Ein menschliches Wunder

Meine Freundin ist eine Heldin.

Ich muss diesen Satz so stehen lassen, er muss in seiner ganzen Aussagekraft wirken.

Und ich rede nicht einfach „sweet“ sondern: Sie IST eine Heldin.

Kürzlich gab es in meiner Stadt eine sehr gefährliche Messerstecherei. Zwei Jugendbanden waren übereinander her gefallen.

Meine Freundin ging gerade beschwingt nach Hause vom Einkaufen, als mehrere Kinder schreiend zu ihr liefen und sie baten die Polizei zu rufen. Die Kinder waren blutüberströmt und boten einen Anblick des Grauens. Die Passanten, an denen die kids bereits vorbei gerannt waren, hatten nicht geholfen. Sie aber legte die kids auf den Boden und verschaffte sich einen Überblick über die Situation.

Da sie Krankenschwester ist wusste sie, was zu tun war, sie begann sofort die Blutung des am schlimmsten Verletzten zu stoppen, in dem sie ihre Kleider auszog und auf die Wunde drückte. Sie rief um Hilfe. Die Polizei hatte eine Warteschleife. Die umgebenden Personen wichen zurück. Setzten sich zum Teil in einiger Umgebung oder stellten sich gaffend auf die Strasse. Niemand half oder gab auch nur ein Stück Stoff. Schon bald waren ihre Hände voll mit Blut, die Wunde sprudelte, die anderen Kinder drum herum brauchten auch Hilfe, aber sie hatte nur zwei Hände.

Zu ihrem guten Glück kam nach einiger Zeit ihre Tochter, auch eine Krankenschwester, aus dem Supermarkt und half sofort. Während beide tapfere Frauen um das Leben der Kinder kämpften bis die Polizei und die Rettungswagen da waren, wurde die Traube der Gaffenden grösser. Die Autos rollten langsam am Geschehen vorbei, einige filmten oder fotografierten. Eine Traube von anderen Kindern, aus der selben Gang, auch aus der gegnerischen Seite, standen am Hilfeort, jederzeit hätten die beiden Frauen selbst wegen ihrer Hilfeleistungin tödlicher Gefahr befinden können. Gott sei Dank eskalierte es nicht weiter. Eine Stunde später waren die kids im Spital und die wilde Polizeihatz auf die Täter begann.

Die Daten meiner Freundin und ihrer ebenso wundervollen Tochter wurden nicht aufgenommen. Niemand half den beiden, sich zu reinigen, sich wieder zu beruhigen. Sie hatten in höchster Not geholfen. Laut Aussage der Polizei „freiwillig“ und deshalb nicht erwähnenswert im Bericht.

Im Nachgang zu der Tat waren beide Frauen traumatisiert. Niemand hat ihnen geholfen. Niemand ihnen Anerkennung ausgesprochen. Die Kinder hätten diesen Überfall vermutlich ohne die Ersthilfe nicht, oder nur mit schweren Schäden vom Blutverlust überstanden.

Diejenigen meiner Leser, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich laut und legendär fluchen kann. Und ihr wollt gar nicht hören was ich zu den Zuschauern zu sagen habe.

Ganz besonders erschüttert mich aber, dass wir in einer Zeit leben, in dem wir zusehends unmenschlicher werden. Und so darf ich diesen Blog dafür nutzen aufzurufen:

Für Heldentaten

Für Hilfe am Mitmenschen

Für Mitgefühl

Für Anerkennung

Die Zeit, in der wir alle wegschauen, statt einzuschreiten MUSS vorbei sein. Jeder und jede darf sich fragen: Wo kann ich helfen? Was kann ich tun?

Wie kann meine Anwesenheit in der Welt dazu beitragen dass sie etwas besser wird?

Wie kann ich HANDELN statt nur zu reden?
Wie kann ich etwas tun statt nur zuzuschauen?
Wie kann ich helfen?

Zurück zu meiner Freundin. Es war niemals ihre Pflicht zu handeln, auch wenn sie Krankenschwester ist. Auch nicht die ihrer Tochter, obwohl sie Krankenschwester ist. Auch nicht ihres Sohnes, der Feuerwehrmann ist, der gerne sofort gekommen wäre um zu helfen. Das ist eine Heldenfamilie.
Niemand, niemand! ist so selbstlos und hilfsbereit wie diese beiden Frauen gewesen.

Wenn Ihr das Bedürfnis verspürt etwas zu schicken, etwas mitzuteilen, so werde ich die Nachrichten gerne weiterleiten.

Schaut: Aus der ADLERPERSPEKTIVE gibt es nur eins, was hier zu tun ist:
Sich zu verneigen.

Für Daniela und Jenny. In tiefer Dankbarkeit.

2 Gedanken zu “Ein menschliches Wunder

  1. Ilona Bryner

    Liebe Daniela und liebe Jenny
    Meine allergrösste Hochachtung vor eurer Haltung, und eurem selbstlosen Einsatz in dieser heiglen Situartion. Das es Menschen gibt die sich auch noch gaffend neben euch gestellt haben ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich. Doch ich bin überzeugt das ihr auf ganz viele Menschen und vorallem auch auf die Kinder, denen ihr helfen konntet grossen Eindruck gemacht habt und auch für sie unvergessen bleibt.Spurlos geht ein solches Geschehen nicht an den Menschen vorbei und ihre Dankbarkeit ist euch gewiss.
    HOCHACHTUNGSVOLL ILONA BRYNER

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