2011 war es schon mal soweit: Im Dezember, im allergrössten Ansturm an alles, was entspannt, arbeitete ich wie eine Wahnsinnige. Am Ende lag ich erschöpft unter dem Weihnachtsbaum und wusste: So kann und darf das nicht weitergehen. Zwischen den Jahren nahm ich selbst Kontakt zu einem Mental Coach auf. Ich hatte von Eric gehört, die Meetings fanden per Skype statt, er lebte in Toronto.
Ich erzählte Eric mein super komplexes und vollgestopftes Leben mit Haus, Pferd, Kids, Freundeskreis und Praxis und Pflichten und er konnte mir kaum zuhören, weil er fand das sei alles viel zu viel. Ich hatte mir viel aufgeladen, auch Freizeitstress. So sagte er, ich solle eine einzige Sache aufgeben. Und nächste Woche wieder mit ihm sprechen. In der Woche nahm ich alles unter die Lupe und sagte immer wieder: Nein, das kann ich nicht lassen. Nein, das auch nicht. Das auch nicht. Nach einer Woche war ich gleich weit: Immer noch viele Felsbrocken, die ich herum schleppte. Eric war rigoros: Ich müsse etwas tun, ins Handeln kommen. Sonst wäre das Coaching beendet. Fair enough, genau mein Coachingansatz.
Im Januar 2012 sprach die ganze Welt davon, dass am 21.12.2012 laut Maya Kalender die Welt untergehen würde. Es war ein riesiger Hype. Ich dachte: wenn meine Welt untergehen würde, was wäre dann? Ich mache es kurz: Ich beschloss, meine gut gehende Praxis Phönix aufzugeben. Ein überaus radikaler Schritt, da uns das alle ernährte. Das Coaching mit Eric war also wirkungsvoll, dafür werde ich ihm für immer dankbar sein. Ich schloss die Praxis und traf einige waghalsige neue berufliche Entscheidungen.
2012/13 waren also meine Schicksalsjahre. Ich fand Jersey. Den Adlerflug. Das neue Coaching und Konzept und von Beginn an war es erfolgreich. Ich hatte die Weichen gestellt, die riskanteste Entscheidung getroffen. Und gewonnen. Auch an Selbstvertrauen für meine eigene Courage.
Jetzt sind 12 Jahre vergangen. Auch in diesem Januar habe ich eine radikale Entscheidung getroffen: Jede Sicherheit zu verlassen. Wohnung, Praxis und Komfortzone aufzugeben und mich in den freien Fall zu begeben. GO WILD. Also nicht mehr gefesselt. Frei wie ein Adler in den Wind und ins Leben zu stürzen in der klaren Ausrichtung, dass der Aufwind mich an einen Ort bringt und in ein neues Leben, das jetzt zu mir passen würde. Leben 3.0. Ein Leben ohne Kids in Deutschland. Ein Leben mit Kids, Karriere, Haustieren und Freundeskreis in der Schweiz. Und jetzt? Leben 3.0. Auf der Reise ohne Pläne, mit One-way-Tickets in die Welt.
Was wird mich erwarten?
Ich freue mich auf Leere, auf das blanke pure Sein statt Haben. Auf neue Orte. Auf Freiheit. Auf Stille. Auf Inspiration und Begegnungen. Und ich möchte gerne mein Buch schreiben, diese Sehnsucht summt in mir seit ich 15 bin.
Eine Zeit, ein Leben für mich. Wohin es mich führt? Keine Ahnung. Ich lasse mal los und schaue was kommt.
Ein bisschen ist es eben doch wie ein Adlerleben. In den Wind fallen. Sich (mit-)tragen lassen und schauen was sich ent-wickelt. Ohne Anbindung, ohne Verpflichtung, ohne Versprechen.
Vor vielen Jahren hat mir das mal jemand gesagt: Man soll über eine Brücke gehen, sie verbrennen und dann das neue Land entdecken ohne sich umzudrehen. Erst dann könne etwas Neues entstehen.
Jetzt sitze ich auf wenigen gepackten Kisten. Habe losgelassen, aufgegeben und gelöscht. Wie ein weisses Blatt mache ich meine Hände auf und warte auf die Wunder, die in sie fallen dürfen.
Wie es mit dem Blog weiter gehen wird habe ich noch nicht entschieden. Aber: Die gute Nachricht für meine Leser: Ich habe die Domain für ein weiteres Jahr bezahlt und arbeite im Hinterkopf an einer neuen Idee. Mit der ich mich und Dich, geneigter Leser, zum Anfang des neuen Jahres dann beglücken darf.
Jetzt erst mal: Über die Brücke gehen. Die Fackel in der Hand.
Da, wo wir das Leben spüren können, da ist es auch. C’est la vie.
