Lust bis zum Ausbrechen

Letzte Woche lernte ich diese wunderbar wilde Frau kennen. Ein Tausendsassa. Eine Frau mit sehr vielen Talenten und noch mehr übersprudelnder Lebensfreude. Ihre Augen gross und offen und ihre Hände nehmen viel Raum in sich auf – mit beiden Händen greift sie in die Welt, ist neu-gierig auf der Suche nach Inspiration und Aufregung, will alles und mehr, sich ausdrücken, das Leben in sich aufsaugen. Was für eine Wohltat, mit einem so inspirierten und hungrigen Menschen zu sprechen. Ich habe es sehr genossen. Aber ich weiss leider auch um die Gefahr, die ein derart euphorisches Leben mit sich bringt.

Im Deutschen sagt man: Diese Kerze brennt an zwei Enden.

Im Laufe der Jahre als Coach habe ich einige solche Menschen kennengelernt. Meiner Meinung nach: Zu wenige. Und trotzdem. Sie sind da und sie brennen lichterloh. Ob das gut ist?

Als ich in meinen Zwanzigern ebenso gierig war, die Welt auf den Kopf stellen und am liebsten alles gleichzeitig erleben wollte, kam ich, nach einer illegalen politischen Aktion, einmal in „wohlwollende Hände“. Die ältere Dame sagte zu mir: „Du wirst auch noch ruhiger!“. Es schien mir wie eine Drohung. Und noch heute ist es das für mich. Warum denn ruhiger werden? Warum denn nicht brennen bis alles ausgebrannt ist?

Unsere Gesellschaft geht nicht gut mit Menschen um, die so sehr brennen. Sie sind nicht einfach zu handeln. Mit dem Speed eines derart wilden Menschen wird den anderen oft bewusst, wie hypnotisiert oder komatös sie schon lange leben. Statt dann das Feuer zu verteilen, verbrennen solche Menschen an ihrer Lust und Leidenschaft.

Ich glaube: Das wirkliche Burnout besteht darin, dass der Mensch sein Feuer nicht an der Stelle eingesetzt hat, an der sein Herz gebrannt hat. Sondern sich irgendwo anders zu lange angestrengt hat, während die Flammen im eigenen Herzen verkümmert sind.

Wir alle kommen mit einem brennenden Wunsch auf die Welt. Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht. Wir alle wollen etwas tun mit diesem wilden Herzen. Nach und nach aber wird es betäubt, fremd gesteuert, beeinflusst und oft schliesslich gelöscht. Das beginnt schon in der Schule, in der wir nie gefragt werden, was uns interessiert, wo unsere Talente liegen, was wir begehren zu lernen.

Es gibt einige Beispiele von brennenden Menschen, deren Charisma umwerfend war, die riesige Talente hatten und schliesslich doch daran verzweifelt sind, weil sie es nicht gelernt hatten, sie „vernünftig“ und dosiert zu geniessen. Ein paar Beispiele: Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse, Yves Saint Laurent, Marilyn Monroe, JFK, Kurt Cobain, Klaus Mann… die Liste wäre sehr lange. Oft waren es Künstler, Menschen in der Öffentlichkeit, Menschen mit Strahlkraft und gesegneten Talenten.

Wie also umgehen, dass die Kerze nicht zu früh verbrennt?

Der erste Schritt muss immer sein: Herauszufinden wofür man brennt, welche Sehnsucht man in seinem Herzen trägt, was ausgedrückt werden will. Auch: Was für andere von Nutzen sein kann, wenn wir es zur Verfügung stellen.

Und dann unseren Verstand zu benutzen um das Gefährt zu lenken.

Es hört sich einfach an. Und ist dennoch sehr schwer, weil viele von uns das Herz schon beschwert haben mit den falschen Inhalten, mit dem Durchhalten von Ungeliebtem.

Es wird Zeit, wieder auf unser Herz zu hören und zu fragen:

Was willst Du wirklich leben und ausleben?

Geniessen und entfalten?

Ent-wickeln?

Im Grunde brennen wir alle. Manche nur noch auf Sparflamme. Einige, wie meine Coachee der letzten Woche, als Waldbrand aus sich heraus.
So lange wir leben brennen wir.

Wofür brennst DU?

Und was tust Du damit?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Dieser Blogg steht für die, die (wieder) auf ihr Herz hören. Und damit Du Dich wieder daran erinnern kannst ist hier noch ein Video für Dich. Amüsiere Dich. Dann: Öffne Dein Herz so weit wie ein Scheunentor und frage, was es begehrt.

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