Lieben ist ein Verb

Letzthin las ich eine schöne buddhistische Parabel. Der Schüler fragte den Lehrer: „Wer bist Du“ und der Lehrer antwortete:“Wenn ich nicht weiss wer ich bin, diene ich Dir. Wenn ich weiss, wer ich bin, dann bin ich Du.“

Das war die Belehrung über das tiefste Mitgefühl.

Sie erinnerte mich daran, wie mein Ideal einer liebevollen Verbindung zwischen zwei Menschen sein kann – und meiner Meinung nach auch sein sollte: Liebe sollte ein Verb sein. Es sollte viel Aktivität beinhalten. Tun für den anderen. Und auch, ja: Dienen.

Dem gemeinsamen Wohl dienen, das ist für mich schon die totale Hingabe aneinander und an den Partner.

Vor Jahren hatte ich eine liebe Kundin, die zur Therapie kam. Ihr Mann brachte sie und fragte sie nach ihrem Autoschlüssel. In der Zeit, die sie bei mir war, hat er ihr das Auto gewaschen und getankt. Ich war wirklich sehr überrascht und sagte: „Da hast Du aber ein richtiges Goldstück erwischt“.

Sie sagte, das sei in ihrer Ehe normal, sie würden sich gerne kleine Wohltaten geben.
Es geht aber nicht immer um das „Extra“ sondern um die Kleinigkeiten die man mit grosser Selbstverständlichkeit tut. Die ganz kleinen Gesten von Aufmerksamkeit und Fürsorge. Wie das total unaufgeforderte selbstverständliche Helfen. Das Marmeladeglas das Dir Dein Partner aus der Hand nimmt und aufdreht, die Tasche die er Dir trägt, das Kissen, das er Dir reicht weil er weiss dass Du leicht eine Blasenentzündung bekommst, wenn Du kalt sitzt. Die Jacke, die er auszieht, weil er sieht dass Du kalt bekommst, die Hand die er unter Deinen Arm schiebt weil der Boden schlüpfrig ist. Die Aspirintablette die Du auflöst wenn Du siehst dass er einen schweren Kopf hat, die Zahnbürste die man ersetzt, weil man sieht, das die alte schon knittert, das Kochen vom Lieblingsgericht, das Hereinnehmen der Schuhe, wenn der Regen auf den Balkon spritzen wird. Alles einfach so, ohne grosses Aufheben getan. Kleine Gesten, einfach weil der Partner Dein Wohlsein möchte.

Ich habe das viele Jahre betrachtet und besonders fällt mir ein Paar ein, Nadia und Stefan, die sind so aufeinander eingestellt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, das eine(r) ohne den anderen könnte. Da sah ich sie, die Harmonie der Selbstverständlichkeit, das gegenseitige Füreinander-Dasein. Auch in dieser Beziehung flogen schon die Fetzen, aber sie haben immer wieder den Weg zueinander gefunden – über das Tun. Weil sie einfach wissen was sie brauchen und was dem anderen jetzt gut tut.

Fürsorglichkeit scheint ein Wert zu sein, auf dem gute Partnerschaften gebaut sind. FÜR den Partner da sein, FÜR ihn etwas tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist etwas, das eine wirkliche Tiefe in die Liebe bringen kann.

Der Psychologe Erich Fromm hat einmal gesagt: „Wirkliche Liebe ist ein Ausdruck der inneren Produktivität, umfasst Fürsorge, Respekt, Verantwortlichkeit und Wissen“.

Frage Dich einmal selbst, in welchen Verbindungen Du AKTIV fürsorglich bist?

Wo bist Du für Deine Lieben da?

Gibst Du Deinem Partner genug von dem, was Eure Liebe trägt?

Wie selbstverständlich ist es für Dich Deinen Partner gut zu behandeln?

Und trägt er das selbe dazu bei?

Wie steht es um das TUN füreinander?

Wie viele liebevolle Gesten habt ihr im alltäglichen Miteinander? Konzentriere Dich darauf, danke ihm dafür, zeige es auf, freue Dich daran, auch an deinem eigenen Tun.

Als Coach sage ich das immer sehr entschieden: Wenn der Partner nichts mehr für Dich tut – und zwar aus eigenem Antrieb – und Du nichts mehr für ihn tun möchtest – aus eigenem Wollen – dann ist die Beziehung zu Ende.

Dann diene Dir selbst, sei sorgsam mit Dir, tu viel für Dich…

Dann geh weiter, liess das nächste Goldstück auf und freue Dich an dem Flow, wenn Ihr einander dienen möchtet.

Noch ein ganz kleines Detail aus dem Nähkästchen geplaudert. Mir fiel auf, dass mein Lieblingsmann immer wieder den Ärmel meiner Kleidung hoch zog, wenn wir Hand in Hand miteinander liefen. Irritiert fragte ich ihn, warum er das tut. Er sagte: Ich will Deine Haut spüren, nicht Deine Kleider.

Siehste? Goldstück und Glück gehabt.

Willkommen in der Adlerperspektive!

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