Man muss Dinge so tief sehen, dass sie einfach werden

Was siehst Du gerade, wenn Du einen Moment inne hältst, jetzt, bevor Du Deinen Blog liest? Nimm Dir diesen Moment. Sieh hin.

Wohin wandert Dein Blick jetzt? Was sucht und findet Dein Auge?

Entdeckst Du etwas Ungewöhnliches, etwas das Du nicht da vermutet hast, etwas das Dich sogar überrascht obwohl Du doch vielleicht jetzt in Deinem vertrauen Umfeld bist?

Oder sitzt Du in einem Cafe, in der Hotelhalle, der Tram? Siehst Menschen?

Mach Deinen Blick weich.

Was ist der weiche Blick? Du richtest deinen Blick auf etwas, du fixierst es aber nicht, sondern es ist als ob du hindurch schaust. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor einigen Jahren mal in Mode waren. Du kannst das gleich mal ausprobieren mit einer Hand: Strecke den Arm vor dir aus und hebe die Hand in Augenhöhe. Anstatt die Hand genau anzuschauen, schaue durch die Hand hindurch. Vermutlich siehst du dann die Hand verschwommen, vielleicht sogar doppelt.

Falls du eine Topfpflanze in der Nähe hast, probiere das mit der Topfpflanze. Du kannst das auch probieren z.B. mit einem Menschen, insbesondere wenn er dir den Rücken zudreht. Wenn du so durch den Menschen hindurch schaust, versuche ihn auch von deinem Herzen her zu spüren. Eventuell siehst du dabei auch eine Farbe um den Menschen herum, insbesondere wenn dahinter ein heller Hintergrund ist. Eventuell hörst du auch einen inneren Klang im Ohr.

Oder siehst Du lieber mit Adleraugen ganz genau und scharf?

Worauf focussierst Du Dich dann?

Wenn Du fotografierst, macht Dein Seh-Sinn noch mehr: Er komponiert. Er stellt Schönheit her, er sucht sogar den goldenen Schnitt.

Aber was ist das denn nun wieder?

Der Goldene Schnitt ist eine seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Grössen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmass und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt in der Natur und sogar im menschlichen Körper häufig vor, lässt sich aber auch in Kunst, Architektur und Typografie wiederfinden.

Sehen hat so viele verschiedene Geschichten zu erzählen. Spannend, wenn man bedenkt dass zwei das gleiche sehen können und doch etwas anderes erkennen. So funktioniert optische Täuschung, so funktionieren Suchbilder, so funktionieren sogar psychoanalytische Tricks. Wenn wir etwas nur betrachten, so müssen wir uns Zeit dafür nehmen. Wir dürfen dem Gehirn nicht die Erlaubnis geben sofort zu benennen: Aha ein Baum. Eine Tasse. Eine Brille. Ein Stein.

Kinder sehen noch genau. Ungekünstelt, uninterpretiert, unbeschwert. Das verlieren wir im Laufe des Lebens. Wir machen sogar Entscheidungen, was wir sehen wollen und was nicht. Oder was wir wie sehen wollen. Es ist kein blosses Sehen mehr, sehr oft ist es: Bewerten, beurteilen, vergleichen, verstehen.

Vor einigen Jahren machte ich ein Experiment mit einigen Coachees im Zürcher Hauptbahnhof. Ich klebte Begegnungsflächen am Boden ab. Zwei Stühle. Die Aktion hiess: „Auf einen Augenblick“. Passanten wurden eingeladen, meinen Coachees für zwei Minuten schweigend in die Augen zu schauen.

Was meinst Du, ist da passiert?

ALLE. Ich sage: ALLE Passanten haben die Coachees umarmt oder die Hand gedrückt. Alle bekamen Tränen in die Augen. Alle waren – BERÜHRT.

Wie lange ist es her, dass Du Dich mit dem Sehen wirklich beschäftigt hast? Hebe Deinen Blick vom Display. So oft Du kannst. Siehe. Betrachte. Nimm wahr. Sieh wirklich wirklich hin.

Du wirst berührt werden von dem, was Du betrachtest.
Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Beschäftige Dich diese Woche einmal mit dem wirklichen HIN-SEHEN. WAHRNEHMEN. Das Auge hat viel zu bieten.

Die Welt ist bunt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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