Erschütterung

Wo warst Du vor 22 Jahren? Warst Du erschüttert? Hattest Du Angst, das sei der Beginn von etwas sehr Grossem?

Ich weiss noch, dass ich diesen Tag total normal, sogar vergnügt, verbrachte. Meine Söhne waren noch klein, wir waren mit spielen und dem Leben in der Natur beschäftigt. Auf der Fahrt nach Hause rief mich mein Herzensbruder an. Er sagte, er wolle mir in diesem Moment unbedingt mitteilen, wie wichtig ich für ihn bin. Die Ereignisse wären vielleicht massiv. Und dass, wenn jetzt alles den Bach runter geht, er wenigstens mir sagen müsse, dass unsere Verbindung sehr eng und wesentlich für ihn sei. Ich weiss noch, ich war verwirrt, mitten am Tag eine solche Gefühlslawine von ihm zu bekommen. Dann sagte er: Schalt mal den Fernseher an.

Wir hatten den Fernseher dann nicht lange an. Das wollten wir unseren Kindern nicht zumuten. Ich wollte nicht, dass ihnen ihre unschuldige und sorgenfreie Kindheit verloren geht. Aber wir Eltern waren beide geschockt. Es traf uns ins Mark, dass vielleicht jetzt ein weltweiter und globaler Wendepunkt sein könnte, der auch unser Leben in den Grundfesten erschüttern würde.

In der Psychologie sprechen wir in einem solchen Fall über ein „Trauma“.

Traumatisierende Ereignisse umfassen Situationen von aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmass, die in einer ersten Reaktion bei fast jedem Menschen eine tiefe Verzweiflung auslösen würden. Dazu zählen beispielsweise Naturkatastrophen, Unfälle und schwere Erkrankungen, schwere körperliche oder seelische Schmerzen, Vergewaltigung und Missbrauch, Kriege, Flucht und Vertreibung, Vernachlässigung oder auch das Miterleben von Bedrohung, Verletzung, Gewalt oder Tod von anderen (besonders nahestehenden) Personen. Dabei erleben Betroffene oft ein Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlustes sowie grosse Angst. All das kann in weiterer Folge zu starken psychischen und/oder körperlichen Schmerzen führen. Was ein Mensch als traumatisierend erlebt, ist auch von der subjektiven Wahrnehmung abhängig, z.B. können bestimmte Ereignisse bei Kindern eher ein Gefühl des Ausgeliefertseins auslösen und als traumatisch erlebt werden, aber es kann ganz anders bei Erwachsenen wahrgenommen und verarbeitet werden.

Ein Trauma entsteht ganz oft auch, obwohl wir uns dessen in der Situation oder unmittelbar danach, nicht darüber bewusst sind. Vor einigen Jahren hatte ich eine schöne junge Frau im Coaching, die von ihrer Grossmutter in einen Strudel derer unbearbeiteten Holocaust-Traumata hineingezogen wurde. Weil die Grossmutter jeden Tag davon sprach und dabei immer eine emotional schwer auszuhaltende Stimmung erzeugte, fühlte meine Coachee sich in den ersten 7 Lebensjahren dem Erleben (durch ständige Repetition) solidarisch mit ausgeliefert. Erst drei Jahrzehnte später kamen wir dieser frühkindlichen, traumatischen Prägung auf die Schliche. Und auch das nur durch Zufall. Es war die berühmte Nadel, die wir im Heuhaufen fanden.

Forscher gehen davon aus, dass zwischen 60 % und 90 % aller Menschen in ihrem Leben mindestens eine unerträgliche Situation überstehen müssen, in der sie körperlich oder seelisch dem Tode nahe oder in (gefühlt) absolut existenzieller Not sind. Während rund zwei Drittel das Ereignis ohne langfristige Schäden überstehen, spürt etwa ein Drittel auch Monate oder Jahre danach psychische Folgeerscheinungen. Diese werden von Betroffenen zunächst aber gar nicht mit dem Ereignis direkt in Verbindung gebracht. Da tickt eine psychologische Zeitbombe.

Auch gestern hatte ich wieder Kontakt mit einer Coachee, die ein Flüchtlingstrauma erleben musste. Sie ist sich dessen bewusst. Aber sie kann es nicht alleine ablegen.

Vorrangig sollte nach einem traumatischen Ereignis die grösstmögliche Sicherheit wiederhergestellt werden. Vertraute Personen können dabei unterstützen, mit der erlebten Extremsituation umzugehen. Ihnen vom Erlebten zu erzählen, wirkt erleichternd und kann die Bewältigung fördern.

„Sharing is caring“

Sagen meine englischen Freunde. Und von daher danke ich Ralf von der Tiefe meines Herzens immer noch für das Gespräch von damals. Er war oft bei den Traumen in meinem Leben intuitiv für mich da. Und andere Erschütterungen wurde auch begleitet von Lebensbegleitern, engen Freunden, Partnern.

Und nun zu Dir:

Was hat Dich erschüttert?

Spürst Du die Erschütterung?

Schüttelt es Dich manchmal so richtig heftig durch?

Was tust Du damit?

Wer ist für Dich da? Für wen bist Du da?

Wir müssen zusammen rücken. Nicht nur, wenn die Welt aus den Fugen gerät.


Kommt, meine Freunde
noch ist es nicht zu spät
eine neue Welt zu suchen –

denn ich will weitersegeln
über den Sonnenuntergang hinaus
und obwohl wir nicht mehr die Kraft besitzen
die in den alten Tagen
Himmel und Erde bewegten
sind wir dennoch, was wir sind

Noch immer sind wir Helden
deren Herzen im Gleichklang schlagen

zwar schwächt das Schicksal
uns von Zeit zu Zeit
doch stark ist unser Wille
zu streben
zu suchen, zu finden
und nicht zu verzagen

(Walt Whitman)

Heute ist die Tragödie von 9-11 bereits 22 Jahre her. Inzwischen ist sehr viel passiert, in unser aller Leben. Ich lade Dich ein, diese Woche an die Menschen zu denken, die Dich stützen. Und denen Stütze zu sein, die Dich brauchen. Darum geht es.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Toxisch

In den vergangenen zwei Wochen hatte ich mit ganz viel Gift zu tun. Nicht persönlich, zu meinem Glück. Aber ich habe beobachtet.

Und wie immer weiss ich, dass es schwer für die Menschen ist, die dieses Gift schon gewöhnt sich, sich da heraus zu winden. Man hat sich an die tägliche Dosis gewöhnt. Das Gift ist jeden Tag da. In unseren Gedanken. In unseren Äusserungen. Manchmal sogar in unseren Handlungen. Und, leider nicht zu vergessen: In den Gedanken, Äusserungen und Handlungen von anderen, oft sogar von unseren Liebsten.

Ein kleiner Test, ob Du mit Gift zu tun hast:

Fühlst Du Dich schlapp, energielos, immer müde?

Leidest Du an Schwierigkeiten in Deinen Verdauungsorganen?

Leidest Du an unerklärlichen Stimmungsschwankungen?

Hast Du das Gefühl Deine innere Glühbirne ist nicht mehr angeknipst? Braucht Strom?

Schmerzen Deine Muskeln und lassen Dich „lahm“ werden?

Riechst Du anders als sonst?

Ich spreche hier keineswegs über Gifte, die unser Körper aufnimmt. Sei es durch Umgebungsgifte wie Rückstände von Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden in der Nahrung oder im Trinkwasser. Oder Medikamente, Nahrungsmittel, Zucker und Suchtmittel. Diesem Gift sind wir in aller Regel täglich ausgesetzt. Unser Körper lernt damit zu leben und es zu verarbeiten, dafür hat er unsere fantastischen Entgiftungsorgane konstruiert, die lange lange viel aushalten.

Ich denke an die tägliche kleine Dosis böses Gift, das wir selbst ausschütten oder mit dem wir konfrontiert sind. Da werden unnötig kleine Giftpfeile abgeschossen, mit der inneren Befindlichkeit (und Empfindlichkeit) der eigene Druck kompensiert und munter auf andere all das projiziert, was bei uns alles nicht „geheilt“ ist.

Und nicht zu vergessen die giftigen Beziehungen, die wir führen. Oft auch in der Partnerschaft, in Freundschaften, in den Arbeitsbeziehungen. Menschen, die therapeutisch arbeiten bekommen grosse Mengen Gift, immer wieder, bis das „Fass“ irgendwann voll ist und sich eine gewisse Mitgefühlsmüdigkeit breit macht.

Hier sind die Indikatoren für eine giftige Beziehung:

Häufiger Streit und Meinungsverschiedenheiten

Eifersucht

Einseitiger Egoismus

Permanente Vorsicht vor Fehlern

Abhängigkeitsgefühle

Übergriffigkeit

Gewalt (verbal, emotional, physisch)

Wir alle müssen das überprüfen und nachschauen in unserem Alltag: Bin ich solche Indikatoren ausgeliefert? Oder verursache ich sie sogar?

Die Kunst ist: Den Zeigefinger auf das eigene Herz zu richten und zu fragen:

Ist meine Anwesenheit hier wertschätzend und unterstützend?

Fühle ich mich wertgeschätzt und unterstützt?

Tue ich anderen gut? Tun andere mir gut?

Fühle ich mich wohl wo ich bin, morgens, mittags, abends?

Als Coach gibt es für mich eigentlich nur einen Weg bei einer giftbeladenen Situation: ABSTAND.

Mit Distanz zu dem, was uns gerade nicht gut, tut können wir überlegen: Kann ich das ändern? Habe ich etwas, vielleicht auch in mir, zu klären? Kann diese Situation oder Beziehung noch mal gesund werden? Gibt es Wege zum Glück? Habe ich sie schon gesucht? Sind sie geglückt?

Und wenn die Distanz uns zeigt: Das tut mir nicht gut! Es lähmt mich! Es vergiftet mich! Dann, ja dann gibt es nur einen Weg:

Nichts wie weg da.

Niemand würde sich bei einer Nussallergie den Mund voller Wal- oder Erdnüsse vollstopfen. Niemand würde bei einer Tierhaarunverträglichkeit das Katzenfell tief inhalieren. Niemand würde sich bei einer Stauballergie den Staubbeutel in die Haut einreiben. Kein Heuallergiker würde in einem Stall schlafen. Wir alle gehen unseren Allergien entsprechend vorsichtig um und nehmen Abstand von dem, was für unsere Gesundheit bedrohlich ist. Nur ignorante Menschen werden weiterhin das Gift zuführen, das unseren Körper zerstört.

Was aber ist es mit unserer täglichen Dosis Schmerz, den wir in Kauf nehmen, der uns aber auch – jeden Tag einen Schritt mehr – ins absolute Elend bringt.

Mach Dich frei, wenn Du erkennst, dass Du unter solchen Einflüssen stehst.

Sei frei. Das Leben ist zum Geniessen da. Niemals -niemals! um etwas auszuhalten das Dir nicht gut tut. Die Uhr tickt. Auch Deine.

Ich puste Dir mal ein bisschen Mut unter Deine Flügel. Der Himmel ist weit und offen.


Willkommen in der Adlerperspektive.

Aus und vorbei

Weisst Du noch, früher? Da warst Du eine Sportskanone, rank und schlank und schön und das Leben war leicht und alles war cool. Die Liebe war frisch und aufregend und die Karriere lief so richtig gewaltig in die richtige Richtung. Überhaupt war alles leichter und besser und schöner und das Leben war ein Fest.

Ich habe auch sooo viele Erinnerungen aus meinem langen, meistens kunterbunten, Leben. In der Retrospektive scheinen wir alle in einem aufregenden Film gelebt zu haben. Meine Klienten erzählen mir gerne von ihrer Vergangenheit. Entweder als Verschönerung der jetzigen Situation oder als Grund, sich heute in die ein oder andere Richtung zu verweigern. Denn einen Grund zur Ent-täuschung gibt es ja in vielen Leben.

Wir machen dabei alle den selben Fehler: Wir meinen die Vergangenheit hat irgendeinen Einfluss darauf, wie wir heute sind und handeln. Weil ich dies oder das erlebt habe rechtfertigt das keinerlei Verhalten im Heute. Wie oft höre ich: Ich bin so oft schlecht behandelt worden, deswegen vertraue ich heute niemandem mehr. Oder: Früher war alles besser und genau so will ich es wieder haben! Oder: Ach, das hab ich schon versucht, das geht für mich nicht. Oder: Da war ich schon, das brauche ich wirklich nicht noch mal. Alles schöne Ausreden, sich dem Leben nicht zu stellen.

Die Vergangenheit ist vorbei!

Die Zukunft noch nicht da!

Wir alle projizieren unentwegt aus dem Verhalten oder den Gegebenheiten von früher ins Heute und, noch schlimmer, ins Morgen. Dabei halten wir etwas fest, das unwiederbringlich vorbei ist. Wir können gar nichts festhalten. Auch nicht das Bild von uns selbst. Wir haben uns weiter entwickelt, die Bedingungen haben sich verändert. Die Menschen, die uns einmal so verletzt haben, sind weiter gezogen. Dennoch machen wir heute neue Menschen für unsere schlechten Erfahrungen verantwortlich und unterstellen ihnen bisweilen Dinge, die sie gar nicht sind oder tun. Ein unguter Kreislauf.

Der spirituelle Lehrer Eckart Tolle hat das einmal wunderbar erklärt: Er sagt, wenn wir geboren werden springen wir sehr bald von einem sehr sehr hohen Berg ab. Die Reise ist vorgezeichnet: Irgendwann werden wir unten ankommen und sterben. Auf dem Flug nach unten begegnen uns mitunter schöne Landschaften, in denen wir eine Weile bleiben können (solange wir uns an dem dürren Ast dort festhalten können) Aber die Reise geht weiter, ganz sicher weiter nach unten. Wir denken: Ach! Das war jetzt schön und bedeutsam! Da bleibe ich eine Weile. Und wir schauen auch gerne nach oben: Da war es schön! Das war wichtig. Aber die Reiseroute ist für jeden von uns klar. Nur ganz wenige geniessen was ist, genau dann, wenn es ist.

Dinge gehen zuende und verabschieden sich. Wir fliegen weiter. Menschen kommen und gehen, Zeiten verändern sich. Nichts bleibt für ewig. Nicht die Freude, nicht der Schmerz. Unser Weg ist klar. Und er ist: JETZT.

In Wirklichkeit belastet uns nur die Erinnerung an eine Vergangenheit, die eben vorbei ist. Sie macht uns sentimental und traurig, wütend und frustriert oder dankbar und berührt. Aber sie bleibt vorbei.

Wenn wir nicht im Jetzt leben dann können wir irgendwann nur noch dem Weg nachschauen, den wir schon gegangen sind – und sehen das nicht, was direkt vor unserer Nase gerade passiert und was wunderbar wäre, wenn wir uns darauf einlassen könnten. Denn auch jetzt gibt es Dinge zu bestaunen, Menschen zu geniessen, Neues zu verstehen, Schönes um darin einzutauchen.


Du bist nicht Deine Vergangenheit.

Du bist nicht Deine Zukunft.

Du bist: JETZT. In diesem Moment. Spürst Du das? Geniesst Du das?

Mache Dir doch diese Woche einmal klar dass jeder Tag NEU anfängt und Du auch durchaus neue Entscheidungen treffen kannst. Ja, sogar das Leben neu und frisch kennenlernen könntest, wenn Du bereit wärst das, was war – und dem du hinterher trauerst oder über das Du immer noch wütend bist – loszulassen und einen Neustart zu machen. Du kannst das jederzeit!

Lass endlich los. Der Flug wird in eine ungeahnte Befreiung führen!

Das Leben ist bereit, bist Du es auch?

Willkommen in der Adlerperspektive.

Wann, wenn nicht sofort?

Kennst Du die Geschichte von Samuel Koch?

Er stolperte vor einigen Jahren bei dem Versuch einer akrobatischen Leistung. Er brach sich viermal das Genick. Seitdem ist er querschnitts-gelähmt. Aber: Er hat sich Stückchen für Stückchen ins Leben zurück gekämpft. Heute kann er vieles wieder tun, obwohl er nach wie vor schwer gelähmt ist. Und dennoch ist seine Geschichte exemplarisch für einen Mensch, der nicht aufgibt sondern nach Möglichkeiten sucht statt nach Bremsen.

Dieses berührende Video habe ich vor kurzem von ihm gesehen:

Vielleicht hast Du ein bisschen Zeit, oder Du nimmst sie Dir, um ihm zu zuhören. Er ist seit so vielen Jahren Inspiration und Mutmacher und ein wertvoller und grossherziger Mensch.

Am Ende des Videos gibt er, vor allem jungen Menschen, einen Tip.
„Schwierig“ – gibt’s nicht. Sagt er da.

Und genau so ist es ja auch, jetzt spreche ich nicht nur zu den jungen Menschen: ALLE haben wir manchmal das Gefühl etwas wäre zu schwierig, nicht machbar, zu anstrengend, zu unmöglich. Die Ressourcen wären nicht da, die Gesundheit nicht mehr so stark, die Möglichkeiten limitiert.

In allen Fällen müssen wir uns dann mal ehrlich fragen, ob wir uns selbst blockieren. Mit den Gedanken dass etwas nicht geht. Mit dem fehlenden Mut. Dem fehlenden Biss. Der fehlenden Motivation.

In einem der letzten Blogs habe ich schon von Motivation gesprochen. Also von „motivare“ – bewegen kommend.

Was bewegt Dich denn?


Wohin zieht es Dich?

Was willst Du unbedingt erreichen, erleben und: Wie willst Du Dich fühlen?

Als Coach behaupte ich, dass 90% der Menschen weit unter ihrem Potential bleiben. Weil es eben bequem ist, sich rauszureden. Weil zwischen sprechen und handeln sehr oft eine riesige Diskrepanz ist. Weil es eben leichter ist, die Welt oder das Umfeld, die Familie, die Gesellschaft oder vermeintliche Limits verantwortlich zu machen, warum wir etwas nicht können oder eben: Nicht tun.


Es liegt an Dir! DU hast es in der Hand, im Bauch, im Herz, ob Du da hin kommen wirst wohin Du mit jeder Faser deines Herzens sehnst – oder ob Du eben sitzen bleibst, Dein kostbares Leben an Dir vorbei ziehen lässt und nichts tust.

Wie sagt Samuel so schön? Ich wünschte Du hättest mehr

Mut – Ausbrüche

statt immer nur

Wut – Ausbrüche

Was brauchst Du denn noch? Leg los! Mach den ersten Schritt, auch wenn er noch so klein ist. Und dann geht es Schritt für Schritt weiter bis Du da angekommen bist, wo Du hinwillst und musst.

Leb Dein Leben! JETZT!

Mach etwas, das Dich glücklich macht, das Dich inspiriert, Dich weiter bringt, dein Herz zum Singen und Deine Füssen zum Tanzen bringt.

Es wird Zeit. Du hast nichts mehr zu verlieren ausser deinem Widerstand.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Vom wundern

Letzte Woche hat mich tatsächlich ein Radrennen inspiriert. Ganz lustig. Gar nicht mein Sport. Wenn ich die Tour de France früher zufällig beim Zappen im TV sah, ging es mir, wie wenn ich ein Eishockey Spiel sehe – da sieht man auch keinen Puck (weil er zu schnell ist) aber jede Menge Aufregung. Das Rennen also: Ein Haufen schnell bewegende Räder, die irgendwohin fahren.

Aber diesmal waren es die Geschichten um die Fahrer. Ein feingliedriger, kühler und schüchterner Däne, der einst in einer Fischfabrik arbeitete, dann als Talent entdeckt wurde und dieses Jahr zum zweiten Mal die Tour gewonnen hat. Ein Belgier, dessen Name während der gesamten Tour nicht erwähnt wurde und dann sehr überraschend die Etappe in Paris für sich entscheidet und damit die Stars deklassiert. Wunder-bare Geschichten.

Das Leben ist voll mit solchen Wundern. Ganz sicher hast Du auch schon welche erlebt oder es ist Dir von einigen Wundern erzählt worden. Manchmal gibt es Fügungen, die überraschend sind. Die neue Perspektiven aufmachen, die das Leben von einem Moment zum anderen verändern. Hoffentlich zum Guten.

Wann hast Du das letzte mal über das Wundern nachgedacht?

Wann hast Du ein Wunder erlebt?

Wann hast Du eins zu Dir eingeladen?

Genau: Eingeladen. Wunder sind auch eine Haltungsfrage!

Bist Du denn bereit für ein Wunder?

Gab es in Deiner Lebensbiografie schon Dinge, Ereignisse, die sich zu Deinem totalen Wohl entwickelt haben? Vielleicht Menschen, die Du getroffen hast? Oder Fügungen, die sich für Dich ergeben haben und die Dich an den richtigen Ort gebracht haben?

Wenn ich hier schreibe, dass Wunder eine Haltungsfrage sind, dann heisst es auch, dass Du aufhören musst die Dinge rational zu planen und hochzurechnen, zu durchdenken und zu kontrollieren. Wenn du die Kontrolle und die starre Durchführung aufgeben kannst, dann gibst Du vor allem auch die Angst vor dem Scheitern, dem Verlust und dem Versagen auf. Alles, was wir planen, an dem wir krampfhaft festhalten, das wir uns durch „Vor-Stellung“ (wie etwas zu sein hat) ruinieren, kann sich nirgends wo hin entwickeln.

Da gibt es keinen Platz mehr für das, was vielleicht durch einen Glücksmoment, durch ein magisches Zusammenspiel möglich wäre.

Ich rede hier keineswegs über Magie im (be-)zaubernden Sinne.

Sondern über die Haltung, dass es auch Dinge gibt, die ohne unsere Anstrengung passieren. Die sich ohne unser Zutun einfach so ergeben.

Bert Hellinger, der Gründervater der systemischen Psychologie, hat immer wieder darüber gesprochen, dass wir nicht mit dem Staunen aufhören dürfen, dass es wichtig ist, diese Haltung einzunehmen: Auf eine Lösung zu vertrauen und den Dingen ihren „Flow“ zu erlauben. Also: Die Probleme loszulassen und zu sagen: Jetzt komm, fliess mal zu einer Lösung hin.

In diesem Zusammenhang denke ich auch sehr gerne an meinen allerersten Blick auf einen Adler: Der Falkner hatte die Adlerdame ausfliegen lassen und sie schien in ein Tal zu „fallen“. Ich wurde ganz panisch und sagte: Sie stürzt ab! Du musst sie zurück rufen! Der Falkner schmunzelte nur: Die Adlerin „fiel“ vom Himmel, weil sie unten in der Senke einen Aufwind „gesehen“ hatte. Als sie die kleine Böe erreicht hatte, öffnete sie ihre Flügel und liess sich anstrengungslos im Girlandenflug nach oben tragen. Das war eine wichtige Lektion für mich.

Und darf es für uns alle sein:

Öffne Deine Hände und lass einfach diese Woche mal alle Probleme los. Du hast sie ohnehin schon in alle Richtungen zer-dacht und ausgerechnet. Das hat Dich nicht weiter gebracht. VERTRAUE. Auf ein Wunder. Auf eine Fügung. Auf die Magie des Unvorhersehbaren.

Wetten, dass es funktioniert?

Ich wünsche Dir eine wunder-bare Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

Lost and found

In der vergangenen Woche hatte ich es mit den Verlorenen zu tun. Menschen, die sich

so stark in ihren Partnerschaften, ihrem Job und ihren Pflichten engagiert haben und hatten, dass sie selbst kein Gespür mehr für sich hatten. Mehr als einmal hörte ich: „Ich hab gar kein Leben mehr. Ich spüre mich gar nicht mehr. Ich kenne meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse gar nicht mehr.“

Das ist eine Entwicklung, die ich leider immer wieder sehe. Vor allem bei den frisch Verliebten im Hormonrausch, die alles, alles, für den neuen Partner tun und alle Antennen auf Empfang auf diese eine neue Person einstellen. Das ist toll, solange es überall kribbelt und kitzelt und uns glücklich macht. Aber – eigentlich ist dieser Glückscocktail nach einigen Monaten ausgeschöpft – und dann stellen sich Gewohnheiten ein, die man nicht mehr hinterfragt.

In der Psychologie nennt man das eine „Übermotivation“.

Motivation kommt von „movare“ – die Bewegung, also eine Handlung, die einen Mangel beseitigen soll und zwar schnell und umfangreich. Wenn wir noch ein bisschen genauer hinschauen, dann finden wir in Motivation auch das Wort „Motiv“. Und hier liegt das Geheimnis:

Was ist das innere Motiv soviel zu tun/bewegen/leisten/aufzuopfern?

In Beziehungen geht es meistens um den Wunsch, selbst genug Liebe zu bekommen, quasi als Gegenleistung. Wir streben dann mit unserem Tun danach, eine ausgeglichene Geben/nehmen Beziehung zu haben. Manchmal schwächt die eine Seite nach einiger Zeit die eigene Handlung ab und dann tritt ein Phänomen ein, das tragisch ist: Die bedürftigere Person der beiden in einer Partnerschaft leistet mehr und mehr um doch wenigstens noch ein bisschen Anerkennung zu bekommen.

Ganz oft ist es auch im Job das gleiche Motiv: Man will sich wichtig, unentbehrlich und wertvoll fühlen und strebt nach Wertschätzung. Eine Aufopferung beginnt, die bald nicht mehr gesund ist.

In meinen vielen Jahren als Therapeutin für Burnout Erkrankungen habe ich zudem ein tragisches Instrument der Manipulation kennengelernt. Einige Branchen zahlen ein viel zu hohes Gehalt. Meist bekommen so Studienabgänger frisch aus der Universität eine extrem hohe finanzielle Gratifikation. Oder er wird sehr hoch gelobt und als unenbehrlich/wertvoll und wichtig dargestellt, ein Druck wird aufgebaut. Der Arbeitnehmer fühlt sich in der Bringschuld und leistet und leistet. Schon bald fühlt er sich wie ein Arbeitssklave.

In jedem Fall aber bringt uns Übermotivation in eine Schieflage, die sich aufbaut und uns auslaugt und uns alles abverlangt. In fast allen Fällen spürt der Mensch bald keine Grenzen mehr. Die eigenen Bedürfnisse schon gar nicht. Der Ruf des Körpers nach Ruhepausen wird überhört, das eigene Herzensbedürfnis ignoriert.

Die Übermotivation hat häufig die Funktion, eine andere Schieflage im Leben zu kaschieren und uns mit einer Sache, die wir eigentlich verändern müssten, länger zu arrangieren als es uns gut tut. Wir motivieren uns immer wieder zum Durchhalten und Weitermachen.

Der Denkfehler Übermotivation lässt sich allerdings schwer erkennen, da er häufig mit dem Gefühl extremer Euphorie verbunden ist. Wir sehen unser Leben oder unsere Partnerschaft als eine einzige Erfolgsgeschichte oder romantische Märchengeschichte und fühlen uns gut und unverwundbar. Es fehlt die Balance zwischen Ich und Du. Zwischen meinen Herz- und meinen Kopfwünschen. Zwischen Leisten und Ruhen. Zwischen Geben und Nehmen.

Doch die meisten Menschen kommen im Laufe ihres Lebens zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr die Kraft haben, ihren Denkfehler der Übermotivation aufrechtzuerhalten.

Und dann kommt dieses Phänomen des Verlorenseins.

Hast Du Dich auch verloren? Aus den Augen, aus dem Herz?

Kümmerst Du Dich genug um Dich?

Schaust Du zu deinen Wünschen und Sehnsüchten?

Gönnst Du Dir selbst auch das, was Du Deinem Partner so freizügig schenkst?

Gibst Du Dir die gleiche Aufmerksamkeit wie dem, dem Du Dich widmest?

Geniesst Du Dich, dein Leben, Deine kleinen Glücksmomente?

Weisst Du, was Du brauchst? Gibst Du es Dir?

Wenn Du einen „lost and found“ Schalter brauchst, um Dich wieder zu finden,

na dann weisst Du ja, wohin Du Dich wenden kannst: www.go-wild-coaching.ch

Willkommen in der Adlerperspektive.

BUMM

Kürzlich habe ich diese wunderbare verrückte italienische Frau wieder gesehen. Sie ist voller Power und ihr Blut scheint immer zu kochen. Ich muss ein bisschen lachen. Einmal habe ich einen Abend mit einem wilden Italiener gesprochen, dessen Gestik, Argumentation und Sprechtempo atemberaubend war. Ich konnte die ganze Nacht nachher kein Auge zutun, so sehr hatte er mich „aufgeregt“. Manche Menschen brennen einfach lichterloh.

Meine Kundin jedenfalls hatte ihr Temperament nur sehr schwer unter Kontrolle. Die Pferde gehen leicht mit ihr durch und dann wird es – genau: Explosiv.

Wir sprachen eine Weile über ihre Im- und Explosionen. Denn beide Kräfte sind in ihr vorhanden.

Implosion und Explosion gehen beide auf eine Überflutung zurück. Bei beiden ist der kritische Punkt überschritten und es kommt zu einer Ent-ladung der Gefühle, die überkochen.

Bei der Implosion geht es vor allem um den Aussendruck, der zu einem kompletten Zusammenbruch führt. Das kann ein Burnout sein, ein Nervenzusammenbruch, ein Schock, eine Reizüberflutung infolge eines traumatischen Erlebens. Aber es kann auch die Folge von einer langen zunehmenden Anhäufung von Druck sein (infolge von Gegebenheiten oder Pflichten/Aufgaben/Verantwortlichkeiten)

Die Explosion kommt wesentlich öfter vor und ist sichtbarer. Die klassischste Explosion von Gefühlen ist wohl vor allem Wut, Rage, Ärger, Angst, Aggressionen – aber auch sexuelle Leidenschaft. Bei der Explosion wird viel Energie freigesetzt. Und es kommt immer auch zu einer Schockwelle.

Schaut man sich die beiden Phänomene psychologisch an, so haben wir das alle schon einmal erlebt.

Implodierst Du oder

Explodierst Du mehr?

Und warum?


Welche Gefühle sind in Dir im Maximum angelegt?

Sind es mehr Stress und Überforderung, Sensibilität und Angst?

Oder ist es mehr Leidenschaft, Wut, Ärger, Eifersucht, Antrieb, Lust?

Welche Bomben sind in Dir vorhanden und wo können sie Dich hinführen?

Meine wilde Italienerin (Du ahnst es, sie ist eine Explosive) muss lernen, ihre Bomben zu entschärfen. Der erste Schritt dabei ist, die Trigger, die sie provozieren, zu meiden oder zu mildern. Also achtsam mit Situationen umzugehen, die sie „hochgehen“ lassen. Mit explodierenden Gefühlen kann man umgehen, wenn man sie bespricht, bekennt oder auch einmal warnt: Achtung, du betrittst gerade vermintes Gebiet. Geh hier nicht weiter.

Und bei explosiven Menschen ist auch immer wieder gut, das Angestaute loszuwerden. Solche Menschen müssen unbedingt auspowern, also Sport, Tanzen, Schreien, Adrenalinkicks. Die Ladung abbauen. Denn sie wird bei diesen intensiven Menschen ohnehin wieder nachwachsen. Explosive Menschen sind einfach ein paar Grade heisser als die anderen. Das kann amüsant und anregend sein und sie können andere gut mitreissen. Aber: Diesen Überschuss an Energie abzubauen ist eine lebenslängliche Aufgabe, die sie ihrem Umfeld zuliebe tun dürfen.

Die Implodierenden sind da mehr in Gefahr, man sieht ihnen nicht an, dass sie innerlich ansammeln, was nicht gut für sie ist. Manchmal braucht es dann nur noch den allerletzten Tropfen im vollen Fass und es kommt zu einem Totalzusammenbruch. Meistens zum Erstaunen des Umfelds. Die Lösung für diese feinfühligen Menschen sind – Abstand zum Aussen. Der Druck von Aussen muss immer wieder zurück gestossen werden. Der innere Platz muss eingenommen werden. Ruhepausen. Denkpausen. Atempausen. Und Distanz, bitte viel Distanz zu dem, was Druck macht.

Nichts im Aussen ist so wichtig dass es uns anspannen sollte. Menschen, die zur Implosion neigen, müssen sich immer wieder auf ihren Körper zurück besinnen. Atmen. Massage. Schwimmen (die Schwerkraft aufgeben), in den Flow gehen, tagträumen, gut essen, meditieren, ausruhen ohne Ablenkung (also nicht mit den üblichen Gadgets), schlafen. Der Druck von aussen nimmt nur ab, wenn sich ein solcher Mensch klar macht: Hier bin ich —————– und das Aussen ist da.

Wie fühlst Du Dich diese Tage? Hin und her gerissen zwischen Im- und Explodieren?

Dann musst Du auf jeden Fall gut zu Dir schauen. Du bist verantwortlich für Dein Glück.

Atme. Tanze. Tagträume. Ruh dich aus. Oder gib Gas um die überschüssige Energie abzubauen.

Der Sommer ist da und bietet Dir alle Gelegenheiten für deine Balance. Die Hitze macht uns langsam. Die Gewitter lassen uns die Energie fühlen, die sich abbaut. Unsere Natur zeigt uns jeden Weg zurück zu uns. Das Leben ist gut.

Willkommen in der Adlerperspektive.

für die expolisiven Sabrina und Rocco.

und die implosiven Nadia und Joli.

Mit Liebe für alle, die sich gesund bewegen nach innen und aussen.

Hände

Als ich ein Kind war, hörte ich oft: „Mach das nicht, Du hast zwei linke Hände!“ Ich fand das fein. Nicht, dass ich etwas extra falsch gemacht hätte, ich war wirklich ein Schussel. Aber irgendwie wusste ich, dass die zwei linken Hände etwas Tolles verbargen.

Und in den letzten Tagen hörte ich einen spannenden Podcast, in dem erzählt wurde, dass man nicht nur alles machen sollte, was wir rechtshändig machen. Denn rechtshändig ist das Erlernte, Antrainierte, die Routine, die Gewohnheit, das was wir gut können. Ich sage dazu auch gerne: Da tragen wir auch die Waffe, die Faust, die Tat, die Arbeit.

Wieviel anders ist da die linke Hand. Sie ist auf der Herzensseite und anders als unsere dominante rechte Hand ist sie die feinere, die intuitivere Seite in uns.

Ja, nimm doch mal deine linke Hand! Tu das, was Dir näher am Herzen liegt. Nimm das Untrainierte, das Unvertraute, das Ungelenke und das, wozu Du mehr Geschick und Konzentration und auch mehr Zeit brauchst.

Vergiss doch mal die Pflicht. Nimm mal zurück Deine niemals endenden Pflichten!

Als junge Mutter setzen wir unsere Kinder gerne auf unsere linke Hüfte, um die rechte Hand frei zu haben um damit etwas anderes „schnell zu erledigen“. Mit der rechten Hand sind wir stärker und genauer, dominanter und eben – ge-übter.

Aber die linke Hand zeigt unser künstlerisches, kreatives, feines und liebe-volleres Potential.

Es leben die linken Hände. Juhu! Ich hab zwei davon 🙂

Frag Dich: Was machst du mit links ? Also geradezu skandalös einfach und leicht?

Wann wendest Du Dich dem Herzen zu? Wann tust DU das, was Dir am Herzen liegt?

Nimmst Du Dir ausreichend Zeit für die Herzensangelegenheiten?

In der vergangenen Woche hatte ich mit einer wunderbaren feinen jungen Frau zu tun, die Dank ihrer tätigen Hand immer sehr fleissig war. Und die rechte Hand auch zum Kämpfen gebrauchte. Auch um sich zu verteidigen. Auch um durchzugreifen. Auch um zuzufassen. Auch um anzupacken.

Sie darf jetzt auch wieder lernen, feiner zu werden, durchlässiger, femininer, liebevoller. Nicht einfach in einer Welt der rechten Hände und der Ellenbogen! Aber möglich allemal.

Aus der Neuropsychologie wissen wir, dass vor allem die Synchronizität beider Gehirnhälften für ein umfassendes und kreatives und ganzheitliches Ergebnis unserer Projekte wichtig ist. Also, lassen wir doch zu, dass unsere linke Hand die gleiche Wertigkeit bekommt.

Achte doch in der kommenden Woche einmal darauf, wieviel Du mit deinem Herz entscheidest, tust, anpackst, gestaltest (und damit auf Dein Herz hörst) und wieviel deine rechte Hand vor lauter Betriebsamkeit zur Faust geworden ist.

Entspanne Dich. Der Sommer ist da. Für jede Aktivität ist es sowieso zu heiss. Also nimm den kühlen Drink in die linke Hand. Relax. Atme tief durch.

Das Leben ist gut, da wo das Herz schlägt.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Verirrt

Letzte Woche bin ich verloren gegangen und das mit richtig viel Spass. Mein GPS hat mich in die Irre geleitet, wie herrlich! Ich wollte um Paris herum fahren. Und war abgelenkt, weil ich schöne Musik hörte und meiner Zeit in der Bretagne nachträumte. Da meldete mein GPS, dass es einen Stau gäbe, wegen eines gesperrten Tunnels, und schlug mir eine Ausweichroute vor. Blind und gutgläubig, wie ich der Technik gegenüber stehe, stimmte ich zu. Und das elektrische Leitsystem brachte mich in die spannendste aller Routen. Es hätte mir auffallen sollen, dass ich der schönen Seine schon lange folgte. Ich freute mich auch noch über die Hausboote und träumte mich in eine Geschichte, die ich vor kurzem von einem Bücher-Hausboot gelesen hatte.

Dann bewunderte ich die schönen Strassencafes und die schönen Menschen. Und die eleganten Damen mit Sonnenhut. Irgendwann dann realisierte ich: Ich war MITTEN in Paris! Ich fuhr durch das allergrösste Chaos. Über die Champs Elysee. Am Louvre vorbei! Am Siegestor! Und plötzlich waren gefühlte eine Million Menschen um mich herum. Allerlei Gefährte, von der Rikscha über Motorroller, Touristenbusse, Fahrräder, Bikes – und Autos in 5 Linien, obwohl es nur drei Fahrspuren gab. Von allen Seiten kam etwas und ich war genau in der Mitte. Unmöglich die Richtung zu wechseln. Ich war eingekeilt und sah wie rücksichtslos der Verkehr hier floss. Das Gesetz des Frechheit. Alle schlängelten sich durch, einer boxte mir aufs Dach. Ich geriet kurz in Panik ….

… und dann entspannte ich mich. Einfach so. Irgendwann würden sie das kleine Schweizer Auto rauslassen aus diesem gordischen Knoten. Ich beobachtete, tastete mich Zentimeter für Zentimeter vor und genoss die Szenerie. Denn: Alle lächelten. Die Sonne schien. Der Duft von Kaffee und Gebäck strömte über die Strassen. Die Menschen waren schön. Die kleinen Bücherstände an der Seine waren gut gefüllt, wie gerne hätte ich da auch gestöbert. Auf einer Bank sass ein Mann und blätterte versonnen in einem Bildband. Menschen mit Hunden waren unterwegs, kleine Kinder mit Eis in der Hand, Leute mit einem Baguette im Korb. Diskutierende Männer vor einer Boucherie. Das war PARIS! Ich hatte einfach so eine kleine Stadtführung bekommen, wenn auch im heissen Auto und in einer brenzligen Situation im Verkehr. Ich wollte das geniessen.

Irgendwann war der Spuk vorbei. Ich kam an einen Knotenpunkt, an dem es in verschiedene Himmelsrichtungen ging und wusste den nächsten Ort auf meiner Route nicht. Also wartete ich, dass das GPS mit mir sprach und genau dann fiel es aus. Es schwieg und fand die Route nicht. Also kreiste ich gefühlte 5,6 mal um diesen Abzweigungskreisel. Überall Autos, viele ungeduldig. Und auch hier geschah etwas, das für mich unerwartet war: nachdem ich das GPS angebrüllt hatte (das ist mein normales Autofahrer-Ich) gab ich mich einfach der Situation hin. Irgendwann, so war ich überzeugt, würde das GPS wieder wissen wo wir waren und wie wir da hin kommen würden, wo es hingehen sollte. Und als ich mich entspannte, nahm ich intuitiv einfach die richtige Ausfahrt.

Der Rest der Reise war geschenkt. Wer Frankreich kennt, der weiss, dass Autobahnen auch mal zwischendurch aufhören und es durch kleine Dörfer über Land geht, in denen die Hühner noch über die Strasse laufen.

Ich hatte mich verirrt und etwas Schönes erlebt, statt einfach stupide der Autobahn zu folgen. Ich genoss den kleinen Film noch, den ich gesehen hatte. Paris hatte wie immer eine amüsierende Wirkung auf mich.

Wie oft denken wir, dass der Weg nicht weiter geht und dass es doch anders sein müsste als es gerade ist? Schmerz entsteht vor allem durch eins: Durch Widerstand. Wenn wir uns entspannen können, obwohl wirklich alles dagegen spricht, dann können kleine Wohltaten zu uns kommen. Dann wird das Leben unerwartet leicht. Dann können wir uns amüsieren statt Angst zu haben. Dann finden wir vielleicht intuitiv die richtige Lösung und den richtigen Weg.

Und wenn es mal keinen (Aus-)weg gibt?

Dann müssen wir uns erst recht entspannen. Weil eben Verspannung nirgends hinführt und uns den Blick zudem verschliesst was in der gegenwärtigen Situation noch gut sein könnte.

Wir müssen einfach alles loslassen was uns fesselt und vom Lebensgenuss abhält.

Einfach?

Das hört sich leicht an! Und das ist es auch. Manchmal braucht es nur einen kleinen Moment der Ruhe und die Entscheidung: Das ist jetzt so. Ich akzeptiere. Ich gebe mich hin (nicht ich gebe mich auf!). Ich entspanne mich. Ich lasse das Leben durch mich fliessen. Ich greife nicht ein. Ich schaue was kommt.

Probiere es aus. Jetzt gleich!


Was kannst Du jetzt einfach mal akzeptieren dass es so ist wie es ist?

Du schaffst das. Lass das Leben die Überraschungen arrangieren.


Alles wird gut.

Willkommen in der Adlerperspektive!

Neubeginn

Wann hast Du das letzte Mal einen Tag vom Anfang bis zum Ende wirklich ER-LEBT?

Hier auf Jersey starten wir an Tag 4 des Adlercoachings mit einem Sonnenaufgang. Das neue freie Leben muss gebührend gefeiert werden. Und während die Coachees dem neuen Tag, dem neuen Leben entgegen jubeln, schaue ich zu und bin einfach nur dankbar für das, was alles geschehen darf, wenn ein Mensch sich auf die Reise zu dem selbst gewählten Leben macht.

Wie oft fühlen wir diese Kraft des Neuen?

Gestern sprach ich mit einer anderen Coachee, die mir am Telefon sagte, es würde alles stagnieren und nichts Neues würde passieren. Dieses Gefühl kennen wir alle ganz gut. Wie oft haben wir den Eindruck alles würde gleich bleiben, die Routine uns lähmen und es würde keinen Fortschritt geben. Aber dem ist nicht so. Das Leben ist jeden Tag neu!

Das Leben braucht ganz ganz dringend Neubeginne.

Wenn wir ein Leben führen, das nicht zu uns passt, dann wird uns alles Engagement der Welt nichts bringen. Irgendwann werden wir uns eingestehen müssen, dass eine Veränderung her muss. Spätestens dann, wenn die eigenen Ressourcen am Limit sind. Die Soziologin Annelie Keil spricht in diesem Zusammenhang in ihrem Buch „Wenn das Leben um Hilfe ruft“, andernfalls von einem “ungelebten Leben“. Sie ist sich sicher: Wer sich immer wieder dem Neuanfang verwehrt, der macht sich nicht nur unglücklich, sondern auf Dauer auch krank.

Trotzdem handeln wir oft erst, wenn wir uns schon längst in einer waschechten Lebenskrise befinden. Man kann die Impulse, die uns wirklich zu einem Neuanfang bringen, grob auf zwei große Motivatoren herunterbrechen: Leid und Leidenschaft. Entweder, der Leidensdruck ist grösser als unsere evolutionär bedingte Angst vor der Ungewissheit, die ein Neuanfang mit sich bringt – oder unsere Leidenschaft für ein Ziel oder ein Traum überschattet die potenziell negativen Seiten eines Lebenswandels.

Aber vor was fürchten wir uns eigentlich? Damit etwas Neues beginnen kann, müssen wir uns von etwas Altem verabschieden. Und wir Menschen sind nicht fürs Loslassen gemacht. Wir sind Jäger, Sammler und Herdentiere – wir brauchen Gesellschaft und ein gewisses Mass an Struktur und Sicherheit, um uns wohlzufühlen. Wenn wir uns nun für einen Neuanfang entscheiden, dann müssen wir alte Muster, Träume und Werte hinter uns lassen.

Aber wenn wir einmal genauer hinsehen, werden wir feststellen, dass das Leben von Natur aus schon aus einer Aneinanderkettung von etlichen Neuanfängen und Abschieden besteht.

All das, was unser Leben heute ausmacht – sei es unsere Beziehungen, der Job oder unser Freundeskreis – haben wir, weil wir irgendwann einmal im richtigen Moment “Ja“ zu einem Neuanfang gesagt haben. Damit sind Neuanfänge etwas ganz Natürliches. Klar erfordert es trotzdem Mut, einen neuen Weg im Leben einzuschlagen. Aber wenn es uns gelingt, die Ehrfurcht vor dem Neuanfang zu verlieren und stattdessen die Chancen im Neuen zu sehen, dann eröffnen sich mitunter ganz neue Möglichkeiten.

Es ist doch so: Wir alle haben (vermutlich) nur dieses eine Leben. Und das Leben verläuft nur in den seltensten Fällen wirklich geradlinig. Vor allem die vielen Abbiegungen in unbekanntes Terrain fernab der eigenen Komfortzone machen das Leben doch aus.

Also, schau doch mal genau hin:

Auf welchen Neubeginn hättest Du so richtig viel Lust?

Dann musst Du anfangen. Atmen. Tanzen. Feiern.

Jeder Tag ist Dein Tag. Jeder Tag ist DEIN TAG.

Willkommen in der Adlerperspektive!