Diese Tage hatte ich wirklich sehr grosses Glück. Ich habe die Künstlerin kennengelernt, deren Arbeit ich seit Jahrzehnten bewundere.
Als ich ein Pferdemädchen war, gab es jedes Jahr einen Kalender, der uns Pferdeverrückte alle glücklich machte und auf den wir sehnlichst Jahr für Jahr warteten. Er zeigte die schönsten Pferde der Welt, war gross, hochglänzend und teuer. Und er war unser aller Schatz. Denn: Die Fotografin hatte die Pferde so fotografiert, dass man direkt und ohne Umwege ihre schöne Seele sehen konnte.
Damals war Fotografie noch analog. Es gab Filmspulen, die von Hand durch den Transportschlitten „geratscht“ werden mussten. Und jede Einstellung musste per Hand gemacht werden. Es gab den einen Shot. Die eine Chance zu dem Bild zu kommen, was man sich erträumte. Und die Fotos dieser Künstlerin waren grandios. Ausdrucksstark, präzise und voller Poesie. Was wir damals erst später wussten: Die Seele der Fotografin war ebenfalls zu lesen. Die Szenen der edlen Pferde wurden völlig natürlich und ungekünstelt auf das Bild gebracht. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Ich bin sicher, dass Gabriele gar nie angefangen hat, ihre Bilder zu bearbeiten.
Ich weiss noch, wie ich vor den Bildern sass. Viele haben wir eingerahmt und geträumt, einmal ein so wunderschönes Wesen selbst zu sehen, vielleicht zu reiten oder gar zu besitzen. Es schien sehr weit entfernt. Und doch träumten wir.
Wenn im November der grosse weisse Karton per Post oder in die Buchhandlung geliefert wurde nahmen wir den grossrahmigen Kalender vorsichtig heraus und schlugen die kostbaren Aufnahmen ehrfürchtig auf. Und das Schönste: Wir hatten es nicht eilig, weiter zu blättern sondern betrachteten jedes Foto aufs Neue fasziniert.
Über zwei Jahrzehnte hing der Kalender immer wieder in meinem jeweiligen Wohnraum, ich vergas nie, ihn zu würdigen.
Viele von uns dachten, es sein ein Verlagshaus mit mehreren Fotografen, die an diesem Werk arbeiteten. Aber heute weiss ich, dass es nur eine einzige Künstlerin war. Gabriele Boiselle.
Als wir uns kennenlernten, hatten wir zunächst einfach den gleichen Draht nach Irland und den Pferden, waren einmal in der selben Pferdefarm durch Connemara geritten. Und irgendwann dann gab sie mir einen Flyer und ich rief: Ach! Das ist Edition Boiselle! Die kenne ich. Und sie sagte: Das ist meine Arbeit. Ich war völlig überrascht.
Natürlich war ich super neugierig und bald sprachen wir von unseren Pferden, der Leidenschaft des Reitens, über Araber und ihr aufregendes, aufregendes Leben. Gabriele hat dieses Leben wirklich genossen, gefeiert, mit Leidenschaft und Schönheit gefüllt bis zum Rand. Auf meine Frage, ob sie schon von Kindesbeinen an gewusst habe, dass sie einmal DIE Pferdefotografin werden würde sagte sie: Nein, das wollte ich nicht werden. Während sie zwar schon als Baby einen tiefen Zugang zu den sanften Riesen hatte, wollte sie doch einen anderen Beruf ausüben. Und kam dann über viele kleine Zufälle und Fügungen, zu ihrer Passion. Das Leben hat es gut gemeint mit ihr und sie an geheimnisvolle und spannende Orte und in magische Begegnungen geführt.
Im Gespräch mit ihr sah ich es deutlich: Das wunderschön gelebte Leben. Ihre Augen sprühen, sie sitzt immer noch im Sattel und will so lange reiten wie die Queen, hat neue Pläne und Projekte und ist lebendig, ambitioniert und inspiriert. Und das in einem Alter, in dem andere sich rententechnisch bequem in den Lehnstuhl setzen. Ich bewundere ihre Quirligkeit, ihre glasklare Sicht, ihr sicheres Gefühl für das Richtige, die Art wie sie sich schenkt und ihre Kunst zur Verfügung stellt.
Was für ein gelungenes Leben! Wie inspirierend ihr bei ihren Abenteuern zu lauschen und überall die Liebe wieder zu finden
Im Nachgang unseres Gesprächs spürte ich auch meine alte Leidenschaft für die Pferdewelt neu. Erinnerte mich an Schätze meines Lebens, die alle mit diesen wunderbaren Begleitern zusammen hingen. Und ich dachte: Wie sich geradezu magisch hier wieder ein Erinnerungskreis schliesst!
Ich fühle mich reich beschenkt von den Begegnungen der letzten Tage.
Was bin ich doch für ein Glücksschwein.
Falls Du sehen möchtest, wem ich das Glück hatte zu begegnen und Dich auch einmal kurz vertiefen möchtest in die Schönheit und die Kunst, dann schau gerne hier rein:
Überall – Das Leben ist schön! – La vie est belle.