In der vergangenen Woche habe ich eine Übung mit meinen Coachees gemacht: Ich gab ihnen ein ABC und bat sie, zu jedem Buchstaben zu sagen, was ihnen dazu einfällt.
Willst du das probieren?
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
Seit vielen Jahren ist das eine Übung, die alle, bis auf eine einzige, immer gleich „falsch“ gemacht haben. Sie suchen nach Worten, die mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen. Und leider, leider sind die Antworten sehr oft gleich: Fast nie habe ich bei X etwas anderes als Xylophon gehört. Bei V Vogel. Bei S Sex.
Ich habe aber nie gesagt: Gib mir ein Wort, das mit dem Buchstaben beginnt.
Wir alle haben diese Denkschablonen im Kopf. Einmal gelernt: Das muss so sein, das kenne ich schon, ich weiss, was sie will. Und dann tun wir, und – Wir hören nicht hin. Wir lassen uns keine Zeit. In den allermeisten Fällen sind unsere Unterhaltungen PINGPONG und es wird schnell geantwortet, assoziiert, gefolgert, scheinbar verstanden. Nur: Diese „Antworten“ kommen alle aus unserem Speicher, aus den gesammelten Antworten und Lebensweisheiten, aus Meinungen, die wir oft gehört haben. Aus verbalem Müll, der sich in uns angesammelt hat. Du erinnerst dich an meinen Blog letzte Woche! Tip top 🙂
Wir haben alle Denkschienen angelegt. Argumentationsketten. Tausend mal geäusserte Standpunkte. Immer und immer wieder abgerufen und meistens sind die Gesprächspartner auch mit diesen Satzfragmenten zufrieden. Meistens „wissen“ wir ja sogar, was das Gegenüber dazu sagen wird. Oder nehmen es vorweg (Annehmen, was kommt, daraus schon von vornherein Schlüsse ziehen). Ach herrjee. Da könnten wir auch gleich alle künstliche Intelligenz sein.
Wer hat denn die künstliche Intelligenz erschaffen? Auch wieder nur unser kleiner, beschränkter Geist. Alles was der Computer weiss, haben wir ihm geflüstert. Und es funktioniert ja auch wie eine Google-Suche: Etwas, das oft gesucht oder gesagt wird, erscheint ganz oben in der Liste, ist sozusagen der Favorit, weil am meisten wiederholt.
Aber – was ist denn Deine ganz persönliche Meinung?
Was ist Deine Erfahrung mit dem ein oder anderen Thema?
Welche Denk-Kapriolen machst Du denn?
Wo ist Deine Individualität, Deine eigene Haltung? Hast Du denn eine?
Es gibt in Deutschland den Kommunikationspsychologen Schulz von Thun, der eine „richtige“ Kommunikation einmal so erklärt hat:
Ein gutes Gespräch hat vier Seiten, wie die vier gleichlangen Seiten eines Quadrats:
Den Sach-Aspekt
Den Selbstoffenbarungs-Aspekt
Den Beziehungsaspekt
und den Appell.
„Eigentlich“ enthält also eine gute Kommunikation diese vier Ebenen. Und ich würde noch eine dazu fügen wollen: Die Körpersprache/Mimik. Die einzige Sprache, die niemals lügt.
Halten wir uns also jetzt in den „Google“-Antworten auf, dann geben wir überhaupt nichts von uns preis, sondern wiederholen immer den gleichen langweiligen und oberflächlichen Schrott. Damit kann die andere Person ganz und gar nichts von uns lesen, uns nicht wahrnehmen. Dann können wir auch mit KI sprechen, bitteschön.
Wann also ist das, was Du sagst, denkst, assoziierst gehaltvoll, wertvoll, persönlich?
Wenn es „beseelt“ ist. Wenn ein Teil von Dir dabei ist, wenn es einen Bezugsrahmen gibt. Eine Einladung auf Dich und Deine Geschichte einzugehen.
Assoziiert also ein Coachee zum Beispiel auf F: Schneidezahn. Dann schaue ich belustigt auf. Ich formuliere auch das F. Dabei spüre ich, wie die Luft aus meinem Mund durch die Schneidezähne zischt. Ahhh! Ein tolles F! Vielleicht aber auch assoziiert die Person auf F auch: Luftmatratze.
Vor einigen Jahren war ich einmal mit meinen damals noch kleinen Jungs bei meiner Schwester zu Besuch. Ich hatte ihnen eine lange Liste diktiert was alles verboten ist: Die Katzen am Schwanz ziehen, zu viel Chaos verursachen, Ball spielen im Hof, Sachen kaputt machen etc. … eines Morgens kamen wir in unser Nachtlager zurück und ich sah, dass die Luftmatratze flach war. Ich wunderte mich und sah, dass sie mit einem Messer oder Brieföffner dutzende kleine Löcher hinein gestochen hatten. Vollkommen kaputt und luftleer lag das Gummiding am Boden. Ich rief meine Kids und sie sagten: Du hast uns nicht gesagt, dass das verboten ist! Noch lange ahmten sie das Geräusch der entweichenden Luft nach: FFFFFFFFF…. und sie lachten sich lange darüber kaputt.
Siehst Du, wie lustig etwas sein kann, das sich auf F assoziieren lässt?
Warum also Google Antworten geben?
Lass Dir gefälligst etwas eigenes einfallen. Dein Leben ist bunt und reich bestückt mit spannenden und interessanten Geschichten! Alles andere – kennen wir doch schon!
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch: C’est la vie.













