Masterpiece

Bei meinen gefühlten 35 Umzügen in den letzten 20 Jahren ist vieles verloren gegangen. Nicht, weil es einfach so passiert ist. Einfach weil ich mich davon verabschiedet habe. Ich hänge nicht an Dingen, ich kann ganz gut loslassen.

Ein paar Sachen – vielleicht sollte ich ein Paar sagen, denn es sind nur zwei, haben überlebt. Sie haben mein ganzes langes Leben überlebt und sind die Erinnerungsstücke an meine Kindheit. Ein verknautschter kleiner Hund, den ich wohl mit etwa 6 Jahren bekommen habe und Snoopy nannte. Und: Mein Masterpiece. So nenne ich es amüsiert gerne.

Mein Masterpiece ist das einzige Stück, das ich je richtig schön gemacht habe in einem Schulfach, das damals „Nadelarbeit“ hiess. Ich hasse nähen. Ich hasse basteln. Ich hasse alles was mit Handarbeit zu tun hat. Nun, ich muss es so sagen: Ich hasse es, es selbst zu tun. Ich mag es sehr, wenn andere für mich so etwas tun. Aber ich habe eine ausgeprägt intensive Abneigung gegen alles, was akkurat und schön und reglementiert gemacht werden muss.

Dieses Masterpiece also, ich fertigte es in der Grundschule, weit vor meinem 10.Lebensjahr. Es ist ganz hübsch. Gestickt. Es ist – ich muss schmunzeln: Ein Nadelaufbewahrungsteil. Natürlich war es niemals gut bestückt, weil ich eben nun mal nicht nähe. Trotzdem schleicht es mit mir durch die Jahrzehnte. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich besonders mag. Aber es zeigt mir, dass ich mich einmal überwinden konnte, wenn auch mit sanftem Zwang, etwas zu tun was mir zutiefst zuwider war.

Warum ich gerade heute darauf stosse?

Ich habe mich gefragt, welche drei Dinge ich retten würde, wenn das Haus abbrennt. Nachdem alle Menschen und Tiere bereits gerettet sind natürlich. Es war tatsächlich zu meiner riesigen Verwunderung dieses Masterpiece und der kleine Stoffhund. Weil es nicht mehr zu beschaffen ist. Weil es eine Geschichte erzählt. Weil es vielleicht auch eine frühe Erinnerung ist. Eine, die ich nicht missen möchte.

Vor einigen Jahren hatte ich einen Coachee, der mir von seinem roten Auto erzählte. Er war das 8.te von 8 Kindern, der Kleine. Diese Tage wird er 70, damals, als er die Geschichte erzählte war er so alt wie ich jetzt. Er erzählte mir, wie er als kleines Kind auf dem Bauch lag in einem Sandkasten und mit seinem roten Spielzeugauto die Sandberge hoch und runter fuhr. Es war sein einziges Spielzeug und mächtig stolz darauf. An diese Geschichte muss ich immer denken, wenn ich mit dem Coachee ab und zu spreche. Es hat etwas Berührendes, diese Einfachheit der ganz frühen Lebensjahre Revue passieren zu lassen.

Welches ist Dein Masterpiece?

Woran erinnerst Du Dich? Hast Du es noch?

Was löst so ein Teil, so eine Erinnerung, in Dir aus?

Welchen Schatz hast Du noch, der schon lange bei Dir ist, den Du nicht verabschieden möchtest?

Wir alle haben diese kleinen sentimentalen Erinnerungen, es ist gut, wenn wir sie bewahren. Sie holen uns ein schönes Erinnerungsmomentum zurück, das uns viel über den Menschen erzählen kann, der wir heute sind.

Vielleicht nutzt Du diese Tage in dem noch frischen Jahr nochmals dafür, zurück zu denken, Dich zu erinnern und die ganze Zeitreise noch einmal zu machen.

Bist Du dann stolz, wer Du heute bist? Kannst Du eine Verbindung eingehen, zu dem Kind, das Du warst? Kannst Du lächeln bei der Erinnerung und hast Dich gut in Deinem Herzen verankert?

Und: Wenn Dein Haus abbrennt, welche drei Dinge rettest Du dann?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich Mart in liebevoller Erinnerung. Für mich bleibst Du für immer jung.

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