Ich sage ja gerne, dass ich ein Glücksschwein bin. Einfach, weil ich es bin.
Es ist ganz und gar nicht so, dass mir etwas in den Schoss gefallen wäre. Ganz im Gegenteil, meine Kindheit, Jugend und auch grosse Teile des Erwachsenenlebens waren überaus herausfordernd. Es gab sehr viel Anstrengung und auch die ein oder andere negative Kapriole in meinem Leben, Verluste und Gewalt. Scheitern und Fehlentscheidungen und auch Sachen, die ich bereue. Aber: Hey! Ich bin ein Glücksschwein! Vielleicht auch ein Trüffelschwein!
Weil: Glück ist etwas, zu dem man sich entscheiden muss.
Ja, genau. So einfach. So schwer.
Vor zwei Jahren war eine supertolle Frau in meinem Coaching, die in einem mentalen Zusammenhang den Satz „Ich bin ein Glücksschwein“ generierte. Und sie konnte das fast nicht aushalten. Weil: Sie hatte doch so hart gearbeitet für ihre Karriere. Für ihre akademischen Würden. Für ihr Leben. Aber, einfach so sagen, dass sie Glück hatte? Das schien ihr zu leicht, zu einfach und sie wollte sich ja nichts darauf einbilden, dass das Schicksal es gut mit ihr gemeint hatte. Es brauchte sehr viel Überzeugungsarbeit, bis sie den Satz für ihr Leben feiern konnte. Ab da – ging es unheimlich leicht und sie genoss es gewaltig.

Was braucht es denn, dass man ein Glücksschwein ist?
Zuallererst wohl einmal die klare Sicht, mit was man alles Pluspunkte sammeln kann.
Bist Du gesund? Physisch, psychisch?
Hast Du (noch) alle Gliedmassen?
Kannst Du Dich uneingeschränkt bewegen?
Hast Du einen klaren Kopf, der Dich Dinge erkennen lässt?
Kannst Du Dich aus – drücken?
Durftest Du selbst wählen was Du mit Deinem Leben tust?
Hast Du Dich beruflich in Deine gewünschte Richtung bewegt?
Lebst Du an einem Ort, der Dir gefällt?
Kannst Du wählen was Du isst, wie Du Dich kleidest, welche Dinge Du besitzt?
Geniesst Du politische, kulturelle, religiöse Freiheit?
Bist Du emotional verbunden mit lieben Menschen, vielleicht sogar einem Liebsten?
Wolltest Du Kinder bekommen und sie sind Dir eine Freude?
Bist Du zufrieden mit Deinem Umfeld, der Umgebung, in der Du Dich befindest?
Kannst Du wachsen, da, wo Du bist?
Hast Du Geschenke des Lebens erhalten?
Hattest Du Chancen, die Du genutzt hast?
Siehst Du Schönheit?
Umarmt Dich jemand? Fühlst Du Dich geborgen?
Geniesst Du etwas für Dein ästhetisches Auge?
Hast Du gute Filme, Bücher, Inspiration, Kunst um Dich herum?
Hast Du eine Leidenschaft, die Du auslebst?
Hast Du ein schönes Leben kre-iert?
Lachst und lächelst Du jetzt?
Glück ist vor allem eine Entscheidung. Es hat nichts mit Geld zu tun, kann aber auch durch Geld bereichert werden. Aber hey, wieviele unglücklich reiche Menschen hast Du schon getroffen?
Und wieviel glückliche? Hält es sich die Waage oder kannst Du erkennen, was die Glücklichen glücklich und die Unglücklichen unglücklich gemacht hat?
Im Laufe der letzten Jahre, ich würde sagen, in meiner zweiten Lebenshälfte, habe ich so viel überbordendes Glück erfahren. Alle Fragen, die ich oben gestellt habe kann ich mit JA JA JA beantworten. Aber es war Arbeit. Ich musste wach sein, mich orientieren, mich entscheiden, mich etwas trauen, mir etwas zutrauen. Ich musste auswählen und auch Menschen und Orte und Situationen verabschieden für mein Glück. Das war nicht immer einfach und hat bisweilen auch weh getan. Ich musste manchmal weitergehen, wo andere geblieben wären. Ich musste erkennen, dass ich nichts „aushlaten und ertragen“ muss, sondern dass ich immer die Wahl habe.
Aber das Glück war mir hold. Es brachte mich an immer neue Orte, die voll mit neuen Möglichkeiten, Bewegungen, Schönheit und glücklichen Fügungen war. Auch jetzt, an einem Moment des Neubeginns, zeigt sich wieder das Glück und liefert. Ich stehe da wie eine Sternenmarie und halte die Schürze auf, um die Sterne zu fangen, die es regnet. Ich sehe es, das Glück und fühle mich reich beschenkt.

Schau mal hin, zähl mal auf, mit was Du alles Glück hattest im Leben. Fang ganz am Anfang an. Schau an Dir selbst hinab. Dann in Dich selbst hinein. Und erst dann: Um Dich herum.
Ich beglückwünsche meine Schwester, die ein neues wunderschönes Zuhause gefunden hat zu ihrem Mut, den neuen Beginn zu wagen. Einen Freund, der einen Neustart in einem anderen Land wagt. Eine Freundin, die in ihrem Paradiesli ihr Lieblingsleben gefunden hat. Meine Coachees, dass sie eine Glücksentwicklerin hatten, meine Nachmieterin, dass sie meine Wohnung übernehmen kann. Meinen Hund, dass er so viele glückliche Jahre mit mir hatte. Meinen Herzensbruder, dass er mich hat! Meinen Sohn, dass er seine künstlerische Ader entdeckt hat, meinen zweiten Sohn, dass er frisch verliebt ist. … die Liste könnte ewig so weitergehen. Seht Ihr das Glück?
Siehst Du Dein Glück?
Ich bleibe dabei. Ich bin ein Glücksschwein. Und Du auch!
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.