Inselleben

Das Leben auf Jersey ist unendlich langsam. Und genügsam. Geduldig. Sehr höflich. Alles Dinge, die ich nur hier „aushalte“ und trotzdem – total bereichernd.

Auf Jersey, dieser kleinen Insel im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien, gibt es nur ganz enge Strassen. So eng, das man sich ausweichen muss, wenn etwas Grösseres, wie ein Bus oder ein kleiner Lastwagen, einem entgegen kommen. Dann drängelt man sich ganz eng an die Mauer oder Hecke auf der einen Seite damit maximal Platz für das grössere Gefährt bleibt. Manchmal geht nicht einmal das, dann muss man selbst und vielleicht noch weitere Autos hinter dir rückwärts bis zur nächsten Ministrassenbucht fahren.

Und alles fliesst bei einer Maximalgeschwindigkeit von 48 km/h. Und auf der linken Strassenseite.

Der grösste Spass sind dann die *green lanes“. Da darf man nur 24 km/h fahren, die green lane ist so eng, dass keine zwei Autos aneinander vorbei passen. Man muss also damit rechnen sehr weit zurück zu fahren und darauf zu vertrauen, dass das geht, oder der Andere es besser kann.

Wenn man bedenkt, dass es so langsam ist, dann kann man kalkulieren. Von meinem Haus im Norden der Insel brauche ich 8,4 km bis zum Airport um meine Coachees abzuholen. Eine Fahrt von 25 Minuten, wenn es keine Ausweichmanöver gibt. Und unterwegs bist du so langsam dass du jedes Lächeln der Passanten siehst. Man winkt sich auch freundlich zu, wenn man besonders achtsam fährt. Lässt immer Vortritt. Nimmt eventuell Menschen ein Stück mit. Nickt sich zu.

Man spricht mit jedem über das Wetter. Bejubelt wird alles. Dass die Sonne wieder scheint. Dass es endlich mal wieder regnet. Dass heute so toller Wind ist. Dass heute endlich mal kein Wind ist. Es gibt immer etwas zu feiern. Immer etwas, das man toll findet. Und man spricht darüber. Wenn ich an meinem Lieblingsstrand sitze und dem Reinkommen der Flut zusehe, kommt immer jemand und sagt, dass das doch einfach wunderschön ist. Die Menschen sprechen sich auch gerne mit „Darling“ oder „Love“ an. Natürlich meinen sie das nicht so intim. Aber ich freue mich darüber, jedes Mal. Weil es Wertschätzung zeigt. Nur an diesem Ort in der Welt empfinde ich das so wertvoll.

Vielleicht ist Jersey deshalb für mich so eine Wohltat: Langsamkeit. Höflichkeit. Achtsamkeit. Auch weil hier alles so langsam ist, haben die Menschen Zeit, sich zu sehen. Und auch, weil alle auf einer Insel sind. Eine ganz kleine Welt in der Welt. Es fühlt sich ein bisschen an, wie die Zeit anzuhalten. Und vor allem – es ist ein bisschen altmodisch, nostalgisch, ja vielleicht sogar ein bisschen verschroben hier auf Jersey.

Können wir das mit in unser Leben nehmen, das Gefühl das wir in den Ferien haben? Oder an dem Ort, der uns entspricht? Wie schnell beschleunigen wir unser Tempo wieder, wenn wir zurück kehren?

Welche guten Gefühle lösen Deine Lieblingslebensorte bei Dir aus?

Wie transportierst Du sie zurück in Deinen Alltag?

Wie kannst Du Dein Leben so führen, wie Du es führst wenn Du dort bist, wo Deine Seele Gleichklang hat?

An solchen Orten ist es sehr einfach, die beste Version von Dir selbst zu sein. Wir reden uns ein, dass in den Ferien, oder zumindest wenn wir dort sind, wo wir uns wohl fühlen, ja schliesslich viele Pflichten und Einflüsse weg fallen. Dass wir nicht mehr getrieben sind. Aber: Das ist Deine Entscheidung wie Du dann auf den Alltag reagierst. Du lässt Dich hetzen. Du wirst re-aktiv statt pro-aktiv.

Wir lassen uns schnell wieder einlullen wenn wir zurück kehren von einem Ort, an dem wir uns total wohlfühlen. Dann gehen wir bald wieder mit dem Flow dort, mit den Pflichten, den Menschen die etwas von uns verlangen, den Sorgen und den Problemen die unser Alltag oft mit sich bringt.

Dabei wäre es leicht, da zu bleiben, in den Stimmungen, die unser „Inselleben“ uns schenkt: Konserviere die Leichtigkeit in einer inneren Schatzkiste. Wenn Du morgens deine erste Tasse trinkst dann schliesse für eine Minute die Augen und er-innere Dich. Und bevor Du den Zündschlüssel im Auto drehst oder auf dein Fahrrad steigst: Eine Minute nur. Kurz innehalten. Er-innern. Langsam in den Tag starten. Bei Dir bleiben. Diese kleinen Momente kannst Du einbauen in den Tag. Immer wieder zu Dir zurück finden: Zur besten Version von Dir selbst.

So nach und nach schleicht sich dann Dein Ferien-Ich in Dein Alltags-Ich ein. Das kann gelingen.

Du musst dran bleiben. Das ist Arbeit für Dich selbst, die mit Glück belohnt wird.

Nun, genug davon: Ich muss wieder Augen-Blicke sammeln gehen. Noch bin ich auf der langsamen Insel. Ich bin gespannt auf die nächsten Begegnungen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ja oder Nein?

In der vergangenen Woche hatte ich es mit Entscheidungen zu tun. Grossartig!

Ich liebe so radikale Sachen. Ent-scheidung heisst eben auch: Scheiden. Nämlich etwas ausscheiden. Etwas weg schneiden, etwas nicht wählen.

Aber die meisten Menschen tun sich mit Ent-scheidungen fürchterlich schwer. Sie wägen ab, sie überlegen hin und her. Sie wollen keinen Fehler machen, den sie bereuen. Denn: Eigentlich will man ja gar nichts loslassen, sondern am liebsten alles haben. Auch alle Möglichkeiten. Alle Freiheiten. Immer die Wahl haben, das heisst: Nichts zu entscheiden, nichts weg zu geben.

Wie das Leben so spielt, fiel mir ein kluges Buch in die Hände, aus dem ich gerne zitieren möchte: „Es hilft, tief ein und wieder auszuatmen wenn Dich eine Entscheidung beschäftigt. Meist findest Du die Lösung, die zu Dir passt, wenn Du wieder ausatmest. Es muss nicht die richtigste oder vernünftigste Lösung sein. Aber Deine. Verstehst Du den Unterschied? Du kannst Dich immer entscheiden, etwas Vernünftiges oder genau das Gegenteil zu tun, weil es Deine eigene Freiheit ist.“

Welche Entscheidung steht bei Dir schon lange im Raum, aber Du ent-scheidest Dich nicht?

Kannst Du Dich erinnern, als Du das letzte Mal eine grosse Entscheidung getroffen hast? Wie hast Du Dich unmittelbar in dem Moment gefühlt, als sie getroffen war? …. genau! Du hast aufgeatmet! Du hattest nämlich endlich die ganze Spannung heraus genommen und einfach mal ausgeatmet.

Wenn wir Entscheidungen heraus zögern, dann ist das alles andere als entspannt. Wir halten etwas zurück, unser ganzer Körper verspannt sich und wir fühlen uns wie von harten Gummibändern gehalten, während wir weiter rennen wollen. Das kennst Du auch, ganz bestimmt.

Vor vielen Jahren stand ich einmal vor einer ganz grossen Entscheidung, die sehr weitreichende Konsequenzen haben würde. Ich fürchtete mich und nahm mir einen Mental Coach zur Hilfe. Er zeigte mir auf: Hier, das ist Dein Baum. An diesen Bäumen wachsen unendlich viele Äste. Alle sind schwer. Wenn Du nicht einen abschneidest, oder noch besser: mehrere, dann wird Dein Baum bald keine Kraft mehr haben. Er gab mir die Aufgabe, mir eine Woche später mitzuteilen, welchen Ast ich abschneiden würde. Bevor ich aber das Gespräch beendete, sagte er noch etwas Wichtiges:

„Ihr im deutschsprachigen Raum steht Euch oft selbst im Weg. Ihr denkt so lange über die Konsequenzen und möglichen Gefahren nach, die eine Entscheidung mit sich bringt, bis Ihr schliesslich gar keinen Schritt mehr macht“

Das nahm ich mir zu Herzen. Ich liebe das Radikale. Ich schnitt den ganzen Baum ab und – landete im freien Fall ins Nichts, von dem ich nicht wusste was es mir bringen würde.

So radikal musst Du nicht sein. Es braucht Mut und innere Stabilität und auch ein bisschen Wahnsinn so zu handeln.

Aber Du könntest doch einmal damit beginnen, Dir eine Liste der kleinen Dinge zu schreiben, die Du entscheiden musst. Und dann triffst Du die Entscheidungen so, wie es sich gerade richtig für Dich anfühlt. Mit jedem Haken an Deiner Liste wirst Du Dich erleichterter fühlen. Ausatmen. Aufatmen.

Du bist viel stärker, als Du denkst. Und viel freier, als Du Dir zutraust.

Wetten?


Willkommen in der Adlerperspektive!

Sanfte Kraft

In der vergangenen Woche war ich mit einem feinen Adler auf Jersey gesegnet. Die Coachin kam vor zwei Jahren zu mir. Damals war ihr feines zartes Herz zugemauert. Sie hatte sich jahrelang angepasst, geduckt, war ausgewichen. Die Grobheit in der Zeit, in der sie aufwuchs, hatte sie äusserlich gestählt und innerlich in den Rückzug gezwungen. Die Folge davon: Eine dicke Ritterrüstung, durch die bald nichts mehr durchkam, an der die Liebe abprallte, die sie hätte empfangen können. Und es kam auch nur noch spärlich etwas aus ihr heraus.

Wenn wir fein und zart fühlen, dann gibt es verschiedene Strategien, wie wir damit durch die Welt kommen. Wachsen wir unter Orchideen auf, dann wird ein zartes Miteinander möglich sein. Steht unsere Orchidee aber in einem Kartoffelacker, dann wird der Wind uns stählen und wir werden zunehmend verhärten.

Das Dilemma ist dann aber, dass uns jeder für eine Kartoffel hält und auch so mit uns umgehen wird. Der Wind, auch untereinander, wird dann nicht weich und ruhig sein, sondern mitunter aufbrausend und zerstörend. Die Orchidee in Dir zittert, nach aussen aber bebt sie und schlägt mit ähnlicher Härte zurück.

So geht es vielen feinen, zarten Menschen. Statt klar und deutlich zu zeigen, dass sie fein und liebevoll sind, zeigen sie ihre harte Schutzhülle, die oft nicht nur missverstanden, sondern sogar als real empfunden wird. Ein Kreislauf aus Zurückhaltung und neuer Verteidigung beginnt, der in der Regel nicht gut endet wenn … – ja wenn der Mensch nicht wenigstens ein paar wundervolle Begleiter hat, die ihn wirklich durchschauen und auf die feinen Antennen achten.

So ist es auch meiner Coachin ergangen. Der Weg zurück in ihr Herz war schmerzhaft und lang und ab und zu ist sie auch gestolpert. Aber sie ist weiter gegangen, denn die Sehnsucht, endlich sich selbst sein zu dürfen, war riesig.

Sie hat es geschafft. Sie hat auf Jersey das allerschönste Wetter bekommen für ihren Flug in die Freiheit. Der Blick in die Ferne war klar und lud sie ein, sich total auf sich einzulassen. Ihre Rede war still und bei sich, ihre Hand lag auf dem Herz, der Kopf nach oben gestreckt bekannte sie sich zu ihrer eigenen Grösse in ihrem eigenen Tempo, in ihrer Sprache, in ihrem Ausdruck.

Denn: Auch Zartheit kann stark sein. Auch Weichheit kann gerade stehen. Auch Stille macht einen Ton.

Was wäre, wenn wir uns alle mehr auf unsere feine Seele konzentrieren könnten? Wenn wir alle unser Herz sprechen lassen könnten?

Wenn wir uns Zeit nehmen könnten für Wahrheit – für Tiefe – für eine liebevolle Verbindung. Auch dann, wenn unser Ego mal wieder durchdreht?

Auch dann, wenn der Wind wieder aufbraust und uns weg zu wehen scheint?

Auch dann, wenn die Trigger kommen, die unsere Wut entfachen?

Zurücklehnen. Atmen. Spüren: Was will ich jetzt?

Dafür Zeit zu haben ist ein alltäglicher Luxus, den wir immer haben können.

Aber: Du musst Dich konzentrieren.

In fast allen Fällen ist die Liebe zu wählen eine Entscheidung.

Wählst Du sie?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Für Jacqueline. Flieg in einem weichen Strom weiter 🙂

Und für meine oft in einer Ritterrüstung steckende feine Freundin Nadia.

Es denkt in mir….

Mein Kopf ist so voll. Ich kann gar nicht denken! Ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Kennst Du das auch?

Hast Du auch so viel im Kopf?

Manchmal scheint es mir, unser Kopf ist eine Datenbank, ein Hochleistungscomputer. Es rechnet und rechnet. Möglichkeiten, Chancen, Prognosen.

Und: Die ganze Zeit denkt es Dinge, die es endlos wiederholt oder die es befürchtet.

Unser Denken beschäftigt sich mit Vergangenheit und Zukunft und vor allem mit Eventualitäten. Niemals, oder in den allerseltensten Fällen ist das Denken so offen, dass es kreativ werden kann. Dann könnte uns ja etwas „einfallen“. Ein Gedanke, der neu ist, könnte geschehen und die anderen verdrängen. Und vielleicht wäre der Gedanke schon deswegen genial, weil er frisch und neu ist.

Ich erinnere mich an mein Studium. Da dachte ich noch nicht so komplex und hatte noch Platz für Neues. Und: Wenn wir jung sind haben wir ja auch noch nicht so viel Datenmaterial. Die Sammlung ist sozusagen noch nicht voll.

Ich sass also nach einem langen, durchgelernten Wochenende am Montag mit Kommilitonen zusammen und wir sprachen über Diagnostik. Da sagte ich mit viel Stolz in der Stimme: Hey Leute, ich hatte eine geniale Einsicht! Ich glaube, es gibt eigentlich höchstens FÜNF! Probleme! Und die Menschen spielen diese wenigen Probleme einfach nur in verschiedenen Varianten aus! Ich strahlte und dachte ich hätte eine bahnbrechende Erkenntnis gehabt. Sonnte mich in dem Überraschungseffekt, den ich meinte, ausgelöst zu haben. Als eine Stimme aus dem Off kam: Nein. Ich glaube es gibt eigentlich nur EIN Problem.

Ich war total verblüfft und mein Kopf begann sofort zu rechnen. Wie vielleicht jetzt Deiner: Was könnte das sein? Was könnte das sein?

Dein Denken wird in seinem gedanklichen Archiv auf die Reise geschickt und sucht nach dem Verstehen. Vergleicht, wägt ab, verwirft, sucht weiter. In bekanntem Terrain!

Der wunderbare Albert Einstein hat einmal gesagt: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Unser Denken blockiert uns oft und das meiste, was es denkt, ist Schrott, der schon lange entsorgt gehört. Nur leider ist es auch eine Datenbank, die nichts hergibt.

Gestern war ich im Auto unterwegs und hörte einen uralten Song: „Too much heaven“ von den Bee Gees. Ich musste lächeln als ich erkannte, dass ich mitsang. Den Song habe ich Jahrzente lang nicht gehört! Und dann ging es auch los das Denken, also das Loslösen aus dem Archiv: Wie hiessen die drei Typen der Bee Gees nochmals? Die waren doch Brüder? Sind die eigentlich fast alle noch am Leben? Waren das nicht vier Brüder aber nur drei waren in der Band? Heisst die Stimme nicht Falsett? Ich kramte in meinem Kopf. Den Rest der Fahrt fuhr ich wohl mit Autopilot. SO abgelenkt sind wir ständig!

Also was machen wir nun mit dem vollen Kopf?

Wir müssen uns auf etwas Anderes konzentrieren. Manchmal reicht es auch, wenn wir laut sagen: STOP. Ich will jetzt diesen Gedankenstrang hier lösen weil er mich nicht weiterführt. Man kann ihn nicht abschneiden, das ist leider ein Fakt. Deswegen konzentriere ich mich auf etwas anderes, vielleicht Gesünderes. Ich beobachte meine Atmung. Ich fühle in meinen rechten Fuss. Ich betrachte sehr genau etwas was gerade vor mir ist. Ich benutze meine Sinneswahrnehmungen.

Niemand hat das Denken und unsere Chance, in die Gegenwart zu kommen, so schön klar beschrieben wie Eckart Tolle. Ich nutze die Gunst der Stunde und empfehle Dir das Buch: „Eckart Tolle: JETZT. Die Kraft der Gegenwart.“

Du musst nicht länger Sklave Deiner „alten“ Gedanken bleiben. Du kannst ankommen im Jetzt. Du kannst so leer werden, dass Dir neue Dinge einfallen, die geniale Lösungen bieten oder Dich nachhaltig inspirieren.

Für den Anfang aber: Beobachte Deine Gedanken. Lass sie kommen und an Dir vorbeiziehen. Beobachten, sich amüsieren, was da geliefert wird. Erkennen: Ach! Den kenne ich schon, habe ich schon millionenmal gedacht! Ach! Den auch! Ach! Das weiss ich auch schon! Ach: Der ist Mist! Ach: der Gedanke zieht mich regelmässig runter! Ach: Das würde ich eigentlich gerne anders sehen. Ach: Das bringt mir gar nichts. Ach: Der gefällt mir, den träume ich ein bisschen weiter.

Lehn Dich zurück. Lächle. Fühl Deinen Atem unter der Nase wie einen kleinen Wind. … Siehst Du? Du bist hier!

Ich wünsche Dir herrliche Ein-Fälle!

Willkommen in der Adlerperspektive!

Ausatmen – Aufatmen

In der vergangenen Woche war eine liebe Coachee mit mir unterwegs im

Go-Wild-Tal, hinten im Maggiatal, zwischen den hohen Bergen und bei den lebendigen Wasserfällen. Die Coachee war etwas eng geworden, der Kummer hatte sie gefangen genommen in sich selbst. Wir setzten uns an einen wunderschönen Ort, bei angenehmen Temperaturen und blau-blauem Himmel. Die Sonne strahlte, das Wasser fiel in Kaskaden vor unseren Augen in einen tiefblauen kleinen See. Ganz unmerklich konnte meine Coachee … ausatmen.

Sehr oft halten wir den Atem an, wenn wir emotional berührt und auch gefangen sind. Ist Dir das schon aufgefallen? Wir hören auf einzuatmen. Mehr noch: Wir atmen auch nicht mehr aus. Oder nur so flach wie möglich, um genau zu sein. Es ist, als ob wir keinen Raum mehr einnehmen möchten oder uns der Welt auch nicht mehr geben können.

Im Laufe zweier Tage in dieser grossen und auch gewaltigen Landschaft passierte dann etwas, das ganz nebenbei geschah. Der Muskeltonus meiner Coachee, der nur angespannt gewesen war, entspannte sich zusehends. Sie atmete wieder. Sie seufzte sogar ab und zu und atmete tief und erleichtert aus. Sie nahm sich wieder den Raum im Leben, den sie brauchte. Sie verstand, was sie gefangen genommen hatte. Das heisst nicht, dass sie es schon loslassen konnte, hier reichte schon das Bewusstsein über das, was gerade mit ihr geschieht, um ihr ein bisschen mehr Spielraum zu geben.

Wenn man sich ganz eng und verloren fühlt, dann reicht es oft, sich dem Rhythmus der Natur anzunähern. Lange das fallende Wasser zu betrachten, oder den Wellenschlag des Meeres zu beobachten. Den Wind wahrzunehmen oder den Wald einzuatmen bei einem langen Spaziergang. Auch deshalb ist dieser neue Trend – das Waldbaden – entstanden.

Unter Waldbaden versteht man den achtsamen Aufenthalt im Wald, bei dem die Aufnahme der Waldatmosphäre und der enge Kontakt zu der Natur im Fokus stehen. Waldbaden soll dazu verhelfen, Entschleunigung zu finden, neue Lebensfreude zu schöpfen und Energiereserven einmal ordentlich aufzufüllen.

Man kann das überall tun, überall wo Grün ist. Und es muss nicht immer Wald sein. Der Fokus liegt vor allem an dem offenen Bewusstsein, mit dem wir in die Natur gehen. Vielleicht hörst Du Vogelstimmen oder Geräusche im hohen Gras. Du kannst Deine Sinne benutzen um die Natur aufzunehmen, sie wirklich wahrnehmen. Das ist nicht neu und revolutionär, das haben wir schon immer gemacht, bisher aber wohl vielfach nicht gewusst.

Die schöne junge Frau letzte Woche durfte eintauchen in herrliche Landschaft. Vor dem gewaltigen Wasserfall fühlt man sich vielleicht zunächst klein. Und dann, nach ganz kurzer Zeit, verschmilzt man mit dem Anblick und der Energie dort. Man wird Teil des Berges, des Waldes und des Sees. Kommt noch ein Lagerfeuer dazu, ein kaltes Bad im See, eine tiefe Meditation im Licht, das durch die Blätter fällt, dann wird die mentale Arbeit, die man bewältigen muss, plötzlich total einfach. In der Natur sein und der eigenen Natur zuhören, das scheint einen Gleichklang auszulösen.

Wenn Du wieder aufatmen möchtest, nach einer langen Zeit des angehaltenen Atems, dann bewege Dich in einer Landschaft, die Dir gut tut. Du wirst sehen, es gibt magische Plätze die Dich zu Dir zurück bringen und Dir die Last von den Schulter, oder vom Herz, nehmen können.

Glückspilze der nächsten Wochen – Jacqueline, Fleur, Regina – Ihr könnt über die Klippenpfade laufen und das wilde Meer des Atlantiks betrachten. Den Geist weiten, dem Golfstrom im Himmel und um die Insel herum Eure ziehenden Gedanken übergeben. Alte Bäume berühren, um Euch Euren Wurzeln bewusst zu werden: Die Gezeiten im Aussen mit den Gezeiten im Innen in Einklang bringen. Atmen – ausatmen, aufatmen. Es geht nach JERSEY. Auf die kleine Insel im grossen Meer. Die Adler dürfen wieder fliegen.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Luxuriööös

Was ist für Dich Luxus?

Luxus wird oft gleich gesetzt mit Dingen, die man haben kann. Es gibt eine Luxusgüterindustrie, Luxusautos, Pelze, Juwelen, 5 Sterne Hotels, Privatjets, Events der Extraklasse…. es nimmt kein Ende mit der Luxuskonsumation….

Aber was ist Luxus für Dich?

Im Duden steht, dass Luxus vom lateinischen „luxus“ kommt und eigentlich mit „Verschwendung“ übersetzt wird. Es heisst aber auch: „üppige Fruchtbarkeit“. Was mir persönlich sehr viel besser gefällt… üppige Fruchtbarkeit!

Am Wochenende durfte ich mein Geburtstagsgeschenk geniessen. Meine Freundin hatte mich für ein Wellness Weekend eingeladen, nach Österreich, ins Land in dem man das Wort „Gastfreundschaft“ wirklich lebt. Das Hotel war schön, sehr sauber und gepflegt. Vor allem aber waren die Menschen sehr sehr herzlich. Man fühlte sich wie im Schlaraffenland, kein Wunsch blieb unerfüllt. Alles wurde grosszügig zur Verfügung gestellt. Nicht nur Dinge, die man konsumieren konnte, vor Allem war es Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit. Wir haben nicht nur im schönen Wasser gebadet sondern auch in Zuwendung. Das war Luxus pur: Sich aufgehoben und willkommen fühlen. Balsam für die Seele.

Wenn also „üppige Fruchtbarkeit“ bedeutet, dass etwas fruchtbar ist, dann das: den Boden bereiten für Dinge, die wachsen und gedeihen können. Etwas zur Verfügung stellen aus dem etwas Neues, Frisches entstehen kann.

Zeit haben! Ist Zeit Luxus für Dich?

Bedient, umsorgt, gehalten werden – ist das Luxus für Dich?

Freunde haben, die dich einfach verstehen und fühlen, denen Du Dich nicht erst mühsam erklären musst… ist das Luxus für Dich?

Auswählen können – verstehst Du den Luxus dahinter?

Sich langsam und achtsam bewegen können, ist das Luxus für Dich?

Welchen Rahmen, welche Bedingungen des Lebens brauchst Du, um zu gedeihen? Welchen Boden musst Du Dir bereiten oder im Aussen antreffen, damit Du Dich entspannt entfalten kannst?

Weisst Du, dass alleine Atmen, sich bewegen, frisches Wasser trinken, gut schlafen, warm haben, sicher sein – schon Luxus sein kann?

Luxus ist Kultur. Man muss Luxus verstehen, um ihn gewohnheitsmäßig zu praktizieren und im Lebensstil anzuwenden. Heutzutage gibt es zwei verschiedene Arten von Luxus: den selektiven und den massentauglichen. Luxus heisst ja auch: Weit über den üblichen Lebensstandart der meisten hinaus zu gehen.

Wenn man diesen Gedanken verfolgt: Weit über den üblichen Lebensstandart hinaus gehen, dann bekommt Luxus auf einmal eine ganz neue Bedeutung. Denn: Was ist der übliche Lebensstandart? Lebt dieser Lebensstandart auch in Rhythmen von Arbeiten-Freizeit-Alltag-Wochenende? Und in der Normalität von Beziehungen, Wohnformen, Berufswahl?

Was ist dann also Luxus für Dich?

Dass Du den Beruf DEINER WAHL hast?
Deine Leidenschaften ausleben kannst?

Die Beziehungen in deinem Leben Dich zum Wachsen bringen?

Du klares frisches Wasser hast, die Wahl Deines Essens selbst bestimmst?

Dass Du diesen Blog lesen kannst, dass ich diesen Blog jede Woche schreiben kann, das ist auch Luxus. Denn dafür braucht man oder konsumiert man: Inspiration.

Etwas, das in den meisten Leben nicht mehr vorkommt. Etwas, das man oft im Einerlei (des durchschnittlichen) Lebens nicht mehr findet.

Gehe diese Woche doch einmal mit dem Augenmerk auf all den Luxus, der Dich umgibt, den Du geniessen kannst, der Dir gut tut, Dich bereichert, inspiriert, beschenkt, verwöhnt.

Siehst Du?

Willkommen in der Adlerperspektive!

Ach und wenn Du noch mehr davon möchtest, hier die ultimative Empfehlung:

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Weit

Manchmal fällt die Adlerperspektive schwer. Dann ist unser Gesichtsfeld eingeschränkt weil wir zu stark in den Details hängen bleiben. Oder weil uns das Schicksal den Blick senkt. Oder weil plötzlich alles klein, klein, klein ist. Weil wir kleingeistig verharren, wo wir eigentlich weiter gehen sollten. Oder weil wir uns eingeengt fühlen. Oder überwältigt werden von einem Gefühl, einer Emotion. Oder uns freiwillig in einen Käfig gesperrt haben aus selbst gewählten Regeln.

Dann musst Du den Blick heben. Und wenn das gerade nicht geht, dann gehst du eben mit einer Gondel auf einen sehr hohen Berg (oder auf einen Aussichtsturm) und schaust von oben auf die Welt. Manchmal muss man einfach ein bisschen weiter schauen als ins Jetzt.
Das hört sich sehr einfach an und für viele ist es in einer so eingeengten Situation nicht so leicht. Aber es ist die einzige Lösung: Das grosse Bild wieder sehen. Nicht festhalten. Aufmachen. Dich weiten. Dann geht Dein Herz wieder auf. Der Blick hebt sich und Du siehst die Zusammenhänge deutlicher. Oder aber Du kannst dann einen Blick in die fernere Zukunft werfen: Wie wird sich alles entwickeln? Wohin steuert diese Reise? Was könnte passieren? Was könnte sich entfalten? Für was wäre das gut, was gerade ist?

In meinen Adlercoachings auf Jersey gibt es diesen Morgen, am Tag 4. Da stehen wir vor dem Sonnenaufgang auf. Laufen auf eine hohe Klippe, schauen gemeinsam in die Ferne und sehen den ersten Sonnenstrahl. Immer gibt das ein neues Bild. Immer neue Hoffnung. Immer Fort-schritt.

Und – Weite:

Wenn Du wieder klein-klein geworden bist und Du siehst dass alles ganz eng und frustrierend ist, dann ist die Weite das Allerheilmittel. Das soll nicht nur im Urlaub statt finden, sondern wir müssen es in unseren Alltag einbauen.

Das Herz immer wieder weiten. Dann hat alles darin Platz.

In der Adlerperspektive wirst Du sehen, wohin sich die Dinge entwickeln. Du siehst den ganzen Weg dahin. Und wenn Du den Kopf dann in den Nacken legst…



Der Himmel ist weit.

Ich wünsche Dir die Übersicht. Die Weite. Den Blick von oben – oder nach oben.

Nur niemals auf den Boden.

Wenn Dir eine Situation nicht entspricht – dann musst Du weggehen. Du bist kein Baum.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Hilfe!

Letzte Woche bekam ich die traurige Nachricht über den Freitod einer lieben Freundin. So eine Nachricht schockiert immer und es ist ganz schwer, das zu verarbeiten und zu verdauen. Auch wenn wir einige Jahre ins Land haben ziehen lassen, seit wir uns nicht mehr gesehen haben, es war ein riesiger Verlust. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Mein Leben ging schnell weiter, ihres aus dem Stillstand in den Rückwärtsgang. Sie hatte eine lange tragische Geschichte, der sie zu diesem finalen Schritt bewegte. Es konnte kaum bitterer sein. Und noch immer bin ich erschüttert über das, was ihr zugestossen ist.

Ihr Liebster und ich sassen zusammen und redeten und redeten. Und es einte uns eines: Er sagte er hätte doch mehr versuchen sollen. Hätte sie wieder und wieder retten wollen. Ich bedauerte, keinen Kontakt mehr gesucht zu haben, ihr nicht hatte helfen können, weder als Freundin, noch als Coach. Ich beauerte auch, dass sie sich nicht bei mir meldete. Das Qualvolle: Sie sagte, sie sei es nicht (mehr) wert, dass man ihr helfen würde. Sie habe zu viele Fehler gemacht, zu oft den falschen Weg eingeschlagen, wäre zu weit entfernt von dem strahlenden, wundervollen, glücklichen und herrlich wildem Mensch, der sie gewesen ist.

Nicht helfen können, das begegnet uns immer wieder. Und es macht uns traurig und fassungslos und ohnmächtig. Nicht nur bei Suiziden, sondern ganz allgemein, wenn Menschen, die wir lieben, leiden. Oder wenn das Schicksal Menschen beutelt und wir nicht eingreifen können. Diese Ohnmacht, die wir dann empfinden, ist bedeutsam und sie macht uns auch zu Liebenden. Denn: Wir nehmen Anteil. Wir fühlen mit. Wir spüren den Drang, einzugreifen, wollen die Lage der Menschen verbesser, helfen. Letztlich vielleicht sogar ein bisschen die Welt retten. Wir alle haben diesen tiefen Wunsch füreinander da zu sein, uns zur Seite zu stehen. Jeder von uns fühlt das. Wenn wir jung sind, noch ganz stark.

Manchmal stumpft das ab, wenn wir älter werden. Wir verschliessen unser Herz bisweilen. Wie oft hast sicher auch Du schon gehört: Ich kann ja gar nichts tun. Ich kann sowieso nichts ändern. Ich mache da keinen Unterschied. Die Hilflosigkeit ist lähmend geworden und sie schmerzt. Wir sind dem ausgesetzt. Jeder von uns und jederzeit.

Auch in der letzten Woche hatte ich eine zarte, junge Frau in meinem Coaching. Auch sie trägt eine schwere Bürde und versucht tapfer, es zu ertragen. Diesmal geht es nicht um sie selbst, sondern um die Hilflosigkeit einer Angehörigen gegenüber. Sie sagte im Coaching: „Ich kann alles händeln“. Und ich sah dabei ihren Gesichtsausdruck: Der Schmerz war spürbar im Raum.

Nein, wir können nicht alles händeln. Es gibt auch Dinge, die uns auf den Boden zwingen, die uns ohnmächtig fühlen lassen, uns erschüttern und frustrieren.

Im Prinzip ist das einfach zu verstehen: Wenn ein Mensch sich das Leben nimmt, kann das wie eine Zurückweisung erlebt werden. Ein Suizid ist die endgültigste Form, eine Beziehung abzubrechen und sich allen weiteren Verpflichtungen, Verantwortungen und Bedürfnissen zu entziehen. Der Aspekt des Verlassenwerdens und des Alleingelassenseins steht oft im Mittelpunkt des Trauerns nach einem Suizid .

Dem voraus gegangen ist etwas, das ganz schwer wiegt: Wir fragen nicht (mehr) nach Hilfe. Wir wollen stark sein, den anderen nicht belasten, keine Mühe machen. Wir sind darauf getrimmt alles auszuhalten, mit allem alleine umgehen zu können. Auch die Gesellschaft zwingt uns, immerzu perfekt, gut, leistungsfähig und funktional zu sein. Und den anderen wollen wir uns nicht (mehr) anvertrauen, weil wir Angst haben, zu viel zu werden, zu viel Aufmerksamkeit zu verlangen, den anderen zu belasten oder traurig und enttäuscht zu machen.

Und ganz oft ist es ja auch so, dass Menschen uns nicht aushalten, wenn wir lange schwächeln. Wenn wir „nicht mehr hoch kommen“ aus dem Tal der Tränen. Wenn wir nicht mehr die oder der sein können, die wir einmal waren, die die anderen haben wollen. Ich höre in meiner Arbeit auch oft: Ich will ihn/sie so zurück haben, wie er/sie war.

Das Leben ist leider nicht nur Party und Ponyhof. Es findet in Wellen nach unten und oben statt. Für jeden, leidenschaftslos, wir gehen alle auf und ab. Es ist ein Zeichen von Liebe, beieinander zu bleiben, wenn Dinge aussichtslos erscheinen, wenn wir füreinander da sind.

Aber: Es ist auch ein Zeichen von Liebe und Intimität, um Hilfe zu bitten. Die Hand auszustrecken und zu sagen: Hilf mir. Dann geben wir einander die Möglichkeit uns beizustehen und vergrössern die Liebe unbewusst auch. Wer sich schwach zeigen kann ist eigentlich stark. Wer um Hilfe bitten kann, macht sich verwundbar. Wer die Hilfe geben kann ist wirklich in der Liebe.

Brauchst Du Hilfe?

Hast Du den Mut darum zu bitten?

Dann zögere nicht. Öffne die Tür zu Deinem Herz. Und strecke die Hand aus.


Willkommen in der Adlerperspektive.

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Diesen Blog widme ich Alexandra in liebevoller Verbindung und mit viel Traurigkeit, weil Du den Weg nicht mehr gefunden hast.

Und ich verneige mich vor Michele. Ich habe nie einen Menschen gesehen, der mehr geliebt hat.

Filmriss

Kennst Du das auch? Du sitzt im Kino. Du bist ganz und gar in einem Film eingetaucht. So sehr, dass Du die tanzenden Bilder auf der Projektionsfläche anschaust und Dein ganzes Wesen da gefangen ist. Dein Körper reagiert auch auf dieses Lichtspiel. Dein Herz fühlt mit den Protagonisten, dein Herzschlag ist höher, dein Gefühl schwingt mit dem Geschehen. Vielleicht bist Du gespannt wie es weitergeht oder Du fühlst die Gefühle, die dort produziert wurden. Und dann, ganz plötzlich: Reisst der Film. Die Leinwand wird dunkel, die Geschichte ist angehalten.

Jetzt kommt der Moment, an dem Du zurück kehrst in die Re-al-ität. Du schiesst mit Deiner Wahrnehmung zurück in Deinen Körper. Vielleicht realisierst Du, wo und wer Du bist und wer neben Dir sitzt. Du brauchst vielleicht einen Moment, um Dich von der spannenden Imagination zu lösen. Und dann geht auch gleich das Geplapper und die Geräuschkulisse los von Menschen, die im selben Film waren. Jeder im Raum will nur eins: Dass der Film wieder weiter geht und wir wissen, wie es ausgehen wird. Und insgeheim sind wir auch in einen oder mehrere der Darsteller verliebt und das Storyboard ist so verführerisch, dass wir die Geschichte gerne glauben möchten.

Du weisst schon, worauf ich hinaus will?

Wir alle sitzen in so einem Kinosaal und sehen die Projektion eines Filmes. Nur: Wir sind selbst der Regisseur, der Produzent, Kostüm, Kameramann oder -frau, Beleuchter, Requisiteur. Damit kann man ein ganzes Leben verbringen und die projizierte Geschichte für ein Leben halten, das wir uns selbst erschaffen. Mitunter führen die Schauspieler auch ein Eigenleben und die Geschichte geht auf eine Weise weiter, wie wir sie scheinbar nicht ersonnen haben. Am Ende aber wird es ein guter Film. Ein gut inszeniertes Theater.

Es sei denn, es gibt einen Filmriss. Mitten drin. Dann erleben wir das, was das Leben eigentlich ist: Das Lebendige. Denn Du, als Betrachter Deiner eigenen Geschichte: Du bist hier. Du bist wirklich wirklich ganz lebendig. Dein Körper lebt. Deine Atmung, deine Energie ist die ganze Zeit nur angespannt im Betrachten einer Projektion in einem gemütlichen Sessel gesessen, bestens unterhalten von einer Story, auf die nur Du Einfluss hattest. Alles was Du tun musstest:

Den Film anhalten.

Das Leben wieder spüren.

Denn während Du da sitzt und den Film, das Leben, an Dir vorbei ziehen lässt und jede kleine Posse, jede Tragik, jede erfundene Liebesgeschichte für dein Amusement oder Deine emotionalen Abstürze verantwortlich war, hat Dein Leben stattgefunden.

Am Ende? Wirst Du die Filmrolle abgeben beim grossen Chef, beim Verwalter der Geschichten? Der grossen Filmbibliothek? Und dann ist es gut?

In Indien gibt es die Palmblattbibliothek. Der Tradition nach wurden die Palmblattbibliotheken vor vielen Tausenden von Jahren geschrieben, es heisst, dass die Rishis spirituelle Kräfte hatten, sodass sie in der kosmischen Akasha-Chronik lesen konnten. So wurden Tausende, vielleicht Millionen Lebensläufe auf Palmblättern niedergeschrieben. In diesen Bibliotheken sind bestimmte Grundlebensläufe aufgezeichnet, verschiedene karmisch-typische Lebensläufe und die Nadi-Reader (Palmblattleser, Priester) haben eine hellsichtige Fähigkeit, sodass sie aufgrund der Wahrnehmung des Rat Suchenden in Verbindung mit dem Lesen der Palmblätter vieles erkennen können. So kann man in eine dieser Bibliotheken gehen und es wird einem quasi das eigene Leben, inclusive Todesdatum und noch zu erwartende Zukunft vorgelesen. Es funktioniert. Denn: Die Besucher dieser Bibliotheken glauben das, was sie hören.

Der Trick dabei ist, dass jedes Leben vorhersehbar ist, solange der Mensch in seinem eigenen Kino sitzt. Auch die Psychologie ist so aufgebaut: Aufgrund der Grundmuster der eigenen Geschichte weiss man, dass sich die Dinge so oder so entwickeln werden. Man kann die Muster in jedem Handeln wiedererkennen. Die Schauspieler mögen wechseln, aber die Aktionen werden gleich, wenn nicht sogar synchron sein.

Es sei denn:

Ja, es sei denn, Du stellst diesen verdammten Film ab. Freiwillig. Wirst wach. Kommst zurück aus der Illusion in die Gegenwart. Atmest. Spürst das Leben wieder. Distanzierst Dich von der Geschichte, die Du gesehen und erlebt hast. (Du kennst sie, du kennst jede Wendung und den Ausgang, warum weiter betrachten?) Fragst Dich, was Du fühlst. Fragst Dich, was Du willst. TUST es.

Zu jedem Moment wirst Du dann wach sein müssen, Dich nicht mehr von der Geschichte einlullen lassen, in die und in deren Schauspieler Du verliebt bist.

Willst Du nun wach und dein bester Ratgeber sein? Dann musst Du in die Welt. In die unbequeme Re-al-ität des Lebens. Raus aus dem komfortablen Sessel. Hinein in die Selbstverantwortung.

Lebe. Atme. Renne. Tu es.

Da ist es, das wahre Leben.

Du findest es nicht bei Netflix, im TV, in den sozialen Medien, in der Allgegenwart der virtuellen Kommunikation. Nicht in den Illusionen der Filmwelt. Nicht in den Projektionen der schönen bunten Scheinwelt. Nicht und niemals im Worlwideweb. Auch nicht in Deinen eigenen Projektionen. Du bist nicht der Spielball deiner Fantasie. Und noch wichtiger: Auch nicht der Spielball anderer Filmemacher.

Das Leben ist jetzt.

Spürst Du es?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Herzschmerz

„Aua“ dachte ich letzte Woche gleich ein paar mal. Einige meiner Gesprächspartner hatten Liebeskummer. Richtig schlimm. Die Beziehungen waren jeweils zuende gegangen, einer der Partner hatte sich getrennt und neben einem Haufen Scherben auch jemanden zurück gelassen, der die Trennung nicht wollte. Die jeweiligen Coachees sassen vor mir, oft mit Tränen, wussten nicht mehr weiter, hatten scheinbar jede Hoffnung verloren, dass das Leben irgendwann wieder weniger weh tun würde.

Auch ich kenne das, vielleicht kann ich mich deswegen hier gut einfühlen. Vor fast 20 Jahren hatte ich den ultimativen Herzbruch und ging zwei Jahre wöchentlich zur Gesprächstherapie. Ich konnte ihn einfach nicht loslassen und hing fest in den Erinnerungen an „die eine“ grosse Liebe. Als ich einmal, wieder aufgewühlt vom Gespräch, in meinem Cabrio über die wunderschöne Seestrasse zurück fuhr und mir die Sonne den Kopf wärmte, der Wind durch die Haare strich und diese Welt einfach so verdammt schön war, musste ich auf die Seite fahren. Ich hatte so Herzschmerzen, dass ich dachte, ich bekäme einen Herzinfarkt. Ich wartete also auf mein seeliges Ende. Und es passierte – nichts. Der Schmerz ging vorüber. Ich hämmerte auf meine Brust und schrie: „Du scheiss Herz! Wie kannst Du einfach weitermachen, jetzt wo diese Liebe vorbei ist! Wo mein Leben vorbei ist!“… an Theatralik war das fast nicht zu überbieten.

Eine Woche später erzählte ich es meiner Therapeutin. Sie knallte mir einen Satz hin, der mich bis heute begleitet: „Ein Herz wird so lange gebrochen, bis es sich öffnet.“ Natürlich meinte sie damit das Öffnen für das Leben und nicht mehr das Leben mit diesem einen Mann! Ob ich das verstanden habe? Damals nicht.

Liebeskummer ist in fast allen Fällen ein toxischer Gefühlscocktail. Studien haben ergeben, dass im Gehirn biochemische Prozesse auslöst werden, die einem Drogenentzug oder einer körperlichen Verletzung gleichen. Im Extremfall können sogar Herzbeschwerden auftreten, so etwa das «Broken-Heart-Syndrom», eine ernsthafte Herzmuskelerkrankung.

All das wird auch, vielleicht sogar vor allem, von unseren Gedanken begünstigt. Wir glauben dass das „die eine“ Liebe war, die gerade zuende geht und meinen, so würden wir niemals mehr vertrauen oder lieben können.

Die gute Nachricht: Auch das ist nur ein Gedanke.

Denn nach einer Weile wirst Du wieder lieben, wirst Du das Herz wieder öffnen können. Auch für einen neuen Partner, eine neue Partnerin.

Aber vorerst: Das Leben umarmen. Die Sonne, den Wind, das Schöne, die Freiheiten, das Leben wieder spüren und wertschätzen. Unser Leben hängt nicht von dem einen Partner ab: Es hängt davon ab, dass unser Herz schlägt. Und das tut es. Jeden Moment unseres Lebens. Bis es vorbei ist. Was Du damit machst ist absolut Deine Angelegenheit. Du bist derjenige, der bestimmt, wohin die Reise geht. Du kannst Dein Leben im Licht oder im Schatten leben. Du kannst den Kopf heben und die Sonne sehen oder zuhause in deine Kissen weinen.

Es ist nicht leicht, das Ende einer Beziehung zu überwinden. Egal, wie lange eine Beziehung gedauert hat: Wenn eine gemeinsame Geschichte endet, verschwindet der Trennungsschmerz nicht einfach von heute auf morgen. Zunächst einmal musst Du den Schock der Trennung verkraften, der zunächst vollkommen unüberwindbar scheint. Dies ist jedoch nur der erste Schritt in Richtung Neuanfang.

Vielleicht hilft hier eine kleine Erklärung aus der Psychologie. Es gibt vier Phasen bei einer Trennung

Erste Phase der Trennung: Schock

Egal, wie gut man sich auf ein Ereignis vorbereitet hat, wenn es Realität wird, kann es dennoch überwältigend sein. Viele Paare sind sich ihrer Probleme bewusst, erkennen, dass es nicht gut läuft und dass es ständig Streit gibt. Vielleicht denkt einer der Partner sogar ab und zu über eine Trennung nach oder das Paar hat sich bereits kurzzeitig getrennt. Wenn die Trennung jedoch endgültig beschlossen wird, kann dies dennoch für beide Partner nur schwer greifbar sein.

Der Schock ist deshalb so gross, weil eine Trennung vom Partner oder der Partnerin gleichzeitig auch die Aufgabe gemeinsamer Rituale, den möglichen Verlust des gemeinsamen Freundeskreises und das Ende der gemeinsamen Träume und Pläne bedeutet. Deshalb ist es nur natürlich, dass man sich als erste Reaktion weigert, diese neue Realität zu akzeptieren und von der Hoffnung überwältigt wird, einfach möglichst schnell wieder zusammenzukommen.

Zweite Phase der Trennung: Wut und Traurigkeit

Nach einer mehr oder weniger langen Zeit endet die erste Phase des Schocks und macht einer zweiten Phase Platz, in der die Betroffenen die Realität der Trennung akzeptieren. Es geht nicht mehr darum, die eigene Situation zu leugnen oder sich in die Hoffnung auf eine Versöhnung zu flüchten. Die Liebesbeziehung ist nun beendet und es beginnt die Zeit der Trauer.

Die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben hat sich zerschlagen, was ganz natürlich zu Gefühlen von Wut und Traurigkeit führt. Bei vielen Menschen rufen Trennungen eine Angst aus der Kindheit vor dem Verlassenwerden wieder hervor, was wiederum eine grosse Traurigkeit verursacht. In dieser Phase können ausserdem alte Wunden, die während der Beziehung entstanden sind, wieder an die Oberfläche treiben, was zu Wut führt. Eine Wut, die sich sowohl auf die eigene Person („Wie konnte ich das nur all die Jahre akzeptieren?“) als auch auf den Ex-Partner oder die Ex-Partnerin („Wie konnte er/sie mir das antun?“) richten kann. In dieser zweiten Phase der Trennung sind Wut und Traurigkeit in der Regel untrennbar miteinander verbunden.

Dritte Phase der Trennung: Reflexion und Neuorientierung

Mit der Zeit können Wut und Traurigkeit immer noch vorhanden sein, doch kommen und gehen diese Gefühle in immer grösseren Abständen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Du Dich jetzt auf dem Weg der Besserung befindest und in der dritten Stufe der Trennung bist.

Jetzt, wo Du Dich beruhigt hast, ist es an der Zeit, sich zu fragen, warum die Beziehung gescheitert ist, was Du daraus lernen kannst und was Du jetzt für Dich selbst willst. Es ist eine Zeit der Selbstreflexion und Neuorientierung, die Dir helfen wird, an den Fehlern der Vergangenheit zu wachsen. Gleichzeitig beginnst Du allmählich, wieder Freude zu empfinden und das Leben zu geniessen.

Vierte Stufe der Trennung: Neuanfang

Wie lange es auch immer dauern mag, ist dennoch sicher, dass Du irgendwann die vierte und letzte Stufe der Trennung, den Neuanfang, erreichen wirst. Du hast Deine Beziehung nun hinter Dir gelassen und bist bereit für den Aufbruch. 

Der Trennungsschmerz ist vorbei und Du kannst nun ein neues Leben beginnen. Du weisst besser als zuvor, wer Du bist und was Du vom Leben und von Beziehungen willst. Nutze die Erfahrungen der Vergangenheit, um diesen Neuanfang zu einem Erfolg zu machen. 

Die vier Phasen zu kennen hilft auch deswegen, weil wir wissen, dass das Leben nach vorne und gerade aus geht und dass es sich wandeln und entwickeln wird. Nichts bleibt für ewig, nicht einmal der Schmerz.

In den letzten Jahren habe ich mit einigen Coachees diese vier Phasen durchgestanden. Auch mit lieben Menschen, die mir ihren Schmerz anvertrauen konnten. Ich sage es ehrlich: Es ist eine verdammt harte Arbeit, das hinter sich zu lassen. Es muss erlitten, ausgehalten werden.

Aber irgendwann fingen alle wieder an zu blühen. Dann war das gebrochene Herz eben nur noch offen und nicht mehr verwundet: Offen für das Schöne, das wertvolle Leben, die Freude, die Lust und – eine neue Liebe.

Das Leben ist und bleibt schön.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesmal aktuell mit ganz viel Mut und Liebe für Nina, Leonie, Aleks. Und für die Überlebenskünstlerinnen für Meryem, Kati, Cindy, Heidrun, Veronika, Daniela. Und auch ein bisschen für mein vergangenes Ich in 2003.