Raus aus dem Aquarium!

Fische werden depressiv. Man hat Tests mit Zebrafischen gemacht. Man zog an einer Seite des Aquariums mit einem Marker eine horizontale Linie, bis zur Hälfte dieser Seite. Depressive Fische blieben unterhalb dieser Linie. Wurde den selben Fischen aber ein stimmungsaufhellendes Antidepressivum verabreicht, schwammen sie über der Linie, in den oberen Teil des Aquariums und flitzten herum wie neugeboren.

Fische werden depressiv, wenn ihnen die Stimulation durch äussere Reize fehlt. Wenn ihnen alles fehlt. Wenn sie einfach nur hin und her schwimmen, in einem Aquarium, das nach nichts aussieht.

In den Wochen, bevor ich aufgebrochen bin, war ich auch in so einem Aquarium. Ich habe mir meine Mitmenschen genau angeschaut und vor allem eins erkannt: Dass sie zu Tode gelangweilt sind von Alltag, Einerlei, Ritualen, Gewohnheiten, Einheitsbrei. Nicht wenige gehen dann auf die anderen Fische in ihrem gemeinsamen Aquarium los, auch das habe ich gesehen. Ich war erschrocken, wie sehr Menschen festgefahren sind in dem „was man halt so macht“ und „was halt eben immer schon so ist“.

Gestern Abend sprach ich mit einer schönen und charismatischen Lady, die mir von ihrem Mann und dessen Kumpels und auch von den Arbeitskollegen erzählte. Alle ausgesprochen starke Bundesliga Fussballfans. Sie treffen sich zum Fussballschauen, spannen eine Leinwand auf, ein Beamer wird programmiert, sie grillen, sie trinken Unmengen an Bier, schlagen sich johlend auf die Knie, fallen sich in die Arme bei einem Tor und schreien wütend wenn es mal nicht so läuft. Ist das Spiel gut ausgegangen, dann jubeln sie am nächsten Tag. Ging es schief, dann herrschte am nächsten Tag den ganzen Tag miese Stimmung – eben – auch so ein Aquarium.

Und auch ich war ja jahrelang in einer Bubble aus Leistung, Lifestyle, Pflichten, Stress und Terminen. Seit ich ausgestiegen bin sehe ich verwundert auf diesen Lebensraum, den ich doch scheinbar auch ein bisschen genossen hatte? Oder war da in diesem Aquarium einfach ein fantastischer Dschungel mit exotischen Pflanzen und spannende Höhlen, in denen sich Perlen aus den Muscheln gruben?

Das weiss ich noch nicht. Aber jetzt sehe ich morgens und abends einen grossen Ozean. Und auch: Freiheit für den Kopf, die Gefühle. Für neue Denkrichtungen. Für neue Ideen. Für neue Möglichkeiten. Mein Blick geht jetzt in die Ferne und der einzige „Strich“ an der Wand des Aquariums ist der Horizont. Der Blick hat sich geweitet. Ich denke nach, ob wir nicht alle, von Zeit zu Zeit, einmal aussteigen müssen aus dem Gewohnten, um neu zu entscheiden.

Vielleicht ist das das Wichtigste: Neue Entscheidungen treffen. Sich wagen sie zu treffen.

Sich nicht hypnotisieren lassen von dem Hin und Her im Bekannten. Nicht immer tun was wir immer tun – oder im schlimmsten Fall: Tun, was wir meinen, was von uns erwartet wird.

Das heisst nicht, dass ich meine jeder müsse in die Autonomie aufbrechen. Ich habe meinen Beruf geliebt und die Perlen gerne aufgelesen. Aber ich habe auch gewusst, dass das Leben kurz ist und wir auch immer wieder uns selbst sein müssen.

Was tut mir gut?

Was will ich wirklich, wirklich?

Dazu bleibt oft keine Zeit. Und dann noch: Die Stimulation der äusseren Einflüsse. Wir wissen alle, das wir das brauchen. Wir wissen schon, was uns sehnsüchtig zieht. Und wir kennen unseren Hunger. Bleiben wir aber Fische im Aquarium, dann schwimmen wir unterhalb der gemalten Linie, immer im selben Rhythmus, immer in den selben Bahnen.

Kürzlich sprach ich mit einem lieben Freund, der die Sonne, das Licht und seinen Garten vermisst. Und mit seiner Frau, die die Weite, den Ozean, das Nichtstun vermisst. Zusammen aber bleiben sie – aus Depression oder aus Gewohnheit – im Aquarium. Dabei müssten sie nur raus springen aus dem Bekannten und die Welt wäre neu. Die Liebe und Freude aneinander wäre direkt unter der Oberfläche. So wie beim Fliegen: Unten kann die Welt grau-grau und düster sein aber über der Wolkendecke scheint die Sonne. Also: Abtauchen unter die Oberfläche? Oder in die Höhe fallen? Auf jeden Fall: Aus der engen Welt aussteigen.

Bliebe noch zu erwähnen, dass ich glücklich bin, dass meine Schwester aus ihrem Puppenhäuschen mit Enge und niedrigen Wänden, mit einer Million Dinge und endlosen Pflichten aussteigt – in ein neues Bundesland geht mit fremder Sprache, fremden Menschen, höheren Decken und Platz, um die Arme auszubreiten.

So wie ich jetzt gleich: Ich werde mich in den Ozean legen und die Arme öffnen und den Himmel bestaunen, den ich mich getraut habe zu erleben. Was für ein waghalsiger Sprung das war. Höchste Zeit.

Heute dieser nachdenkliche Blog. Tut es was mit Dir?

La vie est belle – Das Leben ist schön!

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Lebe wild und gefährlich

„Everyone should be ordered to travel from time to time“, he said, „getting fired up“. „Or even more: no one should be allowed to stop in one place any longer than necessary“.

Jedem sollte befohlen werden, von Zeit zu Zeit zu reisen“, sagte er, ‚sich aufzuregen‘. „Oder noch mehr: Niemand sollte länger als nötig an einem Ort verweilen dürfen“.

In Vorbereitung meiner Reisen in ferne Länder, in denen ich noch nie war, kam ich kürzlich an einen gefährlichen Ort: Den Ort der Komfortzone. Ich wollte meine Visa und die Auslands-Krankenkasse-Bescheinigungen ausdrucken, wie immer auf den allerletzten Moment. Erst musste ich feststellen dass mein Drucker ohne vorhandenes WLan gar nicht drucken will. Wie gut, dass ich einen USB/USBC Stecker gekauft hatte, den mir irgendein Verkäufer einmal angedreht hatte und der unbenutzt in meiner Schublade lag. Schliesslich lief der Drucker – aber die Tinte war zur Neige gegangen! Und weissen Papier war auch keins mehr da. Es war zwei Stunden vor Ladenschluss, ich war im hintersten Winkel eines Tals, die nächste Stadt weit entfernt.

Ich googelte und entschied mich, noch loszufahren. Aber: Ich kenne mich ja nicht aus! Ich war ja noch nie an diesem Ort! Ich habe ja keine Ahnung wie hier alles geht! Hilfe! Was soll ich nur tun? Für einen Moment dachte ich: Ach, ich schicke es jemandem, den ich treffe und lasse es mir dann ausgedruckt übergeben. Ich muss ja nicht weg in eine fremde Stadt. Ich kenne mich ja nicht aus! Das kann ja nicht klappen! Ich bleibe lieber hier gemütlich sitzen und versuche mir anders zu helfen.

Ich hatte Angst!

Und dann schmunzelte ich: Ich würde die nächsten Wochen ausschliesslich in Länder und Kulturen reisen, in denen ich noch nie war. Es würde anspruchsvoll und herausfordernd werden und ich hatte Angst vor einer deutschen fremden Stadt?

Mit gefühlten tausenden anderen Menschen fuhr ich mitten in die belebte Innenstadt einer Stadt, in der ich noch nie war. Rein in ein fremdes enges Parkhaus. Raus mit dem Kartensystem auf meinem Handy in die Innenstadt, die vor Schnäppchenjägern (Winterschlussverkauf, huuuu) nur so wimmelte. Ich wurde recht schnell fündig, wieder zurück durch fremde Strassenschluchten zum Auto, fremde Währung schluckt mein Parkgeld, Google bringt mich zurück ins Tal.

Also die Tinte eingebaut, den Papierstau beseitigt und los ging die Reise durch den Dschungel der Bürokratie. Irgendwann hatte ich einen kleinen Stapel von Bescheinigungen vor mir liegen. Und dann ging es erst richtig los: Die Befürchtungen! Was würde alles passieren in diesem Jahr? Wo würde ich vielleicht stranden? Von wilden Tieren und Moskitos gebissen werden. Sicherheiten einbüssen. Zu kalt oder zu heiss haben und immer immer würde alles fremd sein. Fremde Menschen, fremde neue Gegebenheiten, fremde Orte, Anpassungen an neue Systeme, neues Geld, wilde Kulturen, kein sicherer Boden unter den Füssen. Kein Zuhause und kein Job und keine Sicherheit mehr, in die ich zurück kehren könnte. Noch immer kein Heimathafen. Keinen Plan B.

Jahrezehntelang hatte ich meinen Coachees gepredigt: Die Komfortzone ist lebensgefährlich! Bleib nicht wo Du bist, beweg dich! Weiter weiter! Hinein ins Unbekannte. Rein in die grosse Unsicherheit! Wachse! Sei wachsam und erweitere Deinen Horizont!

Jetzt sass ich selbst an diesem Ort. Bequem. Eingemummelt in eine gewisse Geborgenheit des scheinbar Bekannten. Scheinbar sicher. Alles unter Kontrolle. Alles noch in einer Ordnung, die ich verstehe. Auch wenn ich mir gerade wie einer Kamikaze Aktion den Ast, den ganzen Baum abgesägt hatte, auf dem ich sass. Noch war ich sicher. Noch konnte ich das Abenteuer verweigern. Mich der drohenden Gefahr nicht aussetzen. Wieder ein Nest bauen, mich abstützen auf Bekanntes.

Verführerisch, da zu bleiben, wo man alles kennt. Meine Gedanken tanzten Kapriolen.

Und dann beruhigte ich mich wieder, schmunzelte über meine eigene Kleingeistigkeit. Die LUST auf dieses Abenteuer Leben brodelte wieder in meinem wilden Herz. Ich kehrte zurück in meinen Wagemut. Spürte wieder die Freiheit der radikalen Schnitte, die ich gemacht hatte.

Sortierte alle Bescheinigungen in meinen Pass. Den Pass in die Tasche. Den Koffer geschlossen, die Reise fertig geplant.

Wie gut, dass ich diese Karte bekommen hatte. Von einer wundervollen Coachee, die ich noch getroffen hatte, weil sie mir besonders am Herzen lag. Sie hatte mir diesen Text geschenkt, dass niemand da bleiben darf, wo es gemütlich zu sein scheint. Dass wir keine Bäume sind – und dass wir mit jedem Verweilen etwas von unserem Mut und unserer Lebenskraft verlieren. Also, ja ! Das Feuer brannte wieder. Ich hatte die gefährliche Klippe umschifft und werde es noch viele Male tun müssen. Denn ich reise allein und auf dem Papier bin ich alt. Und alles wird unbekannt sein.

Wie wunderbar!

A man isn’t a tree and being settled is one place in his misfortune. It saps his courage, breaks his confidence. When a man settles down somewhere, he agrees to any and all of its conditions, even the disagreeable ones, and frightend himself with the uncertainty that awaits him. Change to him seems to abondenment, like a loss of an investment: someone else will occupy his domain, and he’ll have to begin again. Digging oneself in marks the real beginning of old age, because a man is young as long as he isn’t afraid to make new beginnings. If he stays in the same place, he has to put up with things, or take action. If he moves on, he keeps his freedom, he’s ready to change places and the conditions imposed on him.

Mesa Selimovic: Death and the Dervish

Ein Mensch ist kein Baum, und sesshaft zu sein ist ein Teil seines Unglücks. Es schwächt seinen Mut, bricht sein Vertrauen. Wenn ein Mensch sich irgendwo niederlässt, stimmt er allen Bedingungen zu, auch den unangenehmen, und erschrickt vor der Ungewissheit, die ihn erwartet. Eine Veränderung kommt ihm wie ein Verlust einer Investition vor: Jemand anderes wird seinen Platz einnehmen, und er muss von vorne anfangen. Sich einzugraben ist der eigentliche Beginn des Alters, denn ein Mensch ist jung, solange er keine Angst vor Neuanfängen hat. Wenn er am selben Ort bleibt, muss er sich mit den Dingen abfinden oder etwas unternehmen. Wenn er weiterzieht, behält er seine Freiheit, er ist bereit, den Ort und die Bedingungen, die ihm auferlegt werden, zu wechseln.

Mesa Selimovic: Der Tod und der Derwisch

Also, raus aus der Komfortzone! Alle Geschichten wollen erlebt und erzählt werden. Das Leben ruft – laut, enthusiastisch und aufgeregt.

Man kann es auch einfacher formulieren: La vie est belle – Das Leben ist schön!

Simon

Meine Liebe zu klassischer Musik begann 1984. Ich arbeitete damals in meinem Studium der Bibliothekswissenschaften in einem grossen deutschen Haus. Die Bibliothek hatte verschiedene Abteilungen, wir suchten uns die Wissensgebiete aus, die uns am meisten interessierten. Aber wir hatten auch viel unglaublich langweilige Archiv Arbeit zu tun. Ich ging meist früh zur Arbeit und auch an diesem Morgen sass ich schon um 7:00 in der Früh an dem grossen Katalog und sortierte in einem rudimentären System die Karteikarten nach den „preussischen Instruktionen“. Heute noch schmunzle ich über diese altmodische Methodik.

Der Spot des grossen Raums war auf den Katalog gerichtet und ich hörte den Kollegen nicht, der sich an mich heran schlich. Er erschreckte mich plötzlich mit einem sanften Singsang. Ich erkannte ihn gleich – wie die meisten eingefleischten Bibliothekare war auch er ein bisschen schrullig, vergeistigt und eigenartig. Heute würde man ihn wohl einen „Nerd“ nennen. Er war der Leiter der Musikbibliothek im Keller. Fragte mich, ob ich Lust auf ein kleines Abenteuer hätte. Natürlich war ich dazu immer bereit! Wir gingen also in den Keller und er fragte mich, welche Komponisten ich kenne. Zu meiner bildungsleeren Schande kannte ich nur Mozart, Beethoven und Tschaikowski mit Namen. Er war entsetzt und sagte, das Abenteuer müsse wohl etwas grösser ausfallen. Er begann mir die Geschichte der Musik zu erläutern und liess mich alles hören. Von Bach bis Luigi Nono – er brachte mir alles bei in den nächsten Monaten. Morgen für Morgen sassen wir im Keller und hörten Platten und er erklärte, liess mich lauschen und verstehen. Aber das – ist nur die Einleitung der heutigen Geschichte.

Im Jahr darauf ging ich für ein Auslandssemester nach Birmingham. In der dortigen Shakespeare Library verband sich Literaturgeschichte mit der klassischen Musik. Schliesslich kamen auch Philosophie und Kunstgeschichte dazu, später Architektur und Geschichte. Mein Blick wurde grösser, mein Geist schärfer und ich war bis in die letzte Zelle inspiriert, was es so alles gibt und gab und worüber man auch noch lernen, lesen und nachdenken kann.

Irgendwann dann begann es, dass wir Studenten, weil wir im Kultursektor arbeiteten, zu kostenlosen Karten kamen für Museum, Ausstellungen, Theater, Symphonieorchester.

Und dann kam mein Abend. Wir gingen in die Symphonie. Es wurde ein Komponist gespielt, von dem ich noch nie gehört hatte. Sibelius, die erste Sinfonie und die „Finlandia“, eine Hymne an sein Heimatland. Ich war gespannt, was jetzt auf uns zukommen würde.

Das Orchester hatte sich schon eingestimmt, als der Dirigent die Bühne betrat. Ein jungenhafter Typ mit wilden braunen Locken, gross und geschmeidig und mit einer umwerfenden Körperspannung. Ich war schockverliebt. Ich starrte das ganze Konzert auf seinen Nacken, seine Schultern, den Rücken und die wippenden Haare. Es schien, der Dirigent liesse die Musik durch seinen Körper laufen. Jede kleinste Geste in ihm war Musik. Gebannt und atemlos lauschte ich. Schaute ihm zu, war völlig hin und weg. Die nächsten Monate war ich fast jeden Abend in der Symphonie, dutzende Male habe ich den Sibelius gehört und auch jedes weitere Konzert, das Simon Rattle dirigierte.

Und natürlich lauerte ich ihm auch auf. Damals gab es noch kein Wikipedia. Aber ich fand heraus, dass er genau 10 Jahre älter war als ich. Leider fand ich auch heraus, dass er verheiratet war. Aber trotzdem schmachtete ich ihn an. Ging zu jeder Veranstaltung, las jede Pressemitteilung, ging zu Anlässen, an denen er mit seinem wunderschönen Brit-English sprach. Immer hoffte ich, er würde sich einmal umdrehen und mich sehen. Und sich in mich schockverlieben. Was natürlich nicht geschah. So endete meine Zeit in Birmingham, aber ich liebte Simon immer weiter und viele meiner Jungmädchenfantasien waren bei ihm: Simon, Simon, Simon.

Natürlich habe ich irgendwann andere Männer geliebt und wurde abgelenkt. Und Simon machte eine beispielhafte Karriere, wurde ein grosser Dirigent, weltberühmt. Er ist einzigartig, er ist ein Gesamtkunstwerk, er hat sehr viele Menschen zu Klassikfans gemacht. Er ist aber nicht nur Mittler und Werber: Er kann hinreissend zerrissenen Mahler, knusprigen Strawinsky, elegischen Sibelius, jegliche Art von Moderne. Er ist wirklich ein Rhythmus-Kerl. Ich bewundere ihn seit 40 Jahren.

Vielleicht ist es das, was Simon Rattle der Musikwelt vor allem geschenkt hat: die Freundlichkeit, das Zugewandte. Er hat so viele Menschen mit seiner Art inspiriert, mit seiner Musik berührt. Er IST Musik und hat sich inflationär verschenkt. Dass Simon die Klassik nahbar machte und Konventionen über Bord warf, hat ihm jedoch nicht nur Freunde eingebracht. Unter den Philharmonikern soll es welche gegeben haben, die sich bis zum Schluss nicht auf ihn einlassen wollten. Was aber nichts daran änderte, dass Sir Simon das Spitzenensemble überwiegend für sich einnahm, erst recht das begeisterte Publikum.

2006 war ich mal wieder verliebt, in einen Mann, den ich heute „den Irrtum“ nenne. Um ihn noch besser kennenzulernen schleppte ich ihn in ein Arthouse Kino in Zürich. Ich hatte gehört, dass es eine interessante Dokumentation gibt, bei dem jungen Menschen durch Musik und Ballett ein neues Verständnis der Welt und ihrer Möglichkeiten beigebracht würde. „Rythm is it“ hiess der grandiose Film. Was ich nicht wusste: Sir Simon Rattle spielte mit – als Dirigent der Berliner Symphoniker. Ich sah es schon, als die Namen der Protagonisten am Anfang des Films erwähnt wurden. Und dann, als der Irrtum neben mir gerade die ersten Annäherungsversuche machte, erschien Simon auf der riesigen Leinwand. Und es schien mir, er schaut nur mich an. Ich war komplett verzückt und schrie auf vor Vergnügen ihn wieder zu sehen. … nun ja, für den Irrtum war es kein schöner Abend.

Aber ich ging fast jeden Tag ins Kino und schmachtete Simon wieder an. Die alte Liebe war zurück. Und brannte immer noch lichterloh.

Heute wird Simon 70 Jahre alt. Ich denke an ihn und wünsche mir ganz fest, ihm dieses Jahr, wenn ich in London bin, ganz zufällig über den Weg zu laufen. Ich werde nicht schüchtern sein und ihn ansprechen!

Hätte ich gewusst, dass er dreimal heiraten würde, dann hätte ich mich in die Warteschlange seiner weiblichen Fans eingereiht. Aber es ist ja immer für irgend etwas gut, wenn man das nicht bekommt, was man begehrt.

Happy Birthday Simon. Wenigstens deinen Vornamen habe ich jetzt immer bei mir.

La vie est belle – das Leben ist schön!

Come down! Sofort!

Ende der 80er und Anfang der 90er war ich, wie so viele, eine spirituelle Touristin. Die esoterische Welle kam mit voller Wucht und ich folgte Meistern, Lehrern und Gurus. Einige hatten wunderbar wertvolle Inputs, andere waren Totalspinner und völlig verwirrt. Aber ich sass in Seminaren, Readings aus der „fünften Dimension“ und Vorträgen selbsternannter Erleuchteten. Ich machte Kundalini und Urschrei Exzesse, dynamische Meditationen, Tantra, Rebirthing und Tarot – und wir kauften wirklich sehr viel Eso-Quatsch. Heute muss ich herzhaft darüber lachen, damals verfolgten wir das aber alle mit grosser Ernsthaftigkeit. Nach einigen Jahren hatten wir alle das Gefühl, halb schon heilig, vor allem aber ganz sicher schon auf dem Weg zur Erleuchtung zu sein.

Irgendwann wollte ich an die Wiege alles Wissens, in einen indisches Ashram. Das Sanskrit-Wort „āśrama“ bedeutet so viel wie „Ort der spirituellen Praxis“. Das sagt schon ziemlich viel darüber aus, was in einem Ashram geschieht. Manchmal wird der Begriff „Ashram“ auch mit „Ort der Bemühung“ übersetzt, was andeutet, dass diese Praxis mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betrieben wird. Ziel des Ashrams ist es, eine Umgebung zu schaffen, die den Weg nach innen erleichtert. Der Lehrer steht der Gemeinschaft mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zur Seite. Er beantwortet Fragen und hilft, den eigenen Weg zu finden. Aber auch die Gruppe selbst kann eine große Unterstützung sein: Beim Gemüseschnipseln oder am Mittagstisch entstehen schnell tiefe Gespräche über Gott und die Welt, die dich inspirieren und weiterbringen können. Ich pilgerte also und fand dank einem indischen Freund für mich den „Ort“ an dem ich endlich den grossen Durchblick bekommen wollte.

In meinem Ort hatte jeder von uns einen Guide, der sich wie ein Pate entpuppte. Mein neuer indischer Kollege hiess Kukku und war ein junger dünner Inder, der viel mit dem Kopf wackelte und seine liebe Mühe mit mir hatte. Die Anpassung an die Regeln fiel mir sehr schwer, vieles machte für mich gar keinen Sinn und ich sperrte mich rebellisch gegen die Disziplinen, denen ich mich unterwerfen sollte. Endloses Arbeiten und Meditieren (was ich bis heute nicht gut beherrsche) fand ich völlig unnötig um zum Pfad der grossen Einsicht zu kommen. Und: Ich war enorm zappelig und auf der Jagd nach vorne, statt nach innen zu gehen.

Bei einer der endlos vielen öligen Massagen schimpfte eine indische Masseurin dann auch wütend mit mir. Immer wieder gab sie mir einen Klaps und sagte: Now you let goooo Stress! Let gooo! Ich verkrampfte nur noch mehr. Und ich war empört dass kein Flow entstand, sondern die schwarzäugige Schönheit mir zu unterstellen schien ich würde etwas falsch machen! Schliesslich schien ich mich doch voll einzulassen! Eine Frechheit mich so zu behandeln!

(Hatte ich erwähnt, dass ich unbedingt dachte dass ich recht hatte mit allem, was ich meinte zu verstehen?)

Nach einer schier endlosen Zeit im Ashram und täglich sich endlos wiederholenden Pflichten holte Kukku mich und sagte, heute dürfe ich zum Brahmanen. Die Brahmanen (Sanskrit: ब्राह्मण, brāhmaṇa) sind im indischen Kastensystem die Angehörigen der obersten Kaste (Varna). Im Hinduismus ist es Vorrecht und Pflicht der Brahmanen, Lehrer des Veda und Gelehrte zu sein. Bis heute stellen hauptsächlich sie die Priester.

Kukku gab sich Mühe mir zu erklären, wie es geht: Ich solle in ein Zelt gehen, mich an den Rand des Rund darin setzen – ganz nah an den Eingang. Den Brahmanen niemals direkt anschauen, die Augen niederschlagen. Dann gäbe es diesen Moment, dass der Brahmane mich ansieht und ich dürfe eine einzige Frage stellen. Wie ich denn sehe dass er mich anschaut, fragte ich? Wenn ich ihn doch nicht ansehen darf? Das würde ich fühlen, meinte Kukku. Ob der Brahmane denn wenigstens Englisch sprechen würde? Und wenn ich nach der ersten Frage noch eine hätte? Und was dann passiert wenn ich ihn nicht verstehe? Dürfe ich dann nachfragen? Kukku sagte ich würde das alles dann merken. Er führte mich an ein grosses Zelt. Öffnete einen textilen Eingang, schob mich rein. Es stank infernalisch. Der Brahmane hockte auf einem Art Altar, Räucherstäbchen und Kerzen brannten. Ich schlug, wie mir aufgetragen, die Augen nieder und war sehr nah am Ausgang, weil ich glaubte zu ersticken oder zu kollabieren.

Da sass ich nun und musste eine Wahl treffen, welche Frage ich stellen wollte! Mein Geist lief auf Hochtouren, ich prüfte und verwarf verschiedene Ansätze, was ich von dem Gelehrten wissen wollte. Und immer wieder dachte ich: Wie weiss ich nur ob er mich anschaut? Wie sitze ich hier am besten? Wie soll ich denn nur atmen hier drin? Was mache ich wenn ich nichts verstehe? Wie lange geht das denn noch? Irgendwann schaute der Brahmane mich für den Bruchteil einer Sekunde an. Er sagte klar und deutlich: Calm down! (beruhige Dich!). Der Eingang wurde geöffnet und Kukku wollte dass ich rauskomme. Ich sagte: Ich hab meine Frage noch nicht gestellt! Und er: Das war die Antwort! Waaaas? Ich protestierte. Ich komme nicht raus! Ich hab meine Frage nicht gestellt! Er flippte fast aus, denn niemand darf vor einem Brahmanen diskutieren! Unterwerfung! Jetzt!

Er zog mich mit überraschender Kraft aus dem Zelt und war stinksauer auf mich. Es half auch nicht, dass ich das „Calm down“ mit „Come down“ verwechselte! Was hiess das denn? Runterkommen? Wohin denn? Woher denn? Ich diskutierte und stritt mit Kukku und war sauer. Sicher zwei Tage protestierte ich und hatte das Gefühl, betrogen geworden zu sein. Und dann begann ich mit doppeltem Eifer, mich in die Exerzitien zu stürzen, sang, meditierte, passte mich an, unterwarf mich (dachte ich) und strengte mich an. Ich wollte ja nicht ewig bleiben! Und ich hatte endlich eine Frage gefunden, die ich dem Meister das nächste Mal stellen wurde. Sie war klug und gross: Was ist der Sinn des Lebens? Ich war ganz sicher: Jetzt hatte ich dann meine Chance! Ich würde ganz still sein und mich nur auf die Frage konzentrieren! Volle Kraft voraus!

Nach weiteren zwei Wochen… Massagen: Let gooo Stress! Let gooo….! singen und chanten und anpassen… (wie ich dachte)…. hatte ich die nächste Chance. Kukku schärfte mir noch mal alles ein. Auf dem Weg zum Zelt war er streng. Klappte mir mit einem Reisbündel auf die Schulter und verlangte von mir spirituelle Disziplin! Unterwerfen! Come on!

Also wieder rein ins Zelt. Atem anhalten, wegen dem Gestank. Augen runter. Mein Geist machte die üblichen Kapriolen und ich dachte ich zwinge mich jetzt in eine geistige Einbahnstrasse. Easy! Nur auf die Frage konzentrieren. Auf die eine Frage. Nicht denken, nicht denken, nicht denken. Leer werden. Let goooo….

Der Brahmane schaute auf und sagte: Calm down! Klar und deutlich! Aber ich hatte doch meine Frage gar nicht gestellt! Und das konnte doch nicht der Sinn des Lebens sein! Runterzukommen von wo? Wohin! Kukku zog mich raus. Holy Shit. Ich verplatzte fast vor Wut.

Na, was soll ich sagen – die spirituelle Reise war für mich vorbei. Ich hab’s nicht verstanden. Ich hatte auch keine Lust mehr. Ich wendete mich wieder den weltlichen Dingen zu. Eine Weile habe ich noch esoterisch gezappelt, experimentiert und Sachen angehäuft die mir helfen sollten in meine Mitte zu finden. Mich, den Sinn des Lebens, die ganze Durchsicht zu bekommen.

Das kam erst später. Ohne Guru. Ohne Tamtam. Ohne Disziplin. Ohne Unterwerfung.
Aber das ist eine andere Geschichte.

La vie est belle! – Das Leben ist schön.

Arno

Irgendwann in den letzten Tagen wachte ich nachts auf und sagte laut: Arno Thiede.

Ich habe über 40 Jahre nicht mehr an ihn gedacht, ich denke seine Geschichte soll erzählt werden.

Wir sitzen in der Pausenhalle. Eine Halle, die mit mehreren Sitzmöbeln ausgestattet wurde und auf denen wir nach und zwischen den Unterrichtsstunden sitzen und liegen, spielen, reden und lernen. Wir sind alle zwischen 17 und 21 und gehen auf die gymnasiale Oberstufe, auf der Jagd nach dem Abitur. Das Gute: Wir sind alle freiwillig hier. Die Pflichtschulzeit ist abgelaufen, wir wollen weiter lernen.

Das weniger Gute: Die Schule, die Schulleitung und die Lehrer sind politisch. Wir werden auf links gekrempelt und das politische Engagement ist hier ein Pluspunkt. Wohl auch deswegen gehen wir zu Demonstrationen, sind engagiert bei Greenpeace, Amnesty International oder in einer Partei. Ich bin auch dabei, bei den Grünen, damals war Joschka noch grün fundamental. Als der Nato-Doppelbeschluss debattiert wird und wir alle Angst vor dem irren Wettrüsten der Sowjetunion und der USA haben, versammeln sich die Schüler und Lehrer auf Anweisung in der Pausenhalle, es werden Bildschirme aufgestellt und wir sollen die hitzige Debatte zwischen Kohl und Schmidt verfolgen und später im Unterricht kontrovers diskutieren.

Neben mir sitzt Arno, ein Mitschüler, den ich nur flüchtig kenne. Er ist alarmiert, weil er meint das atomare Wettrüsten wäre brandgefährlich. Er hat Angst vor einer kriegerischen Zukunft, bei der wir, als damals noch ein von den USA dominiertes Land, den Zorn der Russen auf uns ziehen. Die Raketen der Russen seien schon auf uns gerichtet, sagt er. Wir kommen ins Gespräch und ich diskutiere mit ihm, ob es sich lohnt, sich politisch zu engagieren. Mit den paar Friedensketten kommen wir nicht weiter. Wir ziehen uns auf eine Sitzecke zurück und sprechen über Gott und die Welt, den Sinn des Lebens und warum wir gerade jetzt geboren sind.

Anders als Arno bin ich damals einfach nur optimistisch. Aus irgend einem Grund meine ich, dass alles sich zum Besten und Guten entwickeln wird. Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir irgendwann wieder eine Abrüstung haben werden und dass die Flüsse wieder so sauber werden, dass wir darin schwimmen können. Arno nennt mich eine naive Träumerin. Auch nach diesem Tag diskutieren wir oft und viel und es gefällt mir, unser Kräftemessen. Liebe gegen Angst. Hoffnung gegen Hoffnungslosigkeit.

Arno ist eine Leuchte in Physik und Mathematik. Er lernt mit mir und wir lachen. Ich kann scheinbar nichts Logisches verstehen. Er meint, mit einem schöngeistigen, linguistischen Geist wäre es einfach, optimistisch in die Welt zu sehen, weil man eben das Risiko nicht ausrechnen könnte. Ich meine, ihm steht sein abstrakter, linearer Geist im Weg, etwaige Abzweigungen in das Schöne der Welt zu nehmen.

Als wir einmal in der Pausenhalle sitzen und er mir kompliziert erklärt: Verwende den Satz des Pythagoras, um die Hypotenuse aus den Seiten (Ankathete und Gegenkathete) des rechtwinkligen Dreiecks zu berechnen. Ziehe die Quadratwurzel aus der Summe der Quadrate: c = √(a² + b²) …

ist es bei mir vorbei mit meiner Hingabe an die Naturwissenschaft und ich kapituliere. Ein Mitschüler zieht an uns vorbei und grinst. Wir nennen ihn „den Doktor“, weil er es einmal weit bringen wird, sein Verstand ist scharf und er ist entschieden und ambitioniert. Arno meint: Dem fällt alles in den Schoss, wirst schon sehen.

In den verbleibenden zwei Jahren sitze ich noch ab und zu neben Arno. Leider verbindet uns ausser dem Lernen nicht viel, es klickt nicht zwischen uns, aber wir mögen uns und ich bleibe weiter mit ihm in Verbindung, nachdem wir das Abitur beendet haben. Für die Jungs unseres Jahrgangs heisst es damals pflichtgemäss noch: Einrücken in die Bundeswehr. Oder Wehrersatzdienst leisten.

Ein paar Mal schreibe ich ihm, er ist frustriert über den Ablauf in der Kaserne. Eine vollkommen verschwendete Lebenszeit, sagt er. Zählt die Tage, dass er endlich entlassen wird und das Leben losgehen kann. Er will Physik studieren, am liebsten in die Forschung für neue Energie Gewinnung experimentieren. Er hat viele Pläne, will in eine andere Stadt, neue Menschen kennenlernen, er will sich endlich einmal verlieben und einen eigenen Platz im Leben suchen.

Zwei Wochen bevor er aus dem Militär entlassen wird, hat er Heimaturlaub. Er geht abends in den Ausgang. Über ein paar Stunden hat es geregnet, es ist frostig kalt. Wie es passiert, weiss nachher niemand mehr. Sein Auto kommt ins Schleudern und schlittert über die nasse Fahrbahn. Prallt an einen Brückenpfeiler. Arno ist sofort tot. 20 Jahre. Die meiste Zeit seines Lebens hat er gelernt, funktioniert, mitgespielt. Hat darauf gewartet, dass das Leben mal Spass bringt und er sich entspannen und selbst bestimmen kann.

Als ich von ihm höre, weiss ich eins einmal mehr, ganz sicher: Das Leben muss jetzt genossen, geliebt, gefeiert werden. Es ist immer jetzt. Nicht abwarten, nichts aufschieben, nichts befürchten, nichts hochrechnen, nichts ausweichen. Und schon gar keine Angst haben, das nun ganz besonders nicht.

Nur drei Jahre später beschliessen Gorbatschov und Bush das Abrüsten aller atomaren Waffen. Der Umweltschutz greift, die Flüsse werden sauber. Letztes Jahr noch bin ich im Rhein geschwommen. Heute haben wir andere, neue Probleme. Es ist unsere Wahl – Hoffnung oder Ohnmacht.

Was ist jetzt gerade wunderbar?

Was wirst DU heute ganz besonders geniessen?

La vie est belle! – Das Leben ist schön!

Wie weiter?

Zwischen den Jahren ist die beste Zeit, neue Wege zu überdenken und einzuschlagen. Auch ich habe meine grosse Entscheidung ver-tagt, was mit diesem Blog passieren soll. Hin und her überlegt habe ich seit einigen Wochen. Es gab sehr gute Gründe, ihn abzubrechen, weil ich alle Brücken verbrennen wollte. Ich mag radikale Schritte. Und dann gab es viele, die sich wünschten, ich solle einen Reiseblog schreiben. Dazu hatte ich so gar keine Lust. Weil ich alleine reise und das auch alleine für mich erleben und nicht (gleich) teilen möchte. Es gab einige Menschen, die sich einen Broadcast von mir wünschten, damit sie virtuell meinem Weg in die Ferne folgen können. Das wollte ich nun schon gar nicht. Und es gab Menschen, die sich wünschten regelmässig von mir zu hören, wo ich mich befinde, damit sie mich „retten“ könnten wenn man das muss. Nur: Ich will nicht gerettet werden 🙂 weil ich schon gar nicht in so eine Situation komme, in der man das muss.

Was also mit diesem Blog machen?

Er heisst seit einiger Zeit: C’est la vie.

Und hier liegt sie wohl, die Lösung. Ich werde Euch Geschichten erzählen. Dazu muss ich ein bisschen ausholen:

Ich möchte Dich heute mit der Natur der Charaktere vertraut machen, denen Du begegnest. Nennen wir sie „die Archetypen“. Eine Arbeit, die C.G.Jung fundamental bearbeitet hat.

Archetypen sind die Spieler im Spiel des Lebens. Sie erscheinen in jeder guten Geschichte, sie umgeben uns. Und jeder Archetyp ist auch in uns angelegt.

Gehen wir von einem Lebensspiel, von einer Geschichte aus. Auch unser Leben wird einmal eine fertige Geschichte sein. Die ganze Natur besteht aus Geschichten und das Wichtigste daran ist, dass es ein Prozess ist, durch den wir gehen. Wenn wir die Prozesse der Natur verstehen, dann verstehen wir schlussendlich auch unsere eigenen Prozesse. Dann sehen wir unsere „Mitspieler“ eben als Mitspieler und jedes Drama und jede Verstrickung fällt von uns ab. Archetypen sind nichts anderes als Entwicklungshelfer.

Gehen wir davon aus, dass alles was um uns herum ist, lebendig und in einem Prozess ist. Wir werden die archetypischen Energien überall finden. Um sie auch zu verstehen werde ich eine der archetypischen Rollen einnehmen: Die des Geschichtenerzählers.

Der Geschichtenerzähler ist ein uralter Archetyp, den man in allen Kulturen findet. Das Besondere an ihm ist, dass er sich zugleich in die Erfahrung hinein gibt und ihr dabei zuschaut. Man kann ihn mit dem inneren Beobachter vergleichen, den es in vielen spirituellen Konzepten gibt. Der Geschichtenerzähler beobachtet, jedoch nicht nur den Augenblick sondern auch den Prozess. Er weiss an welchem Punkt der Geschichte oder des Weges er sich befindet. Er weiss ob er einen inneren Ruf bekommt oder er sich kurz vor dem Scheitern befindet. Er weiss, dass das Scheitern nichts Endgültiges ist sondern ein notwendiger Teil der Geschichte, ohne den es keine wahre Erfahrung gibt. Der Geschichtenerzähler erlebt die Geschichte und spinnt sie weiter, lässt sie im Raum spielen und weckt in den Zuhörern/Lesern ein Gefühl, was sie mit der jeweiligen Geschichte tun.

Sehr oft habe ich zum Ende meines „alten“ Berufs gerade gehört, dass ich Menschen nachhaltig inspiriert habe. Einer meiner liebsten Werte – Inspiration.

Ich werde diesen Blog also weiterführen mit Geschichten. Gleichzeitig eröffnet mir selbst das einen Focus. Ich werde auf die Suche nach Geschichten gehen. Lebensgeschichten oder Kuriositäten. Etwas, das entdeckt werden kann. Etwas, das ein genaues Hinschauen erfordert.

So, wie ist es?

Möchtest Du diesem Blog weiterhin folgen, wenn er ein Geschichtenerzähler Blog wird?

Ist es Dir etwas wert?

Letztes Jahr hatte ich das bereits angekündigt: Dass meine Leser Sponsoren meiner Schreibtätigkeit werden können. Es hat ganz gut geklappt und ich freue mich, wenn es noch mehr Menschen geben wird, denen dieser Blog etwas wert ist.

Der Sponsorbetrag ist 133,– Schweizer Franken pro Jahr.

Meine schweizerischen Leser können mir den Betrag twinten, alle anderen bekommen gerne meine Bankdaten (bitte nicht die von letztem Jahr verwenden, es gibt neue Verbindungen).

Natürlich kannst Du auch beschliessen, kostenlos zu lesen, es ist Deine Wahl, ob Dir die Texte etwas wert sind oder nicht.

Na also, los in eine aufregende Reise in 2025!

Ich bin selbst schon ganz gespannt, welche Geschichten ich finden werde.

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Von den schönen Menschen

In den letzten Wochen habe ich so viele wunderbare und schöne Nachrichten bekommen, wurde gedrückt und gelobt und mir wurde Dank und Freude ausgedrückt über gelungene und nachhaltige Veränderungen nach dem Coaching. Wie reich ich doch bin! Und all die schönen Menschen, die ich nochmals umarmen durfte! Ich wurde überschüttet mit Liebe und Wortgold und ich danke allen ganz herzlich dafür.
Ich denke an Eric, der mir vor vielen Jahren einmal erzählt hat, dass er einen Patienten beim Gang in das letzte Lebenskapitel begleiten durfte. Eric sagte damals: „Ich sah meinem Patienten in die Augen und sah das Licht von draussen gespiegelt. Das Auge war wie ein Scheinwerfer erhellt.“ Und ich sagte: „Eric, das war nicht das Licht von aussen, es war Dein Licht, das sein Wesen erhellte.“ Eric war glücklich und bedankte sich sehr bei mir. Dabei war es doch ganz offensichtlich: Jeder Mensch, dem Du begegnest, ist Dein Spiegel.

Nach den hermetischen Gesetzen gilt der Grundsatz „Alles, was mich trifft, betrifft mich“. Die hermetischen Gesetze und Schriften sind sehr alt; im Laufe der Zeit wurde diese Lehre jedoch verboten und geriet fast in Vergessenheit. Mündliche Überlieferungen berichten von den sieben wichtigsten Grundprinzipien des Lebens, durch die das Leben positiv verändert werden kann, sodass ein jeder zum Schöpfer seines Lebens wird. Der erste Grundsatz ist: Wie innen, so aussen.

Das bedeutet für uns: Wie es in mir aussieht und sich anfühlt, das spiegelt mir meine Umgebung wieder. Also Chaos im Inneren ist Chaos im Aussen. Trauer im Inneren bringt Trauer im Aussen. Angst im Inneren bedeutet viele Situationen mit Angst im Aussen. Liebe im Innen ist Liebe im Aussen.

Unsere Interaktionen mit Menschen geben uns wertvolle Einblicke in unsere eigenen persönlichen Eigenschaften und Dispositionen. Dieses Konzept, bekannt als „psychologische Projektion„, dient als entscheidender Mechanismus für Selbstwahrnehmung. Wenn wir Verhaltensweisen, Eigenschaften oder Merkmale bei anderen beobachten, die bei uns starke Emotionen auslösen, reagieren wir oft auf ein Spiegelbild unserer eigenen Eigenschaften, die uns vielleicht nicht bewusst sind.

Ausserdem geht die Vorstellung, dass Menschen Spiegel sind, über individuelle Eigenschaften hinaus und dringt in unsere Beziehungen ein. Menschen spiegeln unsere Liebe, unsere Ängste, unsere Unsicherheiten und unsere Stärken. Sie spiegeln unsere Überzeugungen über die Welt und unseren Platz darin wider und bieten ein lebendiges Abbild unserer Realität. Je besser wir dieses Konzept verstehen, desto besser können wir uns persönlich weiterentwickeln und unsere emotionale Intelligenz verbessern.

Die eigenen Spiegel zu erkennen ist nicht immer einfach, aber wenn man sich den Satz „Wie innen, so aussen“ genau einprägt und hinterfragt, dann ist bereits der erste Schritt gemacht, die Frage, was einem das Leben spiegelt, in Gang gebracht.

 „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare“
Christian Morgenstern

Der Begriff „Emotion“ kommt vom lateinischen Wort „emovere“ und bedeutet „herauslassen“. Lass also Deine Gefühle heraus, drücke sie aus, und zwar im richtigen Rahmen! Werde Dir dem bewusst, es ist Dein einziger Körper, höre auf ihn, fühle was Du selbst brauchst, was gut für Dich ist. Löse Deine Ängste, werde wieder frei, fühle Dich und andere, lache, sei Freude und Lebenslust pur, entdecke Dein wahres Wesen, Dein Potenzial, finde zurück zu Liebe, zur göttlichen Wahrheit. Schöpfe Dein Leben aus, mit allem was dazugehört, von Natur aus sind wir heil.

Vielleicht nutzt Du das bevorstehende Fest einmal dazu, Deine Gefühle auszudrücken und zu verschenken? Das Beste aller Geschenke, ich verspreche es Dir!

Was für ein wunderbares, anstrengendes, aufregendes und auch herausforderndes Jahr war das! Es hatte alles bereit für mich, es war komplex und manchmal ganz schwer zu handeln. Aber, herrjee, wie viel Liebe hat mir dieses Jahr gebracht! Ich denke an viele unglaublich schöne Begegnungen. Auch und gerade in den letzten Wochen. Ich darf aus dem Vollen schöpfen und alles nochmal auskosten, wenn ich bald ein Resumee schreibe.

Ich wünsche Dir, geneigter Leser, geneigte Leserin ein wirklich wundeschönes Fest der Liebe. Lass sie i n f l a t i o n ä r fliessen. Das ist der eigentliche Sinn der Weihnacht.

Da, wo du das Leben – und die Liebe! spüren kannst – da ist es auch! C’est l’amour!

Burning the bridges…

2011 war es schon mal soweit: Im Dezember, im allergrössten Ansturm an alles, was entspannt, arbeitete ich wie eine Wahnsinnige. Am Ende lag ich erschöpft unter dem Weihnachtsbaum und wusste: So kann und darf das nicht weitergehen. Zwischen den Jahren nahm ich selbst Kontakt zu einem Mental Coach auf. Ich hatte von Eric gehört, die Meetings fanden per Skype statt, er lebte in Toronto.

Ich erzählte Eric mein super komplexes und vollgestopftes Leben mit Haus, Pferd, Kids, Freundeskreis und Praxis und Pflichten und er konnte mir kaum zuhören, weil er fand das sei alles viel zu viel. Ich hatte mir viel aufgeladen, auch Freizeitstress. So sagte er, ich solle eine einzige Sache aufgeben. Und nächste Woche wieder mit ihm sprechen. In der Woche nahm ich alles unter die Lupe und sagte immer wieder: Nein, das kann ich nicht lassen. Nein, das auch nicht. Das auch nicht. Nach einer Woche war ich gleich weit: Immer noch viele Felsbrocken, die ich herum schleppte. Eric war rigoros: Ich müsse etwas tun, ins Handeln kommen. Sonst wäre das Coaching beendet. Fair enough, genau mein Coachingansatz.

Im Januar 2012 sprach die ganze Welt davon, dass am 21.12.2012 laut Maya Kalender die Welt untergehen würde. Es war ein riesiger Hype. Ich dachte: wenn meine Welt untergehen würde, was wäre dann? Ich mache es kurz: Ich beschloss, meine gut gehende Praxis Phönix aufzugeben. Ein überaus radikaler Schritt, da uns das alle ernährte. Das Coaching mit Eric war also wirkungsvoll, dafür werde ich ihm für immer dankbar sein. Ich schloss die Praxis und traf einige waghalsige neue berufliche Entscheidungen.

2012/13 waren also meine Schicksalsjahre. Ich fand Jersey. Den Adlerflug. Das neue Coaching und Konzept und von Beginn an war es erfolgreich. Ich hatte die Weichen gestellt, die riskanteste Entscheidung getroffen. Und gewonnen. Auch an Selbstvertrauen für meine eigene Courage.

Jetzt sind 12 Jahre vergangen. Auch in diesem Januar habe ich eine radikale Entscheidung getroffen: Jede Sicherheit zu verlassen. Wohnung, Praxis und Komfortzone aufzugeben und mich in den freien Fall zu begeben. GO WILD. Also nicht mehr gefesselt. Frei wie ein Adler in den Wind und ins Leben zu stürzen in der klaren Ausrichtung, dass der Aufwind mich an einen Ort bringt und in ein neues Leben, das jetzt zu mir passen würde. Leben 3.0. Ein Leben ohne Kids in Deutschland. Ein Leben mit Kids, Karriere, Haustieren und Freundeskreis in der Schweiz. Und jetzt? Leben 3.0. Auf der Reise ohne Pläne, mit One-way-Tickets in die Welt.

Was wird mich erwarten?

Ich freue mich auf Leere, auf das blanke pure Sein statt Haben. Auf neue Orte. Auf Freiheit. Auf Stille. Auf Inspiration und Begegnungen. Und ich möchte gerne mein Buch schreiben, diese Sehnsucht summt in mir seit ich 15 bin.

Eine Zeit, ein Leben für mich. Wohin es mich führt? Keine Ahnung. Ich lasse mal los und schaue was kommt.

Ein bisschen ist es eben doch wie ein Adlerleben. In den Wind fallen. Sich (mit-)tragen lassen und schauen was sich ent-wickelt. Ohne Anbindung, ohne Verpflichtung, ohne Versprechen.

Vor vielen Jahren hat mir das mal jemand gesagt: Man soll über eine Brücke gehen, sie verbrennen und dann das neue Land entdecken ohne sich umzudrehen. Erst dann könne etwas Neues entstehen.

Jetzt sitze ich auf wenigen gepackten Kisten. Habe losgelassen, aufgegeben und gelöscht. Wie ein weisses Blatt mache ich meine Hände auf und warte auf die Wunder, die in sie fallen dürfen.

Wie es mit dem Blog weiter gehen wird habe ich noch nicht entschieden. Aber: Die gute Nachricht für meine Leser: Ich habe die Domain für ein weiteres Jahr bezahlt und arbeite im Hinterkopf an einer neuen Idee. Mit der ich mich und Dich, geneigter Leser, zum Anfang des neuen Jahres dann beglücken darf.

Jetzt erst mal: Über die Brücke gehen. Die Fackel in der Hand.

Da, wo wir das Leben spüren können, da ist es auch. C’est la vie.

Drei Nüssli für…

Letzte Woche hat mein Auto plötzlich geraucht und fürchterlich gestunken. Es roch verbrannt. Ich war sofort ein bisschen alarmiert. Noch mehr, als ich mit einem Coachee darüber sprach. Er meinte, das Auto habe vielleicht ein Leck im Öl und wenn das in den Motor spritzt könnte es anfangen zu brennen. Ein anderer Coachee vermutete ein bisschen Laub, das unter meine Motorhaube gefallen wäre. Das klang plausibel, denn es roch ein bisschen wie Pfeifengeruch.

Höchst alarmiert beschloss ich, mich am Sonntag nicht mit dem Auto weg zu bewegen. Höchst erfreulich, weil ich dann ja mal einen ganzen Tag zuhause sein konnte! Das hatte ich mir schon lange gewünscht, einfach mal zuhause zu sein. Nun kamen meine lieben Coachees zu mir und das Arbeiten war friedlich und leise und unabgelenkt. Trotzdem ging mir das Auto nicht ganz aus dem Sinn.

Am Montag also brachte ich meinen süssen Mini dann in seine Werkstatt. Sie ist nicht weit weg, ich dachte, ich bin sicher und gab Gas auf dem Weg. Der Motor wurde heiss und bald rauchte es auch wieder. In der Werkstatt lachten sie mich aus, weil ich sagte dass mein Auto komisch und ungewöhnlich riecht. Ich liess ihn dort und sie brauchten fast den ganzen Tag für die Diagnose.

Und dann lachten sie. Und ich mit.

Ein Eichhörnchen war wohl in mein Auto geflüchtet und hatte zwischen Turbolader und Schutzblech ein kleines Nüssli-Reservoir angelegt. Weil der Motor heiss wurde verbrannte der wertvolle Winterschmaus und der Rauch stieg auf.

Ich musste sehr schmunzeln…mein Auto ist ja mein Schatz und einmal mehr hat er sich mir erkenntlich gezeigt. Denn am Freitag hatte ich ihn abends gestreichelt und gesagt: Ich mag dich aber ich würde dich auch gerne mal einen Tag hier stehen lassen und zuhause bleiben…

Ich musste auch deswegen schmunzeln, weil es dieses Weihnachtsmärchen gibt: Drei Nüsse für Aschenbrödel. Eines Tages begegnet Aschenbrödel im Wald einem übermütigen Prinzen und verliebt sich in ihn. Wie soll sie ihm aber gegenübertreten? Da schenkt ihr der Kutscher ihres Hofes drei Haselnüsse, die wunderbare Gaben enthalten: eine männliche Jagdtracht, ein reizendes Ballkleid und ein prächtiges Hochzeitsgewand. Die drei Nüsse also stehen für drei Wünsche und alle zusammen tragen zum Schicksal von Aschenbrödel bei.

Ich danke also dem kleinen Eichhörnchen. Ich will zwar nicht mehr heiraten – aber wer weiss das schon!

Die Werkstatt hat mir versichert, dass sie so etwas Süsses noch nie in einem rauchenden Auto gefunden haben – und ich nehme das mal als gutes Zeichen für die Zukunft!

In dieser hektischen Zeit ist es ganz besonders lieblich, ein ganz kleines Wunder zu erleben und an weitere Wunder zu glauben…

na also, immer her damit.

Da, wo Du das Leben (und die Wunder) spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie!

Gift

In der letzten Woche hatte ich es mit allerlei Vergiftungen zu tun. Und alle waren im Kopf. Auch in meinem Kopf gibt es bisweilen diese Denk Kapriolen, die keinen Spass machen, sondern kleine Giftpfeile gegen dies und das produzieren. Dagegen zu halten braucht mentale Kraft. Und die steht nicht bei jedem in beliebiger Menge zur Verfügung.

Du hast es sicher gemerkt: Das Zeitgeschehen nimmt wieder Fahrt auf, es wird gewaltig schnell zum Jahresende hin. Jetzt haben wir alle noch das Gefühl To-do-Listen abarbeiten zu müssen und dann kommt für viele Menschen genau das Gegenteil der besinnlichen Zeit. Und – die Menschen um uns herum sind gereizter, die Termine knapp, jeder will alles noch erledigen und erledigt haben. Mehr als sonst fällt mir das dieses Mal auf: Weil es meine letzte „Winter-Weihnachts-Saison“ ist.

In der vergangenen Woche sprach ich mit einem Mann, der meinte keine Zeit für einen WC Besuch zu finden, so voll sei seine Agenda. Ein anderer wurde von Kollegen und Mitarbeitern so stark demoralisiert, dass er jede extrinsische Motivation verlor, weiter zu machen und auszuhalten. Ein anderer zerbricht an dem eigenen Perfektionsanspruch und ist verzweifelt darüber, dass er nicht mehr funktionieren kann wie gewöhnlich. Und bei allen sah und ich hörte ich das gleiche Phänomen: Dass sie von ihren Gedanken besetzt sind, die sie fest im Griff haben, ihnen keine (Nacht-)Ruhe lassen, sie gefangen halten in einem nicht endend wollenden Strom von variablen Lösungen oder Befürchtungen oder Hochrechnungen, die sich anbieten angedacht zu werden.

Schon wenn ich das schreibe spüre ich die Atemlosigkeit, die meine Klienten – und manchmal auch mich – befällt. Da denke ich dann gerne an eine Ausbildnerin von mir, die mir einmal sagte: Wenn Du Deinen Gedanken glaubst, hast Du schon das grösste Problem!

Am Freitag war es dann wieder einmal so weit. Nach endlosen Arbeitstagen rannte ich schon früh am Morgen, hatte zu wenig geschlafen, hatte schon neue Pläne im Kopf, war in Gedanken bei den nächsten drei Terminen und hetzte aus dem Opera Parking. Ich spürte meine Atemlosigkeit, der Kopf war voll. Aber der Körper bremste mich aus. Ich schlich, obwohl ich rennen wollte. Durch Zufall sah ich meinen Sohn im Food-Truck im Weihnachtsdorf. Ich hielt an – obwohl ich natürlich keine Zeit hatte – und sagte: Hey mein Schatz! Komm schnell für eine Umarmung! Er sprang raus. Wir drückten uns ein bisschen. Sprachen 2 Sätze, verabschiedeten uns. Mein Tag war gerettet.
Ich ging langsam weiter, weil ich nachspüren und innehalten und fühlen wollte.

Das Leben geht niemals in dem Tempo, in dem unser Kopf rast. Die Gedanken sind NICHT unser Leben. Kannst Du das glauben?

Wir alle denken uns kaputt, urteilen schnell, besinnen uns nicht auf das Wesentliche, lenken uns ab, rechnen Möglichkeiten durch. Wie überaus gefährlich ist es, wenn wir Gehirnjogging betreiben statt zu fühlen was gerade gut tut.

Dabei müssten wir doch nur die Perspektive wechseln.

Was ist jetzt wirklich schön?
Wofür bin ich gerade enorm dankbar?

Was gefällt mir jetzt?

Was brauche ich wirklich, wirklich gerade?

Einer meiner Klienten hatte erst am nächsten Morgen, nach einer neuen Gedanken Eskalation den Wunsch gefunden, dass er eigentlich nur ein bisschen Nähe gebraucht hätte. Es fiel ihm einfach nicht ein am Abend zuvor. Wie denn auch? Der Kopf war übervoll! Die Gedanken quollen in alle Richtungen und liessen keinen Platz fürs Fühlen. Fatalerweise meinte er, es würde ihn entspannen wenn er etwas im TV ansieht. Dabei war das ja nur noch mehr Futter statt Fühlen.

Ich habe gerade einen lieben Mensch im Coaching, der nur das braucht: Eine Hand, die ihn hält. Zuversicht. Zuwendung. Stille. Abschalten. Nähe.

Wie einfach – und wie schwer das zu fühlen was ihm fehlt.

Die Giftpfeile gehen nie nur nach aussen, sie vergiften auch allmählich uns selbst und unterdrücken das was uns noch von KI unterscheidet: Die Seelenruhe, die Begegnung, die Menschlichkeit.

Albert Einstein hat einmal gesagt: Das selbe Gehirn, das uns die Probleme bastelt wird keine Lösung dafür finden.

Ich lade dich ein: Atme. Geh nach innen, finde deine Ruhe, hör deinem Herzen zu, fühle das Rauschen deines Blutes. Deinen Puls. DU LEBST. Du bist hier, du bist gesund und dich umgibt so viel Schönes und Wertvolles wenn du bereit bist es zu sehen.


Das Aussen ist unwichtig, die Gedanken auch, das Ausrechnen von Befürchtungen und Konsequenzen, das Verurteilen von allem was falsch zu sein scheint. Es ist im Prinzip völlig egal was aussen ist. Du bist das Leben, du kannst es geniessen oder deinen Gedanken zuhören. Was wählst Du?

Da, wo du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

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