Der Schrei

Letzte Woche begegnete ich einer netten älteren Dame, die sich vergessen hatte. Sie hatte sich über 30 Jahre vergessen. So lange ging ihre Ehe, bis sie eines Tages aufwachte und wusste, dass es jetzt genug war. Etwas hatte sie an sich selbst erinnert. Sie spürte plötzlich wieder: Da bin ich ja mal gewesen! Das habe ich ja mal gewollt, gefühlt, ersehnt!

Sie ist einfach aufgebrochen – ausgebrochen. Aus der schönen (schein-)heiligen Sicherheit in ihr eigenes Leben. Das, was im Tiefschlaf war, das sie verdrängt und abgetötet hatte.

Als sie von ihrem Neubeginn erzählte, strahlten ihre Augen. Sie griff mit beiden Händen in den Raum und sagte, was sie nun alles tun und ausprobieren würde. Dass sie nun keinem Diktat und keinen Gewohnheiten mehr folgen würde, sondern fortan selbstbestimmt weiter gehen würde. Dass sie jetzt endlich entscheiden würde was sie wann wie und mit wem tun würde. Ohne davon sprechen zu müssen, ohne es erklären oder gar rechtfertigen zu müssen.

Dabei war die Ehe nicht immer schlecht gewesen. Aber sie hatte sich eingelegen wie eine alte Matratze, oder Schuhe, die man zu lange trägt. Die Form passte exakt in ihre Form. Es war gemütlich, vertraut, bequem. Sie hätte auch bleiben können. Wenn sie an diesem einen Morgen diese alte Sehnsucht nicht gefühlt hätte, dann wäre sie geblieben. Nur: Als dieses Sehnen sie erreichte, sah sie wieder Farben. Spürte wieder ein Aufkeimen von neuer Kraft. Von Lust.

Die Geschichte macht mich nachdenklich.


Wo bist Du, bin ich, jetzt gerade und sind wir alle schon in der Komfortzone gelandet?

Und welche Sehnsucht ist noch unerfüllt?

Welchen Traum hattest Du einmal und hast ihn verdrängt oder begraben? Und warum?

Manchmal kommen diese Träume mit Vehemenz zurück. Ein kleiner Funke reicht und der Waldbrand ist nicht mehr aufzuhalten.

Und auch dann schrecken wir noch zurück und denken: Das geht doch nicht, das darf ich nicht, ich bin nicht gut genug. Vielleicht schon zu etabliert, zu alt, zu langsam. Oder der Preis wäre zu hoch.

In den vielen Jahren in meiner Praxis habe ich genau das immer wieder gehört:

EIGENTLICH wollte ich ja mal….

EIGENTLICH würde ich ja gern…

EIGENTLICH könnte ich ja…

Eigentl – ICH ! Ist es ja auch noch da, das bunte Leben. Du selbst hast die Tür zugestossen. Du selbst hast Dich in ein Gefängnis gesetzt. Du selbst hast Dich beschränkt. Du selbst hast entschieden wo Du heute bist.

Als Coach muss (und darf) ich Menschen daran erinnern, wer sie sind. Ich erfinde das Rad nicht neu. Ich helfe bei der

Ent – faltung.

der

Ent – wicklung

ES ist alles noch da, in Dir drin. ES ist nur ungelebt, verdrängt. Irgendetwas hat Dir den Mut geraubt oder Du hast es geopfert für eine andere Idee. Vielleicht bist Du super erfolgreich und gleichzeitig unerfüllt. Oder Du steckst fest in Verpflichtungen. Oder Du meinst, nicht zu viel vom Leben verlangen zu dürfen.

Nutze diese neue Woche doch einmal für eine Innenschau:

Welche Sehnsucht ist (noch) unerfüllt?

Welche Wünsche willst Du eigentl-ich unbedingt noch wahr machen?

Wo ruft Dich das Leben?

Was will Dein Herz?

Und nochmals:

Was will Dein Herz?

Spürst Du es? Flüstert es? Sehnt es sich? Ruft es? Schreit es? Wonach?

Willkommen in der Adlerperspektive.

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