Sie sieht aus wie eine Gazelle. Gross, schlank, geschmeidig und schnell. Und dann fächern sich viele neue Facetten auf, wenn man Daliborka kennenlernt. Ihre Augen sind die einer wilden Wölfin: Stark, entschieden, klar und focussiert. Und gleichzeitig empfindsam, warm, mitfühlend und fein. Und dann ihre Sprache: Unüberhörbar ein Balkan Akzent, der ihr etwas Hartes und Ungeschliffenes gibt. Und doch: Eine schöne, wohl gewählte Wortwahl und eine fast poetische Beschreibung dessen, was sie gerade zu sagen hat. Ein Wunderwerk. Ich muss sie unbedingt kennenlernen denke ich mir, als ich ihr begegne.
Daliborka wurde in Bonsien geboren, ist aber eine Kroatin. Sie wächst in einer schönen Umgebung auf, erzählt warm und herzlich vom Sommer auf dem Land bei ihren Grosseltern. Da wurde Tabak angebaut und alles, was man zum Leben brauchte. Und die Grosseltern hielten auch Tiere, hatten eigene Eier, frische Milch und Milchprodukte. Als sie erzählt, wie gut das alles geschmeckt habe, kann ich vor meinem Auge die kleine Dali erkennen, wie sie genüsslich ein dickes Butterbrot verspeist und über alle Backen lacht.
Daliborka und ihre Geschwister leben mit den Eltern in der nahen Stadt Mostar, der Vater war Taxifahrer, ein Mann der gerne im Auto herum fuhr. Die Mutter begnügt sich einige Jahre mit dem Aufziehen der Kinder und dem Haushalt, spürt aber bald auch den eigenen Ruf nach Selbstverwirklichung. Den Ruf haben bald alle, die Mutter zieht in die Schweiz, die Brüder nach Deutschland, alle suchen nach ihrem Glück. Nur Daliborka ist noch zu Hause, bis der Bosnienkrieg ausbricht und die Mütter und Töchter zur Sicherheit lieber das Land verlassen sollen.
So geht Daliborka, inzwischen 17, mit ihrem Onkel nach Deutschland, bekommt natürlich einen Kulturschock und fühlt sich bald einsam und verlassen. Aber Aufgeben ist für sie keine Option. Schon nach einem Jahr spricht sie ordentlich deutsch, sucht sich einen Job, strebt in einer Privatschule nach dem Wirtschaftsabitur. Und sie jobbt, weil sie selbst für sich sorgen will. Eine wilde Reise durch viele Jobs beginnt, sie arbeitet im Expo Cafe, für ein Unternehmen für VIP Gastronomie. Allerlei illustre Menschen laufen ihr über den Weg, Tennisstars, Schauspieler, Formel-1-Fahrer. Schon ganz bald bekommt sie drängenden Hunger: nach dem Leben, der Entfaltung, der Lust auf den eigenen Weg. Auch eine kurze Ehe hält sie nicht auf, sie zieht weiter und weiter und sucht nach dem ganz Eigenen, nach der Selbstentfaltung und dem, was sie wirklich, wirklich will.
Ein paar Jahre taumelt sie, immer getragen von dem ganz festen Urvertrauen im Leben getragen, beschützt und geführt zu sein. Und es passiert auch, dass sich alle Wege irgendwie fügen, dass alles gelingt was sie sich erträumt, alles was sie anfasst wird zu Gold. Sie wandert auf den Machu Picchu, macht eine Ayahuasca Zeremonie in Perus Dschungel, überlebt das Dengue Fieber in Costa Rica, widmet sich intensiv dem Yogileben, pilgert zu Seminaren und Ausbildungen, erlebt im Breathwork ein neues Selbst. So langsam sammelt Daliborka die Mosaiksteinchen zusammen und bildet daraus ein neues, ein echtes und authentisches Bild. Sie findet immer mehr in ihre Kraft.
Auch der neue Job am schönen Zugersee in der Schweiz und die chice Wohnung können sie irgendwann nicht mehr festhalten. Sie muss weg, sie spürt ganz deutlich, dass dieses Leben nicht für sie geht. Und dass sie etwas Anderes sucht. Sie begibt sich in ein Sabbatical, reist nach Fernost, probiert sich aus und die Idee, wer sie wirklich ist, wird immer klarer. 2019 ist es dann soweit, sie bricht endgültig auf.
Löst auf, verkauft alles, trennt sich von allen scheinbaren Sicherheiten und fliegt mit einem One-way-ticket nach Bali. Aber schon nach ganz kurzer Zeit heisst es: Die Füsse still halten. Der Lockdown bringt einen weltweiten Stillstand. Kein Problem für Daliborka, sie findet die richtigen Menschen und Möglichkeiten, erkundet ihre neue Welt auf einem Motoroller, zieht immer grössere Kreise und etabliert sich.
Auf einem Visionboard wenige Jahre vor Bali hat sie es genau gesehen: Dass sie an einem warmen Ort leben wird, barfuss läuft, ganzjährig im Sommerkleidchen, dass sie stark und geschmeidig ist und voll in ihrer Kraft. Und das ist nur der Anfang einer wunderbaren Lebensgeschichte. Inzwischen ist sie etabliert als Yogalehrerin, Coach und spirituelle Lehrerin. Sie hat alles in ihrem schönen, grossen Herzen gefunden, was sie sich erträumt und herbei gesehnt hat.
In Bali hat man ihr einen neuen Namen gegeben: Matahari. Malaiisch: Sonne. Wörtlich: Auge des Tages.
Wie schön, dass man zwischen der kleinen Dali und der grossen Daliborka eine Bedeutung finden kann in ihrem Geburtsort Mostar: Es heisst „Brückenwächter“. Sie hat die Brücke ihrer Leben gefunden, ist stimmig und ganz und vollkommen in sich.
Sie hat es geschafft den Ruf zu hören, sich in die Welt getraut, hat sich stark gemacht wenn sie schwach wurde, hat eine tiefe Verbindung zu allem gefunden, ihr Herz befreit und das Leben umarmt. All das sieht man, wenn man in ihre Augen blickt.
Ich bin dankbar für diese schöne und wertvolle Begegnung. Weil:
La vie est belle! Das Leben ist schön!

Das ist der link zu Daliborka’s Webpage:









