Aufbruch

In den vergangenen Tagen habe ich von allen Seiten und auch aus mir heraus das Thema Abschied und Neubeginn erlebt. Es ist eine Umbruch- und Aufbruchszeit und ich sehe einmal mehr, wie schwer es ist, gewohntes Terrain zu verlassen und einen grossen Schritt in eine neue Welt zu machen. Das vermeintlich Sichere zu verlassen ist ein grosses Wagnis.

Unsere Gewohnheiten sind es, die uns mitunter (fest)halten. Und sie fühlen sich geborgen an, wir sind verankert. Wir bewegen uns alle in Rollen oder Positionen, die wir uns einmal erschaffen haben. Diese Haut abzustreifen bedeutet letztlich, wieder nackt und verwundbar zu sein. Die meisten Menschen versuchen das unter allen Umständen zu vermeiden. Ich habe das auch lange getan.

Was wird das Neue bringen? Werden wir da glücklicher sein? Wird es hoffentlich besser sein? Was wird es mit mir machen?

Ich habe dieses Zitat von C.G. Jung schon öfters erwähnt und einmal mehr trifft es den Punkt:

„Wenn man einmal den Ruf seines Herzens gehört hat, dann kann man nicht anders, dann muss man ihm gehorchen.“

Ja, aber wie schwer ist es oft, das zu tun. Die Umgebung will uns nicht hergeben, wir sind auch im Leben von anderen eine „sichere Nummer“. Wenn wir unsere Rolle eingenommen haben, dann sind wir immer auch im Leben anderer eine Sicherheit, ein Garant für Glück, Wärme und Geborgenheit.

Loslassen war für mich persönlich nie besonders schwer. Aber weg gehen… Und etwas, jemanden, verlassen, sich anderen entziehen das war schwer, sehr oft.

Ein Neuanfang ist immer auch eine Ent-scheidung. Wir verlassen, müssen etwas verlassen um an einen neuen Punkt zu kommen. Dieser Schritt hinaus in eine neue Welt ist unumstösslich und die Wenn’s und Aber’s von unserem sicherheitsliebenden Kopf und den Menschen, die uns vertrauen und vertraut sind, sind schmerzhaft und laut.

In der vergangenen Woche also spüre ich die Melancholie des Abschieds. Plötzlich gibt es Dinge, die man jetzt „ein letztes Mal“ macht, man plant vielleicht Abschiedsbesuche und entfernt sich jeden Tag ein bisschen mehr.

Was ich oft höre: Ich werde Dich vermissen.

Aber – wir gehen ja nicht ganz. Nur einen neuen Weg. Nur ein anderes Kapitel wird geschrieben. Nur eine andere Sicht, eine neue Perspektive wird sich eröffnen.

Was mich dann tröstet: Alle meine engsten Freunde sind schon jahrzehntelang an meiner Seite, egal wo ich gerade bin, was ich gerade tue. Ein paar kleine Ankerpunkte gibt es ja und die Flügel sind trotzdem offen. Man muss sich dem Leben (noch mal) anvertrauen.

Wie schön ist da das Bild des Adlers, um es wieder einmal zu erwähnen. Wenn Aufwind herrscht (in diesem Sinne unsere innere Sehnsucht, die uns zum Absprung gebracht hat) dann lässt sich der Adler scheinbar ins Nichts fallen. Aber: Er hat einen Aufwind gesehen. Er geht zwar in den freien Fall, fällt aber auch in eine grosse Kraft, in den Aufwind/Wirbel, die ihn anstrengungslos nach oben tragen wird. Jetzt muss der Adler nur noch die Flügel stellen und die Kapriolen werden ihn nach oben tragen. Die Sehnsucht des Adlers trägt ihn schliesslich dahin, wohin er wollte: In den weiten freien Himmel. Schon bald hat er den sicheren Boden verlassen und alles Vertraute sieht er aus weiter Ferne.

Was werden wir finden im Neuen?

Vielleicht wieder etwas, das immer da ist, so lange wir leben: Uns selbst.

Also auf, also los. Alles im Leben ist ein Geschenk. Das Leben selbst ist ein Geschenk. Freuen wir uns auf Abenteuer, die gelebt werden können.

Da, wo Du das Leben spüren kannst (und das pochende Herz) – da ist es auch. C’est la vie!

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