Gift

In der letzten Woche hatte ich es mit allerlei Vergiftungen zu tun. Und alle waren im Kopf. Auch in meinem Kopf gibt es bisweilen diese Denk Kapriolen, die keinen Spass machen, sondern kleine Giftpfeile gegen dies und das produzieren. Dagegen zu halten braucht mentale Kraft. Und die steht nicht bei jedem in beliebiger Menge zur Verfügung.

Du hast es sicher gemerkt: Das Zeitgeschehen nimmt wieder Fahrt auf, es wird gewaltig schnell zum Jahresende hin. Jetzt haben wir alle noch das Gefühl To-do-Listen abarbeiten zu müssen und dann kommt für viele Menschen genau das Gegenteil der besinnlichen Zeit. Und – die Menschen um uns herum sind gereizter, die Termine knapp, jeder will alles noch erledigen und erledigt haben. Mehr als sonst fällt mir das dieses Mal auf: Weil es meine letzte „Winter-Weihnachts-Saison“ ist.

In der vergangenen Woche sprach ich mit einem Mann, der meinte keine Zeit für einen WC Besuch zu finden, so voll sei seine Agenda. Ein anderer wurde von Kollegen und Mitarbeitern so stark demoralisiert, dass er jede extrinsische Motivation verlor, weiter zu machen und auszuhalten. Ein anderer zerbricht an dem eigenen Perfektionsanspruch und ist verzweifelt darüber, dass er nicht mehr funktionieren kann wie gewöhnlich. Und bei allen sah und ich hörte ich das gleiche Phänomen: Dass sie von ihren Gedanken besetzt sind, die sie fest im Griff haben, ihnen keine (Nacht-)Ruhe lassen, sie gefangen halten in einem nicht endend wollenden Strom von variablen Lösungen oder Befürchtungen oder Hochrechnungen, die sich anbieten angedacht zu werden.

Schon wenn ich das schreibe spüre ich die Atemlosigkeit, die meine Klienten – und manchmal auch mich – befällt. Da denke ich dann gerne an eine Ausbildnerin von mir, die mir einmal sagte: Wenn Du Deinen Gedanken glaubst, hast Du schon das grösste Problem!

Am Freitag war es dann wieder einmal so weit. Nach endlosen Arbeitstagen rannte ich schon früh am Morgen, hatte zu wenig geschlafen, hatte schon neue Pläne im Kopf, war in Gedanken bei den nächsten drei Terminen und hetzte aus dem Opera Parking. Ich spürte meine Atemlosigkeit, der Kopf war voll. Aber der Körper bremste mich aus. Ich schlich, obwohl ich rennen wollte. Durch Zufall sah ich meinen Sohn im Food-Truck im Weihnachtsdorf. Ich hielt an – obwohl ich natürlich keine Zeit hatte – und sagte: Hey mein Schatz! Komm schnell für eine Umarmung! Er sprang raus. Wir drückten uns ein bisschen. Sprachen 2 Sätze, verabschiedeten uns. Mein Tag war gerettet.
Ich ging langsam weiter, weil ich nachspüren und innehalten und fühlen wollte.

Das Leben geht niemals in dem Tempo, in dem unser Kopf rast. Die Gedanken sind NICHT unser Leben. Kannst Du das glauben?

Wir alle denken uns kaputt, urteilen schnell, besinnen uns nicht auf das Wesentliche, lenken uns ab, rechnen Möglichkeiten durch. Wie überaus gefährlich ist es, wenn wir Gehirnjogging betreiben statt zu fühlen was gerade gut tut.

Dabei müssten wir doch nur die Perspektive wechseln.

Was ist jetzt wirklich schön?
Wofür bin ich gerade enorm dankbar?

Was gefällt mir jetzt?

Was brauche ich wirklich, wirklich gerade?

Einer meiner Klienten hatte erst am nächsten Morgen, nach einer neuen Gedanken Eskalation den Wunsch gefunden, dass er eigentlich nur ein bisschen Nähe gebraucht hätte. Es fiel ihm einfach nicht ein am Abend zuvor. Wie denn auch? Der Kopf war übervoll! Die Gedanken quollen in alle Richtungen und liessen keinen Platz fürs Fühlen. Fatalerweise meinte er, es würde ihn entspannen wenn er etwas im TV ansieht. Dabei war das ja nur noch mehr Futter statt Fühlen.

Ich habe gerade einen lieben Mensch im Coaching, der nur das braucht: Eine Hand, die ihn hält. Zuversicht. Zuwendung. Stille. Abschalten. Nähe.

Wie einfach – und wie schwer das zu fühlen was ihm fehlt.

Die Giftpfeile gehen nie nur nach aussen, sie vergiften auch allmählich uns selbst und unterdrücken das was uns noch von KI unterscheidet: Die Seelenruhe, die Begegnung, die Menschlichkeit.

Albert Einstein hat einmal gesagt: Das selbe Gehirn, das uns die Probleme bastelt wird keine Lösung dafür finden.

Ich lade dich ein: Atme. Geh nach innen, finde deine Ruhe, hör deinem Herzen zu, fühle das Rauschen deines Blutes. Deinen Puls. DU LEBST. Du bist hier, du bist gesund und dich umgibt so viel Schönes und Wertvolles wenn du bereit bist es zu sehen.


Das Aussen ist unwichtig, die Gedanken auch, das Ausrechnen von Befürchtungen und Konsequenzen, das Verurteilen von allem was falsch zu sein scheint. Es ist im Prinzip völlig egal was aussen ist. Du bist das Leben, du kannst es geniessen oder deinen Gedanken zuhören. Was wählst Du?

Da, wo du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

Screenshot

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