l’Enchantresse – die Verzauberin

Eine wunderbare Woche ist angebrochen, in der ich mir das Zuhause von Freunden ausleihen durfte. Sie sind unterwegs und haben mir ihre schöne kleine Farm überlassen. So hüte ich also 12 Federvieh Persönlichkeiten. Zwei Hasen, die sich gerne hinterher jagen. Und einige dutzende Blumentöpfe und Gemüsebeete, die gegossen werden wollen. Hier auf dem Hof hat alles Geschichte. Es ist ein altes Farmhaus aus Holz und Stein und eigenwilligen Winkeln. Ich geniesse jeden Moment.

Ganz besonders aber hat es mir ein Baum angetan, der majestätisch über das Anwesen wacht. Eine Blutbuche. Sie ist stabil und alt und tief verwurzelt, hat ein riesiges Blätterdach, unter dem es sich geborgen sitzen lässt.

Ich habe mir vorgenommen unter diesem Baum Gespräche zu führen und dazu habe ich ein paar Leute eingeladen, die ich gerne sehen wollte und noch sehen möchte. Und ach, wie sehr hat der Baum die Gespräche beeinflusst. Sie wurden tief und fein und achtsam und ganz und gar persönlich. Wie herrlich dieser Baum die Energie verändert und mitgestaltet!

Die Buche gehört zu den ältesten europäischen Symbolbäumen. Interessanterweise stammt das deutsche Wort Buch vermutlich von der Buche. Auf Buchenstäbe und Buchenholz wurden früher Runen und Zeichen geritzt.

Die Buche ist daher seit Jahrhunderten verbunden mit:

Wissen

Erinnerung

Weisheit

Überlieferung

Wahrheit

geistiger Klarheit

Wer unter einer Buche sitzt, sitzt symbolisch unter einem Baum, der seit Jahrtausenden als Hüter von Geschichten und Erkenntnissen gilt.

Im Baumorakel wird die Buche oft so gedeutet:

Wenn die Buche zu dir kommt, erinnert sie dich daran:

Vertraue deiner eigenen Erfahrung. Höre auf das, was du längst weisst.

Suche nicht ständig neue Antworten. Werde still und erinnere dich.

Die Blutbuche fügt hinzu: Lebe mutig. Zeige dich.

Verstecke dein Licht nicht. Verkörpere deine Wahrheit

Schau Dir dieses Prachtexemplar an:

Was für ein beeindruckender Baum.

Schon rein äusserlich wirkt diese Blutbuche nicht wie ein gewöhnlicher Gartenbaum, sondern eher wie ein Dorfwächter oder Grenzhüter. Sie steht genau dort, wo Wege zusammentreffen. Das ist interessant, denn in vielen alten Traditionen galten grosse Bäume an Wegkreuzungen als Orte der Entscheidung, Begegnung und Orientierung.

Er wirkt wie ein Baum, der sagt:

„Bleib einen Moment stehen.
Bevor du weitergehst,
erinnere dich daran, wer du bist.“

Während manche Bäume nach aussen drängen, scheint diese Blutbuche nach innen zu weisen.

Zusätzlich zu den wunderbaren Menschen, die ich unter die Buche eingeladen habe, bin ich selbst sehr lange und intensiv darunter gesessen. Am Morgen um meinen Tee zu trinken, am Abend um den roten Himmel zu bewundern. Die Buche und ich haben uns zugehört. Sie hat mir gesagt:

Werde nicht jünger.

Werde tiefer.

Werde nicht schneller.

Werde verwurzelter.

Die Blutbuche wächst nicht durch Eile.
Sie wächst durch Jahre.

Und genau deshalb wirkt sie so majestätisch.

Was für ein Glück habe ich doch mit solchen Begegnungen. Und noch eine wunderschöne Begegnung hatte ich heute mit einer „Wahlmutter“, die ich schon mehr als 20 Jahre kenne. Wir sassen gemeinsam auf ihrer herrlichen Terrasse und bewunderten den schönen Zürichsee. Und dann drehte sie sich zu mir und sagte: „Das ist alles nur geliehen“.

Wie alles im Leben – geliehen. Denn am Ende zählen andere Dinge als Haben. Ich würde sagen: Sein.

Vor allem ja nun mal glücklich und erfüllt… denn – La vie est belle!

Hinterlasse einen Kommentar