Jetzt.endlich.machen

Irgendwann muss es auch mal gut sein.

In der letzten Woche war ich konfrontiert mit gleich mehreren „Geschichten“ meiner Klienten. Und gleich eins drauf: Auch ich erlebte einige, die es richtig in sich hatten.

Die Geschichten handelten von Verrat, von gebrochenen Beziehungen und Versprechungen, von Betrug, Verlusten, von Demütigungen, von Selbst-Mitleid, von Hoffnungsverlust und von Frechheiten, die von anderen Menschen begangen wurden. Sie handelten von scheinbar unlösbaren Problemen, Hoffnungsverlust, von Ohn-macht und von Scheitern.

Einmal mehr dachte ich darüber nach. Und sinnierte darüber: Warum reden wir nur. Warum klagen wir nur. Warum beklagen wir nur.
Der Schritt in die Handlung fehlt fast immer. Wir winden uns in nimmermüdem Jammern, wir flüchten in die Ohnmacht, in die Erschöpfung, in das Ausweichen, das Er-leiden. Oder in den Widerstand, die Wut, die Anklage, die Kriegszustände im Innen und Aussen. Wir reden und reden. Aber wir handeln nicht.

Fast scheint es, als ob all das Reden über die Probleme irgendeine Lösung bringen würden. Aber das ist keinesfalls so: Mit dem Aussprechen des Unsäglichen machen wir es grösser, bedeutungsschwerer, wir teilen schlechte Energie, wir ziehen andere mit in den Sumpf. Ja, wir vergiften unsere Freundschaften und Beziehungen, unsere Umwelt und unseren Alltag mit dem, was wir erleben – aber auch mit unserer Reflexion darüber.

Damit muss aufhören, wer frei sein will.

Ich muss einmal mehr den Adler bedienen: Wenn es ihm zu bunt wird – sucht er sich eine auftreibende Thermik und lässt sich nach oben tragen. Er schwebt über den Dingen.

Wie können wir das tun?

Das erste ist: Sich den Fall-Winden zu entziehen.

Durchatmen.

Und dann schauen: Was gibt mir jetzt Kraft. Was kann ich TUN?

Was kann ich ändern an der Situation? Was kann ich anpassen? Was kann ich als Gegeben akzeptieren und darin entspannen?

Was kann ich dazu beitragen, dass der Wind sich dreht?

Natürlich können wir den Wind nicht drehen. Und auch die Berge nicht versetzen. Aber wir können AKTIV nach dem Aufwind suchen: Dazu müssen wir ganz genau hinschauen wo er ist, der Aufwind. Und dann mutig und entschlossen in die Handlung kommen.

Handeln heisst manchmal auch: Etwas sein lassen. Etwas aktiv aus unserem Leben entlassen. Eine unbequeme Entscheidung fällen. Eine radikale Wendung herbei führen. Etwas aussprechen, das die Wahrheit ist und zu einer riesigen Welle führt. Sich wehren. Sich auflehnen.

Für mich heisst Handeln immer wieder: Die Komfortzone verlassen.

GO WILD gehen.

GO WILD heisst nicht ein Abenteuer, das es zu erleben gilt. Es heisst nicht einen kleinen Adrenalinschub bei einem Bungee Sprung. Go wild heisst:

ECHT SEIN. AUTHENTISCH SEIN. BEI SICH UND FÜR SICH SEIN.

Hör auf, es allen anderen Recht zu machen. Mach es wie es für Dich stimmig ist. Forme Dein Leben nach Deinen Werten. Nach Deinem Glück.

Wie immer wenn ich in meiner leidenschaftlichen Arbeit unterstützt werde, fiel mir dann auch ein Text in die Hände, den ich an diesen Blogg anhänge. Möge er Dir die Kraft geben, Dich aufzuschwingen und Dir Aufwind geben, damit Du da hinfliegen kannst, wo es Dich nach oben trägt.

Was Du dazu machen musst?

Du musst handeln. JETZT.

Mach die Flügel auf. Tu was. Mach den ersten Schritt. Raus aus der Bequemlichkeit.

Diesen Blogg schreibe ich in der geschenkten Stunde zum Zeitwechsel. Wir haben eine Stunde mehr bekommen, eben gerade. Wie wirst DU sie nutzen wenn Du diesen Blogg liest? Handle. Mach einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

 

Ich kann nicht bleiben, Mutter.
Ich liebe dich, aber ich bin nicht geboren, um dir zu gefallen.
Ich bin nicht geboren, um dich glücklich zu machen.
oder deinem Leben einen Sinn geben.
Ich bin nicht geboren, um unter deinen Flügeln zu verrotten.
wie ein ungeschlüpftes Ei.
Ich kann nicht bleiben, Lehrer.
Ich bin nicht geboren, um in deine Kisten gesteckt zu werden.
um nach deinen Vorstellungen zu denken.
oder um sich deine Fakten zu merken.
Ich wurde geboren, um unabhängig zu denken.
Ich kann nicht bleiben, meine Liebe.
Ich wurde nicht geboren, um deine Bedürfnisse zu befriedigen.
um sich um dich zu kümmern.
oder sich in deinen Armen zu verstecken.
Ich wurde nicht geboren, um mich kleiner zu machen.
oder als selbstverständlich angesehen werden.
Ich kann nicht bleiben, Boss.
Ich wurde nicht geboren, um Geld für andere zu verdienen.
Ich wurde nicht geboren, um Befehle zu befolgen.
oder den gleichen Tag immer und immer wieder zu wiederholen.
Ich wurde nicht aus Langeweile geboren.
Ich kann nicht bleiben, Meister.
Ich wurde nicht geboren, um deinen Vorstellungen davon zu folgen, was Wahrheit ist.
oder nach deinen Dogmen zu leben.
Ich wurde geboren, um meine eigene Wahrheit zu finden.
und mache meine eigenen Regeln.
Ich wurde geboren, um das Leben voll zu erleben.
Sich in indischen Zügen zu verirren.
Von gefährlichen Männern verführt zu werden.
Um verschiedene Gesichter, Orte und Kulturen zu treffen.
um die ganze Nacht im Dschungel zu sein.
Um mit Wölfen zu laufen.
Um von meinen Füßen gefegt zu werden.
Im Sturm zu erobern
Um ein gebrochenes Herz zu haben.
Am Boden zerstört
Betäubt
Schockiert
Verloren
In die Tiefe geworfen
Ich wurde geboren, um mir die Hände schmutzig zu machen.
Um Sand in meinen Mund zu bekommen.
Schlamm auf meinen Kleidern
Dornen unter meinen Füßen
Ich wurde geboren, um in den Abgrund zu springen.
Ich wurde geboren, um Ausserirdische zu treffen.
Rituale durchzuführen
Um in der Zeremonie geknackt zu werden.
Um über Zeit und Raum hinauszugehen.
Um die Magie zu begrüßen
Mich völlig zu verlieren.
Ich wurde geboren, um alles zu spüren.
Um alles zu schmecken
Der bittere Geschmack der Trauer
Der üble Geschmack von Täuschung
Der süsse Geschmack der Liebe
Ich wurde geboren, um zu lernen, wie man mit Veränderungen elegant umgeht.
Ich wurde geboren, um die Wahrheit zu erfahren.
um zu lernen, wie man fliegt.
Ich wurde geboren, um zu lernen, wie man die Sprache der Liebe spricht.
Wie ich mein Herz entfesseln kann.
Wie man alles vergisst
Wie man alle Erwartungen loslässt.
Ich wurde geboren, um zu lernen, wie es sich anfühlt, alles zu verlieren.
ausser dem, was wirklich wichtig ist.
Ich wurde geboren, um ein Leben zu führen, das alles, was nicht real war, wegnimmt.
das war nicht wahr.
das war nicht ich.
Ich bin ein Phönix.
Ich bin geboren, um meine Flügel zu spreizen und zur Sonne zu fliegen.
Um zu verbrennen und zu Asche zu werden.
Um auf die Erde zu fallen und wieder aufzustehen.
Wenn ich alt bin
Ich werde stolz auf meine Narben sein.
Meine Falten
Meine Erinnerungen
Meine Geschichten
Meine Weisheit
Meine Freiheit.
Ich wurde geboren, um frei zu sein.
Und deshalb kann ich nicht bleiben.

Autor: Sanne Burger

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Lieben ist ein Verb

Letzthin las ich eine schöne buddhistische Parabel. Der Schüler fragte den Lehrer: „Wer bist Du“ und der Lehrer antwortete:“Wenn ich nicht weiss wer ich bin, diene ich Dir. Wenn ich weiss, wer ich bin, dann bin ich Du.“

Das war die Belehrung über das tiefste Mitgefühl.

Sie erinnerte mich daran, wie mein Ideal einer liebevollen Verbindung zwischen zwei Menschen sein kann – und meiner Meinung nach auch sein sollte: Liebe sollte ein Verb sein. Es sollte viel Aktivität beinhalten. Tun für den anderen. Und auch, ja: Dienen.

Dem gemeinsamen Wohl dienen, das ist für mich schon die totale Hingabe aneinander und an den Partner.

Vor Jahren hatte ich eine liebe Kundin, die zur Therapie kam. Ihr Mann brachte sie und fragte sie nach ihrem Autoschlüssel. In der Zeit, die sie bei mir war, hat er ihr das Auto gewaschen und getankt. Ich war wirklich sehr überrascht und sagte: „Da hast Du aber ein richtiges Goldstück erwischt“.

Sie sagte, das sei in ihrer Ehe normal, sie würden sich gerne kleine Wohltaten geben.
Es geht aber nicht immer um das „Extra“ sondern um die Kleinigkeiten die man mit grosser Selbstverständlichkeit tut. Die ganz kleinen Gesten von Aufmerksamkeit und Fürsorge. Wie das total unaufgeforderte selbstverständliche Helfen. Das Marmeladeglas das Dir Dein Partner aus der Hand nimmt und aufdreht, die Tasche die er Dir trägt, das Kissen, das er Dir reicht weil er weiss dass Du leicht eine Blasenentzündung bekommst, wenn Du kalt sitzt. Die Jacke, die er auszieht, weil er sieht dass Du kalt bekommst, die Hand die er unter Deinen Arm schiebt weil der Boden schlüpfrig ist. Die Aspirintablette die Du auflöst wenn Du siehst dass er einen schweren Kopf hat, die Zahnbürste die man ersetzt, weil man sieht, das die alte schon knittert, das Kochen vom Lieblingsgericht, das Hereinnehmen der Schuhe, wenn der Regen auf den Balkon spritzen wird. Alles einfach so, ohne grosses Aufheben getan. Kleine Gesten, einfach weil der Partner Dein Wohlsein möchte.

Ich habe das viele Jahre betrachtet und besonders fällt mir ein Paar ein, Nadia und Stefan, die sind so aufeinander eingestellt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, das eine(r) ohne den anderen könnte. Da sah ich sie, die Harmonie der Selbstverständlichkeit, das gegenseitige Füreinander-Dasein. Auch in dieser Beziehung flogen schon die Fetzen, aber sie haben immer wieder den Weg zueinander gefunden – über das Tun. Weil sie einfach wissen was sie brauchen und was dem anderen jetzt gut tut.

Fürsorglichkeit scheint ein Wert zu sein, auf dem gute Partnerschaften gebaut sind. FÜR den Partner da sein, FÜR ihn etwas tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist etwas, das eine wirkliche Tiefe in die Liebe bringen kann.

Der Psychologe Erich Fromm hat einmal gesagt: „Wirkliche Liebe ist ein Ausdruck der inneren Produktivität, umfasst Fürsorge, Respekt, Verantwortlichkeit und Wissen“.

Frage Dich einmal selbst, in welchen Verbindungen Du AKTIV fürsorglich bist?

Wo bist Du für Deine Lieben da?

Gibst Du Deinem Partner genug von dem, was Eure Liebe trägt?

Wie selbstverständlich ist es für Dich Deinen Partner gut zu behandeln?

Und trägt er das selbe dazu bei?

Wie steht es um das TUN füreinander?

Wie viele liebevolle Gesten habt ihr im alltäglichen Miteinander? Konzentriere Dich darauf, danke ihm dafür, zeige es auf, freue Dich daran, auch an deinem eigenen Tun.

Als Coach sage ich das immer sehr entschieden: Wenn der Partner nichts mehr für Dich tut – und zwar aus eigenem Antrieb – und Du nichts mehr für ihn tun möchtest – aus eigenem Wollen – dann ist die Beziehung zu Ende.

Dann diene Dir selbst, sei sorgsam mit Dir, tu viel für Dich…

Dann geh weiter, liess das nächste Goldstück auf und freue Dich an dem Flow, wenn Ihr einander dienen möchtet.

Noch ein ganz kleines Detail aus dem Nähkästchen geplaudert. Mir fiel auf, dass mein Lieblingsmann immer wieder den Ärmel meiner Kleidung hoch zog, wenn wir Hand in Hand miteinander liefen. Irritiert fragte ich ihn, warum er das tut. Er sagte: Ich will Deine Haut spüren, nicht Deine Kleider.

Siehste? Goldstück und Glück gehabt.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Ich geh Dir auf die Geschmacksnerven :-)

Glas of Marmelade

Wann hast Du das letzte Mal ein kleines Amusement gehabt? Weisst Du, dass solche Minimomente dauernd stattfinden?

Heute morgen hatte ich einmal mehr das Amusement des kleinen Augenblicks. Ich ging zu unserem einzigen Bäcker, einer, der noch alles mit der Hand macht und in dessen Backstube es noch echt duftet und wo man noch Brote und Gebäckstücke bekommen kann, die individuell aussehen und der Massenware nicht gleichen. In der Einfahrt des Bäckers stand ein Lieferwagen, sie bekamen eine grosse Lieferung Mehl, Butter, Zucker. Eine der riesigen Paletten war schon ausgeladen, eine andere wurde gerade auf eine Rollenschiene geladen.

Die Einfahrt zur Garage und den Lagerräumen der Bäckerei liegt im Kellergeschoss und eine steile Zufahrt führt hinunter. Zwei der Bäcker und der Lieferant mühten sich ab mit dem schweren Gefährt, die Zuckersäcke rutschten – und einer löste sich. Natürlich platzte er auf und 25kg feinster Zucker stob in alle Richtungen, wie Schnee bedeckte es den ganzen Weg. Die Männer waren erschrocken, versuchten aber erfolgreich den Rest der Lieferung heil nach unten zu bringen. Einer der Bäcker kam mit einer Schaufel zurück und ich war gespannt was er nun mit dem Rest des aufgeplatzten Sacks wohl machen würde. Er schaute sich um…. dann steckte er den Zeigefinger in den Mund und anschliessend in den Zucker. Und wieder zurück in den Mund. Dabei lächelte er versonnen wie ein kleiner Bub, der sich einen Streich erlaubt.

Ich musste schmunzeln und einmal mehr dachte ich: In jedem All-Tag stecken solche kleinen Geheimnisse, spontane und kleine Situationen, die einem die Gelegenheit geben, dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen. Man muss nur die Augen und die Sinne aufmachen und wirklich am Leben teil-nehmen.

Wie oft gehen wir schnell, blind, abgelenkt, in Gedanken in unsere Welt und übersehen diese Momente, die uns ein bisschen inne halten und staunen lassen könnten, wenn wir sie doch nur wahrnehmen könnten. Und verpassen dabei das kleine Glück.

Achte diese Woche doch einmal auf die Kleinigkeiten. Mach die Augen auf, die Ohren, die Nase. Rieche wieder einmal das Laub, den Herbst, höre die Geräusche die der Wind macht, das strömende Wasser irgendwo in der Natur, da wo es gerade für Dich geht. Folge den Wolken, hebe den Blick. Benutze Deine Sinne um Dich reich zu fühlen. Denn: Beschenkt wirst Du immer!

Nach dem Bäcker durfte ich dann nochmals geniessen. Ich besorgte mir noch eine Marmelade und sah im Regal einen Tiegel, der mit „Glück“ beschriftet war. Köstlich! Das pure Glück auf dem frischen Brot.

Wenn Du keine Situation findest, über die Du lächeln kannst, dann erschaffe selbst eine: Schenke dem Nächsten etwas Glück, dem Du begegnest. Ein Lächeln, eine Geste, ein warmes Wort, eine Blume die Du abzupfen kannst. Oder eine glatte Kastanie, die gerade frisch aus der Schale gesprungen ist und die Du als Glücks-Erinnerungs-Stück in Deine Hosentasche nimmst.

Es ist so einfach, das Leben mit Wundern.

Wunderst Du Dich noch?

Ich wünsche Dir eine bezaubernde Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Der siebte Sinn

In den letzten Wochen habe ich sehr gerne über unsere fünf definierten Sinne geschrieben. Bei einigen Lesern hat es eine „sinnliche“ Erfahrung ergeben, sie haben sich ganz bewusst einmal darauf konzentriert zu sehen, hören, riechen, schmecken, zu tasten. Bei anderen hat der sechste Sinn, das Gleichgewicht, eine kleine Kursänderung ergeben.

Was aber meinen wir mit dem „siebten Sinn“? Meist sagt man dass man einen siebten Sinn hat, wenn man eine Erfahrung macht, die wenig oder gar nichts mit unseren körperlichen Fähigkeiten zu tun hat. Es geht um „Ahnung“, um Intuition, etwas fühlen ohne es zu fühlen.

Den siebten Sinn kann man ganz gut spüren. Ein inneres Wissen, das von aussen nicht manipuliert oder beeinflusst werden kann. Unser siebter Sinn ist so etwas ganz Leises, Feines. Egal wie sehr uns die Realität etwas vorgaukelt und wie sehr die optische Täuschung gelingt, irgendwie wissen wir, das es nicht so ist wie es tut. Die Illusion ist nicht stark genug, unser inneres Wissen ist meistens untrüglich auf der absolut richtigen Fährte.

In der vergangenen Woche hatte ich gleich mehrere Male die Gelegenheit meinem siebten Sinn zu begegnen und irgendwie erkannte ich: Eigentlich ist es nicht viel mehr als ein perfektes Zusammenspiel aller anderen Sinne: Die totale Wachheit führt uns da hin, die vollkommene Präsenz, das Dasein. Eigentlich können wir nur siebtsinnig spüren wenn wir total hier und jetzt da sind.

Meistens sind wir das leider nicht. Wir sind abgelenkt vom Leben, von den Ereignissen, den stimulierenden Sinneswahrnehmungen, dem Lauten, Schnellen und auch Auf-dringlichen. Wie schnell lassen wir uns fangen von Sensationen!

Lustig, dass hier schon die Lösung liegt:

Sensationen – Sense – sensus

kommt ja von den Sinneseindrücken – und zeigt ein Ereignis, das erhöht von unseren Sinnen aufgenommen und wahrgenommen wird. Meist ist es etwas Aussergewöhnliches, wir betiteln zum Beispiel ein schönes Menü als „sensationell“ wenn es ganz besonders überraschend köstlich ist. Oder ein Konzert, das sensationell gut und damit besonders schmeichelnd für die Ohren und die Sinne war.

Sensationen bestimmen unser aller Alltag, entweder real, wenn wir zum Beispiel unseren Sinnen besonders gutes Futter geben (eine Augenweide bei einer Wanderung, eine Massage, ein gutes Essen, ein Konzert, ein feines Parfüm)

im Zweifelsfall bekommen wir aber auch Sensationen vorgegaukelt im Fernsehen, im Internet, in der erlogenen Welt in den sozialen Medien.

Sensationell ist es in den wenigsten Fällen, wenn es virtuell ist. Dann fühlen wir die Berührtheit nicht wirklich, sondern meinen, dass es so ist, weil es eben so sein muss. Eine ganze Industrie nährt ihre Umsätze aus vorgegaukelten Sensationen. Die Werbung, das TV, die Filmindustrie, um nur ein paar zu nennen.
Wie viel anders kann es sein, wenn wir bewusst unsere Sinne spüren lassen, mit einem wachen Bewusstsein in die Welt gehen. Bei uns selbst sind und doch im Aussen. Der Beobachter und gleichzeitig das Objekt unserer Wahrnehmung.

In der Authentizität liegt das wahre Gold: Ich bleibe bei mir und nehme wahr was wirklich ist.

Der siebte Sinn ist also für mich nur – Bewusstwerden was wirklich ist.

Manchmal sagen wir: Ich konnte es doch riechen dass das eine Lüge war! Ich konnte es kommen sehen, ich habe geschmeckt dass da was faul war.
Eigentlich haben wir alle den inneren Beobachter, den der wahrnimmt und es wirklich WEISS weil er es wirklich spürt.

Machen wir uns also wieder auf den Weg wach und bewusst, wahrnehmend und sinnlich zu sein. Da liegt es doch das Gold. In Dir. Und in der Resonanz im Aussen dann: Überall. Dazu ist es wichtig alle Sinne zu benutzen. Sinnlich wahrzunehmen.

Oder auch: ÜBERSINNLICH.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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…von der harmonischen Balance…

Bist Du im Gleichgewicht?

Unser fünfter Sinn ist einer, von dem wir wenig sprechen, den wir oft vergessen und der doch in jeder Hinsicht extrem wichtig ist.

Der Gleichgewichtssinn.

Vor Jahren ereilte mich eine Attacke, die mich voll aus der Bahn gehauen hat. Ich war mit meinen Jungs in Zermatt und alles war fein, bis wir abends in das schöne Spa gingen. Die Jungs plantschten im Bad. Ich erhob mich von meiner Liege und taumelte. Es war nicht einfach eine Kreislaufschwäche, sondern eine Schwindelattacke. Ich schwankte wie ein Schiff bei schwerem Seegang. Sicher kannst Du Dir vorstellen, wie übel es einem wird, wenn sich plötzlich die ganze Welt um einen herum bewegt.

Unser Gleichgewicht wird eigentlich im Ohr geregelt.

Es ist für unseren Gleichgewichtssinn von zentraler Bedeutung, denn im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan. Es besteht aus drei annähernd kreisrunden Kanälen – den Bogengängen – und zwei Säckchen, den sogenannten Vorhofsäckchen (Otolithenorganen). Die Bogengänge und die Vorhofsäckchen sind mit Flüssigkeit gefüllt.

Jeder der drei Bogengänge ist für eine bestimmte Bewegungsrichtung des Kopfes zuständig: Jeweils einer registriert, wenn der Kopf

  • nach oben oder unten geneigt,
  • nach rechts oder links geneigt oder
  • seitwärts gedreht wird.

Die Otolithenorgane befinden sich schräg unter den Bogengängen und funktionieren ähnlich: In beiden Säckchen befinden sich ebenfalls feine Sinneshärchen. Der Unterschied zu den Bogengängen: Auf den Härchen haften kleine Kristalle – wie Steinchen auf einem Teppich. Fachleute nennen die Kristalle Otolithen. Mit den Vorhofsäckchen wird Beschleunigung wahrgenommen. Zum Beispiel das Gefühl, wenn man im Fahrstuhl fährt, fällt oder beim Autofahren losfährt oder abbremst.

Wenn uns schwindelig wird sind oft die kleinen Kristalle schuld, die in der Flüssigkeit des Innenohrs hin und her schwappen oder auch mal festhängen. Dann machen Ärzte gerne ein „Lagerungsmanöver“ bei dem sie versuchen die Kristalle wieder an die richtige Stelle zu bringen.

Soweit die physiologische Erklärung.

Aber es gibt auch ein Gleichgewicht, über das viele Menschen sprechen und das keinerlei Bezug nimmt zu unserem Ohr. Damals hat mich eine Kollegin gefragt, wo in meinem Leben ich mich gerade anschwindle und für mich war schnell gefunden, wo ich aus dem Gleichgewicht geraten war.

Gibt es bei dem was Du tust ein Gleichgewicht zwischen

Geben und Nehmen

Senden und Empfangen

Zuhören und Reden

Tun und Rasten?

Gibt es genug Raum für alles, was Dein Leben ausmacht?

Eine ganze Weile sprach man von der Work-Life-Balance. Da geht es um das Arbeiten, das Tun, das Sein, den Sinn von dem was Du machst, Deine Gesundheit, Deine Beziehungen, Deine Sicherheiten.

Wenn Du ins Ungleichgewicht mit einem Deiner Lebensinhalte gerätst, dann zieht das auch an allem anderen. Das System, die harmonische Ordnung wird gestört, es entsteht Chaos. Ganz oft greift dann der Körper ein und zwingt Dich zu mehr Ruhe. Macht eine Infektion gross und lässt Dich mit einer Erkältung ins Bett kriechen, bringt Dir Kopfschmerzen oder einen kleineren Unfall. Ruhezeit. Zeit, die Dinge wieder neu zu ordnen.

Ich erinnere mich an einen Klienten, es war ein wichtiger Manager. Eines Tages fiel er morgens beim Verlassen des Hauses über einen Ball und stürzte unglücklich, brach sich ein Bein, kam ins Spital. Der Arzt sagte ihm, es brauche ein paar Wochen bis er wieder laufen könne. Mein Klient sagte: „Machen Sie bitte irgendwas Schnelles. Für so einen Quatsch habe ich keine Zeit!“

Es war ein komplizierter Bruch, da war nichts zu beschleunigen. In der Erholungszeit hatte mein Klient viel Zeit zum Nachdenken. Nach vier Wochen ging er dann wieder auf beiden Beinen. Seinen Job hatte er umdefiniert, endlich einmal Dinge delegiert, sich Raum geschaffen für Stille und Freizeit, durchgeatmet und sich um Anderes gekümmert, das zu kurz gekommen war.

Noch einmal die Frage: Bist DU im Gleichgewicht Deiner Kräfte, deines Lebens?

Wo darfst Du jetzt freiwillig um Ausgleich sorgen damit Dein Leben Balance hat?

Es ist Herbst. Geniesse das Ende eines langen Sommers. Sieh die Harmonie in der Natur. Die Farben, die Früchte, das Ausgewogene, das Ordentliche im natürlichen Kreislauf. Schau Dir Dein Leben, deine Schätze und Reichtümer an. Geniesse. Alles ist gut.

 

Willkommen in der Adlerperspektive.

Alles eine Geschmacksfrage…

Hast Du schon mal eine Auster gegessen?

Sie schmeckt nach – Salz. Nach Wasser. Nur ein ganz klein bisschen wie Fisch. Sie ist glibberig und sanft im Mund. Viele Menschen streiten sich, ob man sie nun kauen oder einfach ganz runter schlucken soll. Ob man Zitrone drauf träufelt. Ganz ehrlich, wenn Du Zitrone dazu nimmst dann schmeckst Du nur Zitrone. Eine Auster ist einfach ein Stück vom Meer. Es ist die „mouth sensation“, das Erlebnis wie es sich anfühlt, das Fühlen im Mund, was die Auster ausmacht. Denn eigentlich schmeckt sie nicht wirklich wie „etwas“ und trotzdem eben speziell.

Geschmack ist harte Arbeit: Damit wir wahrnehmen, wie ein Lebensmittel schmeckt, müssen wir es in den Mund nehmen und zerstören. Wir müssen beissen, wir müssen schmelzen, wir müssen es mit der Zunge bearbeiten erst dann entfaltet sich ein Geschmack.

Vor Jahren hat mir ein Barista erklärt warum Espresso in dickwandigen Tassen serviert wird: Damit der Kaffee nicht an der Zungenspitze ankommt (wie zum Beispiel Tee, aus einem ganz dünnen Tässchen… so kann sich die feine Blume eines Darjeelings bemerkbar machen, die nicht sehr aufdringlich schmeckt).

Espresso ist bitter, aromatisch, stark, geröstet, intensiv. Der gehört in den hinteren Teil der Zunge, da kann er sein Aroma entfalten.

Die eigentlichen Geschmacksorgane der Zunge sind die Geschmacksknospen. Sie liegen in den sogenannten Geschmackspapillen. Dies sind die kleinen Erhebungen, die Du auf Deiner Zunge erkennen kannst. Ein Erwachsener hat etwa 2000 bis 4000 Papillen auf der Zunge. Isst Du also eine salzige Suppe oder eine süsse Nachspeise, so werden die Sinneszellen in den Geschmacksknospen aktiviert und Dein Gehirn wird darüber informiert, wie salzig oder süss das Essen ist. Etwa die Hälfte der Sinneszellen reagiert auf alle fünf Grundgeschmacksrichtungen, die restlichen sind spezialisiert auf einen bestimmten Geschmack.

Fantastisch also was sich tagtäglich auf unserer Zunge und im Mund abspielt!

Wie alle anderen Sinne wird auch der Geschmackssinn spannend und ein absolutes Wunder, wenn man sich damit beschäftigt. Wer hätte das gedacht, dass unser Körper uns jeden Tag Abenteuer liefert! Wir müssen uns ja nur darauf konzentrieren und können jeden Tag sinnliche Erfahrungen machen – und das Beste daran – im Alltag! Denn wir alle essen und trinken ja jeden Tag! Schmecken! Ein fantastisches vielfältiges tägliches Ritual!

Riechen und schmecken liegen ja ganz nah beieinander und helfen sich gegenseitig, z.B. besonders deutlich bei der Weinverkostung.

Gerade jetzt im Herbst gibt es wieder so viel Köstliches und Wunderbares auf dem Teller, auf dem Markt, im Angebot.

In der Schweiz sagt man dann auch noch zum Geruch Geschmack. So kann es vorkommen, das jemand neben einem steht der sagt: „Du schmeckst so fein“. Mehr als einmal habe ich mich darüber amüsiert.

Aber auch in meiner englischen Wahlheimat spricht man vom „taste“ und das ist dann gleich einiges: Geschmack mit und ohne sinnlichen Geschmack, Vorlieben, Kostproben, Duft, erleben, Vorgeschmack.

Nun aber die Frage der Fragen:

Was schmeckt Dir ganz besonders gut?

Welches Gewürz findest Du unentbehrlich?

Welchen Rohstoff möchtest Du beim Kochen immer dabei haben?

Was schmeichelt Deiner Zunge?
Welcher Geschmack ist Deine liebste Kindheitserinnerung?

Welchen Geschmack kannst Du nicht ausstehen?

Und welcher Geschmack verführt Dich?

Heute gibt es ja moodfood, ein Essen, das die Stimmungslage verändert, das beruhigt, anregt, aphrodisiert… und kürzlich sagte eine Freundin, als ich ihr einen Quarkschmarrn machte, das sei „comfortfood“. Und das ist es auch. Oma-Essen…

woran erinnerst Du Dich in Bezug auf Essen, das Deiner Seele gut tut?

Ich wünsche Dir eine herrliche köstliche Woche und – streu ein bisschen Zimt drauf, das wärmt Dein Herz.

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

 

Falls Du noch ein bisschen in den Geschmäckern schwelgen möchtest: Der Film Zimt und Koriander ist eine wunderbare Reise in diese Welt.

Anfassen ist simpel, Berühren ist Kunst

Wie fühlt sich das an, was um Dich herum ist?

Bevor Du den Blog liest: Fühle 5 Dinge die in Deiner unmittelbaren Umgebung sind…. nimm Dir Zeit.

Bei mir ist das: Mein Hund, genauer gesagt sein Kopf, der ganz weich ist und sich erstaunlich kuschelig anfühlt. Mehr als alles andere an seinem Körper. Seine Bauchhaare sind eher strohig, dafür fühlt man da sein Herz. Der Stoff meines Sofas, weiches breites Samt, sehr sanft und anschmiegsam. Die Schale einer Ananas. Furchig, rau, uneinladend. Das warme Steingut meiner Teetasse, noch etwas erhitzt vom Tee. Und schliesslich die Tasten meines Laptops. Genau richtig für meine Fingerspitzen, glatt, eher warm als kalt und gibt nach, wenn man sie berührt.

Hast Du schon bemerkt wie wichtig der Tastsinn für Dich ist?

Wie entscheidend es ist wie sich etwas anfühlt wenn man es berührt?

Der Kauf der meisten Textilien wird fast ausschliesslich über die Haptik entschieden. Die Vorlieben sind bei jedem anders – manche Menschen finden glatte Oberflächen ganz wunderbar, bei anderen ist es der raue, ungebügelte Stoff. Manche Menschen lieben Cashmere, andere eher die raue Schafwolle, wieder andere Leder, Leinen, Jute, Bambusfasern.

Unsere Haptik, also der Tastsinn, ist auch von Vorlieben beeinflusst. Nicht jeder mag einen Pfirsich mit haariger Oberfläche, nicht jeder streichelt gerne eine Katze oder ein Kaninchen, es gibt Menschen, die es gerne „handfest“ haben, andere versenken ihre Hände gerne in Weiches, in Fingerfarben, in Teig, in Sand, in Seide oder Fell, in Wolle oder streichen über frisch aufgerautes abgeschliffenes Holz.

Haptik beeinflusst uns mehr, als wir denken.

Die Haut ist nicht nur unser grösstes Organ, das mit anderthalb bis zwei Quadratmetern Fläche das Körperinnere schützend umhüllt – sie ist auch eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Sensoren in der Haut helfen uns, die Umwelt durch Tasten wahrzunehmen: jeden Druck, jede Berührung, jeden Windhauch oder auch die Temperaturschwankungen zu erfühlen.

Dazu sitzen verschiedene Sinneszellen und Nervenenden unterschiedlich tief in den Hautschichten. Die einen reagieren empfindlich auf feinste Berührungen, die anderen auf grossflächigen Druck. Einige sind auf Wärme und Kälte spezialisiert und wieder andere nur auf Schmerz. Dabei sind die Hautflächen aber unterschiedlich empfindsam, so dass einige die Berührung nur sehr grob wahrnehmen, während andere feinste Abstufungen ertasten können.

Und auch die Körperhaare liefern Berührungsinformationen, weil Nervenenden an ihrer Wurzel jede Erschütterung melden. Dieses System ist bei vielen Tieren besonders empfindlich: Die Schnurr- oder Tasthaare, von Katzen, aber auch von Nagetieren oder Seehunden sind so fein eingestellt, dass sie ihre Augen für die Nahrungssuche und Jagd kaum brauchen. Fische besitzen das Seitenlinienorgan, um feinste Wasserbewegungen wahrzunehmen, Spinnen, Insekten oder andere Gliedertiere tragen Erschütterungssensoren an den Beinen und Fühlern.

Alle Sinneszellen melden ihre Erregung über Nervenzellen durch das Rückenmark an das Hirn, und erst dort wird das Gesamtbild analysiert und interpretiert. Denn erst, wenn zum reinen Fühlen auch das Umfeld „hinzugerechnet“ wird, können Mensch oder auch Tier angemessen reagieren: Soll man auf Berührung erschrocken zurückzucken oder wohlig erschauern? Ist der Windhauch wegen der Kälte der Umgebung unangenehm oder wegen der Hitze erfrischend kühl? Kann ich Schmerz aushalten oder habe ich Angst davor?

Wenn ich zurück denke an meine haptischen Lieblingserinnerungen dann erscheint sehr schnell: Als sich das erste Mal die kleinen Finger meiner Babys um meinen Finger wickelten. Wie sich mein Pferd unter seiner Achsel anfühlte, auch seine Nase und die riesigen Lippen. Wie ich mit dem Tastsinn erkennen kann, ob ein Brotteig genug geknetet ist. Wie ich in meiner Arbeit als Körpertherapeut das Vibrieren deuten konnte, das unter meinen Händen stattfand. Aber auch: Wie sich wichtige Umarmungen für mich anfühlten. Allen voran eine, die etwa 30 Jahre her ist, ein Inder. Seine Umarmung war ein Umschlingen, ein völliges Fliessen und Vereinigen, eine Minute nur. Aber in dieser Minute war alles Körper, war alles hochsensibel.

Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich im Mutterleib entwickelt, und der letzte, der vor dem Tod erlischt. Und der einzige, ohne den wir nicht leben können. Das Berühren, das Tasten, das Erfühlen ist lebensnotwendig und dennoch vergessen wir es so oft.

Erlebe, erobere, empfinde diese Woche einmal ganz intensiv das Tasten, das Fühlen, das Berühren – und werde berührt.

Zeit für eine Umarmung, eine Massage, Schwimmen und damit die Berührung mit dem Wasser. Oder Wind, Kälte, Hitze, verschiedene Unterlagen, barfuss Laufen, Dinge, Menschen, Tiere, Pflanzen streicheln oder berühren. Oder Deinen Lieblingsmenschen. Geniesse es.

Ich wünsche Dir eine berührte Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Man muss Dinge so tief sehen, dass sie einfach werden

Was siehst Du gerade, wenn Du einen Moment inne hältst, jetzt, bevor Du Deinen Blog liest? Nimm Dir diesen Moment. Sieh hin.

Wohin wandert Dein Blick jetzt? Was sucht und findet Dein Auge?

Entdeckst Du etwas Ungewöhnliches, etwas das Du nicht da vermutet hast, etwas das Dich sogar überrascht obwohl Du doch vielleicht jetzt in Deinem vertrauen Umfeld bist?

Oder sitzt Du in einem Cafe, in der Hotelhalle, der Tram? Siehst Menschen?

Mach Deinen Blick weich.

Was ist der weiche Blick? Du richtest deinen Blick auf etwas, du fixierst es aber nicht, sondern es ist als ob du hindurch schaust. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor einigen Jahren mal in Mode waren. Du kannst das gleich mal ausprobieren mit einer Hand: Strecke den Arm vor dir aus und hebe die Hand in Augenhöhe. Anstatt die Hand genau anzuschauen, schaue durch die Hand hindurch. Vermutlich siehst du dann die Hand verschwommen, vielleicht sogar doppelt.

Falls du eine Topfpflanze in der Nähe hast, probiere das mit der Topfpflanze. Du kannst das auch probieren z.B. mit einem Menschen, insbesondere wenn er dir den Rücken zudreht. Wenn du so durch den Menschen hindurch schaust, versuche ihn auch von deinem Herzen her zu spüren. Eventuell siehst du dabei auch eine Farbe um den Menschen herum, insbesondere wenn dahinter ein heller Hintergrund ist. Eventuell hörst du auch einen inneren Klang im Ohr.

Oder siehst Du lieber mit Adleraugen ganz genau und scharf?

Worauf focussierst Du Dich dann?

Wenn Du fotografierst, macht Dein Seh-Sinn noch mehr: Er komponiert. Er stellt Schönheit her, er sucht sogar den goldenen Schnitt.

Aber was ist das denn nun wieder?

Der Goldene Schnitt ist eine seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Grössen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmass und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Der Goldene Schnitt kommt in der Natur und sogar im menschlichen Körper häufig vor, lässt sich aber auch in Kunst, Architektur und Typografie wiederfinden.

Sehen hat so viele verschiedene Geschichten zu erzählen. Spannend, wenn man bedenkt dass zwei das gleiche sehen können und doch etwas anderes erkennen. So funktioniert optische Täuschung, so funktionieren Suchbilder, so funktionieren sogar psychoanalytische Tricks. Wenn wir etwas nur betrachten, so müssen wir uns Zeit dafür nehmen. Wir dürfen dem Gehirn nicht die Erlaubnis geben sofort zu benennen: Aha ein Baum. Eine Tasse. Eine Brille. Ein Stein.

Kinder sehen noch genau. Ungekünstelt, uninterpretiert, unbeschwert. Das verlieren wir im Laufe des Lebens. Wir machen sogar Entscheidungen, was wir sehen wollen und was nicht. Oder was wir wie sehen wollen. Es ist kein blosses Sehen mehr, sehr oft ist es: Bewerten, beurteilen, vergleichen, verstehen.

Vor einigen Jahren machte ich ein Experiment mit einigen Coachees im Zürcher Hauptbahnhof. Ich klebte Begegnungsflächen am Boden ab. Zwei Stühle. Die Aktion hiess: „Auf einen Augenblick“. Passanten wurden eingeladen, meinen Coachees für zwei Minuten schweigend in die Augen zu schauen.

Was meinst Du, ist da passiert?

ALLE. Ich sage: ALLE Passanten haben die Coachees umarmt oder die Hand gedrückt. Alle bekamen Tränen in die Augen. Alle waren – BERÜHRT.

Wie lange ist es her, dass Du Dich mit dem Sehen wirklich beschäftigt hast? Hebe Deinen Blick vom Display. So oft Du kannst. Siehe. Betrachte. Nimm wahr. Sieh wirklich wirklich hin.

Du wirst berührt werden von dem, was Du betrachtest.
Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Beschäftige Dich diese Woche einmal mit dem wirklichen HIN-SEHEN. WAHRNEHMEN. Das Auge hat viel zu bieten.

Die Welt ist bunt.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Ohrenschmaus

STOP. Lies diesen Blog noch nicht. Mach die Augen erst rasch zu. Eine oder zwei Minuten. Lausche.

Was hörst Du gerade JETZT um Dich herum?

Welche Geräusche findest Du köstlich? Was bereitet Dir Vergnügen zu hören?

Wie passend, dass ich diese Woche über das Ohr schreiben möchte. In meiner Blog Reihe über die Sinne kommt das Ohr weit weniger euphorisch weg als der Duft, der Geschmack, das Auge. Aber wie sehr bereichert uns das Hören den Alltag! Wie stark ist es auch an unseren Emotionen beteiligt!

Unser Ohr zählt schliesslich zu den wichtigsten Sinnesorganen des menschlichen Körpers. Mit ihm nehmen wir nicht nur Töne und Geräusche war, sondern es steuert auch unseren Gleichgewichtssinn und ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sowie die räumliche Orientierung zuständig.

Richtig hören lässt uns am Leben teilhaben und ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Neben Sprache und Musik nehmen wir durch unser Gehör auch Gefahren und Emotionen wahr.

In der vergangenen Woche hatte ich einmal mehr das Vergnügen, den Harfenklängen meines liebsten Freundes Georg zu lauschen. Wieder einmal hat er es geschafft, im Rosengarten mit seinen Tönen zu zaubern, die Menschen mit der Musik zu umarmen, die Tiere zu berühren, die in und um den Garten waren, man hatte fast sogar das Gefühl, die Bäume neigen sich ein bisschen nach vorne um genauer hin zu hören.

Auf Jersey liegt mein Schlafzimmerfenster genau zur Brandung in der Bouley Bay und ich kann dem Atlantik zuhören, wenn ich einschlafe oder nachts erwache. Das Schönste aber ist der frühe Morgen, wenn ich mit meinen Coachees auf die Klippen gehe zum Sonnenaufgang. Unmittelbar vor dem Sonnenaufgang „singen“ und „kreischen“ die Vögel die Sonne herbei. Fast schon lärmig hört man sie aus allen Büschen und Bäumen das neue Licht herbeisehnen. Wenn dann der erste Sonnenstrahl am Horizont auftaucht, herrscht von einem Moment auf den anderen andächtige Ruhe. Dann erheben sich die Flügel und sie segeln in den Tag. Plötzlich Stille und die Natur hat Platz für die Töne von Meer und Wind. Überall raschelt es, der Tag nimmt sich den Raum, die Menschenohren baden in Köstlichkeiten.

Was hörst Du ganz besonders gern?

Was erreicht Dein Herz durch Deine Ohren?

Wie wichtig ist das Hinhören, das Zuhören, das auf Dein Herz hören für Dich?

Wie genau nimmst Du durch die Ohren die Welt auf?

Wann verlässt Du Dich auf Deine Ohren?

Welche Hörerinnerung aus Deinen Sommerferien hast Du ganz schnell wieder?

Das Mövengeschrei? Kinderlachen? Almkühe mit Glocken? Wasserfall? Bach und fliessendes Wasser? Den Mistralwind? Grillenzirpen?

Widme Dich doch diese Woche einmal dem bewussten Hören. Dann wirst Du sehen, es gibt nicht nur Augenschmaus, Gaumenschmaus sondern auch Ohrenschmaus.

Geniesse!

 

Willkommen in der Adlerperspektive

Und hier noch der link zur göttlichen Musik: http://www.harpmosphere.com

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Immer der Nase nach

Hast Du den Sommer schon gerochen?

Nach was duftet er bei Dir? Wo hast Du Dich aufgehalten?

Die Tage war ich gleich mehrfach mit den Sinnen und der Sinnlichkeit beschäftigt. So sagte mein Sohn zu mir: Das Coolste am Motorradfahren ist, dass man alles so gut riecht, das man sozusagen der Nase lang fahren kann.

Und am Tag danach übernachtete ich in einem fremden Zimmer. Mitten in der Nacht öffnete ich die Balkontür zum Garten. Und da war er: Der würzige Duft nach feuchter Erde, nach Gras und Blumen, nach Frische und dem See, der in naher Ferne lag. Der Duft war so intensiv, weil es die Stunde war, in dem die Feuchtigkeit der Nacht gerade eben so beginnt wieder zu atmen. Ich atmete mit und dieser Duftteppich war so üppig, das ich ihn nicht für das Weiterschlafen eintauschen wollte.

Ein paar Tage später erzählte mir eine Freundin, dass sie in Thailand war und dass sie diesen Duft blind erkennen würde. Die feuchtwarme Tropenluft mit dem Geschmack von Orchideen, Kokosnuss und Gewürzen.

Jedes Land hat seinen eigenen Duft, jeder Ort riecht anders und jeder Mensch, jedes Ding scheint da auch noch Informationen zu liefern, die für uns wesentlich sind. Du kennst bestimmt auch Menschen, die an allem schnüffeln. Zum Beispiel an einem brandneuen Buch, an frischer Bettwäsche, an Kräutern, am Essen, an Textilien und auch an Orten, bevor sie sie betreten.

Frisches Brot, das gerade aus dem Ofen kommt?

Frisch geschnittenes Gras?

Wäsche auf der Leine?

Babykopf?

Kaffee, der eben gemahlen wurde?

Zimtschnecken im Ofen?

Erinnere Dich. Was hat Dir diesen Sommer ganz besonders in der Nase geschmeichelt?

Der Geruchssinn ist der Unmittelbarste der menschlichen Sinne. Während visuelle, akustische oder haptische Signale erst in der Grosshirnrinde des Gehirns verarbeitet werden müssen, wirken Düfte im Gehirn direkt auf das limbische System, wo Emotionen verarbeitet und Triebe gelenkt werden.

Wenn man zum ersten Mal einen Raum betritt oder einen unbekannten Menschen trifft, ist es in der Regel der Geruchssinn, der einem den ersten Eindruck verschafft.

Zudem ist die menschliche Erinnerung eng mit Düften und Gerüchen verknüpft. Ein Geruch kann einen urplötzlich in eine lange zurückliegende und längst vergessene Situation zurückversetzen, in der man ihn zum ersten Mal wahrnahm.

Dieser „Proust-Effekt“ ist nach dem französischen Autor Marcel Proust benannt. In seinem Hauptwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beschreibt er einen Mann, der ein Stück Gebäck in seinen Tee tunkt, worauf er eine Fülle an Erinnerungen an seine Kindheit hat, die tief in seinem Unterbewusstsein verschüttet waren.

Jedes Lebewesen und viele Gegenstände und Materialien sondern Duft in Form von Molekülen ab. Beim Einatmen gelangen die Moleküle zur Riechschleimhaut am oberen Ende der Nasenhöhle.

In diesem fünf Quadratzentimeter grossen Organ befinden sich zwischen zehn und 30 Millionen Nervenzellen, die sich alle vier bis sechs Wochen erneuern und Rezeptoren für zirka 400 verschiedene Duftstoffe besitzen.

Die Nervenzellen münden in den Riechkolben, den Übergang zum Gehirn. Von dort werden die Informationen an verschiedene Bereiche des Hirns weitergeleitet, kombiniert und verarbeitet. Gerüche sind in der Regel sehr komplex und setzen sich oft aus mehreren hundert Elementen zusammen.

Beim Riechen kommen zwei Nerven ins Spiel. Der Olfaktorius steuert das eigentliche Riechen, während der schmerzempfindliche Trigeminus auf beissende Gerüche wie Chlor, Salmiak, Rauch oder auch Zwiebel reagiert. Der Geruchssinn ist eng mit dem Geschmackssinn verknüpft, und erst diese Verknüpfung liefert ein differenziertes Geschmackserlebnis.

Ein gesunder Mensch kann mehr als 10.000 verschiedene Duftnoten unterscheiden. Wer sich gezielt Düften aussetzt und versucht, diese zu kategorisieren, steigert seine Wahrnehmung und kann die Geruchsinformationen besser verarbeiten und benennen.

 

Nun, woran erinnerst Du Dich diesen Sommer?

Die Sonnenmilch?

Den Geruch von Chlor, nachdem Du lange im Schwimmbad warst?

Das gegrillte Fleisch beim Barbecue?

Das Meer – das Salz, die Algen, die Fische, die Frische?

Mach doch in den nächsten Tagen mal einen Nasenspaziergang und lass Dich inspirieren wo es Dir am besten „schmeckt“. Und dann: Geniesse.

Wie schön, dass wir unsere Sinne haben. Die nächsten Blogs widme ich unseren Sinnen, lass Dich mitziehen und geniesse Deine Sinnlichkeit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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