Mein Blog kommt einmal zu einer ungewöhnlichen Zeit. Ich war aus der Zeit herausgefallen und sprachlos geworden, das gibt es selten bei mir, aber es kommt vor, wenn etwas passiert, für das es keine Worte gibt. Ich hatte einen Abschied von einem geliebten Weggefährten, der mich hart traf. Natürlich war ich vorbereitet und hatte es sogar geplant und war dabei, als seine letzten Atemzüge ihn verliessen. Ich musste etwas erfahren, das ich in diesen Tagen oft erfahre: Dass ich etwas „das letzte Mal“ mache.
Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass es mich so umhauen würde. Auch wenn ich gut im Loslassen bin und eigentlich nie an etwas festhalte – und mich auch nicht festhalten lasse.
Ich ging durch eine bewegte Woche und musste über mich selbst schmunzeln. Denn noch vor kurzem hatte ich geschrieben: Bis die Liebe fliesst. Der Blog vor zwei Wochen. Jetzt spürte ich selbst, wie die Liebe und der Schmerz Hand in Hand in mir blockiert waren. Also ging ich in den Wald und schlich um die Bäume und atmete und zählte mir auf, was alles an Wunderbarem in meinem Leben ist und immer sein wird.
Und dann ereilte mich das Video eines anderen Mental-Coaches. Sie sagte: Du bist dir nicht begegnet, bevor du nicht in deine dunkelsten Momente abgestiegen bist. Und erst da erfährst Du, wer Du selber bist. Und das wird deine Superpower. Denn: In Dir selbst liegt die Person, die Dir am besten helfen kann.
Geh dem einmal nach und sehe, wie es Dich vielleicht liebevoll berühren kann. Mehr als es ein anderer Mensch kann – und wenn er noch so wunderbar ist.
Nach dem Abschied von George bekam ich unheimlich schöne und liebevolle Worte und Gesten. Jede einzelne half ein bisschen. Nur: Am Ende des Tages war ich diejenige, die mit der Realität konfrontiert wurde. Und niemandem hatte er so viel bedeutet wie mir und niemandem wird er so fehlen wie mir. Also: In meine eigene Dunkelheit absteigen und in meiner geheimen Schatzkammer nach meinem Lieblingsmenschen suchen. Und: Es klappte!
Ich fand viele Variationen von mir, in allen Lebensaltern, in diversen Lebenssituationen, in vielen unterschiedlichen Momenten mit unterschiedlichen Gefühlslagen. Eine war nur für Liebeskummer zuständig, eine Krankheit, die mich in den 20er und 30er Jahren begleitet hatte. Eine war für Lebensumbrüche zuständig mit den ängstlichen Momenten des Zweifels, sie war das ganze Leben anwesend und ist es auch jetzt wieder. Eine hatte mich als Kind vor Grobheit und Einsamkeit beschützt. Eine war mir Trost, wenn die harte Welt mir verbal entgegenschlug (sie strich Poesie und Feinsinn aufs Honigbrot) …Eine war für Verluste zuständig, diese war ganz besonders zart. Eine hat mich ermuntert wenn ich gescheitert war und mir Mut eingeflüstert es weiter zu versuchen. Ich fand die besten Freundinnen in mir selbst – und müsste ich es benennen, dann würde ich sagen, sie behauptet: Du wirst alles schaffen, überleben, durchleben und in Dir selbst heil sein wenn du an dich glaubst und bei dir bleibst.
Also ja, die letzten Male kommen die nächsten Wochen immer mehr. Ich habe auch das gewählt. Ich hätte weitermachen können und einfach da bleiben wo ich bin und tun was ich immer getan habe. Das hat gut funktioniert und man kann das Leben so führen und auf Nummer Sicher gehen und sich nirgends mehr hin bewegen. Das hat geklappt und mich auch oft glücklich gemacht.
Aber bei meinem Abstieg in die Schatzkammer meines Herzens habe ich auch die wilde Rebellin wieder gefunden, die Wagemutige und Riskante. Die Geschichtenerzählerin die ihre Geschichten erzählen will. Die Meertänzerin die in den Wellen tanzen will. Die Französin und Irin und Schottin und Weltreisende in mir, die nach Heimat verlangt. Meine Geschichte ist noch nicht fertig, erkannte ich da – sie muss weiter erzählt werden und komplett ausgelebt werden. Es warten noch einige Ichs und dafür muss ich die, die ich war – und auch die, die mit George durch die Schweizer Wälder streifte und die, die mit den wunderbaren Menschen in meinem Coaching mit mir lachten und weinten – verlassen. Das sichere Nest, die Anforderungen, die Pflichten, die Anstandsregeln, die Arbeit, meine liebste Praxiskollegin, meine Routinen… Also dies und das noch das letzte Mal. Das letzte köstliche Mal.
Und dann weiter. Den Kopf hoch. In den Himmel schauen.
Meine Geschichte geht weiter. In die Tiefe, geradeaus und nach vorne.
CG.Jung hat einmal gesagt: Irgendwann in deinem Leben musst Du Dich entscheiden: Willst Du gut sein? Oder ganz.
Ganz.
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Oh, mein Gott! Dein Text hat mich echt umgehauen und Tränen sind geflossen! So viel Berührt sein, so viel erkannt fühlen, so viel Wahrheit und so viel Trost! Es macht sinn und nehme diesen Schatz in Worten tief in meinem Herzen auf! Du bist seit langem pure Inspiration und Vorbild! ♥️
LikeLike