Paartanz

Das Paar sass in meiner Blickrichtung und fiel mir gleich auf, als ich ein Auge auf sie warf. Sie eine ältere Lady mit Minirock und geflochtenen Zöpfen und er ein älterer Herr, fein angezogen und mit einer schönen Ausstrahlung. Immer wieder versuchte er, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Hielt das Gespräch am laufen, schmeichelte ihr und fragte sie vieles. Sie antwortete sehr kurz. Er legte den Kopf schief, lächelte sie an, streckte hin und wieder seine Hand zu ihr hinüber. Nur ein einziges mal durfte er ihre Hand kurz halten, dann zog sie sie wieder zurück und liess ihn alleine in seinem Bemühen. Ich sah ihn schrumpfen, seine Schultern gingen nach unten, die Körperspannung zog sich zurück. Ganz offenbar zeigte seine Begleiterin ihm die kalte Schulter. Mich machte das irgendwie traurig.

Warum, fragte ich mich, haben Frauen irgendwann mal aufgehört, sich dem Mann anzuvertrauen? Warum soviel Widerstand und Zickerei? Es war nicht das erste Mal, dass ich beobachtete, dass Männer so oft ins Leere laufen. Frauen haben inzwischen Schwierigkeiten sich anzuvertrauen, geschweige denn schaffen sie eine Hingabe, die das gemeinsame Schmelzen möglich machen würde. Wie schade. Ich weiss nicht, wann und wer das angefangen hat: Das Verweigern. Waren es zuerst die Frauen, weil sie ihre eigene Stärke und Unabhängigkeit nicht mehr mit dem Partnerschaftsverhalten überein bringen können? Oder waren es die Männer, die das Interesse verlieren wenn nichts mehr von den Frauen zu erwarten ist? Wie schade. Der Paartanz hat gelitten in den letzten Jahrzehnten.

Die kleine Szene liess mich nachdenklich werden, über die Beziehungen (was für ein entsetzliches Wort Be-zieh-ung) von mir und meinem Umfeld. Auch von meinen Coachees. In ganz vielen Verbindungen sehe ich das: Dieses Ringen und Kämpfen und Verhandeln und Konkurrieren. Statt das gemeinsame Schmelzen und Unterstützen, Umgarnen und miteinander schwingen. Und dabei bräuchte es nur eins: Fortwährende gegenseitige Be-wunderung. Also: Das Wunder im Anderen sehen. Das, was ist, als wertvoll ansehen. Den Nächsten als kostbare Ergänzung sehen: Als eine Bereicherung, Inspiration, als Spiel-und Tanzpartner. Wenn das jeden Tag des Zusammenseins stattfinden würde, dann wären zwei eins. Dann wäre ein Paar ein Paar und nicht zwei Menschen, die zufällig am selben Tisch sitzen. Alle, die das nicht mehr machen möchten, sollten sich um ihrer Selbst willen und zum Wohle des Partners einfach fair loslassen. Um dann mit einem anderen zu tanzen.

Gerne wäre ich zu dem Paar an den Tisch zurück gekehrt und hätte mich eingemischt. Aber das stand mir nicht zu. Schlussendlich war es nicht sicher, ob ich das richtig gedeutet hatte. Vielleicht waren sie Geschwister oder sie hatten gerade vorher gestritten und das Zicken gehörte zum Versöhnungsspiel. Oder sie waren dabei sich zu trennen. Oder sie hatten einfach einen schlechten Tag. Was ich aber gerne gesagt hätte: Wie schön es zu beobachten gewesen war, wie er sich um sie bemüht hatte.

Im Weitergehen fielen mir dann doch noch ein paar Paare auf, die miteinander waren statt allein. Hier in Frankreich blüht die Liebe immer besonders schön. Ich sah einige Paare Hand in Hand. Im Anschluss an diesen Blog habe ich die Fotos zugefügt. Wie war das schön zu sehen, das gemeinsame Laufen, den Gleichklang, die Zugewandtheit. Händchenhalten habe ich immer gemocht. Und wenn ich überhaupt irgend etwas vermisse bei meinem Free-Solo-Tanz dann das: Einander die Hand halten.

Ich glaube, der nächste der dauerhaft meine Hand hält und mit dem ich mich gegenseitig bereichern kann, könnte mich glatt zum Dahinschmelzen bringen. Aber das ist dann vielleicht ein späterer Blog, den ich noch erzählen darf.
Solange bleibe ich – überaus amüsiert und glücklich: Eine Geschichtenerzählerin auf Beobachtungsposten.

Denn: La vie est belle! – Das Leben ist schön.

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