Was jetzt? Was dann?

Die Tage habe ich mit einer Dame gesprochen, die sich für ein Coaching interessierte, sie war knapp 60, man sah ihr das gelebte Leben schon an – aber auch – eine tiefe Traurigkeit. Als ein älterer Herr mit einem Rollator an uns vorbei ging, füllten sich ihre Augen mit Tränen und sie hauchte: Davor habe ich Angst.

Es war die Perspektivenlosigkeit, die sie in das Gespräch zu mir führte und sie sagte dann auch, sie wolle mit mir besprechen was denn dann wäre, wenn sie aus ihrer Kanzlei aussteigt, wenn das dritte Leben beginnt. Sie war 10 Jahre schon geschieden, nicht in einer erfüllenden Partnerschaft, die Kinder aus dem Haus, keine grossen Pläne geschmiedet. Die Karriere, der Erfolg wäre dann auch abgehakt. Die Eigentumswohnung bezahlt, der Notgroschen vergoldet. Es wäre ja alles da, sagte sie, ausser einer Idee was sie dann tut.

Ich hörte ihr zu und reflektierte einige weitere Gespräche, die ich in den letzten Monaten mit Freunden und Coachees, Bekanntschaften und meiner Nachbarin geführt hatte. Viele sagten dann „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ und ich war immer verwundert über diesen Satz.

Wieso braucht man zum Altwerden Mut?

Weil man die Jugendlichkeit, die Frische einbüsst?

Muss denn Altwerden immer gleichgesetzt werden mit Leiden, Schmerzen, Rente, Kaffeekränzchen und Niedlichsein, mit Oma und Opa, mit silbrigem Haar und Bridge, mit Pflegeheim und Rollator einhergehen?

Kann es nicht einfach so sein, dass wir das Leben, das wir geführt haben, einfach weiterleben? Vielleicht sogar jetzt ein bisschen WILDER weil es eben nicht mehr darauf ankommt, sich anzupassen und dem Diktat der Arbeitgeber, der Gesellschaft, den Konventionen zu gehorchen?

Warum nicht alt und cool sein? Alt und weise? Alt und egozentrisch?

In der letzten Woche traf ich dann eine Lady, die mit langem Silberhaar und wallenden Gewändern, mit endlosen Hippieketten um den Hals und bunten Schuhen in ihrem Camper durch Europa fährt. Auf meine Frage wie lange sie schon so unterwegs sei, sagte sie: Das weiss ich nicht mehr junge Frau. Und wie lange sie so weiter reisen kann? Bis ich tot bin, sagte sie. Brav sei sie lang genug gewesen, habe Mann und Kinder gehegt und gepflegt, das Familienheim, den Garten, die Haustiere und die Berufstätigkeit. Nun wäre es an der Zeit alles zu machen, was sie schon mal machen wollte. Sie wisperte, sie sei an diesem Strand gewesen in der Bretagne, wo man einfach so Leute für Sex trifft und sie habe den jungen Mann sehr genossen. Sie schmunzelte und die Lachfalten zierten ihr altes, wunderbares Gesicht und die blassblauen Augen glänzten.

Was wirst Du tun, wenn Du alt oder älter wirst?

Was ist Dein Wunsch?

Was kannst Du JETZT bereits in die Wege leiten, was Du dann brauchen wirst?

Es geht nicht um Gold und Rente, um einen Platz im Pflegeheim und den Hausarzt um die Ecke, es geht um Deine innere Haltung. Was wirst Du sein, wenn Du alt bist? Glücklich?

Der Dame im Cafe Odeon, in dem ich potentielle Kunden treffe, konnte ich nicht helfen. Ihre Lippen waren zusammengezogen und verkniffen, die Augen bereits im Schlafmodus. Jede Freude war aus ihr gewichen, erstarrt in Regeln und Normen, in Ordnung und Enge. Sie war nicht mehr bereit aus der geliebten Komfortzone zu springen.

Was wirst Du sein, wenn Du alt bist?

Bewahrst Du Dir Deine Lebensfreude, Deine Endorphine, Dein Lachen, Dein starkes schlagendes, trommelndes Herz?

Ich ging nach dem Gespräch im Cafe in ein Kiosk und sah eine Zeitschrift. Darauf stand: Ich bin hier. Und ich bin genauso seltsam wie Du. (Frida Kahlo)

Halleluja!

Mach Dein Leben nachhaltig. Richte Dich ein auf Lebensfreude, Freiheit und Individualität. Mach Dein Ding. JETZT und SPÄTER!

Willkommen in der Adlerperspektive.

altwerden

Stimmt ja auch!

Es gibt so Tage, da ist man verstimmt. Wie ein altes Klavier, das lange niemand mehr bespielt hat. Man fängt schon früh damit an, vielleicht hängt noch etwas nach, oder die Gedanken halten sich fest an einem Gespräch, das unerfreulich war oder einer Gegebenheit, die irgendwie etwas in einem anklingen liess, was schräge Töne machte. Heute war so ein Tag.

Verstimmungen kommen von kleinen emotionalen Kicks. Meistens geht es um nichts. Früher sagte man dazu: Beleidigt. Oder auch: empört. So eine Verstimmung, die ganz plötzlich auftaucht kann auch schnell wieder verschwinden. Man muss nur den Dreck rauslassen, einmal durchspülen (zum Beispiel mit einem Glas Prosecco) und dann wieder den Kopf nach oben und die Nase in den Wind…

Es gibt aber auch Verstimmungen, die länger dauern.

Die Ursache einer „depressiven“ Verstimmung liegt in einem biologischen Ungleichgewicht in den Nervenzellen des Gehirns. Bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter), die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen notwendig sind, sind bei depressiven Verstimmungen in zu geringer Menge vorhanden. Das ist die neurologische Herangehensweise.

Heute hatte ich eine kurze Verstimmung von gefühlten 24 Stunden. Gegen Mittag reichte es mir dann auch. Ich dachte: So, genug jetzt!

Ich machte einfach einen Spaziergang und ging auf Wundersuche. Das geht ganz einfach und Du kannst es überall tun, wo Du gerade bist. Mach die Augen auf, die Nase, die Ohren und schau, was Dir begegnet.

Mir begegnete zuerst eine Lady, die an ihrem Grundstück entlang ging und ein paar Unkrauthalme heraus zupfte. Ich liebe ihr Haus, es ist wunderschön und hat ein freundliches Gesicht. Ganz spontan habe ich ihr das gesagt und sie strahlte dankbar und erzählte mir die Geschichte der 250jährigen Villa. Sie lud mich zum Tee ein, den ich ein anderes mal mit ihr trinken werde. Denn ich brauchte ja noch ein paar mehr Wunder. Ich schlenderte weiter und sah Blumen in Hülle und Fülle, malerisch verwachsene kleine Häuser, süsse Hunde und einige Lächeln von Menschen.

Schliesslich landete ich bei ihm, dem Glücksbringer. Auf der Tafel daneben war eingraviert: „Die Schale als Symbol des Weiblichen auf dem Bauch eines Mannes, der sie mit Wonne trägt. Kitzeln sie ihn einmal mit den Fingern ihrer beiden Hände an den Zehen. Schauen sie ihm dabei ins Gesicht und schon spüren sie den Schabernack und das Glück in ihnen aufsteigen, ihre Mundwinkel beginnen zu schmunzeln und sie sehen das Leben anders. Eben das soll er, der kleine Glücksbringer“

 

Natürlich habe ich den vergnügten Kerl gekitzelt. Und es ging mir wirklich schnell besser. Manchmal braucht es eben ein bisschen Zauber.

Seneca hat einmal gesagt: „An unseren Gedanken leiden wir mehr als an den Tatsachen“.

Die meisten Menschen leiden täglich. Sei es durch tatsächlichen Schmerz, eine unangenehme Situation oder durch das Beklagen von etwas. Dieses Verhalten ist für uns schon fast selbstverständlich (denn seien wir ehrlich: wer beklagt sich nicht?) und wurde uns durch die Erziehung und Gesellschaft vorgelebt und damit leider anerzogen. Wir konzentrieren uns auf das, was nicht gut ist und tragen viel zu oft genau das in die Welt heraus oder halten es uns selbst die ganze Zeit vor Augen.

Wir müssen aber erkennen, dass Glück eine Entscheidung ist. Du musst nicht weiter verstimmt sein! Bring einen neuen Klang in die Welt. Hol Dir Deine kleinen Glücksmomente ab. Mach Deine Sinne auf. Versuche es sofort:

Schau JETZT:

Was gefällt Dir gerade visuell?

Was duftet gerade köstlich?

Was fühlt sich gut an?

Was schmeichelt Deinen Ohren?

Steig aus und beginne einfach von vorne. Wenn Deine Verstimmung nur eine kleine Abzweigung in deiner Stimmungslage ist, dann hast Du die Wahl wieder zum Happyness-Mainstream zurück zu kommen.

Du hast immer die Wahl.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Das Glück der Perfekten, das pure Gold

Willst Du auch unbedingt alles perfekt machen?

Der Perfektionismus ist zu einer „Krankheit“ geworden. In den letzten Jahren habe ich sehr sehr oft genau dieses Problem in meinem Coaching besprechen müssen. Und auch diese Tage hatte ich mit Menschen zu tun, die die Dinge gerne unter Kontrolle haben.

Wie konnte das nur passieren?

Menschen, die gerne perfekt sind, vor allem im beruflichen Kontext, sind vertrauenswürdig, sie überzeugen durch Disziplin, erfüllen die höchsten Ansprüche, man kann ihnen alles anvertrauen und auf das beste Ergebnis setzen. Ich habe solche Menschen auch sehr gerne, wenn ich einmal etwas von jemand anderem brauche. Ich schätze das, Menschen die möglichst wenig Fehler machen. Vor allem wohl Ärzte, aber auch mein Automechaniker, Handwerker, IT Spezialisten. Schön, wenn man weiss: Der/sie kann das perfekt. Man kann sich ausruhen und entspannen, weil man weiss, dass alles gut gehen wird.

Und natürlich bemühe ich mich auch selbst, das Beste zum besten Ergebnis beizutragen, wenn ich als Coach arbeite. Ich ertappe mich dabei, wie ich pausenlos nach den allerbesten Lösungen suche, Sekundärliteratur recherchiere, mit Kollegen spreche.

Es scheint nie gut genug zu sein, wenn wir unsere Arbeit abliefern.
Inzwischen ist dieses Ich bin nicht gut genug aber zu einem geflügelten Satz geworden, der sich auf wirklich jeden Lebensbereich ausweitet.

Der Perfektionswahn hat uns im Griff. Inzwischen ist alles optimiert worden, wir wollen klug, schön, straff, reich, kultiviert sein und dazu noch die beste, allerbeste berufliche Performance liefern. Glatt poliert, glatt rasiert, glatt gebügelt. Das Streben nach Mehr hat uns gepackt, wir verbessern und präzisieren, zeigen Kompetenz und Akkuratesse, alles in Ordnung, alles unter Kontrolle.

In das Streben nach Exzellenz stecken Menschen mit einem Hang zum Perfektionismus viel Kraft und Zeit. Das persönliche Optimum erreichen die Betroffenen aber nur selten. Dies führt zu einer permanenten Unzufriedenheit und kann sich in einem niedrigen Selbstwertgefühl äussern. Ausserdem wird die eigene Selbstachtung lediglich von Erfolgserlebnissen abhängig gemacht. Gelingt es nicht, ein (perfektes) Ziel zu erreichen, kommt es zu Enttäuschung, Frust und Wut. Ein Perfektionist befindet sich folglich oft in einem Dilemma: Dem Bedürfnis nach Erfolg auf der einen und der Furcht vor dem Versagen auf der anderen Seite.

Das Spagat wird schmerzhaft gross. Die Angst vor den Fehlern, dem Scheitern ist längst so stark geworden, dass Perfektionisten einen Tunnelblick haben und streben streben streben und dabei das Leben verpassen. Kein Platz mehr für Spontanität und Ausbrechen aus der Routine. Wie eng kann so ein Leben werden!

Eine der Lösungen gegen das Perfektionieren ist: Die Kunst des Weglassens.

Bedenke bei allem, was auf Deiner todo Liste ist: Braucht es das wirklich? Ist das Tun dieses Vorhabens förderlich für das Gesamtergebnis? Fördert es mein Wohlsein? Fördert es meine Entspannung? Ist es unbedingt nötig?

Frage Dich, wenn Dein Partner, Deine Kinder, Dein Hund, Deine Kollegen Deine Ordnung einmal mehr in Unordnung bringen: Will ich jetzt Ordnung oder meine Liebe wählen? Will ich die Person mögen oder meinen Haushalt in Ordnung haben?

Und dann schau auf Deinen eigenen Anspruch an Dich selbst:

Reichen vielleicht auch *nur* 80% meines Einsatzes?

Die 80:20-Regel, auch als Pareto-Prinzip bekannt, wurde von einem italienischen Ökonomen im 19. Jahrhundert erarbeitet. Vilfredo Pareto befasste sich mit der Verteilung des Reichtums in Italien und stellte fest, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent des Reichtums besassen. Mittlerweile weiss man, dass diese Regel auf viele Lebensbereiche anwendbar ist: So tragen wir zum Beispiel 20 Prozent unserer Kleidung in 80 Prozent unserer Zeit oder 20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Unternehmensumsatzes aus.

Für uns bedeutet das, dass 20 Prozent der eigenen Bemühungen für 80 Prozent unseres persönlichen Erfolgs ausschlaggebend sind – oder: 80 Prozent der Ergebnisse lassen sich mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreichen.

Was kannst Du sofort sein lassen von Deiner (inneren oder tatsächlichen) To-do und To-be Liste?

Streiche etwas von Deiner Liste:

Spürst Du die Entspannung ? Sofort ?

Ich weiss, von was ich rede. Ich hatte oft eine krankhafte Perfektionsfalle. Das Streben nach dem besten Ergebnis von allem hat mich viel Lebenszeit und Verspannung gekostet. Bis ich einmal mit einem befreundeten Mentalcoach sprach. Das ist unglaubliche 12 Jahre her. Er zeigte mir ein schönes Symbol:

Und sagte dazu: Nicht einmal das feinste und edelste Gold ist 100%!

Warum meinst Du, das erreichen zu müssen?

So, möchtest Du wirklich sagenhafte mindestens 24 Karat sein?

Oder ist Dein freudvolles, glückliches, warmherziges Wesen nicht längst ohnehin schon – PURES GOLD?

Lass los. Entspanne Dich. Alles ist gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

You are welcome!

Kürzlich beobachtete ich eine rührende Szene: Mein Lieblingsmann und ich sassen in einem Cafe und es begann zu regnen. Plötzlich sprang er auf und nahm sich den Arm einer alten Lady, die gerade die rutschig anmutende Treppe hinunter ging. Die beiden konnten kein Wort miteinander wechseln weil sie italienisch und er holländisch spricht, dennoch hatte die Frau totales Vertrauen und fühlte sich nicht belästigt, sondern bedankte sich mit einem riesigen Lächeln.

An diesem Tag sah ich noch einige freundliche Gesten, weil mein Bewusstsein und mein Auge darauf fielen und es gab mir sehr viel Wärme, zu sehen, dass Menschen tatsächlich noch menschlich sein können in einer Welt, die immer egoistischer und abgelenkter wird.

Natürlich ist es immer einfach, freundlich mit Kindern und hübschen Tieren zu sein, vielleicht auch mit alten Menschen, wenn man sich darauf konzentriert. Aber wie ist es mit alltäglichen Begegnungen, Menschen die uns im Zug begegnen, auf der Strasse, im Supermarkt, bei der Parkplatzsuche? Oder überall da, wo gewartet wird?

Bei einem Obststand am Markt, an dem ich kürzlich stand und wartete, werden dann schnell die Ellbogen ausgepackt und es fallen sogar Beleidigungen, wenn man nicht genau in der Reihenfolge dran kommt. Manchmal möchte ich dann gerne sagen: Warum haben Sie es denn so eilig? Muss es schnell gehen das Leben? Muss man schnell weiter? Keine Zeit für die Bedienung? Für ein Lächeln und ein Dankeschön?

Freundlichkeit habe ich von den Engländern gelernt. Nicht jetzt, sondern in den Achtzigern. Ich war total erstaunt, als ich einmal in einen Zug einsteigen musste und mir ein grosser Mann meinen Koffer hinein wuchtete. Natürlich dachte ich zuerst, er will ihn mir stehlen! Ich war voll in Panik, als er ihn nahm und damit einstieg. Dann drehte er sich um und lächelte mich an. Ganz nach dem Motto: „Hab ich gerne für dich gemacht junge Lady“. Als ich in den Folgemonaten sah, wie die Engländer Rücksicht aufeinander nahmen, sich freundlich und zuvorkommend benahmen, war ich sehr erstaunt. Fragte ich nach einem Weg und bekam ihn auch prompt gezeigt, so hiess es nach meinem Bedanken dann gerne: „You are welcome“.

Während dieser Zeit beschloss ich, ein freundliches Leben zu führen. Nicht dass es mir jemand in der Kindheit beigebracht hätte! Ich habe es mir einfach abgeschaut von meinen britischen Vorbildern. Freundlichkeit heisst ja eigentlich auch: Benimm Dich wie ein Freund!

Es will mir nicht in den Kopf, warum das nicht jeder macht. Denn: Freundlichkeit wärmt ja nicht nur den Anderen das Herz sondern auch sich selbst. Man spürt seine eigene Liebe, Zuneigung, Respekt und das eigene Wohlwollen. In den ganz kleinen Gesten.

Freundlichkeit ist auch Sozialkompetenz. Den anderen Menschen mit Respekt, Wohlwollen und Einfühlungsvermögen begegnen, das könnten wir eigentlich alle.

Und dennoch tun sich viele so schwer damit. Wie schade.

Stattdessen werden gerne Youtube Videos auf Facebook herum gereicht, in denen andere freundlich, hilfsbereit und grosszügig sind.

Das kann wirklich jede(r) selbst und sogar ohne Anleitung. Es braucht nur entschlossenes Handeln.

In der selben Woche, in der mein Freund die alte Lady die Treppe hinunter begleitete, war meine Aufmerksamkeit auf die kleinen Szenen des Alltags gerichtet, in denen Freundlichkeit lagen. Das tat mir gut zu sehen. Denn allzu oft begegnete mir auch das Gegenteil: Offene Aversion und Feindseligkeit. Ellbogen und Beschimpfungen, Ignoranz und Egoismus.

Wir alle haben dieses gute Herz, das anderen Menschen freundlich begegnen will. Es braucht nur eine Entscheidung und – Konzentration darauf. Dann kann es leuchten und sich verschenken. Wie schön ist das.

Öffne und trainiere diese Woche einmal das:

Sei freundlich.

Wie die Pfadfinder: „Jeden Tag eine gute Tat“. Es dürfen auch gerne mehr werden. Das gibt Aufwind zum Fliegen.

Willkommen in der Adlerperspektive (aus der ich Dich diese Woche gern imaginär beobachten möchte)

Herrlich sinnlos

Letzte Woche haben wir einen Nonsens Tag gemacht. Das kam ganz natürlich: Ich stand auf und hatte ein Lachen im ganzen Körper. Im Kopf und im Bauch und ich bemerkte, dass mein sonst nimmermüder Kopf keine Lust hatte zu funktionieren. Das Frühstück wurde dann auch kunterbunt und dann erkannte ich: Es ist ein Non-sense Tag. Einer, der keinen Sinn machen wird. Einer der keine geistigen Höhenflüge produzieren würde. Einer, der in meiner Agenda mit Regenbogenfarben angemalt wird, weil man sich mal einen einzigen Tag totalen Blödsinn leisten darf… ganz nach dem Motto:

pipi freiheit

 

Ab und zu sollten wir uns mal Nonsens leisten. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer alles perfekt und leistungsorientiert und optimal laufen muss – mal einen ganzen Tag Dummheiten machen. Nichts Logisches sagen, nichts was irgendwie Sinn machen könnte, Dinge ganz anders machen, umdrehen, das Dessert zuerst und auch mal mit einer Leine ohne Hund laufen. Andere Sachen tragen, die eigentlich nicht zusammen passen. Über Kleinigkeiten schallend lachen. Das Absurde im Alltäglichen suchen.

Ich gab diese Aufgabe immer gerne an meine rigiden Coachees. Einen Tag alles herum drehen. Mit der anderen Hand die Zähne putzen. Unter dem Tisch essen oder ganz und gar ohne Tisch und nur mit den Händen. Kalt duschen. In eine Zitrone beissen, rückwärts gehen. Völlig idiotische Nachrichten verschicken und damit Menschen verwirren. Fremde wie Freunde und Freunde wie Fremde behandeln. Den Partner oder die Partnerin an anderen Stellen küssen. Mitten am Tag auf eine Wiese liegen und lustige Geschichten erzählen. Etwas essen was Du sonst nie isst. Jemanden anrufen und ein verrücktes Date ausmachen. Einfach mal – treiben lassen – ohne Plan. Ohne Sinn. Ohne Absicht.

Oder auch: in einen Supermarkt gehen und etwas kaufen das Du noch nie gegessen hast. Und dann: Salat kochen und Gemüse roh. Eiscreme mit Tomaten. Fleisch mit Marmelade. Lass Dich überraschen!

Mein Sohn, ein begnadeter Koch, sagt gerne, dass es heute nicht mehr ums Essen geht, sondern um „Mouth Sensation“, die Kunden wollen auf der Zunge überrascht werden. So ist die neue Küche vor allem darauf angelegt den Kunden zu amüsieren, viel mehr als satt zu machen.

Haben wir nicht alle, wirklich alle, immer wieder die Lust auf Abenteuer?

Im Leben, im Alltag?

Warum müssen diese Abenteuer in den meisten Fällen so etwas Profanes wie ein Seitensprung sein? Fällt Dir gerade nichts Besseres ein als das Naheliegende, was alle machen?

Ich finde Seitensprünge in den meisten Fällen nutzlos, oft auch ohne Benefit. Und fast immer machen sie Kollateralschäden, die die ganze Sache nicht wert sind.
Das Ausbrechen aus der Langeweile, aus der Routine und den täglichen Mustern kann man doch ganz anders meistern! Die kleine Spielerei im Alltag. Das bewusste Abweichen von den eingeschliffenen Gewohnheiten, das ist doch das kleine tägliche Amusement! Und: Es ist täglich möglich!

Es muss ja nicht gleich ein ganzer Nonsens Tag sein wie in meinem Fall. Obwohl ich sagen muss, dass mich dieser Tag wirklich enorm entspannt hat. So herrlich mal einen ganzen Tag über die absurdesten Dinge zu lachen. Ich habe das Glück mit einem äusserst humorvollen Partner durchs Leben zu gehen und auch einen Hund zu haben, der Abenteuer liebt. Abenteuer kommt aus dem lateinischen advenire und bedeutet Ankunft. Im besten Falle also kommst Du wieder bei Dir an, wenn Du ein Abenteuer hattest.

So einen Nonsens Tag zu machen kann Dir eine ganze Woche Pflichtarbeiten versüssen.

Probiere es aus. Gleich heute. Lass ein kleines Abenteuer zu. Mach etwas, das Dich, eventuell sogar auch andere, amüsieren wird.

Ahhhh – so gut.

Willkommen in der (heute Kapriolen schlagenden) Adlerperspektive.

freiheit

Ich könnte kotzen!

Seit einigen Jahren ist es üblich geworden nicht mehr lautstark, manchmal vielleicht auch einmal aggressiv motiviert oder ohnmächtig-wütend, verbal Farbe zu bekennen. Kein Aufschrei geht mehr in die Öffentlichkeit, meist bemühen wir uns angestrengt um Haltung und Contenance. Wir halten unsere Emotionen zurück bis sie tsunamigleich explodieren und nicht selten dann am falschen Ort mit den falschen Menschen viel Schaden anrichten.

Man zuckt heute unmerklich zusammen wenn jemand einmal laut seine Meinung sagt, mit der Faust auf den Tisch haut und ausdrückt, was ihm oder ihr missfällt. Es ist normal geworden alles zu relativieren und den Ball schön flach zu halten. In der neutralen Schweiz traut sich kaum jemand noch öffentliche Kritik, von persönlichem Kritisieren ganz zu schweigen. Wir sind weichgespült und erstaunlich angepasst und brav geworden.

Wie wohltuend wäre es, einmal in der Woche ein Ritual einzuführen in dem man mal ungefiltert und hässlich alles sagen darf, was man denkt und fühlt und was einen mehr und mehr vergiftet. Wenn es diese kleinen Ausbrüche aus der Konformität gäbe, würden sich die angestauten Aggressionen nicht ins Endlose kumulieren.

Letzte Woche las ich einen herrlichen kleinen Gefühlsausbruch einer Freundin auf Facebook:

Wann sind wir zu berechnenden- kapitalistischen Arschlöchern geworden??

Es ging um den Umgang mit der Kapitänin der „Sea Watch“.

Ganz plötzlich fielen mir noch ein Haufen anderer Sachen auf, die ich wirklich zum Kotzen fand. Ich beobachtete wie ich reagierte:

Ich versuchte immer in meiner Ruhe zu bleiben, Erklärungen zu haben für solches Verhalten. Ich sendete Frieden und Gelassenheit und auch Durchhalteparolen und positive Umformulierungen.

Einmal hatte ich das zweifelhafte Vergnügen eine Verbalattacke abzubekommen von einem frustrierten Menschen. Ich war mit der Fülle der gesammelten Boshaftigkeiten total überfordert.

Jedes kleine Details zum aktuellen Zeitpunkt hätte mich nicht gestresst aber alles so auf einen Schwung wie eine Wagenladung Scheisse, das war dann doch ein bisschen zu viel. Ich weiss noch was ich ihm sagte: „Na das hat Dich jetzt aber sicher erleichtert das mal loszuwerden, schön, dass Du Dich getraut hast“ (das war gelogen…. denn….)

Ganz ehrlich: ICH FAND DAS ZUM KOTZEN.

Und ich ertappe mich öfters dabei, dass ich mir nicht mehr erlaube auszuflippen, mal zu jammern und auch mal zu schimpfen. Nicht einmal Paroli zu bieten. Und auch nicht zu sagen was mich stört.

Ganz besonders deutlich wurde mir das gespiegelt, als ich einen wunderbaren Mann aus dem Kosovo traf in der letzten Woche. Da er anfangs seiner 30er ist fragte ich ihn, wieviel er vom Kosovo Krieg mitbekommen hatte. Er sagte mir, er wisse in seiner Heimat keine Familie, die nicht jemanden verloren hat, keinen Menschen, der nicht irgendwie traumatisiert ist durch das, was an Greueltaten stattgefunden hat. Er sprach von einem Cousin, dem sie den Kopf abgeschnitten hatten und über dessen Angst die Täter schallend und hämisch gelacht hatten.

Ich hatte die Augen voller Tränen als er ein paar andere Taten erzählte und sagte: „Ich finde es entsetzlich wozu manche Menschen in der Lage sind. Solche Dreckschweine!“

Der junge Mann reagierte ganz pragmatisch. Das Leben müsse weiter gehen und wir alle wären aufgerufen wieder von Neuem zu beginnen nach einer Weile.

Aber können wir nicht wenigstens ab und zu mal so richtig fluchen, jammern, uns vulgär ausdrücken, verurteilen, beschimpfen und beklagen was wir zum Kotzen finden?

Mach das mal: Mach Dir eine Liste und spucke mal das ganze Gift aus, das in Deinem Kopf und vielleicht auch in Deinem Herzen ist. Leere Dich aus.

Sprich alles aus, was Dich stört, was Du anklagst und was Du nicht mehr ertragen willst.

Und dann lass auf dem frisch gedüngten Feld wieder Blumen wachsen.

Denn das ist wichtig: Ausschütten, bedanken bei sich selbst für die Reinigung. Und dann: In einen konstruktiven, frischen und guten Drive kommen um Misstände zu verändern.

Nicht gegen, sondern für etwas sein – nicht gegen, sondern für etwas kämpfen.

Das ist Mut.

Nun: Schritt 1: Was findest Du aktuell oder schon länger wirklich zum Kotzen?

Schritt 2: Schreib es auf, sprich es aus. Alleine oder mit einem der das freiwillig anhören will ohne mit Ratschlägen einzugreifen und ohne zu beschwichtigen.

Schritt 3: Und jetzt aufatmen und dann volle Kraft voraus nach vorne.

Lass den Dreck los.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das freie Geleit

Heute Morgen hat es meinem Hund gefallen aus der Haustür zu rennen. Mit wild schlagender Rute und einem breiten Grinsen rannte er los ins Abenteuer. Da er sonst immer an der langen Leine ist, (Leinenpflicht) konnte er endlich mal da hin rennen, wo alles sonst verboten ist. Auch zu einem der Nachbarn, der ganz besonders auf die hermetische Abriegelung seines Eigentums bedacht ist.

Alles Rufen nutzt nichts, wenn man einen Husky besitzt. Das interessiert sie absolut nicht, sie gehören zu den „free spirits“… wenn er genug Freiheit genossen hat, kommt er von alleine zurück.

In der Adlersprache nennt man das „freies Geleit“. Der Adler ist frei, ihm gehört der ganze Himmel. Der Lebensraum eines Adlerpärchens beträgt

50-80 Quadratkilometer und dieses Terrain, inclusive aller Täler und Berge und Wiesen beherrscht es.

Geht man mit einem Falkner, dann lässt er seinen Adler „ausfliegen“ und es entsteht etwas ganz Berührendes: Der Adler lässt sich immer wieder blicken, um seinem Falkner zu bedeuten dass er noch da ist. Das ist in sofern spannend, dass der Adler weiss, dass die Sicht eines Menschen äusserst beschränkt ist (und der Adler auf 2-3km eine Maus sieht). So kreist der Adler immer wieder über dem Kopf des Falkners, macht sich sichtbar.

Einmal ging ich mit dem Falkner durch eine dichte Nebelwand. Sobald wir den Adler ausfliegen liessen, verschwand er im undurchdringlichen Weiss und Grau. Wir liefen und der Falkner erzählte allerlei aus dem Adlerlatein. Und hie und da spürten wir einen intensiven Windsog, der Adler flog ganz dicht über unsere Köpfe, damit der Falkner seiner Anwesenheit gewahr werden konnte. Am Ende einer Adlerwanderung erscheint der Adler immer wieder zurück auf dem Arm des Falkners, auch ohne Belohnungsleckerli. Nicht, weil der bestochen wird. Sondern weil er freiwillig zurück will zu seinem Partner.

So auch heute morgen mit meinem Hund. Er weiss, dass er es gut hat bei uns und er spürt eine intensive Verbundenheit mit uns. Deshalb kommt er gerne zurück. Freiwillig und ohne Hast, ohne Bestechung oder Tricks. Er kommt zurück weil er es will, weil er weiss, dass wir sein Zuhause sind.

Freies Geleit – ist eine Zusage. Ein JA zu dem, dem wir uns anvertraut haben.

Wie viel wunderschöner wären Partnerschaften, wenn die Partner aus freiem Geleit immer wieder zueinander finden wollen. Wenn Partnerschaft nichts mit einem Geschäft (deal) mit einer Pflicht, mit einer Gewohnheit oder mit einem falschen Kompromiss zu tun hat.

Kannst Du zu-sagen dass Du freiwillig in Deiner Verbindung bist?

Nicht nur mit Deinem Partner, auch mit Deinen Familienangehörigen, Deinem Arbeitsumfeld?

Bist Du gerne da in Verbindung wo Du Dich verbunden hast?

Und willst Du dahin auch immer wieder zurück kehren wenn Du alleine auf einem wilden Abenteuer unterwegs warst?

Das ist eine gute Frage, besonders jetzt im Sommer, wenn alle nach den Ferien an ihren Arbeitsplatz zurück kehren: Kehrst Du gerne zurück?

Achte diese Woche einmal darauf, ob Deine Zusagen auf freiem Geleit, auf Deinem Willen beruhen oder ob Du Dich selbst zu einer Zusage geisselst, die Du vielleicht schon lange nicht mehr machen kannst und willst.

Und dann: Wenn Du freiwillig bleibst, dann sag es Deinen liebsten Menschen.

Und wenn Du nicht freiwillig bleibst, dann flieg aus und suche einen neuen Lebensraum.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Falls Du einmal mit einem Adler und Falkner wandern möchtest, dann geniesse es mit Norman: https://www.galina.li/portal/de-de/falknerei/adler-erlebnis-wanderung

 

Wer bist Du?

Bildergebnis für kennenlernen

Kürzlich war ich in Bonn. Nicht weil ich es wirklich wollte, aber ich war auf der Durchfahrt und dachte: warum nicht Bonn? Eine Stadt mit deutscher Geschichte. Lange war es der Regierungssitz, bekannt wurde es wegen seiner noch immer spürbaren alten germanischen und romanischen Geschichte. Eine mittelgrosse Stadt in Nordrheinwestfalen, eine Universitätsstadt. Mir präsentierte sie sich erstaunlich grün, freundlich, gelassen.

Am Morgen nach einer schnellen Nacht ging ich mit meinem Hund durch die Strassen, vorbei an ordentlichen Vorgärten und bunten Mülltonnen für das Recycling. Die Tonnen standen in einem umzäunten Hof, akkurat in Reih und Glied, alles hatte seinen festen Platz. Die Strassen waren gefegt, die Rabatten gepflegt. Die Gebäck-Auslagen in den sonntäglichen Bäckereien waren fast schon geometrisch angeordnet, das Glas hinter denen sie lagen, sauber und glasklar geputzt, die Bedienung hatte eine glatte und strahlend weisse Schürze über den Kleidern. Sie waren sehr nett, sehr preussisch und sehr klar, die Bonner. Ich musste schmunzeln, weil ich diese deutsche Idylle mit meinen inzwischen entwöhnten Augen sehen durfte, wie ein Tourist, wie ein Besucher aus einer anderen Welt.

Vorbei an den Gärten und Haustüren fielen mir die Namen auf, die auf den Klingelschildern standen. Bredemeier und Schulz, Martin und Meyer, Krüger und Schneider, Koch und Schubert und Graf. Ein paar Menschen waren schon unterwegs und wie so oft spürte ich den Impuls sie zu fragen: Wer bist Du?

Willst Du mir Deine Geschichte erzählen?

Menschen sind voll von Geschichten. Nicht nur ihre Vergangenheit und ihre Erlebnisse, auch ihre Motive, die momentanen Herausforderungen, die Leidenschaften und die Dinge und Gedanken, die sie derzeit beschäftigen.

Bonn war voll von Menschen mit Geschichten und ich hatte keine Zeit zu bleiben und zu warten, dass mir jemand seine oder ihre erzählt. Aber nicht nur Bonn ist voller Menschen, sie sind ja überall. Auch da, wo Du gerade sitzt und diesen Blog liest, gibt es Menschen, die Du noch nicht kennst. Um Dich herum findet Leben statt, finden Biografien statt, voller Emotionen, Schicksalen, Gedanken und Glück und Tragik.

Kennst Du Deine Mitmenschen?

Und kennen sie Dich?

Im Englischen gibt es diese wunderschöne Wortwendung. Wenn Dir jemand etwas Persönliches erzählt oder beichtet dann sagt man da gerne: „Thank you for sharing“, was so viel heisst wie „Danke fürs Teilen“.

Etwas teilen heisst ja dann wiederum auch, dass wir nun zu zweit etwas wissen oder tragen, was damit auch etwas leichter werden kann.

Sich mit-teilen ist ja auch ein Geschenk. Wie eine Möglichkeit, sich zu verbinden, sich gegenseitig zu unterstützen, sich beizustehen – aber auch, sich miteinander zu freuen.

Wie viele Menschen kannst Du diese Woche kennenlernen?

Oder etwas näher kennenlernen?

Was hast Du zu teilen?
Wem kannst Du eine Einladung machen etwas zu teilen?

Welche Geschichte, die Du diese Woche hörst, wird Dich inspirieren?

Wo kannst Du aufmerksamer sein, den anderen kennen-lernen. Also wirklich wirklich berührt werden von dem, was er Dir zu erzählen hat?

Und – ist es nicht auch wunderbar, sich von den Schilderungen anderer beschenken zu lassen?

Sich einem anderen ausschütten,
bis eine Insel entsteht –
das wäre der Boden zum Stehen.

 

Willkommen in der Adlerperspektive

Vom Wachsen

Die Tage dachte ich über das Wachsen nach. Wie sehr sind wir beeinflusst worden vom Auf-wachsen, von unserer Kindheit, unserer schulischen und erzieherischen Bildung und unserem Umfeld? Sind wir darin bestärkt worden die beste Version von uns selbst zu werden? Mit aller Individualität, allen Talenten und Vorlieben und in unserer ganzen Eigenartigkeit?

Oder sind wir blind einem Diktat gefolgt, haben in Reihe und Glied gestanden, uns angepasst, uns eingefügt in ein System, ein Bildungssystem, eine schulische und berufliche Laufbahn, haben uns den Erwartungen anderer gebeugt und möglichst wenig Reibungsfläche geboten?

Wann kann eine Frucht aufgehen? Wann kann die Blume wachsen, der Baum und die Pflanze in die Höhe und die Breite schiessen?

Vor Jahren zeigte mir mein Bruder einen Barockgarten. Einen formal streng angepassten Garten aus den Zeiten der Renaissance in Frankreich. Ganz ehrlich: Ich fand ihn wunderschön. Er war ordentlich aber auch irgendwie homogen. Er war entspannend anzusehen und erstaunlich aufgeräumt. Wir folgten den Fruchtständen und Hecken und kamen schliesslich vor einer Klostermauer zu stehen, an die scheinbar angeschmiegt einige Bäume wuchsen. Ich fragte ihn, wie man aus einem dreidimensionalen Gebilde einen zweidimensionalen Baum bekommt und er erklärte mir, die Äste würden angenagelt werden, so dass der Baum nur in die gewünschte Richtung wächst.

Gestern ging ich nun an mehreren Getreideäckern vorbei und kam wieder an dieses Phänomen – der Wachstum von Pflanzen, der sich ganz unterschiedlich zeigte: Einmal gerade in Reihe und Glied der Weizen und dann die lustig wachsenden Roggenähren. Oh wie ich es genoss, das grüne Chaos zu bewundern. Aber auch die Ordnung im Weizenfeld, die sich wie Solidarität anfühlte und auch ein bisschen wie Ernsthaftigkeit.

Und da kommt doch die Frage auf:

Wohin willst Du als nächstes wachsen?

Und wie viel Platz nimmst Du Dir dafür?

Was begünstigt Deinen persönlichen Wachstum?

Was brauchst Du, damit Deine Lebenskraft sich optimal ausdehnen kann?

Und gleich danach:

Gibst Du Deinem Partner, Deiner Partnerin Platz zum Wachsen?

Wohin?

Und wie sieht es mit Deinen Kindern aus, Deinen Schülern oder einfach den Menschen, denen Du einen Rat gibst: Wie viel Spielraum braucht deren Wachsen?

Schlussendlich essen wir ja beide Getreidesorten. Und auch der angenagelte Baum gibt Sauerstoff an uns weiter. Auch die Menschen, die sich in eine Ordnung einfügen, können zusammen Grossartiges leisten.
Welcher Typ bist Du?

Nimmst Du Raum ein und verschaffst Du Dir Entfaltungsmöglichkeiten?

Oder fühlst Du Dich so wohl mit anderen, dass Du die Ästhetik im Miteinander leben möchtest?

Ich wünsche Dir, dass der bevorstehende Sommer mit allem beschenkt, was Deinem Wachsen dienlich ist, dass Du Dir Platz nach oben lässt und weiter wächst und Dich ausbreitest und geniessbar bist, ganz egal wie Du Dich entwickelst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Spiralen

Spiralen haben mich schon als kleines Mädchen fasziniert. Ich konnte stundenlang an einem Tisch sitzen und eine nach der anderen zeichnen, mich selbst und alles andere vergessen. Später dann sind die Spiralen überall in meinem Leben aufgekreuzt, bald habe ich gesammelt und gezeichnet und sie sind ein wesentlicher Teil meiner Praxisarbeit geworden. Von Innen nach Aussen, von Aussen nach Innen. Das war schon immer ein (hermetisches) Gesetz.

Die Spirale ist ein uraltes heiliges Symbol aller Kulturen – Symbol für die Schöpfung. Das Bild der Spirale taucht auch immer wieder in den Erscheinungen der Schöpfung als Prinzip auf, im Makrokosmos (Galaxis, Spiralnebel, Weg der Planeten) und im Mikrokosmos (Weg der Atome und Moleküle, Schneckenhaus). Es ist ein Universal-Symbol.

In der Natur ist die Spiralform immer und immer wieder zu finden: In Muscheln, Schnecken, dem Fruchtstand von Pflanzen, z.B. Sonnenblumen und den Zapfen der Nadelbäume. Auch die Spinne spinnt ihr Netz, ja, sie tanzt ihr Netz in Form einer Spirale. Die DNS-Moleküle sind Spiralen; Wasser strömt in Spiralen; Luft bewegt sich in Spiralen als Wind, deutlich wird dies z.B. in Windhosen und Tornados, die auch Spiralen sind. Auch die Hoch- und Tiefdruckgebiete sind spiralförmig. Im Grossen verlaufen die Wege aller Himmelskörper, von kleinsten Gesteinsbrocken, bis hin zu Planeten, Sonnensystemen, Galaxien und Sternennebeln, wahrscheinlich des Universums selbst, spiralförmig, in einer räumlichen Ellipse oder einem räumlichen Kreis bzw. Kugel. Die Spirale ist also auch Symbol des Universums.

Rauch zeigt sich im Ruhezustand oft spiralförmig, vielleicht war das auch – neben der bewusstseinsverändernden Wirkung des Tabak – ein Grund für die Verwendung von Rauch(en) für kultische Zwecke (siehe Friedenspfeife der Indianer).
In allen alten Religionen ist die Spiralform zu finden: so z.B. in keltischen Ornamenten, aber auch in christlichen Kirchen.

Irgendwann dann kam in meiner Arbeit die Analogie zwischen Spiralen und spiralförmiger psychologischer Arbeit dazu.

Unser Leben verläuft in Spiralen. Wir kommen zurück, wir greifen in den Raum. Wir dehnen uns aus, wir ziehen uns zusammen, wir begegnen in unserem Leben dem Anfang und dem Ende wieder und wieder und wieder.

Eine besondere Form ist die Doppelspirale. Hierbei gehen die links- und die rechtsdrehende Spirale ineinander über und bilden eine Einheit. Der Weg führt hierbei vom Ursprung zu einer immer grösseren Ausdehnung und von dort wieder zurück zum Beginn. Sie ist ein Symbol für das Werden und das Vergehen, Leben und Tod, Anfang und Ende.

Doppelspirale

 

Was mich in eine ganz andere Richtung dieses Blogs bringt. Ich war auf der Suche nach Spiralen in Bildern um meine Praxis einzurichten. Und fand dabei meinen lieben Malerfreund Peter Pan Weibel, einen Tausendsassa mit goldenem Herzen und meinen Lieblingsfarben und Figuren. Er malt farbenfroh, dynamisch, tiefsinnig, leidenschaftlich und seine Bilder sind einfach wunderbar. Viele sind aus meiner Praxis direkt in die Hände der Kunstliebhaber gegangen und seine Arbeit, sein Wirken war stets in meinem Leben präsent. Die Bilder begleiteten mich an alle Lebensplätze.

Gerne möchte ich die schönen Arbeiten hier in meinem Blog zeigen und einladen, Peter und seine wunderschönen Bilder zu entdecken. Den Kontakt gebe ich gerne weiter.

Schau diese Woche einmal genau nach – Wo verläuft Dein Leben nach den Prinzipien des Tao? Zurück in Dich selbst – und dann wieder aus Dir heraus? Lass Dir Zeit Dich davon berühren zu lassen. Spiralen zeigen uns die Natur – unsere eigene und die äussere – deutlich auf und verbinden uns mit unserer wirklichen Essenz.

spirale

 

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