Thomas

Heute hatte ich einen bretonischen Flirt 🙂 Ich war auf dem Markt in Brest und schaute mir das köstliche Gemüse an, während ich das französische Wort dafür überlegte. Da stand ein Hühne von einem Mann neben mir, ein älterer herrlich französischer Mann, der mich spontan ansprach. Es war etwas regnerisch und er fragte mich, ob mir das Wetter etwas ausmacht. Ich verneinte und er sagte: Du siehst ja auch so glücklich aus, das dachte ich mir schon.

Wir trafen uns ein paar Stände weiter erneut. Inzwischen war ihm wohl meine Aussprache aufgefallen und er fragte ob ich Engländerin sei. Das beantworte ich ja immer gerne mit „Ja“, obwohl es nicht stimmt. Aber es ist vor allem in der Bretagne ohnehin nicht möglich, jemandem zu begegnen der ausgerechnet Deutsch spricht.

Wir kamen ins Gespräch, er hiess Thomas und fragte mich, ob ich Marie heisse. Nein, nein? Wie komme er denn darauf? Er sagte ich sehe aus wie eine Marie. (natürlich französisch ausgesprochen). Ich sagte so weit weg sei er da nicht, es sein Maren, auf französisch Marine. Wir lachten und plauderten ein wenig und er machte auch anderen Damen Komplimente. Ich sagte ihm: Hey Thomas, Du bist ja ein richtiger Charmeur. Das freute ihn und er fragte ob ich mit ihm einen Cafe au lait trinken gehe. Na, warum auch nicht? Ich habe gerade so viel Zeit, da kann ich völlig verschwenderisch damit sein.

Wir gingen nach einigen restlichen Einkäufen in ein Bistro und bestellten Cafe et Galette (salzige Crepes) und sprachen darüber, wer wir sind und was wir hier tun…

Thomas kommt aus einer Familie, die seit einigen Generationen mit weissem Thunfisch handelt. Die kleine Manufaktur heisst „La belle Iloise“, sie machen wunderschöne Dosen mit herrlichen Kompositionen an Fischkonserven. Wie oft habe ich diese leckeren Kreationen schon in meinem liebsten Delikatessen Geschäft in Orleans gekauft! Wir kamen schnell ins Fachsimpeln, ich als touristische Geniesserin und er als Spross der Familie, die das Unternehmen gegründet hat.

Thomas ist nur einer der zahlreichen Söhne des Firmengründers, sein Bruder Bernard leitet das Unternehmen und Thomas tingelt. Ich musste schmunzeln, als er mir erzählte dass er sich nicht so benehmen kann, wie seine Familie das von ihm möchte. Davon zeugen auch seine vielen Liebschaften, seine drei Kinder von drei schönen Frauen und seine Wohnsitze, die sich überall auf die Bretagne verteilen. Er ist ein Lebemann, versorgt seine Frauen alle gut, führt mit fast allen noch eine Beziehung, obwohl er inzwischen bald auf die 60 zugeht. Ich habe gestaunt und gelacht, weil er so ein wildes Raubein ist und ich mich in vielem, was er erzählte, wieder erkannte.

Wir sprachen fast zwei Stunden, in englisch und französisch, dessen bretonischer Akzent es mir fast unmöglich machte, alles zu verstehen. Und natürlich versuchte er, auch bei mir zu landen. Wobei ich ihm sagte, dass ich zu alt für seine „Collection d’amoureuse“ sei, was er natürlich nicht hören wollte.

Wie stolz sind die Bretonen auf ihr Department! Mehr als einmal hatte ich schon gehört, dass sie unterscheiden, ob man Franzose oder Bretone sei. Und man könne das auch nicht erwerben, selbst wenn man 30 Jahre hier lebte, man sei eben doch nur ein Franzose der in der Bretagne lebt. Ich erzählte ihm, dass ich nach 30 Jahren in der Schweiz (inzwischen hatte ich ihn eingeweiht) auch nur ein „Papierli-Schweizer“ bin und trotzdem das meine einzige Staatsbürgerschaft ist, immer noch eine „Deutsche“ sei für viele meiner Eidgenossen. Nun ja, man ist eben, was man ist. Wir lachten viel. Das Wort Papierli-Schweizer wollte er dann in Originalsprache beherrschen, wenn er die Geschichte unserer Begegnung weiter erzählen würde.

Im Anschluss an unser vergnügliches Mittagessen schlenderten wir noch durch Brest und ich machte noch ein paar Einkäufe. Er wollte, dass ich immer „Breton“ kaufe, ob das Salz, Milch, Butter oder Frischkäse war – und ich tat ihm gerne den Gefallen, weil ich auch so verzaubert bin von diesem schönen Department am Ufer meines liebsten Meeres.

Er brachte mich zu meinem Auto – ahhh! Ein englisches Auto! Also doch eine Engländerin! Und dann packte er mich und drückte mir einen dicken Kuss auf den Mund. Wie hatte er Glück, dass ich nicht nur Zeit habe, sondern im Moment auch so tiefen-entspannt bin, sonst wäre das nicht so glimpflich für ihn ausgegangen.

Ich verzeihe es ihm. Er hat mich amüsiert. Und es war eine weitere schöne Begegnung.

Denn: La vie est belle! Das Leben ist schön.

2 Gedanken zu “Thomas

  1. Avatar von Gunnar Hopf Gunnar Hopf

    Liebe Maren,

    schön immer wieder Mal eine deiner Erlebnisse zu lesen.

    Ich wünsche dir weiterhin gutes Reisen und Erleben.

    Liebe Grüsse aus Bayern

    Gunnar

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  2. Avatar von Gunnar Hopf Gunnar Hopf

    Gunnar Hopf

    Liebe Maren,

    schön immer wieder Mal eine deiner Erlebnisse zu lesen.

    Ich wünsche dir weiterhin gutes Reisen und Erleben.

    Liebe Grüsse aus Bayern

    Gunnar

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