Halt Dich!

In meiner kalten windigen Heimat grüssen die Menschen zum Abschied mit: „Halt Dich!“ Was so viel heissen soll wie: „Halt Dich aufrecht!“

Die aufrechte Haltung war immer wichtig für die Deutschen, besonders für die Preussen – und ich habe oft darüber geschmunzelt und es auch oft genug in Frage gestellt. Muss man denn in jeder Situation Haltung bewahren, keine Schwäche zeigen, aufrecht bleiben? Das brachte mich dazu, etwas über Haltung und Aufrechtes nachzudenken.

Nach einigen Wochen in schmerzgebeugter Haltung und ungeschmeidigem Gang erlebte ich das dann gleich am eigenen Körper: Wie wohltuend es ist, wieder aufrecht zu sein, sich strecken und durchstrecken zu können, die ganze Körperlänge wieder auszufüllen.

Wie durch Zauberei erlebt man dann auch etwas, das sich wie ein inneres Aufrichten anfühlt.

Anatomisch gesehen verringert eine gebückte Haltung das Versorgen des Zwerchfells mit der so notwendigen tiefen Atmung und damit den Sauerstoffgehalt im Blut und im ganzen Körper.

Bleibt die Frage, wie die Körperhaltung konkret die Psyche beeinflusst.
Ein Weg führt über die diversen Rezeptoren in Muskeln und Sehnen, die das Gehirn exakt über die aktuellen Spannungszustände im Körper informieren. Hinzu kommt der Gleichgewichtssinn im Innenohr und natürlich auch so dominante Sinne wie etwa die Augen. Wer dauerhaft den Blick senkt, schmälert sein Selbstbewusstsein. All diese Informationen werden vor allem in den unbewussten Arealen des Gehirns verarbeitet und mit entsprechenden nervösen und hormonellen Signalen beantwortet.

Wir alle wissen wie aufrecht gehende Menschen wirken. Denkt nur an die afrikanischen Frauen, die kerzengerade gehen, auch wenn sie schwere Lasten auf dem Kopf tragen. Die Massai, die mit ihrer Körperhaltung demonstrieren: Ich bin hier, ich bin stolz, ich bin der Meister meines Lebens. Wir kennen diese Haltung von vielen ethnischen Richtungen. Auch die Indianer, die Skandinavier, natürlich die Deutschen, zeigen sich gerne auf Fotografien aufrecht. Das Kinn gehoben, den Blick geradeaus, das verändert das Bild und die Ausstrahlung.

Wenn Du einen Hund hast weisst Du: der aufrechte Gang des Menschen an seiner Leine gibt ihm Sicherheit.

Von der aufrechten Haltung zur Aufrichtigkeit ist es dann nur ein kleiner Gedankensprung.

Aufrichtig – der Begriff hat sich aus ‚aufrecht gehen‘ entwickelt und bezeichnete zunächst nur eine Körperhaltung. Heute nennt man so ein Handeln, dem ein ethisch gutes Denken zugrunde liegt. Der aufrichtige Mensch verzichtet auf Imponiergehabe oder Fassadentechnik. Er muss nicht Eindruck schinden, sein Wissen heraushängen lassen, professionelles Gehabe an den Tag legen. Der aufrichtige Mensch bleibt sich selbst treu. Dazu gehört es, die eigene Überzeugung, die eigenen Gefühle authentisch auszudrücken.

In der Interaktion mit anderen Menschen sind wir aufrichtig, solange wir mit ihnen so sprechen, wie sie mit uns reden können, ohne dass unsere Beziehung dadurch gefährdet würde. Störungen entstehen durch Herabsetzung oder Bevormundung des Gesprächspartners.

Etymologisch ist ein Philosoph der Liebende oder Suchende der Wahrheit und die Aufrichtigkeit ist die Liebe zur Wahrheit und die Achtung vor dieser.

Wer aufrecht ist, steht zu seinen Überzeugungen und verbiegt sich nicht, ist senkrecht wie eine Säule zwischen Himmel und Erde. Dies zeigt sich auch in der Körperhaltung und im freien und offenen Blick, der seinem Gegenüber nicht ausweicht.

Dieser Moment, wenn Du nach einer Weile in Schmerz gebeugter Haltung oder nach langem in sich versunkenen Sitzen wieder aufrecht gehen kannst – verbindet Dich also auch wieder mit Deiner eigenen Authentizität, macht Dich wieder stark und motiviert, Du fühlst Deine Kraft, Dein wahres Selbst und Deine Wirkung auf andere wird deutlich erkennbar sein.

Verbiegen wir uns also nicht, sondern stehen zu uns selbst, unserer Wahrheit, unserem Wesen und zeigen damit Haltung.

… am besten natürlich die Haltung eines Adlers, frei, stolz und in seiner eigenen Kraft ruhend.

Nutze die kleine Inspiration und strecke Dich – jetzt. Und gehe so mal ein paar Meter. Spürst Du die Präsenz?

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

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