Von der Hoffnung…

Letzte Woche kam ich gleich einige Male mit Menschen in Kontakt, deren Lage auf den ersten Blick hoffnungslos scheint. Es geht um Beziehungen, Unzufriedenheit auf der Arbeit und auch um finanzielle Not, Kummer mit den Kindern oder einer schweren Diagnose. Das brachte mich dazu, über das Thema „Hoffnung“ nachzudenken.

Was kann uns in einer tiefen dunklen Zeit Hoffnung geben?

Worin besteht Hoffnung?

Ich habe einmal gelesen, dass Hoffnung die leise Stimme sei, die „vielleicht“ wispert, während die Welt „Nein“ schreit. Und so erfahre ich Hoffnung auch, es ist etwas Leises, Feines, ein Funke nur, ein Versprechen auf einen positiven Ausgang.

Die meisten Religionen, viele Seelsorger, Menschen mit einem spirituellen Hintergrund, sprechen gerne davon, dass man die Hoffnung nicht verlieren soll, dass man hoffen soll auf einen guten Ausgang und dass Alles für irgendwas gut ist und es nur Platz macht für das Grössere, Schönere, das kommt.

Als hedonistisch geprägter Mensch ist das natürlich Wasser auf meiner Mühle.

Ja, immer nur hinauf wieder nach jedem Sturz aus dem Himmel! Entweder fällst Du das nächste Mal zu Tode, oder es wachsen Dir Flügel!“

Wie schön, solche Zitate, wie tröstend.

Was also machen, um die Hoffnung nicht zu verlieren?

Geh doch mal raus und schau Dir die Natur an. Wie sehr hat sie im kalten Winter gelitten, sich erstarrt in der Kälte – und doch nur geschlafen!

Denn der Traum im Frühling, so wie jetzt, wieder aufzuwachen und zu erblühen war allgegenwärtig und genau JETZT siehst du die grösste Kraft, die die Hoffnung auf den nächsten Frühling ausgelöst hat.

Lasst mich hier einen kleinen Ausflug in die indigenen Völker machen. Die Indianer schöpften immer Kraft aus der Natur. Hinter jeder Naturerscheinung – ob es der Wind, der Regen, oder Blitz und Donner war – sahen sie eine höhere Macht in Form von Geistern. Die Indianer glaubten, dass alle Dinge – ob es Lebewesen oder unbelebte Dinge waren – eine Seele hatten. Jeder Indianer hatte das Ziel, einen persönlichen Schutzgeist zu finden, der ihm bei der Jagd, im Kampf, aber auch für seine Gesundheit und für sein Ansehen bei Seite stand. Auf der Suche nach diesem Schutzgeist, zog sich der Indianer für mehrere Tage in die Einsamkeit zurück, in der Hoffnung, ihn in einem Traum zu finden. 

Der Geist konnte dann in jeder Form in Erscheinung treten. So konnte z.B. ein Adler, ein Hund, aber auch irgendein Gegenstand zum Schutzgeist werden, wenn der Indianer sie im richtigen Augenblick sah. Durch den Geist erfuhr er auch, welche Dinge ihn in seinem Leben Glück bringen. Diese Dinge (Stein, Feder, Halsband etc.) sammelte der Indianer dann schliesslich, und stellte daraus seinen persönlichen Medizinbeutel zusammen, den er dann ständig wie einen Talisman bei sich trug.

Bei der Suche nach Symbolen der Hoffnung sah ich eines direkt vor meiner Nase – eine Pflanze, die sich von den prall gesetzten Granitplatten nicht beeindrucken liess. Sie drückte sich durch und steht nun in voller Kraft. Bald wird sie vom Besitzer des planierten Gartens ausgerissen werden. Aber ich denke, sie wird sich nicht unterkriegen lassen und mit voller Kraft voraus wieder wachsen.

IMG_7133

Auch ein schönes Symbol ist eine Nachricht, die ich von meinem Lieblingsmann bekam als ich wieder einmal nur Dunkelheit sah. Er schrieb mir: I send you many future smiles.

Also verlieren wir alle die Hoffnung nicht, wenn es wieder mal eng, dunkel und schwierig wird. Die Natur macht es uns vor: Früher oder später kommen wir alle wieder an die Sonne. Die Kraft des Lebens ist nicht aufzuhalten.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Spring!

Willi war und ist ein Hürdenläufer. In den 50er Jahren holte er diverse Schweizer Meisterschaften. Im Hürdensprung, Dreisprung, Weitsprung, Hochsprung. Willi hatte Sprungkraft und wenn ich mir heute sein Foto vom Leichtathletik Meeting im Zürcher Letzi anschaue dann sehe ich einen entschiedenen jungen Mann, der mit Kraft, ausgefeilter Technik und Mut die Hürden nahm. Als ich das erste Mal dieses Bild sah, war ich sehr angetan vom Kampfgeist und der Entschlossenheit in seinem ganzen Gesicht, aber auch seine Bewunderer im Hintergrund sind völlig verzückt von dieser Leistung. In den Jahrzehnten nach diesem Meeting ist Willi über viele Hürden gegangen. Und auch heute ziert das Bild seinen Schreibtisch und er macht sich gerne bewusst, wie spielerisch leicht und gleichzeitig kräftezehrend das Ringen um die Überwindung der Hürden war.

willi

 

Als ich Willi fragte, was ihn denn schlussendlich über die Hürden gebracht habe, sagt er: Die Zuversicht, dass ich es schaffen würde.

Wie wohltuend!

Zuversicht ist es also, was uns dazu bringt, Hürden zu überwinden. Also das feste Vertrauen darauf, dass eine Sache gut ausgehen wird.

Wie wenig Vertrauen haben wir im Alltag, dass die Dinge sich schlussendlich positiv für uns entwickeln werden!

Im Moment stehen gleich einige meiner Coachees und auch Freunde vor den Hindernissen. Von Willi weiss ich, dass es immer 10 in einer Reihe sind. Es scheint uns bisweilen unüberwindbar, so weit zu rennen, durchzuhalten, jedes der Hindernisse zu bewältigen. Auch ich habe mich als Jugendliche schwer getan, loszurennen und die Sprünge in Angriff zu nehmen. Ich weiss, dass ich schon vor dem ersten dachte: Das schaffe ich nie. Ehrlich gesagt, damals habe ich es auch nicht geschafft. Ich bin, zur Belustigung aller, in den Jahren der „Bundesjugendspiele“ um die Hindernisse im Slalom herum getänzelt.

Erst viel später nahm ich sie, die Hürden des Lebens. Und mit jeder Hürde wurde das Selbstvertrauen grösser, dass ich auch die nächste schaffen würde. Das soll heissen: Die erste müssen wir unbedingt nehmen. Dann entwickelt sich der Weg von alleine.

Wie heissen die Hürden?

Vielleicht – Scham ?

Vielleicht – Gewohnheit ?

Vielleicht – Existenzangst ?

Vielleicht – Inkonsequenz ?

Vielleicht – Komfortzone ?

Vielleicht – Verlustangst?

Vielleicht – Schuldgefühl ?

Vor welchen Hürden und Hindernissen stehst DU derzeit und verweigerst sie?

Und warum?

Natürlich kannst Du auch um die Hürden herum tanzen. Kein Problem. Aber am Ende wirst Du denken: Hätte ich doch nur… wäre ich doch nur… hätte ich es nur probiert.

Nehmen wir uns also ein Herz. Denn die Hürden sind ja da, DAMIT wir sie nehmen. Come on, JUST DO IT!

Nehmen wir unseren ganzen Mut zusammen. Dann die Zuversicht indem wir das Ziel ins Auge nehmen und wissen, dass wir es erreichen können. Dann den Anlauf… dann den Absprung – spürst Du wie leicht plötzlich alles ist?

Trau Dir etwas zu. Sei selbstsicher. Sei siegesgewiss. Sei entschlossen.

Schau Dir das Bild nochmals an. Willi hat keine Sekunde gezweifelt. Und ein bisschen schaut sein Gesicht auch aus wie das eines Adlers.

Es sind 71 Jahre vergangen seit diesem Bild. Ein ganzes Leben lang hat er diesen Moment des Triumphs vor Augen gehabt. Das hat ihm Kraft gegeben sein Leben erfolgreich und erfüllt, stolz und selbstbestimmt zu erobern.

Wenn Du das auch möchtest – Dann SPRING JETZT!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ausnahmen bestätigen die Regel?

Bei einem Spaziergang heute begegnete ich diesen Steinen, die aufgereiht in einem Feld standen. Wenn man es nicht weiss, kann man sich das nicht erklären. Es sind Steine, auf die später Holzbalken gelegt werden, damit daran die Reben gebunden werden können. … Nur: diese Steine standen nicht mehr um die Weinstöcke. Diese waren entfernt worden und die Steine standen da, ich meinte: Wie Wächter, die mahnen: Hier muss angelehnt und angebunden werden. Sie ruinierten ein bisschen die hübsche Wiese.

wächter

Da ich in der letzten Woche eine intensive Diskussion über „Regeln“ hatte, war ich sogleich daran erinnert worden. Denn Regeln können Halt, Struktur und Ordnung geben – und sie können auch die ganze Landschaft stören.

Es gab eine Zeit in der „Regeln“ mein Reizwort waren, ebenso wie „Disziplin“ oder „Pflichten“. Rebellen wollen keine Regeln, schon gar nicht welchen folgen und auch keine aufstellen. Anarchie. Chaos. Rebellen glauben daran, dass sich die Dinge selbst regulieren und regeln, wenn man sie einfach laufen lässt. Aber so ist es nicht. Es führt zu noch mehr Unkontrolliertem und ohne ein paar Regeln ist jede Harmonie nichts.

So weiss zum Beispiel der Baum, dass er im Winter kein Wasser trinkt, das Tierreich, dass Nachkommen, die in der warmen Zeit geboren werden eher überlebensfähig sind, die ersten Frühlingsboten erst nach einigen Nächten ohne Frost den Kopf aus der kalten Erde strecken. Ich hatte kürzlich die Begegnung mit einem Feuersalamander, der aus einem dummen Zufall heraus zu früh wach geworden war und daher ganz langsam kroch, dem sicheren Tod geweiht, weil es noch keine Nahrung und viel zu viel Gefahren gibt.

Vor einigen Jahren hatte ich Bekanntschaft mit einem Paar, das sich seitenweise Regeln diktierte, wie wann und was gemacht oder eben nicht gemacht und gesagt werden darf. Vor lauter Regeln verloren die beiden etwas aus den Augen, was ihnen gut getan hätte: Die Liebe, die Leichtigkeit und die Spontanität. Die Beziehung ist letztlich an der Enge gescheitert, die die beiden sich gegenseitig aufzwangen.

Zu viele Regeln sind einengend und pressen uns zusammen. Zu wenige aber sind uferlos und verwässern alles, zerstören Räume und Sicherheiten.

Wie wäre es, wenn wir uns alle auf maximal DREI Regeln einigen können?

Wie viele Regeln brauchst Du im Zusammenleben? Warum?

Welche drei Regeln hältst Du für elementar?

Welche Regeln würdest Du gerne weltweit eingehalten sehen?

Und welche Regeln sind wie die Steine, die ich gesehen habe – überholt – dem Zweck nicht mehr dienlich und könnten entfernt werden?

Kannst Du Regeln zurück nehmen, wenn der Wind der Zeit sich dreht?

Es gibt durchaus auch Regeln, an die sich niemals jemand halten kann. Wie erfrischend ist der Humor der Iren, die gerne absurde Strassenschilder aufstellen um sich über Regeln zu amüsieren, seht selbst:

irland schild

Vor vielen Jahren begegnete ich einem wunderbaren Lehrer, Michael Roads. Er hatte nur eine einzige Regel, der er folgte. Sie war das Kernstück seiner Lehre.

Er sagte: Wenn Du Angst hast, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn Du Recht haben willst, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn jemand einen Streit anzetteln will oder Dich provoziert, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe. Wenn Du negative Gedanken hast oder Deine negativen Gefühle Dich in eine unangenehme Richtung gehen laufen lassen, dann entscheide Dich stattdessen für die Liebe.

Dieses „choose love“ liess er uns immer wieder mantramässig durchspielen.

Anstrengend, diese Regel. Aber wie wunderbar, wenn sie funktionieren kann.

Der Adler strebt stets nach dem Höchsten.

Welcher höchsten Regel möchtest Du folgen?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ende der Maskerade

Die Tage wurden wir alle mit dem Thema „Masken“ konfrontiert. Was aussen ein Spass an der Fastnacht, dem Karneval, ist, hat einen viel tieferen Charakter.

Im Gespräch mit einer jungen Frau habe ich gestern erfahren, wie sehr die neue Generation der Twenties darunter leidet, dass so vieles unecht geworden ist. Angeklebte Haare, Nägel, Wimpern, tätowierte Augenbrauen, aufgespritzte Formen und Rundungen, Piercings, Maskerade um anders zu sein, als man ist. Eine dicke Schicht von Make-up friert Gesichter ein, auch ausserhalb der närrischen Tage.

Kaum mehr jemand zeigt seine wirkliche, authentische Persönlichkeit. Das ist nicht neu, aber es wird zusehends ein grosses gesellschaftliches, vor allem aber ein menschliches Thema.

Ich erinnere mich an eine Seminarteilnehmerin, die vor mehr als zehn Jahren alles von mir wissen wollte, was im Seminar „Spielräume“ stattfindet, denn sie wolle nicht teilnehmen, wenn sie dabei ihr Gesicht verlieren würde. Ich sagte damals, sie werde nicht ihr Gesicht, sondern allenfalls ihre Maske verlieren. Und so kam es: Es erschien eine ganz neue Persönlichkeit, die wir alle sogar mehr mochten als die aufgesetzte Attitüde, die sie vorher präsentierte.

Tragen wir nicht alle hin und wieder ein Pokerface? Natürlich, wir alle. Wir müssen ja funktionieren, mitspielen, repräsentieren, etwas darstellen, vor allem im beruflichen Umfeld. Wie wohltuend, wenn jemand mal die „Fassung verliert“, wenn man sich zeigt, etwas aufblitzt, das liebenswerter ist und den Menschen menschlich macht. Nie vergesse ich einen wunderbaren Coachee, der mich mit seinem jungenhaften Auftreten, dem spätpubertierenden Macho Gehabe und seinem Spielen eines coolen Typs in den Wahnsinn trieb. Wie wunderschön war das Juwel, das da ent-wickelt werden konnte! Er ist ein Freund von mir geworden weil er den Mut hatte, sich ganz und gar zu zeigen und erwachsen zu werden (einen lieben Gruss an L.)

Aber es gibt leider auch unerfreuliche Maskierungen. Die Menschen die etwas vorspielen, etwas darstellen und zeigen, was von Anfang an einfach nur Lüge ist. Wie unappetitlich, wenn sich diese Maske lüpft und darunter etwas zum Vorschein kommt, was man keinesfalls vermutet, auf keinen Fall dem Menschen zugetraut hätte. Dann wird das eigene Gesicht zur Fratze und all die Schönheiten, die man in dem Menschen gesehen hat werden plötzlich hohle Phrasen und essenzlose Unwahrheiten. Mein Mitgefühl an alle, die von diesem Erlebnis betroffen werden.


So gibt es oft nur eins: SICH zeigen. Der Falkner Norman sagt gerne, wenn er seinen Adler ausfliegen lässt: Schau was passiert! Der Adler am Himmel zeigt sich – und alle verhalten sich korrekt. Denn jetzt geht es um Leben und Tod!

Wie mutig bist DU in Deinem täglichen Leben, Dich zu zeigen, Dich berührbar und sichtbar zu machen?

Wann meinst Du eine Maske zu brauchen und warum?

Wer bist Du wenn Du vollständig nackt bist?

Und wer darf Dich sehen, authentisch und ehrlich und offen und ganz Du?

Bist Du bereit Dich dem Leben auf Leben und Tod auszuliefern?

Diesen Blog möchte ich heute in Liebe der Adlerin Kathi widmen.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Emoji-Mask

Der internationale Tag der Frau

Anfang des 20ten Jahrhunderts bewegte sich etwas. In England ging ein Raunen um die Welt. Eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen sagte: Wir fordern die Hälfte der Welt! Was war passiert? Die Frauen hatten eine Stimme gefunden. Sie lehnten sich auf. Es gab Widerspenstige, Rebellinnen, Suffragetten.

Eine neu entdeckte Kraft kam aus dem Herzen der Frauen. Sie wollten wählen, sie wollten selbst bestimmen. Sie wollten gut bezahlt werden und eigene Berufe ergreifen. Sie gingen auf die Strasse und standen couragiert ein, gemeinsam und solidarisch für das Recht selbst zu bestimmen wie, mit wem und von was und auch wo sie leben wollten. Diese Entwicklung ging 1903-1928 in England die ersten Schritte und wurde bald weiter geführt, die Emanzipation entstand, das Leben wollte erobert werden.

Emanzipation kommt aus dem Lateinischen und umschreibt eine Art Befreiung aus einer Abhängigkeit. Nicht immer ging es dabei um Frauenrechte, vielmehr um jede Art der Selbstbefreiung, gesellschaftlich zurück geführt ins 17/18. Jahrhundert, dabei ging es um das Gewähren einer Selbständigkeit jenseits der Fesseln von Traditionen, gesellschaftlichen Normen und vorgegebener Weltanschauung. Es ging und geht ganz wesentlich um Freiheit und Gleichheit.

Nicht einmal 100 Jahre sind vergangen seit dieser ersten Zeit. Unsere weiblichen Vorfahren und Wegbereiterinnen waren mutig. Sie nahmen Taten statt Worte in Kauf, gingen in Hungerstreiks, auf die Strasse zum Streik, sie lehnten sich aktiv auf und machten sich ihrer Rechte bewusst. Wie mutig und initiativ sie damals waren! Heute erfüllt mich das mit sehr viel Dankbarkeit.

Auch ich ging in den 80er Jahren noch auf die Strasse für meine, für unsere Rechte. Es musste noch immer neues Land erobert werden. Zurück schauend denke ich, wir wollten wirklich das Beste, die Freiheit, die Befreiung und heute ist vieles, was wir damals erkämpften, was die Suffragetten zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erkämpften, längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

So nehmen wir doch den Internationalen Tag der Frau einmal zum Anlass uns bei den Vorreiterinnen für unseren freien Lebensweg zu bedanken, nichts von dem was wir heute in den modernen Zeiten an Freiheit geniessen war ein Geschenk. Denken wir zum Beispiel an Jeanne d’Arc. Zu einer Zeit als es Frauen nicht einmal erlaubt war, Hosen zu tragen oder selbst zu bestimmen was sie mit ihrem Leben machen wollten (das bestimmte einzig und allein der Mann im Haus, in diesem Falle der Vater) zog Jeanne nach Orleans um als Anführerin eines mächtigen Heers Frankreich vor der Übernahme durch die feindlichen Engländer zu befreien.

Zu allen Zeiten gab es Frauen Figuren die kämpferisch und engagiert Neuland einnahmen. Jeanne d’Arc, Marie Curie, Hildegard von Bingen, Rosa Luxemburg, Coco Chanel, Alice Schwarzer, Anne Frank, Angela Merkel, Carla del Ponte, Prinzessin Diana von England um nur einige zu nennen. Es gab viele Frauen, die unsere Welt wesentlich verändert haben und ihren Beitrag dazu gaben und dass wir heute eine eigene Stimme haben und feminin in die Welt wirken können.

Verneigen wir uns also in Dankbarkeit und leben das, was heute geschenkt ist – Freiheit zu entscheiden, wohin die Reise geht, uns kreativ auszudrücken und die Polarität zu leben.

Eine kleine Anregung für die kommende Woche: Bedenken wir bei dem was uns begegnet, dass die Frauen immer dazu beigetragen haben und auch dazu beitragen werden, dass die Welt fruchtbar und stark, sanft und feminin, weiblich und emotional und bunt, wild und leidenschaftlich ist.

Lass(t) uns feiern!

Auch die Adlerin wählt schon immer – den Lebensraum und jedes Jahr wieder den Partner für das kommende Jahr. Dabei bleibt sie durchaus treu, wenn sich der Partner für ein weiteres gemeinsames Jahr bewähren kann. Sie ist sogar etwas grösser gebaut als der Adlermann und sie hat ein freies und starkes, engagiertes und mutiges Herz.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Tick Tack

Tick Tack… die Zeit vergeht….

Neulich hatte ich eine Spam Werbemail in meinem Email Briefkasten. Da stand: Life is short! Have an affair!

Im unteren Rand der angedeuteten Email stand: Gelangweilte Hausfrauen sehnen sich nach neuen erotischen Kontakten.

Waaaas?

Du bist also gelangweilt liebe Hausfrau und es fällt Dir nichts Dümmeres ein,

als eine Affäre zu haben?

Und Du Adressat dieser Werbung bist Du auch gelangweilt und willst eine Affäre?

Sind denn Affären die Lösung gegen Langeweile? Konsum statt Befriedigung der tiefer liegenden Bedürfnisse?

So was macht mich echt wütend. Life is short. Genau so ist es.

Spürst Du, dass die Zeit vergeht? Wertvolle Lebenszeit? Auch gerade jetzt?

Worauf wartest Du noch? Spürst Du, dass Du jeden Tag ein kleines Stück mehr am Abgrund stehst – und weisst Du auch, dass es keine Garantie dafür gibt, die durchschnittliche Lebenserwartung zu erreichen? Bei Männern liegt sie bei 77 und bei Frauen bei 83 Jahren. Ja fein. Und wenn nicht?

Verschiebst Du Dein Leben?

Verschiebst Du Deine Bedürfnisse nach dem, was Dich erfüllt?

Und was ist das eigentlich, ein erfülltes Leben?

Hast DU gewählt und wählst DU jeden Tag neu, welches Leben Du leben willst?

Wir sind alle ganz gut darin zu wählen was wir nicht (mehr) wollen. Aber wählen wir auch, was wir wollen?

Mein jüngerer Sohn sagte kürzlich zu mir, das Leben sei ihm zu wertvoll für Streit, darauf hätte er keine Lust. Ich fragte ihn, was er denn mache um ein so friedliches schönes und harmonisches Leben zu führen, dass es keinen Streit darin gäbe. Er konnte es nicht wirklich beantworten. Denn: Meist ist auch er abgelenkt vom Leben. Mit den Pflichten, der Arbeit, dem Streben nach Irgendwas, den sozialen Kontakten, dem Smartphone…

Leben wir denn alle im Jetzt? Oder lieber in der Zukunft?

Müssen wir uns etwas holen von aussen um ein wertvolles Leben zu haben?

Oder lieber mal abtauchen in die eigene Schatzkiste und schauen was gelebt werden will und zwar elementar?

Wir sind in einer Konsum- und Leistungsgesellschaft gelandet, die wir alle nicht mehr in Frage stellen. Einige Tage nach dieser Werbung in meiner Mailbox ging ich in Zürich in einen Supermarkt. Zwei junge Menschen schoben gelangweilt ihren Einkaufswagen vor sich her. Der eine sagte: Was willst Du denn essen am Weekend, was brauchst Du? Der andere sagte: Ach es geht doch schon lange nicht mehr ums Essen oder brauchen, ich schaue einfach was mich amüsieren würde.

Wie weit sind wir entfernt von unseren wirklichen Bedürfnissen, unseren Herzenswünschen, unserem Sehnen?

Tick Tack, die Zeit vergeht.

Auch Deine. Deine Uhr läuft ab. Spürst Du es?
Was tust Du? Lebst Du Dich selbst? Oder lässt Du Dich ablenken, mit Angeboten locken, berieseln – und damit kontrollieren?

Was kannst DU heute ganz alleine für Dich tun, was Dich wirklich glücklich macht? Kennst Du Deine Wünsche? Spürst Du was Du brauchst?

Der Adler hat es einfach. Sein Leben besteht aus Essen, Vermehren, Schützen. Das Leben eines Adlers ist noch ursprünglich und wild. Nicht domestiziert, nicht vorgegeben, nicht eingeengt. Über den Wolken, singen wir gerne, sei die Freiheit grenzenlos.

Wie frei bist Du?

Lebst Du?

IN der Zeit?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Aggregatzustände

Die Tage hat die Natur dazu beigetragen, dass ich über das Schmelzen und das Frieren nachdenken konnte. Dieses Jahr hatten wir im Tessin viel Schnee. Und er ist noch immer da, an den Schattenstellen. Lange war der Schnee angefroren an den Boden, zum Teil eine spiegelglatte Fläche, die man kaum überwinden konnte. Das Laufen wurde mühsam und gefährlich und ich war nicht glücklich über die vielen eiskalten Morgenstunden mit dem Hund draussen, am zugefrorenen Fluss. Der Fluss, den ich im Sommer so gerne zu meiner Badewanne gemacht hatte, war jetzt kalt und überall war Eis. Dazu die Pfützen mit Schmelzwasser vom Tag zuvor – wieder steinhart zugefroren.

Sind nicht auch wir manchmal wie zugefroren, erstarrt?

Wie oft habe ich in den letzten Jahren von meinen Coachees den Satz gehört: Das hat mein Herz zum Schmelzen gebracht! Der Mensch bringt mich zum Schmelzen! Diese Musik schmelzt mein Herz! Achhh bei dieser Poesie schmelze ich wie Butter in der Sonne!

Wunderbar, dieses Schmelzen, das Zerfliessen. Das darf ich auch immer wieder erleben, dieses Auflösen von allem, was man zuvor festgehalten – oder eingefroren – hat. Und doch –

warum frieren wir unser Herz so oft ein, dass wir es immer wieder schmelzen lassen (müssen)? Oder wer oder was bringt uns dann zum Schmelzen?

Eine Berührung? Ein Wort? Ein Musikstück, ein Augenblick? Ein Lächeln?

Ein Kind? Ein glückliches Wesen? Ein Liebesbekenntnis? Unsere Lieblingstiere, Lieblingsmenschen? Filme, Poesie, Kunst? Erotik und Sinnlichkeit? Etwas, das wir gerne berühren? Etwas, das auf unserer Zunge zergeht?

Ich beobachte die Natur. Ein Ein- und Ausatmen ist es, dieses Schmelzen.

Den Tag über, bei Sonne, fliesst alles und taut und dringt in die Erde ein, am Abend zieht es an, verschliesst die Poren, erfriert erneut, wird steinhart und starr. Und am nächsten Tag beginnt der Tanz der Elemente aufs Neue.

Das erinnert mich an ein Stück Poesie, das ich vor vielen Jahren las:

Irrtum

Und mit der Liebe, sprach er, ist’s
wie mit dem Schnee: fällt weich
mitunter und auf alle –
aber bleibt nicht liegen.

Und sie darauf, die Liebe ist
ein Feuer, das wärmt im Herd
verzehrt wenn’s dich ergreift
muss ausgetreten werden.

So sprachen sie und so griff
er nach ihr, sie schlug’s nicht aus
und blieb auch bei ihm liegen.

Er schmolz, sie ward verzehrt
sie glaubten bis zuletzt an keine Liebe
die bis zum Tode währt.

(Ulla Hahn)

Es scheint auch in unserer Natur zu liegen, zu schmelzen, zu erstarren, wieder zu schmelzen. Betrachten wir uns als Teil der Natur, so ist es nur eben dies – die Pole immer wieder neu zu bestimmen, von warm nach kalt, von Nacht nach Tag, von Dunkel ins Licht, die Dualität, der Rhythmus, das Atmen, ein und aus, aus und ein.

Ganz natürlich, nicht wahr?

Könnte es uns nicht einfach glücklich machen, dass wir immer wieder schmelzen können?
Oder streben wir nach dem Warmsein, dem Immerwarmsein?

Na, ich sag mal so: Lauwarm ist auch kein echtes Leben. Da halten wir es doch lieber wie die Adler: Immer wieder alles rein geben. Immer wieder die Pole verschieben. Auf Leben und Tod.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Mach langsam…

Immer mit der Ruhe… kennst Du das auch? Meistens meinen wir: Für Ruhe habe ich jetzt wirklich keine Zeit! Ich muss doch noch, ich geh mal schnell, ich erledige das noch rasch… Wir sind doch meistens auf der Rennspur statt die Dinge schön langsam, achtsam, gründlich zu machen. Das Herumeilen ist längst unsere Gewohnheit geworden.

Die Tage wurde ich damit konfrontiert was passiert, wenn wir zum Beispiel an einer Erkältung erkranken. Für fast alle Menschen, die ich kenne, geht es dann aufs Sofa oder ins Bett und plötzlich „können“ wir ganz langsam laufen, weil der Körper eben jetzt nicht mehr schnell kann. Und wie köstlich, wenn plötzlich alles langsam gemacht wird. Wir den Tee geniessen können, die stillen Stunden, das Lesen…

Von unseren Haustieren, ich von meinem Zenmeister Hund, können wir lernen, dass Aktion und Entspannung in einer wunderbaren Balance sein können. Er ruht einfach nach dem Essen, nach einem langen Spaziergang und auch mal so, zwischendurch. Während ich mich dabei ertappe, die Dinge schnell erledigen zu wollen, einige Male an dem entspannten Hund vorbei zu rennen und ihn sehnsüchtig neidisch betrachte, wie er es sich einfach gemütlich macht.

Warum müssen wir alles schnell machen? Wer um Himmels willen hat denn unsere Geschwindigkeit ständig erhöht? Das Leben war doch nicht dafür gedacht möglichst schnell zu rennen. Wie wäre es mal mit Schlendern?

In einem weltweit durchgeführten Hektik Experiment wurde beobachtet, dass die Fussgänger in Singapur für 60feet knapp 10 Sekunden brauchten, in Malawi dagegen fast 40 Sekunden. Die Afrikaner haben es nicht eilig, oft sieht es ja sogar so aus, als tanzten sie. Oder sie beobachten was um sie herum passiert, ob Gefahr droht oder etwas sehen können, was sie brauchen könnten. Sie lassen sich Zeit. Vielleicht auch, weil sie Zeit haben.

Was mich dazu führt zu fragen ob wir nicht alle die selbe Zeit haben? Warum denn so schnell und wohin und vor allem: Ist das wirklich nötig?

Ich hatte mal einen Autounfall vor vielen Jahren, da hatte ich mich wirklich sehr beeilt weil ich nicht zu spät kommen wollte. Nachdem der Unfallgegner in mich hineingerast war, hatte ich plötzlich s e h r viel Zeit um wieder alles zusammen zu sortieren. Die Eile hatte sich nicht gelohnt. Wäre ich eine oder zwei Minuten später an der Stelle gewesen hätte er mich nicht erwischt.

Was wäre wenn… was würde passieren wenn Du Dir mal Zeit nimmst?

Und nun sag nicht, das gehe nicht weil Du keine Zeit für die Zeit hast. Es geht immer etwas, um die Zeit zu verlangsamen. Genüsslich essen vielleicht. Den Abwasch geniessen, das Atmen verlangsamen oder auch mal ganz langsam gehen. Wenn ich mit meinem Hund langsam gehe, weil er überall schnüffeln muss, spüre ich, wie sich Entspannung in mir Raum nimmt.

Viele Jahre war mein zweiter Vorname „Ungeduld“, ich musste lernen langsam zu machen und natürlich zwingt uns auch das Leben dazu. Hin und wieder anhalten und sagen: JETZT. Ah! Das Leben findet gerade statt während ich renne. Langsam also, langsam…

Natürlich kann auch ich nicht warten bis die Schneeglöckchen endlich wachsen. Wie lange will denn der Winter auch noch dauern? Ich kann ihn nicht mehr sehen, den Schnee. Da hilft mir der Spruch eines Zenmeisters: „Ich freue mich wenn etwas lange dauert. Denn wenn ich mich nicht freue, dann dauert es genauso lang“.

Achte diese Woche einmal auf Dein Zeitgefühl. Geniesse jeden Tag etwas langsam. Nimm Dir Zeit und Raum. Schau Dir die Schönheit an im Moment.

Der Frühling kommt dann schon, wenn er Lust dazu hat.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Weisst Du noch?

Kennst Du das, das Weisst-Du-noch? Ach, wie schön, in Erinnerungen zu schwelgen. Vergangene Woche hatte ich meine Freundin zu Besuch, die schon über 20 Jahre an meiner Seite tanzt. Wir hatten viele Weisst-Du-noch-Geschichten. Am Schönsten aber war, dass wir herzhaft lachen konnten über uns selbst. Denn unabhängig von den Situationen, Orten und Menschen an die wir uns erinnerten, waren da auch kleine Erinnerungsfetzen aneinander.

Was wir mal gesagt und mit dem Brustton der Überzeugung behauptet hatten. Woran wir glaubten, wofür wir demonstrierten oder gar kämpften und welche Glaubensbekenntnisse wir verrieten. Wie wir uns getäuscht hatten. Wie wir auf dem falschen Weg eingebogen waren und aus Freundschaft einander zwar beistanden, aber nicht eingriffen auf dem Irrweg. Ja und dann noch die Dinge die wie nicht gesagt oder sogar bewusst verschwiegen hatten.

Wir alle kennen das, dass wir nach sehr vielen Jahren jemanden wieder treffen, in den wir einmal verliebt waren und dann sagen können: Weisst Du noch damals? Da war ich unsterblich in Dich verschossen. Nicht selten bedauern wir dann, dass wir Wichtiges nicht gesagt haben, dass wir nicht geholfen haben oder etwas nicht bemerkt haben obwohl wir doch dachten das sei für alle offensichtlich gewesen.

Ich hatte heute morgen einen solchen Weisst-Du-noch Moment. Ich musste ein paar Dinge im Bad aufräumten und mir fiel ein kleiner Rest eines Kajal-Stifts in die Hand. Die perfekte Farbe für meine türkisfarbenen Augen. Ich liebte diesen Stift immer und inzwischen, das fiel mir ein, ist er nahezu 30 Jahre alt. Gekauft hatte ich ihn auf der Maximilianstrasse in München in einer winzigen Parfümerie mit meinem damaligen Herzmann, einem kühlen, egozentrischen Mann aus Hamburg, der mich immer gerne geschminkt und zurecht gemacht sah. Der Flashback war amüsant, denn neben der Erinnerung an den Moment kam ja auch das alte Ego zum Vorschein, das Lebensgefühl von damals, die 80er, die Schulterpolster und Sturmfrisuren, die Coolness und die Musik. Herrlich, diese kleine Zeitreise!

Was macht das mit uns, dieses Weisst-Du-noch? Im günstigsten Fall amüsiert und bereichert uns das. Zeigt uns auf, was in der Schatzkiste verborgen ist.

Und im günstigsten Fall erinnern wir uns an die schönen, spannenden Momente in unserem Leben, an Menschen, die uns einmal viel bedeutet haben, an Orte, die wir immer noch gerne erinnern.

In manchen Fällen erinnern wir uns aber auch an Dinge, die wir nicht mehr mit uns herum tragen wollen und die dann getriggert werden, wenn wir jemandem begegnen, der sie noch weiss. Oder die Weisst-Du-noch Geschichten, die nicht gut ausgegangen sind. Die verpassten Chancen, die unerledigten Geschichten in unserem Herzen, die Lieben ohne Happy-end. Die Umzüge und Verluste, die Kränkungen und Fehlentscheide und immer wieder – die Momente in denen wir etwas verpasst und das nachher bereut haben.

Ich wünsche Dir, dass Deine Weisst-Du-noch Geschichten schöne Geschichten sind, die Du wie ein Foto betrachten kannst aus einer alten vergilbten Kiste und dann zurück legen kannst. Vielleicht mit einem kleinen Seufzer der Melancholie, vielleicht mit einem lieben Dankesagen, mit einem belustigten Lächeln. Und dann – nach vorne gehen.

Im Italienischen sagt man gerne „Tempi passati“ – die Zeiten sind vorbei.

Verpassen wir also vor lauter Vergangenheit das JETZT nicht. Denn: Sich feiern wegen der alten Erinnerungen macht viel Freude. (In diesem Sinne vielen lieben Dank an Dich, meine Freundin H.J.S.W.)

Wir sind ja immer noch da. Und haben jeden Tag die Chance für einen Neubeginn.

Der Adler klebt nicht an Vor-stellungen und Rück-blicken. Er muss aus der Situation heraus entscheiden, jedes Mal wieder neu die Bedingungen einschätzen, wie das Leben jetzt ist. Die alten (Jagd-)erfolge sind passati. Die alten Gefährten vielleicht längst weiter geflogen. Das Wetter hat sich geändert, die Winde sowieso.

Was ist denn nun das JETZT?

Ich wünsche Euch viel Freude wenn Ihr Euch an Weisst-Du-noch-Geschichten erinnert. Und dann, das ist das Gesetz der Stunde: Volle Kraft voraus in die Tage die (noch) auf uns warten.

Geniesse den aufkommenden Frühling, er duftet schon, der Winter ist bald vorbei. Die Weisst-Du-noch-Geschichten auch.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Flug aus der Komfortzone in den grossen Raum

Gerne reden wir immer alle über unsere Komfortzone und wie wichtig es wäre, diese regelmässig zu verlassen. Das Nachdenken darüber hat mich letzte Woche mit einem Paragliding Piloten zusammen gebracht. Schon viele Jahre kenne ich diesen fliegenden Adler auf zwei Beinen und habe ihm schon oft bei seinen geistigen Höhenflügen über die Schulter schauen dürfen. Nun aber ging es ums wirklich ganz reale Fliegen.

Er schenkte mir eine Stunde seiner Zeit und ich durfte ihn ausfragen und reinspüren, was das Paragliden mit dem Piloten macht. Ich flog gerne gedanklich mit ihm, fasziniert von seinem Erzählen und von dem Mut, den es meiner Meinung nach braucht, sich so ins Leben stürzen zu können.

Der Pilot sagte dann ein paar Dinge, die mich ganz nah an das brachten, was ich über das Verlassen der Komfortzone teilen möchte.

Zum einen sagte er, man fliege ab in eine neue, eine dritte Dimension, in den unendlichen Raum des Himmels. Nirgends kann man sich mehr festhalten, nichts ist greifbar, keine Sicherheitsebene mehr vorhanden als das eigenen Können, das Umgehen mit dem Schirm, den Winden, der Thermik. Wenn man beim Fliegen zum Beispiel ohnmächtig würde oder eine andere Schwäche hätte, so wäre man dennoch gezwungen, seine gesamte mentale und physische Kraft und das Zusammenspiel mit dem Material aufzurufen um sicher wieder zu landen. Beeindruckend!

Auf meine Frage, was denn der eigentliche Benefit wäre, was das Ultimative bei diesem Erlebnis ausmacht, antwortete er etwas, was ich nicht gedacht hätte: Es sei das Verlassen des sicheren Bodens, der jedes Mal wieder das Adrenalin nach oben treibt, etwas das jedes mal wieder neu „gefährlich“ und gleichzeitig enorm herausfordernd ist. Er erzählte mir jedes Detail, aber das blieb mir am meisten: Dieser eine entscheidende Schritt den man macht, den Sprung in das Neue, das Unsichere, das Abenteuer. Das ist der Kick.

Als wir nach dem bereichernden Gespräch zurück liefen, sagte er dann noch etwas, das tiefer ging: Es sei eigentlich einfach diesen einen Sprung in den offenen Raum des Himmels zu machen, wenn man es oft genug getan hätte. Aber wieviel mehr würde ihn manchmal herausfordern, diesen einen Telefonanruf zu machen, das Gespräch zu beginnen, eine Frage zu stellen die einen auf unsicheres Terrain bringe, ohne Sicherheitsleine sich selbst nackt zu machen in der eigenen Ansicht, der geäusserten Absicht oder auch, wenn man einmal Gedanken äussern möchte, die nicht „gesellschaftskonform“ sind und weit riskanter sind, als viele Menschen denken.

Ich staunte sehr, hat dieser wunderschöne Mensch mich doch so oft damit bezaubert, dass er wirklich zwischen Himmel und Erde unterwegs ist. Nicht nur mental als Adler, sondern ganz und gar. Dem Himmel, der Thermik und den Wetterkapriolen ausgesetzt.

Nun, wie gehst Du also mit dem Verlassen der Komfortzone um?

Wann verlässt Du den sicheren Raum und traust Dich, ganz ohne „Versicherung“ ganz authentisch und ganz und gar Dich selbst zu zeigen?

Wie handelst Du, wenn Du nur noch auf Dich selbst gestellt bist? Gehst Du mutig diesen einen Schritt ins scheinbar Leere oder verharrst Du ängstlich auf dem sicheren Boden?

Beobachte Dich diese Woche einmal. Wann springst Du ab?

Und was braucht es für Dich, ganz und vollständig in den Mut zu springen das Abenteuer Authentizität zu leben?

Ich wünsche Dir – und dem Paraglider – das Herz eines Adlers. Entschlossen und frei von jeglicher Angst. Gross und weit und ganz mutig und selbstsicher.

Und dann – fliegen!

Willkommen in der Adlerperspektive.