Eine Woche voller Wiedersehen!
Als ich in der vergangenen Woche meine allerliebste Stadt in der Bretagne, das schöne St.Malo, besuchte, da war es voller Zauber. Nicht nur der Strandspaziergang am langen Plage de Rochebonne in Le Sillon. Auch eines meiner liebsten Hotels, das Manoir de Cunningham, empfing mich ganz besonders nett. Und dann durfte ich wieder eintauchen, in die historische Altstadt. Ich genoss meine Lieblingscrêpe, mit gerösteten Mandeln, Zitronensaft und Honig im Duchesse. Schlenderte durch die kleinen Gassen auf der Suche nach einem besonderen Accessoire und sass schliesslich bei einem Café noisette im Maison Generale. In diesem ganz besonders schönen Bistro hatte ich ein Kapitel meines Buches platziert und nun sass ich da und war so sehr in meinem Film, dass es sich total real anfühlte.
Wie gut, dass ich hier auch eine alte Freundin wieder sehen konnte, die ich viele Jahre nicht getroffen hatte. Mit ihr und ihrer Reisegefährtin sassen wir im Bistro, plauderten, lachten und die Zeit verflog viel zu schnell. Wie herrlich diese Begegnung mit zwei grossartigen Frauen! Ach, das Leben war wieder gut!
Und schliesslich wurde mir bewusst, dass es viele Wiedersehen gegeben hatte und eins nach dem anderen reihte sich ein und wurde zu einem weiteren Juwel in meiner Schatzkammer.
Noch vor acht Monaten wusste ich nicht, ob ich jemals wieder gehen, schlendern, tanzen würde und jetzt trugen mich meine Füsse durch die bekannten Strassen, an Orte, die mir herrlich vertraut sind. Es war auch eine Rückkehr in meine Freiheit, meine Autonomie und meine hedonistische Grundhaltung, dass ich jetzt wieder zurück in meinen liebsten Orten war.
Und die Reise ging ja weiter, durch den Norden der Bretagne in die Normandie, in dessen schöner Küstenstadt Cherbourg ich die Fähre nach Dublin nehmen konnte. Nach einer ruhigen Überfahrt ging es wieder auf meinen geliebten irischen Boden. Schon an der Passkontrolle hörte ich: Céad míle fáilte – Hunderttausend Mal willkommen!
Und das war ich dann auch, ich fuhr über die irischen Strassen mit klopfendem Herzen und wurde überall willkommen geheissen, heftig umarmt und fest gedrückt. Der Unfall im Februar hatte unsere Wiedersehen geschärft, besonders wertvoll gemacht, vieles nochmals neu betrachten lassen.
Und ich dachte dann auch über dieses Wiedersehen nach, das sich durch die Ereignisse zu Jahresbeginn so völlig frisch und kostbar anfühlte. In den letzten Monaten gab es viele solche Wiedersehen. Natürlich auch, weil ich so lange auf Reisen war, aber eben auch, weil die Chance zu einer neuen Begegnung sich verringert hatte. Ich schaute in vertraute Gesichter und ging zu heimeligen Orten und dachte: Ach, wie schön, dass ich wieder hier bin. Bis es schliesslich zu einer guten Erkenntnis wurde: Ach, gut, dass ich noch da bin! Damit hatte ich lange genug gehadert und jetzt wurden mir die Geschenke in die Hände gelegt.
Und ein weiteres Phänomen zeigte sich mir da: Wenn nichts mehr sicher ist, dann kann man etwas wieder sehen, was man lange als zu selbstverständlich angesehen hat. Es war ein bisschen wie mit neuen frischen Augen zu sehen, wie das allererste Mal. Mit der Champagnerlady hatte ich Jersey nochmals ganz neu gesehen, quasi durch ihre Augen, da sie keinen dieser Orte kannte. Mit der letzten Coachee hatte ich mich dann erinnert an den selben Orten, weil wir dort gemeinsam Geschichte geschrieben hatten.
Ein lieber Coachee aus Südtirol hatte mir mal geschrieben: Jeden Morgen mache ich zwei Geschenke auf: Das rechte und das linke Auge.
Und so fühlte es sich auch in den letzten Wochen und Monaten an: Fast wäre mir das Leben durch die Finger geglitten, also war jetzt alles wieder neu und wertvoll und wunderbar. Denn wir wissen ja nicht, wie lange das noch da sein wird, wie lange wir es noch sehen, erleben und berühren können. Die Nachrichten der letzten Tage haben gezeigt, wie fragil alles sein kann.
Das gilt für uns alle, denn das Leben hat keine Garantie ewig so weiter zu gehen, wie wir uns das ausgemalt haben. Nichts wird jemals selbstverständlich sein – magst Du Dich auf diesen Satz einlassen? Macht es das Leben und alles um Dich herum dann nicht automatisch viel schöner?
Also – umarmen wir doch, was wir haben. Bestaunen und bewundern wir, was das Leben lebenswert macht. Ganz einfach.
La vie est belle! – Das Leben ist schön!


