Gut genug

Letzte Woche traf ich nach Jahren eine wundervolle Frau wieder. Sie ist Unternehmerin und sehr erfolgreich, gut bekannt und auch geschätzt. Es war lange her, dass ich sie gesehen hatte. Aus meinen Coachingstunden mit ihr wusste ich, wie viel Wert sie auf eine gute Figur legt und wie gesund sie lebt und trainiert. Ich war ein bisschen nervös vor dem Treffen. Sie kam ganz ohne Attitüde und völlig lässig, war wie immer gertenschlank und attraktiv.

Als sie sich einen Cappuccino und ein „leeres“ Brötchen bestellte musste ich schmunzeln und dachte: daran sollte ich mir ein Beispiel nehmen. Und dann kam der Überraschungsmoment. Als der Cappuccino da war, öffnete sie zu meinem Erstaunen eins der Zuckertütchen, rieselte es auf ihren Kaffeelöffel und bedeckte den Löffel mit Schaum. Dann schob sie den Löffel in den Mund und feierte das Knistern und die Süsse, als sie den Zucker genüsslich zerkaute.

Es war nur ein Detail. Aber mit so viel Selbstverständlichkeit und ungekünsteltem Spass gepaart, war es für mich einer der besten Momente der Woche.

Auch im Gespräch gab es nachher viel Inspiration. Inzwischen sind fast 10 Jahre vergangen, dass sie in meinem Coaching war, aber wir konnten problemlos wieder anknüpfen und lachen und verbal Pingpong spielen. Ein Vergnügen.

Mit einer der Aussagen traf sie dann ins Schwarze.

Mit einigen privaten und beruflichen Dingen waren wir schnell beim „Glücklichsein“ angelangt. Und sie sagte, klar würde nicht alles immer nur rund laufen, es gäbe immer Luft nach oben aber manchmal wäre „good enough“ eben auch genug.

Gut genug!

Sie selbst: gut genug. Die beruflichen und privaten Belange: gut genug.

Sie hat mir gezeigt, dass „gut genug“ eben auch manchmal genug ist. Und sie hat mich damit inspiriert, diesen Beitrag zu schreiben.

Wann ist es für Dich mal „gut genug“?

Können wir in einer Welt, in der wir immer nur nach dem Besten streben, auch einfach mal sagen: DAS reicht jetzt, so kann das bleiben? Es muss sich nicht noch mehr verbessern? Es darf auch einfach mal genügen?

Wenn man mit jemandem zusammen sitzt und zu einem feinen Essen eingeladen ist und der Gastgeber Dich fragt, ob Du noch ein weiteres Stück Kuchen oder noch einen Kaffee oder noch einen Schluck Prosecco möchtest, dann sagen wir ja auch gerne: Nein danke, ich habe genug.

Genug haben ist doch auch sehr entspannend. Das heisst doch auch: Ich bin satt. Ich bin vollständig umsorgt. Ich brauche nicht noch mehr davon.

Ich sage manchmal: Heute habe ich genug geredet. Das heisst dann auch: Ich habe genug zugehört, ich habe genug dazu gesagt. Jedes Mehr wäre jetzt zu viel.

Wie oft sind wir genügsam?
Wann hast Du genug?

Kannst Du die Entspannung spüren, wenn Du sagst: Danke, ich habe genug davon?

Im Gespräch mit der Unternehmerin sagte sie das so wunderbar: Es ist gut genug. Es ist ausreichend und ich kann es so nehmen wie es ist.

Das Treffen war für mich in jeder Hinsicht ein riesiger Gewinn denn an diesem Tag und auch an den nächsten Tagen sah ich Dinge mit anderen Augen und sagte immer: Good enough.

Das Erreichen meiner Ziele im Coaching: gut genug.

Mein Intervenieren bei einer Krise: gut genug.

Meine Zwischenziele: gut genug.

Mein Auto: gut genug.

Meine geographische Heimat: gut genug.

Sogar mein Kontostand: gut genug.

Ich selbst: sowieso gut genug.

Wann ist es für Dich genug?

Ich meine damit nicht, dass Du nicht weiter streben kannst. Oder Dein Potential nicht ausreizen solltest.
Nur: einfach mal durchatmen und sagen: Ach. Gut genug! Alles da was ich brauche!

Ich wünsche Dir eine entspannende Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Dieser Blog ist für F. mit Dank für zwei vergnügliche Stunden.

 

PPS. ich habe bewusst keinerlei Bezug auf die Coronakrise genommen. Darüber sprechen genug Menschen und es gibt genug Meinungen und Theorien und ganz ehrlich: Ich hab genug von dem Thema.

 

Herz über Hirn

Diese Tage bekam ich einmal die Frage, ob ich denn mein Hirn nicht benutze?

Es war provokativ gemeint und ich liebe provokative Fragen. Auch wenn es mich im Moment wütend macht.

Ich dachte nach: Wie oft habe ich in den letzten Jahren bei wichtigen Entscheidungen mein Hirn benutzt?

Nun, ich mag mein Hirn. Es ist schlau. Es gibt mir Lösungen, es kann brillant sein, es kann gut analysieren und berät mich meistens bestens, es hat viel gespeichert (auch das was ich nicht mehr brauche), es lässt mich bisweilen sogar amüsiert zurück, wenn es Dinge tausend Mal in verschiedenen Variationen „durchgedacht“ hat. Aber ich glaube nicht, dass ich es je (ich kann mich irren) für eine Entscheidung benutzt habe. Und auch finanziell, oder man sagt ja lieber betriebswirtschaftlich, ist mein Herz ein wirklich schlechter Berater.

Zurück denkend meine ich, dass ich in meinem Leben wirklich sehr viel bezahlt habe, für die Entscheidungen, die ich nur mit dem Herzen getroffen habe. Aus dem Stehgreif könnte ich etliche aufzählen. Mein Herz ist grosszügig, es ist solidarisch, es ist mitfühlend und verständnisvoll, es ist zugewandt und freundlich – und mein Hirn hält es für dumm.

Wie oft hast Du Dich mit dem Herzen entschieden?

Und wie oft mit dem Hirn?

Kannst Du Dir die „Dummheit“ Deines Herzens verzeihen?

Schau, was passiert, wenn Du da mal reintauchst: Wann hast Du das letzte Mal Dein Herz statt dem Hirn gefragt und bist dabei scheinbar krass gescheitert?

Und was macht es mit Dir?

Unserem Herzen folgen heisst aber auch, dem unbequemen Weg folgen. Eben für das einstehen, was wir für richtig fühlen. Auch dann, genau dann, wenn Gegenwind kommt. Auch dann, wenn Gefahr in Verzug ist. Auch dann, wenn es uns etwas kostet.

Es kostet – viel MUT! – dem eigenen Herzen zu folgen.

Die allermeisten Menschen würden uns davon abraten. Und sich still danach sehnen, es selbst zu tun.

Ich ging ein bisschen schwanger damit, einen Tag, vielleicht zwei, ob mein Herz wohl dumm ist. Weil es mich ja in viele Situationen bringt, die ich sehr teuer bezahlen muss. Nach wie vor.

Und erinnerte mich auch an zwei wundervolle Frauen, die ihrem Herzen gefolgt sind und damit emotional in eine katastrophale Lage kamen.
Darf man dann sagen: Ich mache mal wieder zu? Verschliesse mein Herz?

Wären wir besser beraten dem Herzen oder dem Hirn zu folgen?

Diesen Blogg kann ich nicht mit einem Rat beenden. Ich weiss nicht, was richtig ist. Jeder und Jede kann das nur für sich selbst entscheiden.

Folgst DU Deinem Herzen?

Und wenn ja, wohin führt es Dich?

Folgst DU Deinem Hirn?

Und wenn ja, kannst Du damit Deine Sehnsucht betäuben?

Nein, es gibt nicht gemeinsam Herz und Hirn für Entscheidungen. Das kann mir keiner erzählen.

Hier noch eine kleine Anekdote. Vor etwa 12 Jahren coachte ich einen wunderbaren, feinen, sanften, herrlich extrovertierten und unterhaltsamen Holländer. Er war ein Händler, ein Verkäufer. Aber diese Jagd nach dem nächsten Erfolg hatte ihn viele wichtige Dinge in seinem Leben vergessen lassen. Eines Tages wollte sein Produzent ihm noch mehr Arbeit anbieten und er lehnte ab. Der Produzent war fassungslos aber mein Coachee sagte: „Eines Tages mein Freund, wirst Du reich sterben. Und ich: glücklich.“

Als kleines Amüsement habe ich gestern einen Zeitungsartikel entdeckt, dessen Titel war: DER BESTE FEHLER MEINES LEBENS.

Und nun, nochmals: Folgst DU Deinem Herzen?

Wie auch immer Du Dich entscheidest: Sei glücklich damit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Das Dumme Herz

 

Bist Du Kind, ist es geschätzt, geliebt, gern gesehen.

Erwachsene trinken sich an seiner Wärme satt.

  Aber ach, für diese Welt ist es so verkehrt,

deshalb wird es erzogen sich zurückzuziehen.

Auch Schmerz bringt es dazu sich zu schliessen.

In dieser Welt wird Kopf begrüsst, gefördert, geachtet.

Der Mangel an Herz wird mit noch mehr Kopf ausgeglichen.

  Der Schmerz wird verdrängt, betäubt, verleugnet.

Meist vergisst man auch woher dieser Schmerz kommt.

  In dieser Welt heisst es zu funktionieren.

Funktionieren heisst Leisten, Leisten heisst wertvoll zu sein.

Misstrauen, Angst vor Verletzung, Sorge als dumm zu erscheinen;

verhüllt durch Wichtigtuerei und Machtgehabe.

Das Herz wird verlacht, ins Lächerliche gezogen, als naiv verschrien.

  Ein Ausdruck des Herzens ist die Liebe.

Doch das Herz ist geschlossen, der Kopf offen und geübt.

  Perfekt, wem gelingt die Liebe im Kopf zu leben.

Die Welt ist entzückt, macht sie doch gute Geschäfte.

  Viel besungene Liebe, von jedem anders definiert.

Jeder fordert sie vom anderen, lässt sie sich beweisen.

 Mit jeder Enttäuschung wächst der Schmerz.

Liebe wird als Illusion erkannt und das Herz ist zugemauert.

  Einzig die Mutterliebe ist in dieser Welt toleriert,

von manchem auch geachtet.

Hier ist die bedingungslose Liebe manchmal noch erkennbar.

Ein lebendiges, offenes Herz schlägt voller Liebe –

Liebe, die nichts fordert, nichts beweisen muss.

Ein vermauertes Herz kann dies nicht begreifen.

Angst verhindert das notwendige Vertrauen.

Vertrauen in sich selbst und in Andere.

   

Das Herz, als dumm verkannt, ist der Schlüssel zu Deiner Wirklichkeit.

(C.W.)

Was uns Halt gibt…

Hast Du eine schöne und stabile Familie? Hattest Du in Deiner geborgenen Kindheit die Chance, Dein Urvertrauen aufzubauen? Haben Deine Eltern Dich gefördert und nur Deinem Wesen entsprechend gefordert? Wurdest Du mit wertvollen Werten erzogen? Bist Du heute in Dir selbst ruhend, fühlst Dich sicher und in Dir selbst vertrauensvoll?

Dann bist Du wohl ein Glückskind!

So viele Menschen, die ich kenne und auch beruflich getroffen habe, haben das vermisst: Eine schöne Kindheit. Eine Familie, die Halt gab und heute noch gibt.

Es ist die Mehrzahl der Menschen, die ihre Wurzeln nicht aus der Herkunft ziehen…

Moment mal, ist das wahr?

Kannst Du Dir für einen Moment einen Baum visualisieren? Seine Wurzeln?

Siehst Du, dass seine Wurzeln etwas ganz Eigenes sind? Dieser Baum hat sich in die Erde gegraben und dort dicke und feine Schlingen ausgelegt, um seinen Wachstum nach oben zu stabilisieren. Da half niemand, ausser vielleicht die Elemente.

Der Baum ist stabil aus eigener Kraft. Weil er sich verankert hat. Weil er nach unten und nach oben gewachsen ist.

Dies kann aus zweierlei Hinsichten beim Menschen entstehen: Uns wurde gut zu geredet, wir wurden unterstützt und gepflegt, bestärkt und motiviert.

Oder wir haben genau das Gegenteil erlebt: Wir wurden verunsichert, nicht gut behandelt, waren im Mangel, wurden immer wieder desillusioniert oder enttäuscht und manchmal sogar gebrochen.

Meine Erfahrung als Coach hat mir gezeigt, dass Kinder aus schwierigen oder lieblosen Familien oft starke und feste Wurzeln ausgebildet haben. Sie hatten keine Wahl: Entweder sie gehen unter, oder sie finden zu einem stärkeren Stand. Genau diese Menschen hatten felsenfeste Überzeugungen, feste, unverrückbare Werte, Durchhaltevermögen, Mut, Wut und Willen.

Wenn der Wind dann kam, waren diese „Bäume“ bereits sturmerprobt. Sie wussten sich vielleicht nicht immer zu wehren, aber sie blieben stehen, knickten nicht ein, waren kräftig genug um sich auf sich selbst und ihre eigene Stabilität zu konzentrieren.

Wie sind Deine Wurzeln ausgeprägt?

Zu was kommst Du zurück, wenn alles verloren scheint?

Auf was kannst Du immer wieder aufbauen?

Woran glaubst Du?

Was gibt Dir Halt?

Sich einmal mit diesen Fragen auseinander zu setzen gibt schnell wieder Ruhe und Kraft. Spüre, wie sehr Du verankert bist: In Deinen Werten, in Deinen Erfolgen, in Deinem Herz. Wenn Du das kannst, dann kann der Wind weit oben in der Krone spielen wie er will: Dann fällst Du nicht um, sondern wirst höchstens ein bisschen „seekrank“ vom Schaukeln.

Mensch, stabilisiere Dich! Auch gerade in diesen hysterischen Tagen, in denen alle Angst vor einem Virus haben, der medial in die höchsten Höhen dramatisiert wird.

Denke daran: WAS GIBT DIR HALT?

Bleib da! Der Wind wird Dich nicht umblasen.

Hier noch ein wunderschönes Bild aus Jersey: Auf einem alten Friedhof dort steht eine Eiche, deren Alter auf 300-400 Jahre geschätzt wird. Der riesige Baum streckt seine gewaltigen Äste, die alle selbst dick wie Bäume sind, in alle Richtungen. Steht man am Baum kann man eine wohltuende Ruhe, Stärke und Gelassenheit spüren. Seit Jahrhunderten bezieht dieser Baum sein Grundwasser aus dem Friedhof. Seine Wurzeln haben inzwischen viele viele Menschen „eingeatmet“. Und das spürt man auch: Dieser Baum wird niemals fallen. Er steht wie ein Monument. Er ist stark. Er widersteht jedem Sturm. Ein Stück Leben für die Ewigkeit.

Besinne Dich auf Deinen Halt. Deine Wurzeln. Du hast sie alle selbst gemacht.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Schwerelos

Fühlst Du sie auch manchmal, die schwere Zeit?

Hast Du es auch aktuell gerade schwer?

Wir alle laufen hin und wieder mit einem Rucksack durchs Leben, der voller Steine ist. Das Komische daran: Wir haben ihn uns selbst aufgeladen. Tragen ihn mitunter sogar stolz und meinen, das gehöre sich so.

Sorgen sind im Rucksack, Befürchtungen, Pflichten, Schuldgefühle, Bedenken, Dinge, die wir meinen tun zu müssen. Zweifel, Zögern, Widerstände, Traurigkeiten, Erwartungsdruck und Angst.

Meistens ist der Rucksack gefüllt, weil wir meinen, das mit uns herum tragen zu müssen. Und dann gibt es noch die, die sich von anderen den Rucksack füllen lassen. Die freiwillig des Anderen Last (mit-) tragen.

Wir alle glauben noch daran, dass es uns adelt, wenn wir durch „schwere Zeiten“ gehen und sie aushalten und überwinden, meistens sind wir stolz darauf, wenn wir die Schwierigkeiten überwunden oder so lange mit ihnen gelebt haben. Auch so ein Glaubenssatz: Wenn ich es schwer habe und trotzdem weiter mache, dann bin ich edel und zeige meine Stärke. Die Schwere mit tragen, das wird uns als menschliche Tugend verkauft.

Kein Wunder wird dann der eigene Gang schwer. Das Leben scheint schwer. Die Entscheidungen scheinen schwer.

Und wenn Du das Ding einfach mal absetzt? Ausleerst?

Hast Du die Chance, Dein Herz einem anderen mal auszuschütten?

Aufzuräumen, loszulassen?

Vor allem aber zu fragen:

Was macht mich jetzt gerade so schwer?

Als Coach darf ich Dir sagen: In fast allen Fällen ist die Last im Rucksack nur

ein grosser Haufen Gedanken. Eine ganze Menge selbst auferlegter Glaubens- Muster (ich bin dafür verantwortlich, ich muss doch, ich sollte noch, ich habe die moralische Pflicht).

Kannst Du mal hinterfragen was Du wirklich MUSST?

IST DAS WAHR?

Gerne empfehle ich in solche Fällen die Arbeit von Byron Katie.

Wie kein anderer schafft es Byron Katie, Dir klar zu machen, dass es vor allem die Gedanken sind, an denen Du leidest. Meist sind die Katastrophen niemals eingetreten, vor denen wir so lange Angst hatten, die wir mit uns herum geschleppt haben. Meist sind die Pflichten, die wir haben, gar nicht so drückend, werden gar nicht alle von uns erwartet.

Selbst wenn es jemand von uns erwartet, dies oder das zu tun, dürfen wir uns fragen:

Will ich das eigentlich (mit-)tragen?

Damit meine ich keineswegs dass wir alle egoistische Menschen werden sollen, die nichts mittragen sollen, wenn es denn wirklich nötig ist.

In unserem Rucksack aber ist auch oft viel Schrott, der einfach mal angeschaut und mitgeteilt werden muss, damit wir ihn nicht mehr zwanghaft verdrängen – und weitertragen.

Sich einem anderen ausschütten wie eine Insel – das ist auch Boden, auf dem wir stehen können. Und dann – vielleicht – erleichtert weiter gehen, weil es einfach mal gesagt worden ist. Ich kenne die schweren Zeiten auch. Meine hiessen: Verschweigen. Ich habe meine Abscheu, meinen Ekel, meine Wut, die Ungerechtigkeiten, die Kränkungen, meine Ablehnung oft in meinem Leben verschwiegen, es wurde tonnenschwer, dieser verdammte Rucksack. Und dann: Habe ich mir erlaubt alles „aus – zu – spucken“. Mit viel Glück hatte ich einen stabilen wunderbaren liebenden Menschen vor mir, der mir die Spuckschale hielt und damit auch gezeigt hat: Ich höre Dir jetzt mal zu und halte das alles aus.

Denn seien wir mal ganz ehrlich: Wir schütten einem anderen nicht das Herz aus. Sondern die Last aus dem Rucksack. Vieles darf dann gemeinsam

ent – sorgt werden.

Willst Du Deine Schwere los sein?

Kannst Du sie los lassen?

Damit Du wieder frei atmen, tanzen, rennen kannst?

Ein kleiner Trick um einen Anfang zu machen: Suche Dir ein SPA in der Nähe, ein Thermalbad. Lege Dich eine Stunde oder mehr in warmes Salzwasser. Lass Dich „floaten“. Spüre die Schwerelosigkeit. Spüre wie gut es tut.

Und dann: Lass den Rucksack los.

Jetzt kannst Du fliegen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

(diese Adlerperspektive widme ich der mutigen Daniela. Volle Kraft voraus!)

 

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Kreativ oder innovativ?

Kreativ oder innovativ?

Goethe hat einmal gesagt: „Den lieb ich, der Unmögliches begehrt“.

Kreativ sein heisst: Etwas vollkommen NEUES erschaffen, etwas das vorher noch nicht da war. Kreativ heisst eigentlich: schöpferisch. Also etwas erschaffen.

Innovativ dagegen ist: Etwas, das schon da war (und sei es nur als Idee, als Konstrukt) neu entwickeln. Innovativ heisst eigentlich: erneuern.

Diese beiden Wohltaten werden oft verwechselt.

Natürlich haben wir unsere Vorlieben. Innovativ sind zum Beispiel die Tüftler und Verbesserer. Kreativ sind eher die Künstler, die einen freien Geist haben und aus dem Vollen ihrer Phantasie und auch – Spinnerei – schöpfen können.

Möchtest Du ein kleines Gedankenspiel?

Nimm Dir ein paar Minuten Zeit und notiere alles, was Du mit einem Holzlöffel machen könntest, ausser damit zu kochen oder im Topf zu rühren. Schreib auf.

Na, hast Du mehr als zehn Ideen?

Und welche ist die Wagemutigste?

Welche die Verrückteste?

Hast Du daran gedacht, ihn einzupflanzen damit ein neuer Baum daraus wachsen kann? Ihn zu zermahlen und im nächsten Kuchen mitzubacken? Dein Kaminfeuer damit anzuzünden? Ihn mit den Borsten einer Zahnbürste zu bekleben und als Kratzer für den Rücken zu nehmen? Ihn zu einem Mobile zu verarbeiten? Ihn an den Teddybären zu nähen damit dieser aufrecht stehen bleibt? Ihn anzuspitzen und Löcher in ein Stück Papier damit zu stanzen?
Kreativ sein heisst: Neue Gedanken denken.

Und das Schöne ist: jeder könnte das. Die Eingangstür zur Kreativität heisst, Deinen logischen und auch konventionellen Verstand an der Schwelle abzugeben und frei drauf los zu assoziieren.

Kreativ sein heisst: überraschen.
Der gute Karl Lagerfeld hat einmal gesagt, Kreativität sei ein Muskel, den man trainieren müsse. Bis zu seinem Tod hat Karl gearbeitet und überall her seine Inspiration geholt. Er sah ein Stück Fleisch beim Metzger in der Auslage und wollte die Struktur daraus in den Stoffen sehen, er schaute sich Architektur an und sah neue Formen, er schmeckte einen kalten Hering und setzte eine Assoziationskette in Gang, die einen geschmeidigen, grün schimmernden glatten Stoff in Bahnen um einen Frauenkörper schlang.

Kreativität hatten wir als Kinder alle. Leider hat uns die Schule in geistige Schubladen gedrängt, die Gesellschaft uns konservative und monotone Gedanken und Verhaltensmuster aufgebürdet. Viele von uns wären immer noch kreativ aber finden die neuen Sachen, Gedankenspiele, Worte nicht.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich einen jungen Mann im Coaching, der mir ernsthaft sagte, er finde keine Worte, er wisse schon gar nicht wie das heisst, was er ausdrücken könnte wenn er denn wolle. Ich musste mit ihm das kleine emotionale Alphabet nachholen, ihn aus der Reserve locken. Er musste wieder schreien, lachen, singen, tönen und sich befreien aus dem Korsett der eigenen und fremdbestimmten Erwartungen. Heute kann er sich ausdrücken. Seine Wortspiele im SMS die er mir gelegentlich zukommen lässt, sind amüsant und eigenwillig, frech und neu. Ich liebe es.

Du kannst Deine Kreativität neu beleben. Jederzeit. Eins der effektivsten Dinge, sie wieder lebendig zu machen, ist, ein Bildwörterbuch zu lesen. Das gibt es nicht nur für Fremdsprachen, sondern auch für Deine Sprache.

Und dann gehst Du in einen Spiele-Laden für Erwachsene und holst Dir Fragespiele. Lass Dich inspirieren und schau mal, was alles zum Vorschein kommt, wenn Du Dich darauf einlassen oder besser: frei lassen kannst.

Gib Deinem Hirn einen Kick.

Werde high ohne Drogen.

Kreativität ist in meinen Augen die genialste Lösung für die Freiheit.

Flieg hoch!

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Die Kreativität hat von mir verlangt an einem hundsgemeinen Dienstagabend einen Blog Eintrag zu schreiben. Ich hatte einfach gerade Lust dazu.

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

„Ich lauf‘ des öfteren Gefahr
Zu vergessen wie schön das Leben bisher war
Mit dir von Anfang an verflochten bis ans Ende meiner Zeit
Wir lieben das Leben und sind dafür bereit

Denn wir alle werfen Schatten auf des Nächsten Licht
Lass dich nicht zerbrechen und fürchte dich nicht

Vor dem, was da kommt
Vor dem, was du fühlst
Vor dem, was du liebst

Das hat die Welt noch nicht gesehen
Trotzdem ist Liebe wunderschön
Ist unsichtbar und trotzdem da
Freude und Leid das ganze Jahr
Man nimmt das Leben sonst nicht wahr
Denn mit dem Herz sind wir meist blind
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind
Der doch dem Meer den Regen bringt…“

Kennst Du diesen Text der Söhne Mannheims?

Was löst es bei Dir aus?

Diese Tage wurde ich einmal mehr mit einigen emotionalen Berg- und Talfahrten konfrontiert. Manchmal scheint es mir, das Leben findet in Wellen statt. Und in den letzten Wochen kam wieder eine Schmerzwelle. Viele meiner Coachees und Freunde gingen und gehen durch intensive emotionale Prozesse.

Ich musste dabei an einen Satz denken, den ich vor Jahren einmal von einer spirituellen Lehrerin hörte:

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Wir sehen oft nur das Problem, die schwierige Situation, die Verletzungen, die Irrtümer, die Fehlentscheidungen. Und dann suhlen wir uns – im Selbstmitleid, in der Anklage, in der Angst, im Schmerz, im Minderwertigkeitskomplex.

Statt dessen könnten wir einfach unseren Blick in eine andere Richtung lenken: Und was ist jetzt wunderbar? Was könnte ich jetzt sofort verändern, um es wieder passend zu machen? Was macht mich jetzt glücklich?

Vor einiger Zeit war auch ich einmal in so einer Lage. Ich sah den Weg nicht mehr, ich wusste einfach nicht weiter, alle Gedanken kreisten sich beständig um das zu lösende Thema. Ich war blind, taub, unempfänglich, in mir gefangen. Was für ein Glück, dass ich da einen Spaziergang mit einem besonders lieben Menschen machte. Er bat mich, auf den Boden zu sehen. Stehen bleiben und auf den Boden sehen. Ich hatte den Eindruck es zieht mich sofort runter. Ich sollte klagen und jammern und den Boden anschauen. Das war leicht. Und es nervte mich gleichzeitig auch gewaltig. Dann sagte er: Und jetzt schau nach vorne!

Und ich sah….

weg

 

Wunderschön! Der Weg ging weiter für mich, ich hatte wieder einen weiten Horizont. Ich sah wieder die Schönheit. Ich hatte die kleine kleine Perspektive verlassen, die mich einengte. Ich konnte wieder atmen.

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Was kannst Du JETZT sofort tun, entschliessen, wahrnehmen um glücklich zu sein?

Wie kannst Du den Schalter umlegen, was würde Dir dabei helfen?

Nun – zuerst musst Du – die Perspektive wechseln.

Wenn irgendwie möglich gehe an einen erhöhten Platz, einen Berggipfel, einen Turm, einen Aussichtsplatz. Und dann – schau in die Weite. Erkenne: Eigentlich ist das, was mich gerade plagt ein NICHTS. Verglichen mit dem, was ich bereits erlebt habe. Mit dem was ich alles kann. Mit dem was das Leben zu bieten hat. Mit dem wofür ich dankbar bin. Mit dem was es alles gibt. – Verglichen damit ist es nichts.

Atme tief ein und aus. Sieh die Schönheit. Nimm wahr was ist. Das was jetzt vielleicht gerade nicht da ist. Aber doch immer da ist.

Das schönste Bild dafür ist das, was sich uns bietet, wenn wir das Vergnügen haben zu fliegen: Man durchbricht die Wolkendecke und oben ist der Himmel immer herrlich blau und die Sonne ist gleissend. Eine Schönheit, die sich immer wieder bietet. Es ist niemals anders.

Komm aus den Wolken in Deinem Blick und sieh: Der Weg führt Dich weiter.

Das Glück ist immer da. Entscheide Dich dafür und bleibe dabei.

Willkommen in der Adlerperspektive.

kommt, meine freunde
noch ist es nicht zu spät
eine neue welt zu suchen

denn ich will weitersegeln
über den sonnenuntergang hinaus
und obwohl wir nicht mehr die kraft besitzen
die in den alten tagen
himmel und erde bewegten
sind wir dennoch was wir sind

noch immer sind wir helden
deren herzen im gleichklang schlagen

zwar schwächt das schicksal
uns von zeit zu zeit
doch stark ist unser wille
zu streben
zu suchen, zu finden
und nicht zu verzagen

(walt whitman)

Fertig machen!

Da war dieser wirklich interessante Mensch, der einmal in mein Coaching kam vor vielen Jahren. Er erzählte mir von seinem spannenden und bunten Leben, war fröhlich und offenbar mental total gesund. Und dann sagte er mir, er leide an einem ganz eigenartigen Phänomen: Immer wenn er nach Hause käme, wenn er gerade das Auto geparkt und Tasche und Mantel aus dem Kofferraum genommen habe, da käme es: Er fühle bleierne Schwere. Die Schritte bis zum Haus schaffe er noch, aber sobald die Tür aufging und seine Familie ihn begrüsst, spüre er eine enorme Erschöpfung. Das Einzige, an das er dann denke, sei das Sofa und eigentlich würde er am liebsten sofort schlafen gehen.

Natürlich fragte ich ihn nach der Dynamik und Stimmung in der Familie, nach Sorgen und Stressmomenten, aber es schien alles in Ordnung. Auch die Analyse seiner Lebenssituation brachte nichts.

So machte ich mich auf und kam einmal „mit ihm nach Hause“. Ich traf ihn im Büro, wir fahren raus aus der Stadt, in seine schöne Wohngegend. Wir parken das Auto vor der Garage und er sagt: Ja, jetzt spüre ich es schon wieder!

Ich fragte ihn, warum er nicht in der Garage parkte und er sagte: Ach, die sei voll. Ich dachte an Sportgeräte und Bikes, aber als er sie öffnete und ich einen Blick hinein warf sah ich es:

Fahrräder, die repariert oder instand gesetzt werden mussten, ungebündelte Papierberge, Körbe voller Recyclingmaterial, ein Rasenmäher in Einzelteilen, bergeweise Sportkleider und Schuhe, Skier, Snowboards, Wakeboards, Schlauchboot, ein Gasgrill, verdreckt und ein Kohlegrill. Ein Zelt, nicht zusammengefaltet, Kisten vom letzten Umzug, unausgepackt. Die ganze Garage war – voller unerledigter Handlungsabläufe. Alles angefangen und nicht fertig gemacht oder gar nie angefangen. Nichts in dieser Garage war in Ordnung.

Das zog sich so weiter, im Eingangsbereich, im Flur, im Bücherregal. Auch auf seinem Nachttisch stapelten sich Bücher, die Todo Liste für das Wochenende war schon an dem Whiteboard in der Küche. Auf Anfrage erzählte mir die Ehefrau, das stünde nun seit Monaten auf der Liste, inzwischen würde sie niemand mehr beachten. (Entschuldigung, aber Dein Unterbewusstsein sieht es! Du schaust weg, aber Dein innerer Kontrolleur stöhnt auf: DAS muss ich auch noch alles machen!)

Die Familie, vor allem aber mein Coachee, litten an – Aufschieberitis.

Das gibt es echt – und psychologisch gesehen heisst es Prokrastination.

Viele Menschen kennen es von sich selbst, dass sie unangenehme Tätigkeiten – wie das Lernen für Prüfungen, das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten, das Erledigen der Steuererklärung oder Referatsvorbereitungen – lieber aufschieben als sie sofort zu erledigen. Bei manchen Personen nimmt das Aufschieben jedoch ein solches Ausmass an, dass die Betroffenen erheblich darunter leiden und dass schwerwiegende negative Folgen drohen, z.B. der Abbruch einer Ausbildung oder berufliches Scheitern. Ständiges Aufschieben wird von den Betroffenen und ihrer Umgebung oft für persönliche Willensschwäche gehalten oder als Faulheit angesehen. Prokrastination hat jedoch nichts mit Faulheit zu tun und mit solchen Konzepten lässt es sich auch nicht verändern. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung.

Die Folgen der Prokrastination sind zwar in vielen Fällen ähnlich, aber es gibt verschiedene prokrastinationsfördernde Faktoren: Probleme in der Prioritätensetzung, mangelnde oder unrealistische Planung, Schwierigkeiten in der Abgrenzung gegen alternative Handlungstendenzen, Defizite im Zeitmanagement oder in der Konzentrationsfähigkeit, Abneigung gegen die Aufgabe, Angst vor Versagen oder Kritik, Fehleinschätzungen der Aufgabe oder der eigenen Anstrengungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit.

Prokrastination kann als Teil einer diagnostizierbaren psychischen Störung, wie einer Depression, einer Angststörung oder der Aufmerksamkeitdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), auftreten. Chronisches Aufschieben beeinträchtigt allerdings auch das psychische Wohlbefinden und kann so selbst zur Ursache für andere psychische Belastungen und Symptome werden.

Im Fall meines Coachees hatte sich schon fast eine Depression entwickelt.

Ich riet ihm sofort damit zu beginnen jeden Tag etwas von den unerledigten Dingen zu tun. Beim gemeinsamen Abendessen klärte ich die Familie über dieses Phänomen auf und lud sie ein, sich gemeinsam daran zu machen, das Chaos zu beseitigen. Schon das Aussprechen der „Diagnose“ führte dazu, dass sich alle direkt an die Arbeit machten. Bereits an diesem Abend begannen sie, das Papier zu bündeln, das Altglas zum nächsten Container zu bringen, die Bücher zum Verschenken auszusortieren.

Ein paar Monate später war der Spuk vorbei und mein Coachee hatte sein dynamisches, fröhliches und freies Leben zurück.

Und nun bist DU dran: Was schiebst Du vor Dir her?

Das kann ganz real das ein oder andere Aufräum- und Ausmist-Projekt sein. Aber auch: Bücher und Zeitschriften die Du immer mal lesen wolltest. Kleider, in die Du jetzt nicht und vielleicht nie mehr passt. Emails die Du schon lange mal bearbeiten wolltest. Ja, sogar Whatsapp oder SMS die Du noch beantworten willst. Gutscheine, die Du noch einlösen könntest, Sparangebote, die Du in Erwägung ziehst. Einreichen der Rechnungen an Deine Krankenkasse, Steuern, Ablage. Papiermist.

Ich schiebe auch meine Steuererklärung ewig vor mir her. Und die Bügelwäsche. Und die Ablage. Aber ich beschränke mir diese kleinen aufgeschobenen Abenteuer auf maximal drei. Dann wächst es mir nicht über den Kopf sondern wartet nur auf einen verregneten Tag.

Was kannst Du SOFORT erledigen?

Was willst Du SOFORT loslassen/entsorgen/verschenken?

Welche Entscheidung triffst Du aus Angst vor den Konsequenzen nicht?

Was lähmt Dich?

Was hast Du im Rucksack und schleppst es mit Dir herum?

Mach Dich frei!

Ein Adler käme niemals auf die Idee mit einem Rucksack zu fliegen, das wäre sein sicheres Todesurteil. Er fliegt frei und ohne Ballast. Und damit hat er die Garantie auf einen schmackhaften Bissen.

Als nächstes kannst Du Dich dann fragen: Was willst Du unbedingt haben?

Ganz einfach: Mach den ersten Schritt, arbeite jeden Tag an Deinen Bergen. Jeden Tag! Wirf weg, verschenke, gib auf, gib an Menschen, die es brauchen. Oder bringe es in Ordnung, wenn Du es wieder brauchen kannst.

Du wirst die frische, leichte Energie sofort spüren.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

Zum Weiterlesen: „Magic cleaning“ von Marie Kondo

 

Über das Limit

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Diesen Titel las ich letzte Woche auf einem herum liegenden Magazin.

Alle am Limit? Wirklich?

Bist Du auch am Limit?

Hat der Stress Dich um Griff? Die 100 kleinen Sachen, die Du noch meinst erledigen und besorgen zu müssen? Nimmst Du es sehr genau? Muss alles wieder mal perfekt sein?

Ich kenne den auch, den Freund „Perfektionismus“. Ich kenne Check-Listen und To-do-Listen und den Anspruch, alles perfekt durchzuplanen und alles einwandfrei und fehlerlos zur Verfügung stellen zu müssen. Und ich kenne das auch bei meinen Freunden, Bekannten und natürlich sowieso bei meinen Coachees.

Da heisst es oft: „Ich muss erst noch schnell“ und „Ich habe noch keine Zeit, erst muss ich…“ oder „Es ist noch nicht gut genug“.

Meine liebe Praxiskollegin kann zum Beispiel nicht nach Hause gehen ohne vorher alles zu verräumen und weg zu packen. Am Wochenende sagte ich, sie solle doch jetzt bitte endlich heim gehen und sie sagte: ich muss doch noch dies und das… nahm dies und das in die Hände… und ich bat sie auch mal an sich und die neue Liebe zu denken. Dafür, sagte sie, habe sie im Moment gar keine Zeit, erst die Pflicht, dann die Kür.

Ich bin auch so erzogen worden: Erst musste alles tiptop sein. Dann durfte man vielleicht ein ganz klein bisschen entspannen.

Wie ist das: tiptop?

Wer hat diese Regeln geschrieben wie es sein muss, wie es gemacht werden soll? Wer hat gesagt dass Du nicht auch mal – nichts – machen darfst.
„Die Rede vom Leistungsdruck ist irreführend. Zu schöpferischer Leistung kann gar nicht gedrückt werden, sondern nur zu Routinetätigkeit, zu aggressiver Gereiztheit und zu Krankheit.“ (Arno Black)

Vor lauter Tun.Tun.Tun verpassen wir – das Leben.

Halte JETZT mal ein. Mach langsam. Atme.

Und dann entscheide Dich mal voll radikal:

Was kann ich weg lassen?

Was kann ich aufgeben?

Wo kann ich auch mal locker lassen?

Vermissen Deine Kinder wirklich die riesige Auswahl, die Du jede Woche in den Kühlschrank packst?
Schauen Deine Freunde wirklich ob Du auch in den Ecken geputzt hast?

Denken Deine Nachbarn wirklich schlecht über Dich wenn Du fast nie die Fenster putzt?

Musst Du wirklich Überstunden machen um ernst genommen zu werden?

Die Motivation,  diese 100 Sachen zu machen, ist in den letzten Jahren lächelnd an mir vorbei gezogen. Ich hatte keine Lust mehr zu funktionieren. Das Leben ist nicht nur zur Pflichterfüllung gemacht. Das Leben findet statt. Jetzt. Bitte hetze Dich nicht weiter durch den Tag, die neue Woche, den neuen Monat.

Nimm Dir Zeit, die Zeit zu sehen. Die Schneeglöckchen, die Bewegung in den Bäumen, die Wolken, die Regentropfen, die Sonnenstrahlen. Betrachte Deine Hände. Vielleicht den Menschen, der Dir gegenüber sitzt, während Du diesen Blog liest.

Das Leben ist jetzt. Und es ist kostbar!

Was kannst Du weg lassen?

Mach doch mal eine Not-to-do Liste.

Du kannst das – einfach mal loslassen. Sitzen und nichts tun. Gar nichts ausser atmen und gucken.

Entspanne Dich!

Es muss immer wieder, jeden Tag, eine Zeit geben, in der Du nichts tust als Dein Leben, Dein Lebendigsein zu spüren. Um diese Momente wird es gehen, wenn Du irgendwann nichts mehr tun kannst. Dann musst Du Dich fragen können: Hab ich gelebt in der Zeit?

Habe ich sie genutzt meine kostbare Lebenszeit zum L E B E N?

Ich wünsche Dir eine ent-spannte Woche. Nimm Dir Zeit. Du bist hier.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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Thank you – Dank Dir!

Im Englischen ist es einfacher, da heisst es einfach „Thank you“. Im Deutschen aber heisst es: Danke Dir.

Eine meiner liebsten Lehrerinnen hat es letzthin geschrieben:

Wenn Du eine so einfache Instruktion erhältst wie „Danke Dir“, dankst Du Dir dann auch wirklich postwendend?

Danke Dir heisst ganz oft: „Ich danke Dir für“… Aber meistens heisst es doch auch: „Dank Dir“ habe ich das und das erkannt/geändert/entwickelt….

Und noch besser wäre es dann, sich zu sagen „Ich danke mir“ … nämlich…

dass ich so eine gute Freundin bin

dass ich ein so guter Partner bin

dass ich meinen Job so ernst meine

dass ich meine Eltern, meine Familie so unterstütze

dass ich das so gut gemacht habe

dass ich in der Lage war zu helfen…

diese Dankerei kann man endlos weiterziehen.

Wie oft dankst Du Dir?

Bist Du Dir dankbar?

Ich habe drei liebe Freundinnen, ja das ist für Dich M. und K. und T.

Die alle drei für Ihre Beziehungen, Ihre Ehen wirklich ALLES gegeben haben.
Alle drei verfügen über ein reines, goldenes, grosses, verständnisvolles Herz. Alle drei haben verziehen, neu angefangen, den Glauben nie verloren, sich immer wieder für die Liebe entschieden. Alle drei eint, dass der Partner das nicht genügend wertschätzen konnte, welche Meisterleistung sie da geschafft haben: Sie haben sich immer wieder der Liebe gewidmet.

Ich danke Euch dreien für das. Und noch mehr wünsche ich Euch, dass Ihr sagen könnt: Ich danke mir dafür, dass ich alles gegeben habe. Dafür dass mein Herz gross und weit ist und nicht klein und verschlossen und gebrochen.

Noch einmal: Dankst Du Dir?

Dankst Du Dir dafür, wie wunderbar Du bist?

Wie viel Du der Welt schenkst? Liebe und Wohlwollen und Wertschätzung?

Dankst Du Dir für Deinen Mut, deine Hingabe, deine Schönheit?

Dankbarkeit darf nicht nur nach aussen gehen.

Wenn Du erkennst, wie viel Du bist und wie viel Du der Welt geben kannst, dann erkennst Du einen unschätzbaren Schatz, den Du immer hast. Auch dann wenn Deine Liebe verraten worden ist. Du sitzt sozusagen auf dem Goldschatz, der Dir immer zur Verfügung steht.

So sage ich auch immer wieder, wenn mir Coachees nach einem erfolgreichen Coaching danken: Das hast Du ganz alleine gemacht. DU bist den Weg gegangen, DU hast jeden einzelnen Schritt gemacht. Ich habe Dich nur angeschubbst.

Ich wünsche Dir, lieber Leser, liebe Leserin, dass Du Dir immer danken kannst. Das bringt Frieden und Fülle und sogar so etwas wie Segen in Dein Leben. Es beruhigt Dich. Es bringt Dich zu Dir zurück. Du bleibst bei Dir und damit bei Deiner grössten Kraftquelle.

Ich danke Dir, dass Du diesen Blog liest und Dich davon inspirieren lässt.

Dank Dir schreibe ich diesen Blog.

Und ich danke mir, dass ich das so gerne mache.

Herzlich Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ich vermisse mich

Letzte Woche wurde ich gleich zweimal mit dem selben Thema konfrontiert.

Eine Freundin erzählte mir von einer Frau, die einmal wild und stürmisch, autonom und frech, selbstbestimmt und verrückt, cool und waghalsig war.

Eine Frau, die inzwischen ein bisschen braver und angepasster und damit auch ein klein wenig unglücklicher und lethargischer ist: Sie erinnerte mich an mich selbst. Als meine Freundin mich damit triggerte, wer ich war, als wir uns kennenlernten, dachte ich: Ich vermisse mich.

Und ein paar Tage später sah ich ein Theaterstück über die wunderbare Colette, die Grande Dame der französischen Literatur in der Belle Epoque. Es war ein grossartiges Stück, in dem Teile ihres Tagebuchs und ihrer Gespräche vorgetragen wurden. Colette, inzwischen in ihren späten Jahren, erinnerte sich an die wilde und lustige, dominante und selbstverliebte junge Frau, die sie einmal war. Sie skizzierte sich mit 12. Und dann sagte sie: Ich vermisse mich.

Wie ist das bei Dir, erinnerst Du Dich an Deine Energie, die Du hattest als Du jung warst?

An Deine Ideale, an Dein Temperament, an Deine Überzeugungen?

An das Schwärmerische, das Sehnsüchtige, das Unbedingte?

An Deine Rebellion, Deinen unbedingten Willen die Welt zu verändern – oder zumindest so zu gestalten, dass sie zu Dir passt?

Erinnerst Du Dich an Deine wahnsinnigen Ziele, Deine Pläne, Deine Ideen?

Deinen Mut? Deinen totalen Glauben daran, dass Du schaffen würdest was auch immer Du Dir vornimmst?

Und: Vermisst Du Dich?

Hat Dich der Zahn der Zeit eingeholt? Der Alltag gefressen? Haben Deine Beziehungen Dich verändert und ungut angepasst? Hat das Leben die Regie übernommen oder hast Du noch die Führung über Dein Leben? Was hast Du verloren auf dem Weg?

Mut und Wut, Idealismus und Wille, Kraft und Ausdauer?

Ich erinnere mich, dass eine Coachee von mir kürzlich sagte: „Ich kann einfach nicht mehr“…

Wann können wir denn nicht mehr?

Wenn wir zu lange, viel zu lange, an einer Sache gearbeitet haben, alles dafür gegeben haben, alles dafür geopfert haben, ohne dass die gewünschten Resultate heraus schauten. Und uns selbst dafür aufgegeben, verlassen haben.

Wir haben uns alle ein bisschen vergessen. Im Rausch des Alltags, im Mainstream, in übernommenen Lebensweisen, in der Moral und dem Anstand der Gesellschaft, in vorgekauten Modellen wie wir zu sein haben. Aber auch in nicht endend wollenden Pflichten, den eigenen und den aufgezwungenen. Vielleicht sogar wegen eines Leidens, eines Schicksalsschlags.

Es gibt viele gute Gründe, sich selbst auszuweichen. Abzurücken von unseren Sehnsüchten und Herzenswünschen. Von der Rebellion und der Wildheit in unserem Herzen.

Was bringt Dich zurück?

Was bringt das zurück, was Du einmal geliebt hast?

Was bringt zurück, was Du einmal an Dir geliebt hast?

Ich vermisse mich.

Und ich vermisse auch meine Freunde. Pan, mit dem ich am Feuer stundenlang über das Leben philosophieren konnte. Georg, mit dem ich so lachte, dass ich mir in die Hosen nässte. Ralf, mit dem ich still und schwärmerisch die Alleen von Bäumen bewunderte. M mit dem ich nachts aufs Dach kletterte um den Mond anzuheulen. Toni mit dem ich ausreiten konnte und dabei ohne Zügel, die Arme nach oben gestreckt im Galopp laut schrie. Ann, mit wunden Füssen nach stundenlangem Tanzen. Beatrice auf dem Roadtrip über die Insel Sylt. Ingrid, Jolanda und Coco im nackten, eiskalten Bad zum Sonnenaufgang. Wilde Zeiten.

Sie sind noch nicht vorbei. Wir sind nicht tot. Nur eben – ein bisschen älter und gehorsamer geworden.

Hier ist noch ein Satz für Dich. Er soll dich aufrütteln:

Das Wilde ist nicht das Gegenteil von kultiviert. Es ist das Gegenteil von gefesselt.

Sprenge die Fesseln. Lass das Bravsein sausen. Komm aus der Komfortzone. Erinnere Dich – an Dich selbst – erinnere Dich an das Ungestüme, das Frische und Junge und Eigensinnige in Dir. Nimm Dir ein paar alte Fotos aus Deinem Album. Schau Dir in die Augen! Erkennst Du Dich wieder? Kitzelt es in Dir?

Brich aus. Brich auf: Zurück zu Dir.

Du bist immer noch da.
Herzlich Willkommen in der Adlerperspektive.