Durch Zufall bin ich in der charmanten Stadt Graz gelandet. Eigentlich nur deswegen, weil es nach einem Seminar, das ich letzte Woche besucht habe, eine weitere Nacht anhängen musste, mangels Flügen in meinen Heimatort. So schlenderte ich also durch diese schöne Stadt und war schnell verzaubert.
Graz ist die Hauptstadt des südösterreichischen Bundeslandes Steiermark. Der Hauptplatz bildet das Kernstück der mittelalterlichen Altstadt. Die umliegenden schmalen Gassen mit Gebäuden im Renaissance- und Barockstil sind von Geschäften und Restaurants gesäumt. Eine Seilbahn fährt den Schlossberg, den Hausberg der Stadt, zum jahrhundertealten Uhrturm hinauf.
Und gleich „hatten mich die Österreicher wieder“. Mit dem schönen Singsang und ihrer liebenswürdigen und gastfreundlichen Art haben sie mich von Anfang an verbal umarmt. Gleich nach dem Einchecken in ein herrliches Hotel also lief ich über eine der zahlreichen Brücken über die Mur direkt in die Altstadt. Es war Sonntag und trotzdem sehr viel los. In den vielen Strassencafes sassen schöne Menschen, tranken einen kurzen oder langen Braunen und genossen Kuchen und Mehlspeisen und schwatzten ausgiebig. Wie schnell fühlte ich mich hier willkommen!
Ich sah mir die Gebäude an, sass eine Weile bei meinem geistigen Freund im schönen Dom und trank schliesslich auch einen langen Braunen. Und dann kam ich zum Hauptplatz, dem Kern der Altstadt. Wie sehr hat es mich gefreut dass die Grazer noch lesen! Und nicht nur das – Sie sitzen zusammen auf grossen Sitzkissen und in Hängematten oder auch aufrechten Stühlen, greifen sich ein Buch aus dem Regal und lesen los. Zum Teil alleine, zum Teil einander vorlesend verschlangen sie die Dichtungen, lasen genüsslich oder waren erstaunt über das, was sie hier fanden. Ich war total beglückt! Menschen, die lesen statt in ihre Handies zu schauen!
Natürlich griff ich auch gerne zu und stöberte, allerdings ohne besonders fündig zu werden. Aber was ich mochte: Wie die Menschen da vor den Regalen standen. Den Blick schweifen liessen, diesen oder jenen Titel heraus zogen, blätterten. Ich beobachtete sie genau: Wann und von was sie sich fangen liessen. Wie gerne hätte ich mein Buch, leider noch unveröffentlicht, dazu gestellt und verschenkt für jemanden, der es finden und dessen Leben es bereichern könnte.
Ich genoss die Szenerie und liess in meinem Geist die Bücher Revue passieren, die mich in den letzten Jahren verzaubert und bewegt hatten. Wie lange habe ich keine Buchempfehlung mehr ausgesprochen? Das möchte ich heute nachholen. Dazu werde ich nicht die vielen wunderbaren Serien von französischen Krimis auflisten, denen ich verfallen bin. Sondern die Perlen und Juwelen. Die Bücher, die einen Nachhall bei mir hatten, bei denen ich unglücklich war, als sie zuende gelesen waren. Einige, bei denen ich direkt nochmals anfangen musste von vorne, vom ersten Satz. Denn wenn ein Buch gut ist, dann verschlinge ich es manchmal ohne zu atmen. Und dann muss ich es nochmals lesen, von Anfang an und jeden Satz in mir resonieren lassen.
Hier also sind meine Top 5. Gerne empfange ich hier auch Eure Empfehlungen!
- Für immer meine 1: Das Parfüm. Von Patrick Süskind
- Ganz schnell danach, eigentlich eine zweite 1 weil es so ein grandioses Buch ist: Die Hütte. Von William Paul Young.
- Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers
- Nina George: Das Lavendelzimmer. Und gleich danach den zweiten Band: Südlichter
- Alex Capus: Königskinder
Natürlich ist das unfair, weil ich eine Vielleserin bin und gerade in diesem Jahr so unglaublich gute neue Autoren und Bücher entdeckt habe. Aber ja, man muss eben manchmal Prioritäten setzen. Jedes der angegebenen Bücher hat mich verzaubert, vier davon wegen der grandiosen Sprach-Virtuosität und eines wegen seines revolutionär grossartigen Inhalts.
Bücher zu lesen verlängert das Leben. In einer Yale Studie ist nachgewiesen, dass Lesen das Gehirn Kapriolen machen lässt die es trainiert, dass es entspannt, gegen Depressionen wirkt und die geistige Achtsamkeit unterstützt. Mich macht es einfach nur glücklich. Ich verspreche hochheilig, mein Buch so zu vollenden, dass es einmal auf einer solchen Liste zu stehen würdig wird. Es heisst: Der Sprung. Und bald, bald, bald werde ich es finalisieren.
So lange gilt es das Leben zu geniessen!
Denn: Hatte ich es schon erwähnt?
La vie est belle – Das Leben ist schön.




