Die Villa sah noch so aus wie damals. Weil: Die meisten alten Häuser verändern sich schliesslich nicht. Wir waren ganz zufällig daran vorbei gefahren. Eigentlich hatten wir uns verirrt und plötzlich erkannte ich den Zaun und das Gelände wieder. Ich war sehr erstaunt: Da hatte ich mal gearbeitet! Inzwischen waren fast 35 Jahre vergangen. Und ich musste schmunzeln über die damalige Arbeitssituation in einem Aushilfsjob. Ein innerer Film ging los und ich erinnerte mich an allerlei skurrile Details. Ein bisschen hat es sich angefühlt wie ein anderes Leben. Es war spannend aber auch irritierend.

Ich arbeitete damals als eine Art Archivarin und kam dem Besitzer, einem widerlichen Mensch aus einer halbseidenen Bauunternehmung, schon bald auf die Spur. Ach wie gerne hätte ich ihn verpfiffen! Es war eine filmreife Story: Ein junger Mann überwirft sich mit seinem Vater und baut auf eigene Faust ein Immobilienreich auf. Immer grösser wurden seine Projekte, immer mehr Geld leihte er sich von Banken, die er mit einem Mix aus Protz, Charme und Chuzpe bei Laune hält – bis sein Imperium implodiert und er ins Ausland flieht. Später kam er in Haft. Und kaum hatte er sie abgesessen, schon wurde er ein Talkshowgast, Autor und Berater. Ich muss noch heute den Kopf darüber schütteln.
Damals wollte ich insgeheim gerne Wirtschafts-Spionin werden. Das wäre sogar ein Traumjob geworden. Ich stellte gerne allerlei unbequeme Fragen, schnüffelte herum, kam Geheimnissen auf die Spur. Köstlich, was sich alles heraus finden liess, wenn man ein bisschen nachbohrte. Und was sich alles ans Licht holen und am liebsten auch publik machen liess. Diese Neugier habe ich noch heute. Hätte ich endlose Möglichkeiten, dann würde ich noch immer gerne in geheime Räume eindringen, lauschen und Informationen stehlen und an die Öffentlichkeit holen.
Ich ging dieses Wochenende so manchen „alten“ Weg. Und durch die Bestattung unseres Adoptivvaters hatte ich auch reichlich Gelegenheit mit meiner Schwester in alten Erinnerungen zu kramen. Es war ein bisschen wie Spazierengehen in einem alten Garten. Die Wege sind einem noch bekannt, man sieht sie aber wie in einem Film, ohne eigene Reflexion oder Gefühlswelten.
Irgendwann hatte ich dann auch genug nach hinten geblickt. Wenn man zu lange in Erinnerungen wühlt, dann ist es ein bisschen wie nach vorne fahren (in meinem Fall in einem sehr hohen Tempo) und dabei in den Rückspiegel schauen. Etwas, das mir gar nicht gut tut. Was mich erschöpft und eher melancholisch werden lässt statt beglückt.
Jetzt darf sich das Bild wieder drehen. Was passiert als nächstes?
Ist das nicht eine herrliche Frage: Was passiert als nächstes?
Es macht uns sofort wach. Und lässt uns staunen und neugierig raumgreifend in neue Spielräume laufen. Wie schön! Da lässt sich vieles (neu) entdecken, (neu) wertschätzen und erobern. Ich freue mich darauf.
Danke an diesen kleinen Flashback in ein ganz frühes Leben, den ich mir diese Tage anschauen konnte. Es hat Spass gemacht. Mich zum Schmunzeln gebracht. Um eine Geschichte mehr bereichert. Und jetzt geht’s wieder nach vorne.
Wenn Du Lust auf eine Reise in die Vergangenheit hast, dann geniesse einen Blick in alte Fotos. Oder sprich mit Menschen, die sich an dein altes Ich erinnern.
Aber vergiss nicht, wieder aufzutauchen und zurück zu kommen. Das Leben ist jetzt. Angereichert mit Anekdoten und Filmsequenzen aus einer anderen Zeit. Aber immer jetzt.
To be continued 🙂
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.