Vom Heimkommen und daheim sein

Vor Jahren las ich einmal in einem Buch: „Alles Weh ist Heimweh“.

Hast Du auch Heimweh?

Und wenn das so ist – wo ist Dein Daheim?

Manchmal braucht es Jahre, Jahrzehnte, um sich irgendwo daheim zu fühlen. Und immer bleibt so eine unbestimmte Sehnsucht. Oder wir haben den Ort, an dem wir daheim waren verloren und sehnen uns zurück.

Eine Frage in meiner Analyse war: Wo fühlt sich Deine Seele zuhause?

Dabei hatte ich mal eine Coachee, die in der Schweiz geboren war mit einem italienischen Vater und einer englischen Mutter. Auf meine Frage antwortete sie: In Afrika. Jahre vorher war sie in einem Austauschjahr in Ghana gewesen und fühlte sich da endlich zugehörig, vertraut, seelenverwandt.

Ich habe auch oft Heimweh. Jahrelang, wenn ich aus dem Süden nach Hamburg reiste, die Bahn durch den Hafen in den Hauptbahnhof fuhr, dann ereilte es mich. Ich bekam immer nur Heimweh, wenn ich zurück kehrte. Ausgelöst über den Duft, die Erinnerungen, die Wetterlage (in dem Fall der Wind), das Meer. Das Meer war es schliesslich, was mir auch Heimweh machte, wenn ich am Strand ankam. Bald wurde es der Nordatlantik der Bretagne, Südengland, Irland. Heute lebe ich in den Bergen. Und habe wieder Heimweh nach dem Meer. Und wenn ich dort bin nach der Schweiz. Heimweh ist so bittersüss, so anheimelnd geborgen, eine schöne Sehnsucht, melancholisch und schmerzlich und schön.

Heimweh zeigt dann auch Verbundenheit und Zusammengehörigkeit und es kann schön und nährend für uns sein. Das Gefühl zuhause, angekommen, willkommen und geborgen, sicher und vielleicht auch ersehnt und erwartet zu sein. Wir können ja auch sagen: Ich bin bei jemandem zuhause. Oder: Ich fühle mich bei Dir zuhause. Und das heisst: Du gehörst zu mir, ich hab dich gerne um mich.

Aber Heimweh heisst auch: Ich bin auch ein bisschen auf der Suche nach mir selbst, weil ich den Ort finden möchte, an dem ich ankommen und bleiben kann.

Ein Ort, an dem Du Dich besonders vertraut fühlst. Vielleicht wegen der Sprache, dem kulturellen Umfeld, dem bekannten Essen, der Sprachmelodie, dem Temperament, den Düften, der Wetterlage, der Vegetation, der Umgangsformen. Vielleicht weil es einfach total richtig für Dich ist und Deine Seele tanzen will, wenn Du dort ankommst.

Wo fühlst Du Dich zuhause?

Was brauchst Du, um Dich zuhause und angekommen zu fühlen?

Welchen Duft?

Welche Farbe?

Welche Typ Menschen?

Welches Essen?

Welche Stimmung?

Welche Geräusche?

Welche Temperatur?

Fühlst Du, wenn Du diese Fragen beantwortet hast, wie einfach „Stay at home“ wäre?

Und wenn Du nicht wohl bist, da wo Du gerade bist, hast Du dann den Mut, nach Hause zu gehen, dahin, wo Dein Herz Dich hin zieht?

Denn „Folge Deinem Herzen“ heisst ja auch: Suche den Ort, an dem Du bleiben magst. Den, der Dich nährt und glücklich macht. An dem Du spürst, dass Du dazu gehörst, wo Du willkommen bist.

Das Thema Daheimsein ist auf eine ganz andere Weise in uns getriggert worden in den letzten Wochen. Jetzt darfst Du einmal heraus fühlen, ob Du gerne daheim bist. Oder ob Du woanders daheim sein magst.

Und zuletzt noch eine kleine Geschichte vom Daheimsein. Mein Hund, ein sibirischer Husky, der auf Zypern zuhause war, ist seit knapp 16 Monaten bei mir. Ich musste ihn, weil er sehr wild ist, immer an der Leine führen. In den letzten Wochen, in denen wir daheim bleiben mussten, sind wir intensiver denn je zusammen gewachsen. Jetzt hat er verstanden, wo und bei wem er daheim ist. Die Leine durfte weichen, er fand allein den Weg nach Hause. Und heute entschlüpfte er mir auf einer Wiese aus dem Hundezaum. Er tanzte wie wild alleine über das Gras, ich rief ihn und öffnete die Arme. Da kam er freudig schwanzwedelnd zu mir gerannt und freute sich, zu mir zu gehören. Das erste Mal. Siehst Du: Angekommen.

Ich wünsche Dir, dass Du Dein Daheimsein geniessen kannst.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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