Rebellion!

In der vergangenen Woche hatte ich eine schöne Begegnung in einem Workshop. Es ging eigentlich um ein ganz seriöses Thema: Die Transaktionsanalyse. Im Rahmen der Erklärung der unterschiedlichen Kommunikationsrollen stellte ein Teilnehmer fest: OH! Da schlummert ein „rebellisches-Kind-Ich“ in mir! Sein Lachen ging über das ganze Gesicht und er freute sich, inclusive ungestümen Herzklopfen – über die innerliche Freiheit, irgendwie doch, jenseits seines sehr seriösen Berufs, ein Kind und dazu noch ein Rebell! geblieben zu sein.

Rebellion ist ein so herrliches Thema. Und es polarisiert. Die einen finden Rebellen die verrückt schönsten Typen überhaupt und die anderen rümpfen die Nase und pochen auf Ordnung und Rationalität. Beides hat seinen Platz in der Gesellschaft, beides braucht es, um Dinge voran zu bringen.

Das Wort „Rebell“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Aufrührer“, „Aufständischer“. In Filmen, Romanen und Theaterstücken sieht und liest man von Rebellen wie Robin Hood oder Wilhelm Tell.

Rebellen stellen das Bestehende radikal in Frage, gehen mitunter dagegen an und zeigen Widerstand gegen das, was allgemeingültig als richtig und „anständig“ gilt.

In meinen Augen machen Rebellen vor allem eins: Sie richten den Finger auf ihr eigenes Herz und sagen laut und deutlich: Mit dem was ist, bin ich nicht einverstanden. Ich mache das auf meine eigene Art.

So können Rebellen also Neues initiieren, kreativ werden, Dinge verändern und damit gegebenenfalls auch verbessern, Alternativen finden, Variationen durch spielen.

Wie es der Zufall so will, hatte ich gestern gleich zwei grossartige ehemalige Coachees zu Gast. Der eine rebellierte gegen die Meinung anderer, die ihn als intellektuell etwas zurück geblieben abstempeln wollten. Er hat das lange geglaubt, was andere ihm gesagt haben. Auch die ADS Diagnose, die er als Kind bekam.

Und musste dann doch nur feststellen: Ich bin anders. Und ich mache vieles anders. Aber ich mache es genau so gut und auch manchmal besser als andere! Weil eben die Schranken im Kopf und in der Gesellschaft eng sind und der vorgefertigte Weg gerade und durchgeordnet. Heute ist er befreit von dem Korsett, sein zu wollen wie andere. Seine Rebellion hat ihn befreit, er fliegt sehr hoch!

Der zweite Coachee litt ein bisschen an Scham, war in seiner Zurück-Haltung gefangen, konnte sich nicht gut positionieren. Man hatte ihm aufgezeigt, dass er sich ducken, anpassen und klein bleiben sollte. Sich benehmen. Seine jugendlichen Jahre bestanden aus Wenn-Dann Sätzen und die Qual, sich schwarzweiss einzuordnen in das kleingeistige enge System. Seine Rebellion war radikal und explosiv. Jetzt zeigt er sich, nimmt Raum ein, feiert sich, expandiert in alle Richtungen und ist stolz auf sich. Wie schön er geworden ist! Und wie hemmungslos! Halleluja!

Wie herrlich, die Beiden nach dem Adlerflug Coaching auf Jersey im Mai wieder zu sehen! Die Augen waren klar und präsent, scharf und unerschrocken, von beiden. Die Rebellion gegen das Einengen hat ihnen einen riesigen Entfaltung-Spielraum eröffnet.

Rebellion kann in ganz vielen Kontexten enorme Kraft haben, in die Freiheit führen, alle alten Grenzen auflösen und dazu animieren das Leben an sich zu erobern.

Und so sollte Rebellion in meinen Augen auch unbedingt stattfinden: Den Finger auf sich selbst richten mit der Frage:

Wo fühle ich mich gefangen?

Von was will ich mich befreien?

Welche Grenzen muss ich einreissen?

Welchen Rucksack muss ich endlich, endlich loswerden?

Was gehört nicht zu mir, muss abgestreift werden?

Und wohin darf ich mich aufschwingen? In die unerhörten Höhen?!

Rebellieren kann man in jedem Alter, in jedem Umfeld, in jeder Lebenslage. Das radikale Verlassen der Komfortzone ist die allererste Bedingung. Ein Gang, der Blut, Schweiss und Tränen kostet. Deshalb gibt es so wenige davon. Gut so, damit fallen „wir“ auch mehr auf.

Das Gegenteil von WILD ist nicht kultiviert. Es ist gefesselt.

Auf geht’s in die Freiheit!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Das Leben lieben

Anlehnend an meinen Blog von letzter Woche schreibe ich jetzt ein paar neue Texte zum Thema: Liebe. Bei mir geht es meistens um die Liebe zum Leben, für die Zweisamkeit gibt es andere Spezialisten…

Den Augenblick leben, in die Liebe zum Leben kommen, wie geht das denn nun?

Es gibt eine sehr alte Lehre, die das hervorragend erklärt…

Sie nennt sich Tan-tra und kommt aus dem sanskrit Wort tan, das Weite, Ausdehnung und Ganzheit bedeutet. Es hat mit den sexuellen Praktiken, die man in den westlichen Schulen findet, nur wenig zu tun. Es ist vielmehr ein Jahrtausend alter Weg der Rückkehr zu unserem ursprünglichen Wesen, das die Vollkommenheit in sich trägt.

Die tantrische Lehre beruht auf der Idee, dass dem inneren Kern nichts hinzugefügt oder genommen werden kann. Die Suche nach diesem vollkommenen Kern führt uns nicht in die Abgeschiedenheit, sondern mitten ins Leben, in dem wir in die Realität eintauchen und mit der Welt der Materie, die uns umgibt, kommunizieren. Der Tantriker findet Erfüllung, indem er mit all seinen Sinnen das Leben umarmt und durchdringt.

Wie also kommen wir dahin zurück, das Leben, uns selbst und unsere Umgebung wirklich wirklich wirklich zu spüren?

Die tantrische Lehre ist eine einfache Lehre, in der der Mensch die tägliche Realität als Praxisfeld wählt, ohne auf irgend etwas zu verzichten und indem er die Welt vollständig umarmt.

Auf diesem Yoga Weg geht es also darum, in tiefen Kontakt mit seinen Gedanken, seinen Emotionen und seinen körperlichen Empfindungen zu treten. Dem Körper wird dabei ein wunderbarer Platz eingeräumt. Er wird überhaupt nicht abgelehnt oder eingeengt oder unter Kontrolle gebracht. Nie. Im Gegenteil, er ist ein fabelhaftes Instrument, aus einem einfachen Grund, nämlich weil er die natürliche Fähigkeit besitzt, Eins zu werden, mit allem was ihm begegnet – mit grosser Anmut und Spontanität.

Für unseren Körper ist das die normale und natürliche Reaktionsweise!

Dies geht ausschliesslich durch die Sinneswahrnehmungen.

Derjenige, der den tantrischen Weg geht, ermöglicht all seinen Sinnesorganen, in andauerndem Fühlen bzw. innerer Vibration (spanda) zu sein.

Du kannst es jetzt sofort ausprobieren: Spür mal, während du das hier liest und ohne sie zu bewegen oder etwas anzufassen – Deine Hand: Die Vibration, das Rauschen des Blutes, den Puls, den eigenen Rhythmus und die Energie, Wärme und Beschaffenheit der Haut. Spürst Du wie Du sofort etwas fühlst statt zu denken?

Tantra lehrt uns, in das Leben hinein zu tauchen und die einfachen Freuden des Alltags zu geniessen. Zum Beispiel: Werde Dir beim Aufwachen am Morgen Deiner Haut bewusst, dusche mit Wohlgefühl in dem Du spürst wie das Wasser an Deinem Körper hinunter läuft. Um zu einer tieferen Präsenz zu gelangen ist es unerlässlich, dass unser Körper – wie ein Instrument – auch immer wieder gestimmt wird um seine eigene Melodie zu entfalten. Und hier kommen die Sinneswahrnehmungen ins Spiel. Die erste Etappe ist also, all diese Funktionen wieder herzustellen, unseren Geschmack am Leben wieder zu entdecken, sich dem Leben vollkommen hin zu geben.

Die Lust, im Leben vollkommen präsent zu sein macht für Dich aus der banalsten Sache die wunderbarste, wie das Trinken einer Tasse Tee, der Duft des Toasts am Morgen, ein Fenster, das sich zum Himmel öffnet, ein Lichtstrahl auf der Bettdecke.

Tantra ist einfach und gleichzeitig schwierig, denn es fordert einen komplett anderen Umgang mit dem Alltäglichen.

Wir können also beginnen mit wenigen Sekunden am Tag: der erste Schluck Kaffee am Morgen. Die ersten Sekunden einer Dusche. Du kannst es sogar geniessen auf die Toilette zu gehen und Deine angestauten Körpersäfte langsam aus Dir heraus fliessen zu lassen!

Der erste Atemzug wenn wir aus dem Haus gehen und die Umgebung riechen, den Himmel betrachten, das Wetter wahrnehmen, unsere Schritte spüren, den Kontakt mit dem Boden.

Wenn wir dann einige Sekunden in der totalen Präsenz sind, seien es auch nur wenige Sekunden am Tag, wird sie sich mit jedem Augenblick ausdehnen und unser Leben wird sich verwandeln. Unsere Begierde wird uns mehr solche Momente ermöglichen. Unsere Begierde, die Gier nach dem Leben, wird uns dazu antreiben diese Präsenz wieder und wieder herzustellen.

Magst Du Dich auf dieses Experiment einlassen?

Dann wird das ein aufregender – herrlicher – sinnlicher Winter! Das Leben ist hier! Und es ist wunderbar! Spürst Du es?

Willkommen in der Adlerperspektive!

Liebe

Ist es wahr, ich habe in diesem Blog noch nie über das grösste aller Gefühle geschrieben?

Fünf Jahre ohne das einzig wichtige Thema? Das schreit geradezu nach einigen Einträgen über diese so wichtige, wichtigste Haltung. Na also, auf geht’s…

Letzte Woche habe ich eine alte Liebe gefunden…ach was sag ich! Dutzende! Ich musste sehr schmunzeln… bei der Suche nach wichtigen Steuerdokumenten kramte ich in einem ganz kleinen Fundus an Sachen… ich habe nicht viel Ballast aus früheren Zeiten, ich bin eine Wegschmeisserin, keine Bewahrerin… aber dann fiel mir ein Karton in die Hand, dessen Inhalt ich vergessen hatte. Ich zog den Deckel ab und fand alte, sehr alte Tagebücher. 1981 bis 1998. Ich gab dem Schicksal eine Chance und zog eins heraus, ohne zu wissen, wem ich da begegnen würde.

Und ich begegnete vor allem…mir. Und musste ganz tief abtauchen und sehr viel schmunzeln.

Das Buch war voll mit Namen, die ich vergessen hatte. Es schien, ich war alle 5 Seiten in jemand anderen verliebt. Ich war eine Schwärmerin, eine Romantikerin. Den jedem der Namen schwor ich die ewige Liebe. Ich sass in meinem Büro und schwelgte in den Erinnerungen und Fotos, den eingeklebten Zettelchen und Briefen. Und den „für immer und ewig“ Herzchen. Dann erinnerte ich mich, dass ich noch eine Schachtel habe, in der ich alte silberne Namensplättchen habe. Früher trug man Kettchen um den Hals mit den Namen des Liebsten graviert. Ich fand die Schachtel und las „Axel, Harry, Michael?, Günther?, Marco?, Stefan?“ Und dann noch die vielen Namen in den Büchern!

Nur ein einziger Mann aus den damaligen Zeiten ist noch in meinem Leben und das auch nur mit sehr viel Zu-Fall. Und eine schöne Verbindung, die nicht nur aus Vergangenheit, aber wegen der Vergangenheit, lebt.

Warst Du auch oft verliebt?

Erinnerst Du Dich?

Wie ging es Dir mit dem Objekt der Begierde? Kanntest Du ihn/sie wirklich oder war es vielmehr eine Idee, eine Projektion?

Warst Du jemand, der Vorbilder hatte? Einen Schwarm? Hattest Du Dein Zimmer tapeziert mit Postern der Angebeteten?

Ach herrjee, ich war mein Leben lang immerzu verliebt. Ich konnte super schnell in die Liebe fallen und genauso schnell wieder hinaus. Und ich habe leider viele Herzen gebrochen, weil ich nicht bleiben wollte. Mein Leben war immer schnell und riss mich mit. Es war toll. Es war aufregend und ich möchte nichts eintauschen. Aber ja, die Liste ist lang…

Magst Du mal zurück reisen in Deine Verliebtheitsmomente?

Wann hat das angefangen? Wer war die erste grosse Liebe?

Erinnerst Du Dich gerne?
War es bunt?

Hat es Dich glücklich gemacht?

Und vor allem: Kannst Du darüber lächeln?

Irgendwann kommt jeder von uns an den Punkt, an dem man versteht, dass Liebe eine Haltung ist, vielleicht manchmal auch ein Verb. Aber eigentlich IMMER nicht die kleine Liebe, die man auf ein Objekt, einen Menschen projiziert. Sondern dieser Entschluss, dem Leben an sich, jedem Tag, etwas Liebe abzugewinnen. Dann kann man auf einmal den neuen und jungfräulichen Tag lieben, Düfte, Farben, haptische Sensationen, die warme Dusche, das gute Gefühl von frisch geputzten Zähnen, das Frühstück, die Jahreszeit, das Wetter, die Kleidung, den Weg den man als erstes macht, vielleicht – im günstigsten Fall – auch seine Arbeit, die Kollegen, die Freunde, die Passanten, Tiere, den Himmel, die Geräusche, die Geschwindigkeit – und irgendwann, wen man noch mehr Glück hat – viel Glück! – Das ganze Leben lieben.

In einem Buch, das ich gerade fertig gelesen habe, heisst es:

Ein Leben ohne Liebe ist ohne Bedeutung. Frag Dich nicht, welche Art von Liebe du suchen sollst. Spirituelle oder materielle, göttliche oder weltliche, östliche oder westliche… Teilung führt nur zur weiteren Teilung. Die Liebe kennt keine Bezeichnungen, keine Begriffe. Sie ist, was sie ist, rein und schlicht.

(aus: Elif Shafak: Die vierzig Geheimnisse der Liebe)

Dankbar habe ich das Tagebuch von 1992 zurück gelegt und den Deckel wieder geschlossen. Ich bin dankbar, dass ich so geschwärmt habe. Das war ein Warmlaufen, ein Annähern an die Haltung, dass das Leben liebenswert ist.

So wie auch DU – total liebenswert!

Der neue Tag! Wert geliebt zu werden! Das Leben, Dein Körper. Deine Möglichkeiten. Deine geistigen und emotionalen Kapriolen! Ach, wie herrlich!

Lass Dich ein, öffne Dein Herz wie ein Scheunentor!

Na und wenn Du dann da bist, dann kannst Du auch gleich ein bisschen singen:

Willkommen in der (einzigen) Adlerperspektive.

Diesen Blog widme ich zwei Liebenden, die ich letzte Woche sehen durfte. Rosa und Stevo.

Il vostro amore mi ha toccato molto e mi ha reso felice. Grazie per questo!

Geheimnisse

Wer wir auch sind und wo wir auch leben,

tief im Inneren fühlen wir uns alle unvollkommen.

Als hätten wir etwas verloren und müssten es wiederfinden.

Aber was das ist, ergründen die meisten von uns nicht.

Und nur eine Minderheit von denen, die es ergründen,

macht sich auf den Weg und sucht danach.

(Elif Shafak: Die vierzig Geheimnisse der Liebe)

Suchst Du?

Nach was suchst Du?

In der vergangenen Woche hatte ich Kontakt mit zwei Aussteigenden. Beide haben sich auf einen Weg ohne doppelten Boden, ohne Sicherheit, gemacht. Die eine war lange in der sicheren Anstellung einer Behörde, die andere hat schon vor vielen Jahren jede „Normalität“ abgelegt. Sie sind losgefahren mit einem One-way-Ticket. Nicht, dass sie nicht nach Hause zurück kehren wollen, sie lassen sich einfach die Option offen, ob das Leben sie vielleicht irgendwohin leitet, wo sie richtig sind.

Bewundernswert! Mutig!

Aber warum gibt es diese Suche nach den Puzzlestücken in unserem Leben? Warum sind wir immer ein bisschen auf Erkundungstour was und wer zu uns passt, was uns kompletter machen würde? Woher kommt diese Sehnsucht?

Unvollkommenheit ist das Gegenteil von Vollkommenheit. Und interessanterweise streben wir alle danach vollkommen zu werden. Wir nennen es dann Selbstverwirklichung oder Erfüllung oder das Ausschöpfen aller Potentiale. Ein Streben, dem wir partiell tatsächlich fast alle folgen.

Wenn der Mensch ins Leben tritt, ist sein Geist „substantielle Seinsempfänglichkeit“, blosses Seinkönnen, reine Möglichkeit, noch nicht qualitativ und quantitativ bestimmt.

Mit seiner schöpferischen Kraft gestaltet der Mensch in sich ein Modell der Wirklichkeit. Wir bauen sozusagen einen Avatar nach dem, was uns begegnet: Erfahrungen, Lernerfolge, Talente, Wegweiser, Zufälle, Projektionen, Inspirationen die uns in die eine oder andere Richtung leiten… unser selbst erschaffenes Wesen entwickelt sich aufgrund unserer Entscheidungen.

Die Individualpsychologie nennt dieses mit Irrtümern behaftete Modell „Lebensstil“. Mit der Bildung des Lebensstils beginnt der Mensch in einem Spannungsfeld zu leben: Einerseits gaukelt ihm seine „private Logik“ eine scheinbare Realität vor, andererseits spürt er in sich den naturhaften Drang zur Vollkommenheit. Er erlebt seine Situation als Minderwertigkeitsgefühl, der er durch Überlegenheitsstreben zu entkommen versucht. So kämpfen wir also mit uns und mit den anderen um weiter zu kommen, in Wirklichkeit aber bewegen wir uns nicht von der Stelle.

Wie kommen wir denn jetzt da hin wohin wir wollen und müssen?

Ganz und gar nicht und weit entfernt von – der Logik.

Unser Image (der Avatar) das wir 24/7 füttern und pflegen und immer besser zusammen bauen, reicht uns am Ende des Tages eben dann doch nicht. Weil unser Herz keine Ruhe gibt. Es ruft und ruft, sehnt sich, zieht und schiebt uns und versucht durch die laute Stimme unserer Vernunft, unserer Kreation oder auch unseres Egos durchzudringen. In der Regel, leider, ist die Stimme des Herzens zu leise und zu sanft. Oder das Ego schon zu aufgeblasen 😉

Die wichtigste Frage ist immer:

Wo ist Deine Sehnsucht? Was will sie von Dir?

Je älter wir werden, desto mehr bekommt unsere scheinbare „Realität“ Risse, desto mehr haben wir das Gefühl, die Zeit liefe uns davon, weil wir doch alle (noch) etwas anderes brauchen, suchen, wollen.

Wie schön: Die eine Aussteigerin schrieb mir: Ich musste es tun.

Wie herrlich, ein Mensch, der auf sein Herz hört. Und es jubelt laut und spürbar.

Gehe doch diese Woche einmal diesem Gefühl nach: Was ersehne ich? Was zieht mich? Wohin will meine Sehnsucht mit mir?

Ob Du es Dir erfüllst?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Logique du Coeur

Die letzte Woche habe ich etwas Wichtiges gelernt: Die Logique du Coeur. Die Ordnung des Herzens. Das immer – wirklich immer! – nicht die Sprache des Verstandes ist. Nicht, dass das neu für mich gewesen wäre. Ist überhaupt irgendwas für uns wirklich neu? Nein, wir werden vielmehr daran erinnert, immer und immer wieder. In Kunst. Literatur. Musik. Landschaft. Kultur. Theater. Philosophie. Oder auch nur ein dahingeworfener Satz eines Anderen…

Den Begriff hat übrigens ausgerechnet ein Mathematiker und Physiker geprägt. Im 17. Jahrhundert wurde Blaise Pascal für die Erfindung des Barometers gefeiert. Später in seinem Leben wandte er sich (wie viele Naturwissenschaftler) der Theologie und den Gedanken über das Leben zu.

Am Samstagabend also war ich im Theater. Es ging um einen Musical Autor. Der an seinen Träumen festhielt. Obwohl alles dagegen sprach. Der immer wieder scheiterte und sich mühsam durchs Leben arbeitete, während er in seinem Kopf voll war mit Musik und Texten. Und dann auch seine Geliebte laufen liess, weil er nicht aufhören konnte, in New York City an den grossen Durchbruch zu glauben. Er hat es geschafft. Nach einigem Scheitern mit unausgegorenen Stücken hat er endlich den Coup gelandet. Sein Musical „Rent“ lief 12 Jahre am Broadway. Sein Name war Jonathan Larson.

Tragisch ist die Geschichte trotzdem: Am Abend vor seiner Premiere starb Larson 35jährig an einem Aortenaneurysma.
Im Theaterstück klagt Larson noch lange, dass er 30 wird und seine Jugend dann vorbei ist. Eine kleine Zeit später erfährt er, dass sein bester Freund, HIV positiv ist. In den 80er Jahren war das ein sicheres und schnelles Todesurteil. Mit dem Freund gemeinsam beschliesst er, alles dafür zu tun, seinen Traum vom grossen Erfolg am Broadway zu erfüllen. Er hat alles dafür getan, dass das Leben gelebt, geliebt und genossen wird.

Ich ging nachdenklich aus dem Theater. Was, wenn wir das aus den Augen verlieren?

Dass die Zeit kostbar ist. Dass wir nicht wissen, wieviel noch in der Sanduhr übrig ist.

Dass wir immer wieder meinen: Ach, das mache ich später, ich habe noch viel Zeit?

Was, wenn wir uns nie wagen? Weil eben der Mut auch nicht gerade wächst, wenn wir nicht Schritt für Schritt für Schritt das Eigene erobern, uns dem Herzens-sehnen widmen?

Wieviel Zeit ist für Dich schon vergangen, in der Du Dir nicht die Freiheit genommen hast, Dein Handeln ganz und gar der Herzens-Ordnung zu unterstellen?


Was, wenn Du viel zu viel Deiner kostbaren Lebenszeit mit Vernunft, mit Planung, Ordnung, Anstand, Anpassung verbracht hast?

In den letzten beiden Tagen höre ich von einer Coachee, dass sie nach einer sehr langen Beziehung über Trennung nachdenkt. Nachdem ich mit Ihr das Für und Wider besprochen habe, fällt es mir leicht zu sagen: Wenn Dein Herz nicht mehr genug Liebe zum Bleiben hat dann musst Du Dich trennen und weiterziehen!

Warum?

Weil Dein Herz auch singen, jubeln, tanzen könnte vor Glück!

Und nicht am Boden liegen, ausgelaugt und mutlos, nach zu vielen Kompromissen.

Eine andere wunderbare Frau schreibt mir, sie habe vielleicht jetzt das Haus ihrer Träume gefunden und erschreckt sich vor der eigenen Courage. Und es fällt ihr auch nicht leicht, das Vertraute zu verlassen, ein paar Kleinigkeiten zurück zu lassen.

Hallo! Aufwachen!

Dein Herz könnte jubeln, schreien und feiern und vor Glück juchzen!

Lass Dir den Mut nicht von ein paar kleingeistigen Argumenten abkaufen!

Immer nur rein, in die Vollen!

Du hast gar nichts zu verlieren, ausser Deiner Angst.

Das Leben vergeht. Mit oder ohne Deinen Mut. Mit oder ohne Deiner Liebe. Mit oder ohne deiner Herzens-Ordnung.

Frage Dich: WAS ersehnst Du mit jeder Faser Deines Herzens? Vielleicht schon ganz lange?

Und welchen ersten Schritt kannst Du tun?

Der wunderbare C.G.Jung hat einmal gesagt: „Wenn Du einmal gefunden hast, was Dein Herz zum singen bringt, dann musst Du ihm gehorchen.“

Das einzige Gehorchen, um das es in Deinem Leben geht.

Also, schwing Dich auf! Die Zeit läuft….

Willkommen in der Adlerperspektive.

Von Kugeln und Menschen

Kennst Du die Geschichte der Kugelmenschen?

Es ist eine Geschichte von Platon, die Du bestimmt schon in der ein oder anderen Variation gehört hast:

Es war in alten Zeiten, da war die Beschaffenheit der Menschen eine andere. Damals waren die Menschen kugelförmig mit zwei Gesichtern und jeweils vier Armen und vier Beinen. Sie waren von grosser Kraft und grosser Stärke und sie waren so vollkommen, dass sie die glücklichsten und freundlichsten Wesen auf Erden waren.

Doch dies erregte bei Zeus und den anderen Göttern Neid und Missfallen, fürchteten sie doch, dass ihnen die Menschen zu ähnlich seien und sie ihnen deshalb nicht mehr die gebührende Verehrung zuteilwerden ließen. So berieten sie, was sie mit den Menschen anfangen sollten. Lange wussten sie sich keinen Rat, denn sie wollten die Menschen nicht töten und zugrunde richten. Nach langen Überlegungen sprach Zeus: „Ich glaube, einen Weg gefunden zu haben, wie die Menschen erhalten bleiben können, wie sie aber gehindert werden, uns zu ähnlich zu sein. Ich will jeden von Ihnen in zwei Hälften zerschneiden und sie so schwächen. So werden sie als schwache Menschen uns lieben und uns verehren.“

So wurden die Menschen zusammen gerufen, indem die Götter ihnen ein neues, grosses Abenteuer versprachen. Stattdessen aber schleuderte Zeus Blitze vom Himmel, die jeden Menschen in zwei Hälften zerschnitten. Und damit sich die zusammengehörigen Hälften nicht wieder zusammentun konnten, zerstreuten die Götter die Menschen überdies über die ganze Erde.

Als nun so ihre Körper in zwei Teile zerschnitten waren, da sehnte sich jede Hälfte mit unendlichem Verlangen nach ihrer anderen Hälfte. Zu spät erkannten die Götter, dass sie aus Selbstsucht grosses Leid unter die Menschen gebracht hatten. Und so gelobten sie, dass sich zwei zueinander gehörige Kugelhälften wieder untrennbar vereinen dürften, wenn sie einander gefunden hätten.

So sucht seit damals jeder Mensch den zu ihm gehörenden Menschen, um sich mit ihm wieder zu verbinden. Das Gefühl also, das alle Menschen zueinander finden lässt, ist Sehnsucht nach Einheit.

Wie steht es bei Dir? Folgst Du dem platonischen Gedanken, dass es den Einen, die Eine da irgendwo gibt, der perfekt zu sein scheint? Und – hast Du sie oder ihn gefunden? Vielleicht sogar schon öfters, um dann festzustellen, dass es an der ein oder anderen Stelle doch „nicht so passt“? Oder suchst Du noch? Oder suchst Du immer wieder?

Das Mysterium der romantischen Liebe zweier Menschen ist eines, über das fortwährend gesprochen, geschrieben, gesungen wird. In meinen Partnercoachings kommen Menschen und klagen, das dies oder das nicht so richtig passt, dass es zu wenig gut ist, dass man da und dort nicht einer Meinung ist. Da wird gestritten und beschuldigt. Und missverstanden und interpretiert. Gegenseitig beschuldigt man sich, dass der Andere nur etwas anders tun, sagen, handeln müsste, dann wäre ja schon alles gut. Und das, obwohl wir doch am Anfang soooo ver-liebt waren!

Nur: So geht das nicht!

Sprechen wir über Liebe oder über ein Geschäft?

Muss es „so“ sein, damit man bleiben kann? Muss der andere „so“ handeln, damit er interessant, begehrenswert bleibt?

Und wann ist der Partner, die Partnerin, nur dazu da, eigene Schattenseiten zu kompensieren oder zu heilen? Eigene Einsamkeit auszugleichen? Die Bedürfnisse zu erfüllen? Die Wünsche von den Lippen abzulesen und alle zu realisieren?

Erwartest Du von Deinem Partner, Deiner Partnerin, dass er und sie Dich glücklich macht?


Warum?

Bist Du denn nicht allein glücklich?

Bist Du denn nicht allein gut genug?

Kannst Du Deine Wünsche (die nur Du ganz deutlich kennst) denn nicht allein real befriedigen?

Kannst Du Deine persönlichen Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten nicht allein auskosten?

Bist Du gerne all-ein? Also: All eins?

Oder muss es einen Partner geben, zwingend, damit Du wieder ein Kugelmensch wirst, mit zwei Herzen, vier Beinen, vier Armen und einem kugelrunden homogenen Wesen?

Wie abhängig machst Du Dein Glück davon, dass Du die andere fantastische unglaublich passende und glückselige Hälfte findest?

Wer meine Arbeit als Coach kennt, weiss, dass ich die Haltung vertrete, dass der Partner die Cocktailkirsche ist, auf deinem köstlichen Leben, in all Deiner Ganzheit, die Dich schmücken, um das letzte bisschen Luxus ergänzen, bereichern und amüsieren darf. Nicht mehr, nicht weniger.

Du bist selbst der Kugelmensch, Du bist „rundum“ gut wie Du bist.

Umarme Dich. Siehst Du wie grossartig Du schon bist?

Was für ein Glück, wenn Du auf einen anderen kompletten Kugelmenschen triffst. Gemeinsam durchs Leben rollen. Solange es die gleiche Richtung ist. Aneinander geschmiegt, auseinander driftend, aber immer frei und sich selbst genug.

Wenn Freiheit dazu kommt, dann ist es Liebe.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Wert-voll

Das Grundübel, das ich bei allen Menschen gefunden habe, mit denen ich je gearbeitet habe, ist Selbsthass. Selbsthass ist die Grundkrankheit, an der wir alle leiden. Die verschiedenen Charakterstrukturen zeigen, auf welche Art wir Selbsthass und Selbstablehnung gegen uns richten. Wenn wir Tag für Tag daran arbeiten, unsere eigene Psychodynamik zu verstehen, können wir durch diesen Prozess zur Selbstannahme gelangen. Wir können Jahre damit verbringen, Hingabe an den göttlichen Willen, Wahrheit und Liebe zu praktizieren – solange wir nicht gelernt haben uns bedingungslos zu lieben, sind wir noch nicht nach Hause zurück gekehrt. Wir müssen mit dem eigenen Selbst anfangen. Können wir uns bedingungslos lieben, wenn wir unsere Fehler und Schwächen sehen? Können wir uns verzeihen wenn wir einen Fehler gemacht haben und den Entschluss fassen, daraus zu lernen?

(Barbara Ann Brennan)

Letzte Woche habe ich gleich mehrere Male gehört: „Ich bin es nicht wert, dass….“ oder „Er meint, ich sei es nicht wert…“ oder „ich bin nicht wertvoll genug“ und natürlich auch „Ich bin nicht gut genug…“

Nach vielen Jahren als Coach muss ich Barbara Brennan zustimmen: Dieses Grundübel, dass der Mensch sich nicht als wertvoll empfindet, oder sich sogar abwertet, ist wirklich ein Problem, das sich durch nahezu meine gesamte therapeutische Arbeit zieht. Das Thema Selbstwert und auch Minderwertigkeitsgefühle ist immer präsent.

Wie vor kurzem, als eine schöne und wunderbare junge Frau mir unter Tränen weis machen wollte, das sie ein schlechter (böser) Mensch sei.

Das ist sie nicht! Auf keinen Fall!

Mangelnder Selbstwert entsteht immer! immer! im Vergleich oder sogar in der Konkurrenz mit anderen. Und hat äusserst selten einen wirklich triftigen Grund. Natürlich kann man unsere Erziehung verantwortlich machen, die vielen negativen Aussagen über uns, die wir als Kind gehört und geglaubt haben. Aber wir hätten auch die Chance gehabt, das an uns abprallen zu lassen. Oder später, wenn wir erwachsen genug sind, zu revidieren. Erinnerst Du Dich an den Blog zum Thema Resilienz?

Der Dalai Lama gab vor vielen Jahren einmal eine Rede und hatte danach eine Fragerunde. Die Fragen aus dem Publikum wurden für ihn ins Tibetische übersetzt. Aus dem Publikum kam dann auch bald die Frage einer Frau, was die Disziplin aus dem Buddhismus gegen Minderwertigkeitsgefühle sei. Der Übersetzer versuchte das Wort zu erklären und der Dalai Lama schüttelte den Kopf: Das Wort Minderwertigkeit gibt es im Tibetischen einfach nicht.

Warum denn auch?

Wir leben! Unter all den Zellen beim Run auf die Befruchtung eines Ei hat sich eine durchgesetzt. Der Embryo wuchs. Das Kind wurde geboren. Das Leben begann. DEIN LEBEN. Du warst es von Anfang an wert, geboren zu werden. Du warst und bist ein unschuldiges, reines Wesen, das auf die Welt kam, um Erfahrungen zu machen und deinen eigenen individuellen Gang durch deine Vita zu machen. Das Leben ausserhalb von Dir hat Dich be-ein-flusst. Du hat re-agiert. Du hast Dich vielleicht treiben lassen oder formen. Du hast Dich angepasst oder rebelliert. Du hast kre-iert, dein Leben gemacht, deine Entscheidungen getroffen. Du hast geschöpft aus deinen Gaben. Du hast gewählt und verworfen. Bist gescheitert und wieder aufgestanden. Hast gekämpft und geliebt, hast verletzt und geheilt, hast Dich verschenkt und wurdest beschenkt. Was für ein GROSSARTIGES LEBEN hast Du da aus Dir gemacht! Schau zurück! Schau hin! Du bist ein wertvolles Wesen! Du hast WERT generiert. Du hast berührt, Du hast bereichert.

Es wird wirklich allerhöchste Zeit, Dich selbst anzuerkennen. Dich zu umarmen. Stolz auf Dich zu sein. Glücklich, dass Du am Leben bist. Dich zu feiern. Dich zu loben. Dich zu mögen.


Alles andere, ganz ehrlich, ist eine Frechheit und ein Verrat an dem Leben.

Vor einigen Jahren war mal ein wunderschöner junger Mann zum Vorgespräch für ein Coaching bei mir. Während 30 Minuten textete er mich voll wie furchtbar er ist, wie schrecklich alles, wie wenig liebenswert er sei, wieviele Fehler er hätte, wie falsch alles ist, was er ist. Die Litanei hatte kein Ende und nervte mich sehr. Da war ein grossartiges Wesen neben mir. Seine Augen voll mit Tiefe und ehrlicher Liebe. Aber sein Ego hatte ihn vollständig im Griff. Die Idee über sich selbst war stärker als alles andere. Wir liefen an einem dunklen Seerosenteich vorbei, es war ein kalter Novembertag und niemand im Park. Ich sagte: Schau, spring doch da in den Teich, gleich neben dem Steg. Ich drücke mit dem Fuss auf deinen Kopf. Dann ertrinkst Du und wir haben das Problem gelöst. Das mache ich gerne für Dich, weil dein Leben ja so sinnlos ist. Und ein Coaching musst Du dann auch nicht mehr bezahlen, für was auch?

Er regte sich sehr auf. Rebellierte. Das habe er von mir nicht erwartet. Schliesslich brauchte er Hilfe! Zum Leben, nicht zum Sterben!

Ach, sagte ich, gibt es also doch einen kleinen Teil von Dir, der meint, Dein Leben habe Wert?

Ich freue mich, wenn ich heute seine Social-Media-Posts sehe. Er hat ein grossartiges wertvolles und sinnreiches Leben kre-iert.

So wie wir alle: Jeden Moment kannst Du Deinem Leben und dem Leben an sich Wert und Sinn geben. Jeden Tag kannst Du anfangen, Deine Geschichte umzuschreiben, zum Besseren zu kehren. Aber Du musst bei DIR anfangen: Du bist wertvoll. Du bist hier, weil es einen Sinn macht, dass es Dich gibt. Du bist das Zentrum, der Anfang und das Ende, Alpha und Omega, der wichtigste Mensch in Deinem Leben.

Umarme Sich selbst. Jetzt gleich. Fantastisch, dass es Dich gibt!

Willkommen in der Adlerperspektive.

Erschütterung

Wo warst Du vor 22 Jahren? Warst Du erschüttert? Hattest Du Angst, das sei der Beginn von etwas sehr Grossem?

Ich weiss noch, dass ich diesen Tag total normal, sogar vergnügt, verbrachte. Meine Söhne waren noch klein, wir waren mit spielen und dem Leben in der Natur beschäftigt. Auf der Fahrt nach Hause rief mich mein Herzensbruder an. Er sagte, er wolle mir in diesem Moment unbedingt mitteilen, wie wichtig ich für ihn bin. Die Ereignisse wären vielleicht massiv. Und dass, wenn jetzt alles den Bach runter geht, er wenigstens mir sagen müsse, dass unsere Verbindung sehr eng und wesentlich für ihn sei. Ich weiss noch, ich war verwirrt, mitten am Tag eine solche Gefühlslawine von ihm zu bekommen. Dann sagte er: Schalt mal den Fernseher an.

Wir hatten den Fernseher dann nicht lange an. Das wollten wir unseren Kindern nicht zumuten. Ich wollte nicht, dass ihnen ihre unschuldige und sorgenfreie Kindheit verloren geht. Aber wir Eltern waren beide geschockt. Es traf uns ins Mark, dass vielleicht jetzt ein weltweiter und globaler Wendepunkt sein könnte, der auch unser Leben in den Grundfesten erschüttern würde.

In der Psychologie sprechen wir in einem solchen Fall über ein „Trauma“.

Traumatisierende Ereignisse umfassen Situationen von aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmass, die in einer ersten Reaktion bei fast jedem Menschen eine tiefe Verzweiflung auslösen würden. Dazu zählen beispielsweise Naturkatastrophen, Unfälle und schwere Erkrankungen, schwere körperliche oder seelische Schmerzen, Vergewaltigung und Missbrauch, Kriege, Flucht und Vertreibung, Vernachlässigung oder auch das Miterleben von Bedrohung, Verletzung, Gewalt oder Tod von anderen (besonders nahestehenden) Personen. Dabei erleben Betroffene oft ein Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlustes sowie grosse Angst. All das kann in weiterer Folge zu starken psychischen und/oder körperlichen Schmerzen führen. Was ein Mensch als traumatisierend erlebt, ist auch von der subjektiven Wahrnehmung abhängig, z.B. können bestimmte Ereignisse bei Kindern eher ein Gefühl des Ausgeliefertseins auslösen und als traumatisch erlebt werden, aber es kann ganz anders bei Erwachsenen wahrgenommen und verarbeitet werden.

Ein Trauma entsteht ganz oft auch, obwohl wir uns dessen in der Situation oder unmittelbar danach, nicht darüber bewusst sind. Vor einigen Jahren hatte ich eine schöne junge Frau im Coaching, die von ihrer Grossmutter in einen Strudel derer unbearbeiteten Holocaust-Traumata hineingezogen wurde. Weil die Grossmutter jeden Tag davon sprach und dabei immer eine emotional schwer auszuhaltende Stimmung erzeugte, fühlte meine Coachee sich in den ersten 7 Lebensjahren dem Erleben (durch ständige Repetition) solidarisch mit ausgeliefert. Erst drei Jahrzehnte später kamen wir dieser frühkindlichen, traumatischen Prägung auf die Schliche. Und auch das nur durch Zufall. Es war die berühmte Nadel, die wir im Heuhaufen fanden.

Forscher gehen davon aus, dass zwischen 60 % und 90 % aller Menschen in ihrem Leben mindestens eine unerträgliche Situation überstehen müssen, in der sie körperlich oder seelisch dem Tode nahe oder in (gefühlt) absolut existenzieller Not sind. Während rund zwei Drittel das Ereignis ohne langfristige Schäden überstehen, spürt etwa ein Drittel auch Monate oder Jahre danach psychische Folgeerscheinungen. Diese werden von Betroffenen zunächst aber gar nicht mit dem Ereignis direkt in Verbindung gebracht. Da tickt eine psychologische Zeitbombe.

Auch gestern hatte ich wieder Kontakt mit einer Coachee, die ein Flüchtlingstrauma erleben musste. Sie ist sich dessen bewusst. Aber sie kann es nicht alleine ablegen.

Vorrangig sollte nach einem traumatischen Ereignis die grösstmögliche Sicherheit wiederhergestellt werden. Vertraute Personen können dabei unterstützen, mit der erlebten Extremsituation umzugehen. Ihnen vom Erlebten zu erzählen, wirkt erleichternd und kann die Bewältigung fördern.

„Sharing is caring“

Sagen meine englischen Freunde. Und von daher danke ich Ralf von der Tiefe meines Herzens immer noch für das Gespräch von damals. Er war oft bei den Traumen in meinem Leben intuitiv für mich da. Und andere Erschütterungen wurde auch begleitet von Lebensbegleitern, engen Freunden, Partnern.

Und nun zu Dir:

Was hat Dich erschüttert?

Spürst Du die Erschütterung?

Schüttelt es Dich manchmal so richtig heftig durch?

Was tust Du damit?

Wer ist für Dich da? Für wen bist Du da?

Wir müssen zusammen rücken. Nicht nur, wenn die Welt aus den Fugen gerät.


Kommt, meine Freunde
noch ist es nicht zu spät
eine neue Welt zu suchen –

denn ich will weitersegeln
über den Sonnenuntergang hinaus
und obwohl wir nicht mehr die Kraft besitzen
die in den alten Tagen
Himmel und Erde bewegten
sind wir dennoch, was wir sind

Noch immer sind wir Helden
deren Herzen im Gleichklang schlagen

zwar schwächt das Schicksal
uns von Zeit zu Zeit
doch stark ist unser Wille
zu streben
zu suchen, zu finden
und nicht zu verzagen

(Walt Whitman)

Heute ist die Tragödie von 9-11 bereits 22 Jahre her. Inzwischen ist sehr viel passiert, in unser aller Leben. Ich lade Dich ein, diese Woche an die Menschen zu denken, die Dich stützen. Und denen Stütze zu sein, die Dich brauchen. Darum geht es.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Toxisch

In den vergangenen zwei Wochen hatte ich mit ganz viel Gift zu tun. Nicht persönlich, zu meinem Glück. Aber ich habe beobachtet.

Und wie immer weiss ich, dass es schwer für die Menschen ist, die dieses Gift schon gewöhnt sich, sich da heraus zu winden. Man hat sich an die tägliche Dosis gewöhnt. Das Gift ist jeden Tag da. In unseren Gedanken. In unseren Äusserungen. Manchmal sogar in unseren Handlungen. Und, leider nicht zu vergessen: In den Gedanken, Äusserungen und Handlungen von anderen, oft sogar von unseren Liebsten.

Ein kleiner Test, ob Du mit Gift zu tun hast:

Fühlst Du Dich schlapp, energielos, immer müde?

Leidest Du an Schwierigkeiten in Deinen Verdauungsorganen?

Leidest Du an unerklärlichen Stimmungsschwankungen?

Hast Du das Gefühl Deine innere Glühbirne ist nicht mehr angeknipst? Braucht Strom?

Schmerzen Deine Muskeln und lassen Dich „lahm“ werden?

Riechst Du anders als sonst?

Ich spreche hier keineswegs über Gifte, die unser Körper aufnimmt. Sei es durch Umgebungsgifte wie Rückstände von Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden in der Nahrung oder im Trinkwasser. Oder Medikamente, Nahrungsmittel, Zucker und Suchtmittel. Diesem Gift sind wir in aller Regel täglich ausgesetzt. Unser Körper lernt damit zu leben und es zu verarbeiten, dafür hat er unsere fantastischen Entgiftungsorgane konstruiert, die lange lange viel aushalten.

Ich denke an die tägliche kleine Dosis böses Gift, das wir selbst ausschütten oder mit dem wir konfrontiert sind. Da werden unnötig kleine Giftpfeile abgeschossen, mit der inneren Befindlichkeit (und Empfindlichkeit) der eigene Druck kompensiert und munter auf andere all das projiziert, was bei uns alles nicht „geheilt“ ist.

Und nicht zu vergessen die giftigen Beziehungen, die wir führen. Oft auch in der Partnerschaft, in Freundschaften, in den Arbeitsbeziehungen. Menschen, die therapeutisch arbeiten bekommen grosse Mengen Gift, immer wieder, bis das „Fass“ irgendwann voll ist und sich eine gewisse Mitgefühlsmüdigkeit breit macht.

Hier sind die Indikatoren für eine giftige Beziehung:

Häufiger Streit und Meinungsverschiedenheiten

Eifersucht

Einseitiger Egoismus

Permanente Vorsicht vor Fehlern

Abhängigkeitsgefühle

Übergriffigkeit

Gewalt (verbal, emotional, physisch)

Wir alle müssen das überprüfen und nachschauen in unserem Alltag: Bin ich solche Indikatoren ausgeliefert? Oder verursache ich sie sogar?

Die Kunst ist: Den Zeigefinger auf das eigene Herz zu richten und zu fragen:

Ist meine Anwesenheit hier wertschätzend und unterstützend?

Fühle ich mich wertgeschätzt und unterstützt?

Tue ich anderen gut? Tun andere mir gut?

Fühle ich mich wohl wo ich bin, morgens, mittags, abends?

Als Coach gibt es für mich eigentlich nur einen Weg bei einer giftbeladenen Situation: ABSTAND.

Mit Distanz zu dem, was uns gerade nicht gut, tut können wir überlegen: Kann ich das ändern? Habe ich etwas, vielleicht auch in mir, zu klären? Kann diese Situation oder Beziehung noch mal gesund werden? Gibt es Wege zum Glück? Habe ich sie schon gesucht? Sind sie geglückt?

Und wenn die Distanz uns zeigt: Das tut mir nicht gut! Es lähmt mich! Es vergiftet mich! Dann, ja dann gibt es nur einen Weg:

Nichts wie weg da.

Niemand würde sich bei einer Nussallergie den Mund voller Wal- oder Erdnüsse vollstopfen. Niemand würde bei einer Tierhaarunverträglichkeit das Katzenfell tief inhalieren. Niemand würde sich bei einer Stauballergie den Staubbeutel in die Haut einreiben. Kein Heuallergiker würde in einem Stall schlafen. Wir alle gehen unseren Allergien entsprechend vorsichtig um und nehmen Abstand von dem, was für unsere Gesundheit bedrohlich ist. Nur ignorante Menschen werden weiterhin das Gift zuführen, das unseren Körper zerstört.

Was aber ist es mit unserer täglichen Dosis Schmerz, den wir in Kauf nehmen, der uns aber auch – jeden Tag einen Schritt mehr – ins absolute Elend bringt.

Mach Dich frei, wenn Du erkennst, dass Du unter solchen Einflüssen stehst.

Sei frei. Das Leben ist zum Geniessen da. Niemals -niemals! um etwas auszuhalten das Dir nicht gut tut. Die Uhr tickt. Auch Deine.

Ich puste Dir mal ein bisschen Mut unter Deine Flügel. Der Himmel ist weit und offen.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Aus und vorbei

Weisst Du noch, früher? Da warst Du eine Sportskanone, rank und schlank und schön und das Leben war leicht und alles war cool. Die Liebe war frisch und aufregend und die Karriere lief so richtig gewaltig in die richtige Richtung. Überhaupt war alles leichter und besser und schöner und das Leben war ein Fest.

Ich habe auch sooo viele Erinnerungen aus meinem langen, meistens kunterbunten, Leben. In der Retrospektive scheinen wir alle in einem aufregenden Film gelebt zu haben. Meine Klienten erzählen mir gerne von ihrer Vergangenheit. Entweder als Verschönerung der jetzigen Situation oder als Grund, sich heute in die ein oder andere Richtung zu verweigern. Denn einen Grund zur Ent-täuschung gibt es ja in vielen Leben.

Wir machen dabei alle den selben Fehler: Wir meinen die Vergangenheit hat irgendeinen Einfluss darauf, wie wir heute sind und handeln. Weil ich dies oder das erlebt habe rechtfertigt das keinerlei Verhalten im Heute. Wie oft höre ich: Ich bin so oft schlecht behandelt worden, deswegen vertraue ich heute niemandem mehr. Oder: Früher war alles besser und genau so will ich es wieder haben! Oder: Ach, das hab ich schon versucht, das geht für mich nicht. Oder: Da war ich schon, das brauche ich wirklich nicht noch mal. Alles schöne Ausreden, sich dem Leben nicht zu stellen.

Die Vergangenheit ist vorbei!

Die Zukunft noch nicht da!

Wir alle projizieren unentwegt aus dem Verhalten oder den Gegebenheiten von früher ins Heute und, noch schlimmer, ins Morgen. Dabei halten wir etwas fest, das unwiederbringlich vorbei ist. Wir können gar nichts festhalten. Auch nicht das Bild von uns selbst. Wir haben uns weiter entwickelt, die Bedingungen haben sich verändert. Die Menschen, die uns einmal so verletzt haben, sind weiter gezogen. Dennoch machen wir heute neue Menschen für unsere schlechten Erfahrungen verantwortlich und unterstellen ihnen bisweilen Dinge, die sie gar nicht sind oder tun. Ein unguter Kreislauf.

Der spirituelle Lehrer Eckart Tolle hat das einmal wunderbar erklärt: Er sagt, wenn wir geboren werden springen wir sehr bald von einem sehr sehr hohen Berg ab. Die Reise ist vorgezeichnet: Irgendwann werden wir unten ankommen und sterben. Auf dem Flug nach unten begegnen uns mitunter schöne Landschaften, in denen wir eine Weile bleiben können (solange wir uns an dem dürren Ast dort festhalten können) Aber die Reise geht weiter, ganz sicher weiter nach unten. Wir denken: Ach! Das war jetzt schön und bedeutsam! Da bleibe ich eine Weile. Und wir schauen auch gerne nach oben: Da war es schön! Das war wichtig. Aber die Reiseroute ist für jeden von uns klar. Nur ganz wenige geniessen was ist, genau dann, wenn es ist.

Dinge gehen zuende und verabschieden sich. Wir fliegen weiter. Menschen kommen und gehen, Zeiten verändern sich. Nichts bleibt für ewig. Nicht die Freude, nicht der Schmerz. Unser Weg ist klar. Und er ist: JETZT.

In Wirklichkeit belastet uns nur die Erinnerung an eine Vergangenheit, die eben vorbei ist. Sie macht uns sentimental und traurig, wütend und frustriert oder dankbar und berührt. Aber sie bleibt vorbei.

Wenn wir nicht im Jetzt leben dann können wir irgendwann nur noch dem Weg nachschauen, den wir schon gegangen sind – und sehen das nicht, was direkt vor unserer Nase gerade passiert und was wunderbar wäre, wenn wir uns darauf einlassen könnten. Denn auch jetzt gibt es Dinge zu bestaunen, Menschen zu geniessen, Neues zu verstehen, Schönes um darin einzutauchen.


Du bist nicht Deine Vergangenheit.

Du bist nicht Deine Zukunft.

Du bist: JETZT. In diesem Moment. Spürst Du das? Geniesst Du das?

Mache Dir doch diese Woche einmal klar dass jeder Tag NEU anfängt und Du auch durchaus neue Entscheidungen treffen kannst. Ja, sogar das Leben neu und frisch kennenlernen könntest, wenn Du bereit wärst das, was war – und dem du hinterher trauerst oder über das Du immer noch wütend bist – loszulassen und einen Neustart zu machen. Du kannst das jederzeit!

Lass endlich los. Der Flug wird in eine ungeahnte Befreiung führen!

Das Leben ist bereit, bist Du es auch?

Willkommen in der Adlerperspektive.