Wiedersehen!

In den vergangenen zwei Wochen habe ich ungewöhnlich viele Menschen wieder gesehen. Nicht nur wegen meines Abwesenheitsjahres 2025 hatten sich unsere Wege getrennt. Manche Menschen hatte ich viele Jahre nicht gesehen, andere erst seit kurzer Zeit.

Ich sah „meinen“ Rettungssanitäter Bert und seine Liebste und damit einen Menschen, der mich vor wenigen Monaten aus Irland zurück in die Schweiz brachte. Ich konnte ihm jetzt auf meinen eigenen (noch nur ein kleines bisschen wackeligen Beinen) entgegenkommen. Was für ein schönes warmes Treffen war das! Er hatte mich in der fragilsten Situation erlebt und mir Stabilität und Geleit gegeben auf einem nicht einfachen Weg. Ich kann mich noch gut an die Schmerzen erinnern, die mich plagten – und dass meine Wahrnehmung völlig matschig war von den vielen Opiaten, die meinen Kopf in Watte gepackt hatten.

Dass wir doch in ein wertvolles Gespräch über viele Stunden kamen, war schön und wir konnten es mühelos weiterführen, als wäre nichts dazwischen passiert. Dieses Wiedersehen zeigte mir, wie viel Gutes inzwischen passiert ist und dass die lange harte Zeit der Genesung vorbei ist, weil mich Bert an meine verletzte Zeit erinnerte.

Am selben Tag sah ich auch eine Coachee von 2012. 14 lange Jahre waren vergangen seit ihrem intensiven Prozess. Und wie schön war das denn! Sie ist richtig „erwachsen“ geworden inzwischen, glücklich verheiratet, bald eine Mama. Und trotzdem machten wir den Spagat zurück zu damals und hinein ins Heute und lachten und erinnerten uns gern an ihre Kapriolen. Sie erinnerte mich auch an mich als deutlich jüngere Frau in einem ganz anderen Lebenssetting und das war toll und amüsant und ich war stolz auf uns beide.

Am Freitag sah ich dann eine liebe liebe tolle Frau, mit der ich im Februar 2025 in Sri Lanka in einer Lagune schwamm und mit der ich tagtäglich zusammen die Nase rümpfte, wenn wir unsere scheusslichen Ayurveda-Tinkturen schluckten. Das ging richtig tief und war schön und echt und authentisch. Unsere Erinnerungen brachten uns zum Schwelgen, Staunen, Lachen und Wundern. Eine wertvolle neue Connection, die wir beide aufrecht erhalten wollen.

Und dann sah ich noch Vater & Sohn, zwei sehr lässige und gemütliche Männer die beide einzeln und einmal zusammen bei mir im Coaching waren. Wie schön war das zu sehen, dass diese Art der Beziehung möglich ist. Es waren viele Jahre vergangen inzwischen und ich staunte sie an, wie liebevoll sie miteinander sind, wie geradlinig und achtsam sie miteinander umgehen. Ein wahrer Genuss – vielleicht durfte ich an diesem Nachmittag sogar ein kleines Stück der Langzeitwirkung ihres Coachings von 2019 erleben.

Ich kann gar nicht aufzählen, wen ich alles wieder gesehen habe nach langer und manchmal auch nicht so langer Zeit. Das geht jede Woche weiter und jede Begegnung ist eine schöne Erinnerung, eine gewachsene Beziehung, ein wertvoller Kontakt. Ich bin sehr reich beschenkt mit schönen Menschen um mich herum.

So habe ich mich einmal etwas intensiver mit dem Thema Wiedersehen auseinandergesetzt…

Wir verändern uns langsam und merken das deshalb kaum. Erst im Wiedersehen erkennen wir plötzlich unsere eigene Entwicklung. Der andere wird zum Spiegel. Wir sehen in seinen Augen nicht nur ihn – wir sehen, wer wir einmal waren und wer wir heute sind.

Ein Wiedersehen zeigt uns bisweilen auch, wie weit wir gekommen sind.

Nicht jedes Wiedersehen führt zurück. Manche führen endlich nach vorne. Weil sich aus dem Wiedersehen eben auch ein Erkennen formt und man weiss: Die Person möchte ich ein bisschen mehr und näher in meinem Leben haben.

Es gibt Menschen, die tragen einen Schlüssel zu einer Version von uns, die wir längst vergessen hatten. Wie schön, wenn man dann auch ein bisschen zusammen zurück blättern kann. In alte Zeiten. Ich liebe es, wenn Menschen mir von früher erzählen und wie ich damals auf sie gewirkt habe oder was ich bei Ihnen ausgelöst und hinterlassen habe. Das geht uns doch in unserem schnellen und immerzu komplexen Leben mitunter verloren.

Manche Begegnungen enden nie. Sie machen nur eine lange Pause. Ein Wiedersehen ist die leise Frage des Lebens: Weisst du noch, wer du damals warst? Herrlich sich gegenseitig zu erinnern und im besten Fall miteinander zu lachen!

Vielleicht sind Wiedersehen deshalb so berührend. Weil sie uns daran erinnern, dass unser Leben keine gerade Linie ist. Es besteht aus Menschen, die kommen und gehen, aus Geschichten, die pausieren, und aus Augenblicken, die plötzlich wieder lebendig werden. Manche Menschen kehren zurück, nicht um die Vergangenheit festzuhalten, sondern um uns zu zeigen, wie weit wir inzwischen gegangen sind.

Ich freue mich auf viele neue Wiedersehen in den nächsten Wochen. Ich werde zwei ehemalige wilde Coachees wieder sehen. Ich werde eine lustige Freundin wiedersehen. Ich werde meine liebsten Freunde in der Ardeche wiedersehen und das Pferd, das mein Herz gestohlen hat. Ich werde eine ganz besondere Frau auf Jersey wiedersehen die tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen hat. Und ich werde meine irischen Freunde wiedersehen, die mir die schönsten Monate beschert haben. Ach und ich werde den allerliebsten Ort wiedersehen, Portrush in Nordirland.

Vielleicht ist das Leben genau das: Ein langes Gehen durch die Zeit, bis uns plötzlich wieder jemand entgegen kommt, den unser Herz nicht vergessen hat. Ich freue mich auf jedes Herz, das meinen Weg nochmals kreuzt, auf jeden Menschen, den das Leben irgendwann wieder zu mir führt.

Und immer so weiter… das Leben, ach, es ist schön!

La vie est belle!

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