Letzte Woche bin ich verloren gegangen und das mit richtig viel Spass. Mein GPS hat mich in die Irre geleitet, wie herrlich! Ich wollte um Paris herum fahren. Und war abgelenkt, weil ich schöne Musik hörte und meiner Zeit in der Bretagne nachträumte. Da meldete mein GPS, dass es einen Stau gäbe, wegen eines gesperrten Tunnels, und schlug mir eine Ausweichroute vor. Blind und gutgläubig, wie ich der Technik gegenüber stehe, stimmte ich zu. Und das elektrische Leitsystem brachte mich in die spannendste aller Routen. Es hätte mir auffallen sollen, dass ich der schönen Seine schon lange folgte. Ich freute mich auch noch über die Hausboote und träumte mich in eine Geschichte, die ich vor kurzem von einem Bücher-Hausboot gelesen hatte.
Dann bewunderte ich die schönen Strassencafes und die schönen Menschen. Und die eleganten Damen mit Sonnenhut. Irgendwann dann realisierte ich: Ich war MITTEN in Paris! Ich fuhr durch das allergrösste Chaos. Über die Champs Elysee. Am Louvre vorbei! Am Siegestor! Und plötzlich waren gefühlte eine Million Menschen um mich herum. Allerlei Gefährte, von der Rikscha über Motorroller, Touristenbusse, Fahrräder, Bikes – und Autos in 5 Linien, obwohl es nur drei Fahrspuren gab. Von allen Seiten kam etwas und ich war genau in der Mitte. Unmöglich die Richtung zu wechseln. Ich war eingekeilt und sah wie rücksichtslos der Verkehr hier floss. Das Gesetz des Frechheit. Alle schlängelten sich durch, einer boxte mir aufs Dach. Ich geriet kurz in Panik ….
… und dann entspannte ich mich. Einfach so. Irgendwann würden sie das kleine Schweizer Auto rauslassen aus diesem gordischen Knoten. Ich beobachtete, tastete mich Zentimeter für Zentimeter vor und genoss die Szenerie. Denn: Alle lächelten. Die Sonne schien. Der Duft von Kaffee und Gebäck strömte über die Strassen. Die Menschen waren schön. Die kleinen Bücherstände an der Seine waren gut gefüllt, wie gerne hätte ich da auch gestöbert. Auf einer Bank sass ein Mann und blätterte versonnen in einem Bildband. Menschen mit Hunden waren unterwegs, kleine Kinder mit Eis in der Hand, Leute mit einem Baguette im Korb. Diskutierende Männer vor einer Boucherie. Das war PARIS! Ich hatte einfach so eine kleine Stadtführung bekommen, wenn auch im heissen Auto und in einer brenzligen Situation im Verkehr. Ich wollte das geniessen.
Irgendwann war der Spuk vorbei. Ich kam an einen Knotenpunkt, an dem es in verschiedene Himmelsrichtungen ging und wusste den nächsten Ort auf meiner Route nicht. Also wartete ich, dass das GPS mit mir sprach und genau dann fiel es aus. Es schwieg und fand die Route nicht. Also kreiste ich gefühlte 5,6 mal um diesen Abzweigungskreisel. Überall Autos, viele ungeduldig. Und auch hier geschah etwas, das für mich unerwartet war: nachdem ich das GPS angebrüllt hatte (das ist mein normales Autofahrer-Ich) gab ich mich einfach der Situation hin. Irgendwann, so war ich überzeugt, würde das GPS wieder wissen wo wir waren und wie wir da hin kommen würden, wo es hingehen sollte. Und als ich mich entspannte, nahm ich intuitiv einfach die richtige Ausfahrt.
Der Rest der Reise war geschenkt. Wer Frankreich kennt, der weiss, dass Autobahnen auch mal zwischendurch aufhören und es durch kleine Dörfer über Land geht, in denen die Hühner noch über die Strasse laufen.
Ich hatte mich verirrt und etwas Schönes erlebt, statt einfach stupide der Autobahn zu folgen. Ich genoss den kleinen Film noch, den ich gesehen hatte. Paris hatte wie immer eine amüsierende Wirkung auf mich.
Wie oft denken wir, dass der Weg nicht weiter geht und dass es doch anders sein müsste als es gerade ist? Schmerz entsteht vor allem durch eins: Durch Widerstand. Wenn wir uns entspannen können, obwohl wirklich alles dagegen spricht, dann können kleine Wohltaten zu uns kommen. Dann wird das Leben unerwartet leicht. Dann können wir uns amüsieren statt Angst zu haben. Dann finden wir vielleicht intuitiv die richtige Lösung und den richtigen Weg.
Und wenn es mal keinen (Aus-)weg gibt?
Dann müssen wir uns erst recht entspannen. Weil eben Verspannung nirgends hinführt und uns den Blick zudem verschliesst was in der gegenwärtigen Situation noch gut sein könnte.
Wir müssen einfach alles loslassen was uns fesselt und vom Lebensgenuss abhält.
Einfach?
Das hört sich leicht an! Und das ist es auch. Manchmal braucht es nur einen kleinen Moment der Ruhe und die Entscheidung: Das ist jetzt so. Ich akzeptiere. Ich gebe mich hin (nicht ich gebe mich auf!). Ich entspanne mich. Ich lasse das Leben durch mich fliessen. Ich greife nicht ein. Ich schaue was kommt.
Probiere es aus. Jetzt gleich!
Was kannst Du jetzt einfach mal akzeptieren dass es so ist wie es ist?
Du schaffst das. Lass das Leben die Überraschungen arrangieren.
Alles wird gut.
Willkommen in der Adlerperspektive!




Ach herrlich…ich bin eine Freundin von Heidrun Wieben. Ich lese Deine montäglichen Motivationen schon lange still mit und Du begeisterst mich immer wieder. Vielen Dank dafür! 😀 Ich hatte eine ähnliche Situation vor ca. 30 Jahren in Barcelona. Blind losgefahren…Navi gab es nicht…und wollte nach Sitges mit meinem schwulen Kumpel ohne Führerschein. Barcelona hat mich erschlagen und ich befand mich auch plötzlich auf 5 Autospuren in dieser völlig fremden Stadt und in meiner Spur stand plötzlich ein Verkehrshütchen und wie von Zauberhand konnte ich ausweichen. Da rutschte mir das Herz schon in die Hose (vor allen Dingen mit so einem kreischigen Beifahrer 😂) . Danach war ich so cool und habe sogar zufällig gleich die richtige Ausfahrt gefunden obwohl die Schilder dort nicht oben sondern unten angebracht waren. Das lief so reibungslos, dass ich mir über die Rückreise keine Gedanken gemacht habe. Da war allerdings dann, nachdem auch noch mein Auto am Strand aufgebrochen wurde (ein großer Teil Klamotten war weg) der Rückweg genau das Gegenteil. Wir sind in Barcelona mindestens 7 mal im Kreis gefahren und kamen irgendwie nicht raus. 🙈 Es war heiß und voll und überall standen schon überhitze dampfende Autos an der Seite und ich sah mich dort mit meinem nicht sehr hilfreichen Beifahrer auch schon stehen. Mithilfe eines Tankwarts der mich nicht verstanden hat und ich ihn nicht haben wir doch irgendwann den Weg gefunden (er hatte mir den Weg mit einem dicken Filzstift auf eine Fliese gemalt-allerdings kamen die Entfernungen gar nicht hin). So habe ich den Hauptknotenpunkt dort jedenfalls gut im Gedächtnis und lache mich heute noch darüber kaputt. Diese kleine Anekdote wollte ich Dir mal hinterlassen, damit Du auch weißt, dass eine stille Mitleserin Deine „Adlerperspektiven“ sehr gerne liest und sich jeden Montag darauf freut. Liebe Grüße Wiebke aus Hamburg! 🥰
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