Berührt sein

Ich hab’s getan letzte Woche. Wieder und wieder und wieder. Ich habe Menschen umarmt, die mir etwas bedeuten. Hab sie fest an mich gedrückt. Bei einigen, die mit dem Angstvirus infiziert sind, haben wir die Köpfe in die andere Richtung gedreht, bei einigen anderen nicht. Es war gut und echt und ehrlich.

Berührung ist unsere erste Sprache, die wir lernen. Als Baby und Kleinkind werden wir ständig berührt. Es ist ganz natürlich, das zu tun. Kinder brauchen diese Kontaktaufnahme. Sie fühlen sich schnell sicher und geborgen, wenn man sie hält, an den Händen nimmt, ihnen weiter hilft und wenn man sie wieder aufhebt wenn sie hingefallen sind.

Berührung ist elementar im Leben. Wir könnten das jetzt physiologisch erklären, das grösste Organ des Körpers, die Haut. Die Hautrezeptoren die einen ganzen Cocktail an Hormonen freisetzen. Die CT Nervenbahnen, Oxytocin und Endorphine, körpereigene Opiate. Reduzierung von Stress und eine ganze Bandbreite von neurologische Prozessen, die von Berührung in Bewegung gebracht werden. Berührung prägt sich in uns ein.

Man kann sich das vorstellen wie in einer Kaninchenhöhle, wo sich diese vielen kleinen Kaninchen, die übrigens auch C-Fasern haben, alle aneinander kuscheln. Damit wissen sie: es ist jemand anderes neben mir, der ist auch warm, das fühlt sich gut an. Der Herzschlag geht runter. Wird ein Kaninchen isoliert, werden die C-Fasern nicht mehr aktiviert und das Kaninchen bekommt Panik.

Aber was macht Berührung im täglichen Leben aus? Wie wichtig ist das für Dich, berührt zu werden? Und damit meine ich: Haptisch. Also nicht über die anderen Sinne, die auch alle fein sind. Ganz handfest also:

Wie wichtig ist Berührung für Dich?

Ich hatte vergangene Woche ein schönes Gespräch mit einem wunderbaren ehemalige Coachee. Ein feiner und erfolgreicher und interessanter Mann, der mir erklärte, dass Berührung bei ihm alles ist. Dass er ohne die Hand seiner Liebsten keine Liebe spürt, auch wenn sie darüber reden würde. Auch wenn der Ring am Finger die Liebe versprochen hat. Das wirkliche „Bonding“ bekommt er, wenn er sie spürt, wenn die Verbindung zu ihm physisch wird und nah.

Nach dem Gespräch war ich dafür sensibilisiert und achtete darauf, was das bei mir auslöst, wen ich berühre, von wem ich berührt werde. Ein fantastisches Experiment, wenn man dafür wieder ganz wach sein darf.

Hast Du heute schon jemanden berührt?

Warum?

Wie hat es sich angefühlt?

Mein Hund macht das ganz schlau. Erst schnüffelt er, ob Gefahr in Verzug ist. Dann kuschelt er sich langsam in die Nähe des potentiellen Streichlers. Dann legt er sich auf die Seite, leicht auf den Rücken und streckt seine Beine nach oben. Ganz einfach. Und dann kommt der lange Knuddel.

Leider können wir nicht die selbe Strategie fahren, um berührt zu werden. Aber wir können dazu einladen. Offen sein. Augenkontakt haben. Wirklich präsent sein mit dem Wesen vor uns. Bezug nehmen im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gemeinsame spüren. Sich verbinden. Dann wird es in der Regel immer zu einer Berührung kommen.

Ich denke gerne an meine Umarmungen letzte Woche. Und an die, die in meinem Leben besonders waren. Wenn Du genau hinspürst, erinnerst Du Dich auch noch an solche. Und wenn Du Dich nicht mehr so genau erinnern kannst, dann – na los.

Lass Deine CT Nervenbahnen diese Woche doch einfach mal richtig ausflippen.

Oder buche mindestens eine Massage. Mit Maske, wenn es sein muss.

Aber sei berührt. Das tut gut und hält Dich gesund.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blogg ist für ganz viele Wunderbare geschrieben, aktuell aber sicher für Anaita, Pan, Mauri und Stephan.

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