Was jetzt? Was dann?

Die Tage habe ich mit einer Dame gesprochen, die sich für ein Coaching interessierte, sie war knapp 60, man sah ihr das gelebte Leben schon an – aber auch – eine tiefe Traurigkeit. Als ein älterer Herr mit einem Rollator an uns vorbei ging, füllten sich ihre Augen mit Tränen und sie hauchte: Davor habe ich Angst.

Es war die Perspektivenlosigkeit, die sie in das Gespräch zu mir führte und sie sagte dann auch, sie wolle mit mir besprechen was denn dann wäre, wenn sie aus ihrer Kanzlei aussteigt, wenn das dritte Leben beginnt. Sie war 10 Jahre schon geschieden, nicht in einer erfüllenden Partnerschaft, die Kinder aus dem Haus, keine grossen Pläne geschmiedet. Die Karriere, der Erfolg wäre dann auch abgehakt. Die Eigentumswohnung bezahlt, der Notgroschen vergoldet. Es wäre ja alles da, sagte sie, ausser einer Idee was sie dann tut.

Ich hörte ihr zu und reflektierte einige weitere Gespräche, die ich in den letzten Monaten mit Freunden und Coachees, Bekanntschaften und meiner Nachbarin geführt hatte. Viele sagten dann „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ und ich war immer verwundert über diesen Satz.

Wieso braucht man zum Altwerden Mut?

Weil man die Jugendlichkeit, die Frische einbüsst?

Muss denn Altwerden immer gleichgesetzt werden mit Leiden, Schmerzen, Rente, Kaffeekränzchen und Niedlichsein, mit Oma und Opa, mit silbrigem Haar und Bridge, mit Pflegeheim und Rollator einhergehen?

Kann es nicht einfach so sein, dass wir das Leben, das wir geführt haben, einfach weiterleben? Vielleicht sogar jetzt ein bisschen WILDER weil es eben nicht mehr darauf ankommt, sich anzupassen und dem Diktat der Arbeitgeber, der Gesellschaft, den Konventionen zu gehorchen?

Warum nicht alt und cool sein? Alt und weise? Alt und egozentrisch?

In der letzten Woche traf ich dann eine Lady, die mit langem Silberhaar und wallenden Gewändern, mit endlosen Hippieketten um den Hals und bunten Schuhen in ihrem Camper durch Europa fährt. Auf meine Frage wie lange sie schon so unterwegs sei, sagte sie: Das weiss ich nicht mehr junge Frau. Und wie lange sie so weiter reisen kann? Bis ich tot bin, sagte sie. Brav sei sie lang genug gewesen, habe Mann und Kinder gehegt und gepflegt, das Familienheim, den Garten, die Haustiere und die Berufstätigkeit. Nun wäre es an der Zeit alles zu machen, was sie schon mal machen wollte. Sie wisperte, sie sei an diesem Strand gewesen in der Bretagne, wo man einfach so Leute für Sex trifft und sie habe den jungen Mann sehr genossen. Sie schmunzelte und die Lachfalten zierten ihr altes, wunderbares Gesicht und die blassblauen Augen glänzten.

Was wirst Du tun, wenn Du alt oder älter wirst?

Was ist Dein Wunsch?

Was kannst Du JETZT bereits in die Wege leiten, was Du dann brauchen wirst?

Es geht nicht um Gold und Rente, um einen Platz im Pflegeheim und den Hausarzt um die Ecke, es geht um Deine innere Haltung. Was wirst Du sein, wenn Du alt bist? Glücklich?

Der Dame im Cafe Odeon, in dem ich potentielle Kunden treffe, konnte ich nicht helfen. Ihre Lippen waren zusammengezogen und verkniffen, die Augen bereits im Schlafmodus. Jede Freude war aus ihr gewichen, erstarrt in Regeln und Normen, in Ordnung und Enge. Sie war nicht mehr bereit aus der geliebten Komfortzone zu springen.

Was wirst Du sein, wenn Du alt bist?

Bewahrst Du Dir Deine Lebensfreude, Deine Endorphine, Dein Lachen, Dein starkes schlagendes, trommelndes Herz?

Ich ging nach dem Gespräch im Cafe in ein Kiosk und sah eine Zeitschrift. Darauf stand: Ich bin hier. Und ich bin genauso seltsam wie Du. (Frida Kahlo)

Halleluja!

Mach Dein Leben nachhaltig. Richte Dich ein auf Lebensfreude, Freiheit und Individualität. Mach Dein Ding. JETZT und SPÄTER!

Willkommen in der Adlerperspektive.

altwerden

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