Vom Wachsen

Die Tage dachte ich über das Wachsen nach. Wie sehr sind wir beeinflusst worden vom Auf-wachsen, von unserer Kindheit, unserer schulischen und erzieherischen Bildung und unserem Umfeld? Sind wir darin bestärkt worden die beste Version von uns selbst zu werden? Mit aller Individualität, allen Talenten und Vorlieben und in unserer ganzen Eigenartigkeit?

Oder sind wir blind einem Diktat gefolgt, haben in Reihe und Glied gestanden, uns angepasst, uns eingefügt in ein System, ein Bildungssystem, eine schulische und berufliche Laufbahn, haben uns den Erwartungen anderer gebeugt und möglichst wenig Reibungsfläche geboten?

Wann kann eine Frucht aufgehen? Wann kann die Blume wachsen, der Baum und die Pflanze in die Höhe und die Breite schiessen?

Vor Jahren zeigte mir mein Bruder einen Barockgarten. Einen formal streng angepassten Garten aus den Zeiten der Renaissance in Frankreich. Ganz ehrlich: Ich fand ihn wunderschön. Er war ordentlich aber auch irgendwie homogen. Er war entspannend anzusehen und erstaunlich aufgeräumt. Wir folgten den Fruchtständen und Hecken und kamen schliesslich vor einer Klostermauer zu stehen, an die scheinbar angeschmiegt einige Bäume wuchsen. Ich fragte ihn, wie man aus einem dreidimensionalen Gebilde einen zweidimensionalen Baum bekommt und er erklärte mir, die Äste würden angenagelt werden, so dass der Baum nur in die gewünschte Richtung wächst.

Gestern ging ich nun an mehreren Getreideäckern vorbei und kam wieder an dieses Phänomen – der Wachstum von Pflanzen, der sich ganz unterschiedlich zeigte: Einmal gerade in Reihe und Glied der Weizen und dann die lustig wachsenden Roggenähren. Oh wie ich es genoss, das grüne Chaos zu bewundern. Aber auch die Ordnung im Weizenfeld, die sich wie Solidarität anfühlte und auch ein bisschen wie Ernsthaftigkeit.

Und da kommt doch die Frage auf:

Wohin willst Du als nächstes wachsen?

Und wie viel Platz nimmst Du Dir dafür?

Was begünstigt Deinen persönlichen Wachstum?

Was brauchst Du, damit Deine Lebenskraft sich optimal ausdehnen kann?

Und gleich danach:

Gibst Du Deinem Partner, Deiner Partnerin Platz zum Wachsen?

Wohin?

Und wie sieht es mit Deinen Kindern aus, Deinen Schülern oder einfach den Menschen, denen Du einen Rat gibst: Wie viel Spielraum braucht deren Wachsen?

Schlussendlich essen wir ja beide Getreidesorten. Und auch der angenagelte Baum gibt Sauerstoff an uns weiter. Auch die Menschen, die sich in eine Ordnung einfügen, können zusammen Grossartiges leisten.
Welcher Typ bist Du?

Nimmst Du Raum ein und verschaffst Du Dir Entfaltungsmöglichkeiten?

Oder fühlst Du Dich so wohl mit anderen, dass Du die Ästhetik im Miteinander leben möchtest?

Ich wünsche Dir, dass der bevorstehende Sommer mit allem beschenkt, was Deinem Wachsen dienlich ist, dass Du Dir Platz nach oben lässt und weiter wächst und Dich ausbreitest und geniessbar bist, ganz egal wie Du Dich entwickelst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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