Belfast

Ich fand Belfast schon immer spannend. Lange bevor ich es jetzt das erste mal besuchte. Weil es eine Stadt ist, in der die grossen Schiffe gebaut werden, das Berühmteste wohl das „Schiff der Träume“ – die Titanic. Und es ist eine Stadt, die immer wieder, bis zum Karfreitagsabkommen, mit den Unruhen um Nordirland in Verbindung gebracht wurde.

Ich mag den Klang Belfast. Habe es viele hundert Male in irischen Songs gehört, kenne viele Bands aus Belfast. Es hat abends natürlich! die spektakulären Gigs und Livemusiker, die Stadt lebt. Sie im Dezember kennenzulernen heisst vor allem: Im Lichterglanz, mit dem grossen spektakulären Weihnachtsmarkt rund um die Kathedrale.

Und es gibt wirklich extrem bunte Menschen in Belfast, etwa 350.000 sind es inzwischen. Nachdem ich die letzten Wochen alle in einsamen Gegenden unterwegs war, war Belfast zunächst auch eine Challenge. Vor allem dort mit dem Auto unterwegs zu sein, in einem riesigen Gewimmel von Strassen in denen man mal links mal rechts fuhr, komplizierte Ampellandschaften und Kreisel und überall Menschen. Was für ein Abenteuer!

Nach dem Abend bei Tommy Fleming, der mich total verzaubert hatte, war ich gewillt Belfast einfach ganz und gar zu lieben und es grossartig zu finden. Und zu meinem Erstaunen war es das auch. Am Montag besuchte ich die Studios in denen die fantastische Serie „Game of Thrones“ gedreht wurde. Ging mit zwei Hand voll Serienfans durch die heiligen Filmhallen. Lernte dort Seamus und Ian kennen, zwei eingefleischte Fans und Mitarbeiter, die dort seit nunmehr 3 Jahren jeden Tag in den Linen Mills Studios die Fans begleiten. Wir fachsimpelten lange über die Charaktere im Hauptcast und sie waren erstaunt, dass ich ausgerechnet Theon Greyjoy als meinen Lieblingscharakter nannte. Das musste ich erklären und es entstand eine lebendige Diskussion über Helden und Charakterrollen. Ich hätte ewig mit den beiden reden können, schaute mir aber auch noch die original Kostüme, Requisiten und natürlich den eisernen Thron an, der eine eher schäbige Plastik Replique und leider unspektakulär ist.

Am Abend streifte ich durch die Pubs, hörte wirklich gute irische Musik im „Crown“, einer Bar aus dem 19. Jahrhundert das vollständig im viktorianischen Stil eingerichtet ist. Es war ein herrliches Nachtleben und das an einem Montagabend!

Am nächsten Tag fuhr ich in den Süden nach Newcastle, in die Mourne Mountains (die eher Hügel sind, aber das sage ich den Iren nicht). Immer der wunderschönen östlichen Küste entlang. Newcastle war ein Glücksgriff, ein kleines Küstenstädtchen mit riesigem Charme. Ich streifte durch den Hafen und die kleinen Läden und beschloss auf einen späten Lunch in ein kleines Cafe zu gehen.

Ich hatte mich kaum hingesetzt als eine ältere Lady um die 70 herein kam. Das Cafe war sehr voll und auch sie sagte der Kellnerin, sie sei alleine da. Ich bot ihr gerne an bei mir am Tisch zu sitzen. Die einzige normale Frage, die mir Jane stellte war: „Where do you come from?“ und dann ging es sofort los. Von 0 auf 100. Sie quetschte mich aus, hatte Sprachwitz und Esprit und wir hatten eine Unterhaltung, die ich niemals vergessen werde. Schon bald sprachen wir über irische Männer und sie holte so richtig aus und plauderte aus dem Nähkästchen. Wir lachten und lachten und sie war total schamlos und unglaublich witzig. Das Gespräch wurde so lebendig dass wir laut gröhlten und kaum mehr unser Mittagessen verzehren konnten. Eine köstliche Unterhaltung, die uns beide an ungeahnte Orte brachte.

Einmal lachten wir so laut, dass die Kellnerin kam und uns bat ein bisschen auf die anderen Besucher zu achten. Das amüsierte uns sehr, denn wir waren in etwas Ur-Irischem gelandet – einem Craic. Das ist das irische Wort für eine spassige und lustige Zeit, eine Unterhaltung in der man viel lacht. Mein erster Craic ever hatte eben stattgefunden. Als Jane ging beglich sie an der Kasse meine Rechnung ebenfalls, ohne mich das wissen zu lassen und dann kam sie und drückte mich fest an ihre ausladende Oberweite. Ich habe sie extrem genossen.

Als ich wieder auf die Strasse kam wandte ich etwas an, das mir Jane eingebleut hatte: Ich solle ganz genau geradeaus schauen und ja keinem Iren in die Augen sehen! Lieber einen Engländer wählen, statt einen Iren! Und eigentlich eh gleich am besten keinen Mann. Das wäre ja in den meisten Fällen in unserem Alter so „unappetitlich“ – ja, das Wort hatte sie wirklich verwendet! Ich starrte also geradeaus als wenn ich niemanden sehen würde und musste giggeln und schmunzeln als ich in den Hafen zurück lief. Trotzdem wurde ich von drei irischen Männern angesprochen und gegrüsst. Ich war sicher, dass Jane sie dazu angestiftet hatte.

Am Mittwochmorgen wurde ich dann noch am Frühstückstisch von einem spannenden Paar gefesselt mit denen ich zwei lange Stunden plauderte und wir tauschten uns unsere Eindrücke über Belfast und Nordirland aus. Ein wunderbares Gespräch, das einfach herzerwärmend und bereichernd war. Beglückt fuhr ich an der Küste zurück und hatte noch ein paar wunderschöne Landschaften vor Augen, gondelte zur Nordküste entlang den grossen Klippen namens „The Gobbins“ in der Grafschaft Antrim, in der auch mein derzeitiges Zuhause liegt.

Belfast war wunderbar – und vor allem waren es die Menschen. Wie überall in Irland wurde ich verzaubert und beschenkt, hatte viel Lachen und Staunen und konnte tief eintauchen in die irische Seele. Tommy’s Album „Songs of Hope“ begleitet mich auf allen Autofahrten und den langen Stunden, die ich am breiten Benone Strand verbringe. Was bin ich nur für ein Glücksschwein. Ich habe so lange auf meine „Magic Moments“ gewartet seit ich im Januar abgefahren bin. Hier bekomme ich sie jeden, jeden Tag. Mein Herz ist definitiv irisch und ich bleibe noch ein bisschen.

La vie est belle –
Tá an saol go hálainn! – Das Leben ist schön!


The Gobbins Cliff Path Larne Co Antrim Northern Ireland






































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Ich
fand Belfast schon immer spannend. Lange bevor ich es jetzt das erste
mal besuchte. Weil es eine Stadt ist, in der die grossen Schiffe
gebaut werden, das Berühmteste wohl das „Schiff der Träume“ –
die Titanic. Und es ist eine Stadt, die immer wieder, bis zum
Karfreitagsabkommen mit den Unruhen um Nordirland in Verbindung
gebracht wurde.


Ich
mag den Klang Belfast. Habe es viele hundert Male in irischen Songs
gehört, kenne viele Bands aus Belfast. Es hat abends natürlich! die
spektakulären Gigs und Livemusiker, die Stadt lebt. Sie im Dezember
kennenzulernen heisst vor allem: Im Lichterglanz, mit dem grossen
spektakulären Weihnachtsmarkt rund um die Kathedrale.


Und
es gibt wirklich extrem bunte Menschen in Belfast, etwa 350.000 sind
es inzwischen. Nachdem ich die letzten Wochen alle in einsamen
Gegenden unterwegs war, war Belfast zunächst auch eine Challenge.
Vor allem dort mit dem Auto unterwegs zu sein, in einem bunten
Gewimmel von Strassen in denen man mal links mal rechts fuhr,
komplizierte Ampellandschaften und Kreisel und überall Menschen. Was
für ein Abenteuer!

Nach
dem Abend bei Tommy Fleming, der mich total verzaubert hatte, war ich
gewillt Belfast einfach ganz und gar grossartig zu finden. Und zu
meinem Erstaunen war es das auch. Am Montag besuchte ich die Studios
in denen die fantastische Serie „Game of Thrones“ gedreht wurde.
Ging mit zwei Hand voll Serienfans durch die heiligen Filmhallen.
Lernte dort Seamus und Ian kennen, zwei eingefleischte Fans und
Mitarbeiter, die dort seit nunmehr 3 Jahren jeden Tag in den Linen
Mills Studios die Fans begleiten. Wir fachsimpelten lange über die
Charaktere im Hauptcast und sie waren fasziniert, dass ich
ausgerechnet Theon Greyjoy als meinen Lieblingscharakter nannte. Das
musste ich erklären und es entstand eine lebendige Diskussion über
Helden und Charakterrollen. Ich hätte ewig mit den beiden reden
können, schaute mir aber auch noch die original Kostüme, Requisiten
und natürlich den eisernen Thron an, der eine eher schäbige Plastik
Replique und leider unspektakulär ist.

Am
Abend streifte ich durch die Pubs, hörte wirklich gute irische Musik
im „Crown“, einer Bar aus dem 19. Jahrhundert das vollständig im
viktorianischen Stil eingerichtet ist. Es war ein herrliches
Nachtleben und das an einem Montagabend!

Am
nächsten Tag fuhr ich in den Süden nach Newcastle, in die Mourne
Hills. Immer der wunderschönen östlichen Küste entlang. Newcastle
war ein Glücksgriff, ein kleines Küstenstädtchen mit riesigem
Charme. Ich streifte durch den Hafen und die kleinen Läden und
beschloss auf einen späten Lunch in ein kleines Cafe zu gehen.

Ich
hatte mich kaum hingesetzt als eine ältere Lady um die 70 herein
kam. Das Cafe war sehr voll und auch sie sagte der Kellnerin, sie sei
alleine da. Ich bot ihr gerne an bei mir am Tisch zu sitzen. Die
einzige normale Frage, die mir Jane stellte war: „Where do you come
from?“ und dann ging es sofort los. Von 0 auf 100. Sie quetschte
mich aus, hatte Sprachwitz und Esprit und wir hatten eine
Unterhaltung, die ich niemals vergessen werde. Schon bald sprachen
wir über irische Männer und sie holte so richtig aus und plauderte
aus dem Nähkästchen. Wir lachten und lachten und sie war total
schamlos und unglaublich witzig. Das Gespräch wurde so lebendig dass
wir laut gröhlten und kaum mehr unser Mittagessen verzehren konnten.
Eine köstliche Unterhaltung, die uns beide an ungeahnte Orte
brachte.


Einmal
lachten wir so laut dass die Kellnerin kam und uns bat ein bisschen
auf die anderen Besucher zu achten. Das amüsierte uns sehr, denn wir
waren in etwas Ur-Irischem gelandet – einem Craic. Das ist das
irische Wort für eine spassige und lustige Zeit, eine Unterhaltung
in der man viel lacht. Mein erster Craic ever hatte eben
stattgefunden. Als Jane ging beglich sie an der Kasse meine Rechnung
ebenfalls, ohne mich das wissen zu lassen und dann kam sie und
drückte mich fest an ihre ausladende Oberweite. Ich habe sie extrem
genossen.

Als
ich wieder auf die Strasse kam wandte ich etwas an, das mir Jane
eingebleut hatte: Ich solle ganz genau geradeaus schauen und ja
keinem Iren in die Augen sehen! Lieber einen Engländer wählen,
statt einen Iren! Und eigentlich eh gleich am besten keinen Mann. Das
wäre ja in den meisten Fällen in unserem Alter so „unappetitlich“
– ja, das Wort hatte sie wirklich verwendet! Ich starrte also
geradeaus als wenn ich niemanden sehen würde und musste giggeln und
schmunzeln als ich in den Hafen zurück lief. Trotzdem wurde ich von
drei irischen Männern angesprochen und gegrüsst. Ich war sicher,
dass Jane sie dazu angestiftet hatte.

Am
Mittwochmorgen wurde ich dann noch am Frühstückstisch von einem
spannenden Paar gefesselt mit denen ich zwei lange Stunden plauderte
und wir tauschten uns unsere Eindrücke über Belfast und Nordirland
aus. Ein wunderbares Gespräch, das einfach herzerwärmend und
bereichernd war. Beglückt fuhr ich an der Küste zurück und hatte
noch ein paar wunderschöne Landschaften vor Augen, gondelte zur
Nordküste entlang den grossen Klippen namens „The Gobbins“ in
der Grafschaft Antrim, in der auch mein derzeitiges Zuhause liegt.

Belfast
war wunderbar – und vor allem waren es die Menschen. Wie überall
in Irland wurde ich verzaubert und beschenkt, hatte viel Lachen und
Staunen und konnte tief eintauchen in die irische Seele. Tommy’s
Album „Songs of Hope“ begleitet mich auf allen Autofahrten und
den langen Stunden, die ich am breiten Benone Strand verbringe. Was
bin ich nur für ein Glücksschwein. Ich habe so lange auf meine
„Magic Moments“ gewartet seit ich im Januar abgefahren bin. Hier
bekomme ich sie jeden, jeden Tag. Mein Herz ist definitiv irisch und
ich bleibe noch ein bisschen.


La
vie est belle – Das Leben ist schön!

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