang. Aber Du musst sie ja nur einmal schreiben und ab dann ist das ganze Durchlesen verboten. Vielmehr kannst Du sehen wie sie schrumpft wenn Du Linie für Linie durchstreichst.

Was machen Menschen, wenn sie es auf den Gipfel geschafft haben? Genau, sie jubeln, sie schauen sich den Weg an, den sie geschafft haben (ein zutiefst befriedigendes Gefühl). Sie machen einen Freudensprung. Sie feiern die Leistung. Dann steigen sie wieder ab. Aber das Leben hält nicht an. Der nächste Berg kommt bestimmt.

Du musst nicht alle Deine Sachen verschenken und in den Wald ziehen ohne etwas zu besitzen. Aber es hilft schon, sich auch von Dingen zu verabschieden, die einfach nicht mehr sein müssen. So wie bei mir damals: Ich war schon jahrelang mit dem Partner über Berge gegangen. Es war anstrengend. Und ich wusste, dass ich es nach der Trennung leichter haben würde.

Mach Dich frei von dem, was nicht mehr sein muss.

Und das andere machst Du Schritt für Schritt und mit Applaus für Dich selbst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

arbeitsberg

Du bist GROSSARTIG

Kürzlich sass ich im Gespräch mit einer wunderbaren Frau. Wenn ich sage „wunderbar“ dann muss es für mich auf allen Ebenen stimmen. Also nicht nur klug und erfolgreich, sondern vor allem seelisch und psychisch schön. Die Lady ist für mich eine echte Klassefrau. Vor allem deswegen, weil sie wach ist und selbstverantwortlich handelt. Weil sie sich selbst pusht und keine anderen Menschen (miss-)braucht. Weil sie sich ihren Bedürfnissen widmet und sich holt was sie braucht um sich weiter zu entwickeln.

Die Wunderbare also sagte aber plötzlich ich einem anklagenden Ton: „Da habe ich mir gesagt: Das hast Du auch wieder nicht hingekriegt.“

Ich widersprach vehement, denn diese Frau hat alles geschafft. Schaue ich auf ihr CV sehe ich nichts, was sie nicht erreicht hätte. Und schaue ich in ihr Wesen, dann sehe ich nichts was zu verbessern wäre. Ausser vielleicht eins: Ihr Selbstvertrauen. Ihren Selbstwert. Ihre Selbstsicherheit. Und schliesslich auch noch: Ihre Selbstliebe.

Es macht mich wütend, dass Eltern das ihren Kindern nicht vermitteln. Dieses: Du bist GUT so wie Du bist! Du bist RICHTIG so wie Du bist! Du bist LIEBENSWERT. Du bist WUNDERBAR.

Wann fängt das an, dass wir nicht mehr an uns glauben?

Wegen den Leistungszwängen?

Weil wir schon bald beweisen müssen, dass wir etwas (schon) können und dafür gelobt werden wenn wir etwas tun, statt wenn wir jemand sind?

Ein geringer Selbstwert kann viele psychische Probleme induzieren. Depressionen weil wir meinen nicht gut genug zu sein, soziale Phobien, weil wir meinen in den Augen der anderen nichts wert zu sein oder etwas falsch zu machen. Versagens- und Verlustängste, weil wir uns nichts zutrauen.

Selbstwertprobleme haben immer einen biographischen Hintergrund. Die Aussenwelt (Eltern, Familienangehörige, Erzieher) werten uns bewusst oder unbewusst ab. Wie oft hören wir: Tollpatsch, Heulsuse, Memme, Dummkopf, Schussel, Brave, sei stark, sei tapfer (wenn wir es gerade nicht sind), reiss Dich zusammen, streng Dich an… die Liste ist lang. In der Schweiz heisst es gar: Sie/er ist halt es Dumms….

Nirgends werden wir so stark beeinflusst wie in unserer Kindheit. Bald auch von anderen Kindern, weil die Konkurrenz Situation vorgelebt wird. Und wer kennt nicht auch Lehrer, die uns nicht gefördert, sondern ausgegrenzt haben.

Was in den ersten Jahren von aussen geschieht. passiert bald von innen: Unser innerer Kritiker macht uns kaputt. Wie oft hören wir von anderen: „Ich bin so blöd, da war ich wieder so doof, ich hab es wieder nicht kapiert, ich hab es nicht geschafft wie üblich, ich bin schusselig, ich bin daneben, ich bin nicht gut genug.“

Unsere guten, brillanten, wertvollen, wunderbaren Seiten fristen bald ein Schattendasein – denn die Energie geht da hin, worauf wir uns kritisieren. Und da wir so gut gelernt haben uns auf Negatives zu konzentrieren, nimmt es bald unser gesamtes Bild ein.

SCHLUSS DAMIT.

DU BIST WUNDERBAR!

DU BIST WERTVOLL!

DU BIST LIEBENSWERT!

DU HAST DAS BESTE VERDIENT!

Das schwache Selbstbild, der niedrige Selbstwert ist eine Illusion!

Schreibe eine Liste. Am besten jetzt gleich, nach dem Du das hier gelesen hast. Schreibe: Ich liebe mich weil….

Und dann schreibe 20! mindestens 20! Dinge auf, die Du an Dir magst! Dass Du fair bist, dass Du auch an andere denkst, dass Du oft voller verrückter Ideen bist, dass Du wunderschöne Tagträume hast, dass Du eine tolle Freundin bist, loyal, treu, wohlwollend, grosszügig, kreativ, sportlich, freundlich, fröhlich, wunderschön anders, zärtlich, vorsichtig, sorgfältig, ein schönes Lächeln hast das du gerne gibst…. mach eine  L A N G E Liste und lies es wieder und wieder.

Denn: Es ist eine Illusion dass Du denkst etwas wäre nicht gut an Dir.

Fang an Dich zu feiern!

Dich zu mögen!

Dich anzuerkennen!

Schaffe Dir Freiräume in dem Du Dich selbst gern hast. Dann brauchst Du niemanden anderen dafür.

Mach Dich gross und stark in Deinem Wesen. Denn DU BIST GROSSARTIG.

Willkommen in der Adlerperspektive.
Dieser Blog ist vor allem für Dich, Bernadette.

 

free

Downunder

Wann warst Du das letzte mal „down“? Oder bist Du es noch?

Und was tust Du dagegen?

Wir kennen diese Phasen alle: In denen nichts gelingen will. In denen jeder Blick in die ferne oder nahe Zukunft einfach nur düster wirkt.

Oder der Moment, in dem wir krank im Bett liegen und meinen, nie mehr an die rettende frische Energie zu kommen.

Was tun wir dann? Aufgeben? Uns hingeben?

Meistens machen wir zweierlei: Erst Jammern – und dann Widerstand, gegen das was gerade schief läuft, leisten. Eher wenige Menschen lassen der Natur ihren Lauf und warten auf das „Besserwerden“.

Es gibt da einen schönen Begriff, der die letzte Phase eines Gesundungsprozesses beschreibt: Rekonvaleszens. Er kommt aus dem Lateinischen von reconvalescere – wieder kräftig werden, wieder stark werden zu valere – gedeihen, heil sein.

Meist nehmen wir uns nicht die Zeit zum Heilwerden. Wir versuchen das zu erzwingen. Auch in der Psychotherapie gibt es dieses Phänomen. Da soll es hopp hopp und schnell wieder gut werden. Oft habe ich auch von Menschen gehört, die einen schweren Schicksalsschlag erlebten: Ich will dass alles wieder so wird wie es war.

Das ist absurd – Wir nehmen uns keine Zeit für die Langsamkeit. Auch nicht im Gesundungsprozess. Es muss eben schnell gehen, weil wir nicht leiden wollen, weil wir nicht schwach sein wollen, weil wir kein Mitleid wollen, weil wir leisten, leisten, leisten wollen. Dann forcieren wir, dass es schnell geht. Und graben uns die nächste Grube, in die wir dann fallen werden.

Wenn Du gerade in ganz niedriger Energie bist, aus welchem Grund auch immer, dann frage Dich:

Wie bin ich da hin gekommen?

Was hat mich so gelähmt und geschwächt?

Warum brauchte ich diese Situation, Krankheit, den Unfall?

Erst wenn Du erkennst, was hinter den Dingen steht, kannst Du daraus etwas ziehen, was die Situation als Geschenk mit sich bringen wird. Für irgendetwas ist jede Krise gut. Ich behaupte: Für Wachstum.

Ich weiss, Du wirst vielleicht sagen: Du hast gut reden, ich muss ja mit der Krise umgehen. Das stimmt. Aber wir sind alle einmal in einer Krise. Wir sind immer wieder oben und unten. Das Leben geht in Wellen. Niemandem geht es dauerhaft immer nur gut.

Wenn Du also gelernt hast, um was es aktuell ging/geht, dann kommt der Kraftaufbau von ganz alleine. Das liegt in unserer Natur. Die Dinge heilen. Alle Dinge heilen. Ob wir wollen oder nicht, unsere Physiogonomie, alles Leben, ist so konzipiert: Die Dinge kommen in Unordnung. Und dann kommen die wieder in Ordnung.

Der Tag, an dem Du das erste Mal wieder in der neu aufgebauten Energie die Welt siehst, könnte somit ein Wundertag werden. Ein Tag, an dem Du die Augen öffnest und verblüfft fest stellst: Ach, eigentlich ganz schön, die Welt!

Nimm Dir Zeit von unten nach oben. Und wenn Du oben bist: Geniesse.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Zart und zerbrechlich

Letzte Woche hatte ich ein feines, zartes Mädchen in meiner Therapie. Ich kenne sie, seit sie ein sehnsüchtiger Gedanke ihrer lieben Mutter war. Inzwischen ist sie 14, grossgewachsen, sehr dünn, sehr zart. Wie eine Elfe. Das Bild wurde rasch gestört als ich die vielen Schnitte an ihrem Arm sah. Sie ritzt sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich damit zu tun habe. Ich hatte vor Jahren eine junge Frau in der Therapie, schon in deren Dreissigern, deren ganzer Körper übersät war mit Narben. Eine Ausdrucksform von innerem Schmerz, der nach aussen sicht- und spürbar gemacht werden musste.

Diese hochsensiblen Menschen leben in unserer so rauen Welt wie Blumen, die bereits zittern wenn ein Wind kommt und dann von einem Lastwagen überfahren werden. Hochsensibilität ist eine Form unseres psychischen Lebens, das oft nicht rechtzeitig erkannt und dazu in den meisten Fällen einfach als Krankheit abgetan wird.

Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen gelten als hochsensibel. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit ist überdurchschnittlich differenziert, zudem wird das Aussen in ihrem Inneren wahrgenommen und ebenso differenziert verarbeitet – oder eben erlitten. Ausserdem ist das Gehirn eines Hochsensiblen nicht in der Lage, die Reizüberflutung adäquat zu verarbeiten.

Ihnen fehlt damit die „dicke Haut“ an der vieles abprallen kann.

Andererseits verfügen Hochsensible über ein riesiges Potential an Intuition, Kreativität und Einfühlungsvermögen und können andere sanft unterstützen und begleiten. Dieses Potential wird oft nicht erkannt oder gefördert. Die Gesellschaft versucht, diese feinen Menschen in das Funktionieren zu zwingen und verlangt, sie mögen sich doch jetzt mal ein bisschen zusammen reissen und in den Griff bekommen. Schliesslich reissen wir uns ja alle zusammen.

Und hier liegt dann ja auch das Dilemma. Wir leben in einer rauen Welt. Schon vor hundert Jahren hat mein Lieblingsdichter, Rainer Maria Rilke, das formuliert:

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus:

Und dieses heisst Hund und jenes heisst Haus,

und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch Ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern.

Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.

Ihr bringt mir alle die Dinge um.

 

Wie ist unser Umgang mit unserer eigenen Sensibilität?

Wo lebst Du (noch) Deine innere Feinheit?

In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Coach, zudem als Mensch, sind mir viele begegnet, die hochsensibel und wunderschön waren. Und viele, die sich eine riesige steinerne Mauer gebaut hatten, um nicht verletzt zu werden.

Die dicke Haut adelt uns nicht – sie macht uns in Wahrheit schwach.

Weil wir dann falsch eingeschätzt werden, weil andere laut und grob sind, da sie das weiche Innere nicht sehen können und damit nicht so mit uns umgehen wie wir es eigentlich brauchen.

Eine Orchidee kann nicht in einem Kartoffelacker blühen. Ein Reh wird nicht inmitten einer Herde Wildschweine leben. Man muss die richtige Kultur wählen, um sich zu entfalten. Wohl dem, der Angehörige hat, wie meine kleine Elfe von letzter Woche, die einfühlsam sind und das Reh, die Orchidee, beschützen und sanft und aufmerksam in den eigenen Weg begleiten.

Achte doch in dieser Woche einmal, wie Du Dich ausdrückst und wie es die Menschen um Dich herum tun. Lebe Deine eigene Sensibilität wieder einmal vollständig aus. Kein Mensch wurde je aus Stein gemacht. Wir sind alle verwundbar und – empfänglich. Unsere Haut ist weich und durchlässig. Alles andere ist eine scheinbare Anpassung an ein hartes Aussen. In jedem Menschen gibt es aber bestimmt noch etwas von dem weichen Kern.

Achte auf Deine Wortwahl in der Woche, die nun beginnt. Ein Wort kann ein Geschenk sein, eine Lieblichkeit. Oder ein Pfeil oder ein Beil. Du hast immer die Wahl.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Mimosa pudica or sensitive plant

Spuck’s aus

Kürzlich hat eine liebe Freundin eine gewagte Aussage gemacht und dann gehört: „Das darf man doch nicht sagen!“.

Ach – darf man nicht?

In meiner kalten nordischen Heimat bekam ich als Kind gesagt: „Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag lieber nichts“.

Wir wurden alle zum Lügen erzogen. Oder zumindest: Zum Verschweigen.

Weil es einen moralischen Kodex gibt, der uns ein kleines, gepflegtes Maulkörbchen anzieht. Weil „man“ eben nicht sagt, wie die Dinge sind. Sondern sich schön an die Regeln von Anstand und Moral halten muss – und weil im Zweifelsfall sowieso niemand mit der Wahrheit umgehen kann und will.

Lieber Schönreden, lieber nicht sagen. Lieber dazu gehören und das kleine verlogene Spiel mitspielen, aus Angst vor Regressionen oder Ablehnung.

Sigmund Freud bezeichnete das Zurückhalten von Handlungsweisen, die die gesellschaftliche Ordnung stören könnten, als Regression und meinte damit: Abwehrmechanismus. Längst hat sich das in unserer Sprache niedergeschlagen. Aus Angst vor Ablehnung verschweigen wir unsere ehrlichen und intimen Gedanken und Meinungen.

Direktheit ist nicht mehr angesagt. Direktheit und Ehrlichkeit ist nur erlaubt, wenn der andere es gut heissen kann oder wenn man sich damit positionieren kann.

Aber so ganz direkt sagen, was man fühlt oder denkt, das darf in den meisten Fällen nicht stattfinden oder uns wurde beigebracht, lieber den Mund zu halten und es nicht zu sagen. Auf die Frage: Wie geht’s?“ antworten wir also alle brav: „Gut, und Dir?“, dann kann das Gegenüber erleichtert sagen: „Mir auch!“. Wir wollen nicht konfrontiert werden mit negativen Gefühlen oder Situationen, lieber lügen wir uns alle schön in die Tasche und wahren das Gesicht.

Und so laufen wir alle mit geheimen Gedanken und Gefühlen und spielen dieses eigenartige Spiel um Ausweichen und Verschweigen mit.
Ich weiss es aus eigener leidvoller Erfahrung, dass das krank macht. Obwohl ich mit einem grossen Paket aus Mut gesegnet bin, habe ich auch lange und oft geschwiegen und mich angepasst.

Etwas nicht sagen, was wir spüren, heisst manchmal: Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt. Leider funktioniert das nicht.

Besser wäre: Das, was es zu sagen gibt wirklich sagen. Aber es so gewaltfrei wie möglich formulieren. Also nicht: Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, dann sag lieber nichts. Sondern: Wenn Du es nicht nett sagen kannst, dann warte, bis sich deine negativen Emotionen abgekühlt haben und dann sag es freundlich und ehrlich.

Wir müssen alle wieder lernen, ehrlich zu sein. Nur dann haben wir schliesslich die Chance auf Beziehungen, die tief sind und auf einem intimen Fundament stehen.

Ganz ehrlich: Ich weiss nicht, wie gut die Chancen dafür stehen. Wir leben in einer Gesellschaft der Heuchelei.

Kürzlich habe ich mich das erste mal in den sozialen Medien politisch geäussert und bekam einen Shitstorm, weil es sich für eine Therapeutin nicht gehört, sich so zu positionieren. Lieber schön positiv bleiben und auf Chancen hinweisen. Lieber schön an den konstruktiven Ansätzen bleiben. Kann ich auch – ist aber nicht ehrlich.

Xavier Naidoo hat einmal den Begriff „Heiliger Zorn“ geprägt.

Ich denke, jeder von uns darf auch einmal über das Ziel hinaus schiessen und eine Meinung äussern, die nicht mit der Neutralität und Anpassung zusammen passt. Vielleicht wäre es dann gut, die Wortwahl zu treffen, dass es der Nächste gerade noch ertragen kann. Aber: Es muss eine ICH-Botschaft sein.

Wenn Du Deine Gefühle, Gedanken, Eindrücke und Bedürfnisse ausdrücken kannst, ohne deinem Nächsten die Verantwortung dazu zu zuschieben, dann hast Du ein Statement gesetzt, das ehrlich ist und nicht verletzen muss.

Ich habe das gelernt. Auch weil ich mit meinem Lieblingsmann die Abmachung habe, dass wir ehrlich sind. Das ist für uns beide manchmal nicht ganz einfach, aber durch aktives Zuhören und durch das gegenseitige Wohlwollen, das wir einander bedingungslos schenken, ist es möglich. Sich öffnen und dabei freundlich formulieren, das ist eine Lösung für Wahrheit.

Zieh Deinen verbalen Maulkorb aus und äussere Deine Gefühle, auch die, die Dich sonst vergiften würden.

Sich einem anderen ausschütten bis eine Insel entsteht – das wäre Boden zum stehen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Diesen Blog widme ich Nadia, deren Wahrheit ich immer schon schätze und in Liebe meinem Mann Remko, der mir immer wieder Boden zum Stehen gibt.

 

wahrheit

Pro-bleme und Contra-bleme

 

In der vergangenen Woche durfte ich wieder einmal eine starke Frau sehen, die ihr „Schicksal“ gemeistert hat und mit den Problemen weiter lebt, ohne sie lösen zu können – und auch ohne sie lösen zu müssen.

Kannst Du das auch, deine Probleme einfach sein lassen?

In meiner Praxis sehe ich Menschen, die liebend gerne an ihren Problemen kleben. Sie definieren sich darüber, sie benutzen sie als Ausrede etwas nicht tun zu können, sie missbrauchen die Probleme dafür, dass sie es in ihrem Leben nicht weiter schaffen.

Dabei heisst es doch PRO – blem und nicht Contra-blem 😉

Probleme sind herausfordernd. Ich weiss das, ich habe auch ein paar davon in meiner Sammlung. Probleme verlangen uns alles ab, kosten uns Zeit und Nerven und unbewusst nicht selten unsere gesamte Energie.

Wer wärst Du ohne Deine Probleme?

Wärst Du dann wirklich frei, oder würdest Du dann andere suchen?

Könnte es sein, dass Probleme auch ein paar Chancen mitbringen wenn sie bei uns auftauchen? Möglichkeiten zum Wachstum?

Der gute alte Goethe hat einmal gesagt: „Die Lösung des Problems ist, sich vom Problem zu lösen“.

Wie sehr halten wir alle fest an unseren Problemen, machen sie gross, geben ihnen die Macht über unsere Stimmungen, unsere Lebensenergie, unseren Wachstum. Wir alle halten fest. Es gehört so viel Mut dazu zu sagen:

Ja, das ist herausfordernd… und ich lasse es los. Weil ich es eben nicht (allein) lösen kann.

Das soll keineswegs heissen, dass wir nichts tun. Wir müssen alle Schritte gehen, zu denen wir in der Lage sind. Gegebenenfalls müssen wir sogar professionelle Hilfe holen. Oder Menschen darum fragen, uns zu unterstützen.

Aber: Wir dürfen unsere Mitmenschen nicht als Mülleimer missbrauchen, vor denen wir nur ausschütten. Manchmal ist es gut, sich auszuschütten. Dann frage: Darf ich Dich mal zutexten? Darf ich mal bei Dir abladen?

Dann kann unser Gegenüber entscheiden, nachfühlen, ob es stark genug ist, den Berg nachher weg zu schaufeln. Und dem Freund einfach mit Präsenz zur Seite zu stehen.

Aber das TUN ist immer wichtiger als das blosse Reden.

Wenn Du also ein Pro-blem hast, dann schütte es aus wie eine Schachtel voller Münzen, Knöpfe oder Belege. Sortiere sie. Und dann mache die Entscheidung: Was kann ich damit tun?

Manche Probleme, wie die meiner starken Freundin, kann man nicht (allein) lösen. Die muss man einfach ertragen, tragen. Man muss sie mitnehmen auf die Reise und den Widerstand dagegen aufgeben, sondern sie einfach als Begleitmusik mitnehmen. Ich sage dem mal: bittersüss. Auch das ist aber letztlich eine Form, sie zu lösen.

Nur: Lähmen dürfen sie uns nicht.

Und sie dürfen nicht die Macht über uns bekommen. Sie dürfen uns nicht klein machen, sondern tragen immer das Potential, uns in unsere Stärke zu bringen.

Möchtest DU nun Pro oder contra sein?

Spürst Du die Leichtigkeit, die sich sofort einstellt wenn Du die Perspektive wechselst?

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Probleme sind Gelegenheiten

Erste oder zweite Wahl?

Am Grab der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben

Georg Jellinek

Vor einigen Jahren hatte ich einen Coachee, der sich verlaufen hatte. Er war ein braver Familienvater mit einem gesicherten Job in der Finanzbranche, hatte es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht, zwei Kinder, Ehefrau, Eigenheim mit Garten und Familienhund. Er war erst Anfang 40 und sein Leben war überschaubar. Irgendwann hatte ihm jemand von einem Computerspiel erzählt, „second life“. Er stieg ein und spielte. Erst ein bisschen und bald jede Nacht, wenn alle anderen schliefen. Er erschuf sich einen Avatar, der alles war, was er scheinbar nicht war: Wild, ungehobelt, rücksichtslos, in den Drogen, cool, frech, ein Betrüger, ein „Böser“, der seine Frauen schlug und sich nahm was er will.

Das Computerspiel war bald zur Sucht geworden und er „lebte“ nachts bald lieber als tagsüber. Der permanente Schlafentzug tat sein übriges und mein Klient bekam bald Realitätsverluste und die Grenze zwischen ihm und seinem Avatar bröckelte. Als ihm bei seiner, bis dahin lieb behandelten, Frau die Hand ausrutschte kam er in meine Praxis und wollte „sein Leben wieder haben“.

In vielen Sitzungen lernte er, dass er etwas von sich unterdrückt hatte und dass er durchaus auch noch ein anderes Leben leben könnte. Mit mehr Mut, mit mehr Kraft, mit mehr Freiheiten, mit mehr Abenteuern.
Er schreibt mir heute noch ab und zu, es geht ihm gut mit seinem neuen, bunten Leben.

Als ich diese Tage wieder mit einer Klientin über das Thema „das zweite Leben“ sprach, sagte sie: Wir haben doch alle ein nicht gelebtes Leben, Träume, die wir unterdrückt haben, Wünsche die wir uns nie erfüllt haben…

Hast Du das auch – einen ganz anderen Lebensentwurf, den Du gerne gelebt hättest?

Was hat Dich davon abgehalten?

Warst Du es selbst? Oder Deine Eltern und Erzieher? Die Gesellschaft?

Oder – die ANGST?

In einem Gespräch ein paar Tage später mit einem jungen Mann, sagte er, er meine, wir vergessen eigentlich alle unser eigenes erträumtes Leben wenn wir über die Zukunft nachdenken, wenn wir aufhören im Jetzt zu leben. Wenn wir über Rente und scheinbare finanzielle Sicherheit, Ansehen und Image, Status und Karriere nachdenken.

Nach über 20 Jahren als Coach weiss ich, dass diese stille Sehnsucht mit den Jahren immer lauter wird und schliesslich ohrenbetäubend schreit. So viele von meinem Klienten, die Supermanager und Karrieregewinner waren, haben sich nach dem einfachen Leben gesehnt. Ärzte, die lieber eine Bar mit einem Harleytreff hätten, Bankmanager die lieber eine Ziegenherde hüten als über Millionen zu verhandeln. Die allermeisten hatten viel erreicht und erkämpft aber heimlich sah es anders aus: Sie träumten alle von diesem Second Life.

Und – um es mal ganz ehrlich zu sagen: Sehr viele ! Sehr viele! Menschen, die ich gecoacht habe, wären dann doch lieber frei als Mutter und Vater, Ehefrau und Ehemann.

Warum folgen wir dem ersten Lebensentwurf?

Warum entscheiden wir uns für einen Beruf?

Für eine Beziehungsform?

Haben wir diese Entscheidung selbst gefällt oder weil wir dazu animiert wurden durch den Druck von aussen?

Welches second life erträumst Du?

Und warum lebst Du es nicht?

Wie viel Zeit willst Du noch verstreichen lassen?

Könnte es einen Weg geben Dein erstes und Dein zweites Leben zu verbinden?

Geh einmal zurück in Deiner Vita und frage Dich an einem neuralgischen Punkt, an dem Du eine grosse Entscheidung getroffen hast: Was wäre gewesen wenn ich in die andere Richtung gegangen wäre? Wenn ich komplett anders entscheiden hätte? Erträume Dir dieses andere Leben, das Du dann geführt hättest.

Und dann komm in die Gegenwart zurück. Vergleiche. Entscheide Dich neu.

Vielleicht musst Du nur etwas justieren. Vielleicht einen radikalen Schritt machen.

Wirst Du den Mut dazu haben?

Vielleicht hat die momentane Corona Krise dazu geholfen, alles noch mal zu überprüfen. Hat Dich durchgeschüttelt. In Unordnung gebracht. Das wäre doch ein grossartiges Geschenk.
Zu welchem nächsten Schritt bist Du jetzt bereit?

SPRING!

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ungelebte-Leben

Ein Loblied für dich selbst!

In der vergangenen Woche habe ich einige Gespräche geführt über das Thema Selbstwert und Fremdwert und Anerkennung durch andere.

Anerkennung – es liegt schon im Wort – erkennen.

Brauchst Du auch Anerkennung durch andere? Möchtest Du, dass andere Dich sehen, dass sie Deine Leistungen honorieren und Dich als wertvoll erachten?
Was macht das mit Dir?

Macht es Dich nicht auch ein bisschen bedürftig?

Und welche Gefühle löst das bei Dir aus?

Schlussendlich ist die Suche nach Anerkennung von Aussen immer nur Sklaverei. Wie viel tun wir und wollen dabei, dass andere es sehen?

Wir wollen, dass der Andere die Leistung sieht, die wir bringen, die Freundlichkeit, die wir schenken, oft sogar noch vor anderen erwähnen wie gut, fleissig, erfolgreich, gut aussehend wir sind.

Schluss damit!

Wenn Du Anerkennung brauchst – dann erkenne doch einmal an, wer Du bist, wie wunderbar Du bist, wie gut Dein Herz ist, wie fröhlich Dein Wesen die Umgebung von anderen erhellt!

Mach das jetzt gleich: Nimm einen Stift oder tippe es meinetwegen in Dein Smartphone:

Welche DREI DINGE sind aussergewöhnlich an Dir?

Was kannst DU aussergewöhnlich gut?

Was zeichnet Dich aus?

Was an Dir ist schön?

Spürst Du den Unterschied?

Wenn Du die Anerkennung durch andere suchst, bist Du hungrig und schwach und machst sie automatisch auch zum Richter über Dich. Du lieferst Dich aus und verkaufst Deinen Selbstwert für ein paar freundliche Worte.

Wenn Du Dich aber selbst anerkennst, kannst Du merken, wie Du Dich streckst, wie Du Dich stark fühlst, Dich anlächelst und so etwas wie Stolz empfindest über Dich selbst.

Wir haben das leider alle von klein auf gelernt: Die Suche und das Streben nach Lob, nach Liebe, nach Würdigung. Das ging schon ganz früh los. Als wir noch Kleinkinder waren wurden wir fürs Laufenkönnen, für kleinste Spielereien, für Töpfchenmachen, fürs Bravsein gelobt. Und weiter ging es in der Schule für Leistungen, später fürs gute Aussehen, für das Streben nach sportlichen Zielen. Wir waren es gewohnt – und wurden dazu erzogen! auf die Anerkennung durch andere zu setzen.

Was einst als Leistungsnachweis gemeint war, wurde bald der eigentliche Grund für unser Streben und es nimmt inzwischen unser ganzes Wesen ein. Spannenderweise will niemand zum „Mainstream“ gehören, aber alle spielen nach dessen Regeln.

Nimm die Anerkennung endlich selbst in die Hand!

Erkenne wie wundervoll, wie wertvoll, wie attraktiv, wie kreativ und fleissig Du bist. Nämlich genau so viel, wie Du es selbst willst! Und wie Du es selbst kannst!

Du bist gut genug!

Du bist schön genug!

Fang an Dich zu feiern! Werde frei, versklave Dich nicht weiter!

Entfalte Dich dahin, wohin Du möchtest!

Nimm Raum ein!

Gib Dir selbst Raum und Bedeutung!

Das ist ein Text mit vielen Ausrufezeichen. Ein Ausruf, ein Schlachtruf, damit Du endlich anerkennen kannst wie wundervoll Du bist!

Was denn auch sonst?

Eine kleine Anekdote erzähle ich Dir noch. Mein zweiter Sohn war immer ein bisschen mehr stolz auf sich als andere Kinder. Zurecht, denn meine Söhne wurden ja von mir zu starken Männern erzogen. Einmal kam er zu mir, er wird etwa 8 Jahre alt gewesen sein. Er baute sich vor mir auf und sagte: „Mama ich bin nicht das Gelbe vom Ei“! Ich war erstaunt und fürchtete schon, jemand hätte ihm die Flügel gestutzt. Da sagte er aus dem Brustton der Überzeugung:

„Ich bin das Gelbe, das Weisse und die Schale!“

Sei stolz auf Dich. Du brauchst dafür niemanden und nichts ausser einem ehrlichen Blick in den Spiegel.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Diesen Blog Post widme ich meinem Sohn Zedric. Ein freier Geist. Das Gelbe, das Weisse, die Schale 🙂

IMG_8662

Der Flügelschlag

In der Chaostheorie heisst es, dass etwas so Harmloses wie der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt einen Tornado auslösen kann. Es geht dabei um Kettenreaktionen, um die dargestellt unglückliche Verkettung von Zufällen, die schliesslich zu einer Katastrophe führt.

Über die Schmetterlinge und ihr Macht habe ich diesbezüglich letzte Woche nachgedacht, als ich ein besonders schönes Exemplar mit den Augen verfolgen durfte. Schmetterlinge haben uns immer schon fasziniert. Schon ihre Entstehung, wie sie sich mühsam aus der zu engen Larve/Raupe winden müssen, um schliesslich sofort in wunderschöner Form zu fliegen… und dann ihre Anmut, ihre Farben, ihre grazile Feinheit. Dem Schmetterling kann sich niemand entziehen.

Unabhängig von der Geschichte dieses einzigartigen Insekts, ist es die Kettenreaktion, die mich beschäftigte. Denn letzte Woche bekam ich einige sehr unerwartete schöne kleinen Gesten, ein paar Augenblicke von tiefer Bedeutung und wunderte mich, dass sie so vielfältig erschienen. Ich sprach mit einer lieben Frau darüber und sie sagte: das hat auch alles mit Dir zu tun.

Und dann begannen wir zurück zu verfolgen, woher etwas kommt. Woher wir jemanden kennen, warum wir an einem Ort wohnen wo wir gerade sind, warum wir da arbeiten, wo wir sind. Es gab eine riesig lange Geschichte von Zufällen, die mich so amüsierte, dass ich sie hier anregen möchte, nach zu spielen:

Was hat Dich dazu bewogen da zu sein, wo Du gerade bist? Gehe den ganzen Weg zurück, der über Jahre und Jahrzehnte gehen kann.

Wie hast Du Person XY in Dein Leben bekommen? Wer war beteiligt? Woher hattest Du diese vorherige Person? Wann haben Zufälle Dich mit wem zusammen geführt?

Wie oft wurde aus einem scheinbaren Scheitern ein riesiges Glück? Wer war an deiner Seite? Warum? Woher kanntest Du diese Person? Was führte zum Scheitern? Was führte zum Glück?

Der Schmetterlingseffekt in unserem Leben muss nicht zwangsläufig ins Chaos und Verderben führen, er führt auch immer wieder kleine Geschenke mit sich, die wir erkennen können.

Darum möchte ich hier auch einmal zu einem Schmetterlingseffekt aufrufen. Stosse einen Dominostein um, löse eine positive Kettenreaktion aus. Konzentriere Dich auf 5 kleine Wohltaten, die Du in dieser Woche ganz leichtfüssig tun kannst. Lass die Welle beginnen.

Wenn Du es schaffst einen positiven Effekt zu initiieren, dann kommt die Welle irgendwo zu einem tollen Ergebnis. Sei offen, suche die Gelegenheiten, tue.

Wer weiss wohin es führt?

Gestern Abend bekam ich eine SMS einer Freundin, die jetzt sehr glücklich ist. Vorausgegangen war ein Chaos. Aber eins führte zum anderen und im Jetzt hat sie die beste aller Welten bekommen.

So kann es funktionieren. Also, beschäftigte Dich diese Woche einmal intensiv mit dem Glück, das sich verbreitet und auch in Deinem Leben schon eine positive Magie erreicht hat.

Siehst Du, man kann auch an etwas ganz anderes denken als an die momentane Weltlage.

Entspanne Dich, betrachte die vielen Schmetterlingseffekte, die schon in Dein Leben getreten sind und geniesse.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

schmetterling-2179