Spätsommer

WOW was war das für ein langer Sommer! Hast Du es genossen? Es war so lange sonnig und heiss und die Abende waren lang. Selbst gestern sass ich noch sehr lange auf dem Balkon bei wunderbaren Temperaturen. Die Störche sind schon abgeflogen Richtung Süden und heute sah ich das erste Mal wieder buntes Laub. Auch in der Ardeche rieseln schon Blätter und der Wein ist voll und süss und ausgereift.

Ja, natürlich haben wir auch alle ein bisschen gelitten an der Hitze. Und die Natur erst! Die sonst so schönen endlosen Wiesen in der Ardeche haben sich in eine Steppe verwandelt. Die Flüsse sind trocken, es gibt nicht mehr viel Futter für die Tiere. 

Aber ach, trotzdem: Was für ein grandios schöner Sommer das war. Und jetzt kommt mein Lieblingsmonat, der September. Und wie die vielen Jahre vorher werde ich mich wieder nach Nordwesten bewegen, auf die herrliche Insel Jersey, mit neuen Adlern. Und danach werde ich mit der Fähre nach Frankreich und von dort aus auf meine grüne Insel reisen.

Warum denn schon wieder 🙂

Ich muss an meine Unfallstelle zurück. Diesmal werde ich zu allererst nach Wexford fahren, in den Süden Irlands. Werde meinen Landy an den Strassenrand stellen und dann ein paar Mal über die Abzweigung gehen, an der ich vor wenigen Monaten fast mein Leben ausgehaucht hätte. Ich erwarte Flashbacks und vielleicht auch Aufschlüsse darüber, was damals passiert ist. Allem voran aber: Das Löschen des Programms. Immer wieder, wochenlang, habe ich vom Aufprall geträumt. Leider gab es keinen Polizeireport und ich weiss nichts Konkretes vom Unfall. Also muss ich mir das selbst zusammen stricken.


Auch das war mein Sommer: Das Zurückkehren in meinen Körper, ins Gehen, ins tiefe Durchatmen. In die Autonomie. Jede Woche brachte mich mehr zurück zu mir und in flüssigere Bewegungen. Schaue ich auf die letzten sechs Monate zurück, dann sehe ich auch einen Kampf um jedes kleine bisschen Besserung. Es wurde lange nicht besser. Ich sass ewig im Rollstuhl, ging ewig an Krücken, hatte ewig Schmerzen. Und dann hat sich der Hebel umgelegt von OFF auf ON und alles wurde leichter. Wie dankbar ich dafür bin.

Dann konnte plötzlich der Sommer kommen, mit allem was dazu gehört. Die Sonne stand hoch, es war hell und strahlend und bunt und lebendig und so hat es das auch mit mir gemacht: Mich beleuchtet. Mich ins Licht stehen lassen. Mich gewärmt. Mich amüsiert. 

Ich denke voll Dankbarkeit an diesen Sommer zurück. 

Natürlich war das alles so auf gar keinen Fall geplant. Ich könnte jetzt woanders stehen, mich anders fühlen, vielleicht sogar besser. Aber hey, der Unfall im Februar hat alles in Frage gestellt, die Karten neu gemischt, mich neu aufgegleist. Ob ich zurück kehre weiss ich immer noch nicht. Noch immer bin ich eine Nomadin, nutze den Flow, tue was ich für richtig und stimmig halte. Es geht wieder ums Tanzen statt ums Leiden. Geht wieder in die Fülle statt ins Aushalten.

Wie war Dein Sommer? War er reich? Was hat er Dir geschenkt?
Bist Du bereit für den schönen Herbst? Das Laub, die Farben, die Ernte, den Wein und die Freudenfeuer?

Und was kommt als nächstes?

Seit Februar habe ich aufgehört zu planen. Ich stelle eine grosse Schale auf und lasse die Geschenke des Lebens hinein plumpsen, direkt aus dem Himmel.

Ich wünsche Dir, lieber Leser, einen wunderschönen September. 

La vie est belle! Das Leben IST SCHÖN.

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