Durchhalten, der Frühling kommt!

Heute morgen ging ich durch unseren scheinbar traurigen Garten. Die Erde ist voll gesogen von Feuchtigkeit, das Grün hat weder Kraft noch Farbe, die Bäume sind noch nicht ganz offen, die ganze Landschaft wirkt wie in einer Zwischenstation zwischen Tod und Leben. Die wenigen Knospen sind noch ganz fest verschlossen und klein und zaghaft. Aber hallo, heute scheint die Sonne schon und der Himmel zeigt sein schönstes Blau. Die Temperaturen laden wohl noch nicht zum Draussen verweilen ein, aber das Licht ist wieder auf Frühling eingestellt.

Ähnlich wie in der Natur zeigt sich auch in meinem und dem Leben von Freunden und Klienten dieses zähe und mühsame langsame Ringen nach neuem Leben. Es scheint als ob gar nichts einfach fliesst. Alles ist irgendwie mühevoll und ungeschmeidig. Die Dinge rollen noch nicht. Alles ist wie festgezurrt und doch gibt’s da diese Schubkraft die das pralle Leben zurück will.

Als ich ein paar Schritte ging, hörte ich eine Dame sagen es müsse dann jetzt mal langsam losgehen mit dem Frühling, denn sie hätte es satt, die Kälte, das Karge und dieses Langsamsein und sie wolle jetzt sofort! Licht und Farben und nicht mehr darauf warten. Ich konnte da nur zustimmen. Ich hadere auch damit, dass die Dinge im Stocken sind, nicht im Fluss. Und das obwohl ich die Gezeiten so liebe. Die Ebbe, die Flut. Nie käme es dem Meer in den Sinn zu sagen es mache da nicht mehr mit, das Leben müsse nur Flut sein. Es erträgt die Ebbe, es räumt den Strand, es liebt das Zurückziehen und das Wiederkommen.

Mir fällt die wunderbare Anne Morrow-Lindbergh ein, die in ihrem Buch „Muscheln in meiner Hand“ genau dieses Phänomen so treffend verdichtet hat:

Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe.

Wir haben Angst, die Flut würde nie zurück kehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab – in der Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum je berühren und doch in der gleichen Bewegung sind. Die einzig wirkliche Sicherheit liegt nicht im Soll oder Haben, im Fordern oder Erwarten, nicht einmal im Hoffen. Die Sicherheit liegt allein im lebendigen Bekenntnis zum Augenblick. Denn auch unser Leben muss wie eine Insel sein. Man muss sie nehmen wie sie ist, in ihrer Begrenzung – eine Insel, umgeben von der wechselvollen Unbeständigkeit des Meeres, immerwährend vom Steigen und Fallen der Gezeiten berührt. Man muss die Sicherheit des beschwingten Lebens anerkennen, seiner Ebbe, seiner Flut und seiner Unbeständigkeit.

(Anne Morrow Lindbergh)

Nehmen wir uns also ein Beispiel an der Natur. Sie lässt sich Zeit beim Wachsen und muss auch durch karge und unwirtliche Zeiten. Niemand von uns hätte gerne mit dem Baum draussen im Garten getauscht, der den Winter so stoisch ertragen hat. Und schaut nur an den Fotos unten, es geht wieder los. Nur Geduld. Der Frühling kommt wie jedes Jahr.

Eins aber noch: Adler sind zwar im Allgemeinen still und zirpen nicht… Aber manchmal tut’s auch ganz gut mal ein bisschen zu jammern. Geteiltes „Leid“ hat auch seinen Wert. Also geniessen wir es, in dieser Zeit einmal einem lieben Menschen den ganzen Ballast von der Seele zu quatschen. Und dann: Heben wir den Blick wieder, schauen in den Himmel und wissen: Alles wird gut.

(in diesem Sinne ein herzliches Dankeschön an meine Freundin M.)

Willkommen in der Adlerperspektive!

 

3 Gedanken zu “Durchhalten, der Frühling kommt!

  1. Peter

    Die Knospen schwellen schon an, die Dinge sind in die Wege geleitet.
    Aber wenn du an den Grashalmen ziehst, wachsen sie nicht schneller.
    Und wenn du dir den Frühlin vorstellst, dann hast du ihn in dir, und dann kannst du den Frühling draussen an der Luft schon riechen. Du auch? Alles wird gut.

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  2. Jeanne

    „Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben:
    entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eins.
    ICH glaube an Letzteres.“
    Albert Einstein

    In diesem Sinne vertraue ich – nehme das „grau in grau „ der Natur zum Ausruhen und Kraftsammeln und freue mich auf das Wunder, dass die Natur uns jedes Jahr den Frühling aufs Neue schenkt-genieße die ersten Sonnenstrahlen, Sternmargariten, den Gesang der Vögel…🌸🌸🌸

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