In Irland spricht man viel von den Leprechaun. Ein Leprechaun ist eine Figur aus der irischen Folklore, die als kleines, übernatürliches Wesen dargestellt wird, oft als einsamer, bärtiger Mann mit Hut und Schürze, der Schuhe herstellt. Es wird gesagt, dass er einen Schatz aus Gold hütet, der sich am Ende des Regenbogens befindet und den er preisgibt, wenn man ihn fängt. Leprechauns sind bekannt dafür, schelmisch und trickreich zu sein, um ihr Gold zu beschützen. Ich habe in der ersten Woche hier in Nordirland nur Leprechauns gesehen, an jeder Ecke!
Denn: Die Landschaft ist magisch und pures Gold. Ich bin begeistert! Ich habe mein Land gefunden! Hier, hier!
Ein ganzes Jahr bin ich jetzt schon fast unterwegs. Die Reise brachte mich in weite Ferne, ich wurde mit sehr vielen Eindrücken beglückt. Ich erinnere mich: Im März zog ich meine Bahnen im Pool in Lombok. Der Himmel war tiefblau und die Palmen lachten mir ins Gesicht, wenn ich auf dem Rücken liegend Bahn um Bahn schwamm. Aber etwas störte am Bild. Ich lag im warmen Wasser, den Kopf in der tropischen Sonne – und sehnte mich ganz fest nach Irland. Hörte keltische Musik, träumte von Kühle und Frische und Magie, die ich verstehen kann. Ich musste einfach zurück nach Europa!
Seit dem Sommer also war ich in Europa in meinem Dreieck unterwegs. Frankreich, der britischen Insel und Irland. Auch in Irland sehnte ich mich noch. Der Süden war herrlich, der „Wild Atlantic Way“ ein Gedicht. Donegals grüne schöne Hügel und weite hohe Klippen waren wunderschön. Aber immer hatte ich das Gefühl, es fehle noch etwas zum puren Glück. Und schliesslich hatte der irische Troll mich geführt. Ich landete in Portrush an der irischen Nordküste, auf der Causeway Coastal Route. Gleich am ersten Tag nach Ankunft folgte ich den Zeichen und entdeckte kleine Köstlichkeiten. Sah auf historische Bauten, Steinmauern, auf verschlungene Pfade, in einsame Buchten, fuhr über die Hügel ans Ende der Welt. Und schliesslich:
Schlenderte ich mit meinem Mini einer Strasse entlang, die mich an mehreren Monumenten entlang an die wilde Küste von Castlerock führte, eine Strasse, die nach Downhill führte. Schon aus grosser Höhe sah ich den Atlantik, der in riesigen dunkelblauen Wellen an den Strand brandet. Und schliesslich war ich am weiten, weiten Beach von Benone in Limavady. Ich fuhr mit dem Auto auf den goldenen, endlosen Strand. Stieg aus und spürte: Das hier, das war der Ort, von dem ich geträumt habe. Der Wind fegte den Sand in kleinen Wellen zu mir, die Autotür wurde mir fast aus den Händen gerissen. Ich lief ein paar Schritte – und war da. An meinem Ende der Welt, am schönsten Ort meiner ganzen ganzen Reise. Wie zur Bestätigung erschien direkt vor mir ein doppelter Regenbogen.
Ich war alleine am Strand und stand mitten im Licht. Das war eine fast schon kitschige Filmkulisse, ein filmreifer take, ein Moment für die Ewigkeit. Ich zog ihn lange mit meinen Augen direkt und ohne Umwege in mein Herz. So weit war ich gereist und hatte schon im März gewusst wie der Ort meiner Träume sich anfühlt. Aufs Detail genau so fühlte ich mich jetzt.
Auch in den kommenden Tagen war ich immer wieder in Downhill, in Castlerock und immer wieder in Benone. Und ich werde weiter dort sein: Mich satt schauen, die kalte Meeresluft einsaugen, mein Herz nähren und anfüllen mit diesem Anblick. Ganz betrunken bin ich schon vom Glück.
Nun müssen mir die Leprechaun aber wirklich den Goldtopf präsentieren, damit ich die Zeit hier ausdehnen kann. Wichtig aber ist: Ich habe den Ort gefunden. Habe mich bis über beide Ohren unsterblich verliebt in dieses herrliche Land. Und bin nach elf Monaten Reisen angekommen. Bei mir. Im Glück. In der Magie. Da, wo ich hingehöre.
Ach, hatte ich erwähnt, dass mein Herz Iirisch ist?
Genau. Weil –
Das Leben ist schön! Tá an saol go hálainn!



