Gut genug

Letzte Woche ist mir wieder mal ein besonders dramatisches Exemplar von

„Ich bin nicht gut genug“ begegnet. Dramatisch deswegen, weil es mich jedes Mal wieder erschüttert. Eine Frau in den besten Jahren, attraktiv, sehr klug und erfolgreich, eloquent und geschmeidig und ein gutes Herz. Und dann kam im Gespräch postwendend wieder die Selbstanklage.

Warum?

Warum leiden so viele an einem gestörten Selbstwertgefühl?

Nun, zum einen, weil wir so erzogen werden. Nicht unbedingt von den Eltern, sondern auch von der Gesellschaft, in der Schule, im kleinen familiären aber auch im freundschaftlichen Umfeld. Wir schauen auf Mängel und Fehler statt auf Geschenke des Lebens. Zum anderen, weil wir uns vergleichen und bewerten mit der Leistung und dem Haben der anderen.

Dabei wäre es so leicht: Wir müssten einfach beginnen uns zu loben wenn wir etwas Tolles sehen oder mit dem anderen erlebt haben. Uns anzuerkennen, die Schönheit zu sehen. Sich gegenseitig in den Stärken zu stützen und uns anzufeuern, wenn wir in der Talsohle sind – und uns genau dann ! an unsere besten Gaben erinnern müssen.

Jeder und jede von uns hat Schönheit und Talente. Jeder und jede hat etwas, das sie ganz besonders gut kann. Und damit meine ich keinesfalls Dienstleistungen, die uns einen Wert für die Welt bringen. Wir sind nicht nur gut, wenn wir viel und hart und effizient und erfolgreich arbeiten. Wir sind gut weil wir gut sind.

Ich leite Menschen dann im Coaching gerne an, einmal aufzuschreiben welche wunderbaren Eigenschaften sie haben, was sie gut können (zum Beispiel sich einfühlen, lachen, andere mitreissen, sich begeistern, geniessen, Ruhe geben, Dankbarkeit ausdrücken, aufmerksam sein, Streit schlichten, den Überblick behalten, Geduld zeigen, eine Beziehung aufrecht erhalten)

Menschliche Qualitäten sind von unfassbarem Wert. Das macht einen Menschen wertvoll.

Für Leistung wird uns in nicht all zu fernen Zukunft die künstliche Intelligenz eine Assistenz anbieten. Sehr bald wird es nicht mehr um Leistung gehen. Sehr bald wird es auch nicht mehr um schneller, weiter, höher gehen. Wir werden die menschlichen Seiten brauchen. Die Berührbarkeit, das Mitgefühl, das Miteinander, das Menschliche, die liebevolle und wertschätzende Kommunikation.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich sehen kannst in deiner wertvollen Essenz. Wie schön Du bist. Wie gut Du bist. Wie lebensfroh und hoffnungsvoll und dankbar und gescheit Du bist.

Das L e b e n d i g e in Dir ist es, was Dich ausmacht.

Und: Du kannst doch alles! Alles! Du kannst Dich am Tag freuen. Du kannst Deinen Liebsten sagen wie gern Du sie hast. Du kannst Eure Begegnung bereichern. Du kannst Mut zusprechen. Du kannst inspirieren. Du kannst anderen ein Vorbild sein. Du kannst begeistern. Du kannst weiterhelfen. Du kannst das Leben feiern. Du kannst Dich an Deinem Körper und an dem Deines Liebsten freuen. Du kannst umarmen. Du kannst die Hand reichen. Du kannst dafür sorgen dass Dein Leben einen Sinn macht. Du kannst Deine Sinne geniessen – hören, schmecken, tasten, sehen, riechen. Du kannst anderen Genuss aufzeigen. Du kannst die Aufregung des Lebendigseins auskosten.

Spürst Du das? Wie das Lebendige in Dir zirkuliert?

DA IST DEIN WERT.

Es geht um nichts anderes als Lebendigkeit.

Ich will das nicht mehr hören, dieses „Ich bin nicht gut genug“.

Du bist hier. Du bist am Leben.

Du bist das Leben!

Mach etwas daraus. Lebe! Geniesse! Feire das Leben! Spüre wie sie zirkuliert, diese unglaublich elektrische Energie in Dir!

Wenn Du das kannst: Das Leben spüren! … dann gibt es gar kein gut oder nicht gut.

Es gibt nur noch das Leben. Es steht Dir immer, 24/7 zur Verfügung. Du vergisst es nur hin und wieder.

Du bist gut!

Du lebst!

Du bist hier!

Feire Dich!

Halleluja!

Was denn auch sonst!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Bist Du Dir treu?

Letzte Woche durfte ich diese Frage gleich zweimal stellen. Und beide Coachees hatten eine spannende Antwort darauf.

Bist Du Dir treu?

Was heisst das?

Nun zu allererst: Deinen Werten. Deinen Wünschen und Bedürfnissen.

Schaust Du gut zu Dir? Nimmst Du Deine Limits ernst? Lässt Du Deinem Herz Raum?

Achtest Du auf Deine Ruhephasen?

Oder dienst Du? Machst Du gute Miene zum bösen Spiel?

Verbiegst Du Dich?

Oder stehst Du zu dem, an was Du glaubst und entscheidest aus Deinem eigenen Blick auf die Welt?

Und wie echt ist Dein berufliches Engagement? Geht das mit Deinen Werten d’accord?

Sich treu sein ist sehr anstrengend. Wir werden ständig mit Manipulation und anderen Meinungen konfrontiert. Immer meint jemand, es besser zu wissen. Immer gibt es Menschen, die das ein oder andere versuchen, um damit zu erreichen, dass Du etwas tust was sie für richtig halten (oder eben es zu lassen). Konventionelles und dogmatisches Verhalten zwingt uns bisweilen in innere und äussere Käfige. Da ist es wichtig, wieder bei sich anzukommen, zu spüren was jetzt richtig wäre.

Was heisst das: Dir treu sein?

Zu allererst: Was ist Dir wichtig?

Welches Ideal möchtest Du niemals verraten?

Was hältst Du für wesentlich?

Und auch: Was bist Du bereit zu tun, wenn Du Dir selbst untreu wirst?

Wir sprechen über Treue ganz oft im partnerschaftlichen Kontext. Da wird gerne diskutiert und es gibt wenig Toleranzbereiche. Treue ist ein Wert, der gerne totalitär und radikal beurteilt wird.

Sich selbst treu sein – das ist ein ganz anderer Ansatz.

Damit verbindet man Ehrlichkeit, Loyalität, Respekt, Authentizität und Selbstbewusstsein.

Der Wunsch nach Ehrlichkeit, Selbstbewusstsein und Authentizität kommt nicht von ungefähr. In vielen Lebensbereichen müssen wir uns verstellen. Wir stimmen Bekannten zu, um Harmonie zu bewahren, obwohl wir ihre Ansichten nicht in jeder Hinsicht teilen. Wir müssen uns im Job behaupten, manchmal auch gegen Menschen und Kollegen, die uns nicht wohl gesonnen sind. Für alle diese Situationen legen wir uns einen Panzer zu, mit dem wir unsere wahren Gefühle verbergen und eine Rolle spielen.

Wie anstrengend!

Sich selbst treu sein beweist auf wunderbar entspannende Weise, dass wir uns bei uns selbst wohl fühlen, dass wir in der Eigenverantwortung sind für unsere Entscheidungen, unsere Art das Leben zu leben.

In der letzten Woche hatte ich diese beiden Frauen im Coachinggespräch, die sich beide treu waren. Die Diskussionen darüber, was das nun genau heisst, brachte mich in eine Recherche über Lebensentwürfe, die radikal authentisch und individuell sind.

Ich habe zwei kleine Filme gefunden über Menschen, die sich und ihrer Sicht auf die Welt treu sind und sich ein Leben erschaffen haben, dass sich richtig für sie anfühlt. Vielleicht inspiriert es Dich, einmal darüber nachzudenken, wie treu Du Dir und Deinen Werten, Deiner Wahrheit bist.

und

Tust Du das was genau Du möchtest?

Bist Du im Leben Deiner Wahl?

Magst Du Dich, wenn Du in Deine Augen schaust?

Und ist Dir die Treue für Dich etwas wert?

Wärst Du bereit etwas loszulassen, wenn es für Dein Herz und Deine Überzeugung nicht (mehr) stimmig ist?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Der Sprung

Letzte Woche hatte ich das grosse Vergnügen eine ehemalige Coachee, 10 Jahre nach ihrem Coaching, wieder zu sehen. Ich konnte mich gut an sie erinnern. Damals war sie ein Rastamädchen, sehr wild, sehr bunt, herrlich eigensinnig. Und ich erinnerte mich auch daran, wie sie damals sagte: „Bitte hilf mir doch, ein bisschen ordentlicher zu werden im Kopf und im Leben“.

Sie wollte „ihr Leben auf die Reihe bekommen“. Ich hatte damals eine Burnout Praxis und zeigte gerne Zusammenhänge anhand von Spielsachen auf. Eins davon war „die liegende Acht“. Ein Geduldsspiel, bei dem Glaskugeln langsam über Schienen bewegt werden müssen und das Konzentration und Ruhe verlangte. Ich setzte die Kugeln also in eine Reihe auf die Schiene. Und zeigte ihr, wie die Kugeln alle in einer Reihe schön brav und langweilig hintereinander laufen, niemals aus der Reihe tanzten, immer den selben Weg verfolgten. Ob sie das wollte?

Das Rastamädchen wollte genau das nicht. Wir mussten lachen. Wir lachten ohnehin viel in diesem Coaching. Und es war immer eine Befreiung. Sie musste diese Leben nicht auf die Reihe kriegen. Denn: Sie wollte nie, wirklich nie, in dieser Reihe sein. Das Coaching führte uns in herrliche Momente, in Höhenflüge und schliesslich in ihre eigene Freiheit: Zu sein wie sie eben war und sich damit eben selbst genau so anzunehmen. Ohne jede Anbindung oder Fessel an das, was für sie nicht lebens- und liebenswert ist.

Das Wilde ist nicht das Gegenteil von kultiviert. Das Wilde ist das Gegenteil von gefesselt!

Diesen Satz kann sich diese herrlich wilde Frau fortan unter die Haut tätowieren lassen. Denn sie wagt es. Das Ausbrechen aus den Strukturen und Zurücklassen der Monotonie und Langeweile. Sie wagt es, das zu leben was sie liebt. Sie wagt es, die zu sein, die sie ist.

Über die Jahre habe ich immer wieder einmal wieder einen Blick auf sie geworfen oder von ihr gehört, letzte Woche aber hatte ich die Freude, sie etwas länger zu erleben. Die Rastas sind verschwunden aber ihre Haare sind immer noch lockig wild und sie ist vielleicht ein ganz klein wenig aufgeräumter. Aber ihr Geist sprang noch immer hierhin und dahin, wirbelte, schlug Kapriolen und ich konnte ihre Lebendigkeit geniessen, ihren scharfen und kritischen Verstand aber auch ihre Tiefe. Und jetzt wagt sie den totalen Sprung aus der Schiene. In den letzten Jahren hat sie den Spagat noch gemacht: Von der Struktur, die sie in ihrem verantwortungsvollen Job braucht, in die Eigen-sinnigkeit ihres Lebens hin und her. Das System, in dem sie arbeitet, ist ihr immer noch verhasst. Sie sieht es kritisch, wie sich alles entwickelt. Und sie will endlich, endlich! nicht mehr mitspielen.

Wir sprachen darüber, dass das Leben hier und jetzt und mit all dem, was der Alltag ihr abverlangt, eine verdammt schlechte Alternative zu dem ist, was sie schon immer will: Die Sinnlichkeit. Die Einfachheit. Die Weite. Das Fremde. Das Eigenartige. Und jetzt ist sie soweit: Sie setzt alles auf diese eine Karte. Und springt hinein. Ohne doppelten Boden. Ohne Sicherheitsnetz. Ohne vermeintliche Sicherheit. Ohne Vorsicht und Rücksicht. Ohne Konventionen. Ohne Angst. Und schliesslich auch: In ihr ganz und gar eigenes Leben.

Ein grosser Sprung.

Diesen Sprung schafft nicht jeder. Meistens hapert es schon an einem allerersten Schritt, denn das Loslassen der Sicherheiten schmerzt. So wie damals als wir das erste Mal eine helfende Hand losliessen bei den ersten Schritten. Oder das Fahrrad ohne Stützräder fuhren. Oder uns in ein Abenteuer wagten. Wind in den Segeln hatten und plötzlich Angst vor der Kraft, die sich da entfaltete.

Wir alle könnten in aller Konsequenz frei sein.

Welche Fesseln halten Dich?

Welche Sicherheit besticht dein wildes Herz?


Wo hast Du Deine Freiheit verkauft?

Willst Du das noch?

Wo findest Du jetzt den Mut für Deinen eigenen Weg?

Brennt es noch, Dein Feuer?

Leitet Deine innere Sehnsucht Deine Schritte?

Was willst Du wirklich, wirklich und wirklich?

Kannst Du den allerersten Schritt machen?

Was brauchst Du, damit Du Dein eigenes Leben lebst?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Für Tabea. Ich bewundere Deinen Mut und deine ungebremste Lust auf Dein Leben. Flieg hoch!

Ich will leben!

Sie war eine quirlige, kleine, runde Frau, wenn sie lachte, dann bebte der ganze Körper. Und sie lachte oft. Ich sagte einmal zu ihr: „Wenn Du keine Ohren hättest, dann würdest Du rund um den Kopf lachen“. Jolanda war herrlich, sie hat das Leben gefeiert, sie hat sich Frechheiten und Freiheiten erlaubt. In unserem ersten Gespräch vor etwa 15 Jahren legte sie gleich die Karten auf den Tisch: Sie hatte einige Kapriolen gemacht in ihrem Leben. Und dann, am Analysetag, da sagte sie 10 oder 15 Mal: Ich will leben. Oder: Ich will doch nur leben. Oder: Ich Ich will endlich leben.

Ich musste da eingreifen. Sagte: Du lebst doch schon! Das hat doch nichts mit Wollen zu tun! Du lebst! Ich denke, ich wurde fast ein bisschen wütend, weil sie dieses Leben so gar nicht wahrnahm.

Aber ihre grossen Augen gingen weit auf und dann lachten wir: JA! Sie war am Leben.

Es ist ein Phänomen, das so viele Menschen immer davon sprechen, leben, endlich leben – oder etwas er-leben zu wollen. Und es verschieben. Dann, wenn sie endlich mal dafür Zeit haben. Dann, wenn die Pflichten und Verantwortlichkeiten und Zwangsjäckchen kleiner geworden sind. Dann, wenn man abgearbeitet hat, was vorher noch zu erledigen wäre.

Spürst Du das Leben in Dir?

Nimmst Du wahr, dass Du am Leben bist?

Niemand kann das besser erklären als Eckart Tolle (immer und immer wieder erwähne ich gerne sein Buch: JETZT. Die Kraft der Gegenwart). Er stellt eine mini Übung zur Verfügung:

Setz Dich entspannt in einen Stuhl, lass Deine Arme locker über die Lehnen hängen. Schliesse die Augen. Ohne zu bewegen, ohne hinzuschauen: Bist Du sicher dass Du eine rechte Hand hast?

Spüre.

Wenn Du das Kribbeln, die pulsierende Energie in Deiner Hand spürst, dann lebst Du.

Niemand anders -niemand anders!- kann das spüren. Dass Du am Leben bist.

Siehst Du die Freiheit in dieser Tatsache?

Du lebst!

Machst Du etwas daraus?

Geniesst Du es auch ordentlich?

Nutzt Du dieses Geschenk?

Er-lebst Du genug?

Lebst Du aus dem Vollen Deiner Empfindungen? Umarmst Du das Leben? Gehst Du Deinen Chancen nach? Folgst Du Deinem Herzen, deinen Impulsen?

Was hält das Leben (noch) für Dich in den Händen? Willst Du es?

In der vergangenen Woche hatte ich nicht nur mit meiner Erinnerung an Jolanda zu tun. Ich traf auch Menschen, junge Menschen, die am Leben leiden. Die wegen einer vergangenen Liebe, wegen gescheiterten Plänen und wegen Unpässlichkeiten in einer Sackgasse stecken. Natürlich gibt es immer einen Weg zurück ins Leben, in den Fluss, wenn wir irgendwo an einer Wand stehen und keinen Ausweg mehr sehen. Meistens, in fast allen Fällen, müssen wir uns nur umdrehen und gut hinsehen:

Was will das Leben jetzt von Dir?

Nun, vor allem eins: Dass Du es lebst. Dass Du es erkennst. Dass Du es feierst, solange Du es (noch) hast. Keinen Tag Deines kostbarsten Guts vergeuden. Nutze den Tag, nutze das was ist, nutze deine Sinne, deine Energie, deine Lust und deine Freude an dem, was sich jeden Tag von Neuem anbietet.

Jolanda ist letzte Woche, knapp 64, plötzlich zusammen gesackt und war tot. Ohne Ankündigung und ohne Vorgeschichte war das Leben plötzlich ausgepustet wie eine Kerze. Ich hoffe, sie hat es jeden Tag genossen, dieses Geschenk Leben.

Lebst Du schon – oder willst Du Leben?


Willkommen in der Adlerperspektive.

Pflicht und Kür

In der vergangenen Woche sprach ich mit einer wunderbaren Frau, die unter der Last vieler vieler Pflichten zu ersticken droht. Es ist kein ungewöhnlicher Lebenslauf, sie muss Kind und Job, Sorge um und für die Eltern und das Zuhause Management unter einen Hut bringen. Ohne Begleitung durch einen Lebenspartner.

Sie wünschte sich, im Coaching eine Balance zu finden. Aber: Man kann nur ausbalancieren, wenn es verschiedene Kräfte gibt. Ihre Waage aber pendelte nur in eine Richtung – zu der Last, der Schwere der Pflichten. Die Liste ihrer To-Do’s war so lange, dass sie gar nicht mehr weiss, was ihr noch Spass machen könnte, danach stellte sich die Frage schon gar nicht. Als ich sie so ansah vermisste ich das Lebendige, das Glitzern in ihren Augen.

Wir haben alle sehr sehr viel Last in unserem Leben. Das Meiste davon ist selbst gewählt. Da erinnere ich mich an eine Dame mit mehreren Wohnsitzen die hin und her pendeln musste um die Häuser zu beleben, zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie alle gut gepflegt wurden. Oder einen Klienten, der Stunden damit verbrachte, seinen Fuhrpark instand zu halten. Oder einige Freunde, die ihren vielen Tieren gerecht werden wollten. Zusätzlich zu Job und Familie, Freundeseinladungen und gesellschaftlichen Verpflichtungen. Und dann gibt es Menschen, die ihr Zuhause niemals verlassen ohne dass alles tiptop organisiert und aufgeräumt ist. Und die akribische Planung von Ausflügen und Reisen zu einer detailgerechten mathematischen Aufgabe machen.

Wie viel Pflicht – und wieviel Kür

gibt es in Deinem Leben?

Der Begriff Pflicht und Kür kommt aus dem Eiskunstlauf. Da verlangt die Regie eines Turniers, zuerst ein Pflichtprogramm aus verschiedenen Techniken und Sprüngen zu zeigen und danach darf der Eistänzer eine Choreographie seiner Wahl zeigen.

Wir alle haben diese beiden Elemente in unserem Alltag. Es muss sehr viel erledigt werden, bevor wir uns mit Freizeit und Spass belohnen dürfen. So geht es uns auch jedes Jahr mit dem Urlaub. In der Regel arbeiten wir bis zum letzten Moment so viel wie möglich, um dann im Urlaub endlich einmal nur das zu tun, was unser Herz sich wünscht. Dann brauchen wir zunächst einmal Erholung vom Stress, bis dann das Kernstück der Ferien kommt: Dem Herzen folgen. Ganz egal ob es dann „dolce far niente“ oder etwas Sportliches und Kulturelles wird.

Das ist keine Balance, das ist ein gegensätzliches Spielen mit Elementen.

Und wie einfach wäre, wenn wir ein bisschen mehr loslassen könnten bei den Pflichten, wenn wir nicht ganz so perfektionistisch und streng mit uns wären.

Es gibt eine Strömung, die schon früh von verschiedenen Branchen entdeckt wurde und die viel Freies ermöglicht: Die Kunst des Weglassens.

Der Bauhaus Stil in der Architektur kam ohne Schnickschnack aus. Später wurde das Essentielle in vielen Varianten aufgegriffen. Hemingway schrieb schon auf das Nötigste reduziert. Er sagte: Lass weg, was ohnehin klar ist. Auch Steve Jobs hat seine Appleprodukte immer mehr vereinfacht, reduziert und dem Benutzer ein gewisses Mass an eigenem Kombinieren zugemutet.

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann“. Dieser von Antoine de Saint-Exupéry formulierte Maßstab offenbart ein gewisses Veredelungspotential.

In einer komplexen Welt ist es absolut lebensverbessernd, Dinge weg zu lassen und „nur noch“ das Wichtigste zu tun.

Wie sehr kannst Du noch reduzieren?

Was könntest Du weglassen?
Was könntest Du loslassen?

Spürst Du, wie schon alleine der Gedanke daran, etwas loszulassen, das zu viel Pflicht von Dir verlangt, Dich leicht und frei macht?

Und wirst Du das Dir zuliebe tun?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Fremd vertraut

Kennst Du das auch?

Du bist in einer fremden Stadt, gehst durch Strassen und an Orte, die Du noch nie gesehen hast und fühlst Dich, als würdest Du irgendwie da hingehören. Oder es kommt Dir wenigstens auf eine seltsame Art heimisch vor.

Obwohl es nicht Deine Sprache oder Kultur ist, meinst Du: Da könnte ich auch irgendwie hin gehören.

Letzte Woche war ich das erste Mal in Reims, im Norden Frankreichs. Ich hatte nicht erwartet, dass es mich speziell ansprechen würde, weil ich gerade von meiner geliebten Insel kam und zudem eine Nacht in der wunderschönen Stadt St.Malo verbracht hatte. Am Abend, nach einer sehr langen Reise, lief ich noch ein bisschen durch Reims, um die Beine zu strecken.

Irgendwann kam ich auf eine „Rue Corteau“, stand plötzlich vor einem Haus. Ich schaute nach oben und dachte: da wohne ich auch.

Diese Erkenntnis traf mich im Bauch und Herz, weil mein Kopf selbstverständlich sofort protestierte. Warum sollte ich mir unbedingt Reims aussuchen? Die Stadt war nicht annähernd so bezaubernd wie St.Malo, auch nicht so geschichtsträchtig und pompös wie Paris oder Orleans.

Ich lief ein Stück weiter und setzte mich an einen Tisch auf einen Platz, der total voll war. Menschen sassen da und assen und tranken, alle waren fröhlich und glücklich, es gab Livemusik und Gelächter, es war ein wunderschöner Sommerabend. Schliesslich gelangte ich in einen Park, in den ein nahes Bistro seine Tischchen getragen hatte. Ein Mann sass alleine an einem Tisch und für einen Moment dachte ich, er wartet darauf, dass ich zum Essen komme.

Ich musste mich schütteln, um wieder in meine Realität zurück zu kommen. Auf dem Weg zurück zu meinem Hotel musste ich mir aufsagen wer ich bin, wo ich bin und warum ich gerade in Reims bin und wohin ich fahre.

Manchmal sind wir in Zwischenwelten unterwegs. Das Fremde wird vertraut, das Vertraute wird fremd. Wenn wir von einer langen Reise zurück kehren sehen wir unser Zuhause mit anderen Augen an. Wir müssen wieder hineinfühlen in das Leben, das wir eigentlich führen und uns lösen von dem Ort, an dem wir eben genauso ein gewohntes Leben geführt haben.

Geht es Dir auch so, wenn Du von Deinen Ferien zurück kommst?

Könntest Du auch problemlos da leben, wo Du dann bist?

Und: Warum tust Du es nicht?

Hast Du Sehnsucht nach einem anderen Leben?

Könntest Du Dir vorstellen, noch mal jemand anderes zu sein?

Du kannst das auch schriftlich tun. Es ist eine schöne Übung aus dem Buch: „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Da schlägt sie vor, man solle an einen Ort aus seinem Leben zurück gehen. Die Abzweigung diesmal nach rechts nehmen statt nach links. Losgehen in das dann anders Entschiedene. Was wäre gewesen wenn du das und das entschieden und getan hättest? Wo würdest Du leben? Mit wem? Von was? Wer wären Deine Freunde? Wie würdest Du Deine Abende, Wochenenden, Ferien verbringen?

Ich bin in Gedanken spazieren gegangen an dem Abend auf diesem schönen Platz in der Mitte von Reims. Habe mir Menschen angeschaut, die meine Freunde wären, ich sässe in deren Mitte, wir sprechen über Mode und unsere Arbeit. Sah ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater (mein Sohn?) alberte. Hörte die französischen Chansons und sang mit. Später musste ich mich verabschieden, weil im Park mein Verleger zum Abendessen wartete. Wir mussten noch über die Roadtour sprechen, bei der ich mein neustes Buch in den Buchläden des Landes vorstellen und aus ihm lesen sollte. Es war ein vergnügter Abend und als ich später in die Mansarde meines Zuhauses in der Rue Corteau 21 stieg, maunzte mein Kater schon von weitem, weil er unbedingt noch einen nächtlichen Snack brauchte.

Real – stand ich auf und schlenderte den Weg ins Hotel zurück, wo ich mein momentanes Leben wieder traf, kaum französisch sprach und sehr sehr allergisch gegen Katzen bin. Ich mag dieses Leben auch ganz besonders gern.

Aber – was wäre wenn?

Andre Heller hat mir einmal ein Buch signiert. Er schrieb: Für Wiebke Maren. „Die wahren Abenteuer sind alle im Kopf“.

Wo genau warst, bist und wirst du zuhause sein?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ein neuer Tag

Wann hast du das letzte Mal einen Sonnenaufgang erlebt?
Was hast du dabei gefühlt?

Tust du das nur in den Ferien oder weisst Du auch sonst, während deines Alltags, was da jeden Tag aufs Neue passiert?

Hier auf Jersey ist das ein Schlüsselmoment. Am Tag nach der harten Arbeit stehen wir eine halbe Stunde vor dem Sonnenaufgang auf, fahren mit dem Auto in den Osten der Insel, setzen uns dort auf eine Klippe und beobachten, wie sich der Feuerball an den Himmel hebt. Während der Phase, in der die Sonne die Wolken durchdringt und erscheint, schreien die Möwen besonders laut. Auch die anderen Vögel stimmen in eine Art Motivationsgeschrei ein. Dann dringt der erste Strahl durch und das Glitzern auf dem Meer beginnt. Plötzlich ist Stille. Die Vögel scheinen andächtig lauschend auf ihren Bäumen und Felsen zu sitzen und den Moment zu umarmen. Das neue Leben, der neue Tag beginnt.

Unmittelbar danach segeln sie los und fliegen über die Bucht.

Auch für meinen Coachee ist das jeweils ein Zeichen, dass nun eine neue Zeit beginnt. Ein Neuanfang, ein Start in ein Leben mit einem neuen frischen und leichten Beginn.

Ohne dass ich sie dazu ermutigen muss, schreien sie aus Freude in die Weite des Ozeans. Und dann stehen sie da, strecken die Arme in den Himmel. Stolz auf sich wegen der geleisteten Arbeit, der tiefen Erkenntnisse, der befreienden Leichtigkeit, die sich einstellt, wenn man sich seine mentalen Programme neu geputzt hat und viel gedanklichen Müll entsorgt hat.

Ich trete zurück. Ich schaue auf den Mensch, der da steht. Ich bin glücklich.

Nicht stolz, weil ich der Begleiter des neuen Adlers war, bis er ausgeflogen ist. Sondern unendlich dankbar, dass der Coachee sich so tief auf sich einlassen konnte, dass er zurück gefunden hat in sein Herz. Auch über das Vertrauen, das er mir geschenkt hat. Ich bin glücklich, diese Insel entdeckt zu haben, die ein Coaching so leicht macht, weil sie mit Ihrer Schönheit und Weite und ihrem stetigen Wind, ihren schwindelnd hohen Klippen und der wunderschönen üppigen Vegetation eine Umgebung schenkt, die es dem Coachee leicht macht, sich zu ent-falten.

Der Sonnenaufgang findet jeden Tag statt. Meistens, auch ich, verschlafen wir ihn. Und dabei hat er doch so eine überwältigende Botschaft: Ein neuer Tag beginnt. Noch ein Tag, noch ein Tag. Jeden Tag.

Wir haben keine Garantie, dass es noch viele Tage gibt. Aber solange wir bewusst sind, dass jeder Tag neu und frisch ist, können wir auch diesen wieder aus der Fülle leben. Wie anders sollten wir das tun als frei. Das Gestern ist vorbei, das Morgen noch nicht da. Das Leben ist jetzt. Es ist immer jetzt.

Die Vögel hier auf der Insel erwarten jeden Tag euphorisch und laut den neuen Tag. Dann erscheint die Sonne, sie stossen sich ab und segeln und feiern, dass es weiter geht.

Worüber jubelst Du heute?

Was macht Dich jetzt gerade besonders glücklich?

Wirst auch DU ihn nutzen, diesen Tag?

Abstossen, abspringen in das neue Abenteuer, das sich heute bietet?

Nutzt Du diesen Tag?

Wofür?

WILLKOMMEN in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich in grosser Dankbarkeit Regina. Was für eine wunderschöne Coachingreise war das mit Dir! Flieg hoch! Bleib oben! Volle Kraft voraus!

Inselleben

Das Leben auf Jersey ist unendlich langsam. Und genügsam. Geduldig. Sehr höflich. Alles Dinge, die ich nur hier „aushalte“ und trotzdem – total bereichernd.

Auf Jersey, dieser kleinen Insel im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien, gibt es nur ganz enge Strassen. So eng, das man sich ausweichen muss, wenn etwas Grösseres, wie ein Bus oder ein kleiner Lastwagen, einem entgegen kommen. Dann drängelt man sich ganz eng an die Mauer oder Hecke auf der einen Seite damit maximal Platz für das grössere Gefährt bleibt. Manchmal geht nicht einmal das, dann muss man selbst und vielleicht noch weitere Autos hinter dir rückwärts bis zur nächsten Ministrassenbucht fahren.

Und alles fliesst bei einer Maximalgeschwindigkeit von 48 km/h. Und auf der linken Strassenseite.

Der grösste Spass sind dann die *green lanes“. Da darf man nur 24 km/h fahren, die green lane ist so eng, dass keine zwei Autos aneinander vorbei passen. Man muss also damit rechnen sehr weit zurück zu fahren und darauf zu vertrauen, dass das geht, oder der Andere es besser kann.

Wenn man bedenkt, dass es so langsam ist, dann kann man kalkulieren. Von meinem Haus im Norden der Insel brauche ich 8,4 km bis zum Airport um meine Coachees abzuholen. Eine Fahrt von 25 Minuten, wenn es keine Ausweichmanöver gibt. Und unterwegs bist du so langsam dass du jedes Lächeln der Passanten siehst. Man winkt sich auch freundlich zu, wenn man besonders achtsam fährt. Lässt immer Vortritt. Nimmt eventuell Menschen ein Stück mit. Nickt sich zu.

Man spricht mit jedem über das Wetter. Bejubelt wird alles. Dass die Sonne wieder scheint. Dass es endlich mal wieder regnet. Dass heute so toller Wind ist. Dass heute endlich mal kein Wind ist. Es gibt immer etwas zu feiern. Immer etwas, das man toll findet. Und man spricht darüber. Wenn ich an meinem Lieblingsstrand sitze und dem Reinkommen der Flut zusehe, kommt immer jemand und sagt, dass das doch einfach wunderschön ist. Die Menschen sprechen sich auch gerne mit „Darling“ oder „Love“ an. Natürlich meinen sie das nicht so intim. Aber ich freue mich darüber, jedes Mal. Weil es Wertschätzung zeigt. Nur an diesem Ort in der Welt empfinde ich das so wertvoll.

Vielleicht ist Jersey deshalb für mich so eine Wohltat: Langsamkeit. Höflichkeit. Achtsamkeit. Auch weil hier alles so langsam ist, haben die Menschen Zeit, sich zu sehen. Und auch, weil alle auf einer Insel sind. Eine ganz kleine Welt in der Welt. Es fühlt sich ein bisschen an, wie die Zeit anzuhalten. Und vor allem – es ist ein bisschen altmodisch, nostalgisch, ja vielleicht sogar ein bisschen verschroben hier auf Jersey.

Können wir das mit in unser Leben nehmen, das Gefühl das wir in den Ferien haben? Oder an dem Ort, der uns entspricht? Wie schnell beschleunigen wir unser Tempo wieder, wenn wir zurück kehren?

Welche guten Gefühle lösen Deine Lieblingslebensorte bei Dir aus?

Wie transportierst Du sie zurück in Deinen Alltag?

Wie kannst Du Dein Leben so führen, wie Du es führst wenn Du dort bist, wo Deine Seele Gleichklang hat?

An solchen Orten ist es sehr einfach, die beste Version von Dir selbst zu sein. Wir reden uns ein, dass in den Ferien, oder zumindest wenn wir dort sind, wo wir uns wohl fühlen, ja schliesslich viele Pflichten und Einflüsse weg fallen. Dass wir nicht mehr getrieben sind. Aber: Das ist Deine Entscheidung wie Du dann auf den Alltag reagierst. Du lässt Dich hetzen. Du wirst re-aktiv statt pro-aktiv.

Wir lassen uns schnell wieder einlullen wenn wir zurück kehren von einem Ort, an dem wir uns total wohlfühlen. Dann gehen wir bald wieder mit dem Flow dort, mit den Pflichten, den Menschen die etwas von uns verlangen, den Sorgen und den Problemen die unser Alltag oft mit sich bringt.

Dabei wäre es leicht, da zu bleiben, in den Stimmungen, die unser „Inselleben“ uns schenkt: Konserviere die Leichtigkeit in einer inneren Schatzkiste. Wenn Du morgens deine erste Tasse trinkst dann schliesse für eine Minute die Augen und er-innere Dich. Und bevor Du den Zündschlüssel im Auto drehst oder auf dein Fahrrad steigst: Eine Minute nur. Kurz innehalten. Er-innern. Langsam in den Tag starten. Bei Dir bleiben. Diese kleinen Momente kannst Du einbauen in den Tag. Immer wieder zu Dir zurück finden: Zur besten Version von Dir selbst.

So nach und nach schleicht sich dann Dein Ferien-Ich in Dein Alltags-Ich ein. Das kann gelingen.

Du musst dran bleiben. Das ist Arbeit für Dich selbst, die mit Glück belohnt wird.

Nun, genug davon: Ich muss wieder Augen-Blicke sammeln gehen. Noch bin ich auf der langsamen Insel. Ich bin gespannt auf die nächsten Begegnungen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ja oder Nein?

In der vergangenen Woche hatte ich es mit Entscheidungen zu tun. Grossartig!

Ich liebe so radikale Sachen. Ent-scheidung heisst eben auch: Scheiden. Nämlich etwas ausscheiden. Etwas weg schneiden, etwas nicht wählen.

Aber die meisten Menschen tun sich mit Ent-scheidungen fürchterlich schwer. Sie wägen ab, sie überlegen hin und her. Sie wollen keinen Fehler machen, den sie bereuen. Denn: Eigentlich will man ja gar nichts loslassen, sondern am liebsten alles haben. Auch alle Möglichkeiten. Alle Freiheiten. Immer die Wahl haben, das heisst: Nichts zu entscheiden, nichts weg zu geben.

Wie das Leben so spielt, fiel mir ein kluges Buch in die Hände, aus dem ich gerne zitieren möchte: „Es hilft, tief ein und wieder auszuatmen wenn Dich eine Entscheidung beschäftigt. Meist findest Du die Lösung, die zu Dir passt, wenn Du wieder ausatmest. Es muss nicht die richtigste oder vernünftigste Lösung sein. Aber Deine. Verstehst Du den Unterschied? Du kannst Dich immer entscheiden, etwas Vernünftiges oder genau das Gegenteil zu tun, weil es Deine eigene Freiheit ist.“

Welche Entscheidung steht bei Dir schon lange im Raum, aber Du ent-scheidest Dich nicht?

Kannst Du Dich erinnern, als Du das letzte Mal eine grosse Entscheidung getroffen hast? Wie hast Du Dich unmittelbar in dem Moment gefühlt, als sie getroffen war? …. genau! Du hast aufgeatmet! Du hattest nämlich endlich die ganze Spannung heraus genommen und einfach mal ausgeatmet.

Wenn wir Entscheidungen heraus zögern, dann ist das alles andere als entspannt. Wir halten etwas zurück, unser ganzer Körper verspannt sich und wir fühlen uns wie von harten Gummibändern gehalten, während wir weiter rennen wollen. Das kennst Du auch, ganz bestimmt.

Vor vielen Jahren stand ich einmal vor einer ganz grossen Entscheidung, die sehr weitreichende Konsequenzen haben würde. Ich fürchtete mich und nahm mir einen Mental Coach zur Hilfe. Er zeigte mir auf: Hier, das ist Dein Baum. An diesen Bäumen wachsen unendlich viele Äste. Alle sind schwer. Wenn Du nicht einen abschneidest, oder noch besser: mehrere, dann wird Dein Baum bald keine Kraft mehr haben. Er gab mir die Aufgabe, mir eine Woche später mitzuteilen, welchen Ast ich abschneiden würde. Bevor ich aber das Gespräch beendete, sagte er noch etwas Wichtiges:

„Ihr im deutschsprachigen Raum steht Euch oft selbst im Weg. Ihr denkt so lange über die Konsequenzen und möglichen Gefahren nach, die eine Entscheidung mit sich bringt, bis Ihr schliesslich gar keinen Schritt mehr macht“

Das nahm ich mir zu Herzen. Ich liebe das Radikale. Ich schnitt den ganzen Baum ab und – landete im freien Fall ins Nichts, von dem ich nicht wusste was es mir bringen würde.

So radikal musst Du nicht sein. Es braucht Mut und innere Stabilität und auch ein bisschen Wahnsinn so zu handeln.

Aber Du könntest doch einmal damit beginnen, Dir eine Liste der kleinen Dinge zu schreiben, die Du entscheiden musst. Und dann triffst Du die Entscheidungen so, wie es sich gerade richtig für Dich anfühlt. Mit jedem Haken an Deiner Liste wirst Du Dich erleichterter fühlen. Ausatmen. Aufatmen.

Du bist viel stärker, als Du denkst. Und viel freier, als Du Dir zutraust.

Wetten?


Willkommen in der Adlerperspektive!

Sanfte Kraft

In der vergangenen Woche war ich mit einem feinen Adler auf Jersey gesegnet. Die Coachin kam vor zwei Jahren zu mir. Damals war ihr feines zartes Herz zugemauert. Sie hatte sich jahrelang angepasst, geduckt, war ausgewichen. Die Grobheit in der Zeit, in der sie aufwuchs, hatte sie äusserlich gestählt und innerlich in den Rückzug gezwungen. Die Folge davon: Eine dicke Ritterrüstung, durch die bald nichts mehr durchkam, an der die Liebe abprallte, die sie hätte empfangen können. Und es kam auch nur noch spärlich etwas aus ihr heraus.

Wenn wir fein und zart fühlen, dann gibt es verschiedene Strategien, wie wir damit durch die Welt kommen. Wachsen wir unter Orchideen auf, dann wird ein zartes Miteinander möglich sein. Steht unsere Orchidee aber in einem Kartoffelacker, dann wird der Wind uns stählen und wir werden zunehmend verhärten.

Das Dilemma ist dann aber, dass uns jeder für eine Kartoffel hält und auch so mit uns umgehen wird. Der Wind, auch untereinander, wird dann nicht weich und ruhig sein, sondern mitunter aufbrausend und zerstörend. Die Orchidee in Dir zittert, nach aussen aber bebt sie und schlägt mit ähnlicher Härte zurück.

So geht es vielen feinen, zarten Menschen. Statt klar und deutlich zu zeigen, dass sie fein und liebevoll sind, zeigen sie ihre harte Schutzhülle, die oft nicht nur missverstanden, sondern sogar als real empfunden wird. Ein Kreislauf aus Zurückhaltung und neuer Verteidigung beginnt, der in der Regel nicht gut endet wenn … – ja wenn der Mensch nicht wenigstens ein paar wundervolle Begleiter hat, die ihn wirklich durchschauen und auf die feinen Antennen achten.

So ist es auch meiner Coachin ergangen. Der Weg zurück in ihr Herz war schmerzhaft und lang und ab und zu ist sie auch gestolpert. Aber sie ist weiter gegangen, denn die Sehnsucht, endlich sich selbst sein zu dürfen, war riesig.

Sie hat es geschafft. Sie hat auf Jersey das allerschönste Wetter bekommen für ihren Flug in die Freiheit. Der Blick in die Ferne war klar und lud sie ein, sich total auf sich einzulassen. Ihre Rede war still und bei sich, ihre Hand lag auf dem Herz, der Kopf nach oben gestreckt bekannte sie sich zu ihrer eigenen Grösse in ihrem eigenen Tempo, in ihrer Sprache, in ihrem Ausdruck.

Denn: Auch Zartheit kann stark sein. Auch Weichheit kann gerade stehen. Auch Stille macht einen Ton.

Was wäre, wenn wir uns alle mehr auf unsere feine Seele konzentrieren könnten? Wenn wir alle unser Herz sprechen lassen könnten?

Wenn wir uns Zeit nehmen könnten für Wahrheit – für Tiefe – für eine liebevolle Verbindung. Auch dann, wenn unser Ego mal wieder durchdreht?

Auch dann, wenn der Wind wieder aufbraust und uns weg zu wehen scheint?

Auch dann, wenn die Trigger kommen, die unsere Wut entfachen?

Zurücklehnen. Atmen. Spüren: Was will ich jetzt?

Dafür Zeit zu haben ist ein alltäglicher Luxus, den wir immer haben können.

Aber: Du musst Dich konzentrieren.

In fast allen Fällen ist die Liebe zu wählen eine Entscheidung.

Wählst Du sie?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Für Jacqueline. Flieg in einem weichen Strom weiter 🙂

Und für meine oft in einer Ritterrüstung steckende feine Freundin Nadia.