Gut genug

Letzte Woche traf ich nach Jahren eine wundervolle Frau wieder. Sie ist Unternehmerin und sehr erfolgreich, gut bekannt und auch geschätzt. Es war lange her, dass ich sie gesehen hatte. Aus meinen Coachingstunden mit ihr wusste ich, wie viel Wert sie auf eine gute Figur legt und wie gesund sie lebt und trainiert. Ich war ein bisschen nervös vor dem Treffen. Sie kam ganz ohne Attitüde und völlig lässig, war wie immer gertenschlank und attraktiv.

Als sie sich einen Cappuccino und ein „leeres“ Brötchen bestellte musste ich schmunzeln und dachte: daran sollte ich mir ein Beispiel nehmen. Und dann kam der Überraschungsmoment. Als der Cappuccino da war, öffnete sie zu meinem Erstaunen eins der Zuckertütchen, rieselte es auf ihren Kaffeelöffel und bedeckte den Löffel mit Schaum. Dann schob sie den Löffel in den Mund und feierte das Knistern und die Süsse, als sie den Zucker genüsslich zerkaute.

Es war nur ein Detail. Aber mit so viel Selbstverständlichkeit und ungekünsteltem Spass gepaart, war es für mich einer der besten Momente der Woche.

Auch im Gespräch gab es nachher viel Inspiration. Inzwischen sind fast 10 Jahre vergangen, dass sie in meinem Coaching war, aber wir konnten problemlos wieder anknüpfen und lachen und verbal Pingpong spielen. Ein Vergnügen.

Mit einer der Aussagen traf sie dann ins Schwarze.

Mit einigen privaten und beruflichen Dingen waren wir schnell beim „Glücklichsein“ angelangt. Und sie sagte, klar würde nicht alles immer nur rund laufen, es gäbe immer Luft nach oben aber manchmal wäre „good enough“ eben auch genug.

Gut genug!

Sie selbst: gut genug. Die beruflichen und privaten Belange: gut genug.

Sie hat mir gezeigt, dass „gut genug“ eben auch manchmal genug ist. Und sie hat mich damit inspiriert, diesen Beitrag zu schreiben.

Wann ist es für Dich mal „gut genug“?

Können wir in einer Welt, in der wir immer nur nach dem Besten streben, auch einfach mal sagen: DAS reicht jetzt, so kann das bleiben? Es muss sich nicht noch mehr verbessern? Es darf auch einfach mal genügen?

Wenn man mit jemandem zusammen sitzt und zu einem feinen Essen eingeladen ist und der Gastgeber Dich fragt, ob Du noch ein weiteres Stück Kuchen oder noch einen Kaffee oder noch einen Schluck Prosecco möchtest, dann sagen wir ja auch gerne: Nein danke, ich habe genug.

Genug haben ist doch auch sehr entspannend. Das heisst doch auch: Ich bin satt. Ich bin vollständig umsorgt. Ich brauche nicht noch mehr davon.

Ich sage manchmal: Heute habe ich genug geredet. Das heisst dann auch: Ich habe genug zugehört, ich habe genug dazu gesagt. Jedes Mehr wäre jetzt zu viel.

Wie oft sind wir genügsam?
Wann hast Du genug?

Kannst Du die Entspannung spüren, wenn Du sagst: Danke, ich habe genug davon?

Im Gespräch mit der Unternehmerin sagte sie das so wunderbar: Es ist gut genug. Es ist ausreichend und ich kann es so nehmen wie es ist.

Das Treffen war für mich in jeder Hinsicht ein riesiger Gewinn denn an diesem Tag und auch an den nächsten Tagen sah ich Dinge mit anderen Augen und sagte immer: Good enough.

Das Erreichen meiner Ziele im Coaching: gut genug.

Mein Intervenieren bei einer Krise: gut genug.

Meine Zwischenziele: gut genug.

Mein Auto: gut genug.

Meine geographische Heimat: gut genug.

Sogar mein Kontostand: gut genug.

Ich selbst: sowieso gut genug.

Wann ist es für Dich genug?

Ich meine damit nicht, dass Du nicht weiter streben kannst. Oder Dein Potential nicht ausreizen solltest.
Nur: einfach mal durchatmen und sagen: Ach. Gut genug! Alles da was ich brauche!

Ich wünsche Dir eine entspannende Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

Dieser Blog ist für F. mit Dank für zwei vergnügliche Stunden.

 

PPS. ich habe bewusst keinerlei Bezug auf die Coronakrise genommen. Darüber sprechen genug Menschen und es gibt genug Meinungen und Theorien und ganz ehrlich: Ich hab genug von dem Thema.

 

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