Lebst Du noch?

Als meine Kinder klein waren weinte mein Jüngerer immer mal wieder, weil ihm der Körper, speziell seine Beine, so weh tat. Er hatte Wachstumsschmerzen.

Ich weiss noch, wie ich ihn damit tröstete, dass das nun mal zum Grosswerden dazu gehörte, dafür würde er aber ein grosser starker Held werden. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt ein Supermann, ein Held werden. Ich bestärkte ihn gerne darin. Schliesslich hatte ich meinen beiden Söhnen lange genug gepredigt, dass man nicht klein und schwach bleiben soll, sondern gross und stark werden kann.

Heute werde ich hin und wieder damit konfrontiert, dass Menschen dieses Wachstum verweigern. Es ist so bequem in der schützenden Kleinheit zu sein, sich anzupassen, sich da einzurichten wo man eben ist. Sich anstrengen ist bei vielen Menschen nicht mehr angesagt. Wir haben ja heute alles, bekommen alles geboten, werden bespasst und können Bequemlichkeiten kaufen.

Diese Gedanken hatte ich vergangene Woche, als mir ein Endzwanziger erzählte, er habe sich einen Massagesessel gekauft. Ich war wirklich erschrocken. So ein Teil aus der Nostalgie kaufte man doch eigentlich immer erst so nach 70 Jahresringen? Wenn der Körper schon immer mehr morsch war und alles schmerzte?

Ich sah den jungen, gut durchbluteten Mann mit seinen schönen Muskeln in diesem entsetzlichen Stuhl liegen. Und hätte am liebsten einen kleinen Sabotageakt gemacht. Mensch Junge, bewegst Du Dich auch mal? Kannst Du Dich auch noch stretchen statt Dich von einem miesen kleinen Motor amüsieren zu lassen?

Ich musste an die Generationen vor dem Mann denken. Wir hatten uns doch wirklich reichlich bewegt? Uns vorwärts getrieben, die nächsten Ziele anvisiert? Wir hatten erobert und gejagt. Wir waren politisch auf die Strasse gegangen und hatten für Rechte gekämpft. Wir hatten unsere eigenen Berufe erschaffen – ja, auch den des Mental Coaches – und uns immer wieder neu erfunden. Waren rastlos und nie wirklich völlig befriedigt weiter gezogen, auf der Reise nach neuen Zielen und Plänen und Ideen, die verwirklicht werden wollten.

Wie steht es denn heute mit DEINEM Wachstum?

Bist Du schon gewachsen?

Oder wächst Du bisweilen immer noch über Dich hinaus?

Kannst Du Dich noch selbst überraschen?

Stellst Du Dich Deiner Angst, Deinen Zweifeln, deinen Dämonen?

Oder machst Du es Dir bequem und wartest bis der Anfall von Aktionismus frustriert an Dir vorbei gezogen ist?

In meiner Praxis habe ich das riesige Glück, Menschen beim Wachsen zu zusehen und fast immer wachsen sie über sich hinaus. In den vergangenen Jahren durfte ich Menschen in Prozessen begleiten, die die einengenden Hüllen hinter sich lassen konnten und sich frei machten von Begrenzungen innen und aussen. Wie wunderbar, wenn ich sie dann jubeln sah, wenn sie sich die Freiheit (zurück) erobert hatten.

Es ist Arbeit, zu wachsen. Auch immer wieder für mich. Denn es hört nicht auf, dieses Ringen und Winden aus der verdammten Komfortzone. Dieses Aufgeben von zu viel „Gemütlichkeit“ für das, was erreicht werden kann.

Hebe den Blick. Wohin kannst Du Dich als nächstes entwickeln?

Wenn das Leben Stillstand wird, dann sieht es aus wie eine Null-Linie auf einem Monitor. Letztlich ist das die ultimative Visualisierung von Tod.

Du hast es in der Hand. Gehst Du durch Wachstumsschmerzen oder verharrst Du in der Embryohaltung?

Gehst Du mutig und entschlossen weiter oder bleibst Du stehen – oder legst Dich in einen Massagesessel?

Deine Zeit läuft ab. Beweg Dich. Wachse über Dich hinaus.

Werde Superman oder Superwoman!

DU bestimmst Dein Leben.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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