Über-leben

Wie oft habe ich mir in den letzten Jahren diese Frage gestellt: Wie kann ein Mensch das überleben? Ich hatte Geschichten meiner Coachees, manchmal auch von Bekannten, gehört über einen richtig heftigen Schicksalsschlag. Und sass meist fassungslos vor ihnen und staunte: Wie kann ein Mensch das überleben?

Dabei ging es keineswegs um Abenteuer oder Unfälle, Naturkatastrophen oder Krankheiten.

Es ging um Gemeinheiten. Es ging um das Verhalten anderer Menschen, um Verfehlungen im Umgang, um seelische Grausamkeiten, manchmal auch um emotionale, psychische und physische Gewalt.

Vor einigen Jahren kam eine wunderbare sanfte schöne Frau zu mir, die mir von ihrer gewalttätigen Kindheit erzählte. Es war so grausam, dass ich Mühe hatte, mir die Schilderungen auch nur anzuhören. Aber da sass sie vor mir, die Überlebende. Sie berichtete es auf eine Art, die reflektiert und ruhig war und sie mutete mir nur gerade so viel zu, wie ich ertragen konnte. Ich sah sie an. Der Kopf war nicht gebeugt, der Blick nicht schmerzlich getrübt, die Haltung nicht eingesunken sondern aufrecht. Und ich staunte über sie. Sie war nicht gebrochen. Sie war gewachsen.

In der Folge beschäftigte ich mich mit dem Phänomen des Überlebens. Vor allem: dem psychischen. Was macht Menschen stark? Warum schaffen einige den Ausweg aus einer solchen Situation als ganzer Mensch, andere in alle Stücke zersprungen?

Überleben wollen ist ein Selbsterhaltungstrieb, der mich schon bald verblüfft hat. Ganz tief, am Abgrund des Leids, gibt es einen Boden, auf dem man zu stehen kommt: Der Wunsch nach Weiterleben. Und dann kommt der lange Aufstieg nach oben, der aus Selbstdisziplin, Ritualen, Motivation, innerer Stärke, Akzeptanz, Verzeihen, Annehmen, Weitergehen besteht. In einigen entsteht dann fast schon eine Euphorie, jetzt erst recht weiterzuleben und besser als vorher, stärker als vorher.

Menschen nehmen ihr Schicksal irgendwann an, weil es eben zum Leben dazu gehört. Die junge Frau, die mir ihre Geschichte offenbarte, hat erkannt, dass das eben nur ein Teil ihrer Geschichte ist und nicht das ganze Leben. Sie beschloss, damit zu leben, es zu integrieren, es als Baustein ihres starken Selbst anzunehmen. Denn diese Stärke war es, die ihr geholfen hat, aus dem Leiden heraus zu treten. Viele Stunden Coachingarbeit später stand sie auf einem Stein in einem Fluss und rief laut: Ich bin frei! Ich bin hier! Ich bin Liebe! Ich bin Freude!

Vergangene Woche war ich dort wieder unterwegs am Fluss und sah diese Fluss-Steine, die Zeuge wurden von einem epischen Moment: Als eine Überlebende sich selbst dafür feiern konnte, diese riesige Hürde genommen zu haben.

Jahre später bekam ich einen Anruf von einer trauernden Frau, die ihre Familie verloren hatte.

Auch sie wollte überleben und fragte mich um Coachingbegleitung an. Hier lag das Magische: Sie hatte sich zu einem Schritt entschlossen und sei es auch nur der Schritt um Hilfe zu bitten. Das war der Aufbruch, der Beginn des Überlebens.

Wir mussten den ganzen Weg zurück gehen, an den Ursprung des Menschseins: Essen, trinken, schlafen. Sich erlauben „trotzdem“ wieder Hunger zu haben und zu essen. Sich erlauben „trotzdem“ die Dusche nach einem heissen Tag zu geniessen. Sich erlauben „trotzdem“ etwas zu kochen, sich etwas Gutes zu tun. Später: „trotzdem“ wieder zu lächeln. „Trotzdem“ wieder eine Umarmung, ein Wort, eine Geste eines anderen anzunehmen. Aus dem „Trotzdem“ als Strategie wurde nach vielen Monaten die Autonomie des eigenen Lebens.

Wenn etwas geschieht oder geschehen ist, das unser gesamtes Menschsein, unser Leben, unser Bild von Leben radikal erschüttert hat, dann sind wir gewissermassen in der eigenen Wildnis unterwegs. Fern von jeder Sicherheit, fern von allem, an dem wir uns fest halten können. Es hat etwas von Einsamkeit, von vollständiger Stille und Stillstand. Man steht an diesem einen Punkt und es scheint in keine Richtung mehr eine Bewegung möglich.

Aber die Bewegung kommt. Der erste Schritt bringt uns zurück ins Leben. In diesem Moment, wenn der erste Schritt gemacht wird, beginnt eine neue Reise. Ein Lebensweg trotz dem, was uns zugestossen ist.

Und hier kommt vielleicht der wichtigste Punkt dieses Beitrags: JEDEN Tag überleben wir. Jeden Tag kommt so ein Moment, an dem wir denken: Und wie jetzt weiter? Und jeden Tag machen wir diese erste Bewegung in die richtige Richtung.

Denke diese Woche auch einmal an Dein Überleben. Was hat Dich in der Vergangenheit erschüttert? Was war der Punkt an dem Du dachtest: Ich kann nicht mehr weiter?

Wo waren sie, die Brüche und Risse in Deiner Geschichte? Und was hast Du als Erstes getan, als es passiert ist? Und dann? Und dann?

Fühle die Euphorie, dass Du etwas Grossartiges geschafft hast. Und zwar ganz aus eigenem Antrieb. Das Leben hilft immer weiter. Nichts bleibt jemals stehen. Nichts geht jemals zuende.

Mach aus Deinem Überleben ein Leben. Geniesse. Geh weiter, freue Dich.

Jeden Tag einen Schritt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blog ist für Rose. Ich verneige mich vor Dir.

Und für all diejenigen, die den ersten Schritt gemacht haben und wieder aufgeblüht sind.

Essence absolue

Als ich dieses Wochenende in der Altstadt von Bern schlenderte, sah ich dieses Fläschchen: Das Elixir. Die Köstlichste der Arzneien.

Ich erinnerte mich an ein Coachingtool, das ganz am Ende des Coaching Prozesses steht: Da bestimmen wir gewissermassen die Essence absolue. Um was es wirklich wirklich wirklich in Deinem Leben geht.

In der Parfümherstellung kennen wir die „Essence absolue“ als ein Produkt eines sehr aufwendigen Prozesses. Sie wird durch „Enfleurage“ gewonnen. Dabei werden empfindliche Blüten auf mit Fett bestrichene Glasplatten gelegt, das nach und nach den Duft der Blumen gewissermassen einatmet. Nach mehreren Monaten werden die Fettschichten, die jetzt eine Blütenpomade sind, mit Alkohol ausgewaschen, der wiederum destilliert wird bis nur noch die reine Blütenessenz bleibt. Es entsteht ein kostbare intensive Essenz.

Hat man eine solche Essence absolue, so wird sie „dominant“ überall, wo sie erscheint. In der Parfümindustrie reichen Spuren davon, um grosse Mengen Fluids zu beduften.

Übertragen auf den Mensch finden wir hier ein schönes Bild: Wenn man seine eigentliche Essenz kennt, so durchdringt sie alles, was wir tun. Sie begleitet uns durch alle Lebensinhalte, ist spürbar, ist lesbar, präsent und beseelt. Unsere Essenz ist es, die uns verständlich macht. Das meinen Psychologen wenn sie sagen: Ich kann diesen Menschen „lesen“: Sie können die Essenz begreifen. In einer nächsten Stufe sehen wir dann, ob der Mensch authentisch ist oder nicht. Das heisst konkret: Handelt, spricht, lebt der Mensch im Einklang mit seiner Essenz oder bewegt er sich ganz weit weg davon?

Wer seine Essenz kennt, weiss, ob er auf dem richtigen Pfad oder auf einem Irrweg ist. Er fühlt sich erfüllt (wenn er sie lebt) oder sehnsüchtig und frustriert (wenn er sie verleugnet oder dagegen handelt). Menschen, die ihre Essenz kennen, können sie verschwenden, verschenken, sich und andere damit durchdringen. Man fühlt diese Menschen klar und deutlich.

Diese Essenz wird – ein kostbares Elexir.

Der Wert der Kostbarkeit ist die Mühe, die man damit hat, sie zu extrahieren. In einem Coaching geht das mitunter ganz leicht, in der eigenen Reflektion auch, wenn man intensiv daran arbeitet. Grundsätzlich werden wohl die meisten Menschen ihre Essenz finden, weil das Leben sie abreibt, weil man scheitert und wieder aufsteht, weil man Wege ausprobiert und/oder wieder aufgibt, weil man sich selbst mit Begegnungen, Entscheidungen, Erfolgen und Misserfolgen, Schicksalswendungen, Vorlieben oder Abneigungen ständig da hin entwickelt, mehr und mehr zu sehen was einen ausmacht.

Gerne gebe ich Dir ein paar Fragen, die Deine Essenz erkennen lassen:

Was ist Deine tiefste Sehnsucht?

Was strebst Du an?

Warum meinst Du, hier zu sein?

Was ist Deine Berufung?


Was willst Du unter allen Umständen vermeiden?

Für was kämpfst Du?

Wenn wir einander begegnen, so kann diese Begegnung oberflächlich oder tief sein, sie kann uns offenbaren oder distanzieren. In jeder Begegnung hast Du diese Wahl: Willst Du über das Wetter reden oder eine der oben genannten Fragen stellen?

Wenn diese Fragen gestellt werden, dann schält sich nach und nach eine Wahrheit heraus, die den Mensch kostbar macht. In unserer individuellen Einzigartigkeit sind wir alle kostbar.

Safran gilt als eines der kostbarsten Gewürze der Welt. Aber nicht jeder mag Safran. So ist es auch mit den Elexiren: Alle sind sie wertvoll. Aber nicht für jeden.

Hast Du Deine Wahl schon gemacht? Was magst Du an Menschen? Was verabscheust Du? Was ergänzt Dich? Was inspiriert Dich?

Was macht Dich aus? Was schenkst Du aus Deinem tiefsten Inneren?

Wem gibst Du das Beste in Dir?

Und von wem spürst Du sein Bestes?


Willkommen in der Adlerperspektive.

R i s i k o !

Was löst das Wort „Risiko“ bei Dir aus?

Gleich eine kleine Panikwelle – oder das Kribbeln, wenn etwas gefährlich und damit reizvoll für Dich ist?

In den letzten Jahren habe ich immer wieder einmal einen „Risk-Manager“ in meinen Coachings gehabt und fand es immer sehr interessant zu sehen, wie der Charakter solcher Menschen beschaffen ist. Hatten sie es besser im Griff als andere, waren überlegter, vorsichtiger, sorgfältiger? Ganz und gar nicht. Sie hatten einfach gelernt wo sie hinschauen und kalkulieren mussten um für ihr Unternehmen die grösstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Nachdem der letzte Blog zum Thema Mut ein paar hoffentlich aufregende Denkanstösse geben konnte, wollte ich mich heute dem Risiko widmen. Denn fast immer scheitert unser Mut an dieser Stelle: Dass wir das Risiko nicht eingehen wollen und dann das Ganze sein lassen. Wie schade eigentlich!

Denn im Risiko liegt ja ganz viel Überraschendes.

Das Spannendste, was ich bei der Recherche fand, war die Theorie vom schwarzen Schwan.

Ein „schwarzer Schwan“ verkörperte bis in das 18. Jahrhundert hinein das Nichtvorstellbare, denn alle Schwäne waren weiss. Seine Seltenheit wird in der Wirtschaft für Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit übernommen

Es handelt sich um Ereignisse, die eigentlich nie vorkommen dürften, was jedoch ständig geschieht und unser Leben gewaltig beeinflusst. Der „schwarze Schwan“ wird mit Hilfe statistischer Modelle permanent aus unserem Denken ausgeblendet. Diese Ausblendung löscht das Vorkommen „schwarzer Schwäne“ in den Erwartungen, so dass bei einem „unerwarteten“ Eintritt der Überraschungseffekt sehr gross ist.

In der Wirtschaft spricht man also davon, dass etwas Unvorstellbares durchaus auch passieren kann und die Risk-Manager denken zumindest einmal in diese Richtung.

In unserem täglichen Leben allerdings gibt es den schwarzen Schwan gar nicht in unseren Gedanken. Wir meinen ein Risiko absehen zu können und schützen uns schon davor, bevor wir es überhaupt wirklich sehen können. Wir oft habe ich gehört: Ja, aber dann könnte ich ja dies und das verlieren oder erleben müssen und es könnte gefährlich sein und Schaden einrichten. In meinem Herz, in meinem Lebensstil, in meinem Umfeld…

Die meisten Risiken, die wir bedenken, sind Ideen aus dem, was uns bekannt ist.

Wir meinen, das Risiko zu sehen und einzuschätzen und fast immer ist es nur eine Projektion unserer Ängste.

Risiko hat viel mit Angst zu tun. Gehen wir ein Risiko ein, dann verlassen wir die Komfortzone und wissen nicht, ob das, was uns erwartet uns dienen wird oder wir damit gewaltig ein Scheitern provozieren.

Vor vielen Jahren war ich selbst einmal in Kontakt mit einem Mental Coach. Er bat mich, mir vorzustellen, dass mein damals enorm anstrengendes Leben ein Baum ist. Seine Aufgabe war, ich solle einen Ast abschneiden. Das war viel schwerer für mich als gedacht, denn scheinbar hatte jeder Schnitt, den ich hätte machen können, einen enormen Verlust zur Folge. Ich habe mich tagelang damit gequält und wollte nichts loslassen. Aber der Baum war so schwer geworden, so mühsam, ich wusste das muss jetzt sein. Irgendwann hatte ich genug Mut gesammelt. Ich ging das grösstmögliche Risiko ein, denn ich wählte den freien Fall ins Ungewisse: Ich schnitt den ganzen Baum ab.

Was folgte war ein schwindelerregendes, wundervolles neues Leben, das ich niemals erlebt hätte, wenn ich nicht wirklich alles gewagt hätte.

Risiko kann Nervenkitzel sein. Selbst gewähltes Risiko kann eine riesige Herausforderung sein. Du kannst ein riesiges Geschenk bekommen, mit dem Du nicht rechnen konntest. Und Du kannst auch scheitern.

Wenn mir Menschen sagen, sie scheuen das Risiko aus Angst vor Verlust der Sicherheit, dann sage ich gerne: Sicherheit ist eine Illusion. Es gibt keine Sicherheit, denn niemand hat wirklich Kontrolle über das, was als Nächstes passiert. Unser Leben hängt immer am seidenen Faden – an unserem Herzschlag. Und auch der könnte, einfach so, einfach weil gerade irgendetwas falsch läuft, plötzlich stehen bleiben. Jederzeit. Jederzeit. Bist Du Dir dessen bewusst?


Hier ist Dein mögliches Risikomanagement: Was wäre das Schlimmste, das Du Dir vorstellen kannst wenn du es eingehst/entscheidest/wagst?

Und was wird in diesem Fall geschehen?

Und hier noch eins: Wenn Du Dir vorstellen kannst das Risiko einzugehen, was kann dann in Deinen Augen an Positivem auf Dich zu kommen? Was wäre der Benefit wenn Du „all in“ gibst? Was wäre der Erfolg, dem Du dann zu jubelst?

Und hast Du dann noch Platz für etwas Aussergewöhnliches?

Vielleicht kommt ja etwas um die Ecke, das Du nicht in Deinen Vorstellungen hattest:

Willkommen in der Adlerperspektive.

Mut kommt vor dem Fall

In der vergangenen Woche hatte ich es mit einigen wirklich mutigen Menschen zu tun. Es waren ganz unterschiedliche Formen von Mut und er führte zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Mal war es ein Gespräch, das lange herausgezögert und nun endlich gemacht wurde, mal eine radikale Entscheidung, die ins Ungewisse führte. Ein anderes Mal ein totaler Neuanfang, der viele Gefahren in sich birgt. Einmal ein Loslassen von Geliebtem. Einmal eine Unterschrift, die unter ein Dokument von grosser Tragweite gesetzt wurde.

Mut hatten alle Menschen gebraucht für diesen einen Schritt, denn es ist gewissermassen ein Schritt von einer Klippe – in den freien Fall. Und dann sah ich in einer Zeitung dieses Zitat:

Mut kommt vor dem Fall.

Ich war geradezu elektrisiert: Fallen wir, wenn wir mutig sind?

Ja, denn – Wir fallen in – die Freiheit. Wir fallen in die Loslösung. Wir fallen in das Unbegrenzte. Wir fallen in die neue Lebenssituation. Wir fallen in eine Herausforderung. Wir sprengen die Ketten!

Ein bisschen erinnert mich das an die Geschichte mit dem Elefant. Man spannte dem kleinen Elefant eine Kette um den Fuss und daran eine sehr grosse schwere Kugel. Der Elefant wächst, die Kette wird immer wieder angepasst, nicht aber die Kugel. Hunderte Male hat der kleine Elefant gegen die Kugel angekämpft, konnte aber nicht fliehen. Und dann ist er eines Tages ein riesiges, mächtiges Tier, das von einer sehr kleinen Kugel gehalten wird. Der Elefant hat alle Versuche aufgegeben und glaubt nun immer noch, dass sie ihn hält. Er bleibt in Gefangenschaft, auch wenn er jetzt in die Freiheit aufbrechen könnte.

Verhält es sich auch so mit uns, wenn wir keinen Mut finden für den nächsten Schritt? Dass wir vor lauter Angst, was dann – nach dem freien Fall – passieren könnte, diesen Schritt verweigern? Und: Warum sind wir so mutlos?

Es ist die Angst vor dem Scheitern, die uns hält. Die Angst vor dem, was dann als Nächstes kommt. Oder ob eben noch etwas kommt. Und was dann? Wir haben Angst vor dem Unbekannten und verpassen vor lauter Zögern das Leben, das sich uns vertrauensvoll und abenteuerlich anbietet.

Ich habe viel mit Menschen zu tun, die diesen entscheidenden Schritt nicht tun können oder wollen. Es ist quasi meine lebenslängliche Aufgabe, vor allem als Coach, aber auch privat: Den Menschen zu sagen:

Spring!

Tu es!

Tu es jetzt!

Und wie viel Lust ist in diesem Absprung! Wie viel Vertrauen! Wie viel Nervenkitzel und auch Freiheit!

Was kann denn schon passieren? Wir werden vielleicht im schlimmsten Fall durch eine harte Zeit gehen, Trennungsschmerz haben, uns unsicher fühlen, losgelöst sein, keinen Anker mehr spüren. Aber wir werden auch sehr intensiv die Komfortzone verlassen haben um Neuland zu erobern.

Kennst Du das noch, dieses Gefühl des Neulands? Die neue Klasse, in die wir als Kind kamen und noch nicht wussten welche Freunde wir haben würden. Der Umzug in eine fremde Umgebung. Der erste Tag im neuen Job. Das erste Date. Der erste Kuss. Die erste Reise, wenn du das Flugzeug verlässt und die Fremde riechst. Das erste Gespräch mit einer bedeutsamen Person. Der erste Augenblick, der eine ganze Anreihung an neuen Erfahrungen bringen würde.

Spürst Du diese herrliche Aufregung noch? Die Spannung? Das Herzklopfen?

Wenn Du an diese Situationen denkst: Spürst Du dann mehr freudige Erregung oder mehr Angst?

Wenn Du Dich auf die Lust aufs Neuland konzentrieren kannst dann hast Du der Angst etwas sehr Wirkungsvolles entgegen zu setzen. Es ist so einfach! Der Mut kommt dann ganz von alleine. Er wächst mit der Vorfreude, der Lust auf das Neue.
Wenn Dir der Mut fehlt dann musst Du die innere Quelle der Lust auf das Neue haben, die Dich wirkungsvoll überwältigt. Dann springst Du!

Hab Mut. Geh diesen einen Schritt!

Spring ab!

Du wirst fliegen!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich Sabrina wegen ihrer Unterschrift, Daniela wegen dem beherzten Loslassen, Veronika für ihre Lust auf den Neuanfang, Katalin für ihr Gespräch. Nadia für den Mut den nächsten Schritt zu machen.

Und der mutigsten Frau von Allen: Nicolin für das radikale JA im freien Fall.

Blinde Passagiere

Für einmal möchte ich die Worte einem anderen Poeten überlassen. Besser hätte ich sie diese Woche nicht wählen können. Denn immer wieder begegnete mir diese Frage: Wann ist ein Leben gelungen und vollendet? Wann können wir sagen, dass es sich gelohnt hat?

Aber höre selbst. Johannes Oerding, ein Songpoet aus dem hohen Norden, hat eine wunderschöne Ballade daraus gemacht:

Wir können die Brücken nicht mehr sehen
Zu viele Mauern aus Zement
Wir spüren nicht mehr, was uns verbindet
Nur diese Kälte, die uns trennt


Wir sind ’n kleiner Teil des Ganzen
Doch können das Ganze, das Ganze nicht mehr teilen
Sind so unendlich viele Menschen
Aber viel zu oft allein

Wir sind wie blinde Passagiere
Treiben einfach so umher
Auf ’ner kleinen blauen Kugel
Durch das grosse, schwarze Meer
Wir sind wie blinde Passagiere
Wissen nicht, wohin es geht
Und wenn man irgendwann aussteigt
Will doch jeder sagen
Wir ha’m geliebt, wir ha’m gelebt

Es lag noch nie in unseren Händen
Wir werden irgendwo geboren
Manchmal mit Löchern in den Taschen
Manchmal in Silber ohne Sorgen
Mal haben wir weniger als nichts
Doch machen mehr als alles, mehr als alles draus
Mal kriegen wir ’nen Platz am Fenster, ohh
Aber gucken gar nicht raus

Wir sind wie blinde Passagiere
Treiben einfach so umher
Auf ’ner kleinen blauen Kugel
Durch das grosse, schwarze Meer
Wir sind wie blinde Passagiere
Wir wissen nicht, wohin es geht
Und wenn man irgendwann aussteigt
Will doch jeder sagen
Wir ha’m geliebt, wir ha’m gelebt
Wir ha’m geliebt, wir ha’m gelebt

Wir sind wie blinde Passagiere
Treiben einfach so umher
Und wenn man irgendwann aussteigt
Will doch jeder sagen
Wir ha’m geliebt, wir ha’m gelebt

Frage Dich heute, diese Woche, bevor Du aussteigst. Ja bitte, lange – lange bevor du aussteigst. Vielleicht sogar eine Woche jeden Abend wenn Du abends ins Bett gehst:

Hast Du geliebt?

Hast Du gelebt?

Willkommen in der Adlerperspektive!

Ein Ohrenschmaus:

Die harte Nuss

Letzte Woche hatte ich einen schönen Kontakt mit einer Frau, die sagte, sie sei als „harte Nuss“ bezeichnet worden. Ich fand das eine lustige Bezeichnung und googelte schnell.. ich bekam das hier:

Halten Sie die Nuss ganz locker zwischen den Fingern. Ein beherzter Schlag auf die obere Nusshälfte reicht und die Schale bricht – gewöhnlich unregelmässig auf oder an. Dann werden die restlichen Nüsse mit dem Hammer geknackt. Jetzt können Sie die Kerne recht leicht aus der Schale pellen.

Besonders interessant fand ich, dass die Nuss locker gehalten werden sollte. Und der Schlag „beherzt“ erfolgen sollte. Beides trifft auf mein Coaching zu:

Ich nehme es locker, auch wenn der Coachee meint, er sei eine harte Nuss.

Und: Im Zweifelsfall schlage ich mit Herz einmal kräftig, damit die Schale bersten kann. Keine Schale hält für ewig.

Warum? Weil die Nuss die Schale ja nur macht um ihre köstliche Frucht zu schützen. Die Schale schliesst sich und die Frucht, der Kern wächst in seine Vollendung. Manche Menschen verschliessen ihre Schale genau deshalb fest: Weil etwas Wunderschönes darin ist, das schützenswert ist.

Du kennst sie sicher auch, diese etwas versteinerten, harten Menschen nach aussen, die kaum jemanden an sich heran lassen und sich gerne hart und undurchdringlich zeigen. Fast immer findet sich darin das Allerfeinste, ein schönes sanftes Wesen.

Warum kommt es zu diesen Verhärtungen? Meist, weil es ein Ereignis (in der Psychologie heisst das „Trauma“) gegeben hat, das den Mensch erschüttert, irritiert oder verletzt hat. Dann entwickelt der Mensch eine Überlebensstrategie, die verhärten kann. Oder die klare Sicht nach aussen nimmt. Eine zunächst dünne Schicht aus Angst vor neuer Verletzung entsteht, die im Laufe der Jahre wieder und wieder um die Frucht gelegt wird.

Das sehen wir auch bei den Perlen, bei denen diese Schichten schliesslich zu einem wunderschönen Edelstein werden.

Wieso also muss man solche Menschen „knacken“ oder öffnen?

Weil diese harte Schale eigentlich gar nicht ihrem edlen Inhalt entspricht sondern nur vermeintlichen Schutz bietet.

Vor einigen Jahren las ich den Satz: „Ein Herz wird solange gebrochen bis es sich öffnet“.

Ein knallharter Satz für die, die an Liebeskummer leiden, und das eigentlich selbst verschuldet, wie sie meinen.

In allen Fällen von versteinerten Herzen habe ich Schönheiten gefunden. Überall gab es eine köstliche Frucht, die über alle Massen hinaus genüsslich war. Der Mensch war oft erstarrt vor Angst, dass nochmals eine Verletzung auftreten könnte. Und die Angst hatte sich verselbstständigt. So schliessen sich Schalen. Nur: Dann dringt auch nichts Gutes mehr ein. Dann prallt alles an ihnen ab. Dann verliert der Mensch die Feinheit, Zartheit, Sanftheit.

In der vergangenen Woche sprach ich auch mit der jungen Frau, deren Kerze an zwei Enden brennt. Sie erläuterte mir ihre Strategie, wie sie der harten Realität entflieht. Es flossen viele heisse Tränen. Und ich war erschüttert von ihrer Schönheit hinter dem Schmerz.

Wie also die Nuss knacken, wenn man kein Coach ist, der das sehr oft und routiniert macht? Halte sie locker in der Hand. Dann greife beherzt zu Deinem Werkzeug. Es muss kein Hammer sein, in fast allen Fällen reicht eine ehrliche Frage:

Und wie geht es Dir wirklich?

Und was brauchst Du jetzt für Dein feines Herz?

Siehst Du wie schön Du bist?

Magst Du mit mir teilen?

Alle Nüsse, alle Menschen, vereint doch eins: Tief im Inneren schlummert eine delikate, exquisite Essenz, die sich selbst und andere zum Schwärmen bringen wird.

Also auf geht’s lass es knacken, herausspringen, geniessbar machen.

Was denn auch sonst!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lust bis zum Ausbrechen

Letzte Woche lernte ich diese wunderbar wilde Frau kennen. Ein Tausendsassa. Eine Frau mit sehr vielen Talenten und noch mehr übersprudelnder Lebensfreude. Ihre Augen gross und offen und ihre Hände nehmen viel Raum in sich auf – mit beiden Händen greift sie in die Welt, ist neu-gierig auf der Suche nach Inspiration und Aufregung, will alles und mehr, sich ausdrücken, das Leben in sich aufsaugen. Was für eine Wohltat, mit einem so inspirierten und hungrigen Menschen zu sprechen. Ich habe es sehr genossen. Aber ich weiss leider auch um die Gefahr, die ein derart euphorisches Leben mit sich bringt.

Im Deutschen sagt man: Diese Kerze brennt an zwei Enden.

Im Laufe der Jahre als Coach habe ich einige solche Menschen kennengelernt. Meiner Meinung nach: Zu wenige. Und trotzdem. Sie sind da und sie brennen lichterloh. Ob das gut ist?

Als ich in meinen Zwanzigern ebenso gierig war, die Welt auf den Kopf stellen und am liebsten alles gleichzeitig erleben wollte, kam ich, nach einer illegalen politischen Aktion, einmal in „wohlwollende Hände“. Die ältere Dame sagte zu mir: „Du wirst auch noch ruhiger!“. Es schien mir wie eine Drohung. Und noch heute ist es das für mich. Warum denn ruhiger werden? Warum denn nicht brennen bis alles ausgebrannt ist?

Unsere Gesellschaft geht nicht gut mit Menschen um, die so sehr brennen. Sie sind nicht einfach zu handeln. Mit dem Speed eines derart wilden Menschen wird den anderen oft bewusst, wie hypnotisiert oder komatös sie schon lange leben. Statt dann das Feuer zu verteilen, verbrennen solche Menschen an ihrer Lust und Leidenschaft.

Ich glaube: Das wirkliche Burnout besteht darin, dass der Mensch sein Feuer nicht an der Stelle eingesetzt hat, an der sein Herz gebrannt hat. Sondern sich irgendwo anders zu lange angestrengt hat, während die Flammen im eigenen Herzen verkümmert sind.

Wir alle kommen mit einem brennenden Wunsch auf die Welt. Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht. Wir alle wollen etwas tun mit diesem wilden Herzen. Nach und nach aber wird es betäubt, fremd gesteuert, beeinflusst und oft schliesslich gelöscht. Das beginnt schon in der Schule, in der wir nie gefragt werden, was uns interessiert, wo unsere Talente liegen, was wir begehren zu lernen.

Es gibt einige Beispiele von brennenden Menschen, deren Charisma umwerfend war, die riesige Talente hatten und schliesslich doch daran verzweifelt sind, weil sie es nicht gelernt hatten, sie „vernünftig“ und dosiert zu geniessen. Ein paar Beispiele: Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse, Yves Saint Laurent, Marilyn Monroe, JFK, Kurt Cobain, Klaus Mann… die Liste wäre sehr lange. Oft waren es Künstler, Menschen in der Öffentlichkeit, Menschen mit Strahlkraft und gesegneten Talenten.

Wie also umgehen, dass die Kerze nicht zu früh verbrennt?

Der erste Schritt muss immer sein: Herauszufinden wofür man brennt, welche Sehnsucht man in seinem Herzen trägt, was ausgedrückt werden will. Auch: Was für andere von Nutzen sein kann, wenn wir es zur Verfügung stellen.

Und dann unseren Verstand zu benutzen um das Gefährt zu lenken.

Es hört sich einfach an. Und ist dennoch sehr schwer, weil viele von uns das Herz schon beschwert haben mit den falschen Inhalten, mit dem Durchhalten von Ungeliebtem.

Es wird Zeit, wieder auf unser Herz zu hören und zu fragen:

Was willst Du wirklich leben und ausleben?

Geniessen und entfalten?

Ent-wickeln?

Im Grunde brennen wir alle. Manche nur noch auf Sparflamme. Einige, wie meine Coachee der letzten Woche, als Waldbrand aus sich heraus.
So lange wir leben brennen wir.

Wofür brennst DU?

Und was tust Du damit?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blogg steht für die, die (wieder) auf ihr Herz hören. Und damit Du Dich wieder daran erinnern kannst ist hier noch ein Video für Dich. Amüsiere Dich. Dann: Öffne Dein Herz so weit wie ein Scheunentor und frage, was es begehrt.

Storytelling

Ich liebe Geschichten. Vielleicht bin ich nur deswegen ein Coach geworden. Wegen der Geschichten. In diesem Beruf bekomme ich unendlich viele Geschichten erzählt und ich staune, amüsiere mich, fühle mit, bin begeistert oder entsetzt. Und immer hänge ich an den Lippen der Menschen, die mir ihre Geschichten offenbaren. Und in meinem Lebes habe ich auch viele Geschichten für mich selbst gesammelt. Ich bin reich geworden an Geschichten und erzähle sie auch gerne und oft. Dann hängen die Zuhörer an meinen Lippen. Manchmal wünschte ich, ich wäre hauptberuflich Storyteller, würde sammeln und weiter geben und die Menschen damit unterhalten. Geschichten mit Fragezeichen oder mit Happy End, Geschichten die bewegen und solche die uns wie eingelullt mit Wärme und Süssigkeiten zurücklassen, solche die uns aufwühlen und weiterbringen oder unsere Gefühle tief berühren.

Im Mittelalter gab es Troubadoure, sie zogen von Ort zu Ort und sangen und erzählten Geschichten. Manche von ihnen waren Hofnarren, sie waren die einzige Figur am Hofe, die die Wahrheit offenbaren durften, oft in Parabeln oder Rätseln versteckt. Troubadoure waren unterhaltsam und gerne gesehen und sie hatten ein riesiges Repertoire an Wortkünsten.

Welche Geschichten schlummern wohl in Deinem Erinnerungsschatz?

Sind sie süss und verführerisch? Wild und unbeugsam? Amüsant? Schockierend? Wühlen sie andere auf? Lernen wir etwas daraus?

Vor fast fünfzehn Jahren war jemand bei mir im Coaching, der endlos Geschichten erzählte. Und alle waren sie spannend und neu, unterhaltsam und lustig. Ich erinnere mich noch an viele. Ich hing ihm an den Lippen bis ich spürte, dass er der Arbeit mit mir auswich. Ich sollte doch an diesem Tag eine Analyse von ihm machen! Und er fesselte mich mit seinen Geschichten. Er hatte eine ganz besondere Technik: Er beantwortete mir eine (von etwa 200) Fragen und dann sagte er begeistert: Ach! Da muss ich Dir eine Geschichte erzählen! Die musst Du hören! Er erzählte und erzählte. Irgendwann am Nachmittag eines langen Tages fiel es ihm wohl auf und er sagte allen Ernstes: Du Maren, das ist ja alles ganz amüsant bisher, aber kommen wir denn so weiter?

Ich musste sehr lachen. Er auch.

Am folgenden Tag, ich hatte die Analyse dann doch noch erreicht, ging das Spiel weiter und ich fürchtete er quasselt mich unter den Tisch. Es war wirklich sehr verführerisch seinem aufregenden Leben zu folgen. Wir machten einen Waldspaziergang, bei dem er etwa 100m vor mir her gehen musste, schweigend und über eine Frage nachdenken sollte.

Und hier beginnt eine magische Geschichte. Wir liefen lange tief in den Wald hinein und ich ging hinter ihm und beobachtete ihn. Der Mann hatte mich ein bisschen an den Rand meiner rhetorischen Künste gebracht. Jetzt, das wusste ich intuitiv, musste ich etwas Zauber anwenden, um ihn zurück ins Herz zu bringen. Mit Worten konnte ich bei ihm nichts erreichen. Als wir nach einer ganzen Weile an einem Feuerplatz ankamen, bat ich ihn, auf einem Blatt aufzuschreiben was er alles aus seinem Leben entlassen wollte, worauf er verzichten könnte, was verschwinden sollte.

Ich entfachte ein kleines Feuer und bat ihn um das Feuer zu gehen und dann rituell den Zettel zu verbrennen und zu zuschauen wie sich die Dinge auflösen. Er war ein bisschen misstrauisch, was das wohl bringen sollte. Ganz ehrlich: Ich wusste auch nicht, warum wir das machten. Es war wie eine Eingebung gewesen.

Der Zettel verbrannte und zerfiel. Ich schaute noch etwas intensiver in das Feuer und erkannte, das eine kleine Zettel-Scherbe, ein winziges Stück Papier nicht ganz verbrannt war. Ich war total erstaunt, was ich sah.

Drehte mich zu ihm und fragte: Was genau war die Frage, die Du in Deinem Coaching beantworten wolltest? Und er darauf: Ich befinde mich an einem Scheideweg und wollte wissen, nach welcher Richtung ich mich wenden sollte.

Ich schaute nochmals die kleine Papierscherbe an und bat ihn die Frage laut zu sagen und dann diese Scherbe vorzulesen. Er sagte: Wohin genau soll ich mich wenden?

Die Antwort stand auf dem Papierfetzen: ZU LIEBE.

Der Rest des Coachings war nicht mehr gefüllt mit Geschichten, sondern mit vielen Tränen, Demut, tiefem Verstehen, Berührtheit und Tiefe.

Das ist nur eine meiner vielen wertvollen und wunderbaren Geschichten.

Ich habe so viel Glück. Mein Leben ist voll davon und stetig werden es mehr und mehr. Ich bin so reich.

Diesen Blogg möchte ich als Dank schreiben für die Geschichten, die mir erzählt werden, für die, die uns allen erzählt werden. Die, die wir erzählen und erleben, weitergeben und damit etwas bewegen.

Im Englischen sagen wir: Thank you for sharing. Danke fürs Teilen.

Danke fürs Mitteilen.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blog ist dem Scherbenfinder gewidmet. Er hat den Blogg abonniert und erinnert sich sicher lebenslänglich an den Tag im Wald.

Wenn man „trotzdem“ lacht…

Nimm Dir wenige Minuten Zeit hierfür:

Früher war das doch auch ganz leicht. Wir haben uns einfach kaputt gelacht. Über dies und das, einfach mal ohne Grund – oder ansteckend weil irgendjemand damit anfing. Lachen war immer einfach. Leider ist uns der Humor dann irgendwann abhanden gekommen. Das Leben wurde seriös und es gab scheinbar weniger zu lachen…

Manchmal sagt man ja auch: „Der geht zum Lachen in den Keller“, wenn jemand humorlos zu sein scheint.

Ich erinnere mich an einen ganz besonders tragischen Fall. Ich coachte ein Paar, die Frau war herrlich quicklebendig und wild. Der Mann war schwer, trocken, sorgenvoll, sehr ernst. In einem der Gespräche, es ging um Streitkultur, da sagte ich: So und jetzt nimmst Du die kleine Extravaganz, die Prise Humor mit dazu, in die Lösung. Er schaute mich entgeistert an und sagte: Es gibt nichts zum Lachen! Die Lage ist zu ernst! Wo kämen wir denn da hin wenn wir über alles lachen!

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das hast Du sicher auch schon gehört. Wir entfernen uns von dem herrlichsten aller Gefühle, aber wir können auch wieder da hin kommen. Manchmal schaue ich mir einfach so ein paar Videos zum Lachen an. Dann geht es mir besser. Denn Lachen ist nun mal gesund. Es verbessert die Lungenfunktion, es gibt dem Gehirn eine Sauerstoffdusche und es massiert sogar die Organe von innen.

Lachen baut Stresshormone ab, fördert die Immunstärke, schüttet Glückshormone aus. Ein ganzer Cocktail guter Gefühle drängt sich in unser Wesen. Es gibt sogar eine ganze Wissenschaft, die sich damit beschäftigt: Die Gelotologie (gelos-Lachen).

Der Pariser Neurologe Henri Rubinstein, der sich schon seit Jahren mit der Lachforschung beschäftigt, definiert das Lachen als „eine unwillkürliche Körperreaktion auf eine als angenehm empfundene Emotion“. Diese Reaktion scheint keinen anderen biologischen Nutzen zu haben, als den Menschen vorübergehend vom Stress zielgerichteter Tätigkeiten zu erlösen. Folgerichtig spricht der Literat Arthur Koestler von einem „Luxusreflex“, der nur dem Menschen zu eigen ist.

Also sollen wir einfach mehr lachen, damit es uns besser geht?

So einfach?

Ja, es ist so einfach. Eigentlich ist das ganze Leben einfach. Wir machen es uns nur unnötig schwer mit schweren Gedanken und schweren Emotionen. Wir meinen, so wie mein Coachee damals, dass es ja gerade jetzt wirklich keinen Grund zum Lachen gibt. Wir verbieten es uns sogar oft, schieben es weg, heben es für später auf. Ganz ehrlich: Ein „später“ gibt es dafür nie.

Wenn Du zurück denkst an die wirklich wunderbaren Momente, in denen Du so richtig herzhaft lachen konntest, dann fallen Dir sicher schnell wieder welche ein. Auch wenn es nur ein Besuch bei einem Comedian war. Zum Beispiel: Kaya Yanar. Da Du, lieber Leser, vermutlich deutschsprachig bist, dann schau Dir eins seiner Bühnenprogramme an. Geht auch virtuell. Unschlagbar seine Betrachtungen über die Deutschen oder die Schweizer. Ich kann es mir immer wieder anschauen und mich dazu amüsieren, weil er selbst sogar auch immer wieder darüber lacht während des Vortrags.

Nimm Dir heute, jetzt, diese Woche viele Momente in denen Du lachen kannst. Triff Dich mit Menschen, mit denen Du lachen kannst. Mit frohen Gemütern. Mit Menschen, die das Leben nicht so ernst nehmen.

Wir haben immer – immer! – die Wahl das Leben ernst zu nehmen oder etwas zu finden, das uns amüsiert.

Ich denke gerne an ein Seminar 2007 oder 08. Es war ein intensives Seminar, an dem ich schon vier Tage eine hohe Energie halten musste für meine Teilnehmer. Wir hatten auch Spass, sehr viel sogar (es hiess „Spielräume“). Aber für mich als Seminarleiterin war es auch enorm kräftezehrend. An einem der letzten wichtigen Momente bekam ich plötzlich, ausgelöst von meinem liebsten Freund Georg, eine Lachsalve. Wir konnten nicht mehr aufhören, es ging über eine Stunde. Wir schrien, giggelten, warfen uns weg vor Lachen. Mussten sogar aus dem Seminarraum raus, weil die Teilnehmer an etwas Wichtigem arbeiten wollten… niemand wusste wie das begonnen hatte und Georg und ich konnten nicht aufhören damit. Am Ende habe ich mir vor Lachen in die Hosen gemacht.


Eine der köstlichsten Erinnerungen meines Lebens.

Nimm das Leben leicht. Gönn Dir eine Lachpause. Befreie Dich. Es ist Deine Wahl.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich meiner Freundin Mirjam, mit der ich immer lachen kann. Und lieber Georg, eines Tages lachen wir uns tod, so haben wir das damals beschlossen. Und Alf, ein Mensch, der das Leben so humorvoll nimmt und meine Freundin Heidrun so köstlich viel zum Lachen bringt.

Immer mit der Ruhe

Man könnte meinen ich habe die Ungeduld erfunden. Aber das stimmt so nicht. Ich kenne nämlich extrem viele Ungeduldige und sehr wenig Geduldige.

In der jetzigen Zeit muss ohnehin alles schnell gehen. Wir wollen nicht warten, auf nichts. Es muss schnell gehen. Wir wollen es schnell haben. Schnell tun. Schnell erreichen.

Es ist ein running Gag, dass ich immer das Gleiche sage, wenn Menschen zu mir sagen: „Ich muss mal schnell aufs WC“. Dann sage ich: „Geh langsam und lass es gemütlich aus Dir heraus laufen“. Es ist doch auch schön, mal einen Moment nichts anderes zu tun zu haben! Wenn Du nicht mit dem Smartphone oder der Zeitung auf dem WC thronst dann hast Du ein paar Minuten, die Du innehalten kannst. Vielleicht die einzigen heute?

Wie wäre es, die Dinge einmal l a n g s a m zu machen?

Was tut das mit Dir, wenn Du Dir Zeit nimmst und ganz wie ein Zen-Mönch alles achtsam machst?

Was schenkt Dir dann die Zeit und das heraus genommene Tempo?

Vielleicht Genuss? Vielleicht Wachheit?

Wie lange dauert zum Beispiel Deine Morgenroutine?

Lässt Du Dir Zeit zum Aufstehen? Räkelst Du noch ein bisschen im Bett bevor Deine Füsse Dich in die nächsten Schritte tragen? Geniesst Du eine lange schöne genüsslich duftende Dusche? Das vorgewärmte Handtuch? Und dann – ein tolles Frühstück? Lässt Du Dir Zeit?

Vor einigen Jahren war ich so gestresst dass ich fast zum Randalieren begann wenn etwas nicht zack-zack gehen konnte. Ich erinnere mich an einen Morgen, an dem ich wieder einmal gegen die Uhr rannte. Da sah ich, dass mein Sprit nicht mehr in die Praxis reicht. Es war unheimlich kalt an dem Morgen, ich hielt an einer Tankstelle und weil die Zeit knapp war tankte ich nur ein paar Liter. Danach wollte ich die Tür meines Beetle öffnen und sie war inzwischen wegen dem Kondenswasser vorher eingefroren. Ich trat mein süsses Auto in die Reifen und schrie es an: „Du musst jetzt gefälligst funktionieren Du Scheissding!“ Aber der Wagen öffnete die Tür nicht. Ich musste meinen Kunden anrufen, klar das Handy war greifbar in meiner Jackentasche. Ich sagte ihm ab, weil ich wusste dass ich es nicht mehr schnell schaffe. Einen Moment dachte ich nach, dann sagte ich auch noch alle weiteren Kunden ab.

Ich fuhr nach Hause, nachdem mein Beetle von einem freundlichen Mit-Tanker enteist worden war. Dann machte ich mir ein Frühstück und legte mich aufs Sofa. Ich gönnte mir eine Vollbremsung. Erst da wusste ich, wie mörderisch mein Tempo schon wieder geworden war.

Ich sag es ehrlich: Das ist mir oft, sehr oft, passiert.
Gas geben, vollbremsen. Gas geben, mich selbst überholen, vollbremsen.

Erst nach einigen Jahren und etlichen verbrannten Bremsmanövern habe ich erkennen können, dass beständiges und langsames Vorgehen viel besser gesünder und nachhaltiger ans Ziel bringt. Auch in meinen Coachings konnte das wohltuend einfliessen. Jeder hat ein anderes Tempo, sich vorwärts zu bewegen. Jeder braucht seine eigene Zeit, seinen eigenen Rhythmus, kleine oder grosse Schritte, Radikales oder Sanftes.

Welches Tempo brauchst Du, um Dich entspannt dahin zu bewegen wo Du hin willst?

Hast Du die Zeit, die Dinge reifen zu lassen?

Kannst Du abwarten?

Kannst Du beobachten, wann es richtig ist, wann die Gegebenheiten optimal sind für den nächsten Schritt?

Gibst Du Dir Zeit?

Meinst Du es gut mit Dir?

Vielleicht ist das die wichtigste Frage überhaupt: Meinst Du es gut mit Dir?

Tue nichts – und lass nichts ungetan. Das ist eine wunderbare Weisheit von einem meiner Lehrer: Wayne Dyer. Und das heisst: Tue nichts um die Dinge zu beschleunigen. Lass nichts ungetan, zu was Du jetzt gerade in der Lage wärst.

Geh langsam, lass Dir Zeit, geniesse. Und ab und zu muss man auch mal hängen können. Die Akkus laden, durchatmen, den Moment wahrnehmen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Hier noch ein kleines musikalisches Pralinenstückchen zu diesem Thema: