Im freien Fall

Tief im Maggiatal, genauer im Valle Bavone, exakt in Foroglio gibt es einen unglaublichen Wasserfall, der mich zu meinem nächsten und wichtigen Blogbeitrag inspiriert hat. Wenn man unten am wilden Fluss steht, der das Wasser aus dem Wasserfall transportiert, sieht man nach oben und da – kommt das Wasser direkt aus dem Himmel gefallen. Es gibt einen steilen und anstrengenden Weg nach oben, den man klettern und gehen kann und dann steht man direkt daneben, wo die Wassermassen auf die Granitsteine prallen. Das Geräusch ist unglaublich! Die Energie elektrisiert sofort und man spürt die Urkraft der Elemente. Das Wasser hier fällt sehr weit, man kann sogar einzelne Wasserzellen mit den Augen verfolgen wie sie nach unten fallen –

  • im freien Fall

…und was uns allen im Leben so viel Angst macht, der freie Fall ohne sicheren Boden unter den Füssen – ist hier eine Schönheit, die man bewundern kann und muss. Die Fontänen fallen nicht in ein Wasserbecken, wie in anderen Wasserfällen dieser Art, sondern prallen ohne Zurückhaltung auf den Felsen, auf die Granitblöcke, die hier erstaunlicherweise nicht ausgehöhlt und abgeschliffen sind, sondern scharf und kantig das Wasser teilen. Ein Teil fliesst in den wilden kleinen Bach, der über Steinformationen nach unten läuft. Ein Teil spritzt in alle Himmelsrichtungen und versorgt die Pflanzen darum mit üppigem Wachstumselexier und der Rest verdampft und zieht, je nach Wind, in alle Himmelrichtungen.

Der Wasserfall transformiert sich – und das kann er nur, weil er bereit ist zu stürzen, zu sterben, sich neu zu erfinden.

Ähliches passiert dem Adler, wenn er etwa 40 Jahre alt ist. Er muss sich transformieren um weiter zu leben. Einer indianischen Legende zufolge werden Adler etwa 70 Jahre alt. Irgendwann in der Mitte seines Lebens passiert es: Die alten stärksten Federn sind zu schwer geworden, der Schnabel zu lang, die Krallen an den Greif zu abgestumpft. Er zieht sich zurück, wetzt, zieht sich die schweren langen Federn aus dem Gefieder, wird wieder neu und frisch und scheint sich zu verjüngen. Danach muss er das neue Gefieder wieder einfliegen, muss sich neu ausprobieren. Mit dieser Transformation schafft er etwas, das wir alle in unserem Leben gut gebrauchen können: Sich wieder neu zu erfinden, auszuprobieren, den Flug verbessern, die Jagd überdenken.

Die Urkraft der Erde gibt uns das bereitwillig ab: Die Gravitation, die Aufwinde, die Feuer, das fliessende Wasser. Die Sonne, die Wolken, die Entladung der Spannung in der Luft wenn ein Gewitter kommt, das gute Essen das in Ruhe wachsen und reifen kann, das klare Wasser, das man im zum Beispiel im Tessin beim Schwimmen in den Flüssen trinken kann. Die Weite eines Strandes, die unseren Blick weitet und uns Freiheit zum Atmen gibt. Die Gezeiten, die uns an Kommen und Gehen erinnern. All das kann dazu dienen, den Adler, der wieder in seine Kraft kommen will, zu unterstützen.

Und dann fliegt er einem neuen Morgen entgegen, mit der Kraft, die in ihm neu entstanden ist. Fast wie ein Phönix. Und doch so viel mehr.

Wo findest Du in diesem Sommer Deine Kraftquelle?

Was inspiriert Dich gerade, was weitet Dein Herz?

Wie lädst Du Dich auf für die Zeit nach dem Sommer, was erntest Du an Kraft und wo, was Du für den Winter einlagern kannst?

Aus welcher Quelle schöpfst Du?

Ich für meinen Teil werde in den Flüssen schwimmen wie in Drachenblut und mir die Federn ausreissen, den Schnabel und die Krallen wetzen. Denn fliegen will und muss ich, bis ich 70 bin 🙂

Stürze Dich ins Leben, im freien Fall. So wie der Wasserfall. Mal schauen, was aus Dir noch wird!

Willkommen in der Adlerperspektive.

 

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