Storytelling

Dieses Wochenende war ich in einem äusserst inspirierenden und enorm bereichernden Seminar über die Kraft der biografischen Geschichte. Es ging zwar um schriftstellerische Technik, Struktur und stilistische Finessen, aber es war auch voller Poesie, Wortkunst und – Geschichten. Ich sass und lauschte und war beglückt über die vielen Mikroteilchen von Lebensgeschichten, die ich vor meinem inneren Auge abspulen lassen durfte wie kleine Filme aus längst vergessener Zeit.

Hier war er wieder, der Zauber der Geschichten. Ich habe Geschichten immer geliebt, das Erzählen aber auch das Lesen, das Sehen und das Hören von Geschichten die sich im Alltäglichen ereignen. „Noch eine, noch eine“ bettelten meine Kinder oft, wenn ich sie früher ins Bett brachte und eine Geschichte erzählte oder vorlas. Die einzelnen Kapitel der Bücher, die ich ihnen vorlas, wurden immer neu verhandelt. Manchmal war ich müde und sagte: „heute aber nur ein Kapitel“ und dann liess ich mich doch mit in die Geschichte ziehen und las noch, als meine beiden Jungs schon lange im Traumland angekommen waren.

Unsere wunderbare Kursleiterin Barbara zeigte uns dann auch auf, dass Menschen Geschichten brauchen, so nötig wie essen und schlafen, wie trinken und lieben. Sie sagte, sie habe irgendwo gelesen dass wir alle 2 Minuten eine Geschichte erleben oder eine brauchen, um unseren Geist zu füttern.

Balsam auf meinem poetischen Herz!

Heute bin ich in Salzburg in einem altmodischen Hotel und werde nun gleich, nachdem ich Euch ein bisschen Adlerperpektiven-Futter für die Woche gegeben habe, auf Mozarts Spuren wandeln und diese Stadt entdecken. Sie ist, wie auch Wien es gestern war, ganz besonders fest gepackt mit Geschichen, die jahrhundertealt und doch noch immer präsent sind. Und darauf entfalten sich zu jedem Moment neue Anregungen, neue Einblicke, neue Momente, die uns berühren und verändern können.

Schaut diese Woche mal auf die vielen Geschichten. Die in Eurem Kopf und die, die sich ereignen. Es gibt viel mehr als man denkt! Jeder Mensch trägt seine Geschichte mit sich – oder hat welche zu erzählen. Lasst Euch amüsieren, lasst Euch beglücken und in Rage bringen und berühren. Die Geschichten in unserem Kopf, in unserem Leben – das ist auch Nahrung für uns, lebensnotwendig, immer neu – und es steht immer etwas davon zur Verfügung.

Verändere Deinen Blick – schau ins Kleinste, ins Grösste. Erlebe diese Woche wie ein Abenteuer-Wunderland, als ob die Welt etwas zu erzählen hat und Du andächtig lauschst. Das verändert auch Deinen Blick auf die Welt. Sei einmal Beobachter und mitten drin. Und dann – erzähle davon!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lass Dich umarmen!

Bist Du auch ein Umarmer?

Welche Berührung tut Dir gut?

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit wieder einmal viele Menschen zu umarmen und dachte gestern, nach der allerbesten Umarmung, wieder einmal darüber nach, was wir tun, um anderen nah zu sein.

Die drei Luftküsse, die in Frankreich und oft auch in der Schweiz üblich sind, waren mir oft zu eigenartig. Man fasst dabei meist Schultern oder Arme des anderen und haucht im besten Fall einen Kuss auf die Wange des anderen, leider aber oft einfach nur in die Luft. Eigentlich kommt es nicht wirklich zum Hautkontakt.

Da ist mir ein Handgeben dann schon lieber, wie es die Deutschen tun, oft sogar mit ausgestrecktem Arm. Aber ich kann beim Kontakt der Hände doch wenigstens Temperatur, Druck, irgendwie auch die Anwesenheit des anderen spüren. So ein Händedruck hat ja auch etwas Ehrliches – man reicht einander die Hand. Wenn ich Hilfe brauche oder der andere mir vermitteln will, dass er da ist, schätze ich diese Hand.

Zurück aber zum Umarmen. Als ich etwas über 20 Jahre alt war, bekam ich meine schönste Umarmung. Es war ein Inder, der mich verabschiedete. Er drückte mich nicht einfach nur, er umschlang mich und für einen Moment spürte ich uns beide gemeinsam atmen.

Viele viele Umarmungen folgten, denn wenn ich die Gelegenheit habe und das Vis-a-vis mir zeigt, dass es offen ist, dann tue ich am liebsten genau das – die Herzen aufeinander legen sozusagen, sich wirklich einen Moment Nähe geben. Kinder, Freunde, Partner und potenzielle Partner umarmt man vielleicht ein bisschen inniger. Dafür gibt es das wunderbar englische Wort „embrace“, schon alleine das Wort hört sich schön an. Ein bisschen wie „ein-atmen“.

Im Italienischen „abbraccio“, auch so ein saftiges Wort, darauf folgt dann bei den Italienern auch gerne mal „bacio“, der Kuss.

Umarmungen bringen uns viel näher und man hört tatsächlich auch mal einen Moment auf zu reden. Die meisten Menschen, habe ich beobachtet, reden nicht beim Umarmen sondern nehmen tatsächlich wahr.

So habe ich über die Jahre gerne und viele Umarmungen gesammelt. Eine innige Art, einander wahrzunehmen. Ich muss ein bisschen schmunzeln, denn eine Weile war es für mich das Kriterium, wen ich in meinen inneren Kreis lasse.

Nie vergesse ich einen sehr scheuen Kunden, der gerne im Gespräch auswich und seine sensible Seite nur selten durchblicken liess. Beim Abschied nach einem langen Coaching war er so beglückt, dass er über seinen Schatten sprang und mich fragte, ob er „mich mal drücken dürfe“. Natürlich durfte er, schliesslich bin ich „Mrs. Umarmung“. Er umarmte mich kraftvoll und sanft und am liebsten wäre ich ein bisschen länger geblieben in diesem Moment.

Vergangene Woche also sammelte ich einen Haufen Umarmungen und genoss es sehr, gross und klein, schmal und kräftig, energiegeladen und schwach waren sie und alle zeigten: ich bin hier, jetzt bei Dir. Gestern durfte ich dann noch die Krönung bekommen von einem Mensch, den ich kaum kenne. Diese Umarmung hat mir wieder einmal gezeigt: Es liegt ein Zauber in der Nähe. Und es ist so leicht, wirklich berührt zu werden.

Eine Umarmung ist nicht nur körperlich spürbar. Wenn wir jemanden in den Arm nehmen, sorgt Oxytocin auch für ein gutes Gefühl im Bauch.

Oxytocin ist ein Neuropeptid, das Gefühle wie Hingabe, Vertrauen und Bindung fördert. Das sind doch genug Gründe für die nächste Umarmung …

Also auf geht’s in die neue Woche. Ich bin gespannt, wie viele Umarmungen sie bereit hält – für uns alle!

„Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir einander umarmen“ Luciano De Crescenzo.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Triffst Du nur das Zauberwort…

Kennst Du das, man redet und spricht trotzdem nicht die gleiche Sprache? Irgendwie wollen die Worte nicht durchdringen, egal wie gut man sich erklärt, der andere hört es nur durch seine eigenen Ohren. Ohren die nicht so sehr mit dem Hörsinn, sondern vielmehr mit dem Ding zu tun haben, was zwischen unseren Ohren ist – unser ach so schlauer Kopf, der meint schon alles zu wissen, zu kennen, richtig zu interpretieren und auch – zu verurteilen.

Diese Tage wurde ich gleich mehrmals damit konfrontiert, was für ein schwieriges Thema die angemessene Kommunikation ist. Zwischen Paaren, Partnern und in zwischenmenschlichen Beziehungen, so behaupte ich, ist es das problematischste Thema überhaupt. Denn: Jeder kann immer nur von seiner eigenen Warte aus dem anderen begegnen (siehe letzter Blog).

Einer der besten Ansätze die ich kenne, um in Konflikten gut miteinander sprechen zu können ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Rosenberg.

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Prozess, der von Dr. Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Er ermöglicht Menschen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zwischen ihnen verbessert wird.

GFK kann sowohl beim Kommunizieren im Alltag als auch beim friedlichen Lösen von Konflikten im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Sie versteht sich nicht als Technik, die andere Menschen zu einem bestimmten Handeln bewegen soll, sondern als Grundhaltung, bei der eine wertschätzende Beziehung im Vordergrund steht.

Das Modell baut auf einer Haltung, die sagt: Menschen möchten grundsätzlich miteinander im Austausch sein, in einer Balance von Geben und Nehmen. Mit jeder Handlung versuchen sich Menschen Bedürfnisse zu erfüllen, um das Leben wirklich leben zu können in seiner ganzen Fülle und Herausforderung.

Also sprechen, um Bedürfnisse zu erfüllen?

Wie einfach wäre es, würden wir ehrlich sagen: Das und das brauche ich jetzt von Dir, statt Vorwürfe und Verurteilungen in den Raum zu bringen, der die gemeinsame Atmosphäre vergiftet.

Ein schöner Gedanke, ein Gespräch, das auf Wertschätzung, Wohlwollen und der ehrlichen Bekundung der eigenen Wünsche oder Empfindungen beruht.

Das ist es, was ich an nonverbaler Kommunikation und Körpersprache so mag. Es ist immer ehrlich. Und immer sanft, miteinander und gemeinsam gelebte Sprache.

Nicht jeder Mensch kann unsere Sprache sprechen (Du erinnerst Dich an das Ding zwischen den Ohren?). Und nicht jeder Körper kann mit dem anderen kommunizieren, wir sind nun mal alle unterschiedlich.

Eine ganz einfache Regel einzuhalten, würde schon viel Frieden in die Welt bringen. Sie stammt von Rumi, einem persischen Dichter aus dem Mittelalter und empfiehlt:

Bevor du sprichst, lasse deine Worte durch drei Tore schreiten. Beim ersten Tor frage: „Sind sie wahr?“ Am zweiten frage: „Sind sie notwendig?“ Am dritten Tor frage: „Sind sie freundlich?“

Geh diese Woche einmal mit diesen drei Fragen durch Deinen Alltag. Oder, wenn Du keine Zeit hast, keinen Nerv oder das Ding zwischen den Ohren ist schon so voll, dass es kaum mehr Speicherplatz hat, dann nimm die letzte Frage mit in den Tag. Entweder wirst Du die ganze Woche schweigen oder Du erkennst selbst wieder, dass die einzig wahre Kommunikation im Herz stattfindet. Geniesse.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Unterwegs nach Aussen und Innen

Kürzlich sagte eine Freundin zu mir, sie müsse mal wieder weg. Ich fragte sie, wohin es denn gehen sollte und sie sagte: ich muss einfach mal wieder fahren. Ich wusste genau, was sie meinte. Fahren. Unterwegs sein, neue Landschaften, neue Horizonte. Und auch allein dieses Fahren. Sich bewegen. Wie gut das tut aus dem eigenen kleinen Gärtchen, dem engen Zirkel unser täglichen Kreise ausbrechen und Neues sinnlich erleben. Ein lieber Freund von mir ist an der portugisischen Küste an meinem geliebten Atlantik unterwegs und versorgt mich mit Videos und Aufnahmen und man kann es spüren, dieses atemlose Herzklopfen des neuen Entdeckens. Ein anderer kommt gerade von vier Wochen auf dem „Wild Atlantic Way“ an der Westküste Irlands zurück mit einem glücklichen Strahlen im Gesicht.

Ich kenne viele solche situativen Nomaden und liebe es selbst auch, das Fahren. Jedes Mal wenn ich voll tanke und mein Display auf dem Armaturenbrett sagt: Du kannst jetzt mit diesem Tank 718km fahren spüre ich mein Herz hüpfen. Jedes Mal! Nicht dass ich diese 718km wirklich immer ausreizen würde. Aber die tatsächliche Chance zu haben, wie wunderbar ist das!

Von Zürich aus bringen mich die 718km fast bis Wien, sicher bis Paris, in meine französische Lieblingsstadt Orleans, fast zu einer Freundin nach Osnabück, nach Prag, nach Brüssel…. vom Tessin aus fahre ich in 718km nach Rom, nach Kroatien oder in die Mozartstadt Salzburg. Besonders toll sind die 718km von Jersey aus. Da bringen sie mich an meine Sehnsuchtsorte nach Irland und Schottland. Oder in die Bretagne. Ich liebe diese Kilometerspiele im Kopf, vor allem aber: Die Freiheit JETZT aufbrechen zu können wenn ich es wollte.

Bewegt man sich aus dem Bekannten heraus und begibt sich auf eine Reise, so ist es immer eine Ansammlung von Geschenken, denen man auf dem Weg begegnen kann. Chancen auf wunderbare Aussichten, neue Menschen, Geschmäcker, Düfte und Begegnungen. Fremde Menschen und Gesichter, Sprachen und Gewohnheiten. Oft kann man einfach nur schauen. Beobachten.

Ah, wie ich es liebe, dieses Unterwegs-Sein, dieses Ankommen und wieder Abfahren. Das Fernweh und das Heimweh, das Überall und nirgends.

Wie war wohl das Leben, als wir noch langsam gereist sind? Als wir noch Zeit hatten uns in jedes neue Bild von der Welt zu verlieben?

Was sagt Dir die Landschaft, die Dir begegnet? Wann hältst Du inne und an und lässt auf Dich wirken? Wann kann eine Landschaft Dich berühren?

Wir können auch von Seelenlandschaften sprechen. Denn jede Landschaft kann ein Spiegel für uns sein. Wann verweilst Du?

Wann stoppst du deine Reise, stehst an einem Punkt und denkst: Ahhhhh! Das ist es! Das ist Schönheit!

Worauf fällt Dein Blick und ruht und findet einen Widerhall in Deinem Herzen?

Was siehst Du? Was spricht mit Dir?

Welche Farben tun Dir gut?

Welcher Ausblick?

Worauf will Dein Auge schauen, um Dich in Deine Mitte zurück zu bringen?

Die einen unter uns brauchen die Wüste, das Nichts, den grossen Himmel. Die anderen die hohen Berge, die Wälder, die Felsen und Steine. Andere das klare Wasser das man bis zum Grund sehen kann. Wieder andere die Wasserfälle, die Brandung und Gischt, die Klippen und den Wind, der über hohe Gräser streicht.

Je genauer Du beschreiben kannst welche Seelenlandschaft Dich glücklich machen kann desto genauer weisst Du, wer Du bist.

Der Adler sucht sich auch sein Domizil. Er besetzt ein Revier. Er wählt seinen Lebensraum. Bei ihm geht es wohl vor allem um das Überleben, die Wildstände, die Jagdmöglichkeiten, den Unterschlupf.

Wir aber können wählen: Wann sind wir in der Seele berührt, wenn wir diese Landschaft sehen? Und was macht es mit uns, unterwegs zu sein. Im Flug gewissermassen. Auch wenn es manchmal Kilometer auf der Strasse sind.

Bewege Dich diese Woche mal an einen Ort, an dem Du noch nie warst. Lass es auf Dich wirken. Auf jeden Fall wird es Dich bereichern. Ganz sicher.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ein Lichtblick

Manchmal braucht man das, einen kleinen Lichtblick. Und meist kommt er dann, wenn der Verstand und unser nimmermüder Geist mal Ruhe gibt und wir uns einfach vertrauensvoll und leicht, offen und verspielt dem Leben wieder zuwenden können.

So ging es einer lieben Coachee letzte Woche, als sie sich mit der Arbeit von Byron Katie vertraut machen konnte. Sie machte grosse Augen, dass die Dinge so einfach sind. Die Wahrheit liegt immer ganz ganz nah unter der Oberfläche. Es ist einfach die Oberfläche, die wir nicht so leicht verlassen können, sie legt sich wie ein Schleier vor unser Auge und verfälscht vieles, was wahr wäre in eine Illusion.

Aber zurück zu Byron Katie. Wer ihre wertvolle Arbeit (noch) nicht kennt, hat bislang ein wunderschönes Werkzeug verpasst, seinen tieferen Gedanken auf die Schliche zu kommen. Und dabei ist es so einfach…

Byron Katie: „So einfach ist Freiheit“

Die Amerikanerin Byron Katie entwickelte die Hinterfragungsmethode ‚The Work‘, die davon ausgeht, dass wir leiden, wenn wir einen stressbehafteten Gedanken glauben, und dass wir nicht leiden, wenn wir diesen Gedanken hinterfragen. Könnte das die goldene Formel zur Lösung all unserer Probleme sein? Zumindest ist es eine Art, seine eigenen Gedanken zu vertiefen.

Katie’s Methode heisst: The Work.

Dabei muss man zunächst alle Verurteilungen, Unzufriedenheiten und Schuldzuweisungen aufschreiben und danach kritisch überprüfen. Dies geht immer mit vier Fragen:

  1. Ist das wahr?
  2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  3. Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken glauben?
  4. Wer wären Sie ohne diesen Gedanken?

Umkehrung: Nachdem Sie die vier Fragen beantwortet haben, sollten Sie Umkehrungs-Sätze finden. Ihre Aussage kann ins Gegenteil gedreht, aber auch auf andere Person sowie auf sich selbst bezogen werden.

Das zeigt eine andere Form auf, wie man das Problem sehen kann (warum es gespiegelt wird) und was wir an uns noch lösen können.

So erscheint also der vermeintliche Andere als Spiegel und aus einem unzufriedenen Zustand wird plötzlich eine Wohltat. Danke, dass man erkennen kann.
Eigentlich, so sagte auch mein buddhistischer Lama, sind alle Menschen nur Trainer für uns, immer weiter und immer besser bei sich selbst anzukommen.

(wer hierzu weiter lesen will: Byron Katie: Lieben was ist)

Und wieso nennen wir das einen Lichtblick?

Es ist der Moment des Erkennens. Es geht uns ein Licht auf, wir haben plötzlich Licht in eine Sache gebracht. Und manchmal wird man sogar erleuchtet.

Kennt Ihr diesen magischen Moment? Manchmal bekommt man so ein Himmelsgeschenk. Da geht plötzlich das Licht auf und wir sehen: Ach so kann sie also auch sein, die Wirklichkeit. Schön, farbenfroh und leicht.

Leben war niemals als Anstrengung gedacht. Sondern, um es wertzuschätzen, zu geniessen und – zu feiern.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Die Zeit, die Zeit

Die neue Woche beginnt und wir rennen alle schon wieder. Wir scheinen ständig alle keine Zeit zu haben, fühlen uns getrieben, angeschubbst, vorwärts beschleunigt. Und wir meinen sogar noch, wir müssten ein kluges Zeitmanagement haben, um den Stress zu vermeiden. Weit gefehlt. Die Zeit lässt sich nicht kontrollieren, nicht managen, nicht sparen, nicht verlieren.

Man kann mit der Zeit nur eins machen: Sie leben.

In der vergangenen Woche kam ich gleich einige Male mit dem Thema Zeit in Berührung.

Mich fragte ein Autofahrer ob er mir „schnell“ eine Frage stellen dürfe. Ich antwortete, er dürfe mir durchaus auch langsam eine Frage stellen. Worauf er entgegnete, er wolle mir ja keine Zeit stehlen. Ach so? Kann man Zeit stehlen? Habe ich denn Wichtigeres zu tun, als gerade hier zu sein?

Ich las, nach einer Studie schauen Menschen durchschnittlich pro Tag 87 Mal auf ihre Smartphone oder in einen anderen Bildschirm. Und die durchschnittliche Surfdauer im Internet oder im Smartphone liegt bereits bei 135 Minuten pro Tag! Was für eine Zeitverschwendung?

Ein jugendlicher Klient zeigte mir, wie gelassen er mit der Zeit umgeht. Ich gab ihm immer wieder Zeit für Denkpausen, weil mentale Arbeit eben auch anstrengend sein kann. Und die nahm er sich dann, schwamm ausgiebig im See, ging spazieren oder machte mal: Nichts. Ich genoss es, ihm beim Nichtstressen zu zusehen. Wie erholsam, ein Mensch mit Zeit!

Und ich erlebte die Entschleunigung einer Freundin, die mich für drei Tage besuchte. Sie kommt immer mit To-do-Listen im Kopf, will wissen, was wir wann genau machen, wie es weiter geht, was als nächstes ansteht. Wie herrlich zu sehen, wie sie immer mehr ruhig wurde und den kostbarsten Moment hatte, als sie sich in eine hohe Blumenwiese legte oder dem Rauschen eines wilden Wassers lauschen konnte.

Wir sassen vereint und sahen dem Wasser zu. Und da kam es uns beiden so vor, als ob wir etwas Wichtiges verstanden haben: Das Wasser lässt sich nicht festhalten, es fliesst durch alle scheinbaren Hindernisse hindurch. Es nützt auch nichts, sich mit Sorgen oder Blockaden aufzuhalten, wie das Wasser fliesst alles einfach weiter, die Zeit, die Geschehnisse, was sein soll geschieht, was nicht sein soll kann nicht erzwungen werden.

Wie kann man der Zeit mehr Leben geben? Sie bewusst wahrnehmen und damit auch wirklich erleben?

Wie kann man die Kostbarkeit des Moments erkennen und so leben, dass er zu einem Juwel der Erinnerung wird?

Spannend, dass, wenn wir keine Erinnerungen erschaffen können, unsere Vergangenheit im Nebel versinkt. Erinnerungen können aber nur bewusst und in der Gegenwart erschaffen werden.

Eine Freundin hatte kürzlich einen Augenblick, etwa eine oder zwei Minuten, Angesicht zu Angesicht mit einem Hirsch, den sie bei einer Wanderung antraf. Sie standen völlig still voreinander und schauten sich in die Augen. Mit der kleinsten Bewegung der Freundin sprang er davon, aber sie sagte: Der Augenblick sei ein Moment für die Ewigkeit gewesen, sie würde sich immer daran erinnern.

Mache heute ein kleines Experiment. In einem Moment, in dem gerade nichts super dringend erledigt werden muss, halte inne. Beobachte etwas für ein paar Minuten. Atme. Konzentriere Dich ganz auf das, was Du wahrnehmen kannst.

Lebe einen Moment in der Zeit. Spüre dass sie da ist.

Du kannst diesen Moment jeden Tag erleben. Und süchtig danach werden. Die beste Suche (Sucht) überhaupt: Das Leben in der Zeit entdecken.

Fülle es aus, das Leben. Lass Dich nicht stressen. Du musst kein hektischer Kolibri (40 bis 50 Flügelschläge pro Sekunde!) sein, Du kannst den anstrengungslosen Flug des Adlers wählen (gleitet mit der Thermik).

Mach mal einen Moment Pause, erlebe die Zeit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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Das Glück im Jetzt jetzt!

Diese Tage wurde ich konfrontiert mit dem Thema Nachhaltigkeit. Es ist eine Sache, wenn man nach einem Coaching, einem Seminar oder einer Intervention wirklich entschieden weiter helfen konnte. Oder wenn man eine Beziehung, eine Freundschaft, eine Verbindung mit aller Liebe gepflegt hat. Die andere Sache ist aber, was passiert, wenn es abflacht, wenn die anfängliche Euphorie verloren geht und man selbst, oder die Menschen, wieder ins alte Fahrwasser kommen und den Drive, das Neue, das Abenteuerliche im Alltäglichen verlieren.

Immer wieder in den letzten Jahren habe ich dann ein Gefühl der Traurigkeit gehabt, natürlich hinterfragt man dann auch oft das eigene Tun, ob man alles gegeben hat, ob noch mehr drin gelegen wäre.

Und wie durch einen Zauber erscheinen dann die guten Geister der Vergangenheit und flüstern einem Worte zu, die zeigen, dass es sich der Einsatz gelohnt hat und die Früchte sich einfach verändert haben.

So habe ich in den letzten Tagen gleich mehrere wunderbare Menschen wieder sehen und hören dürfen, die in der ein oder anderen Weise in meinem Leben waren, sei es als Klienten, Freunde und Wegbegleiter. Einer davon sass mir am Freitag gegenüber. Ein Unternehmer, der einst seine besten Manager coachen liess. Ich fragte ihn, was wohl aus all den Geschichten der Menschen geworden ist, ob das Coaching Wirkung zeigen konnte, ob es langfristig zu einer wirklichen Veränderung kam. Er schmunzelte und sagte mir, es habe immer eine Wirkung, nur manchmal eine andere, als die, die man erzielen wollte.

Und dann erzählte er mir eine Geschichte von Arthur Rubinstein.

Rubinstein war ein gefeierter Pianist (er lebte 1887-1982) und ein begnadeter Musiker und Poet. Die New York Times beschrieb Rubinsteins Stil als natürlich, ungezwungen und frei von Nervosität. Im Gegensatz zu vielen Pianisten der Gegenwart spielte Rubinstein nicht ernst, sondern vermittelte durch sein Spiel seine Glückseligkeit. Arthur Rubinstein hielt sich für den glücklichsten Menschen in seinem Bekanntenkreis. Rubinsteins Tochter Eva Rubinstein sagte über ihn, dass er, um so zu spielen, wie er spielen wollte, auf seine Weise am Leben teilhaben musste.

Auf die Frage, was er denn tue, sagte er einmal, er mache nicht viel Aufhebens darum, dass man ihn als Musiker würdige. Er tue einfach das, was er am besten konnte. So meinte er: „In den zwei, drei Stunden die ich ein Konzert spiele, mache ich meine Zuhörer glücklich. Sie fühlen sich ebenso glücklich wie ich es in diesem Moment bin. Das ist das einzige was ich möchte, für alles andere sind sie dann selbst zuständig.“

Wie herrlich diese Einstellung für unser Leben sein kann!

Hast Du die Menschen, die Dir etwas bedeuten schon einmal, zweimal, oft glücklich gemacht mit Deiner Anwesenheit in ihrem Leben?

Hast Du Deine Kunden und Klienten schon einmal, zweimal, oft, mit dem glücklich gemacht, was Du zu geben hattest?

Braucht es mehr Nachhaltigkeit? Und warum bist Du so streng mit Dir und gestehst es den anderen nicht zu, auch Fehler zu machen und zu scheitern

t r o t z Deiner Hilfe und Deiner Anwesenheit?

Wie wunderbar, diese Einstellung von Rubinstein und die Geschichte von meinem Klienten. Sie hat mir sekündlich das Herz geheilt.

Wie viele Momente, Hand aufs Herz, hast Du schon mit Deiner Melodie die Menschen in Deinem Umfeld glücklich gemacht, inspiriert und beseelt?

Siehst Du, wie reich Du bist? Und wie wertvoll Du auch für andere bist?
Das ist es, das einzige Glück. Darauf kommt es an.
Gib den Gedanken über die Nachhaltigkeit Deines Tuns und Seins auf: Mach Dir bewusst, dass Du ein Geschenk für die Welt bist. Vielleicht nicht jeden Moment, nicht für jeden Menschen und sicher nicht für immer und ewig. Aber öfter als Du denkst.

Sei gut zu Dir.

Willkommen in der Adlerperspektive!

sommer 14 014