Mi Mi Mi

Als ich das erste Mal im Land des Lächelns war, fiel mir wegen der vielen wunderschönen Eindrücke von Thailand gar nicht auf, was diesem Reiseziel diesen treffenden Namen gegeben hat: Die Menschen sind tatsächlich immer am lächeln! In einem Gespräch mit einem Thai fragte ich ihn, was denn alle hier so glücklich macht und ob sie denn nie schlechte Laune hätten. Er sagte: „Wir haben das schon, aber dafür ist niemand anderes zuständig, deswegen belasten wir andere nicht damit“.

Ganz anders hier in den westlichen Ländern, wo es kollektive Endlosschlaufen von negativen Gefühlen gibt, die alle abbekommen. Besonders schlimm diese Tage: Das Jammern.

Wie oft jammerst Du? Und worüber?

Und was macht es mit Dir, wenn andere Dich anjammern?

Als Coach habe ich vielleicht eine längere Toleranzgrenze. Aber wenn es dann ganz lange und immer wieder passiert und es immer die selbe Person ist, dann merke ich, wie mir der Geduldsfaden reisst und ich harsch und bestimmend werde. Denn: Jammern heisst: Ich bin in der Opferrolle und brauche etwas von Dir! Ich möchte dann gerne mal fragen: Hast Du Dir das Jammern selbst beigebracht oder warst Du an der Akademimimi?

Jammern dient nur einem Zweck: Sich Luft machen über die scheinbaren Ungerechtigkeiten. Nach Hilfe betteln. Nach Anerkennung und Trost betteln.

In keinem Fall hat Jammern einen positiven Effekt. Weder für Dich noch für andere. Jammern macht Dich schwach, nimmt Dir die Möglichkeiten selbst etwas zu ändern, bringt Dich in die Kleinkindhaltung zurück.

In letzter Zeit gibt es diesen lustigen Ausdruck: Mi Mi Mi….. und dabei belustigen wir uns über den, der da jammert. Das mimmt dem Ganzen ein bisschen den Ernst und zeigt auch gleichzeitig auf, dass es ein Psycho-Spiel ist, eine verdeckte Transaktion, um Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen.

Meistens finde ich Jammern interessant, manchmal nervt es mich auch. Wenn ich mal jammern muss, dann frage ich mein Gegenüber: Darf ich Dich mal anjammern? Dann hört er/sie mir geduldig zu und dann lachen wir darüber. Weil es eben nur ein Spiel ist, nicht ernst zu nehmen. Manchmal wollen wir einfach mal schwach sein. Dann ist das in Ordnung. Aber danach müssen wir lachen. Die Ärmel hochkrempeln und weiter machen.

Wenn Dein Gegenüber Dich aber anfängt zu nerven mit dem Jammern, dann tut es gut, wenn Du ihn da raus holst. Hör ihm ein paar Minuten zu (mit dem Mi-Mi-Mi im Hinterkopf, so dass Du Dich heimlich ein bisschen amüsieren kannst) und dann frage ihn:

Und was ist jetzt gerade gut?

Und wofür bist Du dankbar?

Das geht ganz schnell. Die Endlosspirale ist beendet und der Andere kommt wieder an die Oberfläche. Den Kopf wieder über Wasser. Und jetzt: Schwimmen!

Jammern hat niemals einen ernsten Hintergrund. Wenn jemand wirklich in schweren Problemen ist, dann jammert er nicht. Dann ist er ganz ruhig, plant den Ausstieg, denkt über die nächsten Schritte nach, ist in Gedanken und Sorgen gefangen. Aber er jammert nicht mehr.

Nimm es also mit Humor, wenn jemand Dich anjammert. Wenn Du ihm gut gesonnen bist fragst Du ihn, was jetzt gerade gut ist. Wenn er Dich nervt und Du ihm nicht weiterhelfen magst denkst Du Mi Mi Mi und gehst selbst weiter.

Niemand jammert für immer. Das ist immer nur situativ. Das Leben geht zu schnell, die Situationen ändern sich zu oft, als das man darin verharren kann.

Bleib aufrecht. Bleib in der positiven Grundstimmung. Finde Lösungen. Geh voran. Und vergiss nicht: Wer spielt ist kreativ.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Ein Gedanke zu “Mi Mi Mi

  1. Das heisst aber schon, dass die Thai durchaus ernste Probleme haben, auch wenn sie lächeln. Auch in Japan ist das kulturell so üblich, allerdings ist dort der Suizid auch gesellschaftlich als edle Lösung anerkannt, ist eine Tradition . Ich habe einige Jahre in Asien verbracht und denke, lieber sagen was ist, als mit Alkohol und Scheinfröhlichkeit die Ärmel hochzukrempeln, – denn das ist der allgemeine Konsens auch im Westen.. Sagen was ist, muss man aber lernen, und es hat mit Jammern nicht so viel zu tun…

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