La vie e belle?

Wie warst Du so, als Du klein warst?

In der letzten Woche hatte ich zwei wunderbare Coachees im Gespräch über ihre Biografie. Biografiearbeit ist ein fantastisches Tool im Mental Coaching, mit dem es heraus gekitzelt werden kann, welche tief eingeprägten Verhaltensmuster aus unserer Kindheit heraus entwickelt worden sind. Meist sind wir jahrzehntelang in diesen Mustern gefangen, hinterfragen sie nicht, weil sie so gewohnt und auch bequem für uns geworden sind wie ein Autopilot. Wir folgen den immer gleichen Eigen-arten, ohne sie nochmals auf den Prüfstand zu stellen, ob sie heute noch angebracht sind.

Biografiearbeit wird oft in der Retrospektive als Methode angewendet, um einen roten Faden durch die eigene Lebensgeschichte zu ziehen. Ganz oft findet der Coachee dabei eine Art Sicherheit, dass er zu jeder Zeit in einem stabilen Muster gehandelt hat. Nicht in allen Fällen war dieses Handeln förderlich, manchmal sieht man dabei auch auf Muster, die uns im Blindflug durch alle Ereignisse geführt haben. Aber: Ein Verständnis für die eigene Geschichte entsteht und das ist in den meisten Fällen auch eine Versöhnung mit sich selbst.

Sich mit der eigenen Biografie zu beschäftigen kann in der Alterspflege als Lebensbilanz dienen. In der Psychologie ist es „nur“ ein Leitfaden – manchmal auch ein Lei(d)faden, mit dem sich die Lebensführung erklärt. Unsere Muster prägen uns, geben uns auch immer eine Überlebensstrategie zur Lebensführung und dienen oft als Perspektive als Lebensplanung.

Und nochmals frage ich Dich:

Wie warst Du so als Kind?

Warst Du relativ schnell brav weil Du Deinen Eltern, speziell der Mama, keinen Schmerz zufügen wolltest?

Warst Du rebellisch und bist bei jeder Gelegenheiten aus den engen Grenzen ausgebrochen?

Warst Du still und hast Dich zurück gezogen und bist ausgewichen?

Hast Du Dich unsichtbar gemacht, weil Du nicht auffallen wolltest, damit es zu keinen Restriktionen kommt?

Hast Du Dich in die Ecke gedrängt damit die anderen Platz haben?

Hast Du früh zu viel Verantwortung übernommen weil kein anderer dazu mehr zur Verfügung stand?

Bist Du in Tagträume geflüchtet und hast Dich der Realität entzogen, weil sie Dir zu laut, zu grob, zu vulgär war?

Hast Du Dir alles erobert und alles genommen was Du wolltest, weil Du „wenigstens für Dich“ ein schönes Leben kre-ieren wolltest?

Warst Du überangepasst um jeden Stress zu vermeiden?

In allen aufgezählten Fällen ist ein Verhaltensmuster gewachsen und in all diesen Fällen ist zeitgleich mit der Überlebensstrategie ein Schatten mitgewachsen, der Dir Dein Erwachsenenleben, meist unbewusst, negativ beeinflusst hat.

In diesen Fällen kann Biografiearbeit ganz wichtige Impulse geben, um eine neue Entscheidung zu treffen. NICHT um Deine Verhaltensmuster zu ändern, das wird nicht mehr möglich sein. Wir werden immer – immer – zurück rutschen in den bequemen Schuh. Aber wir können es bewusster tun. Wir können erreichen, dass Du sagst: Ah! Da ist wieder die Bequemlichkeit! Ich bin gerade dabei, wieder zu tun, was ich immer tue. Weil ich mich damit auskenne, weil es meine Komfortzone ist! Aber! HEUTE sehe ich das mal und versuche etwas anderes, weil mein Plan A heute nichts Gutes bewirken wird. Weil es mich nicht weiterbringt. Weil es mir im Weg stehen wird, mir wirklich gut zu tun.

Denn: Unsere Überlebensstrategie wurde unbewusst gewählt, meistens im Alter zwischen 3 und 6. Ein wichtiger Vorgang im Rahmen des kindlichen Lernen ist die Prägung. Vom Lernen aus Erfahrung oder durch Versuch und Irrtum unterscheidet sich diese Form allerdings in einem wichtigen Punkt: Sie findet unwillkürlich statt und ist weder mit gestellten Aufgaben, mit Belohnung oder Bestrafung verbunden (z.B. durch ein Anlächeln oder einen bösen Blick) Prägung findet in einer frühkindlichen Lebensphase statt, die Ergebnisse sind kaum oder nur teilweise reversibel und kann sie auch nicht nachgeholt werden.

HEUTE brauchst Du diese Muster nicht mehr. Auch wenn sie eingeprägt sind: Du kannst Dich neu entscheiden. Du kannst wählen wie Du heute sein willst, was Dir heute gut tut, was Dir gefällt, was Dich glücklich macht. Du bist schon lange frei zu sein, wer Du sein willst.

Es ist eine intensive Arbeit, wenn Du beginnst, Dich an neue Entscheidungen zu gewöhnen. Nichts ist anstrengender als eine Gewohnheit zu durchbrechen und neue Gewohnheiten anzunehmen. Aber so lohnenswert, so beglückend, so frei, so leicht und so kindlich glücklich. Denn: Lange bevor Du anfingst Dich für ein Muster zu entscheiden warst Du genau das: Frei, glücklich, leicht und unbeschwert.

Wir sind es gewohnt, unsere Geschichte und Kindheit als Ausrede zu nehmen warum wir dies und das nicht können oder nicht gelernt haben. Das ist aber nur Feigheit, sich vor der eigenen Verantwortung zu drücken. Du kannst JETZT selbst entscheiden wer Du sein willst. Du bist kein Opfer!

Wenn Du Dich mit Deiner Biografie auseinander setzen willst, kannst Du das im besten Falle mit einem versierten Coach tun. Oder Du kannst dazu Bücher lesen oder bearbeiten. Zwei die ich gerne empfehle:

Stefanie Stahl: Das Kind in Dir muss Heimat finden

Anja Mannhard: Biografiearbeit. Die innere Schatzsuche.

Wie immer – und immer wieder: Auf geht’s in die Freiheit.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Die kleine Extravaganz

Warst Du schon mal in der Halle in einem edlen Luxushotel? Oder in einem Stadtteil, in dem es alte Villen und Gärtner mit Chinesenhüten gibt? Oder hast Du Dir schon mal ein Geschmeide um den Hals legen lassen, das Du Dir ohnehin nicht kaufen kannst? Surfst Du auf Seiten für Premium Immobilien oder Luxusautos, nur so zum Spass? Was tut es mir Dir?

Und wie geht es Dir, wenn Du auf eine Vernissage eines total abgedrehten Künstlers gehst und ein Glas Champagner trinkst und Dir dabei die Bilder betrachtest? Oder wenn Du mit jemandem sprichst, der eine Passion hat, von der Du rein gar nichts verstehst und trotzdem amüsiert zuhörst?

Bist Du schon einmal ohne Unterwäsche aus dem Haus gegangen? Oder hast Dir die Nägel in einer unmöglichen Farbe lackieren lassen? Hast ein total verrücktes Kleid getragen oder die Haare unter einem Turban versteckt? Hast Du einen Fremden angesprochen, mit einem Polizisten geflirtet, einen Komplimente Tag gemacht? Etwas zu Essen probiert, was Du nicht kanntest?

Wie steht es in Deinem Leben mit den kleinen Fluchten aus der Normalität?

Manchmal tut das gut: Einen Schritt auf die Seite tun und das Leben anders betrachten. Den natürlichen Lebensraum verändern. Etwas Neues ausprobieren. Etwas ganz Anderes geniessen.

In der letzten Woche hatte ich das Vergnügen gleich zweimal mit meiner Freundin in der Halle eines Luxushotels zu sitzen. Ich kenne die beiden schönen Orte schon, aber durfte sie noch mal aus ihren Augen sehen. Wusstest Du, dass die Hallen der Hotels für alle Menschen offen sind und Du auch da Deinen Kaffee trinken kannst? Du begibst Dich einfach in Deinen schönsten Kleidern in diese edlen Hallen, nimmst Platz in einem der wunderbar komfortablen Sesseln und geniesst.

Die Atmosphäre: Fantastisch! Die Gespräche sind ganz unaufgeregt und diskret. Der Kellner behandelt Dich wie eine VIP und der Tee, Kaffee, das Gebäck dazu, schmecken eine Klasse besser als gewöhnlich. Und auch der Austausch mit Dir und Deinem Gast wird unmerklich auf ein höheres Niveau gehoben, weil Du Dich so aufgewertet fühlst. Wenn Du das Etablissement dann wieder verlässt, fühlst Du Dich im wahrsten Sinne des Wortes bereichert.

Das Spiel in der Halle eines 5-Sterne Hotels habe ich schon als ganz junge Frau gespielt, als ich kaum Geld hatte. Ich wollte einfach ab und zu mal etwas Aussergewöhnliches haben und das war abrufbar und stets bereit. Die Atmosphäre und das Komfortable eines solchen Ortes hat sich kaum verändert. Schon Ende der Achtziger sass ich da mit Nadia, wir waren jung und noch ungeschliffen vom Leben und tauchten ein und genossen. Auch letzte Woche, mit Jeanne, konnte ich das so sehr geniessen: Das Gefühl, dass das „auch“ Platz hat in unserem Leben: Das Ausleben der kleinen Extravaganz.

Ohnehin ein so schönes Wort: Extravaganz. Es kommt aus dem Französisch des 18.ten Jahrhunderts und bedeutet: Ausgefallen, überspannt, aussergewöhnlich.

Wieviel Extravaganz leistest Du Dir? Wo führt sie Dich hin?

Was an Dir ist aussergewöhnlich?

Wo suchst Du die kleinen Fluchten aus dem Alltag?

Was macht es für Dein Herz?

Oder hast Du das bislang vernachlässigt? Hast Du mit dem Träumen aufgehört vor lauter All-Tag und Pflichterfüllung?

Nimm Dir vom Leben das, was Dich inspiriert, was Dir gut tut, was Dich aus dem Strom der Normalität kurz heraus führt und in eine fremde Welt, in eine andere Welt. So werden sich Deine Sinne wieder schärfen.

Du darfst das Leben auch geniessen und musst nicht nur funktionieren.

Was kannst Du diese Woche Abenteuerliches und Ungewöhnliches entdecken?

Mach Dein Leben bunt!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Bleiben oder gehen?

Bist Du schon einmal weg gegangen aus einer Verbindung zu einem Menschen?

Wie hast Du Dich dabei gefühlt? Hast Du es leichten Herzens getan?

Oder hattest Du ein schlechtes Gewissen?

In der vergangenen Woche habe ich mit einigen Menschen darüber gesprochen ob es okay ist, sich zu verlassen wenn die Beziehung nicht mehr gut ist. Viele Menschen verharren in Systemen, Familien und Versprechen, die sie gegeben haben und bleiben in Verbindungen, die ihnen im besten Falle nichts mehr geben und im schlechtesten Falle sogar schaden, sie einsperren, kränken und behindern.

Als Coach bin ich unbedingt dafür, das man sich jederzeit von allem und jedem trennen sollte, der uns nicht gut tut.

Auch von Familienmitgliedern.

Auch von „Versprechen“ wie eine Ehe oder eine Schicksalsgemeinschaft.

Auch von Liebesbeziehungen, die nicht mehr liebevoll bereichernd sind.

Auch von alten Träumen, die nicht mehr zu realisieren sind.

Auch von einer Arbeitsstelle, an der wir nicht gut behandelt werden.

Auch von „Schuldigkeiten“ die wir uns moralisch aufgebürdet haben.

Viele Menschen „opfern“ sich für andere, funktionieren weiterhin, meinen sie seien etwas schuldig oder es wäre doch angemessen, etwas zurück zu geben. Ich möchte das mal exemplarisch am Thema „Eltern-Kind“ darstellen: Die Eltern hatten den Wunsch ein Kind zu bekommen. Das Kind hat nicht danach gefragt. Die Eltern kümmern sich um das Kind, viele Jahre. Und nehmen es oft in die Pflicht: Viele Kinder haben das Gefühl etwas zurück geben zu müssen, wenn sie dann auf eigenen Beinen stehen. Das ist nicht so, ganz und gar nicht. Wenn die Kinder dankbar für die Liebe und die Geschenke des Lebens sind und den dringenden Wunsch haben jetzt im umgedrehten Sinne für die Eltern Liebe und Geschenke schenken zu wollen, dann ist das sehr schön und die Verbindung ist auf beiden Seiten wertschätzend verlaufen. Wenn die gegenseitige Liebe das Fundament einer Beziehung ist, dann ist alles erlaubt.

Aber: Niemand schuldet dem anderen irgend etwas. Auch den Eltern nicht. Warum auch?

Überprüfe Deine Beziehungen und Verbindungen einmal dahin gehend: Ist es auf beiden Seiten ein ausgeglichenes Geben und Nehmen? Inspiriert Ihr Euch? Wertschätzt Ihr Euch? Wie steht es um das Gefühl, wenn du den Menschen nach deinem Wiedersehen wieder verlässt: Bleibt dann Wärme und Liebe für einige Tage? Denkst Du noch über Euer Gespräch nach? Hast Du das Gefühl Dich bedanken zu wollen für den Austausch? Fühlst Du Dankbarkeit, dass der Mensch in Deinem Leben ist? Freust Du Dich jedes Mal über den Kontakt? Dann ist es eine wundervolle Beziehung, die es sich lohnt weiter zu pflegen.

Alle anderen Beziehungen, bei denen nicht diese Art des wertvollen, wohlwollenden Miteinanders stattfindet, kannst Du sorgen- und problemlos verlassen. Weg gehen. Abschneiden. Verlassen. Die Brücken abbrechen.

Du schuldest niemandem etwas.

Du musst zu Dir schauen: Dein Leben ist wertvoll. Du bist die meiste Zeit mit Dir selbst zusammen. Dir musst Du gut schauen, liebevoll mit Dir sein. Deine Lebenszeit mit Qualität und Wohlwollen füllen. Nur dann wirst Du für andere ein Wert sein. Ein Mensch, der andere beglückt und beschenkt und erfüllt. Weil Du in Dir selbst beglückt, ein Geschenk für das Leben und erfüllt von Lebensfreude bist.

Sei frei. Und mache Dich auch frei. So oft und so intensiv Du kannst.

Schau nicht zurück. Geh Deinen Weg mit den richtigen Menschen an Deiner Seite. Das bist Du wert.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich den Menschen, an die ich gerade denke, weil sie immer etwas in mir hinterlassen, was mich für Tage wärmt und beglückt. Es sind glücklicherweise wirklich viele Wundervolle. Ich nehme mal einen einzigen raus: Meinen Freund Pan. Wir haben nicht viel Kontakt durch das Jahr. Aber wenn wir uns sehen, dann glüht lange etwas nach. Danke dafür!

Die kleine Lieblichkeit

Es gibt schon ausgesprochen schöne kleine Gesten. Meine Nachbarin macht so eine. Eine ältere Dame, die Hunde mag. Sie installiert jeden Tag eine Trinkstation mit frischem Wasser für die Hunde, die an ihrem Haus vorbei laufen (und auch oft in ihren Vorgarten pinkeln). Dann freut sie sich, wenn die Hunde stehen bleiben und ihren Durst bei diesen hohen Temperaturen stillen können.

Eine andere wirft immer ihr altes Brot und die Kerne von ihrem Obst in den Wald. Für die Waldtiere und Vögel. Und dass die Kerne dann unerwartet Zwetschgen- und Aprikosenbäume spriessen lassen.

Auf Jersey fand ich in den letzten Jahren immer wieder Freesien und Lilien zwischen dem dornigen Heidegestrüpp. Ich hörte, dass eine alte Lady jedes Jahr im Gartencenter Samen kauft und sie einfach so überall auf der Insel vertreut.

Und auch kleine liebevolle Gesten kann man mitunter auf dem Markt, am Postschalter und auch bei der Parkplatzsuche beobachten. Hast Du Dein Parkticket schon einmal weiter gereicht weil Du schon weggefahren bist und noch Guthaben darauf war? Hast Du kürzlich mal jemandem beim Einladen von etwas Schwerem geholfen, ohne dass er gefragt hat? Vielleicht einer anderen Person etwas an einem Tankautomat erklärt? Oder wenigstens ein Lächeln geschenkt und freundlich MIT einem Blick in die Augen „Dankeschön“ gesagt?

Als meine Kinder klein waren, half ich mal einer älteren Dame, die nicht wusste wie man einen Kaffee selbst zapft in einem Restaurant. Mein Grosser sagte: Mama, du musst immer anderen helfen oder? Es hat mir gefallen, dass ihm das aufgefallen war, weil er sonst ein sehr introvertiertes Kind war. Heute weiss ich, dass er auch hilfsbereit ist und sogar charmant sein kann. Es macht mich stolz, dass er das kann: Über seine Scheuheit hinweg springen in die Freundlichkeit.

Kleinigkeiten machen den Tag. Das haben meine Jungs auch bei den Pfadfindern gelernt:
Jeden Tag eine gute Tat!

Was hast du heute schon Liebevolles getan? Die letzten Tage? Kannst Du es an zwei Händen abzählen? Oder erinnerst Du dich nicht? Dann war es eindeutig zu wenig!

Würden wir jeden Tag! Jeden Tag! 10 Dinge tun, die das menschliche Klima ein bisschen erwärmen würden, dann wäre uns bald allen geholfen. Und: Es macht uns ja eigentlich auch selbst glücklich, wenn die Lieblichkeiten durch uns geschehen können.

Wenn Du gerade keine Handlung ausmachen kannst, die Du für andere tun kannst, dann schreibe doch wenigstens ein paar freundliche, liebevolle Nachrichten, an die Menschen, die Du magst und denen Du schon lange nichts mehr Gutes gesagt hast.

Albert Schweitzer hat einmal gesagt:

„Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“

Was tust Du heute und in den nächsten Tages Gutes in die Welt?

Wo kannst Du noch mehr Freundlichkeit, Lieblichkeit ausleben?

Wie kannst Du mit deiner Anwesenheit etwas Gutes in die Welt geben?

Warum freue ich mich, Dich zu sehen?

In diesem Zusammenhang danke ich GINO. Ich habe ihn nach seinem Coaching vor einigen Jahren nie mehr gesehen. Aber Woche für Woche bekomme ich nach der Veröffentlichung meines Blogs sehr rasch ein Herz. Das schätze ich sehr und es bringt mir immer ein Lächeln aufs Gesicht.

Sei freundlich und erwärme das menschliche Klima. Damit tust Du Dir selbst etwas Gutes und es gibt immer jemanden, der glücklich darüber ist.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Jetzt erst recht!

In der vergangenen Woche begegnete ich jemandem mit grossem Groll. Der Coachee hatte jemanden jahrelange sehr freundlich und respektvoll behandelt. Hatte jede Extrameile gelaufen um das eigene Engagement für die Verbindung hoch zu halten. War freund-lich und empathisch gewesen und hatte Unterstützung gegeben wo er nur konnte. Aber am Ende wurde er wie ein lästiges Anhängsel entsorgt.

Mein Coachee war stinksauer und unversöhnlich und gekränkt. Das ging bis zur Selbstablehnung: Hätte ich nur nicht so viel für diese Person getan! Wie dumm von mir! Das habe ich jetzt davon! Er beschimpfte sich als naiv und schwor, er würde sich nie mehr so engagieren!

In unserem klärenden Gespräch mussten wir das eine vom anderen trennen: Der Schmerz, den der andere ihm zugefügt hatte war massiv. Das war wirklich gemein und verletzend. Auch ich musste ein paar mal Luft holen, ein bisschen erschüttert das immer meinen Glauben an das Gute im Menschen. Das war Fakt: Der Freund hatte sich unmöglich und bösartig verhalten.

Mein Coachee aber bereute sogar seine Lieblichkeit zu diesem Freund und hier musste ich eingreifen. Denn: Er hatte sein schönes Herz gezeigt. Seine Fähigkeit ein guter Freund zu sein, in Verbindung zu bleiben, etwas auszuhalten und mitzutragen. Und: Er konnte wirklich lieben. Das ist gross und schön!

Das ist an sich schon etwas, worüber mein Coachee sich freuen, für das er sich würdigen und anerkennen kann.

Statt dessen kehrte es, wie in vielen Fällen, ins Gegenteil: Man meint selbst zu viel zu geben, viel zu viel Liebe, Respekt, Einsatz gegeben zu haben und meint, das habe der andere nicht verdient gehabt, das wäre wie Perlen unter die Säue zu werfen.

Aber es geht ja gar nicht darum, WEM Du etwas Gutes tust! Sondern: DASS. Und dass Du diese Qualitäten in Dir trägst: DU bist ja der gute Freund, die liebe Freundin, Du bist ja der und diejenige, die ihre Qualitäten verschenkt.

Kannst Du das auch bei Dir sehen? Wieviel Du zu geben hast, was Du tust und gibst und bist? Siehst Du, was für ein liebevoller und guter Mensch Du bist? Wie Du das Leben bereicherst? Nicht nur das von demjenigen, an den Du adressiert hast. Auch für andere. Vielleicht sogar für Menschen, von denen Du gar nicht weisst, wieviel Einfluss Du hast auf sie: Vielleicht als Vorbild?

Oder Du bist für einige Menschen ein Geschenk?

Am Ende sind es die kleinen Akte von Güte und Freundlichkeit, die zählen.

Nicht, weil jemand sie beklatscht. Nicht weil Du sie auf den sozialen Medien postest. Nicht weil jemand sie lobt und reflektiert und Dir dafür dankt.

Geben, sich selbst verschenken, die besten Eigenschaften leben, das ist auch ein Geschenk an Dich, das Du an Dir selbst lieben kannst.


Eine einfache Übung ist dabei, in die Zeugenperspektive zu gehen: Beobachte Dich von aussen, wie Du mit Menschen umgehst, was Du sagst und schreibst und tust. Wem Du beistehst weil DU das möchtest, was Dein Herz Dir sagt wenn Du Dich um andere kümmern möchtest. Sieh Dich selbst an: Als Freund als Freundin.

Bist Du ein guter Mensch?

JA!

Gibt es auch schlechte Menschen? Ehrlich gesagt: NEIN.
Ich pflege zu sagen, dass die, die sich ekelhaft benehmen, eigentlich nur verwirrt sind, von den eigenen ungelösten Problemen und Verletzungen, fehlgeleitet durch Manipulation und Hormone…sie können nicht anders, sie begegnen ihrem eigenen Schmerz nur durch Kompensationshandlungen und Projektion auf andere. Solche Menschen musst DU nicht begleiten oder auffangen. Dafür gibt es Profis. Lass die Finger davon. Mit einem solchen Menschen wirst Du Dir nur Leid antun, was Du nicht brauchst.

Wenn Du in Dir selbst den Liebenden, Den Freund, das gute Herz wiedergefunden hast, dann überprüfe Dein Umfeld und tu Dir einen Gefallen: Gib es nur an Menschen, die es zu schätzen wissen und Dir widerspiegeln.

Es ist Zeit, Dich zu feiern. Fang HEUTE damit an.



Willkommen in der Adlerperspektive.

Kritik

Wie empfindest Du (ungerechte) Kritik?

Nimmst Du sie persönlich?

Bist Du lange gekränkt?

Gekränkt ist in diesem Zusammenhang der richtige Ausdruck. Wir können krank davon werden, wenn die Kritik uns trifft und in uns lange angestaute Gefühle wie Wut, Scham, Verzweiflung und Frustration auslösen.

Aber:

Die Kritik des anderen hat eigentlich nichts mit Dir zu tun. Wenn ein Mensch Dich ungerecht kritisiert dann denke an folgendes: Der Andere hält dabei gestikulierend den Zeigefinger nach vorne und die Hand wie eine Pistole. Mache diese Geste einmal jetzt, während du das liest. Siehst Du? Ein Finger weisst nach vorne, drei zu Dir.

In aller Regel hat der, der Dich kritisiert, ein eigenes Problem. Nicht selten genau das Thema, für das er Dich beschimpft. Wenn er beispielsweise sagt: „immer drängst Du Dich in den Vordergrund! Du bist so dominant“, dann meint er höchstwahrscheinlich: Ich fühle mich erdrückt und zurückgewiesen, ich hätte auch gerne mehr Raum, aber ich traue mich nicht. Um den eigenen Schmerz kleiner zu machen, muss er einen Teil seines Frusts an den an den Nächsten abgeben.

Trotzdem kann es sein, dass die Kritik Dich trifft. Vielleicht hast Du das schon öfters gehört und denkst, da könnte etwas dran sein. Dann kannst Du Dich beobachten oder die Situation geistig nochmals durchgehen. Vielleicht kann der Hinweis dann hilfreich sein. Wenn Du aber unangenehme Gefühle nach der Kritik hast und das Gefühl, das wäre keinesfalls zutreffend, dann ist es eine Projektion des anderen auf Dich.

Was aber, wenn das Gefühl weiter nagt und Du Dich nachhaltig erschüttert fühlst?

Dann ist etwas in Dir selbst nicht geklärt. Du machst Dir vielleicht schon länger selbst Vorwürfe wegen einem Thema und versuchst Dein Verhalten zu ändern. Wenn der Andere nun ins Schwarze trifft mit dem, was er Dir vorwirft, dann wäre es klug, das einmal professionell anzugehen, weil Du sonst immer wieder einen wunden Punkt zur Verfügung stellst. Denn: Der Kritiker hat gewittert, dass er dich da trifft und genau dort hin gezielt.

Kritik ist in fast allen Fällen – in fast allen Fällen! Projektion.

Niemand hat das so gut formuliert wie mein alter Freund Carl Gustav:

Wenn man sich jemanden vorstellt

der tapfer genug ist

die Projektionen seiner Illusionen allesamt zurück zu ziehen

dann ergibt sich ein Individuum,

das sich eines beträchtlichen Schattens bewusst ist

solch ein Mensch weiss, dass, was immer in der Welt verkehrt ist

auch in ihm selber ist

und wenn er nur lernt

mit seinem eigenen Schatten fertig zu werden

dann hat er etwas Wirkliches für die Welt getan

(C.G.Jung)

Wir alle weichen unserem Schatten mitunter aus und projizieren das dann gerne auf unser Gegenüber. Wenn Du das nächste Mal den verbalen Schlag in die Magengrube spürst, dann denke so: Woran leidet mein Gegenüber, dass er/sie gerade Druck an mich weitergeben muss? Eine simple Frage kann sofort Änderung bringen: „Und wie fühlst Du Dich bezogen auf dieses Thema, das Du gerade bei mir siehst“? Oder auch: „Und was löse ich bei Dir damit aus?“

Kritik kann weh tun und die daraus folgende Kränkung kann lange andauern. Es gibt sogar Kränkungen, die man nicht verzeihen will. Das ist in Ordnung so! Du bist kein (e) Heilige(r)! Du darfst gekränkt sein und das als Mauer zwischen Euch stehen lassen.

Das ist sogar sehr reif: Wenn Dir jemand schmerzhaft auf den Zehen gestanden ist, egal ob gerechtfertigt oder nicht, dann darfst Du sagen: Mit diesem Mensch will ich nichts mehr zu tun haben.

Denn: Wenn der andere eine gut gemeinte Kritik hat, dann wird er sie freundlich, achtsam und liebevoll ausdrücken, um Dir damit Hilfe zu leisten. Sagt er sie aber hart, bösartig und wütend, dann kannst Du davon ausgehen, dass sein eigener Schatten um sich schlägt. Dann geh weg von diesem Mensch. Das musst Du Dir nicht geben. Das Leben ist einfach zu kurz um es mit solchen Menschen zu vergiften.

Nimm Kritik nur an, wenn sie hilft. Den Rest kannst Du einfach an Dir abprallen lassen.

Denn: DU bist wunderbar. Vergiss es nicht.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Gut genug

Letzte Woche ist mir wieder mal ein besonders dramatisches Exemplar von

„Ich bin nicht gut genug“ begegnet. Dramatisch deswegen, weil es mich jedes Mal wieder erschüttert. Eine Frau in den besten Jahren, attraktiv, sehr klug und erfolgreich, eloquent und geschmeidig und ein gutes Herz. Und dann kam im Gespräch postwendend wieder die Selbstanklage.

Warum?

Warum leiden so viele an einem gestörten Selbstwertgefühl?

Nun, zum einen, weil wir so erzogen werden. Nicht unbedingt von den Eltern, sondern auch von der Gesellschaft, in der Schule, im kleinen familiären aber auch im freundschaftlichen Umfeld. Wir schauen auf Mängel und Fehler statt auf Geschenke des Lebens. Zum anderen, weil wir uns vergleichen und bewerten mit der Leistung und dem Haben der anderen.

Dabei wäre es so leicht: Wir müssten einfach beginnen uns zu loben wenn wir etwas Tolles sehen oder mit dem anderen erlebt haben. Uns anzuerkennen, die Schönheit zu sehen. Sich gegenseitig in den Stärken zu stützen und uns anzufeuern, wenn wir in der Talsohle sind – und uns genau dann ! an unsere besten Gaben erinnern müssen.

Jeder und jede von uns hat Schönheit und Talente. Jeder und jede hat etwas, das sie ganz besonders gut kann. Und damit meine ich keinesfalls Dienstleistungen, die uns einen Wert für die Welt bringen. Wir sind nicht nur gut, wenn wir viel und hart und effizient und erfolgreich arbeiten. Wir sind gut weil wir gut sind.

Ich leite Menschen dann im Coaching gerne an, einmal aufzuschreiben welche wunderbaren Eigenschaften sie haben, was sie gut können (zum Beispiel sich einfühlen, lachen, andere mitreissen, sich begeistern, geniessen, Ruhe geben, Dankbarkeit ausdrücken, aufmerksam sein, Streit schlichten, den Überblick behalten, Geduld zeigen, eine Beziehung aufrecht erhalten)

Menschliche Qualitäten sind von unfassbarem Wert. Das macht einen Menschen wertvoll.

Für Leistung wird uns in nicht all zu fernen Zukunft die künstliche Intelligenz eine Assistenz anbieten. Sehr bald wird es nicht mehr um Leistung gehen. Sehr bald wird es auch nicht mehr um schneller, weiter, höher gehen. Wir werden die menschlichen Seiten brauchen. Die Berührbarkeit, das Mitgefühl, das Miteinander, das Menschliche, die liebevolle und wertschätzende Kommunikation.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich sehen kannst in deiner wertvollen Essenz. Wie schön Du bist. Wie gut Du bist. Wie lebensfroh und hoffnungsvoll und dankbar und gescheit Du bist.

Das L e b e n d i g e in Dir ist es, was Dich ausmacht.

Und: Du kannst doch alles! Alles! Du kannst Dich am Tag freuen. Du kannst Deinen Liebsten sagen wie gern Du sie hast. Du kannst Eure Begegnung bereichern. Du kannst Mut zusprechen. Du kannst inspirieren. Du kannst anderen ein Vorbild sein. Du kannst begeistern. Du kannst weiterhelfen. Du kannst das Leben feiern. Du kannst Dich an Deinem Körper und an dem Deines Liebsten freuen. Du kannst umarmen. Du kannst die Hand reichen. Du kannst dafür sorgen dass Dein Leben einen Sinn macht. Du kannst Deine Sinne geniessen – hören, schmecken, tasten, sehen, riechen. Du kannst anderen Genuss aufzeigen. Du kannst die Aufregung des Lebendigseins auskosten.

Spürst Du das? Wie das Lebendige in Dir zirkuliert?

DA IST DEIN WERT.

Es geht um nichts anderes als Lebendigkeit.

Ich will das nicht mehr hören, dieses „Ich bin nicht gut genug“.

Du bist hier. Du bist am Leben.

Du bist das Leben!

Mach etwas daraus. Lebe! Geniesse! Feire das Leben! Spüre wie sie zirkuliert, diese unglaublich elektrische Energie in Dir!

Wenn Du das kannst: Das Leben spüren! … dann gibt es gar kein gut oder nicht gut.

Es gibt nur noch das Leben. Es steht Dir immer, 24/7 zur Verfügung. Du vergisst es nur hin und wieder.

Du bist gut!

Du lebst!

Du bist hier!

Feire Dich!

Halleluja!

Was denn auch sonst!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Bist Du Dir treu?

Letzte Woche durfte ich diese Frage gleich zweimal stellen. Und beide Coachees hatten eine spannende Antwort darauf.

Bist Du Dir treu?

Was heisst das?

Nun zu allererst: Deinen Werten. Deinen Wünschen und Bedürfnissen.

Schaust Du gut zu Dir? Nimmst Du Deine Limits ernst? Lässt Du Deinem Herz Raum?

Achtest Du auf Deine Ruhephasen?

Oder dienst Du? Machst Du gute Miene zum bösen Spiel?

Verbiegst Du Dich?

Oder stehst Du zu dem, an was Du glaubst und entscheidest aus Deinem eigenen Blick auf die Welt?

Und wie echt ist Dein berufliches Engagement? Geht das mit Deinen Werten d’accord?

Sich treu sein ist sehr anstrengend. Wir werden ständig mit Manipulation und anderen Meinungen konfrontiert. Immer meint jemand, es besser zu wissen. Immer gibt es Menschen, die das ein oder andere versuchen, um damit zu erreichen, dass Du etwas tust was sie für richtig halten (oder eben es zu lassen). Konventionelles und dogmatisches Verhalten zwingt uns bisweilen in innere und äussere Käfige. Da ist es wichtig, wieder bei sich anzukommen, zu spüren was jetzt richtig wäre.

Was heisst das: Dir treu sein?

Zu allererst: Was ist Dir wichtig?

Welches Ideal möchtest Du niemals verraten?

Was hältst Du für wesentlich?

Und auch: Was bist Du bereit zu tun, wenn Du Dir selbst untreu wirst?

Wir sprechen über Treue ganz oft im partnerschaftlichen Kontext. Da wird gerne diskutiert und es gibt wenig Toleranzbereiche. Treue ist ein Wert, der gerne totalitär und radikal beurteilt wird.

Sich selbst treu sein – das ist ein ganz anderer Ansatz.

Damit verbindet man Ehrlichkeit, Loyalität, Respekt, Authentizität und Selbstbewusstsein.

Der Wunsch nach Ehrlichkeit, Selbstbewusstsein und Authentizität kommt nicht von ungefähr. In vielen Lebensbereichen müssen wir uns verstellen. Wir stimmen Bekannten zu, um Harmonie zu bewahren, obwohl wir ihre Ansichten nicht in jeder Hinsicht teilen. Wir müssen uns im Job behaupten, manchmal auch gegen Menschen und Kollegen, die uns nicht wohl gesonnen sind. Für alle diese Situationen legen wir uns einen Panzer zu, mit dem wir unsere wahren Gefühle verbergen und eine Rolle spielen.

Wie anstrengend!

Sich selbst treu sein beweist auf wunderbar entspannende Weise, dass wir uns bei uns selbst wohl fühlen, dass wir in der Eigenverantwortung sind für unsere Entscheidungen, unsere Art das Leben zu leben.

In der letzten Woche hatte ich diese beiden Frauen im Coachinggespräch, die sich beide treu waren. Die Diskussionen darüber, was das nun genau heisst, brachte mich in eine Recherche über Lebensentwürfe, die radikal authentisch und individuell sind.

Ich habe zwei kleine Filme gefunden über Menschen, die sich und ihrer Sicht auf die Welt treu sind und sich ein Leben erschaffen haben, dass sich richtig für sie anfühlt. Vielleicht inspiriert es Dich, einmal darüber nachzudenken, wie treu Du Dir und Deinen Werten, Deiner Wahrheit bist.

und

Tust Du das was genau Du möchtest?

Bist Du im Leben Deiner Wahl?

Magst Du Dich, wenn Du in Deine Augen schaust?

Und ist Dir die Treue für Dich etwas wert?

Wärst Du bereit etwas loszulassen, wenn es für Dein Herz und Deine Überzeugung nicht (mehr) stimmig ist?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Der Sprung

Letzte Woche hatte ich das grosse Vergnügen eine ehemalige Coachee, 10 Jahre nach ihrem Coaching, wieder zu sehen. Ich konnte mich gut an sie erinnern. Damals war sie ein Rastamädchen, sehr wild, sehr bunt, herrlich eigensinnig. Und ich erinnerte mich auch daran, wie sie damals sagte: „Bitte hilf mir doch, ein bisschen ordentlicher zu werden im Kopf und im Leben“.

Sie wollte „ihr Leben auf die Reihe bekommen“. Ich hatte damals eine Burnout Praxis und zeigte gerne Zusammenhänge anhand von Spielsachen auf. Eins davon war „die liegende Acht“. Ein Geduldsspiel, bei dem Glaskugeln langsam über Schienen bewegt werden müssen und das Konzentration und Ruhe verlangte. Ich setzte die Kugeln also in eine Reihe auf die Schiene. Und zeigte ihr, wie die Kugeln alle in einer Reihe schön brav und langweilig hintereinander laufen, niemals aus der Reihe tanzten, immer den selben Weg verfolgten. Ob sie das wollte?

Das Rastamädchen wollte genau das nicht. Wir mussten lachen. Wir lachten ohnehin viel in diesem Coaching. Und es war immer eine Befreiung. Sie musste diese Leben nicht auf die Reihe kriegen. Denn: Sie wollte nie, wirklich nie, in dieser Reihe sein. Das Coaching führte uns in herrliche Momente, in Höhenflüge und schliesslich in ihre eigene Freiheit: Zu sein wie sie eben war und sich damit eben selbst genau so anzunehmen. Ohne jede Anbindung oder Fessel an das, was für sie nicht lebens- und liebenswert ist.

Das Wilde ist nicht das Gegenteil von kultiviert. Das Wilde ist das Gegenteil von gefesselt!

Diesen Satz kann sich diese herrlich wilde Frau fortan unter die Haut tätowieren lassen. Denn sie wagt es. Das Ausbrechen aus den Strukturen und Zurücklassen der Monotonie und Langeweile. Sie wagt es, das zu leben was sie liebt. Sie wagt es, die zu sein, die sie ist.

Über die Jahre habe ich immer wieder einmal wieder einen Blick auf sie geworfen oder von ihr gehört, letzte Woche aber hatte ich die Freude, sie etwas länger zu erleben. Die Rastas sind verschwunden aber ihre Haare sind immer noch lockig wild und sie ist vielleicht ein ganz klein wenig aufgeräumter. Aber ihr Geist sprang noch immer hierhin und dahin, wirbelte, schlug Kapriolen und ich konnte ihre Lebendigkeit geniessen, ihren scharfen und kritischen Verstand aber auch ihre Tiefe. Und jetzt wagt sie den totalen Sprung aus der Schiene. In den letzten Jahren hat sie den Spagat noch gemacht: Von der Struktur, die sie in ihrem verantwortungsvollen Job braucht, in die Eigen-sinnigkeit ihres Lebens hin und her. Das System, in dem sie arbeitet, ist ihr immer noch verhasst. Sie sieht es kritisch, wie sich alles entwickelt. Und sie will endlich, endlich! nicht mehr mitspielen.

Wir sprachen darüber, dass das Leben hier und jetzt und mit all dem, was der Alltag ihr abverlangt, eine verdammt schlechte Alternative zu dem ist, was sie schon immer will: Die Sinnlichkeit. Die Einfachheit. Die Weite. Das Fremde. Das Eigenartige. Und jetzt ist sie soweit: Sie setzt alles auf diese eine Karte. Und springt hinein. Ohne doppelten Boden. Ohne Sicherheitsnetz. Ohne vermeintliche Sicherheit. Ohne Vorsicht und Rücksicht. Ohne Konventionen. Ohne Angst. Und schliesslich auch: In ihr ganz und gar eigenes Leben.

Ein grosser Sprung.

Diesen Sprung schafft nicht jeder. Meistens hapert es schon an einem allerersten Schritt, denn das Loslassen der Sicherheiten schmerzt. So wie damals als wir das erste Mal eine helfende Hand losliessen bei den ersten Schritten. Oder das Fahrrad ohne Stützräder fuhren. Oder uns in ein Abenteuer wagten. Wind in den Segeln hatten und plötzlich Angst vor der Kraft, die sich da entfaltete.

Wir alle könnten in aller Konsequenz frei sein.

Welche Fesseln halten Dich?

Welche Sicherheit besticht dein wildes Herz?


Wo hast Du Deine Freiheit verkauft?

Willst Du das noch?

Wo findest Du jetzt den Mut für Deinen eigenen Weg?

Brennt es noch, Dein Feuer?

Leitet Deine innere Sehnsucht Deine Schritte?

Was willst Du wirklich, wirklich und wirklich?

Kannst Du den allerersten Schritt machen?

Was brauchst Du, damit Du Dein eigenes Leben lebst?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Für Tabea. Ich bewundere Deinen Mut und deine ungebremste Lust auf Dein Leben. Flieg hoch!

Ich will leben!

Sie war eine quirlige, kleine, runde Frau, wenn sie lachte, dann bebte der ganze Körper. Und sie lachte oft. Ich sagte einmal zu ihr: „Wenn Du keine Ohren hättest, dann würdest Du rund um den Kopf lachen“. Jolanda war herrlich, sie hat das Leben gefeiert, sie hat sich Frechheiten und Freiheiten erlaubt. In unserem ersten Gespräch vor etwa 15 Jahren legte sie gleich die Karten auf den Tisch: Sie hatte einige Kapriolen gemacht in ihrem Leben. Und dann, am Analysetag, da sagte sie 10 oder 15 Mal: Ich will leben. Oder: Ich will doch nur leben. Oder: Ich Ich will endlich leben.

Ich musste da eingreifen. Sagte: Du lebst doch schon! Das hat doch nichts mit Wollen zu tun! Du lebst! Ich denke, ich wurde fast ein bisschen wütend, weil sie dieses Leben so gar nicht wahrnahm.

Aber ihre grossen Augen gingen weit auf und dann lachten wir: JA! Sie war am Leben.

Es ist ein Phänomen, das so viele Menschen immer davon sprechen, leben, endlich leben – oder etwas er-leben zu wollen. Und es verschieben. Dann, wenn sie endlich mal dafür Zeit haben. Dann, wenn die Pflichten und Verantwortlichkeiten und Zwangsjäckchen kleiner geworden sind. Dann, wenn man abgearbeitet hat, was vorher noch zu erledigen wäre.

Spürst Du das Leben in Dir?

Nimmst Du wahr, dass Du am Leben bist?

Niemand kann das besser erklären als Eckart Tolle (immer und immer wieder erwähne ich gerne sein Buch: JETZT. Die Kraft der Gegenwart). Er stellt eine mini Übung zur Verfügung:

Setz Dich entspannt in einen Stuhl, lass Deine Arme locker über die Lehnen hängen. Schliesse die Augen. Ohne zu bewegen, ohne hinzuschauen: Bist Du sicher dass Du eine rechte Hand hast?

Spüre.

Wenn Du das Kribbeln, die pulsierende Energie in Deiner Hand spürst, dann lebst Du.

Niemand anders -niemand anders!- kann das spüren. Dass Du am Leben bist.

Siehst Du die Freiheit in dieser Tatsache?

Du lebst!

Machst Du etwas daraus?

Geniesst Du es auch ordentlich?

Nutzt Du dieses Geschenk?

Er-lebst Du genug?

Lebst Du aus dem Vollen Deiner Empfindungen? Umarmst Du das Leben? Gehst Du Deinen Chancen nach? Folgst Du Deinem Herzen, deinen Impulsen?

Was hält das Leben (noch) für Dich in den Händen? Willst Du es?

In der vergangenen Woche hatte ich nicht nur mit meiner Erinnerung an Jolanda zu tun. Ich traf auch Menschen, junge Menschen, die am Leben leiden. Die wegen einer vergangenen Liebe, wegen gescheiterten Plänen und wegen Unpässlichkeiten in einer Sackgasse stecken. Natürlich gibt es immer einen Weg zurück ins Leben, in den Fluss, wenn wir irgendwo an einer Wand stehen und keinen Ausweg mehr sehen. Meistens, in fast allen Fällen, müssen wir uns nur umdrehen und gut hinsehen:

Was will das Leben jetzt von Dir?

Nun, vor allem eins: Dass Du es lebst. Dass Du es erkennst. Dass Du es feierst, solange Du es (noch) hast. Keinen Tag Deines kostbarsten Guts vergeuden. Nutze den Tag, nutze das was ist, nutze deine Sinne, deine Energie, deine Lust und deine Freude an dem, was sich jeden Tag von Neuem anbietet.

Jolanda ist letzte Woche, knapp 64, plötzlich zusammen gesackt und war tot. Ohne Ankündigung und ohne Vorgeschichte war das Leben plötzlich ausgepustet wie eine Kerze. Ich hoffe, sie hat es jeden Tag genossen, dieses Geschenk Leben.

Lebst Du schon – oder willst Du Leben?


Willkommen in der Adlerperspektive.