Deep dive

In der vergangenen Woche hatte ich ein fantastisches Erlebnis, das ich Dir gerne sehr ans Herz lege. Ich ging mit einer Freundin zum Gong-Bad. Wir konnten uns beide nichts Genaues darunter vorstellen, dachten an Klangschalen und Yogagestik. Und dann wurde es etwas Unglaubliches.

Nach einer kurzen Einführung liess der Musiker uns auf den Boden legen und uns gemütlich für eine Stunde einmummeln. Und dann ging es los. Er sass im Kreise seiner Gongs, die er nicht einfach nur anschlug, sondern auch mit den Schlägern Kreise strich und die Schwingung der Töne im Tempo und Lautstärke und Ausstrahlung veränderte. Während dessen lagen wir auf Yogamatten, gemütlich mit Kissen und Decken und zum Teil Augenkissen und – lauschten. Liessen die Musik durch uns hindurch rieseln und strömen. Und in jedem und jeder von uns gingen ganz eigene Gefühle und Bilder auf Reisen.

Die Welt ist Klang.

Wie sehr passte dazu, dass Alan, der Musiker vorher sagte, wir sollten nicht schwatzen im Raum. Wir haben unendlich viele Gelegenheiten, sagte er, im Alltag zu reden. Aber nur sehr wenige Chancen die Stille zu erfahren. Und tatsächlich hörten wir unsere eigene Stille hinter diesen Tönen bald sehr deutlich. Alan nennt das „deep dive“ – und so ist es auch. Ein ganz tiefes Eintauchen in das Eigene, die ungeheilten Stellen, das verborgene Glück, das pochende Herz, das Rauschen des Blutes durch unseren Körper. Ich glaube, ich war noch nie im Leben so entspannt. Obwohl diese Klangreise durchaus nicht nur angenehm war. Ganz deutlich zeigen die Bilder, was noch in Dir arbeitet, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt und was noch zu Ende gefühlt werden darf.

Das Auftauchen nach dieser Reise war sanft und still. Tatsächlich sassen wir noch eine halbe Stunde in der Stille miteinander und Alan’s sanfte Stimme holte uns behutsam zurück in die Realität. Was für eine grandiose Erfahrung!

Das war ein sehr besonderer Tag. Am Nachmittag waren wir in dem autobiografischen Film „Bolero“ über das Leben von Maurice Ravel. Ein fürchterlich deprimierendes Werk. Wir verliessen den Film, bevor Ravel den Verstand verlor. Waren aber auch da schon inspiriert, was Klang und Musik mit uns macht.

Ein bisschen erinnerte mich das an einen Film vor 20 Jahren mit dem Titel „Rhythm is it“ mit dem grandiosen Dirigent Sir Simon Rattle. Er sagt damals in einem Interview, dass er schon als Jugendlicher spürte, dass alles, was uns ursprünglich ausmacht, Rhythmus ist. Und – dass er, als er das erste Mal klassische Musik dirigierte, spürte, wie jeder Ton durch seinen Körper hindurch liefe. Der Dokumentationsfilm zeigt ein Ballett Projekt mit Laien, dem grossartigen Choreograph Royston Maldoom und eben – den Berliner Philharmonikern mit Sir Simon und „Le sacre du Printemps“ von Stravinsky.

Eine tolle Vorbereitung also auf das Gong-Bad. Das ganz und gar nichts mit dem superklugen und niemals müden Verstand zu tun hat. Gong hören heisst vor allem: Dich selbst hören. Vor allem aber – ganz tief in Dich abtauchen. Wunderschön, berührend, wertvoll und wahr.

ES hat noch lange in mir weiter ge-gongt. Dieses Schwingen und Spüren und die Hingabe. Kinderleicht und ganz frisch und neu. Ganz leicht und ganz tief.

Na, was soll ich noch mehr sagen: www.dasgongbad.com

Das darfst Du erleben.

(ich werde es auch noch oft wiederholen, so eine erholsame Stille: Die beste Wellness, die man sich wünschen darf)

Und dann ist da ja auch noch der Sommer, der jetzt kommen will. Heute fuhr ich über einen Pass und sah, dass das sehr lange Berggras mit Sensen geschnitten worden war. Ich konnte nicht anders als anzuhalten und mich ein paar Minuten ins Heu zu legen und mich zu besaufen an diesem wunderbaren Duft. Ich muss wohl ein Glücksschwein sein, dass ich das Leben auf diese intensive Weise erleben darf.

Und DU? Was passiert gerade bei Dir? Hast Du Zeit für Sinnlichkeit?

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

… vielleicht spürst du es mal wieder – hier? https://www.youtube.com/watch?v=_e-cwOn5w3A

oder hier…

Der goldene Schnitt

In den letzten Tagen hatte ich das Vergnügen von meinem Lieblingsmenschen begleitet zu werden. Er ist beruflich ein erfolgreicher Landschaftsarchitekt. Und wie die Dinge immer so sind, hatte ich unmittelbar vor seinem Besuch eine Architektin im Coaching (die erste ihrer Art und besonders wertvoll). Wie immer, wenn man mit solchen kreativen, ästhetischen Menschen zu tun hat – verzaubern sie einem die Sicht. Plötzlich sieht man wieder mehr. In dem Fall sehe ich das, was unser aller Augen verzaubern kann: Der goldene Schnitt.

Der Goldene Schnitt (lat. sectio aurea „Goldener Schnitt“, proportio divina „göttliche Proportion“), gelegentlich auch stetige Teilung einer Strecke, ist ihre Zerlegung in zwei Teilstrecken in der Weise, dass sich die längere Teilstrecke zur kürzeren Teilstrecke verhält wie die Gesamtstrecke zur längeren Teilstrecke. Das Konzept ist bereits seit der Antike zur Zeit des Euklid bekannt. Der Goldene Schnitt findet häufige Anwendung in der Kunst, taucht aber auch in der Natur auf. Der Goldene Schnitt ist eine Kombination aus Symmetrie und Asymmetrie und wird deshalb als besonders schön empfunden.

Wandelt man also mit einem Architekten durch die Welt, so sieht man das, was uns sonst oft verborgen bleibt: Die Schönheit in Gebäuden und Bauwerken, die Harmonie von Parks und Strassen, die Anordnung von Strassenbau und Städteentwicklung. Ich habe viel gelernt in den letzten Tagen und auch gesehen: Wie kann man Räume verändern, dass Menschen sich da wohl und geborgen fühlen, sich dort gerne aufhalten und auch – ausatmen können. Wunderbar!

Es gibt Grundlagen in der Architektur, die aufgrund von Form und Strukturen etwas vorgeben, dass das menschliche Verhalten und Empfinden beeinflusst. Wie beeindruckend war zum Beispiel folgende Gegebenheit: Wir besichtigten einen Vertikal Stadt Garten mitten in der nüchternen Bürogegend. Dort wurde vor mehr als 20 Jahren eine Parklandschaft auf kleinstem Raum geprägt, die durch verschieden hohe Ebenen Gelegenheiten zum Ruhen und Verweilen gaben. Die Pflanzen kletterten gerne und gesund nach oben und auch Vögel hatten den Lebensraum angenommen.

Auf meine Frage, ob man denn bei den allerhöchsten Ebenen an Schutzvorrichtungen für zum Beispiel Suizide gedacht hatte, sagte mein Bruder, das sei nicht nötig. Die ganze Bausituation sei nicht brutal genug für eine solche Tat. Und ja, der Boden war aus Glaskies freundlich und weich gestaltet und die Hecken hätten den Sturz aus höchster Höhe abgefangen. Und auf dem ganzen Park liegt eine liebevolle, stille Stimmung die einladend und geborgen anmutet. Wie grandios! Ein Bauwerk, das einen Raum eröffnet.

Ich liebe solche Räume. Im Sommer arbeite ich gerne mitten auf dem Opernplatz in Zürich. Da sitzen wir in bereitgestellten Stühlen, die aneinander gekettet sind. Der Ort bietet Platz und Abstand, die beiden Sitzgelegenheiten Zusammenhalt und Intimität. So wie die Insel Ufenau, die Insel der Stille, mitten im See. Sie ist ein in sich geschlossener Kosmos mit viel Blau im Aussen und im Oben. Im Winter arbeite ich in Nischen, zum Beispiel im Cafe Odeon und in Hotelhallen. Für manche Gespräche braucht es Anonymität, für einige Lebhaftigkeit und für andere einen sicheren Hafen. Der Raum hilft beim Gestalten und ob der Klient sich einlassen kann.

Ein lieber Coachee sagte einmal, die Coachingreise nach Jersey sei „orchestriert“ – also eine Komposition von sinnlichen Eindrücken, Raum, Rhythmus und tiefer Arbeit. Architektur und Umgebung kann das von ganz alleine. Es ist wichtig, den Raum für das Leben zu definieren und zur Verfügung zu stellen.

Ja – also: Der goldene Schnitt. Die Architektur als sinnliches Erleben im Aussen und als Resonanz für das Leben im Innen. Räume können Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei.

Ein Hoch auf die Schönheit!

Ein Hoch aus den Lebensraum!

Vielleicht kannst Du diese Woche einmal dazu nutzen, genau hin zu schauen und hin zu fühlen wo Du Dich befindest – und was es mit Dir macht…. denn Du weisst ja:

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Influencer

Ich habe jahrelang niemanden mehr im Auto mitgenommen und vermutlich hätte ich es auch diesmal gelassen, denn mein Auto war vollbeladen und ich hatte 650km vor mir, in denen ich mein Hörbuch hören oder singen wollte. Und doch – beim Kaffeetanken und Pause machen fiel mir die junge Frau auf. Eine junge, hübsche Französin. Mein Mutterherz sagte mir, ich kann sie nicht da stehen lassen. Und nach Tours sind es nur noch knappe 200 Kilometer. Ich fragte sie, ob sie mit sehr wenig Platz auskäme und den Rucksack zwischen die Beine klemmen könnte, denn mein Auto war schon mehr als voll.

Am Anfang waren die Gespräche nicht ganz einfach. Mein miserables Französisch – und sie schien sich nicht recht zu trauen, englisch zu sprechen. Irgendwann dann bat sie mich, einfach mal zu erzählen woher ich jetzt gerade komme und wohin ich fahre. Ich erzählte ihr von Jersey und meinen Coachings und plötzlich sagte sie, mich hätte wohl der Himmel zu ihr geschickt. In erstaunlich gutem Englisch berichtete sie mir, dass sie gerade aus einer amourösen Fehlentscheidung geflüchtet sei und ich sozusagen ihre Fluchthelferin wäre. Es stellte sich heraus, dass sie ihre „Amour fou“ gerade auf dem Rastplatz zurück gelassen hatte. Wir mussten beide lachen.

Es entspannte sich ein langes und tiefes Gespräch über die Irrungen und Wirrungen der Liebe und was emotionale Abhängigkeit mit uns machen kann. Und ich konnte ihr ein paar gute Impulse geben, wie sie da wieder heraus kommt und was sie daraus lernen kann. Ich fuhr sie dann direkt in die Stadt Tours, obwohl ich eigentlich schnell weiter musste bis zu meinem nächsten Etappenziel. Sie fiel mir um den Hals und sagte: Du musst eine Influencerin sein! Mit diesem Gespräch hast du mich so wichtig beeinflusst und jetzt weiss ich wieder weiter!

Es war eine schöne Begegnung und das Wort „Influencer“ lief mir nach. Vielleicht, weil in der vergangenen Woche diese schöne junge Frau bei mir im Coaching war, die sich aus den Stricken der ungesunden Beeinflussung ihrer Eltern so mühsam heraus winden musste. Ihr ganzes Leben war von deren Denken geprägt. Und gleichzeitig merkte sie schon immer, dass es niemals ihr Weg sein könnte, dem zu folgen, was ihre Eltern ihr vorgeschrieben hatten. Sie wollte ausbrechen – und ist es auch. Wunderbar stark und tief entschieden.

Wir alle beeinflussen uns. Die Welt beeinflusst uns. Wir stehen immer im Dialog mit der Umwelt, unseren nächsten Menschen. Und manches kann gut für uns sein, uns weiterhelfen, uns inspirieren und sogar befreien. Anderes – Haltungen, Meinungen, Konventionen, moralische Zeigefinger und vorgelebte Normen – können uns einengen und uns unserer Möglichkeiten rauben.

Ich habe als kleines Kind schon deutlich gespürt, dass das, was mir vorgelebt und auch vorgegaukelt wurde, unmöglich mein Weg sein könnte. Das Lösen aus diesen Fesseln war unheimlich hart. Und das immer immer wieder Herauswinden aus den neuen Fangseilen und Zwangsjäckchen ist eine Lebensaufgabe, die viel Kraft kostet.

Das Einzige was hilft: Frag dich, ob dein Herz, dein Bauch damit einverstanden ist mit dem, was du gerade entscheidest, denkst, wie du handelst und was du wählst. Ich behaupte: Meistens ist es das nicht. Aber unser Leitfaden, die innere Stimme, die innere Weisheit, die gefühlte Wahrheit ist eben leise und fein, während die suggerierten scheinbaren Wahrheiten lautstark brüllen, je nachdem wie oft wir damit gedanklich geimpft wurden und werden.

Und – ach herrjee – die Beeinflussung durch unsere eigenen gesammelten Glaubensmuster ist auch nicht zu verachten. Ich muss fast schmunzeln – das ist eine andere Geschichte: Als ich in Jersey auf die Fähre fuhr, bat man mich, die Alarmanlage meines Autos zu blockieren. Ich habe keine Ahnung, wo sich dieser geheimnisvolle Knopf befindet. Also lies ich das Auto offen, es waren ja noch hunderte andere Autos da und meinen Beutel mit Pass und Geld und Handy nahm ich mit. Zurück im Auto nach der Überfahrt suchte ich in meinem Rucksack, der auf dem Beifahrersitz geblieben war, nach meinem Euro-Geldbeutel. Und fand ihn nicht. War vollkommen sicher, dass ich ihn in die Aussentasche gesteckt hatte. Los ging die wilde, erfolglose Suche. Ich fuhr von der Fähre und war verstimmt. So ein blödes Ende meiner Reise. So schade. Ich verbrachte 650km mit diesem latenten Ärger. Und hundertmal fluchte ich über Condor und die Frechheit, dass sich da jemand bedient hat… noch am Abend jammerte ich darüber herum. Am nächsten Morgen im Hotel packte ich meine Übernachtungssachen ein. Und fand – zwischen Socken und Tshirt – den Euro-Geldbeutel.Wie war er da hingekommen? Ich freute mich wie verrückt, dass nun doch alles gut gegangen war.

Aber: Warum hatte ich so negativ gedacht? Warum den Mitarbeitern der Fähre so schnell die Schuld hingeschoben? Mich innerlich beschwert, warum ich immer so leichtsinnig war? Mich dafür verurteilt dass ich zu viel Vertrauen in die Menschheit habe? Alles völlig absurde Gedanken, die ich sonst nie denke. Da waren sie wieder, die Beeinflussungen meiner Eltern und vieler Freunde, die gerne sagen: Du musst aufpassen auf deine Sachen und Du darfst niemandem trauen.

Ich entsorge diese Gedanken jetzt gerne wieder und übe mich darin, meine eigene tiefste Wahrheit zu leben: Dass das Leben immer gut zu uns ist. Und wir uns nur von Zeit zu Zeit verwirren lassen.


Denn: Aller Beeinflussung zum Trotz haben wir etwas, das immer wahr ist: Unser eigenes Herz, unsere eigene innere Überzeugung. Die ist frei von Beeinflussung. Und ich wette, sie ist immer authentisch, klar und pur.

Hör auf Dein Herz. Lass Dich nicht verwirren. Auch nicht von dem neuen Berufsbild Influencer. Sei dein eigener Influencer. Du kennst deine Wahrheit, deine Bedürfnisse und deine Überzeugungen, aber hinhören wirst du müssen. Zur Ruhe kommen und reinspüren. Ganz einfach.

Da, wo wir das Leben spüren können, da ist es auch. Cèst la vie.

Storytelling

Die Schönste aller Fragen: Was ist deine Geschichte?

In der vergangenen Woche hatte ich einen wunderbaren Menschen auf Jersey zum Adlerflug Coaching. Da er schon einige Jahrzehnte gelebt hat, hatte er viele Geschichten zu erzählen. Ich durfte sein Kinderleben betrachten, seine Streiche und Kapriolen anhören, mir versichern lassen, dass bei ihm in jeder Dunkelheit immer ein Licht schien. Er hatte ein spannendes und aufregendes Leben und es gab auch Momente der Hingabe, der Umkehr, des Scheiterns, des Neubeginns. Und man sah auch schnell den roten Faden durch seine Geschichten. Wie schön, dass sich irgendwann alle Fäden wieder verknüpfen, die Dinge zusammen laufen, die zusammen gehören. Wie es doch in jedem Leben eine Folgerichtigkeit gibt, die sich entfaltet und entwickelt.

Ein bisschen muss ich dann schmunzeln. Vor einigen Jahren traf ich eine höchstverwirrte Frau, sie war in einer von Fremden manipulierten Psychose, die aber ganz überzeugt vor mir sass und sagte: Maren! Wir müssen finden einen Punkt! Ehrlich gesagt, ich hatte nicht die geringste Ahnung, was sie von mir wollte. Und dann – passierte es von ganz alleine. Weil wir die Geschichte aufrollten. Die losen Enden aufhoben. Das Gesamtmuster erkannten. Am Ende des Coachings, WOW, fanden wir einen Punkt.

Vielleicht geht es genau darum: Dass das Leben als gordischer Knoten beginnt, der sich nur ganz langsam ent-wickelt. Stück für Stück des Lebens wird sichtbar und alle paar Jahre kommt wieder ein wichtiges Stück der kunterbunten Schnur zum Vorschein. Dann gilt es, abzuwägen. Nach rechts, nach links weiter laufen. Etwas zurücklassen oder etwas dazunehmen. Weiter entwickeln oder sich kurz im warmen Nest der schon entfalteten Wolle ausruhen. Dann weiter laufen, den nächsten Knotenpunkt erreichen,neue Weichen stellen, neue Entscheidungen treffen.

Bis irgendwann das ganze Garn vor uns liegt. Und wie von Zauberhand – erscheint der rote Faden, den wir erst in der Retrospektive erkennen können. Und dann? Ist das Leben dann vollkommen, erfüllt, gelungen? Oder werden wir bedauern an dem ein oder anderen Knotenpunkt abgebogen zu sein?

Ein paar Tage waren zwischen meinem lieben Coachee und dem nächsten Adlerküken. Jetzt lief ich auch wieder meine eigene Wege. Sass auf den Klippen, tauchte im Atlantik. Und schliesslich ging ich auch einmal einkaufen. Und da sah ich etwas Wunderbares:

Die Chat-Bench. Eine Bank vor dem Supermarkt. Auf der sich Menschen niederlassen, die ein Gespräch oder ein Hallo suchen würden. Ich ging einkaufen und hoffte, in der Zwischenzeit würde sich jemand darauf niederlassen. Denn dann hätte ich mich gerne dazu gesetzt. Es ist leicht für mich, Einladungen anzunehmen. Aber die Bank war leer. Ich verstaute die Einkäufe in meinem Auto, es war ein bedeckter Tag und ich müsste eigentlich nicht gleich losfahren, ich sass trotzdem schon am Steuer. Um dann festzustellen dass ich feige war. Ich hatte Angst, dass, wenn ich auf der Bank sitze, ich es nicht gut ertragen würde wenn sich niemand dazu setzt. Also nahm ich mir ein Herz und setzte mich. Schaute alle an, die kamen.

Einige gingen mit einem Lächeln vorbei, viele sagten „Hello darling“… einige zögerten, gingen dann aber doch in den Laden. Eine Dame fiel mir besonders auf, sie lief, hielt mit einem Ruck an, lief weiter, ruckte wieder, drehte sich um. Verschwand im Supermarkt. Ich wusste: Sie hoffte darauf, dass ich noch dasitzen würde wenn sie wieder kommt. Dann kam sie wieder heraus. Hatte nur zwei Pappbecher Tee in der Hand und setzte sich zu mir. Wir plauderten ein wenig. Ich bat sie – natürlich! Um ihre Geschichte. Und was für eine grossartige Geschichte das war von einer echten Dame aus Jersey. Sie wollte auch meine hören und im Flug verging eine Stunde. Am Ende haben wir uns umarmt, ganz spontan und ohne Scheu. Menschen treffen Menschen. Geschichten treffen Geschichten.

Wir alle sind Geschichten. Wir alle machen jeden Tag eine Ergänzung zu unserer Geschichte. Wir treffen Ent-scheidungen. Wir begegnen uns. Wir schauen in die Welt und die Welt schaut in uns. Wir wünschen uns, wie die Geschichte weiter gehen soll. Träumen von Happy Ends und neuen Abenteuern. Und das Leben überrascht uns auch jeden Tag neu. Nur: Wer ist der Schöpfer unserer Geschichten? Schöpfen wir selbst aus dem Meer der Möglichkeiten?

Ich glaube, wir sollten einfach nicht zu lange im Garn der Geschichte ausruhen. Lieber weiter gehen und schauen wohin wir kommen. Was als Nächstes passiert und als Nächstes und als Nächstes.

Ich bin immer noch – einfach gespannt.

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Der Herzensweg

Manchmal tragen wir ewige Gedankenkreise mit uns herum. Du auch?
Dreht sich dein Kopf immer und immer wieder um das selbe? Denkt es Dich?

Hältst du mit eiserner Hand eine Überzeugung fest, die Dich daran hindert weiter zu gehen?

Hast Du auch diese Schranke im Kopf, die Dir einredet, Du kannst das nicht loslassen?

Manchmal ist es gut, an etwas fest zu halten, weil die Sicherheit Dich verankert oder deine Intuition dich beschützt. Es gibt Dinge, die wissen wir einfach. Und die darf man sich nicht ausreden lassen oder sie loslassen. Die darf man, wie einen Anker, einen festen Wert, festhalten und bewahren. Unbedingt.

Andere Sachen, die man endlos und wieder und wieder denkt, die uns dabei kontrollieren und einschränken, die darf man gehen lassen.

Wie aber das eine vom anderen unterscheiden?

Es ist ganz einfach: Tut es Dir gut? Lässt es Dich wachsen? Entspannt es Dich?

Oder macht der Gedanke Dir Stress, hält Dich klein, hält Dich zurück?

Und noch einfacher: Was spricht mit Dir? Die Angst oder die Liebe?

Ich habe ein paar Überzeugungen, die mir einige Leute, immer wieder und mit höchst verführerischer Art, ausreden wollen. Ich muss das manchmal vehement verteidigen. Denn: Wenn ich diesen Gedanken, Haltungen und Meinungen nachgehe, dann fühle ich mich wohl und in mir verankert. Anderes lasse ich gerne in Frage stellen und kann es dann, mitunter durchaus ein bisschen widerspenstig, loslassen.

Welche Gedanken hast du so fest gehalten, dass er sich verselbstständigt hat?

In der vergangenen Woche hatte ich eine wunderschöne Coachee hier auf Jersey, deren Gedanken eine beträchtliche Eigendynamik entwickelt haben und die alles bestimmt haben, was sie tut. Diese Endlosschlaufe stand ihr so radikal im Weg, dass sie ganz viel brauchte, um die Hürde zu überspringen.

Und welche Kraft lässt uns aus den Gedanken springen? Dein Herz!

Sie hat gekämpft. Blut, Schweiss und Tränen, Zeter und Mordio. Und dann: Ist sie einfach gesprungen und hat sich für ihr wunderschönes, freies und mutiges Herz entschieden. Sie hat den Sprung zunächst trotz der fesselnden Gedanken gemacht. Und dann haben die Gedanken kapituliert, tropfen ab, lassen los. Das Herz wächst und atmet, schreit vor Glück, dass es endlich zu Wort kommt.

Als sie nach Hause flog habe ich ihr zugeflüstert: Bleib oben! Bleib oben!

Das Herz, es soll frei fliegen, jede Schwere ablegen, einfach mutig und selbstwirksam die eigene Wahrheit leben. So ist es gut, richtig und echt.

Überprüfe Deine Gedanken so gut es geht. Stell sie in Frage. Nicht: Stell dich in Frage. Sondern.: Stell die Gedanken in Frage. Sei ein Zeuge Deiner „Über-zeug-ungen“. Schau es Dir an und frage Dich: Ist es ein guter Weg? Hat er ein Herz?

Niemand hat das so gut formuliert wie Carlos Castaneda: Der Weg mit Herz

Alles, was du tust, ist einer von tausend möglichen Wegen. Darum denke immer daran, dass ein Weg nur ein Weg ist. Wenn du spürst, dass du ihm nicht folgen solltest, dann setz ihn nicht fort, unter keinen Umständen. Um diese Klarheit zu erzielen musst du ein diszipliniertes bewusstes Leben führen. Nur dann wird dir stets bewusst sein, dass ein Weg nur ein Weg ist – und dass es keine Schande ist, weder für dich noch für andere – ihn zu verlassen, wenn dein Herz es befiehlt.

Deine Entscheidung, einen Weg zu verfolgen oder ihn zu verlassen, muss aber frei von Angst und Ehrgeiz sein. Ich warne dich. Prüfe jeden Weg genau und mit Sorgfalt. Erprobe ihn so oft, wie du es für notwendig hältst. Es gibt eine Frage, die nur ein sehr weiser Mensch stellt. Mein väterlicher Freund hat mir davon berichtet, als ich jung war; aber damals war mein Geist noch zu stürmisch, als das ich sie verstanden hätte. Jetzt verstehe ich sie. Ich werde dir sagen, wie sie lautet: Hat dieser Weg ein Herz?

Alle Wege sind gleich: Sie führen nirgendwo hin. Sie führen durch den Wald oder in den Wald hinein oder hinaus. In meinem Leben, darf ich wohl sagen, bin ich viele lange Wege gegangen, aber ich stehe nirgendwo. Die Frage meines väterlichen Freundes ergibt jetzt einen Sinn. Hat dieser Weg ein Herz?

Wenn er eins hat, dann ist der Weg gut, wenn nicht, ist er nutzlos. Beide Wege führen nirgendwohin aber einer hat ein Herz, der andere nicht. Der eine wird eine freudvolle Reise bringen, solange du ihm folgst, wirst du im Einklang leben. Auf dem anderen wirst du dein Leben verfluchen. Der eine macht dich stark, der andere schwächt dich.

Für mein Leben sehe ich eine andere Wahl: Ich reise nur auf Wegen, die ein Herz haben – auf jedem Weg, der ein Herz haben könnte. Diesen Weg wähle ich, und die einzige Herausforderung von Wert liegt darin, ihn in seiner vollen Länge zu Ende zu gehen. Dort also gehe ich und suche und suche, atemlos.

(Das Leben des Don Juan) / Carlos Castaneda

Na, was denkst Du jetzt?

Da, wo du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Vom Unsinn des Lebens

Kennst Du diese Reisebusse, die irgendwo anhalten, die Menschen steigen zusammen aus und gehen fast in einer homogenen Truppe zu einem Objekt, man nennt das Sehenswürdigkeit, schauen sich um, staunen, weil man jetzt staunen muss. Dann gehen sie zurück zum Bus „ah“ und „oh“ und Fotos auf dem Handy, die niemand sehen will. Genauso gut könnte man sich das Ganze auch im Web anschauen.

Eine solche Szene habe ich letzte Woche wieder einmal gesehen. Und gleichzeitig geschmunzelt und mich geärgert. Denn: Es war auf den wunderschönen hohen Klippen in Grosnez auf Jersey. Da steht eine alte Ruine, ein allerletzter Torbogen. Und dabei eine Schautafel, an der alles schön erklärt wird. Tritt man also aus dem Bus und läuft auf die rechte Seite zu der Burgmauer und läuft dazu zwei Minuten herum, dann meint man, alles gesehen zu haben.

Folgt man aber einem schmalen steilen Weg nach links – kommt man mit zu den schönsten und wildesten und herrlichsten Aussichten über die Steilklippen, in den gewaltigen dunkelblauen Atlantik. In den Wind, der da immer bläst – und in eine fantastische Naturenergie. Das verpassen die Herdentiere, die alle nur in die Ruine gehen. Sie folgen dem Weg nach links nicht einmal, sie wissen ja nicht „ob es sich lohnt“.

Ein bisschen so ist es mit unserem Leben. Ich behaupte mal, die allermeisten Menschen folgen dem Mainstream. Einem gefährlichen Strom, der sagt, was man wie wann und wo tut. Alle haben seit einigen Jahren die kleinen Bildschirme vor den Augen statt die reale Welt. Sie lenken sich ab. Sie sind hypnotisiert und manipulierbar. Das Benutzen unserer Sinne ist abgestumpft oder sogar ganz vergessen worden.

Was ist denn nun sehenswürdig?

Und – wenn es ausserhalb des Mainstream liegt?

Machst Du dann den beschwerlichen Umweg und schaust herum was für dich sehens- würdig wäre?

Wenn ich, auch hier auf Jersey, in die Stadt gehe – dann sehe ich das, was ich den Un-sinn des Lebens nenne. Warum machen Leute dies oder das? Warum essen Menschen dies oder das? Worüber sprechen sie? Was sehen sie sich an? Vor allem aber: Sind sie berührt – oder abgelenkt?

Macht das Sinn, was sie tun?

Leben sie ein Leben, das Ihrem Sinn entspricht?

Und, wann ist denn ein Leben sinn-voll?

Wer folgt denn dem eigenen und vielleicht auch einem kollektiven Lebens-Sinn?

Ich frage mich immer, bei jedem Mensch, ob er seinem Sinn folgt. Die grossen Warum-Fragen haben mich schon als Kind angesprochen. Warum machst Du dies oder das? Warum sollte man dies oder das? Warum willst Du dies oder das? Warum verhältst Du Dich so? Was wird aus dem, was du tust? Warum meinst du dies oder das über dies oder das?

Ehrlich gesagt, ich ging, ich gehe den Menschen auf den Geist mit diesen Warum-Fragen. Weil es eben für viele bequemer ist, sich nicht das Warum zu fragen. Sondern einfach schön: Aus dem Bus (Analogie des Lebenslaufs) auszusteigen, auf die Sehenswürdigkeiten zu schauen. Dokumentieren dass man dort war. Wieder in den Bus einsteigen.

Warum in den Bus einsteigen?

Warum nicht laufen, springen, tanzen, fliegen?

Warum nicht neue Trampelpfade machen?

Warum nicht eigene Eigenartigkeiten erfinden?

Warum nicht mal eine Pause einlegen, still werden, sich selbst wieder finden?

Warum nicht rein spüren, was jetzt gerade Sinn macht?

Gestern war ich an einem sehr magischen Ort, dem Whiterock. Ich legte mich in eine Mulde, um mich vor dem Wind zu schützen und hörte schöne Musik, während mein Blick an Orte schweifte, an dem in den letzten Jahren die Coachees in die Freiheit starteten. Plötzlich kam eine Horde Menschen, setze sich auf den Rock und begann ein wortreiches und lautes Palaver. Ich floh. Um festzustellen, dass sich oben neue Grüppchen platziert hatten, mit Einweggrills, die sich in den englischen Rasen brannten. Der Lärm der Welt hatte mich eingeholt. Leider auch der Unsinn. Die Beatboxen. Die immer gleichen Balz-Rituale der Zweibeiner. Die Lautstärke und das Gequatsche der Abgelenkten. Ein Chor. Ein Kindergarten. Eine daily soap.

Wieviel Unsinn verträgt die Welt?

Wieviel Unsinn verträgst Du?


Und – was macht für dich wirklich wirklich Sinn?

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie!

Im Walde zwei Wege boten sich mir dar und ich ging den, der weniger betreten war – und das veränderte mein Leben.

Walt Whitman (US-amerikanischer Dichter)

Ça et la route barrée

Kennst Du das, wenn du zu einem Moment sagen willst: Verweile doch Du bist so schön? Es ist übrigens ein Zitat aus Goethe’s Faust. Aber heute wollte ich das sagen.

Ich fuhr knapp 700 sehr entspannte Kilometer ins Centre val de Loire, nach Bourges. Es war fantastisches Wetter, wie immer, wenn ich nach Jersey unterwegs bin, ging es direkt nach der französischen Grenze los: Stahlblauer Himmel und Schäfchenwolken. Freundliche Menschen, melodische Sprache, freie Autobahnen und charmante Hügel mit weissen Kühen und Schafen. Immer, wenn ich in Frankreich bin, fühle ich, dass ein Teil meines Herzens Französin ist und ich erträume mir ein anderes Leben.

Und als ich plötzlich dieses Schild sah – die Strasse ist hier zuende… dachte ich: Okay, ich bleibe. Ich suche mir so ein schönes verlassenes Haus (warum gibt es soviele davon, wo sind die alle hin?) und niste mich ein und schreibe. Dann treffe ich Angelique, Pierre oder Luc, gehe zum Singen mit Philippe und Antoine und schmelze so rein in dieses französische Leben.

Bis…. na ja, bis ich dann wieder weiter will. Auf meine kleine Insel im Meer, nach Südengland, in die grüngrünen Hügel von Wales, zu der scharfen und klaren Energie der schottischen Highlands, zum Tanzen nach Irland und dann immer immer weiter… Und überall verschmelze ich, wenn ich sehe, dass eine Strasse endet.

Kennst Du das, dass man an einem Ort einfach bleiben will, weil sich gerade alles richtig anfühlt? Hier sind lauwarme 24 Grad, die Vögel geben ein Abendkonzert und das Chateau, in dem ich gerade verweile, strahlt echte Ruhe und Geborgenheit und Schönheit aus. Ein Ort zum Bleiben. Zum Dasein und Hingehörenwollen.

La vie est belle!

Spürst Du das auch, dass das Leben auch manchmal einfach gut ist, ohne viel Tamtam, einfach, weil Dein Herz mal für einen Moment ausruhen kann? Heute auf der Fahrt hatte ich ein Voicemail Gespräch mit einer lieben Freundin, der ich ein Video schicken konnte, das ich schon oft hier im Blog erwähnt habe. Aber wieder und immer wieder will ich es empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=OVQQ3An4csE

Weil es diesen Platz im Herz gibt, in dem alles einfach nur gut, schön und nährend ist, wenn die Gedanken aufhören können uns durchzudrehen.

So, jetzt gehe ich an den See und lege mich ins Gras. Vielleicht schmelze ich einfach so in den Boden hinein und bleibe…

und wenn nicht: Geht die Reise einfach weiter. Jede Reise. Das Leben.

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch: C’est la vie!

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Rätsel

Vor einigen Jahren traf ich eine grossartige buddhistische Nonne. Sie referierte über wichtige Themen und strahlte eine unglaublich klare Präsenz aus, die mich und alle Anwesenden verzauberte. Zum Ende des Vortrags gingen einige für eine Segnung und ein paar Worte zu ihr. Sie legte die Hand auf den Kopf oder drückte einige von uns an sich. Und einigen gab sie einen Koan.

Ein Koan ist eine Fragestellung, ein Paradox oder etwas Unlogisches oder eine kleine Begebenheit, die zu einem inneren Verstehen anregen soll. Ein Koan kann auch als Rätsel verstanden werden.

Koans können nie vom Verstand her gelöst, sondern nur durch intuitives Eintauchen in die Weisheit der Frage verstanden werden. Die Frage und die Suche nach der Lösung machen den Praktizierenden für eine echte Erkenntnis empfänglich.

Koans weisen ein Stück des Weges zur letzten und am meisten möglichen Wahrheit.

Anfangs folgt der Suchende dem Koan wie auch im Leben gewohnt logisch, auf der Verstandesebene. Das ist der erste Schritt, der gemacht werden kann, um sich aus dem Verstand heraus zu bewegen – erst einmal tief in ihn hinein zu gehen. Mit der Erschöpfung durch das endlose Überdenken und Zerdenken verblasst nach und nach das Denken, es schmilzt, und reines Empfinden und Erkennen der Antwort tauchen auf.

Es gibt Ansätze, von Anfang an nicht mit dem Verstand um eine Lösung zu ringen, sondern sich ganz in das Koan “hinein zu versenken”, “hinein zu empfinden”, “in die Tiefe des Koans hinab zu steigen” – wie man den intuitiven Weg auch formulieren mag.

Auch wenn das Koan unlösbar erscheint – es gibt eine Antwort! Die Antwort erfolgt immer authentisch im Hier und Jetzt des Schülers, aus der Präsenz des Moments und bezieht sich ganz und gar auf die Frage.

Die Nonne schaute mir in die Augen, legte mir die Hand auf die Schulter und gab mir einen solchen Koan.

Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Dann lächelte sie mir milde zu und wandte sich an den nächsten Schüler.

Ich war irgendwie erschüttert. Sofort begann mein Geist Zusatzfragen zu formulieren, den Satz auseinander zu nehmen, die Betonungen zu verändern und sich in die Antwort hinein zu denken. Das tat ich sehr sehr lange. Ehrlich gesagt: Jahre. Und meine Gefühle wechselten von Lachen zu Verzweiflung, zu Wut und zur Traurigkeit in eine emotionale Achterbahn. Ja, warum denn nun! Warum sind wir nicht einfach glücklich! Dieses Rätsel gab sie ausgerechnet mir! Ich bin doch die allermeiste Zeit glücklich! Woher sollte ich denn wissen, warum es die anderen nicht auch sind! Das ist doch mein Dilemma! Mein Beruf! Ich frage doch immer und immer wieder: Was macht Dich glücklich? Warum machst Du nicht mehr davon?

Aus dieser einen Frage formulierte ich dutzende neue Fragen. Ich behandelte sie in meiner Arbeit, ich näherte mich ihr künstlerisch, dichterisch, musikalisch, im Ausdruckstanz, in der Meditation. Sprach mit vielen Menschen darüber, las kluge Bücher, hörte mir Vorträge an. Und hey, ich googelte die Frage auch hunderte male.


Ich habe keine Antwort gefunden.

Und dann, am Samstag. Mein Coachee war noch da und die nächste Patientin erschien etwas zu früh. Ich sagte: Gib mir bitte noch ein paar Minuten, magst Du schon mal in das hintere Zimmer tanzen? Und sie antwortete: Darf ich auch gehen statt tanzen?

Und da war sie wieder – die Frage. Warum sind wir nicht einfach glücklich?

Warum tanzen, lachen, lächeln, umarmen wir nicht viel viel mehr?

Warum feiern wir nicht?

Warum machen wir uns nicht frei, von dem, was uns schwer und unglücklich macht und lassen alles los, was uns vom Glück abhält?

Wir können das Leben nicht erst aufräumen, die ToDo Liste abarbeiten, die Probleme lösen, den Normen und Regeln gehorchen und brav sein BEVOR wir glücklich sind. Wir können das Glücklichsein nicht aufschieben! Wir können nicht warten, bis alles perfekt ist und dann glücklich sein. Vielleicht gibt es ja kein „Dann“ mehr.

Also frage ich heute Dich: Warum bist du nicht einfach glücklich?

Nimm Dir Zeit zum Reflektieren. Die Antwort kommt bestimmt. Und damit die Lösung all dessen, was Dich davon abhält.

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch: C’est la vie!

Nur ein Schritt

In der vergangenen Woche hatte ich gleich mehrere Begegnungen mit Menschen, die ganz kurz vor dem Durchbruch oder Aufbruch stehen. Allerdings standen alle an der selben Stelle: An der Klippe. Kurz vor dem Absprung.

Eine Elefantenherde, aus Liebe, Lust und Leidenschaft rannte schon hinter ihnen her. Vor ihnen: Das freie Meer. Die Unendlichkeit aller Möglichkeiten. Ein Sog, der aus Sehnsucht besteht. Und doch: Verharrten sie an dieser Stelle. Zögern. Zählen scheinbare Sicherheiten und angstvolle Unsicherheiten auf.

Ja. Es ist anspruchsvoll zu springen. In den freien Fall. In die Gefahr. In die Freiheit. Denn: Da wo ich bin ist es vielleicht gar nicht so schlecht? Vielleicht gemütlich? Sicher? Gewohnt? Angewöhnt? Geborgen?

Wenn das jemand versteht, dann ich. Auch wenn es manchmal so aussieht als ob ich kinderleicht jede Gefahr eingehe und jedes Risiko in Kauf nehme, so kenne ich doch dieses angstvolle Verharren vor dem allerletzten, dem konsequenten Schritt. Auch deshalb, weil es ja so viele gutgemeinte Rat-schläge gibt. Und unser Volksmund sagt: Lieber den Spatz in den Hand als die Taube auf dem Dach!

Aber: Will ich einen Spatz? Eine Taube? Nein. Niemals. Ich will den Adler. Du doch auch!

Manchmal tut dann folgendes gut: Vor Deinen Augen das Neuland. Das, wo Du unbedingt hin möchtest. Das Ziel. Die Vision. Die grosse Reise. Die vollkommene Erfüllung Deiner Träume…

…. und wenn du jetzt nur wenigstens diesen einen Schritt machst? Nur einen einzigen?

Du wirst schon nicht gleich von der Klippe stürzen. Aber: Du musst einen MOVE machen. Einen wirklichen entschiedenen Schritt auf Dein Ziel zu. Wie von Geisterhand ergeben sich daraus genau die nächsten Schritte.

Vor einigen Jahren hatte ich einmal eine Coachee mit einer intensiven Sozialphobie. Sie konnte sich nur noch ca. 20m von ihrem Zuhause entfernen und hatte vor allem Angst. Irgend etwas in ihr hatte ihr den Mut gemacht, sich auf Konfrontationstherapie und auf mich einzulassen. Ich packte sie mit verbundenen Augen in mein Auto und fuhr mit ihr in den Wald. Nun musste sie aussteigen und ich bat sie 10 Schritte zu gehen. Und dann noch mal einen Schritt … und noch einen Schritt … und noch einen Schritt. Manchmal musste sie zuerst eine Hand heben und den Arm strecken und dann den Körper nachkommen lassen. So entfernte sie sich immer weiter von mir und dem sicheren Auto. Am Ende rannte sie, sprang, tanzte. Der Körper hatte sie frei gelassen. Die Angst war nur im Kopf, ihr Körper wollte den Move, die Bewegung, das ins Fliessen kommen.

So möchte ich all den wunderbaren Menschen, denen ich letzte Woche begegnet bin und allen, die das Prinzip des Verharrens gerade trifft, zurufen: Mach den Schritt! Und noch einen und noch einen und noch einen!

Und dann: SPRING.

Das Leben ist immer FÜR Dich!

Da, wo du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie!

Hingabe

In der letzten Woche war ich mit meiner Freundin bei unserem liebsten Schauspieler, Ben Becker. Wir sind seine geheimen „Groupies“. Wir reisen zu jedem neuen Stück. Dann sitzen wir schmachtend im Publikum und hängen ihm mit jeder Faser an den Lippen. Und er hält unsere – und die Herzen aller anderen Zuschauer – in den Händen. Er versteht es, in eine Rolle so einzutauchen, dass er die Rolle im wahrsten Sinne des Wortes „verkörpert“. Erst zuletzt, wenn er sich verbeugt und für die immer „Standing ovations“ bedankt, kommt seine eigenwillige Persönlichkeit wieder zum Vorschein. Dann feiert er sich – und das absolut zu Recht. Unvergesslich das Stück, das wir vor einigen Jahren gesehen haben: „Ich, Judas“. Ben lief von rechts nach links im riesigen Kirchenschiff im Hamburger St.Michel. Und er proklamierte, schrie, klagte, litt, jammerte, wütete als Judas in seiner Verteidigungsrede. Wir waren so ergriffen und sprachlos, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können, als er das Stück beendete. Ben war Weltklasse. Und – er war absolut und vollkommen in diese Rolle eingetaucht, es gab kein Zipfelchen mehr seiner eigenen Persönlichkeit.

Wenn es etwas gibt, was dieser grossartige Schauspieler neben seinem Spiel, neben seiner sonoren Stimme, neben seiner Intensität und seiner energetischen Körperlichkeit zur Verfügung stellt, dann ist es das, was ihn besser sein lässt als viele andere – Er gibt sich vollständig hin.

Hingabe – dieser Begriff löst bei vielen Menschen unwillkürlich Unbehagen aus. Die Vorstellung von Hingabe wird häufig verbunden mit Auslieferung, ja Kapitulation. Als käme man mit einer weissen Fahne aus einem Versteck und müsste sich auf Gedeih und Verderb einem fremden Diktat oder Zwang unterwerfen. In diesem Sinn aktiviert die Vorstellung von Hingabe eine Urangst, die viele Menschen kennen: die Angst vor Auflösung, die Angst, dass nichts mehr von einem übrig bleibt.

Und genau das Gegenteil ist der Fall – wer sich hingeben kann, der lebt eigentlich doppelt so intensiv.

Hingabe beschreibt einen Vorgang, der mit höchster Achtsamkeit verbunden ist. Alles, was mit Achtsamkeit geschieht, ist belebend, bereichernd und kraftvoll. Im „Tibetischen Buch vom Leben und Sterben“ zitiert Sogyal Rinpoche Buddhas Worte: „Einzig und allein durch Hingabe kann man die absolute Wahrheit erkennen.“ Und weiter führt er aus, Hingabe habe nichts mit kritikloser Anbetung oder dem Aufgeben der Eigenverantwortung zu tun, sondern vielmehr: „Wahre Hingabe ist eine stetige Empfänglichkeit für die Wahrheit. Wahre Hingabe hat ihre Wurzeln in einer ehrfurchtsvollen Dankbarkeit, die zugleich klar, geerdet und intelligent ist.“


In diesem Sinne versteht sich Hingabe als einen Akt der vollständigen Überantwortung an das Leben, als eine Einwilligung in das Leben. Wenn wir uns hingeben, löst sich unsere Ego-Bezogenheit langsam auf, nicht aber unsere Intelligenz, unser Unterscheidungsvermögen, unsere Stärke. Hingabe bedeutet, uns dem Leben gegenüber voller Vertrauen, nackt und schutzlos zu präsentieren. Eine solch offene Haltung ermöglicht es uns, alle Bedingungen des Augenblicks mit einzubeziehen.

Will ich also Hingabe üben, brauche ich ein Gewahrsein dessen, was im jeweiligen Moment geschieht. Dafür ist es hilfreich, die Wahrnehmung meiner Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen zu verfeinern. Es geht darum, sozusagen ein Lauschen nach innen und nach aussen zu praktizieren. Ist aufgrund der äusseren Gegebenheiten Vorsicht angesagt, wird sie sich im passenden Moment einstellen. Die Abwehr möglicher Gefahren kommt dann nicht aus der Enge, sondern aus der Weite der offenen Grundhaltung. Deshalb kann echte Hingabe nur aus einer inneren Stärke heraus entstehen.

Der große Gegenspieler der Hingabe ist die Angst. Niemand sagt das so schön und eindringlich wie Hermann Hesse in seiner Geschichte: „Klein und Wagner“:
„In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sich-fallen-Lassen, den Schritt in das Ungewisse ­hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, wer einmal das grosse Vertrauen geübt und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen.“

Ein Grossteil unseres Verhaltens zielt darauf ab, Hingabe zu vermeiden, um das Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins, der Nacktheit nicht erleben zu müssen. Wenn es uns gelänge, Gefühle von Ohnmacht anzunehmen und sie grundsätzlich zu bejahen, würden wir erkennen, dass Hingabe ohne Verletzlichkeit nicht zu haben ist. Dann könnten wir aufhören, uns selber ständig zu „schützen“.

Denn was bringt uns denn dieser ständige Schutz? Was haben wir denn zu verteidigen, was wertvoller ist als unsere intimste Wahrheit, das sich-einlassen?

Was passiert, wenn wir uns nie dem Leben, dem Moment hingeben sondern immer alles unter Kontrolle behalten, den Schein wahren, die Sicherheitslinie nicht verlassen? Wenn wir mit allen Eventualitäten und Gefahren rechnen und sie versuchen zu vermeiden? Ich habe Jahre damit verbracht, Gefühle nicht auszusprechen aus Angst vor Zurückweisung. Und ja, ich habe auch Jahre damit verbracht Gefahren zu umgehen. Wir alle umgehen das, was uns verletzen könnte. Aber: Leben wir denn dann überhaupt?

Irgendwann ist der Knoten dann geplatzt. Und seitdem….. ich sag es jetzt mal ganz platt: Ich scheisse auf Sicherheit.

Und jetzt wieder fein: Ich habe gestern einen wundervollen Coachee getroffen, der sich mit seinem vollen feinen und reichen Herzen in eine neue Liebe eingibt, obwohl er von der alten Liebe haushoch traumatisiert wurde. Er traut sich das. Voll und ganz.

Und dann ist noch dieser herrliche Eisbader, der am Wochenende durch dicken Schnee ging und ein Loch ins Eis grub, um seine Kursteilnehmer in den scharfen und absoluten Moment des Eintauchens einzuladen. Eisbaden, das geht nur mit totaler Hingabe. Jeder Widerstand kann da grossen Schaden anrichten. Man muss sich hingeben. Eine Erfahrung, die riesige Kräfte in Gang setzt. Danke Beat, du wilder Kerl, das Du das machst.

Hingabe ist Kunst. Hingabe ist messerscharf. Ist Risiko eingehen. Hingabe ist Liebe. Hingabe ist Freiheit. Mut zeigen. Weich sein. Sich vollständig einer Sache verschreiben und nicht mehr mit dem Ego eingreifen. Es ist wunderschön. Es ist gefährlich. Und schliesslich und endlich sind die Momente der Hingabe die, in denen wir wirklich wirklich leben.

Da, wo wir das Leben spüren können, da ist es auch. C’est la vie.